Mit Großvaters Kamera an die Afghanistan-Front

Der Fotograf Simon Klingert, von dem ich bisweilen auch hier im Blog Bilder zeige, hat die Rollfilm-Kamera seines Großvaters mit nach Afghanistan genommen. Und stellt Bilder vom Hindukusch den Bildern gegenüber, die der Großvater mit der selben Kamera an der Ostfront machte:

Shooting the Afghan War with a WW II Camera

 

Weibliches Besatzungsmitglied von gekaperter französischer Yacht gerettet

Das spanische Kriegsschiff Galicia, Teil der EU-Antipirateriemission Atalanta, hat heute ein Besatzungsmitglied der französischen Jacht Tribal Kat gerettet, die in den vergangenen Tagen offensichtlich nach einer Kaperung leer aufgefunden worden war. Nach Angaben von Atalanta stellte die Besatzung der Galicia ein so genanntes Skiff, ein kleines Boot mit leistungsstarkem Außenborder, in dem sich neben dem Besatzungsmitglied der Yacht mehrere Piraten befunden hätten.

Nachtrag: Nach Angaben des spanischen Verteidigungsministeriums ist die gerettete Geisel eine Frau:

El Galicia detectó un esquife sospechoso de actividades relacionadas con la piratería mientras realizaba una misión de vigilancia en las costas somalíes. Tras una primera investigación, se confirmó la sospecha y le dio el alto. Ante la negativa de los piratas, el comandante del Galicia ordenó que se abriera fuego por proa para que se detuvieran. En ese momento, mostraron que a bordo tenían un rehén, que se comprobó que era mujer.

(Die Google-Übersetzung ist so grauenvoll, dass ich sie hier nicht einstellen mag…)

Nach Angaben der Spanier eröffneten die Piraten das Feuer auf die Soldaten der Galicia. Nach dem anschließenden Feuergefecht konnte die Geisel allerdings gerettet werden.

Über das Schicksal der übrigen, vermutlich weiteren drei Personen der Jacht-Crew gibt es laut Atalanta bislang keine weiteren Informationen. Dass ein Kriegsschiff der EU-Mission (wie es der Text der Mitteilung nahelegt) gezielt nach den Piraten hinter dem Überfall auf die Jacht sucht, belegt das hohe Interesse und das Operationstempo, das offensichtlich Frankreich an den Tag legt.

(Wenn ich es richtig sehe, hat übrigens damit die EU erstmals offiziell den Namen der gekaperten Jacht bestätigt.) weiterlesen

Erster Piratenerfolg des Jahres im Roten Meer (mit Korrektur+Update)

Wenn ich die heute von der NATO veröffentlichten Daten richtig verstehe – und mir die Karte des International Maritime Bureau ansehe – ist es vermutlich somalischen Piraten erstmals in diesem Jahr gelungen, ein Handelsschiff im Roten Meer zwischen Jemen und Eritrea zu kapern.

Nach Angaben der NATO-Anti-Piraterie-Operation Ocean Shield hatten die Piraten am Samstagmorgen ein namentlich bislang nicht genanntes Schiff auf der Position 14 Grad, 6 Minuten Nord/42 Grad, 45 Minuten Ost von zwei Skiffs angegriffen. Den Piraten gelang es offensichtlich, an Bord zu kommen und das Schiff in ihre Gewalt zu bringen.

Bereits im Mai, aber auch im August war es in dieser Region Seeräubern gelungen, ein Schiff zu entern. Die jeweilige Mannschaft hatte sich jedoch in den Schutzraum zurückgezogen; als ein Kriegsschiff ankam, waren die Piraten bereits wieder verschwunden.

(KORREKTUR vor allem der Überschrift, die den Eindruck erweckt hatte, als wäre es der erste Piratenerfolg im Roten Meer überhaupt: Im vergangenen Jahr wurde der Chemikalientanker Motivator im nördlichen Bab el Mandeb gekapert.)

Insgesamt deuten die verzeichneten Angriffe darauf hin, dass sich das Aktionsgebiet der Piraten zunehmen nach Norden, nördlich des Bab el Mandeb ins Rote Meer, ausweitet. Auch die Reaktion der Anti-Piraterie-Streitkräfte deutet darauf hin: In den vergangenen Tagen wurde ein Schiff des Welternährungsprogramms mit Lebensmitteln für Somalia schon im Roten Meer von einer russischen Fregatte eskortiert.

Update: Gerade dieser russischen Fregatte könnte es zu verdanken sein, dass dieser Erfolg der Piraten nur von kurzer Dauer war. Die Webseite SomaliaReport meldet (ohne Quellenangabe), dass russische Soldaten das gekaperte Schiff gestürmt und befreit hätten.

Deutsche Hilfsgüter für Libyen von spanischem Kriegsschiff gestoppt – Update

Update: Die spanische Marine hat vor der libyschen Küste einen Frachter gestoppt, geboardet und durchsucht, der mit offiziellen deutschen Hilfsgütern auf dem Weg von Malta nach Libyen war. Nach einem Bericht der Zeitung Malta Today gingen die spanischen Soldaten an Bord der Al-Entisar, obwohl – und nachdem – britische und französische Kriegsschiffe dem Frachter das Go zur Weiterfahrt nach Tripolis gegeben hatten. Nach Angaben des Blattes ist es bereits der zweite Fall in kurzer Zeit, in dem dieses Schiff von der spanischen Marine gestoppt wurde. Erst Protestanrufe aus Malta und Berlin (!) hätten die Spanier zum Verlassen des Schiffes bewegen können.

Vom Auswärtigen Amt in Berlin habe ich weiterhin keine Informationen zu dem Fall erhalten.

Nachtrag: Vom Auswärtigen Amt gibt es dazu keine Stellungnahme.

Die ursprüngliche Geschichte:

Wieder einer der Berichte, die  etwas verwirrend sind: Nach einer Meldung der Zeitung Malta Today ist ein – ziviles – Schiff mit Hilfsgütern aus Deutschland für Libyen von einem spanischen Kriegsschiff gestoppt worden. Die Al-Entisar sei mit Trinkwasser, Kindernahrung und medizinischen Hilfsgütern beladen auf dem Weg von Malta nach Tripolis gewesen, als das (namentlich nicht genannte) Kriegsschiff 50 Seemeilen vor der Küste den Frachter an der Weiterfahrt gehindert habe. Die Soldaten seien auch an Bord des Schiffes gegangen.

Noch am Freitag sei der deutsche Botschafter in Malta an Bord der Al-Entisar gewesen und habe der maltesischen Regierung für die Hilfe beim Transport der Güter gedankt, berichtet Malta Today.

Das Ganze ist in den Details recht unklar – unter anderem ist nicht erkennbar, ob das Aufhalten/Untersuchen des Schiffes eine spanische Entscheidung war oder ob es eine Anordnung der NATO war, deren Einheiten das Waffenembargo gegen Libyen zur See überwachen. Nach dem Zeitungsbericht war der Frachter vor kurzem schon mal gestoppt worden, ebenfalls von einer spanischen Einheit.

Beim Auswärtigen Amt in Berlin war der Fall bislang nicht bekannt, vielleicht später mehr.

RC N Watch: Erstmals seit fast einem Jahr wieder Raketenangriff auf PRT Kundus

Am (gestrigen) Freitagabend ist erstmals seit Oktober 2010 wieder ein Raketenangriff auf das deutsche Feldlager in Kundus verübt worden. Nach den Angaben auf bundeswehr.de registrierte das Überwachungssystem in einem Fesselballon zwei Abschüsse; allerdings gab es nur einen – folgenlosen – Einschlag in der Nähe des Lagers.

(Auch wenn am Ende nichts passiert ist – stellt sich damit die Frage, ob Mantis nicht doch gebraucht würde?)

Und als Nachtrag noch ein Ereignis in der Region: Ein Milizkommandeur, der in der Vergangenheit massiv gegen Taliban vorgegangen war, wurde im Distrikt Khanabad bei Kundus durch einen IED-Anschlag getötet.