„Wir können der internationalen Gemeinschaft nicht vertrauen“

Um die Kosovo-Lage im Blick zu behalten: Der serbische Minister für den Kosovo, Goran Bogdanović, hat sich heute im serbischen Sender B92 zu der Krise im Nord-Kosovo geäußert – und schwere Vorwürfe gegen die internationale Gemeinschaft, auch gegen KFOR-Kommandeur Erhard Bühler erhoben. Der internationalen Gemeinschaft, die sie als Kriminelle sehe, könnten die Serben nicht vertrauen. Und Bühler habe in Interviews mit deutschen Medien leichtfertig die Serben im Norden des Kosovo als Kriminelle, Söldner und Menschen dargestellt, die zur Gewalt greifen wollten. Dabei wollten die Bürger des Nord-Kosovo nur rechtmäßig ihre Interessen verteidigen.

Das gesamte Interview im Wortlaut hat B92 (auf Englisch in der Übersetzung des Senders) auf seiner Webseite veröffentlicht:

Minister on Kosovo crisis, lack of trust in intl. community

Am (morgigen) Dienstag steht die Entscheidung der Serben im Kosovo über die Räumung der Barrikaden und Straßensperren an. Und auch das – überwiegend von der Bundeswehr gestellte – Operational Reserve Forces-Bataillon verlegt seine letzten Kräfte morgen , ehe in der Nacht zum Mittwoch die Full Operational Capability hergestellt sein soll.

13 Gedanken zu „„Wir können der internationalen Gemeinschaft nicht vertrauen“

  1. Diese Stimmungslage bei den Serben ist nicht neu und auch nicht ganz unberechtigt.
    Seit Jahren sind sie Zeugen einer völlig unfähigen UNMIK-Zivilverwaltung und korrupten internationalen Diplomatie, welche bei der Vertreibung der ethnischen Serben und Machtergreifung durch die Mafia völlig uninteressiert wirkt.
    Die Signale der KFOR in der Affähre vorgeblich um die Zölle waren zudem nicht unbedingt glücklich, als man nach den Provokationen durch Thaci diesem sofort beigesprungen ist.

  2. Die Signale der K-Serben waren aber auch nicht unbedingt glücklich: Beschießen von KFOR-Hubschraubern, Angriffe auf KFOR-Einrichtungen, Abbrennen einer Grenzstation etc.

  3. @Prediger
    Dieses Verhalten ist natürlich nicht zu rechtfertigen, aber es ist alles andere als spontan und unvorhersehbar gewesen. Eine zumindest verbale Radikalisierung und sowas wie ein wiedergewonnenes Vertrauen der Serben in die eigene Kraft konnte man bereits vor Monaten am Verhalten des bosnischen Serbenführers Dodik erkennen.
    Dodik hatte übrigends durchaus einigen Erfolg damit. Und man redet schließlich miteinander.

  4. „(…) aber es ist alles andere als spontan und unvorhersehbar gewesen“

    quod erat demonstrandum

    „Dodik hatte übrigends durchaus einigen Erfolg damit.“

    Wenn Sie die Destabilisierung des ohnehin instabilen Bosniens als Erfolg sehen möchten…

  5. „Nach 2004 würde ich als Serbe auch kein Vertrauen mehr in die KFOR haben.“

    Nach 2011 dürfte die KFOR aber auch kein Vertrauen mehr in die K-Serben haben…

  6. „Mein Gott was für ein dämlicher Vergleich.“

    Was sachliches ist Ihnen wohl gerade nicht eingefallen?

  7. 2004 = ethnische Säuberungen, Zerstörung von Kirchen und jahrhundertealten Kulturschätzen, etliche Tote

    2011 = Straßenblockaden, ein Grenzübergang wird angezündet.

    Da besteht ein kleiner Unterschied, oder?

  8. Die Serben haben in den von ihnen umkämpften Gebieten überall ethnische Säuberungen ( auf gut deutsch Vertreibung, Gewaltanwendung gegen die ansässigen Bewoh ner einer anderen Ethnie ) durchgeührt. Das hat viel Leid über den Balkan gebracht. Fairerweise muss man sagen, die Kroaten haben es nicht viel anders gemacht, allerdings ohne solche Großmassaker wie in Srebenica.

    Warum sollten die Serben in den von ihnen verlorenen Krieg im Kosovo nicht auch die Kriegsfolgen zu tragen haben und nach Serbien auswandern müssen ?
    Die KFOR hat mit einer Engelsgeduld die serbischen Minderheiten in Kosovo seit 1999 geschützt. Wie lange soll dies noch von ihr gemacht werden ? Nochmal 10 Jahre bis man die faktischen Realitäten eines verlorenen Gebietes anerkennt ?

  9. „Straßenblockaden, ein Grenzübergang wird angezündet.“

    …und KFOR wird beschossen. Wenn die beschossenen Hubschrauber abgestürzt wären, was man ja wohl wissentlich in Kauf nahm, würden Sie die Vorfälle dann immer noch verniedlichen?

    „etliche Tote“

    von den 19 Toten waren 11 K-Albaner, insofern hätten also die K-Albaner mehr Anlaß KFOR zu mißtrauen

  10. @Georg | 09. August 2011 – 12:58
    Meine persönliche Meinung zum Krieg im Kosovo und seinen Folgen, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, ist folgende:

    Rückblickend auf 1999 ist mE. zuerst etwas anderes schiefgelaufen. Man hat der Mafia einen Staat geschenkt, mit allem was dazugehört. Land, Geld, Armee, Volk (Serben UND Albaner). Die Paten dieses Mafiagebildes hat man auf idem internationalen Parkett eingeführt und hoffähig gemacht.
    Diese Bande der Wahlfälscher, Mörder, Drogen- und Organhändler und ihre Schöpfer sind nun aber aufeinander angewiesen. Die Einen, damit die große Geldgießkanne des europäischen Steuerzahlers nicht versiegt, die anderen, damit der riesige Misthaufen, den man sich eingehandelt bzw. geschaffen hat, halbwegs unter dem Teppich bleibt.
    Ab und zu lässt die Mafia ihrem Symbionten in einer kurzen Aufwallung spüren, wer der Herr im Hause ist, wie in der Vergangenheit schon öfters geschehen.
    Hier erleben wir dasselbe. Der Spuk ist aber immer schell vorbei, wenn die „Internationalen“ ordentlich spuren. Wird hier nicht anders sein.
    :-)

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