Münchner Bundeswehr-Uni untersagt Werbung für „Neue Rechte“

Bei kaum einem Thema sind in diesem Blog die Emotionen so hoch gekocht wie bei der – neu aufgeworfenen – Diskussion über Frauen in den Streitkräften. Dass der Anstoss dafür ein Artikel eines Autors der Neuen Rechten in einer Marinezeitschrift und zeitgleich ein ähnlicher Artikel in der Studierendenzeitschrift der Münchner Bundeswehr-Universität waren, macht die Debatte nicht weniger zu einem Schlachtfeld, auf dem neben Emotionen auch Ideologien eine Rolle spielen. Ein Blick in den Gorch-Fock-Thread mit seinen mehr als 200 (!) Kommentaren zeigt, was ich meine.

Vermutlich gehen hier gleich die Wogen wieder hoch – aber ich halte es für ein wichtiges Dokument: Die Präsidentin der Münchner Bundeswehr-Universität, Merith Niehuss, hat in einem Rundschreiben an Studierende und Mitarbeiter jegliche weitere Werbung für Organe der Neuen Rechten untersagt. Das Rundschreiben, das mir zugeschickt wurde, im Wortlaut:

Sehr geehrte Studierende,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität

in der von unseren Studierenden herausgegebenen Zeitschrift Campus (01/11) ist auf Seite 27 eine Anzeige des „Instituts für Staatspolitik(IfS)“ geschaltet. Dieses Institut wurde im Jahr 2000 durch Personen aus dem engsten Umfeld der „Jungen Freiheit“ gegründet mit dem Ziel der Bildung „geistiger Eliten“. Es ist damit dem weiteren Bereich der sog. „Neuen Rechten“ zuzuordnen. Die dort beworbene Schrift „Die Frau als Soldat“ entspringt einer eigenen Veröffentlichungsreihe, wie ersichtlich.

Weder die „Junge Freiheit“ noch das „Institut für Staatspolitik“ sind derzeit Objekt der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Somit kann der Bezug der Schriften grundsätzlich jeder und jedem Einzelnen, auch jeder und jedem einzelnen Studierenden, nicht untersagt werden. Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass nach meiner Auffassung hier eine politische Nähe zum Rechtsextremismus nicht auszuschließen ist und dass diese Affinität zur „Neuen Rechten“, die mit der Schaltung der Anzeige in unsere Universität einzieht, eine politische Richtung auf den Campus bringt, die weder an der Universität noch auch im Bereich des BMVg hingenommen werden kann.

Wenngleich die Universität die Meinungsfreiheit des Einzelnen als hohes Gut der Demokratie schützt und garantiert, sehen wir doch in einer Verbreitung dieses geistigen Gedankenguts einen potenziellen Herd für eine Näherung an den Rechtsextremismus, die wir schon im Grundsatz verhindern wollen. Somit wird jegliche weitere Werbung von Organen der“Neuen Rechten“ hiermit untersagt.

Ich weise auch darauf hin, dass der Bezug kostenloser Leseexemplare, der in der Anzeige beworben wird, dem „Institut für Staatspolitik“ dazu dienen wird, Adressen von Beziehern der Schrift zu speichern.

Bitte denken Sie über diese Entwicklungen nach!
Mit den besten Grüßen
M. Niehuss
Präsidentin

Ein vorsorglicher Hinweis von mir: Ich bitte schon mal vorbeugend um Mäßigung bei der Kommentierung. Und da immer nach meiner Position gefragt wird: Ich finde, die Präsidentin hat die richtigen Worte gefunden.

280 Kommentare zu „Münchner Bundeswehr-Uni untersagt Werbung für „Neue Rechte““

  • Berufssoldat   |   15. Juli 2011 - 21:39

    Ich habe das Buch von Herrn Sarrazin gelesen.
    Erst lesen lernen, dann das Buch lesen, dann meckern!!! Aber wenn Sie das Buch gelesen haben, werden Sie schweigen!!!
    Denn Fakten bleiben nun mal real!!!

  • NMWC   |   15. Juli 2011 - 21:46

    @klabautermann
    Alter Nordseefahrer, wa? Und dann jetzt schon Schwimmweste…wegen dem bisschen Kreuzsee…Männer aus Stahl…;-)

    @JoHoMe
    Popcorn schon gefunden? Wie viele Bottiche sind denn schon durch?
    Habe jetzt glatt 45min gebraucht den Nachmittag hier nachzuvollziehen.
    Und ich bin echt froh das ich mich den wichtigeren Dingen des Lebens gewidmet habe:
    Meinem Sohn…
    So viel zum Thema des gegenseitigen Zerfleischens…

  • JoHoMe   |   15. Juli 2011 - 21:55

    @ Berufssoldat
    Bedaure, ich verstehe Sie nicht oder Sie verstehen mich nicht. Wenn Sie mich richtig lesen, werden Sie feststellen, dass ich nichts gegen Herrn Sarrazin gesagt habe, sondern gegen die, die in seinem Windschatten versuchen die Brosamen aufzusammeln. Ich mag sogar Herrn Sarrazin und teile durchaus einen Teil seiner Meinungen.

  • JoHoMe   |   15. Juli 2011 - 21:57

    @NMWC
    Neben Popcorn mag ich auch Hackfleisch. Es muss nur intelligent zerlegt werden ;-)

  • JoHoMe   |   15. Juli 2011 - 22:09

    @Berufssoldat
    Im übrigen reicht in der deutschen Sprache auch ein Ausrufezeichen, um die eigene Empörung auszudrücken. Gleich zwei, drei oder vier halte ich linguistisch für Verschwendung ;-)

  • Ehrhardt Dubois   |   15. Juli 2011 - 23:43

    JoHoMe | 15. Juli 2011 – 21:38

    „Nach den Ausführungen von Herrn Schilling und von Herrn Dubois bin ich mir sicher, dass der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevorsteht.“

    Sie werden sich noch etwas gedulden müssen, aber die Linke arbeitet kontinuierlich daran.

    „Gerne würde mich auch mal interessieren, wie er dazu kommt, Herrn Sarrazin für seine politische Weltsicht zu vereinnahmen. Ich glaube nicht, dass Herr Sarrazin als überzeugtes Mitglied der SPD davon begeistert sein dürfte, außer Herr Dubois wäre selber bekennender SPD-Wähler.“

    ich vereinnahme Herrn Sarrazin nicht, sondern es geht um Richtig oder Falsch.
    Meiner Meinung nach hat Herr Sarrazin mit seinen Erkenntnissen Recht.
    Dabei ist es völlig unerheblich, ob er SPD Mitglied ist. Er respräsentiert dabei eher eine SPD von Kanzler Schmidt (die ich seinerzeit gewählt habe) oder Kurt Schumacher,
    die aber heute kaum noch in der Form existiert.
    Übrigens bezeichneten sich die Nazis selbst als die deutsche Linke!
    Sozialisten eben, wobei es egal ist ob national- oder international-

    „Herr Sarrazin eignet sich zudem nun überhaupt nicht, um in die imaginäre Reihe von Herrn Dubois oder wohl auch von Herrn Schilling der von linker Presse zu verantwortender veröffentlichter Meinung als Rechtspopulisten verfolgte Märtyrer aufgenommen zu werden. Streiche Märtyrer, setze Millionär aufgrund der unveröffentlichen Meinung der in die Millionen gehenden Käufer seines Buches, die ihn nach Monaten immer noch auf allen Bestsellerlisten hält. Herr Sarrazin wird wohl deshalb über die veröffentlichte Meinung schmunzeln können.“

    Das ist nun wieder ein typisch linkes Neidargument!
    Herr Sarrazin hat sein Buch nicht geschrieben um damit Geld zu verdienen.
    Es ging ihm dabei um die Sache und die Situation in Deutschland!
    Das er damit bei den interessierten Bürgern überwiegend Zustimmung erfahren hat zeigt vielmehr die Schere zwischen der veröffentlichen Meinung und den Sorgen der Bürger.

    „Eigentlich ist es doch im Gegenteil eine deprimierende Niederlage der neuen Rechten, dass ausgerechnet ein SPD-Mann ein Thema so erfolgreich besetzt hat, mit dem die neue Rechte mit soviel Mühe versucht hat sich zu profilieren. Das wirft ein klares Bild auf ihre politsche Bedeutungslosigkeit“

    Das zeigt nur ihr Schubladendenken auf!
    Wenn der Mann Recht hat, hat er Recht!
    Bedeutungslosigkeit?
    Was glauben sie denn warum die „Partei“ der Nichtwähler inzwischen die „Stärkste“ ist?
    Doch nur, weil es in Deutschland bisher keine Partei gibt, welche die Sorgen der Bürger ernst nimmt und auch wählbar wäre.

    „Und hören Sie mir auf mit wissenschaftlichen Studien. Bekanntermaßen haben zwei Wissenschaftler mindestes drei konträre Meinungen. Im Zweifelsfall finden Sie auch einen Studiennehmer, der Ihnen beweist, dass es auf dem Mars Leser der Neuen Freiheit gibt.“

    Wer hat denn von „wissenschaftlichen Studien“ gesprochen?
    Die Rede war von Untersuchungen der US-Army!

    …und die Zeitung heißt „Junge Freiheit“, die ist konservativ, aber nicht „Rechtsradikal“!

    aber sie bestätigen nur, was ich vorher geschrieben habe:
    alles was nicht Links ist, ist Rechts, Rechtspopulistisch, Rechtsradikal etc.

  • JoHoMe   |   16. Juli 2011 - 0:27

    @Dubois
    Endlich kam Ihre Antwort. Und inhaltlich wie erwartet. Und sie antworten auf Behauptungen und Dinge, die ich garnicht geäußert habe. Köstlich. Warum? Sie haben mich gleich auf Verdacht in eine Schublade gepackt (links, was bedauerlich ganz falsch ist) und dann wutentbrannt Ihr Programm politischer Ansichten abgespult, ohne genau zu lesen, was ich geschrieben habe. Nebenher behaupten Sie dabei sogar, dass die neue Rechte die Sorgen der Bürger nicht ernst nimmt und auch nicht wählbar wäre. Zudem behaupten Sie, dass die US-Army unwissenschaftlich arbeitet. Das haben Sie wahrscheinlich garnicht so gemeint, aber wenn die Feder durchgeht. Einfach lustig. Amüsiert kann ich nun zu Bett gehen. Im übrigen seien Sie getrost, ich gönne Herrn Sarrazin sein Geld. Er hat es redlich verdient. Linke wie auch rechte Neidkultur liegt mir völlig fern :-))

  • JoHoMe   |   16. Juli 2011 - 0:44

    @Dubois
    Nachtrag:
    Im übrigen zucke ich grundsätzlich davor zurück, hier irgendjemand, den ich persönlich nicht kenne, Rechtsradikalität vorzuwerfen. Das können Sie mir nun wirklich nicht in die Feder deuten!Das habe ich übrigens auch bisher noch nicht von der Wie-heißt-sie-noch-Freiheit-Zeitung oder von den Campus-Redakteuren behauptet.

  • Zivi a.D.   |   16. Juli 2011 - 9:41

    @JoHoMe: Der Herr Dubois zeigt mustergültig, was ich mit dieser Selbstdefinition meinte. Nehmen Sie nur so eine Bemerkung wie „Sie werden sich noch etwas gedulden müssen, aber die Linke arbeitet kontinuierlich daran.“ (| 15. Juli 2011 – 23:43, gemeint war der Untergang des Abendlandes). Und genau von hier gehen dann auch die Gefahren dieser Leute aus, weil sie eben aus dieser Abwehrhaltung heraus glauben, sich in Falle eines Falles über Recht und Gesetz hinweg setzen zu dürfen. Einfaches, zeitgenössisches Beispiel liefert Alfred Dregger, der genau damit zum gewöhnlichen Kriminellen wurde (und das bis heute nicht versteht): Er glaubte eben, dass schwarze Kassen legitim sind, solange sie nur zur Verteidigung dienen. Das gleiche Muster steckt auch hinter Helmut Kohls Ehrenwort-Skandal. Es ist immer wieder der Aberglaube, über Recht und Gesetz zu stehen, solange nur das Abend- oder Vaterland verteidigt wird. Diese böse Tradition reicht zurück bis 1918, vorher gab es so etwas nicht, es ist eben zusammen mit der Idee einer „Neuen Rechten“ entstanden. Und genau deshalb halte ich diese alte und neue „Neue Rechte“ für gefährlich in einem ganz gewöhnlichen Polizeisinn. Schöne Dinge wie Patriotismus haben damit nichts zu tun. Im Gegenteil, wenn man Deutschland mit Frankreich oder UK vergleicht, sieht man ja nur zu deutlich, dass gerade da unsere Mängel liegen.

  • Zivi a.D.   |   16. Juli 2011 - 10:05

    Kleine Ergänzung: man muss nicht Theweleits psychonalytischer Höhlenforschung folgen, es funktioniert auch ganz gut mit der eher soziologischen Erklärung des US-Historikers Richard Hofstadter, der die neue Rechte in den USA (eine alte gibt es dort natürlich nicht) bis hin zu Goldwater und Birch-Society untersuchte, Titel „The Paranoid Style in American Politics“, was schon zeigt, wo die Parallelen liegen. Da sich der Standort D ja in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich auf das Muster der USA hin entwickelt hat, wird es immer interesanter, diesen Klassiker mit Bezug auf uns selbst zu lesen. Der Kernaufsatz ist immer noch frei bei Harpers Magazine verfügbar unter
    http://harpers.org/archive/1964/11/0014706

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 10:17

    @Zivi a.D.
    Politische Opposition wurde in Deutschland zuletzt in der DDR als Ausdruck eines psychologischen Problems definiert. Diese Methode der politischen Aueinandersetzung hatte ihren Ursprung in der Sowjetunion, wo auch der Rest des Antifa-Methodenrepertoires herkommt. Angefangen vom Einsatz öffentlicher Medien zur Diskreditierung Oppositioneller bis hin zum Einsatz des Faschismus-Begriffs als Feindbildverstärker.

  • Zivi a.D.   |   16. Juli 2011 - 10:22

    @Delta: Sie halten Kohl und Dregger für psychiatrische Problemfälle? Plädoyer auf Unzurechungsfähigkeit? mal mim Ernst: Meinen Sie wirklich, dass Sie damit fast 100 Jahre Kriminalgeschichte der „Neuen Rechten“ vom Tisch wischen können?
    Wasd das Urheberrecht an den von Ihnen unterstellten Methoden angeht, irren Sie auch. Das recht zurück bis ins Mittelalter zum Umgang mit „Hexen“ und „Ketzern“.

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 10:42

    @Zivi a.D.
    „Meinen Sie wirklich, dass Sie damit fast 100 Jahre Kriminalgeschichte der “Neuen Rechten” vom Tisch wischen können?“

    Der bekannteste Straftäter der diesem Spektrum zuzurechnen ist, hieß übrigens Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er stand der „konservativen Revolution“ sowie dem George-Kreis der Weimarer Repubik nahe, auf die die „Neue Rechte“ mit zurückgeht. Und nein, ich leugne diese „Kriminalgeschichte“ nicht. Als potentieller politischer Krimineller und Offizier der Bundeswehr identifiziere ich mich sogar aktiv damit.

    Bestimmt können Sie aber noch mehr Beispiele für die von Ihnen behauptete „Kriminalgeschichte“ nennen?

    Bei meiner Aufzählung totalitär inspirierter Antifa-Methoden vergaß ich übrigens die Bezeichung der Opposition als kriminell. Danke für Ihre Ergänzung. Jeder Ihrer Beiträge stellt in dieser Hinsicht einen Gewinn dar und trägt zur Aufklärung über die laufenden Kampagnen bei.

  • Zivi a.D.   |   16. Juli 2011 - 11:03

    @Delta: Gründungsakt der „Neuen Rechten “ war der Mord an Liebknecht und Luxemburg, gefolgt von den Morden an Erzberger und Rathenau. Zur Geschichte gehören entsprechend die Freikorps, die Schwarze Reichswehr und die ganze Korona der Geheimorganisationen und neurechten Terrorbanden a la Organisation Consul. Ich finde, das reicht völlig aus.

  • klabautermann   |   16. Juli 2011 - 11:25

    @ Zivi a.D.

    Offenbar ist keine Demokratie davor gefeit, dass in Zeiten der Krise oder ‚Bedrohung‘ Verfassungsprinzipien und Freiheitsrechte in Frage gestellt werden. Und Präsidialdemokratien sind diesbezüglich besonders anfällig, eben weil Präsidenten dazu neigen, sich als alleinige Repräsentanten des Gemeinwohls zu sehen und zu inszenieren. Hinzu kommt, dass der Bürgerkrieg in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten tiefe Spuren hinterlassen hat mit Blick auf die Einheit der Nation. Angst vor einer Bedrohung von Außen ist seitdem Einigungs-Instrument und dominantes Thema amerikanischer Innenpolitik. In Zeiten der Angst ist die Versuchung groß, der Exekutive mehr und mehr Kompetenzen zuzuschanzen – jenem Teil der Regierung also, der vermeintlich auf Gefahren am schnellsten und am kompetentesten reagieren kann.
    ‚Eternal war for eternat peace of the american peoples‘ ist letztendlich das credo des Militärisch-Industriellen Komplexes; und es ist tatsächlich eher ein credo als ein Dogma, denn eine weitere Konstante amerikanischer Realpolitik ist der ständige Bezug zu christlichem Glauben und Moral…in allen Variationen (man mußte ja schließlich alle eingewanderten, mehrheitlich christlichen Glaubensvariationen mit der Idee des amerikanischen Bürgers, der amerikanischen Nation verbinden). Der Präsident der USA kann eigentlich nur Politik über zwei machtpolitische Instrumente machen: die FedReserve (der Dollar wurde von Lincoln als ein politisches Instrument geschaffen) und über das War Department (heute DoD genannt). Also gilt es immer 2 Bedrohungs-Fiktionen aufrecht zu erhalten: Bedrohungen für den Wohlstand der Amerikaner, die letztendlich exklusiv am Dollar hängt, und natürlich Bedrohung für die Sicherheit der Amerikaner (nicht Amerika’s).

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 11:30

    @Zivi a.D.
    Ich weiss nicht, wo sie diese Herleitung herhaben. Möglicherweise aus einer Dokumentation unabhängiger Experten des Bayerischen Rundfunks oder einem Aufsatz in der Süddeutschen?

    Ich kenne keinen der „Neuen Rechten“ der aktuellen Diskussion, der sich auf den Mord z.B. an Rathenau als Tradition beruft. Bestimmt können Sie einen Beleg liefern, z.B. einen Namen? Ich nehme ja an, dass sie diese behauptete Tradition nicht nur als Versuch der Diffamierung konstruiert haben, weshalb ein Beleg kein Problem darstellen dürfte.

    Reale Wurzeln der Neuen Rechten in der Weimarer Republik sind u.a. die Gedanken von Oswald Spengler oder Ernst Jünger und die spätere konservative Opposition gegen die Nazis. Stauffenberg etc. wurden hier ja schon erwähnt.

    Zu einer kritischen Auseinandersetzung gehört es natürlich auch anzuerkennen, dass man der Weimarer Republik (deren Scheitern ein Faktum ist) skeptisch gegenüberstand und die Nazis z.T. anfänglich als Gegengewicht zu den Stalinisten betrachtete.

    Eine reale Traditionslinie gibt es zudem zu einzelnen Freikorps (die zu heterogen waren, als dass sie eine einheitliche Tradition darstellen würden) und zum Widerstand gegen den Stalinismus der KPD und ähnlicher Organisationen. Ohne die Freikorps hätte übrigens die sozialdemokatische frühe Weimarer Republik nicht überlebt. Bis vor nicht allzulanger Zeit bekannten sich zudem auch aufrechte Sozialdemokraten zum Antikommunismus. Aber seitdem man zum politischen Überleben die Stalinisten von früher als Partner braucht, sind hier leider einige Grundwerte aufgegeben worden. Es ist hier aber nicht die Neue Rechte, die sich hier auf totalitäre Positionen zubewegt.

    Ihr Begriff „Kriminalgeschichte“ erinnert an Deschners polemisierende Behandlung des Christentums. Es ist aber keine Geschichtsschreibung, Untaten und Fehler aufzuzählen und als pars pro toto zu setzen und dabei alle anderen gegenläufigen Entwicklungen, die Aufarbeitungsgeschichte sowie den gesamten Kontext auszublenden.

  • T.Wiegold   |   16. Juli 2011 - 12:04

    Meine Herren, jetzt sind wir weit genug vom ursprünglichen Thema abgekommen. Wenn weiter Diskussionsbedarf über grundlegende politische Positionen besteht, gibt es dafür in den Weiten des Internets viele, viele Möglichkeiten. Danke.

    Ich mache diesen Thread gleich zu.

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 12:19

    @T. Wiegold
    Ich würde mich trotzdem freuen, wenn Sie an dem Thema dranbleiben. Es geht schließlich darum, ob sich die Bundeswehr auch künftig zum Ideal des deutschen Offiziers als Staatsbürger in Uniform bekennt oder dieser zum linientreuen, politisch korrekten Apparatschik umerzogen werden soll.

  • T.Wiegold   |   16. Juli 2011 - 12:23

    @Delta

    Pardon, aber um den deutschen Offizier und seine Ausbildung selbst im weitesten Sinne geht’s in der Diskussion inzwischen gar nicht mehr. Sondern um eine grundsätzliche politische Auseinandersetzung. Bei allem Verständnis für das Interesse: Das ist nicht das Forum dafür.

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 12:45

    @T. Wiegold
    Mit „dranbleiben“ meinte ich auch eher das Aufgreifen künftiger Entwicklungen bzgl. des Vorfalls an der UniBw München. Vom Brief der Rektorin hätte die breite Õffentlichkeit z.B. nichts erfahren, wenn sie ihn nicht veröffentlicht hätten. Bei allen Unterschieden bzgl. der Bewertung des Vorfalls begrüße ich es sehr, dass Sie dazu beigetragen haben, dass die Umwandlung des Offizierbilds nun nicht mehr unter Ausschluss der Õffentlichkeit stattfinden kann.

  • JoHoMe   |   16. Juli 2011 - 13:39

    Danke an Herr Zivi a.D. , dass er Herrn Delta 0219 so tiefe Einblicke in seine Ansichten entlockt hat. Ich gehe einmal davon aus, dass das Welt- und Offizierbild des Herrn Delta0219 nicht weit entfernt ist von dem Bild der Herren Böcker und Co. von der Campus. Ich finde dieses Sichtweise von einzelnen jungen Offizieren alarmierend, gerade auch zu Beginn der Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee. Was kommt da noch auf uns zu? Hier wird das Selbstverständnis eines Offizierkorps nach den Vorstellungen der Neuen Rechten angestrebt, dass sich irgendwann außerhalb des Primats der Politik stellt und verselbständigt, weil man der Ansicht ist, die einzige wahre politische Richtung zu vertreten. Da kann ich nur sagen: Wehret den Anfängen! Die Bundeswehr braucht politisch denkende Offiziere, die das Primat der Politik aktzeptieren, aber nicht in der Bundeswehr politisierende Offiziere wie Herrn Böcker und Co. Die politisierenden Offiziere der Reichswehr á la von Seeckt und von Reichenau sollten uns Lehre genug sein.

    Nach dem, was Herr Delta0219 von sich gibt, kann ich jetzt auch besser die Reaktion der Präsidentin der UniBw verstehen. Ich befürchte einmal, diese Affäre ist nicht die erste an der UniBw. Die UniBw ist kein Ort des Politisierens, weder von Rechts, noch von Links, noch von der Mitte, sondern ein Ort der Forschung und Lehre und vor allem eine militärische Liegenschaft.

    Und ich glaube auch nicht, dass dieses Soldatenbild der Herren Böcker und Co. das Soldatenbild der überwiegenden Zahl der Herren entspricht, die sich hier im Blog selbst als konservativ verstehen und meinen, dem Offizier stehe es ebenfalls gut zu Gesicht, konservativ zu sein.

  • T.Wiegold   |   16. Juli 2011 - 13:52

    Noch ein Appell nötig?

  • JoHoMe   |   16. Juli 2011 - 13:59

    Sorry Herr Wiegold. Ich dachte, ich würde mich noch im Spielfeld bewegen. Gelbe Karte wahrgenommen. Gehe jetzt freiwillig auf die Bank ;-)

  • Sun Tzu   |   16. Juli 2011 - 15:44

    Ich möchte auf einen strukturellen Argumentationsfehler aufmerksam machen, der hier meiner Meinung insbesondere Zivi a.D. unterläuft.

    Weil einzelne Mitglieder einer Gruppe oder Weltsicht rechtswidrig agierten, kann man dafür nicht die Gruppe oder Weltsicht in Haftung nehmen.
    – Weil ein Helmut Kohl zweifelhafte Spenden angenommen hat, sind noch lange nicht alle Mitglieder der CDU Kriminelle. (Nicht einmal Kohls Leistungen bei der Wiedervereinigung werden durch sein Fehlverhalten bei Spenden relativiert…)
    – Weil einzelne Personen, die sich als „neue Rechte“ bezeichnen, recht zweifelhaft sind, kann man noch lange nicht konservatives Denken grundsätzlich verteufeln.
    – Weil die RAF eine linke Verbrecherorganisation war, sind noch lange nicht alle Linken Kriminelle.
    etc.
    oder geschichtlich
    – Weil die Henker von Jesus Juden waren, darf man ihre Nachfahren trotzdem nicht ins KZ werfen …
    – Weil Alfred Dreyfus Jude und angeblicher Vaterlandsverräter war, sind noch lange nicht alle Juden Vaterlandsfeinde …

    Genug der Beispiele für diese primitive aber geschichtlich oft fatale Denkschule?

    Die Strukturen der Argumentation, die hier teilweise zu Tage treten, erinnern doch stark an Sippenhaftung und Etikettenkleberei. Erfahrungsgemäß steht ein solches Denken Demokraten ausgesprochen schlecht und war zu oft in der Geschichte Ausgangspunkt für Pogrome.

    Ich hätte nicht gedacht, dass diese hässliche Fratze totalitären Denkens heute noch so verbreitet ist. Interessant ist inzwischen, wie selbstverständlich viele Menschen, die sich selbst eher links positionieren, zu solchen Methoden greifen. Vielleicht sollten die politischen Gruppierungen in diesem Teil der Gesellschaft mal in ihre Bildungsarbeit wichtige Module einschieben, statt sich ausschließlich über den „Kampf gegen Rechts“ zu definieren. Selbstdefinition über Feindbilder ist immer schwach!

  • klabautermann   |   16. Juli 2011 - 16:11

    @ Herr Wiegold

    Nunja, liegt man im Thema oder nicht ?? Oder anders ausgedrückt: darf Politik Thema in der Offiziersmesse oder auf dem Campus sein.
    Als ich als junger Leutnant (z.S) 1974 eine tour-of-duty in der 6ten US Flotte machen durfte, und dabei auf amerikanische Marineoffiziere traf, die gerade aus Vietnam zurück waren, war ich natürlich auch sehr interessiert an persönlichen politischen Sichtweisen dieser Offiziere.
    Es dauerte genau 5 Minuten, bis mich der XO im wardroom bei Seite nahm und mir freundlich sagte: „We don’t talk about politics in the Navy“ und damit (we) meinte er die US Streitkräfte insgesamt – in und außer Dienst, on and off base. An dieser Grundhaltung des US-amerikanischen Offizierkorps hat sich bis heute kaum etwas geändert.
    Nun, wenn ich das Konzept ‚Staatsbürger in Uniform‘ richtig verstanden habe, dann war zumindest zu der Zeit als ich OA war, genau diese Abstinenz nicht erwünscht. Im Gegenteil: Teil meiner Ausbildung war auch immer historisch-politische Bildung um später als Vorgesetzter diskurs-und diskussionsfähig zu sein in Sachen deutscher Soldat und Offizier und Staat und Politik……ich habe und hatte nie Probleme mit – auch kontroversen – politischen Diskussionen im dienstlichen Umfeld (nur nicht gerade beim Torpedo-Schießen)..solange diese Diskussion von den Teilnehmern sachlich und ohne persönliche Angriffe betrieben wurde.
    Vor diesem Hintergrund interssiert mich diese Diskussion schon ganz besonders, denn das Thema. lieber Herr Wiegold, ist „eine grundsätzliche politische Auseinandersetzung“ in dieser Bundeswehr seit ihrer Gründung ! ;-)

  • Voodoo   |   16. Juli 2011 - 16:41

    Allerdings haben wir dieses Pferd nun in 275 Kommentaren nahezu totgeritten und drehen uns im argumentativen Kreise…

    Wollten sie nicht noch den neuesten Bericht des Wehrbeauftragten thematisieren, Herr Wiegold…? ;-)

  • Delta0219   |   16. Juli 2011 - 16:46

    Wenn ich noch eine Information bezüglich des Themas anbringen darf, die hier noch nicht erwähnt wurde:
    Der „Journalist“ des Bayerischen Rundfunks, der unter dem Namen Robert Andaesch auftrat und eine Hauptrolle bei den Vorgängen zu spielen scheint, heisst mit Klarnamen Tobias-Raphael Bezler. Der bayerische Verfassungsschutz betonte vor einigen Wochen anlässlich eines Auftritts von ihm, dass seine Organisation weiterhin als linksextrem eingestuft werde.

    Zitat eines Verfassungsschutz-Sprechers:
    „Es ist ein Problem, wenn Vertreter von Organisationen, die wir nicht ohne Grund in unseren Jahresberichten als linksextremistisch aufführen, von anerkannten Bildungseinrichtungen als Experten eingeladen werden.“
    http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M536382eab15.0.html

    Mit anderen Worten: Die Aktion der UniBw gegen die studierenden Offiziere erfolgte auf „Information“ seitens eines Vertreters einer vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften Gruppierung. Eine ungewöhnliche Vorgehensweise, wie ich finde.

  • Memoria   |   16. Juli 2011 - 16:57

    @ Vodoo + T.W.:
    Das fände ich auch weitaus sinnvoller als weiteres Schwelgen im Mirkokosmos UniBw.

  • JoHoMe   |   16. Juli 2011 - 20:21

    @Delta0219
    Neue Information? Sagen Sie einmal: Für was halten Sie eigentlich hier die Mitdiskutanten, dass Sie dieses nun wirklich tote Pferd wieder hervorzerren? Oder vertrauen Sie darauf, dass die Masse der Leser den Diskussionsstrang bei 278 Kommentaren nicht mehr mitverfolgen und irgendwo am Ende einsteigen?

    „Selbstdefinition über Feindbilder ist immer schwach!“, wie hier Sun Tzu in vielleicht ungewollter Anlehnung an die Ausführungen von Zivi a.D. vor ein Paar Kommentaren treffend anmerkte. Selbstlegitimation in Form einer Art Dolchstoßlegende erst recht.

    Voodoo und Memoria haben es auf den Punkt gebracht. Hier ist wirklich alles gesagt und kommentiert worden. Der Rest ist Langeweile.

  • T.Wiegold   |   16. Juli 2011 - 21:03

    Danke, mit Ansage: Der Thread wird geschlossen.