Der Haushalt und die Bundeswehr

Zur Dokumentation: Die Aussagen in der heutigen Bundespressekonferenz zum interessanten Thema Bundeswehrreform und Haushalt. Irgendwie scheint mir da noch ein wenig Arbeit nötig?

Es treten auf: Der stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kapitän zur See Christian Dienst; Regierungssprecher Steffen Seibert und der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kreienbaum.

Dienst (zur Reform der Bundeswehr): Meine Damen und Herren, zu der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe und der Meldung „Merkel zürnt Guttenberg“ möchte ich ausführen, dass diese Meldung jeglicher Grundlage entbehrt. Der Minister ist nicht zum Rapport ins Kanzleramt zitiert worden, und es hat auch kein Vier-Augen-Gespräch mit der Bundeskanzlerin gegeben. In dieser Hinsicht ist die Meldung komplett falsch.

Frage: Bezogen auf diese Meldung beziehungsweise die Diskussion um den Sparbeitrag des Verteidigungsministeriums geht meine Frage in erster Linie an Herrn Seibert und an Herrn Kreienbaum: Wie ist es denn jetzt mit den Sparverpflichtungen, die das Verteidigungsministerium eingegangen ist? Bestehen die Kanzlerin und der Bundesfinanzminister darauf, dass die in den kommenden Jahren eingehalten werden, oder gibt es ein Entgegenkommen? Gibt es möglicherweise sogar eine Anschubfinanzierung, wie sie sich der Verteidigungsminister wünscht?

Kreienbaum: Ich beantworte Ihre Frage gern. Der Minister hat sich am Wochenende schon zu diesem Punkt geäußert. Er hat darauf hingewiesen, dass im Koalitionsausschuss verabredet worden sei, dass für die Reform der Bundeswehr eine Personalstärke von bis zu 185.000 Mann vorgesehen ist, und dass dort auch ausdrücklich bestätigt worden sei, dass die schon im Juni verabredete mittelfristige Finanzplanung weiterhin gelten soll und Einzelheiten dann bei der jeweiligen jährlichen Haushaltsaufstellung vereinbart werden sollen.

Zusatzfrage: Darf ich gleich nachfragen, was das bedeutet? In welchem Verhältnis steht die Klärung von Einzelheiten zum Bestand der mittelfristigen Finanzplanung?

Kreienbaum: Die mittelfristige Finanzplanung wird ja die Grundlage für die Aufstellung des Haushalts 2012 sein. Wir werden im nächsten Jahr, wie Sie wissen, mit dem so genannten Top-down-Verfahren beginnen – es wird also eine deutliche Umstellung im Haushaltsaufstellungsverfahren geben  –  und werden dann, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, Ende Februar beziehungsweise Anfang März mit dem sogenannten Eckwertebeschluss mit der Aufstellung des Haushalts 2012 beginnen. Wir werden dann sehen, welche Annahmen für den konkreten Haushalt 2012 zu Grunde gelegt werden, sowohl auf der Einnahmeseite als auch auf der Ausgabeseite.

Frage: Herr Seibert, Herr Dienst, hat es denn ein Gespräch zwischen Frau Merkel und Herrn Guttenberg in der letzten Woche gegeben? Wenn ja, was war der Inhalt dieses Gesprächs?

STS Seibert: Es hat meines Wissens im Umfeld der Kabinettssitzung am vergangenen Mittwoch Gespräche gegeben. Das ist aber auch vollkommen normal. Mit Sicherheit ging es auch in der Vorbereitung der Sitzung des Koalitionsausschusses am Donnerstag, die sich mit der Frage der Bundeswehrreform befasst hat, um eben diese Frage und die Umsetzung.

Dienst: Ich kann Ihnen aus der Sicht von Minister zu Guttenberg nur entgegnen: Ja, es hat die Kabinettssitzung geben. Es ist durchaus üblich, am Rande der Kabinettssitzung miteinander zu sprechen –   ich müsste jetzt das Echo von Staatssekretär Seibert geben  –  , und mit Sicherheit ist eben auch im Rahmen des Koalitionsausschusses miteinander gesprochen worden. Aber dazwischen gab es keine Extra- oder Sondergespräche.

Zusatzfrage: Bedeutet die Aussage, dass die Personalstärke der Bundeswehr bis zu 185.000 Mann betragen soll, dass sie womöglich am Ende eine geringere Stärke haben kann, sodass man dann wieder im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung landen würde?

Dienst: Es ist so, dass der Minister immer gesagt hat, dass das von ihm dargelegte, sicherheitspolitisch abgeleitete Minimum außerhalb der gesamtstaatlichen Aufgaben wie der Flugbereitschaft, der Sportförderung und Ähnlichem bei den berühmten 163.500 Mann liegt. Alles, was darüber hinaus auch durchaus politisch festgesetzt wird, bedarf dann einer entsprechenden Finanzierung oder Gegenfinanzierung. Von daher ist die Formulierung „bis zu 185.000“ natürlich in dieser Hinsicht bewusst gewählt worden.
Es ist auch völlig normal, dass sich die Personalstärke der Bundeswehr aus dem Haushaltsgesetz rekrutiert. Es ist ein Mechanismus, der schon im Grundgesetz festgelegt worden ist, dass eben das Parlament über den Haushalt die Stärke der Streitkräfte regelt.

Frage: Herr Kreienbaum, bedeutet das, was Sie jetzt sagen, nämlich dass man sich das im Laufe der Haushaltsaufstellung anschauen muss  –  unabhängig vom Verfahren der Haushaltsaufstellung, ob nun Top-down oder Bottom-up oder was auch immer die Fachterminologie wäre  –  , dass es jetzt möglicherweise abweichend von der mittelfristigen Finanzplanung möglich ist, dass das Verteidigungsministerium zur Erfüllung seiner Aufgaben oder zur Umsetzung der Reform mehr Geld bekommt, als bisher oder ursprünglich vorgesehen war?

Kreienbaum: Ich glaube, die Sachlage ist relativ klar. Ich hatte vorhin schon den Minister damit zitiert, dass die mittelfristige Finanzplanung weiterhin gilt. Die mittelfristige Finanzplanung bezieht sich  –  jetzt muss ich wieder auf den Begriff Top-down zu sprechen kommen –   sowohl auf das Einsparvolumen insgesamt, zu dem wir durch die Schuldenbremse gezwungen sind, als auch  –  heruntergebrochen –   auf die jeweiligen Einzelpläne. Daraus ergibt sich alles Weitere.

Mein Hinweis auf den Eckwertebeschluss, der im Februar oder März des kommenden Jahres beschlossen werden wird, bezog sich darauf, dass bis dahin möglicherweise auch noch einmal aktualisierte Zahlen oder Prognosen zur Einnahmesituation vorliegen werden, sodass man dann im Konkreten wird sehen müssen, wie die Zahlen aus der mittelfristigen Finanzplanung, die aus heutiger Sicht zu Grunde gelegt werden, dann im Frühjahr 2011 ausschauen werden. Aber ganz grundsätzlich gilt: Es ist im Koalitionsausschuss vereinbart worden, dass die mittelfristige Finanzplanung weiterhin gilt.

Zusatzfrage: Wenn ich Sie richtig verstehe, heißt das: Wenn es auf der Einnahmeseite eine
positive Veränderung gibt, dann gibt es auch mehr Geld zu verteilen, möglicherweise auch an das Verteidigungsministerium.

Kreienbaum: Der Hinweis bezog sich darauf, dass diese einzelnen Punkte im Frühjahr beschlossen werden, und zwar auf Basis der dann vorliegenden Annahmen und Daten. Wir haben jetzt Annahmen vorliegen, die auf die mittelfristige Finanzplanung zurückgehen, und die gelten weiterhin. Das sind die Daten, die uns jetzt zur Verfügung stehen, und sie gelten weiterhin. Wenn sich im Frühjahr aufgrund einer veränderten Einnahmesituation Abweichungen ergeben sollten, wird man das natürlich etwas aktualisiert einarbeiten müssen. Deswegen ist es jetzt zu früh, um schon über den konkreten Eckwertebeschluss zu reden, in dem dann das konkretisiert werden wird, nach dem Sie fragen.

Zusatzfrage: Herr Seibert, wenn ich jetzt die Äußerungen von Herrn Dienst beziehungsweise von seinem Minister richtig verstehe, dann sagt er: Wir haben mit 163.500 Mann kalkuliert, aber es gibt den politischen Willen, die Bundeswehr nicht so weit auf diese Zahl einzuschrumpfen, sondern eine höhere Zahl zu wählen, und dafür braucht man mehr Geld. – Sieht die Bundeskanzlerin das genauso? Ist man sozusagen politisch über die Grundannahmen hinausgegangen und wird deshalb auch mehr Geld zur Verfügung stellen müssen?
Herr Dienst, im laufenden Jahr 2011 wird es nach dem Beschluss, die Wehrpflicht zum Juli auszusetzen, möglicherweise irgendein Attraktivitätsprogramm oder Maßnahmen geben müssen, um diese Delle durch den Rückgang der Wehrpflichtigen auszugleichen. Ist dafür irgendetwas vorgesehen, und gibt es irgendwelches Geld, das in der ersten Jahreshälfte oder im Laufe des Jahres zur Verfügung gestellt werden kann, um Nachwuchs auf freiwilliger Basis zu gewinnen?

STS Seibert: Es gibt den politischen Willen der Bundesregierung, der Bundeswehr die Personalausstattung zu geben, die sie braucht, um ihrer sicherheitspolitischen Aufgabe, das Land zu sichern und unsere Bündnisverpflichtungen zu erfüllen, nachzukommen. Nun ist die Überzeugung, dass dies mit bis zu 185.000 Soldatinnen und Soldaten inklusive einer gewissen Anzahl von freiwilligen Wehrdienstleistenden zu erreichen wäre. Außerdem gibt es den politischen Willen, an der mittelfristigen Haushaltsplanung festzuhalten. Dies wird man in den kommenden Jahren miteinander in Abgleich bringen müssen.

Dienst: Hinsichtlich der Frage, die Sie an mich gestellt haben, ist zu sagen, dass die Aussetzung der Wehrpflicht natürlich ein Attraktivitätsprogramm erfordert. Das ist auch so vorgesehen. Die Finanzierung des Attraktivitätsprogramms im nächsten Jahr wird im Rahmen des laufenden Haushalts zu erbringen sein, und das ist auch möglich, da die Wehrpflicht entsprechend zum 1. Juli ausgesetzt werden wird und die prognostizierten Mittel dann eben in die Attraktivitätsförderung einfließen können. Der Gesamtumfang des Pakets ist Bestandteil der entsprechenden Gesetzgebung, die für den freiwilligen Wehrdienst eingeleitet worden ist und die aller Voraussicht nach am Mittwoch ins Kabinett gehen wird.

Frage: Herr Seibert, wenn der zuständige Minister aufgrund von Expertisen seines Hauses zu dem Ergebnis kommt, dass eine Bundeswehr mit 163.500 Leuten groß genug ist, wieso
kommt dann überhaupt die Zahl 185.000 ins Spiel?

STS Seibert: Es wäre natürlich besser, das Verteidigungsministerium in Vertretung des zuständigen Ministers danach zu fragen. Aber ich denke, der zuständige Minister hat sich den Argumenten aller Seiten geöffnet und kam dann schließlich mit den anderen zusammen zu dem Schluss, dass die Zahl von bis zu 185.000 Soldaten eine anzustrebende sei.

Dienst: So ist es. Die Zahl 163.500 ist das absolute Minimum dessen gewesen oder ist es nach wie vor, was man braucht, um überhaupt einen einigermaßen sicherheitspolitisch verantwortbaren Betrieb der Bundeswehr zu gewährleisten. Der Minister hatte schon, als diese Zahl veröffentlicht wurde, im Sommer gesagt, dass das wirklich das absolute Minimum sei, er sich aber durchaus vorstellen könne, dass die endgültige Zahl höher liegen werde. Dann hat es den breiten parlamentarischen und außerparlamentarisch-politischen Diskurs innerhalb der Parteien zu diesem Thema gegeben, und dabei wurde eine Bandbreite eröffnet, die dann von durchaus mehr als 200.000 bis hin zu 163.500 reichte. Letztendlich ist nun die Zahl „bis zu 185.000“ unter der Maßgabe festgelegt worden, dass es, um allen Bündnisverpflichtungen und auch allen Eventualitäten im Bereich des Heimatschutzes, also der Katastrophenhilfe, nachzukommen, für die Bundesrepublik Deutschland angezeigt ist, Streitkräfte so aufzustellen, dass man eben nicht in jeder Situation gleich „auf Rand genäht“ dasteht.

Frage: Wer hat das mit den 185.000 gegenüber den 163.500 denn jetzt eigentlich erfunden? Ist es aus Ihrer Sicht eine Entscheidung des Verteidigungsministers gewesen, über diese Minimumzahl hinauszugehen, oder ist das eine Konzession der Bundesregierung an die Fraktionen, die Parteien, die Opposition oder an wen auch immer gewesen, vielleicht auch an die Kommission, die eingesetzt worden ist? Wer ist sozusagen der Verantwortliche für die Festlegung dieser Zahl 185.000?

STS Seibert: Das ist eine innerhalb der Bundesregierung einmütig erarbeitete Zahl, die nun die Haltung ist, mit der die Bundesregierung in das Gesetzgebungsverfahren und in das Parlament geht.

Frage: Lässt sich denn, Herr Dienst, das Volumen dieses Attraktivitätsprogramms schon grob beziffern?

Dienst: Man muss ja eine Gesamtschau anstellen. Es gibt zum einen das Programm, das an der Einführung des freiwilligen Wehrdienstes hängt    das kann man monetär belegen beziehungsweise muss es hinterlegen    , und es gibt natürlich auch attraktivitätssteigernde Maßnahmen im sogenannten Präsenzkörper, also bezüglich der Soldaten, die wir haben, und vor allem der Zeitsoldaten, damit sie sich weiter verpflichten und weiterhin bereit sind, letztendlich Berufssoldaten zu werden. Das Verhältnis zwischen Berufs- und Zeitsoldaten muss geändert werden. Es muss wesentlich mehr Zeitsoldaten geben, da wir, wie gesagt, in Zukunft eben auf die Wehrdienstleistenden verzichten müssen. Insofern sind viele Zahlen und Betrachtungen im Umlauf, und man wird sehen, wie sich das, wie man so schön sagt, in Zukunft überhaupt materialisieren wird. Das sind mit Sicherheit Beträge, die sich im mittleren dreistelligen Bereich bewegen werden.

Frage: Herr Seibert, wenn das jetzt eine einhellig innerhalb der Bundesregierung erarbeitete Zahl ist, wer haftet denn jetzt sozusagen für die Mehrkosten, die dadurch entstehen?

STS Seibert: Ich glaube, ich habe das vorhin beantwortet. Die Bundesregierung hält    der Bundesregierung gehört natürlich auch der Verteidigungsminister an    an ihren mittelfristigen Haushaltsplanungen und auch an den verabredeten Sparzielen fest. Darüber wird nun zu reden sein.

Dienst: Der Minister hat sich am Freitag im Nachgang zu der Sitzung des Koalitionsausschusses auch selbst entsprechend geäußert und gesagt: „Wir müssen jetzt natürlich auch erst einmal im Ministerium selbst Kreativität an den Tag legen.“ – Das ist natürlich immer ein sehr schlanker Ansatz bei allen Problemen oder Herausforderungen, die sich einem stellen. Aber in der Tat wird man in alle Bereiche hineingehen müssen und sozusagen alle „Nischen“ ausräumen müssen, in denen der eine oder andere noch seine „hobby horses“ untergestellt hat. Erst dann, wenn man das ganze Geld, das wir jetzt schon zur Verfügung haben, entsprechend zweck- und sinnstiftend neu verteilt haben wird, können wir darüber reden, was vielleicht zusätzlich nötig wäre.

25 Kommentare zu „Der Haushalt und die Bundeswehr“

  • Tweets that mention AugenGeradeaus: Der Haushalt und die Bundeswehr -- Topsy.com   |   13. Dezember 2010 - 18:34

    […] This post was mentioned on Twitter by thomas_wiegold, Alexander Bonde . Alexander Bonde said: RT @thomas_wiegold: AugenGeradeaus: Der Haushalt und die Bundeswehr http://augengeradeaus.net/2010/12/der-haushalt-und-die-bundeswehr/ […]

  • Sascha Stoltenow   |   13. Dezember 2010 - 18:53

    Eines der Hobby-Horses dürfte den Namen Medienzentrale tragen, und das Hobby-Horse dieses Hobby-Horses heißt bwtv. Es sind zwar nur Peanuts, die dort eingespart werden können, aber die Einstellung bzw. Überführung in ein Internet-gestütztes Bewegtbildangebot hätte hohen symbolischen Wert, dass man es ernst damit meint, die Kommunikation der Bundeswehr zu professionalisieren. Weitere Reitbeteiligungen stellen sicher die mit großen Namen aber nur wenig Inhalten betriebenen Veranstaltungen AIK und BAKS dar.

  • Georg   |   13. Dezember 2010 - 18:57

    Nach diesem Interview drängt sich mir der Eindruck auf, dass meine gestern gäußerte Meinung bezüglich Schizophrenie aktueller ist, wie ich gedacht hatte.

    http://augengeradeaus.net/2010/12/er-spart-er-spart-nicht-er-spart/#comment-4515

  • huey   |   13. Dezember 2010 - 19:09

    Mittlerweile frage ich mich, wieso überhaupt noch ein Journalist zu einer solchen Presseveranstaltung erscheint-klare Aussagen bekommt man dort (verständlicherweise) ohnehin nicht.

    Mir ist schon klar, das alle Soldaten und andere Beteiligten (Zivilangestellte, Familienangehörige) gerne so viele Informationen so früh wie möglich haben möchten.

    Allerdings gibt es bei dieser Reform ja auch etliches abzuarbeiten-und da kann man das Pferd nicht von hinten aufzäumen…..

  • Politikverdruss   |   13. Dezember 2010 - 19:21

    Na, dann ist ja alles klar! Nur , warum so langatmig? Warum sagt der Seibert nicht einfach: Alle wollen 185000 Mann, aber keiner kann`s bezahlen.

    Dass aber da nach 20jähriger Unterfinanzierung der Streitkräfte noch irgendwo „hobby horses“ untergestellt sind, ist doch völlig unglaubwürdig. Die können doch nicht einmal mehr das bereits gesetzlich zugesagte Weihnachtsgeld der Soldaten bezahlen und haben daher die Auszahlung erneut nach hinten verlegt. 5,7 Milliarden Euro hat man dadurch eingespart. Und wer weiß, vielleicht ist ja das Einsparpotential auf diesem Gebiet noch gar nicht ausgereizt. Not kennt kein Gebot.

  • huey   |   13. Dezember 2010 - 20:16

    Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, das eine „Sportfördergruppe Segelfliegen“, finanziert durch das BMVg für die Sicherheit des deutschen Volkes unerlässlich ist?

    Segelfliegen, Boxen, Fallschirmspringen, Skifahren, Bobfahren, Rodeln, Schießen, Karate-alleine in den Sportfördergruppen versickern jährlich Millionenbeträge (nicht nur Personalkosten, sondern auch Infrastruktur, Reisekosten etc.).

    Meine Meinung dazu (die erheblich von der unserer Politker abweicht):
    Wer Sport machen will, und dafür auch noch Geld bekommen will, muss Profisportler werden…

    Aber wie schon früher erwähnt:
    Auch in dieser Reform wird es nach Anpassungen „goldene Wasserhähne“ für ausgewähltes Personal geben….während der Rest sich weiterhin mit alten Blecheimern begnügen muss…(denen man zur Feier des Tages vielleicht einen neuen Anstrich verpasst-um es mal „unnett“ auszudrücken)…

  • BausC   |   13. Dezember 2010 - 21:16

    Das die Bundeswehr den Spitzensport fördert finde ich nicht sonderlich anrüchig. Man kann als Institution, dass Geld auch schlechter ausgeben. Es wundert mich allerdings, dass die Bundeswehr nichts daraus macht. Weder treten die Athleten im Deutschlandtrikot der Bundeswehr auf noch werden z.B. einfach mal ihre Dienstgrade mit dem Namen eingeblendet. Gleiches gilt natürlich auch für Polizei und Zoll etc.
    Insofern könnte man natürlich auch sagen, wenn die Bundeswehr keinen Nutzen aus dieser Tatsache zieht, dann kann man es, in der Tat, einstellen.

  • Marinekenner   |   13. Dezember 2010 - 21:22

    Sehr geehrter Herren Seibert und Kreienbaum – Chapeaux,
    lieber Christian, well done !

    an Alle: Gut ausgekurvt ABER leider doch nichts wirklich beantwortet!
    Das mag ja alles political correct sein – „uns“, das Soldaten- und „Volk-„volk stimmt es aber sehr nachdenklich, wenn jetzt nicht endlich mal Tachales geredet wird!
    Die 165.000 sind NICHT finanzierbar – die 18x.y00 schon mal gar nicht. Bitte, meine Herren Sprecher, tun Sie es dem VtgMin nach und reden Sie Klartext! Wenigstens Sie – wenn es schon die in alten Strukturen aufgewachsene Generalität (das sind die Majore und Oberstleutnante mit den „gelben Pickel“) und Admiralität (…mmhh, das kommt doch von „admire“ – das jedoch tu´ ich nicht, meine Herren Breitstreifer!) nicht auf die Reihe bekommt – sollten wissen, dass „wir“ einsparen müssen:
    1.) den EURO-fighter (what the hell do we need this piece of …. for),
    2.) HERKULES (rein weg „Goldrandlösung“ für das DEU Heer, aber nice to have),
    3.)SASPF(meine Herren, mal ehrlich: bis zu 250 Mann nach AFG, nur um dieses System ins Laufen zu bringen ???? – und HERKULES, FüInfoSysHeer – braucht doch niemand, der „vom Einsatz her denkt“),
    4.) F125 ( häh, why? Vorschlag: streiche F122 und F125 setze 3 bis 5 Amphibious Assault Ships oder – böses Wort! – ETRUS, die Pläne waren alle schon da….)
    5.) forciere Personalabbau der zivilen Stellen bis zum festgelegten Umfang (gäbe ca. 1.2 Mrd € Einsparungen pro Jahr)
    und 6.) ganz revolutionär (bin ich gerne bereit mit auszuplanen):
    Warum um alles in der Welt brauchen wir noch die verschiedenen Teilstreitkräfte?
    Idee (zugegeben nur erster Brainstorming- Ansatz):
    – EINE Streitkraft, die die Fähigkeiten und Mittel ähnlich der U.S. Marines vereint, ergänzt durch einen Truppenteil, der nach den Entry-Operations gewonnenes Territorium dauerhaft hält und nachhaltig festigt und zur Zusammenarbeit mit zivilen Playern (Herr Niebel, Herr Westerwelle, Frau L.-S.) fähig ist!
    Gehen würd´s – die Bevölkerung würde es verstehen, die Soldaten würden es als sinnvoll begreifen – alleine – die „Leitung der Bundeswehr (ausser Minister)“ ist halt noch nicht so weit. Schade – Chanx verpasst!
    However, advantage new generation: Alle Flagoffiziere oberhalb B6 (Brigadegeneral/Flottillenadmiral) kann der Minister von jetzt auf gleich ohne Angabe von Gründen in den vorzeitigen Ruhestand schicken – schon mal dran gedacht ?
    Innovationspotenzial : immens!

  • Voodoo   |   13. Dezember 2010 - 21:34

    Ihr könnt doch jetzt nicht an den Segelfliegern rütteln, das bricht der Luftwaffe noch das Genick!

  • Georg   |   13. Dezember 2010 - 22:59

    Wenn man jetzt schon jede einzelne Sportfördergruppe auf ihre Berechtigung überprüft, wo soll dies hinführen ? Ist dies bereits ein Ausdruck purer Hilflosigkeit und Resignation bezüglich des Umbaus der Bw ?

    Zu Zeiten als die DDR noch existierte wurden diese Art von Sportler als „Staatsamateure“ bezeichnet, für die Olympischen Spiele waren es offiziell Amateure, in Wirklichkeit waren sie Angehörige der NVA. In unseren Augen waren es Profisportler.
    Wie schaut es heute aus ? Wieviel Prozent unserer Hochleistungssportler sind Angehörige der Bundespolizei, der Zollverwaltung und der Bundeswehr ?

    @ Voodoo

    Wenn man schon an den Segelfliegern rüttelt, die ja immerhin noch einen Bezug zur Lw haben, was ist dann mit Hochleistungs Casting-Fischer, die auch bei der Bw als Spitzensportler integriert sind ? : – )
    Hängt daran dann die Existenz der Marine ?

    http://www.vdsf.de/media/casting-1.html

  • Alles wird gut ... Nur wann ...   |   14. Dezember 2010 - 0:34

    Gut, dass es die Spiegel Meldung gab. Da ist bestimmt was dran! Sonst würde nicht so ein Mist verzapft werden. Alle wollen mehr Soldaten, aber keiner will’s bezahlen. Klasse! Und in 3 Jahren die nächste Reform! Abwählen!

  • Alles wird gut ... Nur wann ...   |   14. Dezember 2010 - 0:35

    Ach ja … Danke an den Blog … War interessant zu lesen … Danke Lars …

  • Alles wird gut ... Nur wann ...   |   14. Dezember 2010 - 0:42

    Jetzt les ich erst das Wesentliche…. Hobby horses … Der Herr Dienst [gestrichen] … Er selbst ist ein von Rabe gezogenes hobby horse … T’schuldigung …

    [Habe mögliche justiziable Aussagen aus rechtlichen Gründen entfernt. T.W.]

  • JoHoMe   |   14. Dezember 2010 - 1:14

    Ganz großes Kino. Für die Masse unserer Durchschnittsjournalisten allerdings zu hoch. Darum lenken diese sich heute auch lieber mit John F. und Jackie in Afghanistan ab. Ich weiß schon, warum ich Herrn Wiegold gestern gespendet habe ;-)

  • Sebastian S.   |   14. Dezember 2010 - 7:41

    Die 25 Mio die jährlich in die Sportförderung fließen machen den Kohl auch nicht fett.
    Wenn so dringend gespart werden muss, dann könnte man ja auch gleich das Musikkorps mit abschaffen…

  • huey   |   14. Dezember 2010 - 8:14

    Es sind NIE die Einzelposten, die „groß“ erscheinen-es ist die Gesamtsumme dieser kleinen Posten, die letztendlich den großen Unterschied ausmachen.

    Nehmen wir mal als Beispiel die Ausrüstung der Soldaten:
    Alle Soldaten erhalten (TSK-bezogen) die gleiche Ausrüstung.
    Viele Soldaten benötigen die meisten Teile aber nie.
    Wenn nun ein Klappspaten 240.000 mal ausgegeben wird, dann sind das in der Summe (bei angenommenen 25 Euro pro Spaten) 6 Millionen Euro.

    Oder das Umnähen der Dienstanzüge für Wehrpflichtige, die diesen Anzug (wenn überhaupt) nur EINMAL anziehen-man braucht sich nur mal die Preisliste anschauen, die die LHBw ausgehangen hat…

    Bei jeder Einkleidung wird:
    -Der Dienstanzug anprobiert
    -Der Dienstanzug angepasst und umgenäht (falls nötig)
    -Der Dienstanzug paspeliert und mit dem Wappen versehen

    Bei jeder Auskleidung wird:
    -Der Dienstanzug von allen Abzeichen und Wappen befreit
    -Der Dienstanzug überprüft und ggf. geflickt
    -Der Dienstanzug gereinigt, erfasst und eingelagert

    Als Einzelposten „peanuts“….in der Gesamtsumme aller Wehrpflichtigen pro Jahr doch schon ein Millionenbetrag.

    Sicherlich-diese „Einzelposten“ werden nichts rausreißen-aber darf man dennoch trotzdem weiterhin Millionen „verschwenden“ (im Sinne von „ausgeben“, obwohl nicht wirklich zwingend notwendig)?

    Zu den Sportfördergruppen habe ich meine Meinung schon geäußert:
    Wer meint, berufsmäßig Sport ausüben zu müssen, soll Berufssportler werden-und sich nicht auf Staatskosten finanzieren lassen…(ansonsten plädiere ich dafür, das alle Hartz4-Empfänger diese Sportprogramme ebenfalls nutzen dürfen-denn dann ist es nichts anderes als „staatlich gefördertes Freizeitvergnügen“)

  • NMWC   |   14. Dezember 2010 - 9:27

    @ Marinekenner: Schöne Aufzählung. Der Punkt F122 und F125 sollte aber nochmal ein wenig differenziert werden: F125 ist für sich allein stehend. Kein Ersatz. F122 soll durch 6 K131 ersetzt werden. Und diese K131 sollen nach jetzigem Stand zw. 2.000-3500t liegen. Wunsch BWB…und die K131 steht m.W. klar auf der Priorisierungsliste und sind in der Haushaltsplanung entsprechend hinterlegt.
    Ein weiteres Beispiel für den teilweise diffusen Beschaffungsprozess der sich aber aus den gewünschten Fähigkeiten ableitet. Und dort sehe ich das Hauptproblem. Welche Fähigkeiten braucht die Bundeswehr und welche nicht. (Diese Fähigkeiten leiten sich aber aus der STRATEGIE (gerne auch Geostrategie) des Landes ab. Und schon ist klar warum die Schere zw. „Gut gemeint“ und „Gut gemacht“ mal wieder da ist…)
    Übrigens: Das Spiel mit den B-Besoldeten geht auch bei den zivilen..Jetzt raten Sie mal wo sich eine gewisse Nervosität breit gemacht hat? Richtig: bei der Hauptabteilung Rü und im gesamten OrgBereich des BWB….

    Die Beschaffung und die gesamte Materialerhaltung sind die Posten innerhalb des Haushaltes die eben nicht innerhalb von zwei Jahren eine Veränderung zeigen werden. Dies ist übrigens auch bei den Personalkosten der Fall. Sei es über Personalstärkegesetz oder DU-Verfahren (dieses werden m.E. zur „Bereinigung“ mit Vorliebe angewendet werden…). Bei beiden sind die Personalkosten aber weiterhin gegeben. Auch wenn sie in andere Töpfe wandern. Mittelfristig werden die Personalkosten sich so schnell nicht reduzieren. Und wieder die Frage danach: Wie soll gespart werden?Und wo? Und vor allem bis wann? Nein, ich meine nicht in Legislaturperioden…

    @huey
    Ich kann Ihre Sicht bezüglich Sportfördergruppen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Teilen tue ich diese Sicht aber nicht. Haben Sie sich mal angeschaut welche Sportler sich in den Sportfördergruppen (BW, BPol, Zoll) so wiederfinden? Es sind nunmal die Sportarten die nicht Fußball heißen! Es sind die Sportler die nicht zig Millionen dafür bekommen einem Ball hinterher zu rennen..(ich bitte die Fußballfans um Entschuldigung…).Es sind die Sportarten die nur zufällig bei Olympischen Spielen mal in den Fokus geraten, oder es ist gerade mal eine Weltmeisterschaft o.ä. gewesen (natürlich nicht zu sehen bei ARD und ZDF, sondern bei Eurosport…). Für diese Sportler, die Höchstleistungen erbringen ohne das Glück von Sponsorenverträgen zu haben und jeden Tag mehrere Stunden trainieren, finde ich diese Einrichtung sehr wohl berechtigt. Vor allem unter dem Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit. Denn damit erreicht man durchaus den Nachwuchs den wir für die Streitkräfte gewinnen möchten.
    Und da sind wir wieder bei dem Argument angekommen, das Attraktivität Geld kostet. Wenn wir qualifizierte Leute gewinnen wollen, aber auch vor allem die bereits qualifizierten Soldaten halten wollen, dann gehören dazu Anstrengungen an denen sich die Bemühungen des Arbeitgebers Bundeswehr ablesen lassen. Sportfördergruppen sind dabei nur ein kleiner Posten, wenn auch international sichtbar. Andere Stellgrößen gehören auch dazu, z.B. Kinderbetreuungsmöglichkeiten und andere Maßnahmen zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ (die Kommission ist hier übrigens recht deutlich in der Wahl ihrer Worte gewesen)
    Und dies alles kostet GELD.

  • mietsch   |   14. Dezember 2010 - 11:49

    @NMWC
    „Es sind nunmal die Sportarten die nicht Fußball heißen! Es sind die Sportler die nicht zig Millionen dafür bekommen einem Ball hinterher zu rennen..(ich bitte die Fußballfans um Entschuldigung…).Es sind die Sportarten die nur zufällig bei Olympischen Spielen mal in den Fokus geraten, oder es ist gerade mal eine Weltmeisterschaft o.ä. gewesen (natürlich nicht zu sehen bei ARD und ZDF, sondern bei Eurosport…).“

    Aber wo steht, dass das bitteschön durch die Bundeswehr abzubilden ist. Wenn das Leitmotiv „Vom Einsatz her denken“ gilt, was helfen Biathlon, Hallenhalma etc. wirklich?
    Bitte jetzt nicht damit kommen, dass Biathlon was mit Gebirgsjägerei, Karate was mit Nahkampf und Segelfliegen was mit Close-Air-Support zu tun hat.

    „Vor allem unter dem Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit.“

    Wieder Einspruch: einer der Vorredner hat bereits ausgeführt, dass für den unbedarften Ausstehenden überwiegend nicht zu erkennen ist, dass hier in Wirklichkeit ein Soldat auf dem Siegertreppchen steht. Das Eiserne Kreuz mit der Aufschrift Bundeswehr in Nahaufnahme bei der Siegerehrung, womöglich noch laut die Nationalhymne mitsingend?? Der Aufschrei der üblichen Verdächtigen wird tosend sein!

    „Denn damit erreicht man durchaus den Nachwuchs den wir für die Streitkräfte gewinnen möchten.“
    Ist das anhand einer Studie irgendwann mal bewiesen worden? Da würde mich mal die Prozentzahl derer interessieren, die sagen: Boah voll geil, die Kati Wilhelm. Wo geht’s zum nächsten Gebirgsjägerbataillon?

  • NMWC   |   14. Dezember 2010 - 13:20

    @mietsch
    Einspruch zur Kenntnis genommen….
    Ich dachte mir bereits, dass lediglich der zweite Teil meines Kommentares einen solchen „Aufschrei“ provozieren wird. Das immer wieder gern angeführte „Leitmotiv“ wird mir, ehrlich gesagt mittlerweile viel zu sehr als eine Art von „Totschlagargument“ gegen alles verwendet.
    Anmerkung am Rande: Ich sehe dieses Motiv vor allem in der Ausbilung und Einsatzvorbereitung beheimatet. Das dazu auch andere Aspekte des Dienstes gehören bleibt davon unbenommen.
    Ich habe nicht gesagt, dass die Sportfördergruppen unabdingbar sind und deshalb nicht in der Diskussion von Sparmaßnahmen stehen dürfen.
    Es war mir wichtig zu erwähnen, dass sich hinter Sportförderung des Bundes mehr als nur „Hallenhalma“ versteckt. Aber das wir hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommen werden ist sicherlich klar. Dazu liegen die Meinungen zu weit auseinander.

    Den Hinweis auf die Studie nehme ich ebenfalls zu Kenntnis und frage nach der gesamten Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr. Und damit auch die Frage nach der Wirksamtkeit der Nachwuchsgewinnung?
    Haben Sie Studienergebnisse über darüber warum jemand den Beruf Soldat wählt? Warum jemand sagt „Boah geil, wo kann ich Gebirgsjäger werden…“?
    Die Wehrpflicht wird ausgesetzt. Das ist Fakt. Wo kommt der Teil des Nachwuchs her, der sich bisher aus diesem Umfeld generieren liess? Was macht die BW im Umgang mit Ihren Soldaten besser als BPol, Pol, Zoll um jetzt nur die direkten Konkurrenten der Länder des Bundes zu nennen. Mir fällt dazu nicht viel positives ein.

    Ist meine Aussage empirisch belegt? Nein.
    Sie ist lediglich geprägt von subjektiven Wahrnehmungen die ich während meiner 12Jahre Dienstzeit gemacht habe.
    Welche empirisch belegbaren Aussagen können Sie beitragen?
    Provokant ausgedrückt: Nur weil ich den Nutzen nicht mit Zahlen belegen kann, heißt es nicht dass es keinen Nutzen gibt…aber ich sehe schon..machen wir halt das mit den Fähnchen…;-)

    Um auf das eigentliche Thema Haushalt nochmal zurück zu kommen:
    Wenn es um die Betrachtung des Hauhaltes geht, müssen die Positionen des Einzelplan 14 auf den Prüfstand. Dazu gehören auch die Sportfördergruppen. M.E. ist aber das größte Einsparpotential eher in den Bereichen Beschaffung und Materialerhaltung zu finden. Und da kann ich auch das beliebte Leitmotiv anwenden. Wobei ich in der Analyse immer noch die vorhergehende Strategie aus den Reihen der deutschen Politik einfordere. Denn weiterhin unterliegt die Bundeswehr dem Primat der Politk.
    Aber diese Ersparnisse werden sich, wie bereits in meinem obigen Kommentar ausgesagt, nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre darstellen. Auch wenn es manch gewiefter Wahlstratege gerne so hätte.
    By the Way: Selbst einer der größten republikanischen Hardliner innerhalb der US-Senates hat erkannt, dass das Pentagon sich im Rahmen der Defizitbekämpfung des US-Haushaltes auf Einschnitte einstellen sollte:
    „Taking defense spending off the table is indefensible. We need to protect our nation, not the Pentagons sacred cows“ Tom Coburn, Oklahoma Senator (Zitat aus Time Magazin, December 13, 2010, S. 34)

  • Klausmüller   |   14. Dezember 2010 - 16:55

    Mensch hat wurden ja welche richtig gegrillt.
    super Beitrag Herr Wiegold

    Klaus Müller aus der Provinz

  • huey   |   14. Dezember 2010 - 17:50

    Ich habe mich immer aufgeregt über diejenigen, die die Wehrpflicht über die Nachwuchsgewinnung begründen wollten.

    Ich habe daher in einem Zeitraum von etwas mehr als 2 Jahren alle SaZ befragt, die ich getroffen habe-was sie getan hätten, wenn es keine Wehrpflicht gegeben hätte (sprich: ob sie sich dann auch verpflichtet hätten).
    Mehr als 85% sagten, das sie ohnehin zur Bundeswehr gegangen wären-mit oder ohne Wehrpflicht….

    Jetzt ist diese Zahl nichts, was aussagekräftig wäre…..dennoch finde ich den „Aufschrei“, das es ohne Wehrpflicht zu Nachwuchsproblemen kommen werde, an den Haaren herbeigezogen-auch, weil dabei immer wieder andere Nationen und deren Probleme mit der Nachwuchsgewinnung aufgeführt werden, die man aber nicht direkt vergleichen kann…(Ich kann z.B. die USA nicht mit Deutschland vergleichen-weil sich hinter unterschiedlichen Sozialsystemen auch unterschiedliche Aufgaben und Einsatzgebiete für das Militär verbergen…).

    Ich denke, das die Bundeswehr in Zukunft den Dienst DEFINITIV attraktiver gestalten muss-auch, um die Soldaten zu halten, die bereits da sind (und die alles andere als „begeistert“ sind, zum 7. Mal in 15 Jahren „reformiert“ zu werden).

    Das bedeutet mMn aber NICHT, das man diesen Soldaten mehr Geld bezahlen muss.
    Bürokratieabbau, Wahlmöglichkeiten zwischen Trennungsgeld und Umzugskostenvergütung, geeignete (günstige) Pendlerwohnungen, Kindergartenplätze in Kasernennähe (von Kindergärten IN Kasernen halte ich persönlich nichts)…

    Das alles KOSTET natürlich Geld-aber mMn muss dafür nicht unbedingt „neues“ Geld eingesetzt werden, da sich vieles auch durch Umverteilung auffangen lässt….

    Zu den hier angegebenen Beträgen für die SpoFöGrp muss man sagen, das diese Zahlen „schöngerechnet“ sind…
    Infrastrukturkosten, Ausbilder-Unterstützung etc. sind darin nicht enthalten-und diese machen noch einmal einen sehr großen Teil aus (zudem werden ja auch Mittel der Bundeswehr genutzt, z.B. für die SpoFöGrp Fallschirmsprung auch Sprünge aus milLfz-und nicht „nur“ aus den angemieteten Zivilflugzeugen).

    Rein rechnerisch kommt man auf über 100 Millionen Euro/Jahr für ALLE Sportfördergruppen zusammen..

  • mietsch   |   14. Dezember 2010 - 19:58

    @NMWC

    „Den Hinweis auf die Studie nehme ich ebenfalls zu Kenntnis und frage nach der gesamten Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr. Und damit auch die Frage nach der Wirksamtkeit der Nachwuchsgewinnung?“
    Diese Frage dürfen Sie zu Recht stellen und hat primär ja nichts mit irgendwelchen Sportfördergruppen zu tun. Die Frage ist, wieviel Werbung für den Soldatenberuf verträgt eine pazifierte Öffentlichkeit, bevor die Keule mit der Militarisierung des Öffentlichen Lebens geschwungen wird (siehe Diskussion zum Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen) und reicht das aus, um den benötigten qualitativ ausreichenden Nachwuchs zu gewinnen?

    „Sie ist lediglich geprägt von subjektiven Wahrnehmungen die ich während meiner 12Jahre Dienstzeit gemacht habe.“
    Welche empirisch belegbaren Aussagen können Sie beitragen?“

    Aus dem Stehgreif keine. In der Zeitschrift für Innere Führung sind z.B. ab und zu mal Aufsätze zu Studien zu dem großen Komplex Ansehen der Bundeswehr (hat irgendwo mit Nachwuchswerbung zu tun) gewesen. Müsste mal ein bisschen kramen. Ansonsten müsste ich lange überlegen, wann ich das erste Mal in meiner Dienstzeit bewusst was von Sportfördergruppen gehört habe. Bei meiner Berufswahl haben die keine Rolle gespielt (empirisch dünne Begründung, ich weiß ;-) )

    „Provokant ausgedrückt: Nur weil ich den Nutzen nicht mit Zahlen belegen kann, heißt es nicht dass es keinen Nutzen gibt…aber ich sehe schon..machen wir halt das mit den Fähnchen…;-)“
    Ich spreche nicht ab, dass es einen Nutzen gibt, wenn man klar die Zugehörigkeit zur Bundeswehr erkennen kann und das heißt nun mal: Hoheitsabzeichen (Eisernes Kreuz), Aufdruck Bundeswehr oder meinetwegen irgendwas mit German Army etc..
    Aber ob das gewollt ist, siehe Absatz oben…

  • Georg   |   14. Dezember 2010 - 20:11

    Also Sportfördergruppen sind die früher abschätzig genannten Staatsamateure des Ostblocks. Darüber regt sich aber heute keiner mehr auf und alle akzeptieren das System. Nur muss man aufpassen, dass man nicht auf Nebenkriegsschauplätze ausweicht.

    @ NMWC

    Dazu gehören auch die Sportfördergruppen. M.E. ist aber das größte Einsparpotential eher in den Bereichen Beschaffung und Materialerhaltung zu finden.

    Das sehe ich anders. Bei der Materialerhaltung ist man schon auf absolutes Minimum heruntergefahren. Gemäß Bericht FAZ vom 30.06.2010 und WB Königshaus sind die Hubschrauberbetriebsstunden von 10000 ( 2003) auf 2000 ( 2010) reduziert worden.
    Wo will man da noch reduzieren ?

    Die großen Beschaffungsentscheidungen sind vertraglich so gestaltet, dass eine Reduzierung der Bestellmenge oder eine Stornierung des Vertrages fast die gleiche Summe kostet als die Beschaffung durchzuführen. Ergo auch kein Einsparpotential.

    Das Einsparpotential was tendenziell am schnellsten wirkt ist der Personalhaushalt. Deshalb wird auch jedes Jahr die Veranschlagungsstärke neu festgelegt. Allein die knapp 90000 statt der bis Ende 2010 angestrebten 75000 Zivilbeschäftigten der Bw kosten nach einer Schätzung ca 600 Mio Euro mehr pro Jahr als ursprünglich geplant. Die Betriebskosten eines Lw-Geschwaders wurden mal vor längerer Zeit mit 1 Mrd DM, also ca. 500 Mio Euro im Jahr angegegeben. Dies sind die Stellschrauben, wo man eigentlich drehen könnte.
    Also Betriebskosten können nur dann in intensiver Form gespart werden, wenn hochtechnisierte Verbände aufgelöst werden und man sich zügig vom Personal trennt. Dies gilt natürlich gleichermaßen für Soldaten und Zivilbeschäftigte der Bw. Beides kostet aber dauerhaft Geld, nachdem die Pensionen seit ca. 5 Jahren auch aus dem EP 14 bezahlt werden und die Altersteilzeitprogramme nach dem TVUmBw ebenfalls vom Verteidigungshaushalt bezahlt werden.

    Also wenn jetzt jemand fordert, das Geld muss „kreativ“ im Verteidigungshaushalt gewonnen werden, dann ist er noch nicht in der Realität der Bw angekommen. Diese Diskussion hatten wir schon mal unter VM Scharping und seinen SPD-Kollegen. Sie war damals falsch und sie ist heute falsch.

    Nein, was jetzt abläuft ist Realitätsverweigerung und die widerstrebt in besonderer Weise der Mentalität von Soldaten, die in jedem Laufbahnlehrgang beigebracht bekommen, dass die Lagefeststellung vor der Lagebeurteilung kommen muss und wer bereits bei der Lagefeststellung systematische Fehler macht, ist hoffnungslos im Führungsprozess verloren.

  • NMWC   |   14. Dezember 2010 - 20:48

    @huey
    Ich stimme Ihnen zu, Wehrpflicht über Nachwuchswerbung zu begründen ist Quatsch.
    Die „Feldstudie“ ist sicherlich vielfach zutreffend. Ich würde die 85% aus meiner Sicht durchaus aber auch bereits bei den Wehrpflichtigen feststellen. Denn seien wir doch mal ehrlich, wer nicht eingezogen werden möchte kann dies ohne Probleme durchsetzen.
    Trotzdem hat sich immer durchaus ein gewisser Teil von längerdienenden aus der Gruppe der Wehrpflichtigen gewinnen können. Zumindest habe ich dies mit den Wehrpflichtigen an Bord und im Geschwader so erlebt.
    Das man die Personalausgaben nicht grundlegend erhöhen muss, sehe ich ähnlich. Volle Unterstützung für die wesentlich wichtigeren strukturellen Maßnahmen. Wobei davon nicht alle kostenneutral bleiben können.

    @mietsch
    Ein schöner Diskurs. So macht das Spaß!
    Bei meiner Berufswahl haben Sportfördergruppen auch keine Rolle gespielt ;-)
    Ich für meinen Teil möchte das Feld der „Streichung der Sportfördergruppen zur Rettung des Haushaltes“ an dieser Stelle aber verlassen. Es ist sicherlich eine Stellgröße unter vielen. Jedoch nicht die einzige. Es lässt sich anhand der Betrachtung die Frage stellen: Wozu mache ich das eigentlich. Und dann wird hoffentlich so herrlich diskutiert wie wir beide es getan haben!
    Die anderen oben dargestellten Aspekte, zum einen die schöne Aufzählung von Marinekenner und auch die Thesen die ich außerhalb der „Sportfördergruppendiskussion“ angeschnitten habe, könnten hier durchaus einer Standprobe unterzogen werden. Kann doch nicht sein, dass diesbezüglich alle der gleichen Meinung sind?

    Um eine weitere Provokation in den Raum zu stellen: „Wir müssen sparen? Ja gerne, aber bitte nicht bei mir….“
    Feuererlaubnis…..;-)

  • NMWC   |   14. Dezember 2010 - 21:05

    @Georg
    Ich spezifiziere etwas bezüglich Beschaffung und Materialerhaltung:
    Das sich für bereits laufende Verträge keine Einsparungen ergeben ist richtig. Diese Problematik bleibt unbenommen (Bsp.: Frage: Was kostet es eine F125 weniger zu bestellen? Antwort: Ein Schiff….). Mir ging es um die Priorisierungsliste für Materialerhaltung, um geplante Vorhaben wo es noch keine Vertrtäge gibt sondern nur möglicherweise einen Request for Proposal o.ä.. Hier muss sich die Frage gestellt werden, ob diese Beschaffung Sinn ergibt, oder ob wir diese Fähigkeit langfristig aufrecht erhalten wollen. Das gleiche für Materialerhaltung: Wenn ich dies Ausgaben für Helicopterbetriebsstunden dermassen reduziere muss die Frage nach dem Erhalt der Fähigkeit erlaubt sein. In der Beurteilung über die kurzfristigen Auswirkungen stimmen wir vollkommen überein.
    Mir war wichtig genau dies darzulegen. Einsparungen müssen unter dem Aspekt der zeitlichen Wirkung gesehen werden. Dies ist evtl. nicht klar genug von mir gesagt worden.

    Volle Zustimmung zu Ihren Ausführungen bezüglich der Realitätsverweigerung.ö