Kein Mantis für Kundus

Das Gerücht kursierte schon länger, jetzt haben die Kollegen von Reuters dafür die Bestätigung gefunden (hier im Handelsblatt nachzulesen): Das Flugabwehrsystem MANTIS, gedacht für den Schutz von Bundeswehr-Feldlagern gegen Mörser- und Raketenangriffe, wird nicht wie geplant in Afghanistan zum Einsatz kommen. Und wird nicht das PRT Kundus vor solchen Angriffen schützen.

Zwar ist die hauptsächliche Begründung, das System werde nicht mehr gebraucht, weil ja die Raketenangriffe auf das deutsche Camp in Kundus abgenommen hätten. Tatsächlich aber gaben wohl die technischen Probleme mit dem von Rheinmetall entwickelten System den Ausschlag: Die Problematik der Nicht-Zerlegerate der Geschosse und die in jüngster Zeit aufgetretenen Probleme in der Munitionsfertigung wurden erkannt und werden durch die Industrie mit höchster Priorität bearbeitet, zitiert Reuters aus einem Brief des Verteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss des Bundestages.

(Rheinmetall-Pressebild)

Noch steht übrigens auf der Webseite der Luftwaffe:

Mit diesem Abwehrsystem, einem sogenannten Nächstbereichs-Schutzsystem, gelingt der Luftwaffe der Einstieg in eine neue Generation von Schutzsystemen gegen Raketen- und Mörserangriffe. MANTIS wurde seit dem Jahr 2008 entwickelt und wird ab Ende 2011 den Schutz des PRT Kunduz sicherstellen.

(Mal sehen, wie lange. Auch dieses hübsche Foto muss ich noch mal in größer suchen.

11 Kommentare zu „Kein Mantis für Kundus“

  • Horst   |   05. September 2011 - 17:51

    Da wird (laut Bericht) bei einem Test im März 2010 festgestellt, dass das System noch nicht funktioniert und ein neuer Test für 2012 angesetzt.
    Trotzdem spricht man bei der Bundeswehr davon, das es sowas ab „Ende 2011“ in Kunduz gibt (einsatzfähig!). Weiß da vielleicht die eine Hand nicht, was die andere macht? Oder will man nur keine schlechten Nachrichten veröffentlichen?

    Irgendwie kommt es mir so vor, ob man seit Anfang dieses Jahres keine Informationen an die einfache Bevölkerung/Angestellten/Soldaten rausgeben will. Zur Neuausrichtung gibt’s bisher ja auch nur leere Phrasen (siehe auch Interview mit Vizeadmiral Nielson)…

  • Heiko Kamann   |   05. September 2011 - 18:13

    @ Horst
    Na, wer wird denn Böses dabei denken …!?

  • Someone   |   05. September 2011 - 19:27

    Und dann noch die vom Außenminister avisierte Kontingentreduzierung um 500 Mann, also in etwa einem ASB die sich nicht mit der Personalaufstockung durch Mantis in Einklang bringen lassen würde.

  • TomTom   |   05. September 2011 - 19:51

    Die Industrie kann nicht termingerecht liefern? Wie ungewöhnlich….

  • Tim292   |   05. September 2011 - 20:57

    Es könnte schlimmer sein, als dass Mantis nicht oder verspätet kommt! Die Schäden die bisher durch IDF entstanden sind ja doch sehr gering – Tendenz wohl weiter sinkend. Für mich stellt sich da durchaus die Kosten/Nutzen Frage.

    Die etlichen Millionen die da geflossen sind und fließen, um das sichere Leben im Lager noch sicherer zu machen, wären meiner Meinung nach in mehr Boxern, Pumas, Hubschraubern, Upgrades für Fuchs/Marder besser angelegt gewesen – oder in ein paar zusätzlichen Einsatzkampfjacken/-hosen!

    Die durch mehr KFZ/LFZ ausgestrahlte Sicherheit wäre für die deutsche und die afghanische Seite von größerem Nutzen, als ein komplett passives Schutzsystem.

    Grundsätzlich widerstrebt mir dieses ‚einigeln‘ eh – sei es im Lager hinter Mantis oder in immer noch besser gepanzerten Dingos/GFFs, die zum Kämpfen kaum taugen. Leider spiegelt es aber doch die oftmals die Mentalität der politischen, hohen militärischen Verantwortlichen sowie die der Beschaffer wieder. Offensiv denken, gibts nicht mehr.

  • MR   |   05. September 2011 - 21:18

    Aber hey, irgendwo muss die Kohle doch auch hin!
    Irgendwas Sinnfreies muss man ja schließlich mit den ganzen Haushaltsmitteln, die durch die Stilllegung von Gepard verfügbar geworden sind, finanzieren.
    Weiter so!
    Und die Idee von Tim292 ist ja wohl völlig absurd. Das würde ja Sinn machen und kommt somit überhaupt nicht in Frage!!

  • Sebastian S.   |   05. September 2011 - 22:28

    Prestigeprojekt mit zweifelhaftem Nutzen. ’nuff said.

  • Student   |   05. September 2011 - 22:32

    Naja.. das niemand durch den Beschuss der Feldlager gestorben ist war reine Glückssache. Oft genug sind Flugkörper in den Lagern eingeschlagen. Was mich an MANTIS stört ist, dass es nicht mobil ist. Die FOB’s (Die vorgeschobenen Operationsbasen) werden ja durchaus häufiger mit Feuer belegt und ein mobiles Schutzsystem wäre da während den Aufbauphasen eine wirkliche Erleichterung. Tendenziell im Bezug auf das einigeln sage ich aber: Sehe kein Grund wieso man das Lager nicht durch ein solches System schüten sollte. Im HInblick auf diese IRAM’s die ja seit einer Weile hier schon diskutiert werden möchte ich nicht die Wirkung im Ziel sehen, wenn so ein Teil mal wirklich trifft.

  • Sebastian S.   |   06. September 2011 - 0:08

    Die Diskussion wie sinnvoll so ein System ist können wir uns sparen bis es als einsatzbereit gemeldet wird. Davon mal abgesehen ist das Kind längst in den Brunnen gefallen, wenn es erst dazu kommt das so ein Lager beschossen wird. Die Verfügbarkeit solcher Systeme wird sicherlich nicht verhindern das zweifelhafte Standorte gewählt werden.

  • Schelmchen   |   06. September 2011 - 3:12

    Kommen denn wenigstens die Korvetten K130 nach AFG??

  • McKenzie   |   06. September 2011 - 11:13

    Habe über Umwege aus dem Bereich der Lw in Husum (dort soll MANTIS ja im dortigen FlaAbwRakG beheimatet werden) gehört, dass MANTIS gar nicht mehr kommen soll. Also nicht nur nicht nach AFG, sondern so gar nicht in die Bw.
    Was ist denn da dran?