RC N Watch: Tote bei Protest gegen NATO-Aktion in Taloqan

Nach einem Angriff von ISAF-Truppen auf mutmaßliche Aufständische in der nordafghanischen Provinz Takhar ist es in der Provinzhauptstadt Taloqan zu gewalttätigen Protesten gekommen, bei denen bislang mindestens zehn Menschen starben. Die Bundeswehr ist mitten drin: Die Proteste richten sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums gegen das Provincial Advisory Team (PAT) Taloqan, dass mit rund 45 deutschen Soldaten besetzt ist.

Bislang gibt es noch keine offiziellen Angaben, ob die Bundeswehr bei diesen gewalttätigen Protesten scharf geschossen hat. Auch für die Zahl der Toten und Verletzten gibt es keine offizielle Bestätigung.

Update: Nach Angaben des afghanischen Fernsehsenders TOLO News waren Provokateure unter den Demonstranten, die dafür gesorgt hätten, dass der Protest gewalttätig wurde. Laut TOLO wurden bei den anschließenden Auseinandersetzungen fünf Zivilisten getötet. Inzwischen gibt es auch Informationen, dass das PAT mit Schusswaffen und Handgranaten angegriffen wurde – unklar bleibt weiterhin, ob nur die afghanische Armee oder auch die Bundeswehr zurückgeschossen hat.

Die Details der Protestaktion sind noch  unklar, im Kern geht es aber um widersprüchliche Angaben zu den Zielen des ISAF-Angriffes. Laut internationaler Schutztruppe war das Ziel des Einsatzes ein Mitglied der Islamischen Bewegung Usbekistans (Islamic Movement of Uzbekistan, IMU). Dabei seien vier Aufständische getötet worden, darunter zwei bewaffnete Frauen. An diesem Einsatz waren deutsche Soldaten nicht beteiligt:

A combined Afghan and coalition security force killed four insurgents, including two armed females during a security operation targeting an Islamic Movement of Uzbekistan facilitator in Taloqan district, Takhar province yesterday.

The facilitator acquires, constructs, and moves weapons and explosives throughout the province. He is currently heavily involved in the movement and procurement of weapons for imminent attacks throughout northern Afghanistan.

The combined security force targeted a compound in Taloqan district based on multiple reports of insurgent activity in the area. The force isolated the compound in an attempt to search for the facilitator. While setting isolation, a woman wearing a chest rack and armed with an AK-47 rifle attempted to engage the force. The security force gave numerous verbal warnings, but when the armed female pointed her weapon at them, she was subsequently killed. Afterwards, a male insurgent was killed by the force as he ignored verbal commands and picked up the AK-47 assault rifle and attempted to fire on the force

Shortly after, a woman armed with a pistol rushed out of the targeted compound and displayed hostile intent by pointing her pistol at the security force. The security force engaged the female resulting in her death.

Outside the main compound, several males fled the scene when the security force approached. One male insurgent maneuvered on the assault force and attempted to engage one of the elements. When he displayed hostile intent by attempting to fire on the assault force, he was also killed.

Two additional suspected insurgents were detained after they were observed fleeing the targeted compound and attempting to evade the assault force.

During the operation, the force discovered multiple weapons including an AK-47 assault rifle, a pistol, a chest rack, and multiple 30mm rounds primed with detonation cord and rigged as a suicide bomber vest.

5 Gedanken zu „RC N Watch: Tote bei Protest gegen NATO-Aktion in Taloqan

  1. Verstehe ich das richtig? Weiblicher Insurgent mit Waffe und männlicher Insurgent ohne Waffe (weildarauf angewiesen, die Waffe der Frau zu ergreifen)?
    Sehr ungewöhnlich. Klingt nach Dschihadisten aus dem europäischen Konvertitenmilieu.

  2. Wenn die „Insurgenten“ solche Demonstrationen nun als großflächiges Instrument einsetzen, wird es schwierig werden zivile Opfer langfristig zu vermeiden und gering zu halten. Siehe Mazar.

  3. Wer an einem bewaffneten Angriff auf eine Einrichtung der Bundeswehr teilnimmt muss, sollte sich der Risiken bewusst sein. Offenbar haben das manche Afghanen trotz der Tanklaster immer noch nicht gelernt. Gegen Brandflaschen und ggf. sogar Schußwaffen und Handgranaten helfen weder Lautsprecherdurchsagen noch CS-Gas (wenn das im kleinen PAT überhaupt vorhanden war).
    Nach den Geschehnissen von Mazar muss Afghanen auch klar sein, dass die Verteidiger von Einrichtungen bei der Wahl ihrer Maßnahmen jetzt vom Extremfall ausgehen müssen.
    Die Untersuchung wird den vollständigen Kontext offenlegen. Es ist aber davon auszugehen, dass die üblichen Verdächtigen wie bei der Kampagne gegen Oberst Klein wieder aus ihren Löchern kommen und die Soldaten vor Ort unter Generalverdacht stellen werden.

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