Der neue Markenkern: Wir.Dienen.Deutschland

Parallel zum grundlegenden Umbau der Bundeswehr machen sich die Streitkräfte auch – endlich – Gedanken, was den nun ihre Kernbotschaft ist. So ähnlich wie im vergangenen Jahrhundert der zwar oft umstrittene, aber dennoch einprägsame Spruch Wir produzieren Sicherheit (dazu interessant bei Google nachzulesen der Auszug aus dem Buch Das Gesicht der Bundeswehr: Kommunikationsstrategien in der Freiwilligenwerbung der Bundeswehr 1956 bis 1989).

Auf dem Weg zu dieser Kernbotschaft sind Ministerium und Truppe jetzt ein ganzes Stück vorangekommen. Als (neudeutsch) Claim der Bundeswehr dürften wir demnächst sehen:

Wir.Dienen.Deutschland

(auch wenn die punktierte Schreibweise ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, deshalb gibt es auch die mögliche Variante Wir dienen Deutschland.)

Entscheiden darüber soll Verteidigungsminister Thomas de Maizière selbst, wenn noch ein paar Überprüfungen abgeschlossen sind – zum Beispiel, wie diese Kernbotschaft bei den verschiedenen (Ziel)Gruppen ankommt.

Im Detail die recht aktuelle Vorlage dazu:

Mal sehen, wie diese Botschaft ankommt. Das ganze erinnert mich übrigens an den vom Kollegen vom Bendler-Blog entwickelten Claim Bundeswehr – Deutschland dienen. Ich glaube allerdings, den haben die vorsichtshalber gar nicht gefragt…

Nachtrag: Mir fällt gerade ein: Hat mal jemand vorsichtshalber den Begriff „Wir dienen Deutschland“ gegugelt?

99 Kommentare zu „Der neue Markenkern: Wir.Dienen.Deutschland“

  • Sönke Marahrens   |   14. Mai 2011 - 18:09

    Ich war es nicht!;-)

  • Sailor1995   |   14. Mai 2011 - 18:25

    @Delta 0219
    Volle Zustimmung für Ihre bitteren aber leider punktgenau treffenden Slogans.

    @T.Wiegold
    Dass die Öffentlichkeitsarbeit der Bw von Amateuren gemacht wird, ist ja hinlänglich bekannt. Deshalb brauchen wir uns über Internetanfängerfehler nicht zu wundern.

  • jugendoffizier   |   14. Mai 2011 - 19:40

    @Sailor1995
    Ich kann Ihre Aussage so nicht teilen!!!
    Auch ich diene Deutschland und bin Teil der Öffentlichkeitsarbeit und in meinem Bereich gehöre ich zu den Besten in ganz Deutschland. Ich könnte sicherlich noch mehr erreichen, würde dafür aber andere Mittel und Befugnisse benötigen.
    Die Öffentlichkeitsarbeit wird in Teilen von hoch motivierten und gut ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten betrieben.
    Nicht alles, was thematisch in die ÖA hinein gehört, wird auch von ihr gesteuert und entschieden.
    Wer darf denn in der Bundeswehr Internetpräsenzen betreiben? Kleiner Tipp… die Firma führt drei Buchstaben. :-P

  • Sascha Stoltenow   |   14. Mai 2011 - 19:54

    @Sailor1995: Kann doch keiner ahnen, dass das Papier in die Öffentlichkeit gelangt ;-)

  • Voodoo   |   14. Mai 2011 - 20:00

    @ jugendoffizier
    Will ihnen ja nicht zu nahe treten, aber die preußische Tugend der Bescheidenheit hat man in ihrem Ausbildungsgang anscheinend vergessen?

    Es ist korrekt, das die Firma mit den drei Buchstaben Internetpräsenzen betreibt, aber der Inhalt wird von der Firma in Flecktarn und den zwei Buchstaben festgelegt. Und da (haben wir ja gestern gelernt) geht man zu den Fallschrimjägern, damit man Bürokauffrau wird. Nehmen sie es mir nicht übel, aber ihre Sparte (gestatten sie mir an dieser Stelle auch die Verallgemeinerung, wahrscheinlich sind sie ganz anders) vertritt diese Marschroute ganz tapfer und wirbt unter Verwendung falscher Fakten.

  • jugendoffizier   |   14. Mai 2011 - 20:35

    @Vodoo
    Zu nahe treten können Sie mir nur, wenn ich das zulassen sollte.
    Und was Preußen angeht, so hab ich mit denen noch nie viel am Hut gehabt – falsche Landsmannschaft. Und die Bundeswehr sollte sich nicht dauernd mit diesem Teil der Geschichte befassen müssen.
    Ansonsten gilt: Haste watt, kannste watt!
    Die ursprüngliche Kritik ging ja auch – zumindest habe ich Sie so verstanden – gegen die Öffentlichkeitsarbeit, weil sie sich die Internetpräsenz nicht gesichert habe.
    Und was den Artikel angeht… könnte es eventuell sein, dass dieser nicht dem AB2 zu zuordnen ist? *nur mal so in den Raum geworfen*
    Wenn Sie konkret etwas vorzubringen haben, dann benennen sie den Mangel und er kann abgestellt werden.
    Generalisierungen helfen bei der gemeinsamen Zielerreichung nicht weiter sondern treibt einen Keil in die „Belegschaft“.

  • SchreckStarr   |   14. Mai 2011 - 21:47

    @ jugendoffizier

    Ohne Zweifel sind gute Soldatinnen und Soldaten und auch Zivilisten am Werk, die engagiert Texte schreiben, werben und gestalten.

    Aber es gibt erschreckend viele Artikel insbesondere in den neuen Medien in der Bundeswehr, die einfach sehr schwach geschrieben sind und abschrecken. Rechtschreibfehler sind der Anfang, der schriftliche Pep, der fehlt, ist das Naechste, inhaltliche Fehler noch lange nicht das Ende.

    Auf bundeswehr-karriere waren vor einigen Wochen noch Artikel, die von neunmonatigem Grundwehrdienst handelten.
    Klicke ich mich im IntranetBw durch den wirren Wust, moechte ich manchmal schreien ob der Artikel – nicht, weil die so toll sind.
    Einladungen zum Bw-Beachen 2011 an Jugendliche, die 15 Jahre alt sind (und 2011 keine Chance mehr auf 16 haben), mit dem Hinweis „Teilnahme ab 16 Jahren“ sind ebenso suboptimal.

    Die unendliche Geschichte bwtv (die koennen am wenigsten selbst etwas fuer das jahrelange Desaster) … kein Aushaengeschild.
    Der unsaegliche podcast des ehemaligen InspH, General Budde … naja

    die fast gestotterte Weihnachtsgrussbotschaft 2010/2011 in die Einsatzlaender (Neujahrsansprache? schon vergessen) des in den Teleprompter hineinkriechenden GenInsp als schlimmer Hoehepunkt schlechter Medienkompetenz …

    Sie mit Ihrem zugewiesenen, neuen PDA, der nix mehr kann von dem, was er vielleicht koennen sollte …

    Also es gibt sicherlich noch Ansatzpunkte, die Oeffentlichkeitsarbeit und Nutzung der Online-Medien im Sinne zielfuehrender Auftragserreichung (wir alle sitzen im selben Boot mit dem selben Ziel!) zu optimieren – gar so dolle ist das alles noch nicht.

    Vielleicht koennen Sie mir zumindest soweit zustimmen ;)

  • Voodoo   |   14. Mai 2011 - 22:04

    „Die Bundeswehr sollte sich nicht dauernd mit diesem Teil der Geschichte befassen müssen“… soso, sehr interessant :-) Schon erstaunlich, wie sie die Tradionsrichtlinien ihres Arbeitgebers auslegen, bzw. befolgen. Wie sie evtl. schon mal gelesen haben, bezieht die sich ja eindeutig auf die Heeresreformer um Scharnhorst & Co… Aber alles Quatsch, weil andere Landsmannschaft, verstehe… Zugegeben, da musste ich schon schmunzeln :-)

    Oh, ich formulierte absichtlich „Arbeitgeber“, denn bei Ihnen habe ich verstärkt das Gefühl, das sie Bundeswehr „arbeiten“ und nicht wesentlich mehr, sorry. Als ich das letzte Mal Kritik an der Öffenlichkeitsarbeit und der Nachwuchsgewinnung formulierte, schworen sie Stein und Bein, dass das alles ganz anders wäre und ihre „Kameraden nebenan“ super klasse wären – daher hatte ich mir den Bezug diesmal gespart. Der Keil in der Belegschaft existiert schon, wenn es sie interessiert – denn die Truppe versteht langsam nicht mehr, wen „ihre Seite“ da mit hanebüchenen Versprechungen anwirbt und das schliesst explizit auch die Jugendoffiziere mit ein, die „eine Bundeswehr vorstellen, die so nicht existiert“ (Zitat eines FWDL, der sich kurz nach seinem Dienstantritt bei mir beschwerte – kein Freak, sondern einer mit handfestem Potenzial, der sich nur leider etwas verar….t vorkam, als man ihm eröffnete, wofür er geplant ist ).

    Und „Haste watt, kannste watt“ in einem Internetforum / Blog mit gestandenen Gesprächspartnern mit Fach- und Hintergrundwissen, inklusive einhergehender Selbstbeweihräucherung und das ganze noch unter dem Nick „jugendoffizier“… ich glaube, das führt nicht nur bei mir eher zu Amüsement denn zu Anerkennung –
    im Internet schreiben, was man für ein cooler Typ ist, ist Piloten-Style^^

  • jugendoffizier   |   14. Mai 2011 - 22:06

    Niemand sagt, dass die Welt perfekt ist. Sollte auch niemand, denn sonst bleibt kein Raum für Verbesserung.
    Aber nicht alles lässt sich auf die ÖA schieben.
    Mein PDA-Problem – um dieses Beispiel aufzugreifen – ist eines, dass dem HERKULES-Konzept geschuldet ist und der Tatsache, dass sich weder im SKA, noch im zuständigen WBK wirklich jemand für solch eine Problematik interessiert.
    Fangen wir bei den Dingen an, die wir selbst bewegen können und lassen Sie uns darin gut und besser werden.

  • SchreckStarr   |   14. Mai 2011 - 22:31

    naja, dass Ihr PDA HERKULES geschuldet ist und wie die Zustaendigkeiten liegen, weiss ich.

    Auf die OEA hab ich auch nicht ALLES geschoben, so kurzsichtig bin ich nicht. Ich wollte halt zur spaeten Samstag-Abend-Stunde nicht gar so ernst und verbissen schreiben, dafuer ist das WoE zu schade.

    Gestatten Sie noch einen Satz: Ich versuche seit Jahren Dinge in meinem Verantwortungsbereich zu bewegen und zu verbessern. Viel wichtiger ist jedoch, dass AUCH mil. und pol. Fuehrung bereit sind, Verbesserungsvorschlaege und Hinweise aus der Truppe ernst zu nehmen und im Sinne der Sache umzusetzen.

    Ihre beiden letzten Zeilen hoere ich immer dann von vorgesetzter Stelle, wenn die nicht zuhoeren und nichts bewegen will. Deshalb kuemmere ich mich jetzt mal um meine Gaensehaut … nicht fuer ungut.

  • jugendoffizier   |   14. Mai 2011 - 22:36

    Ich kann Ihnen soweit folgen ;-)
    Angenehmen Abend.

  • Elhanan   |   15. Mai 2011 - 11:04

    Soldaten sind Staatsbürger, die dem Staat in ihrem Beruf auch dienen. Sie nehmen an der gesellschaftlichen und politischen Diskussion des Landes teil. Sie können und sollen sich auch als Fachleute an der Diskussion zu militärischen und sicherheitspolitischen Themen äußern. Diese Rechte finden ihre Grenzen in der Loyalitätspflicht, der Pflicht zur Zurückhaltung und zur Verschwiegenheit in vertraulichen Angelegenheiten. Der Soldat ist als Staatsbürger politisch Handelnder, der das immer bestehende Spannungsfeld zwischen den Rollen Staatsdiener und Staatsbürger ertragen muss. Lange Zeit wurde vorgehalten, das Konzept habe sich nicht im Ernstfall bewähren müssen. Dies kann nicht mehr aufrechterhalten werden, nachdem über 200.000 deutsche Soldaten an Auslandseinsätzen außerhalb des NATO-Raumes teilgenommen haben. Das Problem der Bundeswehr ist nicht die Inner Führung. Das Problem ist die fehlende Grundlage der Inneren Führung, die persönliche Überzeugung das Richtige zu tun und dies setzt einen klaren Auftrag voraus. Dieser fehlt in AFG. Viele Vorgesetzte sind nicht vom Einsatzerfolg überzeugt und somit nicht in der Lage die sinnvolle Auftragserfüllung zu vermitteln und sie aus innerer Überzeugung mit Leben zu Füllen. Man erwartet von allen Vorgesetzten, insbesondere von den Kommandeuren und Kommandanten, Einheitsführern und Kompaniefeldwebeln, dass sie die Innere Führung mit ihrem persönlichen Beispiel vorleben. Natürlich bleibt die Innere Führung auch weiterhin das beste Führungskprinzip und der innere Kompass für alle Soldatinnen und Soldaten. Diese sichere Orientierung ist gerade in unserer schnelllebigen Zeit und in einem veränderten sicherheitspolitischen Umfeld wichtiger denn je. Nur jemand muss sagen wo Norden (GG Artikel 87a) ist und sollte diesen Pol nicht verschieben wie es gerade passt. Auch die Inner Führung kann eine verkokste Einsatzgundlage, fehlende sicherheitspolitische Begründung und Geld nicht ersetzen.

    Für Söldner braucht es keine sicherheitspolitische Begründung aber auch sie wollen Geld und das nicht zu knapp.

    Auch. Wir. Dienen. Der. BRD.

  • Sailor1995   |   15. Mai 2011 - 12:36

    @jugendoffizier

    Ich glaube Ihnen, dass Sie hoch motiviert sind.
    Allerdings müssen wir die ÖA vom Ergebnis her betrachten und das ist nun einmal nicht besonders gut.
    Ihr bürokratietypischer Verweis auf die Zuständigkeit anderer Stellen bestätigt mich in meiner Auffassung.

    @voodoo
    @SchreckStarr

    Volle Zustimmung in dieser Sache.

  • Delta 0219   |   15. Mai 2011 - 12:46

    @Elhanan
    „Viele Vorgesetzte sind nicht vom Einsatzerfolg überzeugt und somit nicht in der Lage die sinnvolle Auftragserfüllung zu vermitteln und sie aus innerer Überzeugung mit Leben zu Füllen. “

    Dann ist das Problem doch die „Innere Führung“, denn Streitkräfte müssen gerade dann funktionieren, wenn der Ausgang ungewiss ist oder die Überzeugung des Einzelnen unter der Belastung ins Wanken gerät.

    Verteidiger der Inneren Führung erklärten in den 50ern, dass diese militärisch sinnvoll sei, weil sie der psychologischen Kriegführung des Ostblocks entgegenwirke. Da ist mit Sicherheit etwas dran, wobei keine Übertragung dieser Idee in die Gegenwart stattgefunden hat. Wo setzt heute psychologische Kriegführung an, und wie könnte man ihr entgegenwirken? Welche Überzeugung braucht der Soldat heute, um auch unter schwierigen Bedingungen belastbar zu bleiben, bzw. wie kann man sie ihm vermitteln? Es findet noch nicht einmal eine Diskussion darüber statt.

    Wenn man sich neben dem Gehorsam auf Überzeugung verlässt, dann müssen die propagierten Überzeugungen erfahrungsgemäß sehr elementar sein, um auch im Ernstfall Bestand zu haben. Was heute gerne verschwiegen wird: Die Innere Führung verließ sich in der Anfangsphase z.B. auf einen harten Antikommunismus, der direkt an Erfahrungen mit dem sowjetischen Feind im Zweiten Weltkrieg anknüpfte. Das funktionierte nur, weil damals viele Menschen diese Erfahrung teilten und das gesellschaftliche Klima entsprechend war. Stabile Feindbilder, die belastbare Überzeugung schaffen, fehlen heutzutage aber leider.

    Mit dem Wegbrechen des Feindbildes hat auch die Innere Führung eine tragende Säule verloren. Die aktuelle Fassung der ZDv 10/1 bringt dies schön zum Ausdruck: Da ist von angeblichen soldatischen Werten wie „achtbarem Umgang mit der Umwelt“ und „Toleranz gegenüber anderen Kulturen“ die Rede. Damit kann man vielleicht noch den Friedensbetrieb bewältigen, doch deutschen Panzergrenadieren im afghanischen Hinterhalt unter RPG-Beschuss helfen weder Umweltschutz noch Toleranz. Da muss eine andere, belastbarere Philosophie her. Wo der Dienstherr zu feige ist, diese zur Verfügung zu stellen, suchen die motivierteren Soldaten selbst und werden u.a. an Stellen und bei Vorbildern fündig, von denen sie wissen, dass man besser nicht zu offen darüber spricht.

    Darauf hingewiesen, reagiert man bei der Bundeswehr umso hysterischer mit noch mehr Weichkeks-Ideologie, was die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nur tiefer werden lässt.

  • jugendoffizier   |   15. Mai 2011 - 13:50

    @Voodoo
    Wenn Ihnen meine Ausführungen inhaltlich nicht zusagen, dann sollten Sie genau die Punkte kritisieren, die Ihnen missfallen.

    Mir scheint jedoch, dass Sie sich sehr darin gefallen, Personen zu kritisieren – zumindest verstehe ich Sie so, wenn Sie mir eine mangelnde Dienstauffassung unterstellen („Bundeswehr arbeiten“).
    Sie kennen mich weder in Person, noch meine Arbeitsergebnisse, maßen sich jedoch ein Urteil über meine Dienstauffassung an.
    Wenn Sie schon so gerne auf Preußen abzielen, dann üben Sie sich doch auch ein wenig in der preußischen Toleranz.

  • SchreckStarr   |   15. Mai 2011 - 14:18

    @ Delta 0219

    Wenn Sie die ZDv 10/1 sezieren und auf Aussagen wie „… achtbarer Umgang mit der Umwelt …“ und „Toleranz gegenueber anderen Kulturen …“ reduzieren, dann haben Sie natuerlich Recht, dass dies den PzGren in AFG nicht hilft.

    Wenn Sie jedoch das Kapitel 4 der ZDv 10/1 und dort die Nr. 403 betrachten, koennten Sie auch zu einer positiveren Bewertung der Inneren Fuehrung kommen.
    Kurz gesagt stehen in der Nr. 403 aus meiner Sicht die wichtigsten Aussagen (den Rest der Vorschrift haette man durchaus kuerzen koennen):

    – Vorgesetzte sollen ihre Untergebenen motivieren, bei ihnen die innere Bereitschaft zur Mitarbeit erhalten und „mitnehmen“
    – Auftragstaktik ist unumstoessliches Fuehrungsprinzip
    – Vorgesetzte beruechsichtigen bei ihren Entscheidungen die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    – sie machen den Sinn des Auftrages der Bundeswehr einsichtig.

    Wenn Sie nun noch den Grundsatz ergaenzen „Behandle alle Menschen so, wie auch Du behandelt werden moechtest“, dann haetten wir doch ein gutes Grundrezept in Haenden, die Welt im Allgemeinen und die Berufszufriedenheit, den Umgang miteinander und Motivation der Angehoerigen der Bundeswehr perfekt auszugestalten.

    Wohlgemerkt: Die Grennis in AFG haben in einer Gefechtssituation davon nichts, ausserhalb derer aber vieles.

    Ich glaube es waere einiges gewonnen, wenn diejenigen, die die Vorschrift entwickelt und angewiesen haben (ok, Jung ist BM a. D. ), mit der gleichen Akribie die REALE Umsetzung der ZDv 10/1 erstens selbst vorlebten und zweitens auf allen Fuehrungsebenen nachdruecklich umsetzen liessen.

    Die Innere Fuehrung ist eines der tragenden, unverzichtbaren Fundamente in unserer Bundeswehr – auf sie verzichten moechte ich nicht. Doch gibt es in ihrer praktischen Anwendung LEIDER viel Potential nach oben.

    Manchmal stehen die Gepflogenheit der Politik und auch hoher militaerischer Fuehrungsebenen der ZDv 10/1 entgegen. Dort gilt es, umzudenken und die Kombination mit der Vorschrift waere der perfekte Faule Knecht fuer mehr Lebens- und Berufszufriedenheit.

  • Delta 0219   |   15. Mai 2011 - 14:41

    @SchreckStarr
    Der Begriff „Tod“ kommt in der ZDv zur Inneren Führung zwei Mal vor (Schlagwortverzeichnis nicht mitgerechnet). Über ihn heisst es nur, dass das Thema „nicht verdrängt“ werden dürfe. Das ist alles, was die Philosophie der Bundeswehr zum existentiellsten Aspekt des Soldatenberufs zu sagen hat. „Töten“ wird in einem Halbsatz abgehandelt, in dem so ungefähr gesagt wird, dass so etwas passieren kann. Zum „Sterben“ sagt mein PDF-Reader: „Begriff nicht gefunden“.
    Dass dort auch der eine oder andere richtige Satz drin steht verdeckt die grundlegenden Schwächen nur notdürftig. Das ist keine Philosophie, die einer Armee angemessen wäre, sondern eines von zu vielen bürokratischen Dokumenten für den Friedensbetrieb. Begeisterung oder emotionale Identifikation kann ich bei der Lektüre nicht empfinden.

  • SchreckStarr   |   15. Mai 2011 - 14:59

    @ Delta 0219

    Nun, begeistert bin ich auch nicht und mehr als 3x habe ich die Vorschrift auch nicht gelesen. Seitdem steht sie verstaubt im Schrank.

    Was genau sollte denn in der Vorschrift stehen, damit sie einer Armee angemessener wird? Wo liegen Ihrer Meinung nach die Schwaechen?

    Ich frage deshab so penetrant, weil die Soldatinnen und Soldaten sowohl im Grundbetrieb als auch im Einsatz einen sehr guten Job machen, der auch von dritten Stellen bestaetigt und anerkannt wird. Also, wenn die jetzt schon gut sind, was sollte dann fehlen?

    Die vielen Probleme der Bundeswehr – besonders das Wehrpflicht- und Nachwuchs-Desaster – haben nicht die „einfachen“ Soldaten zu verantworten. Sie muessen sie „nur“ ausbaden … eine z. B. um „Tod“, „Toeten“ und „Sterben“ erweiterte 10/1 hilft uns im taeglichen Dienst nicht.
    Dafuer bedarf es einer mit Menschenverstand geplanten und durchgefuehrten Reform und logischen Entscheidungen (und nicht hehrer Worte wie waehrend der jahrelangen Transformation mit Null Ergebnis).
    Und vieles waere deutlich besser – ich bin da unbeirrt sicher! (allerdings auch Realist und weiss um die Realisierbarkeit meines Wunsches)

  • Delta 0219   |   15. Mai 2011 - 15:39

    @SchreckStarr
    „Was genau sollte denn in der Vorschrift stehen, damit sie einer Armee angemessener wird? Wo liegen Ihrer Meinung nach die Schwaechen?“

    Sie sagen es: Es ist eben keine Philosophie, sondern eine „Vorschrift“, ein bürokratisches Dokument. Auf die zentralen Fragen des Soldatenberufs gibt es keine Antworten. Die Fragen selbst werden oft ja nur angerissen. Was an dem Dokument hilfreich ist, würde auf fünf Seiten passen und beschränkt sich auf ein paar praktische Grundsätze, deren Tradition z.B. bei der Auftragstaktik (anders als unehrlicherweise behauptet) übrigens vor der Bundeswehr beginnt.

    Es gibt noch mehr Schwächen, über die man ganze Bücher schreiben könnte. Eine davon ist die negative Grundhaltung: Bei jeder Berufsphilosophie geht es in erster Linie darum zu beschreiben, auf welcher geistigen Grundlage der Ausübende seinen Beruf möglichst gut ausüben kann. Der Ingenieur kultiviert vielleicht Präzision, der Feuerwehrmann selbstlosen Mut, der Kaufmann Kundenorientierung. Bei der „Inneren Führung“ steht das im Hintergrund, und der Soldat gilt erst einmal als Verdächtiger, dessen mangelnde Integration in die demokratische Gesellschaft man befürchtet. Militärische Leistungsfähigkeit erscheint zunächst erst einmal in negativem Licht, anstatt vorbehaltslos bejaht zu werden.

    Oder nehmen Sie Grundsätze wie diesen:

    Durch die Innere Führung werden die Werte und Normen des Grundgesetzes in der Bundeswehr verwirklicht. Sie bildet die Prinzipien von Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit in den Streitkräften ab. Ihr Leitbild ist der »Staatsbürger in Uniform«. Innere Führung stellt damit ein Höchstmaß an militärischer Leistungsfähigkeit sicher….“

    Dieser Grundsatz behauptet eine Logik („stellt damit“), wo keine ist. Dass aus Demokratie militärische Leistungsfähigkeit folgt, ist durchaus umstritten und müsste zumindest begründet werden, was aber nicht geschieht. Es wird schlicht nur behauptet und später unterstrichen, dass dies nicht diskutierbar sei. Eine robuste Überzeugung oder gar Identifikation lässt sich darauf m.E. kaum aufbauen. Auch die Behauptung, dass man den denkenden Soldaten wolle, erscheint dadurch unglaubwürdig. Man will nicht den denkenden Soldaten, sondern einen Soldaten, der blind gehorsam die Behauptung widergibt, dass man ihm alle Freiheit zum Denken gewähre. Grundsätzliche Kritik an der Inneren Führung wird dementsprechend in der Bundeswehr auch nicht geäußert und Fragen dazu trotz Toleranz- und Pluralismusheuchelei etwa beim „Zentrum Innere Führung“ nicht akzeptiert.

    „Ich frage deshab so penetrant, weil die Soldatinnen und Soldaten sowohl im Grundbetrieb als auch im Einsatz einen sehr guten Job machen, der auch von dritten Stellen bestaetigt und anerkannt wird. Also, wenn die jetzt schon gut sind, was sollte dann fehlen?“

    Wie bereits gesagt: Da, wo das Geschehen kriegsähnlich wird, tauchen bei Soldaten Fragen auf, die in der Inneren Führung nicht vorkommen. Die Bundeswehr merkt dies bislang noch nicht, weil glücklicherweise nur wenige Soldaten mit solchem Geschehen zu tun haben und das meist in vergleichsweise niedriger Intensität. Ich hatte aber den Eindruck, dass die betreffenden Soldaten sich weniger für Innere Führung interessieren als für andere militärhistorische Vorbilder. So etwas kann auch außer Kontrolle geraten, weil ein 23-jähriger Soldat m.E. auch bei umfangreicher Erfahrung (darin sind viele dem Stabsoffizier mit Schreibtischkarriere, der Innere Führung weiterentwickelt, weit überlegen) damit überfordert sein kann, angemessene philosophische Schlußfolgerungen aus dem Erlebten zu ziehen.

  • Delta 0219   |   15. Mai 2011 - 15:55

    P.S. Mir ein paar ehemaligen Kameraden bringe ich Gedanken zu dem Thema gerade zu Papier, Arbeitstitel „Philosophie für den Ernstfall“. Vielleicht machen wir eine Internetseite daraus, um andere in die Entwicklung der entsprechenden Gedanken mit einzubeziehen. Ziel ist es, eine soldatische Philosophie nicht wie die Innere Führung aus dem Gedanken der Abwehr des soldatischen zu entwickeln, sondern aus den Anforderungen heraus, die Krieg und Einsatz an den Soldaten stellen. Das könnte natürlich auch für potentielle Rekruten relevant sein, die sich die Frage stellen, worauf sie sich mit dem Dienst als Soldat einlassen.

  • SchreckStarr   |   15. Mai 2011 - 16:19

    @ Delta 0219

    Bekomme ein ungutes Gefuehl, weil wir vielleicht zu weit vom eigentlichen Thema abweichen …

    Wir beide liegen vermutlich gar nicht so weit auseinander.

    Die von Ihnen angesprochenen, wichtigen Themen und Fragen bezogen auf Krieg und kriegsaehnliches Geschehen werden z. B. im Lebenskundlichen Unterricht behandelt (ok, zugegeben, da wo der auch tatsaechlich stattfindet), wir haben die Moeglichkeit, mit den Militaerkirchen und anderen Institutionen zu philosophieren (nicht nur ueber Gott und Glauben, sondern auch ueber allgemeine, handgreifliche Dinge. Meiner Erfahrung nach sind das sehr hilfreiche und geist-erweiternde Alltags-Gespraeche).

    Will sagen, Innere Fuehrung ist nur EIN Teil in einem Korb, aus dem die Bundeswehr Unternehmensphilosophie bilden kann.
    Ich sagte ebenso, dass die 10/1 eigentlich mit dem Kap. 4 alles beschreibt und viele weitere Seiten guten Gewissens unbedruckt haetten bleiben koennen.

    Klar stehen leider Soldaten in D zu hauefig auf der Verdachtsseite, weil immer und alles absolut unnoetig auf die Nazizeit, Verbrechen der Wehrmacht, Hitler, Drittes Reich u. ae. projeziert und ausgewertet wird. Gesundes Misstrauen braunem Albtraum gegenueber MUSS sein, so knappe 70 Jahre nach Ende des Krieges aber sollte nicht jedes militaerische Komma ueberprueft werden, ob es in schlimmer Tradition steht. Steht es allermeist naemlich natuerlich nicht.

    Auch ohne 10/1 verfuege ich ueber eigene Ueberzeugungen, die es mir erlauben, als Soldat arbeiten zu koennen (ich nutze bewusst „arbeiten“) und beste Arbeitsergebnisse zu erzielen. Anderen geht es ebenso – die 10/1 macht aber auch nix kaputt, ist also nicht ganz ueberfluessig.
    Insofern bin ich der Vorschrift gegenueber etwas positiver eingestellt als Sie und sehe sie schon als Basis fuer eine Art von Berufsphilosophie.

    Raum fuer Verbesserungen gibt es aber unzweifelhaft und dass das Zentrum in Koblenz vielleicht manches Mal bemerkenswert argumentiert bei Fragen zur Inneren Fuehrung … nun ja, da bin ich jetzt mal generoes und sehe denen das nach.
    (weil ich eben weiss, im taeglichen Dienst ist die „Truppe im Spannungsfeld der Inneren Fuehrung“ ganz von selbst gut aufgestellt, leistet Ausserordentliches und wir haben ganz woanders Probleme, die durch eine 10/1 nicht geloest werden koennen).

    Mehr Nachwuchs bekommen wir uebrigens auch nicht ran, wenn die 10/1 besser waere – da braucht’s anders agierende Politiker und mil. Fuehrer. Ganz einfach also, oder nicht?

  • Delta 0219   |   15. Mai 2011 - 16:26

    @SchreckStarr
    „Mehr Nachwuchs bekommen wir uebrigens auch nicht ran, wenn die 10/1 besser waere – da braucht’s anders agierende Politiker und mil. Fuehrer. Ganz einfach also, oder nicht?“

    Danke für die Rückholung zum eigentlichen Thema. Ich beneide diejenigen nicht, die die eigentliche Frage (woher Nachwuchs nehmen?) praktisch lösen müssen, anstatt grundsätzlich darüber zu philosophieren.

  • SchreckStarr   |   15. Mai 2011 - 16:27

    YEAP!

  • Elhanan   |   15. Mai 2011 - 16:45

    @Delta 0219

    „Dann ist das Problem doch die “Innere Führung”, denn Streitkräfte müssen gerade dann funktionieren, wenn der Ausgang ungewiss ist oder die Überzeugung des Einzelnen unter der Belastung ins Wanken gerät.“

    Es geht nicht darum ob der Ausgang ungewiss ist, das war im Kalten Krieg auch nicht anders und auch nicht darum ob der Einzelne Wankt auch dies gibt es in jedem Konflikt. Es geht darum ob das Ziel es wert ist menschen ggf in den Tot zu schicken.
    Wenn die Führung sich nicht sicher ist ob die Teilnahme der Streitkräfte an einer mili Auseinandersetzung sinnvoll ist. Da ändert auch die Befehlstaktik nichts.

    Nur kurzfristig führen Menschen denen es nicht um den Sinn des Auftrages jeden Befehl aus.

  • Voodoo   |   15. Mai 2011 - 17:53

    @ jugendoffizier

    Wie ich ihnen bereits schrieb, hatte ich in vorangegangener Diskussion Kritik geübt, die von ihnen beiläufig weggewischt wurde. Warum sollte ich dann dem noch weiter nachgehen?
    Ich gefalle mir nicht in der Rolle, Personen zu kritisieren, denn ich betrachte diesen Blog nicht als esotherische Nabelschau und Selbstbeweihräucherungsbühne. Und ja, ich habe mir nach den vorliegenden Eindrücken ihrer Postings ein Urteil über ihre Person „angemaßt“ – anscheinend ja recht treffend. Meine preußischen Werte sollten sie nicht weiter kümmern, machen sie sich da mal keine Sorgen – mich stört es eben, wenn unter exponiertem Nick „rumgeprollt“ wird, was man für ein toller Hecht sei… Das führt nämlich bei Aussenstehenden schnell zu einem verallgemeinernden, falschen Eindruck. Aber als Experte der Öffenlichkeitsarbeit kennen sie ja das „Die-Bundeswehr-hat-…“ – Phänomen.

  • Georg   |   15. Mai 2011 - 19:04

    @ Elhanan

    Sie treffen genau den Kern des Problems mit ihrer Aussage :

    „Es geht darum ob das Ziel es wert ist menschen ggf in den Tot zu schicken.
    Wenn die Führung sich nicht sicher ist ob die Teilnahme der Streitkräfte an einer mili Auseinandersetzung sinnvoll ist.“

    Die Innere Führung verlangt erstens, das unsere Soldaten außer zur Landes- und Bündnisverteidigung nur im Ausnahmefall (d.h. nicht der Regelfall) zur Unterstützung der UNO eigesetzt werden können. Wenn sie gemäß UN-Charta eingesetzt werden, muss ihr Einsatz noch sorgfältiger begründet und erklärt werden, als bei der Landesverteidigung. Die von der Politik gelieferte Begründung für den UN-Einsatz in AFG, ISAF ( nicht OEF) wandelte sich vom absichernden THW-Einsatz für den Wiederaufbau des Landes zu einem Kriegseinsatz zugunsten einer Seite einer Bürgerkriegspartei. Sowohl der eigenen Bevölkerung als auch den Soldaten wurde keine vernünftigende, überzeugende Begründung für die Notwendigkeit des Einsatzes gegeben.

    Wie kann man mit oder ohne Innere Führung einem deutschen Soldaten erklären, für was er auf der Höhe 432 kämpft, außer für sein eigenens Überleben ?

    Den Talibanführer, den er heute bekämpft wird morgen in einer Friedensverhandlung mit im Parlament von AFG sitzen und wo bitte ist bei diesen ganzen Prozess die Sicherheit Deutschlands bedroht ?

    Solange dieser Wiederspruch zwischen Reden und Handeln der Regierung nicht geklärt ist und solange das Ergebnis unserer Regierung nicht hinreichend mit der eigenen Bevölkerung kommuniziert wird, sind alle Nachwuchswerbemaßnahmen sinnlos !

  • Memoria   |   15. Mai 2011 - 20:39

    Wir dienen Deutschland.
    Angeleitet von naiven Politikern (an der Spitze TdM), „geführt“ von opportunistischen Verwaltungsbeamten (=Generale), unzureichend ausgebildet und ausgerüstet, aber überversorgt von Politik und mil. Führung mit immer hohleren Phrasen von Innerer Führung und Dienst am Vaterland und neuem Lametta.
    Es fehlen eigentlich nur noch die Wunderwaffen – oder sind das die UAVs???

  • J. Münster   |   15. Mai 2011 - 21:37

    Na bravo, und ich dachte hier wird nicht nur hart in der Sache gerungen, aber manchmal auch ein neuer Weg aufgezeigt. Da nützt es kaum, auf einem (vermeintlich) jüngeren Kameraden draufzuhalten und ihm keine klare Eingrenzung der Kritik mitzugeben.
    Warum nicht „Dienen“, andere Worte sind nicht passend und treffen auch nicht den Nerv vieler, kleiner Dienstgrade, die sich trotz schlechter Motivation (danke SchreckStarr) und außerordentlich unsäglichen Schwebezustand (Bundeswehr Limbo) trotzdem bemühen nach Ihren Kräften doch Veränderungen zu erwirken. Klar ist Dienen nicht zeitgemäß oder immer brauchbar… Zu der Kampagne gesellt sich einen unangenehme Begleiterscheinung. Treibe ich es mit dem „Linbo“ zu weit, werden eigene Mitarbeiter diese Kampagne (sofern sie einen wird) zu Fall bringen. Eine Corporate Identity kann nicht befohlen werden und muss gelebt werden. Vorschriften wie die 100/200 nannten daher auch immer Phantasie, Kreativität und Können als Stichworte und waren einen Art „Best Practice“. Die Aushöhlung der Auftragstaktik und der klaren Verantwortung (ja, sie ist teilbar …LOL) sind Wege, die wir seid Jahren gehen und nicht klar und entschieden, notfalls mit Dienst nach Vorschrift (anstatt des illegalen Streiks) zu Fall bringen. Ich bin trotz alledem befördert worden und habe mich nicht verbogen, Authentizität muss gelebt werden. Vorschriften sind Anhalte etc…
    Ich liebe diesen Blog und halte es immer für eine Freude. Aber bedenken Sie immer, dass wir schreiben, ohne den Anderen zu kennen und noch seinen Mimik erkennen. Ich tue mich da sehr schwer im sofortigen Verstehen einiger Meinungen und lasse manchmal mal 5e gerade sein. Weiter in der Leidenschaft, vielleicht einen bessere Bundeswehr zu erhalten, denn wennn es so weiter geht, schaden wir unseren Bürgern. Das kriegen wir zurecht immer aufs Brot geschmiert. Ich liebe es. :-)

  • Memoria   |   15. Mai 2011 - 21:57

    Neuer Weg? Schlage vor: Aus der Bundeswehr wieder eine Armee machen.
    Das heißt: Das Gefecht in das Zentrum aller Überlegungen zu stellen (wobei Gefecht nicht mit Panzerkrieg gleichzusetzen ist). Kampftruppe und einsatznahe Unterstützer tuen das i oft in Eigeninitiative. Aber die große Mehrheit der Bw tut dies nicht. Und wird es wohl auch zukünftig nicht.
    Es fehlt ja auch bei der neuen Struktur allein schon an einer kriegstheoretischen Diskussion – geschweige denn einer sauberen kriegstheoretischen Grundlage. Fußballvereine werden da professioneller ausgerichtet.

    Daher ist die neue Betonung des Heimatschutzes n.m.E. so gefährlich. Große Teile der Bw denken dann weiterhin über Formulare und Kästchen nach – anstatt über organisierte Gewalt zur Erreichung eines polit. Zweckes (=Krieg).
    Die Kernfunktionen einer Armee sollten doch Gewaltandrohung und -anwendung sein und nicht Sandsack schleppen.
    Wenn es hier eine klare Vorgabe der Politik und konsequente Umsetzung durch die mil. Führung gäbe, dann wären auch viele Soldaten zufriedener – und damit auch die besten Personalwerber. Nachwuchsgewinnung wäre dann fast ein Selbstläufer.

  • J. Münster   |   15. Mai 2011 - 22:08

    @ Memoria, ja das trifft es , der Einsatz an sich (egal ob Gefecht, StabOps oder auch Verlegung von Kräften in den Raum zum Hochwasserschutz) bedarf der Sicherheit der Handelnden. Wenn der Staatsanwalt immer mitspielt oder im Inland der Weg des Auftrages ungewiss ist, wird das nicht klappen. Handlungssicherheit, robuste Strukturen, auch für die Neuen, die Ihren Weg zu uns finden…
    Ich sehe im Heimatschutz (ach so angestaubt auch Homeland Security inspiriert mich da wenig) genau so einen Gefahr und muss IIhnen beipflichten.
    Der Sandsack wird i.Z. durch den Freiwilligen/Ehrenamtlichen u. Reservisten geschleppt ;-)

  • SchreckStarr   |   15. Mai 2011 - 22:37

    @ Memoria

    „Die Kernfunktionen einer Armee sollten doch Gewaltandrohung und -anwendung sein und nicht Sandsack schleppen.“

    Auch in der heutigen europaeischen Sicherheitslage?
    Ich waere eher dafuer alles zu versuchen, weder Gewalt androhen noch anwenden zu muessen. Und jeden Tag moechte ich eigentlich auch nicht ueber organiserte Gewalt zur pol. Zielerreichung nachdenken muessen.

    Etwas bang wird mir schon, wenn ich Ihre Zeilen lese. Fuer Sie scheint die Bundeswehr momentan keine Armee zu sein – wie aber wuerde die Ihrer Meinung nach aussehen muessen?

    Ich meine, wenn die Truppen in AFG keine Armee sind, was sie die dann? (Dass es daneben Verwaltungsbeamte in Uniform genug gibt, daran gibt es natuerlich keinen Zweifel).

    Und: Bekommen wir dann den Nachwuchs, der nun nach desastroesem Reformstart (wegen Dummheit derjenigen, die ihn erdacht haben) verzweifel(s)t gesucht wird? Ich weiss nicht …

  • J. Münster   |   15. Mai 2011 - 22:46

    @ Delta 15:55 … Da bin ich mal dabei. Lassen sie hören, wenn es soweit ist. Ein sehr interessantes Thema. Gute Nacht

  • Elhanan   |   16. Mai 2011 - 0:28

    Der Feind der Bw ist nicht die Innere Führung und Auftragstaktik, der Feind der Bw ist die fehlende Konzeption bei Personal, Material, Infra, Ausbildung, Auftrag uvm.
    Dass die Bw überhaupt noch einsatzfähig ist, ist der Inneren Führung und Auftragstaktik zu verdanken. Das persönliche Einbringen von unzähligen Bw Angehörigen ohne die Grundlage eines Befehles hält den Laden noch am Laufen. Wären wir eine Armee nach altem Muster, wäre Fahnenflucht eine DSA Disziplin.

  • Delta 0219   |   16. Mai 2011 - 7:40

    @Elnanan
    Nur um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich wollte nicht Auftragstaktik kritisieren, sondern nur, dass die Innere Führung so tut, als habe sie diese erfunden.

  • Elahan   |   16. Mai 2011 - 8:28

    @Delta0219

    Führen mit Auftrag bedeutet, dass der Führer seinen Geführten ein klar definiertes Ziel und die dafür benötigten Kräfte sowie einen Zeitansatz gibt (Da hapert es ja schon). Mit diesen Faktoren führen die Geführten selbständig den genannten Auftrag aus. In der Durchführung sind sie dabei weitgehend frei. Dies sichert eine große Flexibilität in der Auftragsdurchführung.
    Natürlich ist das Führen mit Auftrag so alt wie die Jagd und wurde nicht erst nach dem II WK entwickelt. Aber schon die Jäger benötigten eine Motivation um sich auf die gefährliche Jagd zu begeben. Bei der Inneren Führung handelt es sich um die Art und Weise Menschen zu motivieren an einem Einsatz teilzunehmen. Von besonderer Bedeutung für den Erfolg des Führens mit Auftrag ist, dass die unterstellten Führer die Absicht der übergeordneten Führung kennen und so ausgebildet sind, dass sie hieraus für sich im Rahmen der Auswertung des Auftrages eigenes Handeln im Sinne der übergeordneten Führung ableiten können. Dies ist im Moment nicht der Fall und stellt das eigendliche Problem dar. Natürlich bekommt man immer Personen dazu Dinge zu tun von denen sie nicht überzeugt sind aber dann muss die Motivation aus einer anderen Richtung kommen. Wenn der Einsatz aber noch nicht einmal den Interessen des Volkes dient, dann hilft auch kein Patriotismus (emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation). Sondern nur der schnöde Mammon, Propaganda oder die Lust auf Kämpfen und so eine Armee hale ich nicht für wünschenswert. Am Beispiel der Schweiz kann man sehen, dass eine Armee gut gerüstet und hoch motiviert sein kann, ohne ständig im Einsatz zu sein. Da dient die Armee, demokratisch legitimiert, den Interessen des Volkes.

  • Elhanan   |   16. Mai 2011 - 9:33

    „Die Bundeswehr“, so wird der Minister in der Süddeutschen zitiert, „ist gegenwärtig nicht zu führen – auch nicht von mir.“

    um dann noch folgendes zum Besten zu geben:

    Ziele/Auftrag
    Die Bundeswehr sei seit langem unterfinanziert und mit dem Personal, das sie habe, nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen.

    Personal
    „Hoch schwierig“ nannte der Minister die Lage. Er glaube nicht daran, dass es gelinge, die geplante Sollstärke mit Freiwilligen zu erreichen. Dies sei gegenwärtig auf dem freien Arbeitsmarkt nicht zu schaffen. De Maizières Botschaft: Er halte die bisherigen Ziele für „absolut unrealistisch“.

    Material
    Von einem „skandalösen Rüstungsprozess“ sprach er. Es sei fatal, dass normale Beschaffungsprojekte bis zu 15 Jahre und große Beschaffungen gar 30 bis 40 Jahre dauerten. Und wenn dann endlich etwas da sei, sei es oft veraltet und werde in schlechtem Zustand oder Material geliefert. Dann kam de Maizière direkt zu den Soldaten, und da wurde seine Analyse auch nicht besser.

    Das kann selbst die Innere Führung nicht aushalten (und auch keine andere Führungsmethode). Der Minister gesteht ein, dass die Grundlagen der Inneren Führung (Auftrag, Mat+Pers) nicht gegeben sind um dann gleich für die Zukunft noch einen drauf zu setzen.

    Die Bundeswehr sei nicht nur zur Verteidigung da, auch nicht nur für als notwendig erachtete internationale Einsätze. Sie müsse in die Lage versetzt werden, sich im Interesse der deutschen Bündnisfähigkeit

    ===> auch dann an Einsätzen zu beteiligen,

    ==>“wenn nicht gerade deutsche Interessen erkennbar sind“.<==

    Wir. Dienen…….Egal. Wem.

    Der Ami sagt in so einem Fall: "big hat, no cattle"

  • Orontes   |   16. Mai 2011 - 13:13

    @Elahan
    „Wenn der Einsatz aber noch nicht einmal den Interessen des Volkes dient, dann hilft auch kein Patriotismus … Am Beispiel der Schweiz kann man sehen, dass eine Armee gut gerüstet und hoch motiviert sein kann, ohne ständig im Einsatz zu sein. Da dient die Armee, demokratisch legitimiert, den Interessen des Volkes.“

    Von der Schweiz könnte man so einiges lernen. Man behandelt den Soldaten dort staatlicherseits übrigens auch nicht wie einen potentiellen Kriminellen. Ja, man vertraut den Soldaten so sehr, dass sie sogar im Frieden ihr Sturmgewehr zu Hause im Schrank haben.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article12531218/Schweizer-wollen-Sturmgewehr-im-Schrank-behalten.html

    Hier darf der Staatsbürger noch Soldat sein.

  • Elhanan   |   16. Mai 2011 - 14:05

    @Orontes
    „Von der Schweiz könnte man so einiges lernen. Man behandelt den Soldaten dort staatlicherseits übrigens auch nicht wie einen potentiellen Kriminellen.“

    Zustimmung.

    Die Schweizer Bürger (zum Teil Bürger mit deutscher Kultur) haben eben in den letzten 137 Jahren bewiesen, dass sie ihre Waffen nur zur Verteidigung einsetzen und nicht zum erweiterten Mittel der Politik. Auch ist es den Schweizern verboten in einer fremden Armee zu dienen.

    P.S. Bei knapp 8 Mio Einwohner ca 120 000 in aktiven Verbänden und 80 000 in Reseveeinheiten. Könnten wir auch noch erreichen :-)

  • Memoria   |   16. Mai 2011 - 22:07

    @ SchreckStarr:

    Ja, ich glaube auch – oder gerade – in der derzeitigen Sicherheitslage sollten man sich stets vor Augen führen für was Streitkräfte da sind: Um Krieg führen zu können.
    Wer den Frieden will, der bereite den Krieg vor.

    Dies ist noch lange nicht mit aggressiver Außenpolitik gleichzusetzen, es ist einfach eine Erwartung eines Bürgers dass eine Organisation ihren Organisationszweck nicht vergisst. Dies versuchen zwar fast alle Großorganisationen irgendwann, aber das sollte man nicht auch noch unterstützen.

    Krieg ist organisierte Gewalt und Armeen sind die Organisationen hierzu.

    Das ist so ähnliich wie die Feuerwehr und das Brand löschen.
    Löscht sie jeden Tag einen Brand? Nein.
    Erwarte ich dass sie es jeden Tag kann? Ja.

    Daher erscheint es mir auch notwendig, dass man sich als Soldat Gedanken über Krieg macht – auch wenn dies nicht immer angenehm und opportun ist. Hier sind jedoch schon Generalität und Admiralität ein Totalausfall.

    Ich weiß nicht wie Sie verwendet werden, aber als Führer Ausbilder und Erzieher von Soldaten oder in einer Stabsfunktion sollte doch der Organisationszweck nicht aus dem Auge verloren werden. Oder an was richtet man sein Denken und Handeln in einer Organisation aus, wenn nicht am Organisationszweck? Da bleibt eigentlich nur eine Antwort: Dem Selbterhalt.

    Somit kann ich schon aus grundlegenden Überlegungen Ihren Verweis auf die europäische Sicherheitslage nicht nachvollziehen – oder ich habe den selbigen nicht richtig verstanden. Hinzukommt, dass auch die Bundeswehr auf dem Balkan im Kern durch Gewaltanwendung und -androhung ihren Auftrag durchgesetzt hat. Schon das Tragen von Waffen ist eine implizite Gewaltandrohung.

    Ihren Verweis auf ISAF mag ich nur begrenzt teilen. Ich habe soeben wieder eine mail eines Kameraden aus Kunduz erhalten, darin wurde wieder offenbar wie weit man in MeS und Potsdam vom Gefecht weg denkt. Das opportunistische Absicherungsdenken prägt die Bw. Und daran geht sie immer mehr zu Grunde. Ohne Frage hat diese Armee großartige Soldaten, die Großes leisten. Aber prägen diese Soldaten die Organisation? Die jahrelangen Ausrüstungsmängel im Einsatz zeigen mir ganz deutlich: Nein.
    Oder prägen diese Soldaten auch nur den Führernachwuchs? Ein Blick in die jüngsten LGAN-Jahrgänge stimmt mich hier nicht gerade optimistisch. Ausnahmen gibt es auch hier. Aber welches Ideal wird den vorgelebt und anerzogen?
    Der sachkundige Truppenführer oder der opprtunistische Ministerialbeamte?
    Man schaue sich einfach unser militärisches Spitzenpersonal an. Den GI vorneweg.
    Ein Blick nach Skandinavien zeigt, dass dies auch anders geht.

    Wie sollte die Bw aussehen? Elhanan hat hier schon sehr passendes geschrieben – vielen Dank dafür.
    Dazu geb ich gern ab Mittwoch meinen Senf ab, denn dann sehen wir ja die Weichenstellungen.

    Dabei wäre ich auch für Ihre Kontrapunkte dankbar, denn man lernt ja nie aus.

  • Steiner   |   17. Mai 2011 - 9:04

    Die vielfach aufgeführten Führungsdefizite (vom Grp Fhr bis zum „OB FriZ“) sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Situation.
    Das Postulat der uneingeschränkten Selbstverwirklichung von Individuen und Interessengruppen verträgt sich nicht gut mit der Ein- oder gar Unterordnung unter Verpflichtungen oder Anordnungen, die sich aus der Existenz anderer (Individuen und Gruppen) bzw. der Zugehörigkeit zu einer Organisation/Nation (= Gemeinschaft) zwangsläufig ergibt. Mit ein Grund, weshalb „dienen“ nicht zu den „It-Wörtern“ zählt.

    Außerdem sind wir alle (dank der elektr. Medien) Experten für alles und wissen besser Bescheid als „die da oben“ :-).

    Führung muß (?) immer schneller geschehen, verlangt aber gleichzeitig viel mehr Überzeugung als noch vor 20 Jahren. Und Überzeugen braucht Willen, Selbstdisziplin und ZEIT.
    Im Grunde hat die Bundeswehrreform erst Aussicht auf den in den Kommentaren umschriebenen Erfolg, wenn auch der Rest der Gesellschaft mitreformiert (wird).

    Hatten wir schon mal (2013 jähren sich die oft beschworenen pr. Reformen zum 200ten Mal). Allerdings brauchte es damals eine (fast) vernichtende Niederlage, um die Reformen in Gang zu setzen (deren Notwendigkeit dann auch sofort von den Vertretern des ancien regime bestritten wurde).

    Noch scheint die Schmerzgrenze bei uns nicht erreicht, daher einer Reform auch nicht der nötige Boden bereitet (seien wir ehrlich, bezogen auf die BW ist es überwiegend ein Insiderthema).

    Was tun? Für die Armee wäre eine provokative Werbekampagne ein möglicher Weg, die überfällige öffentliche Debatte um die Frage „wozu (noch) eine Armee?“ auszulösen (die dann auch die Frage „wofür dienen?“ beantwortet).
    Allerdings muß ich gestehen, daß mir die Verknüpfung der Begriffe „BMVg“ und „gezielte Provokation“ gewisse Schwierigkeiten bereitet…

    Das erwähnte Scheitern muß übrigens keineswegs durch äußere Einwirkung eintreten. Im anderen Fall durfte das belächelte Thema „Heimatschutz“ zur heissen Kartoffel werden (warum wollte Herr Schäuble seinerzeit unbedingt den Einsatz der BW im INNERN geregelt haben?)

  • Delta 0219   |   17. Mai 2011 - 12:56
  • Sascha Stoltenow   |   17. Mai 2011 - 14:15

    Als sei das hier kein Medium ;-)

  • SchreckStarr   |   17. Mai 2011 - 17:14

    @ Memoria

    Ich stimme Ihnen in einigem zu, in anderem habe ich einen Blickwinkel, von Ihrem abweicht (Ihr Beispiel vom GenInsp ist klasse. Volle Uebereinstimmung!).

    Derzeit kann ich Ihnen nicht adaequat antworten, moechte das aber gerne nachholen – vielleicht auf Basis der morgen vorliegenden, weiteren Informationen …

  • ProjM   |   17. Mai 2011 - 19:38

    Ich hoffe nur, dass alle mit all den guten Ideen hier auch so anerkannte Führungspersönlichkeiten sind und auch sich bemühen jeden Tag ihr Bestes dazu beizutragen. Ich bitte daher um einen Erleuchtung im Sinne, welches denn die Lehre aus den vergangenen Jahren ist und welche Reform zur Veränderung der Köpfe wirklich anzugehen ist. Ich gebe zu bedenken, dass viele Gesetze in diesem Land die letzten Jahre gezeigt haben, dass Bürgerrechte und freiheitliches Agieren eben nicht immer gewollt ist. Was soll die Bundeswehr denn da machen. Wir schweifen immer gerne ab in ganz große Bereiche der Sicherheitspolitik. Ich sehe aber auch unten das totale Versagen und das allein kann der General nicht leisten. Innre Stabilität und Mut sind Dinge, die ja nicht gleich vermittelt werden können… und wer auf morgen wartet… wird enttäuscht werden, ob seines Anspruches vieles Neues zu erfahren.

  • Georg   |   17. Mai 2011 - 20:03

    @ Steiner

    Zitat:

    „Führung muß (?) immer schneller geschehen, verlangt aber gleichzeitig viel mehr Überzeugung als noch vor 20 Jahren. Und Überzeugen braucht Willen, Selbstdisziplin und ZEIT.“

    Einen sehr wichtigen Punkt der Führungsstrategie haben Sie vergessen. Führung braucht Vertrauen zwischen Vorgesetzten und Geführten. Dieses Vertrauen ist bis auf einen ganz geringen persönlichen Bereich verschwunden. Dies wird allgemein als Motivationsverlust in der zivilen Wirtschaft wie in der Bw beschrieben.

    Wenn sie das Vertrauen des Untergebenen haben, dann brauchen sie wenig Zeit, wenig Überzeugungsarbeit und wenig Bürokratie um Aufträge umzusetzen.
    Was Sie allerdings brauchen ist viel Zeit und persönlichen Kontakt mit den Geführten um das Vertrauen aufzubauen und zu erhalten. Es braucht ein kongruentes Verhalten zwischen Reden und Handeln (nicht Wasser predigen und Wein trinken) des Vorgesetzten.
    Den Untergebenen, Mitarbeiter persönlich kennen, sich auch für sein privates Umfeld interessieren, ihn als Person respektieren und sich mit Rückgrat für die berechtigten Belange seiner Soldaten einsetzen und schon lassen sich Aufträge relativ leicht umsetzen.
    Es könnte allerdings sein, dass dieses Verhalten als Vorgesetzter, Rückgrat zeigen, der eigenen Karriere nicht besonders förderlich ist.

  • Georg   |   17. Mai 2011 - 21:10

    @ ProjM

    „Zurück in die Zukunft“ ist meine Antwort auf ihre Frage.

    So führen wie man in den 70er/ 80er Jahren bei der Bw geführt hat. Mit genauso wenig Bürokratie wie damals, mit der gleichen Einstellung zum Beruf wie damals und mit genauso viel persönlichen Einsatz des Vorgesetzten wie damals.

    Beispiel „Dienstaufsicht“
    Damals war Dienstaufsicht das persönliche Erscheinen des Vorgesetzten am Arbeitsplatz des Untergebenen. Die persönliche, kritische Inaugenscheinnahme des Geführten und seiner Umgebung. Anschließend ihn fragen und zuhören was er zu sagen hat (Hinschauen und Zuhören, sich einen Eindruck verschaffen macht weit mehr als 50 % der menschlichen Wahrnehmung aus).
    Anschließend ihn für seinen Dienst loben und bestätigen oder gegenenfalls ihn korrigieren. Auf jedem Fall ihm das Gefühl vermitteln, wie wichtig sein Dienst für den Gesamtauftrag der Einheit usw. ist (letztendlich ihn damit zu motivieren).
    Falls Sie Insider sind, wissen sie sicherlich wie heute Vorgesetzte Dienstaufsicht weitgehend praktizieren (wenn überhaupt !).

  • ProjM   |   17. Mai 2011 - 21:15

    @ Georg
    Ich weiss es. Mir gefällt auch mal ein Kommentar, der das „wir müssen die Geschichte beachten“ nicht all zu weit treibt. Führen durch Vorbild und Beispiel. Plus die Formulierung 3a.
    Ein guter Anfang.

  • Steiner   |   18. Mai 2011 - 23:35

    @ Georg

    Sie haben (wieder einmal) völlig recht. Selbstverständlich war, ist und bleibt Vertrauen die Basis für jedwede erfolgreiche Führung und ihren Ausführungen (auch hinsichtlich der 70er/80er Jahre) stimme ich vorbehaltlos zu, ich habe die Zeit in der Truppe erlebt. Allerdings begann in der zweiten Hälfte der 80er Jahre jene Entwicklung, die einer meiner Ausbilder mit den Worten beschrieb „Männer, ich erlebe den Untergang der Titanic“.

  • iviax   |   21. Mai 2011 - 20:41

    Zum Thema Werbeslogan für die Bundeswehr – dazu habe ich ein schönes Zitat von BR-Online, gefunden auf Soldatenglück.de

    „Die Wehrpflicht ist ausgesetzt, die Bundeswehr schrumpft — und bayerische Politiker versuchen verzweifelt, die bayerischen Bundeswehrstandorte zu verteidigen. Kann es sein, dass wir unsere Armee nur noch als Standortfaktor brauchen? Dass Soldaten eher die lokale Wirtschaft ankurbeln müssen, als das Land zu verteidigen?“

    Interessante Aussage, speziell vor dem Hintergrund, mit welcher Verlässlichkeit wir unseren internationalen Verpflichtungen in letzter Zeit nachgekommen sind.