Keine Munition, kein Krieg

Weil die Story einfach zu gut ist… und damit man auch mal das Original – also die Washington Post – liest und nicht nur das, was davon abgeschrieben wurde:

NATO runs short on some munitions in Libya

Less than a month into the Libyan conflict, NATO is running short of precision bombs, highlighting the limitations of Britain, France and other European countries in sustaining even a relatively small military action over an extended period of time, according to senior NATO and U.S. officials.

European arsenals of laser-guided bombs, the NATO weapon of choice in the Libyan campaign, have been quickly depleted, officials said. Although the United States has significant stockpiles, its munitions do not fit on the British- and French-made planes that have flown the bulk of the missions.

Allerdings meine ich mich zu erinnern, dass vor einigen Jahren (war das nicht sogar im Irak-Krieg?) diverse Verbündete einschließlich der USA Nachschubprobleme bei der Munition hatten und die Bundeswehr kurzfristig aus ihren Depotbeständen aushalf. Das waren allerdings die dummen Eisenbomben, keine Laser-gesteuerte Munition – müsste man doch noch mal nachlesen.

Immerhin, behaupten die Rebellen, soll es ein gemeinsames Lagezentrum der Anti-Gaddafi-Truppen und der Aufständischen geben: Libyan rebels, NATO in joint military operations against Qaddafi forces

Ebenfalls von der Washington Post ein Bericht zur Lage in Misrata: Gaddafi presses siege of Misurata as civilians beg NATO to prevent massacre

13 Gedanken zu „Keine Munition, kein Krieg

  1. Das ist Schwachsinn und wurde von mehreren Blogs widerlegt. Die Washington Post ist ein Schundblatt und schreibt oft Mist – oder gibt Vollidioten Platz für dumme Kommentare.

    Frankreich und Großbritannien haben mehrere Tausend Paveway II bzw. AASM. Typhoons können Paveway III/IV verwenden. Außerdem jeweils 500-900 Storm Shadow cruise missiles. Großbritannien setzt zudem sehr stark auf die Hellfire-ähnliche Brimstone.

    Außerdem haben Kanada, Norwegen, Belgien und Dänemark F-16s bzw. F-18s. Wenn auch ältere Modelle, weshalb es eventuell Probleme mit der Software gibt. Aber alle diese Länder sollten laut Wikipedia (ja ich weiß…) über JDAMs verfügen. Italien hat auch mehrere Hundert JDAMs in Lizenz produziert.

  2. Deshalb ist die BW nicht mit dabei! Wir haben nur 10 Präzisionsbomben und die braucht man für den Notfall.

  3. @StefanS
    Danke – gibt’s Links zu den Widerlegungen?

    (Storm Shadow ist ja nicht unter Mangelware gelistet, wenn ich den WP-Bericht lese.)

  4. Es geht hier eigentlich nur um fehlendes Geld, um diesen Krieg erfolgreich zu führen. Und daran wird der Erfolg vermutlich auch scheitern. Die Zahlmeister der Welt sind nicht dabei. Eine notwendige Erfahrung für die Überheblichen unter unseren Verbündeten. Zudem sind viele Waffensysteme erst in der Einführung, Integration bzw. noch in Entwicklung bzw. nicht ausreichen vorhanden. Typisch ist für den Westen, bewährte ältere Waffensysteme auszumustern, bevor Ersatz verfügbar ist. Weil ja die aktuelle Bedrohungslage, von gestern, dies angeblich gestattet. Hierbei wird sträflichts vernachlässigt, dass sich die Bedrohungslage innerhalb weniger Tage rapide ändern kann. Schneller, als ein Waffensystem eingeführt ist. Es ist halt dumm, Streitkräfte allein nach der aktuellen Bedrohungslage bzw. nach den Zielvorgaben einer gerade mal für 4 Jahre gewählten Regierung auszurichten. Streitkräfte müssen für alle nur denkbaren Scenarien gerüstet sein. Man darf sich dabei auch nicht auf bestimmte Fähigkeiten von Verbündeten verlassen, die bei Bedarf dann möglicherweise garnicht verfügbar sind, weil politisch nicht gewollt oder kurzfristig aus finanziellen Gründen abgeschafft. Selbst ist der Mann. Eine Lehre für die deutsche Sicherheitspolitik, insbesondere für die Bundeswehrreform.

  5. Storm Shadow: Stückpreis: 1,13 Mio. Euro. In der Realität fehlt sogar Geld für Munition für das Infanterieschießen. Dies sagt doch alles. Oder? Nur damit Sarkozy seine Wahlkampfhilfe an Gaddafi nicht zurückzahlen muß?

  6. Klarheit bitte! Eine zu wackelige Basis für einen schwungvollen Kommentar. :)
    Ich kanns mir zumindest nicht recht vorstellen, dass bei dem geringen Kräfteeinsatz
    nach so kurzer Zeit schon die Munition aus sein soll.

    @ Stefan off topic ^^

    Bezüglich der Bundeswehrreform: Absolut richtig. Die BW muss in vielen Bereichen reformiert werden, aber die damals präsentierten Maßnahmen waren zum Teil voll daneben.

  7. Wer sicher genügend Munition hat sind die Saudis. Die haben auch Brimstone und werden sicher gerne aushelfen.

    Aber die Munition ist ja nur ein Teil der Kosten und um die geht es wohl auch. Laut Angaben der britischen Regierung kosten sie eine Flugstunde Eurofighter 90,000 britische Pfund. Mit den Stunden und den hohe Munitionsverbrauch sammelt sich ein hübsche Rechnung an für diesen Einsatz. Aber das kann man dann ja wieder bei den ärmeren Briten streichen.


    Die LA Times hat einen interessanten Bericht über die anti-Gaddafi Rebellen: Libyan rebel’s story shows links to Taliban, Al Qaeda, NATO

    He once lived under the Taliban’s protection, met with Osama bin Laden and helped found a group the U.S. has listed as a terrorist organization. He died in a secondhand U.S. military uniform, ambushed by Moammar Kadafi’s men as he cleared a road after an airstrike by his new NATO allies.

    there are many unanswered questions about Libya’s anti-Kadafi forces, with at least 20 former Islamic militant leaders in battlefield roles, according to the rebel army, and hundreds of Islamists participating or watching from the sidelines. All speak of unity and brotherhood, but in the new state, will they be tempted by a once-in-a-lifetime chance to overpower Libya with a conservative Islamist vision?

    Und für deren Unterstützung werden die wunderbaren „Präzionswaffen“ eingesetzt …

  8. Mir ist da gerade noch eine Quelle in die Hand gefallen:

    the UK troops suffered a „critical munitions shortage“. Had the air campaign continued, Britain would quickly have run out of weapons, specifically precision guided munitions for the RAF.

    Professor Michael Clarke, director of the centre for defence studies at Kings College London, said: „It has been an open secret for some little time now that our stocks of precision guided missiles are very much lower than they would need to be.“

    He added: „Many in the military say that we have been very lucky so far, from the Falklands onwards.

    Ein bekanntes Problem also, denn der Artikel ist 11 Jahre alt: Kosovo weapons crisis revealed

  9. Na wenn Quatar schon Milan-Panzerabwehrflugkörpfer an die Rebellen liefert (OK, Ghaddafi-Propaganda), könnten die Saudis ja durchaus ein paar Brimstones „return to sender“ liefern.

    Zum WP-Bericht und zugehörigen Kommentaren:
    Der Mangel besteht in lasergelenkter Munition, mit der man auch bewegliche Ziele bekämpfen kann.
    Da helfen weder GPS-gesteuerte JDAM, noch französische AASM-Bomben die z.T. auch nur über eine INS/GPS-Lenkung verfügen.
    Wenn man dann von den bestehenden Beständen den Munitionsverbrauch über Afghanistan (und dem Irak im Fall der Briten) abzieht, kommt man schnell in kritische Bereiche.

    Kein anerkannter MilBlog (siehe Blogroll oder auch ARES, DEW-Line, warisboring) hat bis jetzt dem Bericht der WP widersprochen.

  10. Präzisionsmunition ist Feel-Good-Munition.

    Die verwendet man nicht weil sie die militärisch beste für den Job ist sondern weil sie dabei am Besten aussieht und am wenigsten schlechte Bilder liefert.

    Für die meisten Ziele muß man keine millionenteure lasergesteuerte Lenkraketen verwenden, da reichen auch 2-4 dumme Bomben – nichtmal JDAM – oder Bordkanonen im Tiefflug.

  11. Brimstone ist als Bl.755 Ersatz gedacht.
    Also Einzelzielbekämpfung statt Flächenwirkung.
    12 Flugkörper, Radar erfaßt 12 Panzer, 12 Flugkörper abfeuern, 12 Panzer tot..
    Warum hat eigentlich die BW dieses System nie in Erwägung gezogen?
    Ach ja, die Geschichte ist ja zu Ende und Panzerbekämpfung werden wir nie wieder machen müssen…
    Damit kann man sich bewegende Ziele bekämpfen, das Problem scheint nur die etwas unflexible Zielerfassung zu sein. In der Radarvariante kann anscheinend der Tornado selbst die Ziele nicht erfassen sondern muß dies von anderen Plattformen mit entsprechendem Radar (JSTARS, Dronen) tun lassen.
    Es gibt aber auch eine lasergelenkte Variante, die vom TIALD (die briten brauchen keinen Pod, deren Tornados haben das eingebaut) gesteuert werden kann.
    Der Eurofighter soll das mit seinem Radar hinbekommen, Brimstone Ziele zuzuweisen.
    Andererseits ist Brimstone wieder so ein typisches heutiges Rüstungsfiasko. Um Kosten zu sparen wollte man einfach die amerikanische Hellfire umbauen, weil das nicht so ohne weiteres möglich war mußte praktisch der gesamte Flugkörper neu konstruiert werden und hat nur noch die selbe Form wie Hellfire.

  12. „Für die meisten Ziele muß man keine millionenteure lasergesteuerte Lenkraketen verwenden, da reichen auch 2-4 dumme Bomben – nichtmal JDAM – oder Bordkanonen im Tiefflug“

    Gerade die Briten haben damit im Golfkrieg extrem schlechte Erfahrungen gemacht. Man hat eine relativ hohe Anzahl an Flugzeugen verloren und die Genauigkeit war auch miserabel. Als man zu Angriffen aus größerer Höhe überging, wurden die Ergebnisse besser.

    Guidance Kits für ungelenkte Bomben kosten übrigens nur ca. 30.000 bis 80.000 Dollar.

  13. Es fällt mir schwer zu glauben das einer so begrenzten NATO Mission kurzfristig die Munition ausgeht. Wie viele Strike-Missions wurden/werden denn ausgeführt?
    Vielleicht ist das ganze eher als dezenter Hinweis zu verstehen, das bestimmte Nationen die derzeit die Hauptlast tragen, nicht bereit sind sich dauerhaft in diesem festgefahrenen Konflikt zu engagieren.

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