Der Gegner kennt sich aus, er wohnt ja hier

Der dpa-Kollege Maurizio Gambarini (der Ordnung halber sei gesagt: wir sind befreundet) ist derzeit in Kundus in Nordafghanistan mit der Bundeswehr unterwegs. Maurizio ist eigentlich Fotograf. Aber warum soll ein Fotograf über seine Beobachtungen nicht auch schreiben? Deshalb die Leseempfehlung des Korrespondentenberichts im Blog des FAZ-Kollegen Stephan Löwenstein:

Operation Omed – Hoffnung für Afghanistan

(Augen geradeaus! ist aus Sicht von dpa-Eigentümern, das sind die Zeitungen, kein Medium, das berechtigt wäre, dpa-Geschichten zu verwenden; deshalb auf diesem Umweg.)

11 Gedanken zu „Der Gegner kennt sich aus, er wohnt ja hier

  1. Aus dem Artikel:

    Seit sich die deutschen Streitkräfte mit ihrem „Partnering“-Konzept auch außerhalb des Feldlagers in der Fläche ihres Gebiets im Norden Afghanistans zeigen, sind die Gotteskrieger geschwächt.>/I>

    Gotteskrieger? Oh weia. Ich habe hier ein Koppelschloss von meinem Grossvater liegen „Gott mit uns“ steht da drauf. Waren das 14-18 auch „Gotteskrieger“?

    und

    118 Mal gab es im ersten Halbjahr 2011 im Norden Afghanistans solche Bombenanschläge, 37 mehr als im Vorjahr.

    37 mehr in ersten Halbjahr 2011 als im gesamten Vorjahr aber der Gegner ist „geschwächt“?

    Hmmm …

    Hoffentlich wird der Gegner nicht weiter so „geschwächt“ werden …

  2. Muss ihnen auch einmal rechtgeben, da wird eine ganze Menge schöngeredet…

    Die Logik dahinter ist, das man davon ausgeht, den Feind so stark geschwächt zu haben, dass er nicht mehr zu offenen Aktionen fähig ist. Daher verlegt er seine Operationen auf dem Kampf mit IEDs. Da quasi die Anzahl der Anschläge steigt, hat man somit Erfolg…

    Das auch evtl. wieder mehr INS in den eigenen Raum eingesickert sein könnten, davon geht man erst gar nicht aus…

  3. Das Ansteigen der Anschläge und Gefechte hat auch etwas mit dem Partnering bzw. der Strategie nach draußen zu gehen, zu tun. Je mehr ich den Gegner bedränge und auf ihn treffe, desto öfter kracht es natürlich. Das Problem da oben in Kunduz und Baghlan ist eher, dass nachdem die ISAF Kräfte die INS weitgehend zurückgedrängt und geschwächt haben, nach der Konzeption jetzt die ANSF, also AFG Militär und Polizei, dort für Sicherheit sorgen sollen. Das scheint noch nicht so zu klappen.

  4. Man sollte bedenken dass der Standard fuer die Beurteilung der Sicherheitslage nicht IED-events alleine, sondern security incidents bzw. enemy-initiated attacks sind. Das schliesst DF, IDF, und SAF mit ein. Auf dieser Grundlage ist es also durchaus moeglich, evtl. eine Verbesserung der Sicherheitslage festzustellen, selbst wenn IED-events zugenommen haben.

  5. @UP: Richtig!
    Die sicherheitsrelevanten Zwischenfälle haben 2011 abgenommen, der Anteil von IED ist dabei aber gestiegen.

  6. @UP
    Die Beurteilung der Sicherheitslage ist grundsätzlich immer qualitativ und in Relation mit eigenen Aktivitäten zu sehen. Eine rein quantitative Beurteilung der Sicherheitslage kann nie funktionieren. Bsp.: Hielte der Gegner weite Teile des Geländes und ISAF griffe ihn nicht an, gäbe es wenig SRZ und die Öffentlichkeit dächte, die Lage verbesserte sich. Ginge ISAF in die Offensive und drängte den Gegner aktiv aus einem Raum, gäbe es sehr viele SRZ und die Öffentlichkeit dächte, die Lage verschlechterte sich. Beide Interpretationen wären falsch.

    Daraus folgt, dass man der qualitativen Bewertung der Sicherheitslage vor Ort vertrauen muss, weil nur die Kräfte vor Ort das bewerten können. Leider liegen zwischen denen und der Öffentlichkeit einige Hierarchieebenen, die zum Schönfärben neigen. Damit sind wir so schlau als wie zuvor.

  7. @Thomas
    Hieß: Wer solche Artikel mit solch einem Tenor schreibt, tut natürlich mehr für den Journalismus als ein pisseliger Blogger. Das meinte die dpa wohl …

Kommentare sind geschlossen.