Vorher/nachher – die Bewerberlage

Irgendwie sprechen diese Zahlen für sich. Und ich würde sagen, da gibt’s ein Problem.

Die Meldung des Verteidigungsministeriums von heute:

Am 1. März 2011 werden 1.255 Freiwillige (875 Grundwehrdienstleistende und 380 Freiwillig Wehrdienstleistende) zum Dienst in den Streitkräften einberufen. Darüber hinaus treten im März 276 Zeitsoldaten ihren Dienst an.
Dieses Jahr zieht die Bundeswehr in einigen Bereichen auch außerhalb der Quartalstermine Soldaten ein. Die nächsten Einberufungstermine sind der 1. April, der 1. Mai sowie der 1. Juli 2011. Heer und Marine berufen weiterhin quartalsweise ein.
Nach Aussetzen der Wehrpflicht werden keine Wehrpflichtigen mehr zur Ableistung des Grundwehrdienstes herangezogen. Auf Antrag können junge Männer jedoch weiterhin ihren Grundwehrdienst oder einen darüber hinausgehenden freiwilligen Wehrdienst leisten.
Von den 1.255 Freiwilligen treten 471 den Wehrdienst bei der Luftwaffe, 666 in der Streitkräftebasis und 118 im Zentralen Sanitätsdienst an. weiterlesen

Der nächste Frachter…

Die Piratenlage am Horn von Afrika habe ich in jüngster Zeit ziemlich vernachlässigt (aus verschiedenen Gründen, unter anderem weil ich derzeit sehr viel unterwegs bin). Deshalb nur der Hinweis: Es geht unverändert weiter; nach wie vor können die somalischen Piraten Kaper-Erfolge verzeichnen. Und wie bislang immer öfter in der Arabischen See, nahe der Hauptschiffahrtsrouten in den Persischen Golf.

Wie heute morgen den Frachter Dover (Panama-Flagge, griechischer Eigner) im Norden der Arabischen See. Angesichts der Zusammensetzung der Crew – ein Russe, drei Rumänen, 19 Filipinos – dürfte sich die öffentliche Aufmerksamkeit dafür in der westlichen Welt wieder sehr in Grenzen halten.

Nachtrag: Das wiederum lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit in Europa auf die Piraten: Drei dänische Kinder samt Eltern in der Hand der Seeräuber – wenn auch die Details noch weitgehend unbekannt sind.

Deutsche Transall: Evakuierung aus der libyischen Wüste

Die Bundeswehr hat Deutsche und andere EU-Bürger aus der Wüste Libyens evakuiert. Nach Informationen von Augen geradeaus holten zwei Transall-Flugzeuge der Luftwaffe mehr als 130 Menschen von einem Flughafen im Osten Libyens ab. An Bord der beiden Maschinen, die kurz nach 17 Uhr deutscher Zeit wieder starteten, waren auch bewaffnete deutsche Sicherungskräfte.

Die Informationen decken sich weitgehend mit Angaben der Bild-Zeitung, wenn auch dort nur von einem Flugzeug die Rede ist. Nach Angaben des Blattes handelt es sich um den Flughafen Nafoora-Jakharrah in der libyschen Wüste.

Derweil berichten sowohl die BBC als auch Al Jazeera, dass die Briten ebenfalls rund 150 Menschen auf dem Luftweg aus der Wüste südlich von Bengasi evakuiert haben.

(Inzwischen die offizielle Bundeswehr-Bestätigung hier, die offizielle britische Bestätigung hier.)

Nachtrag: Der BBC-Bericht über die Evakuierungsaktion liest sich in Teilen merkwürdig: Of the rescuers, he said: „There was the crew. There were no soldiers as such. They were not carrying any weapons, to my knowledge.“

Und noch ein Nachtrag zur diskutierten Frage der nachträglichen parlamentarischen Billigung des Einsatzes: Dazu hat sich am Montag der Sprecher des Auswärtigen Amtes in der Bundespressekonferenz geäußert:

Dafür muss man sich das Parlamentsbeteiligungsgesetz genau ansehen; das würde ich Ihnen empfehlen. Es gibt nach den §§ 3 und 5 sozusagen die Pflicht, im Vorhinein zu unterrichten, wenn sich ein bewaffneter Einsatz abzeichnen könnte. Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass es tatsächlich ein bewaffneter Einsatz war, muss die nachträgliche Zustimmung des Deutschen Bundestages eingeholt werden. In diesem Falle war es so, dass ein bewaffneter Einsatz bevorgestanden haben könnte. Nachträglich war es ein gesicherter Evakuierungseinsatz mit humanitärer Zielsetzung, also kein bewaffneter Einsatz. Demzufolge muss auch nachträglich keine Zustimmung des Bundestages eingeholt werden.

Nachwuchswerbung? Nicht nur bei „Bild“

Hm, das hätte man auch einfacher haben können… Nachdem am Mittwoch vor allem Abgeordnete der Opposition moniert hatten, im Verteidigungsausschuss sei ihnen eine Nachwuchskampagne mit Werbung ausschließlich in Bild, Bild am Sonntag und bild.de vorgestellt worden, klingt das heute anders – wie das Verteidigungsministerium auf Bitten der Bundespressekonferenz nachgeliefert hat:

Medienagentur

Zenithmedia GmbH hat 2008 im Wettbewerb mit 22 anderen Anbietern eine Ausschreibung gewonnen und ist seither Rahmenvertragspartner der Bundeswehr. Die Agentur identifiziert vor allem, auf welchen werblichen Kanälen die jeweiligen Zielgruppen am besten erreicht werden können und schlägt einen entsprechenden Medien-Mix vor. Die Buchung einzelner Schaltungen in Medien erfolgt ebenfalls durch die Agentur.

Werbekampagne 2011

Die aktuelle Kampagne wurde im vergangenen November 2010 (zu diesem Zeitpunkt nur auf Mannschaften SaZ ausgerichtet) konzipiert.

Im Dezember 2010 hat Zenithmedia hierzu erste Gespräche u.a. mit BILD geführt. Die Billigung der Kampagne durch PSZ/PM erfolgte im Januar diesen Jahres.

Die Werbung erfolgt in drei Phasen bis Jahresende durch Fernseh- u. Radiospots sowie den Einsatz von Print- und Onlinemedien.

Lediglich in einer vierwöchigen Phase wird in BILD, BILD am Sonntag und www.bild.de geworben. Darauf entfallen ein Achtel der eingesetzten Haushaltsmittel (12% der eingesetzten HH, sind gleich ~600.000 Euro von 4.8 Mio €).

In der aktuell laufenden 1. Phase liegt der Schwerpunkt bei überregionalen Fernseh- und

Radiospots. (2,2 Mio von 4,8 Mio Euro)

Eine 2. Phase (ab April) thematisiert speziell die Mannschaftslaufbahnen (einschl. FWDL) bei der Bundeswehr. Bereits jetzt steht fest, dass die Zeitungen Bild und Bild am Sonntag sowie der Onlineauftritt www.bild.de hier als Werbemittel genutzt werden.

Diese Phase wurde um eine zusätzliche Werbekampagne für den „Freiwilligen Wehrdienst“ ergänzt. Hierbei werden mit Blick auf Diensteintrittstermine im 2. Halbjahr 2011 in verschiedenen regionalen und überregionalen Print- und Onlinemedien Anzeigen geschaltet. Die Feinausplanung für diesen Anteil ist noch nicht abgeschlossen, deswegen ist die abschließende Kostenfestlegung noch offen.

In der 3. Phase wird dann von Mai bis Dezember regional und über verschiedene Medien für konkrete Verwendungen im Umfeld der bedarfstragenden Truppenteile und Dienststellen geworben. Die Durchführung erfolgt in Verantwortung der Zentren für Nachwuchsgewinnung. (abschließende Kostenfestlegung noch offen)

Das klingt schon ein wenig anders. Mich irritiert nur eines: ich habe mehrere Abgeordnete dazu befragt, die mir alle sagten, im Ausschuss sei nur von Bild&Co. die Rede gewesen, nicht von den anderen Planungen. Da müssen die aber was ganz gründlich missverstanden haben…

Evakuierung mit „aktivem Schutz“?

Das ist die bislang deutlichste Aussage eines deutschen Offiziellen zum Thema Evakuierung aus Libyen:

Die Bundeswehr sei auch dafür gerüstet, bei der Evakuierung robust vorzugehen. Notfalls würden die Soldaten deutsche Bürger auch „mit aktivem Schutz“ in Sicherheit bringen,

sagt Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Schmidt ist heute der deutsche Vertreter beim EU-Verteidigungsministertreffen in Ungarn (Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hat aus Termingründen abgesagt und den Staatssekretär geschickt). Ausser der grundsätzlichen Entsendung des Einsatzgruppenversorgers Berlin und der Fregatten Brandenburg und Rheinland-Pfalz und der Verstärkung dieses Verbandes durch einen zusätzlichen Hubschrauber gibt’s allerdings sonst wenig Konkretes.

Eine (laufend aktualisierte) Übersicht über die Kriegsschiffe der verschiedenen Nationen, die sich vor der libyschen Küste einfinden, führt der Bloggerkollege von Bruxelles2.

(Bonus Track: Schmidt berichtet auch von Überlegungen der EU, eine Küstenwache für Somalia aufzubauen. Das klingt allerdings noch sehr, sehr vage.)

Nachtrag: ein Video der britischen Fregatte Cumberland in Bengasi, von gestern:

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