Araber stürmen gekaperten Frachter

Die Informationen sind nicht sehr detailliert: Spezialkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate haben nach Berichten örtlicher Medien den VAE-Frachter Arrilah gestürmt, der am vergangen Freitag von Piraten gekapert worden war. Eine Anti-Terror-Einheit habe das Schiff mit Unterstützung der eigenen Luftwaffe angegriffen. Angeblich soll es auch eine Zusammenarbeit mit der 5. U.S.-Flotte gegeben haben, die allerdings davon nichts weiss oder nichts sagen will.

Nach den asiatischen Nationen Südkorea, Malaysia und vor allem Indien geht damit auch erstmals ein arabisches Land mit Gewalt gegen die – mutmaßlich somalischen – Piraten vor: The decisive operation is evidence of the determination of the UAE Government to respond swiftly and deal firmly with any acts of piracy.

3 Gedanken zu „Araber stürmen gekaperten Frachter

  1. Bezüglich des hier vorhandenen „Tätigkeitsgenres“, wird mir respektive der Reputation der meisten genannten herzlich übel :)

    Auf deutsch: Eine Schiffserstürmung im Rahmen einer Geiselbefreiung ist eine Aktion, die wohl zur Topliga der miesen Lagen gehört und somit (immer unter hohem Risiko) durch die professionellsten Spezialkräften durchgeführt werden sollte. Ich will den Akteuren gar nicht per se ihre Fähigkeiten absprechen. Aber die meisten gehören zu der Sorte, bei denen alles Elite und Spezial ist, was irgendwie härter trainiert als der Schnitt,
    oder die Kleiderordnung einhält oder weiß der Teufel was.

    Spezialoperationen haben immer eines gemein: Sie werden in den seltensten Fällen aus dem Ärmel geschüttelt. Es ist unglaubliche Vorbereitung nötig, um einen Erfolg möglich zu machen. Dass jetzt (Verzeihung) jeder Hinz und Kunz (auch wenn es arrogant Klingt, sie sind es leider) solche Aktionen durchführt, finde ich bedenklich. So werden in der Tat Geiseln gefährdet. Es hatte schon seinen Grund, dass der GSG-9 zumindest als höchst riskant eingestuft wurde und schließlich auch nicht durchgeführt wurde (aus welchem Grundauch immer).

  2. Wie „spezial“ oder nicht, wie „professionell“ oder nicht die Aktion war, will und kann ich nicht kommentieren. Aber eins hat sie gezeigt: Schnelles, entschlossenes Handeln mit überlegenen Kräften beeindruckt die Piraten bestimmt mehr als „erstmal abwarten und verhandeln“.
    Klar, jede Situation ist anders, Patentrezepte gibt es nicht, und die GSG-9 hätte damals bestimmt auch mehr erreichen können, wenn man sie gelassen hätte.

    Wie die Piraten auf „Druck“ reagieren, ist schwer vorauszusagen, und ohne Risiko für die Geiseln geht es dabei wohl nie ab. Ich schätze aber, im Ernstfall ist den Piraten ihr eigenes Leben immer noch mehr wert als das Risiko einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Spezialkräften. Also ergeben sie sich lieber kampflos, wie schon zuvor in anderen Fällen, so auch hier in diesem Fall. Und der ist ja anscheinend gut ausgegangen – für alle Beteiligten, und vor allem auch für die Geiseln.
    Gott sei Dank!

  3. Das stimmt vermutlich. Man muss sich halt eine Frage stellen: Ist die Situation so verfahren (oder eventuell so einfach), dass ich keine andere Möglichkeit habe?

    Erst dann sollte man sich zu einem Spezialeinsatz entschließen.
    Man denke an die Aktion der Inder, mal eben ein Boot samt Geiseln zu perforieren, weil ja Piraten an Bord waren. So viel zu den Einsatzgrundsätzen gewisser Streitkräfte.

    Zur GSG-9: Sie hätte den Job, der sehr schwer gewesen wäre, vermutlich gemeistert. Dank eines hohen Leistungsstandes und einer Vorbereitung, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Ich möchte darauf verweisen, dass es bei renommierten Einheiten dazu gehört, mal eben ein ganzes Gebäude nachzubilden, oder die Räumlichkeiten eines Schiffes. So etwas hätte man eventuell auf dem Heliträger getan. Genug Manpower hat man ja mitgenommen (das ist nichts geheimes). Dann hätte man ein paar Tage bis zum Erbrechen geübt. Jedes Detail. Ich behaupte mal, dass die meisten „Anti-Terror-Superspezial-Kommandos“, vor allem jene aus dem west- und südasiatischen Raum, so eine Vorbereitung nicht kennen. Ein solcher Verdacht erschließt sich auch daraus, dass die Ausbildungsarbeit mit westlichen Einheiten in der Vergangenheit schief gegangen ist.
    Und genau deshalb stehe ich, der sich sonst sehr für allerhand Spezialeinsatzgeschichte herzlich erwärmen kann, einer Aktion durch solche Akteure kritisch gegenüber, weil ich nicht erwarte (klar, ich weiß es nicht zu hundert Prozent), dass sie sich so akribisch vorbereiten.

Kommentare sind geschlossen.