G36-Nachfolge: Auch Rheinmetall/Steyr-Mannlicher steigt aus

Nato Uebung Noble Jump 2015

Im Wettbewerb für eine neue Standardwaffe für die Bundeswehr als Nachfolger des Sturmgewehrs G36 verzichtet ein weiteres Unternehmen auf die Beteiligung. Nach Informationen von Augen geradeaus! reichte der Zusammenschluss des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall mit dem österreichischen Gewehrhersteller Steyr-Mannlicher bis zum Angebotsschluss am (gestrigen) Donnerstag kein Angebot für eine neue Waffe ein. Zuvor hatte bereits das Unternehmen SigSauer sein Angebot für das neue Sturmgewehr-System zurückgezogen.

Die überraschende Absage von Rheinmetall und Steyr-Mannlicher, die mit dem Sturmgewehr RS556 hatten antreten wollen, wurde zunächst offiziell weder bestätigt noch dementiert. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) erklärte auf Nachfrage, zu Details eines laufenden Vergabeverfahrens würden keine Einzelheiten mitgeteilt. Ein Rheinmetall-Sprecher sagte lediglich: Rheinmetall wird das nicht kommentieren.

Bislang ist unklar, ob nach dem Rückzug der beiden anderen deutschen Unternehmen die Firma Heckler&Koch der einzige Bieter für das neue System Sturmgewehr ist. Die Firma aus dem Schwarzwald dürfte mit einem neu entwickelten Produkt, der Gewehrfamilie HK433, zu der Ausschreibung antreten.

Möglicherweise beteiligen sich auch weitere Unternehmen aus dem Ausland an dem Wettbewerb, dazu wollte das BAAINBw ebenfalls nichts sagen. Allerdings wurden von vornherein den drei deutschen Firmen die größten Chancen eingeräumt. Wenn davon nur Heckler&Koch als Anbieter übrig bleibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Hersteller des bisherigen Standardgewehrs G36 auch der Lieferant der neuen Waffe sein wird.

Die Bundeswehr hatte im April vergangenen Jahres die Rahmenvereinbarung für die Lieferung neuer Sturmgewehre europaweit ausgeschrieben. Insgesamt sollen rund 120.000 Waffen als Ersatz für das G36 beschafft werden, das nach Trefferproblemen aufgrund von hoher Schussbelastung und/oder Hitzeeinwirkung als nicht mehr präzise genug angesehen wurde. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte deshalb die Suche nach einem Ersatz angeordnet – die allerdings angesichts der Mitte der 1990-er Jahre begonnen Nutzung des G36 ohnehin angestanden hätte.

Anfang September 2017 hatte das BAAINBw so genannte geeignete Unternehmen zur einem Angebot für ein neues Gewehr aufgefordert. Mit der Entscheidung über die Wahl der neuen Waffe wird frühestens für Ende dieses Jahres gerechnet.

(Archivbild: G36-Sturmgewehre bei der Übung Noble Jump 2015)

41 Kommentare zu „G36-Nachfolge: Auch Rheinmetall/Steyr-Mannlicher steigt aus“

  • Voodoo   |   09. Februar 2018 - 16:14

    Einerseits erscheint mir das HK 433 eine sehr brauchbare Waffe zu sein, andererseits ist es aber immer schlecht für den Kunden, wenn nur ein Anbieter auf dem Markt verfügbar ist…

    Ich hoffe zudem inständig, dass man diese Ausschreibung nicht versaut, sprich unlautere Absprachen zwischen Bund und H&K aufgedeckt werden. Ich kann mir irgendwie schwerlich vorstellen, dass sich die anderen Anbieter ohne handfesten Grund und somit leichtfertig aus dem Wettstreit zurückziehen, bevor dieser überhaupt begonnen hat. Und so chancenlos sah ich die anderen Waffen nun auch nicht unbedingt.

  • Pio-Fritz   |   09. Februar 2018 - 16:44

    @Voodoo

    Frei nach dem Motto „Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis“ erstmal Gerüchte streuen. Was soll das? Muss da unbedingt ein Haar in der Suppe sein?

    Solche wilden Spekulationen nerven.

  • closius   |   09. Februar 2018 - 17:31

    @TW: Und Steyer-Mannlicher in Österreich gibt auch keinen Kommentar ab?

    Rheinmetall kann die BW, falls es was zu kritisieren gäbe, nicht kritisieren, weil es zuviele Geschäfte mit der BW macht und sicher auch in Zukunft machen will.

    Jedenfalls finde ich die Nichtabgabe eines Angebots verwunderlich, weil ich mir – nach dem G36 Streit – schon hätte vorstellen können, daß die BW lieber einen anderen Sturmgewehrlieferanten haben will.

  • Kay   |   09. Februar 2018 - 17:49

    +1 für Voodoo

    Mir erscheint es als eine Wiedergutmachung zu sein. H&K wurde einfach geschasst mit dem G36. Man hätte es deutlich eleganter lösen können.
    Das BMVg hat sich zu sehr dem medialem Druck hingegeben, welcher sich nun als kontraproduktiv erweist. Das G36 stand eh an ersetzt zu werden. Es ist sowas von unnötig gewesen.

    H&K selber hat enorme Kompetenz und ist nun wirklich kein schlechter Hersteller. Dieser wird nur durch eine Schutzkampagne etwas Geld benötigen…

  • Giordano Bruno   |   09. Februar 2018 - 18:04

    @Pio-Fritz

    Ich kann mich an beschwerden über auf HK zugeschnittene Auschreibungen (insbesondere durch nachträgliche Änderungen) und zu geringe Munitionskontingente (außer für HK) erinnern.
    TW kann da bestimmt aufklären, aber ich meine es sogar hier auf AG gelesen zu haben.

  • Voodoo   |   09. Februar 2018 - 18:19

    @ Pio-Fritz

    Frage: Wenn es Sie nervt, warum kommentieren Sie dann?

    Meiner Meinung nach läuft die geplante Beschaffung zu glatt für H&K, weswegen dieser Vorgang – gerade nach dem Shitstorm der jüngsten Vergangenheit – für mich „Geschmäckle“ hat. Wenn Sie anderer Ansicht sind – gut, Gegenargumente bitte. Falls Sie bei Rüstungsgütern aber tatsächlich an freien Wettbewerb und „der Bessere gewinnt“ glauben, wünsche ich weiterhin sanfte Träume. Übrigens schrieb ich mit Blick auf mögliche Probleme bei der Ausschreibung hier nur nieder, was ich so auch aus der Truppe, besonders dem Bereich der Infanterie, gehört habe; dort fürchtet man eine geplatzte Beschaffung (wenn ich auch nicht ganz verstanden habe warum).

  • Wa-Ge   |   09. Februar 2018 - 19:52

    Vielleicht sollte man sich vorher informieren bevor man irgendwelche haltlosen Behauptungen in die Welt setzt.

    1. Deutschland hat vier HaWa Hersteller
    2. Man hört nicht dass Haenel nicht abgegeben hat, von daher können wir davon ausgehen, dass es zwei Angebote gibt
    3. wer alleine schon die frei zugänglichen Unterlagen (Aufruf zur Teilnahme am Wettbewerb) mit den technischen Daten des RS556 gegenüberstellt, wird ganz schnell feststellen, dass da ordentlich Gewicht gelassen werden musste bevor man überhaupt etwas abgeben hätte können.
    4. pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass die BW ein paar technische Forderungen in die Ausschreibung geschrieben hat, die keines der Waffen vorher erfüllt hätte. Diese müssen erst nachentwickelt werden. Ich kann mir daher gut vorstellen das Rheinmetall es zeitlich nicht geschafft hat gleichzeitig Gewicht zu sparen und neue Features in die Waffe zu entwickeln.
    5. die Angabefrist wurde ja schon nach hinten geschoben auf Anfrage eines Anbieters (Rheinmetall vielleicht?)
    6. es ist ja mittlerweile fast schon ein offenes Geheimnis in der Szene auf welchem Platz das RS556 bei der KSK Ausschreibung (Tests in Meppen) angeschnitten hat.

    Von daher kann man bei dieser Entscheidung Rheinmetall zu der Entscheidung nur beglückwünschen, dir können zig Sachen besser als HaWa.

    Und an die Vertreter die der Meinung sind, das Rheinmetall nicht klagen würde, die sollten sich vielleicht mal mit dem BAAINBW unterhalten, Rheinmetall kennt den Weg zur Rüge/ zum Gericht und nutzt diesen auch.

  • Pio-Fritz   |   09. Februar 2018 - 22:57

    @ Voodoo

    Worüber soll ich mit Ihnen argumentieren?
    Sie schreiben doch selber, das Sie das wiedergeben, was Sie in der Truppe aufgeschnappt haben. Dabei geben Sie zu, das Sie es z.T. nicht verstanden haben.

    Und das sind dann gesicherte Erkenntnisse? Forget it.
    Wenn Sie da keine Belege für Ihre Behauptungen haben ist das wohl eher was für den Friseur….

  • UmPp   |   10. Februar 2018 - 0:06

    @Pio-Fritz
    Bei aller Liebe und Respekt: Ich arbeite bei einer Rüstungsfirma. Wer glaubt, hier geht es um eine faire Wettbewerbsausschreibung, der möge weiterhin mit Einhörnern schlafen;)
    Jetzt für Erwachsene: Es sind glasklare politisch/wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Unsere Lobbyisten im Bundestag sorgen schon dafür;)

  • Voodoo   |   10. Februar 2018 - 10:37

    @ Pio-Fritz

    Leseverstehen ist jetzt nicht so Ihre Stärke oder?

    In meinem Eingangsstatement habe ich eine Befürchtung geäußert – und zwar eine, die hier angesichts der Äußerungen von Geschäftsführer Franz von Stauffenberg zum Rückzieher von SigSauer bereits von anderen Kommentatoren geäußert wurde: Das BAAINBw hat mit der ITAR-Forderung einen schlagkräftigen Bieter sofort vom Tablett geschubst, während H&K überraschend eine völlig neue Waffe im Prototypenstatus aus dem Schrank zauberte. Das jetzt auch noch das nächste Dickschiff abspringt… tja, honi qui mal y pense. Ggf. lesen Sie sich die Beiträge von November 2017 nochmal durch (z.B. von @FlaOffz | 27. November 2017 – 14:23).

    In meinem zweiten Post bezog ich mich zum Ende hin auf die Tatsache, dass ich nicht verstehe, warum die Kameraden der Infanterie Probleme bei der Ausschreibung zum G36-Nachfolger fürchten; schließlich ist das G36, allen Unkenrufen zum Trotz, eben kein Vollversager. Damit belasse ich es als direkte Replik – muss noch zum Friseur.

    @Wa-Ge

    Haenel hat sich mit dem G29 in einer „Nische“ durchgesetzt und liefert 115 Präzisionsgewehre. Ich weiß nicht, ob der Betrieb auch die geforderten (bis zu) 120.000 Waffen in der festgelegten Zeit fertigstellen kann. @T.W. schrieb dazu im September:

    Als wahrscheinliche Kandidaten für eine Nachfolge des G36 gelten, das ist kein Geheimnis, eine Waffe des Schwarzwälder Herstellers Heckler und Koch; der österreichischen Firma Steyr Mannlicher in Kooperation mit Rheinmetall und der deutschen Firma SigSauer. Weitere Angebote aus dem europäischen Ausland sind nicht ausgeschlossen.

    Zwei der drei sind jetzt bereits raus und zwar vor den eigentlichen Tests.

    Ich habe weiß Gott nichts gegen H&K, im Gegenteil: Ich mag das Konzept des 433 und hatte – ähnlich wie Sie – in meiner bisherigen Dienstzeit keine Probleme mit Waffen aus diesem Haus; ein paar Einzeldetails haben mich genervt (Sicherungseinrichtung an der MP7 beispielsweise), aber funktioniert haben sie immer.

    Trotzdem stört es mich, wie sich diese Ausschreibung bisher entwickelt, denn noch vor den eigentlichen Vergleichen hat man die dicksten Brocken kontra HK433 aus dem Weg geräumt. Und ich wage zu bezweifeln, dass ein ausländischer Anbieter auch nur den Hauch einer Chance hat – Stichwort: Arbeitsplatzerhalt in DEU etc. pp. Damit kann H&K (als Quasi-Monopolist) der Bundeswehr vieles ins Heft diktieren und ordenlich am Preis drehen, denn eines ist klar: Es ist politischer Wille, das G36 zu ersetzen – also wird diese Ausschreibung mit Sicherheit nicht seitens des BAINBw scheitern.

  • T.Wiegold   |   10. Februar 2018 - 10:55

    Hm, am Umgangston könnte hier noch gearbeitet werden.

  • Voodoo   |   10. Februar 2018 - 11:18

    ´Tschuldigung – ebenso für die zahlreichen Rechtschreibfehler. Kaffee schlägt heute nicht an, zu grau hier in Westfalen… :-(

  • Koffer   |   10. Februar 2018 - 11:36

    @Voodoo | 10. Februar 2018 – 10:37
    „Das BAAINBw hat mit der ITAR-Forderung einen schlagkräftigen Bieter sofort vom Tablett geschubst“

    Meines Erachtens nach mit Recht!

    Die USA nutzen, so hört man zumindest aus Fachkreisen, in den letzten Jahren die „Manipulation“ der ITAR-Listen verstärkt zur Wirtschaftsförderung ihrer Rüstungsindustrie.

    Von daher sollten wir uns als DEU mEn daher bei unseren Produkten von ITAR relevanten Produkten (wo immer möglich!) distanzieren.

  • m777057   |   10. Februar 2018 - 14:29

    Zunächst Mal meinen Glückwunsch an Herrn Wiegold für die journalistische Arbeit, die FAZ hat die Meldung schon aufgegriffen.

    Zum Sachverhalt:
    Wie schon beim SIG Sauer Ausstieg (hier gab es ja eine offizielle Stellungnahme) wäre der angebliche Ausstieg von Rheinmetall nur folgerichtig.
    Die Ausschreibung nahm den Sieger in der Leistungsschreibung bereits vorweg.

  • Pio-Fritz   |   10. Februar 2018 - 15:41

    Ich bin überrascht, mit welcher Häme und wie massiv Anschuldigungen gegen das BAINBw und H&K erhoben werden. Und das anhand, drücken wir das mal kommod aus, Indizien.

    Hier Lobbyarbeit vorzuwerfen ist schon infam, ich bin der Überzeugung, da ist keiner der Anbieter von ausgenommen. Das Rüstungsprojekte als wirtschaftspolitische Maßnahmen gesehen werden ist nun wahrlich nichts Neues.

    Anscheinend gab es genug technische Gründe, kein Angebot abzugeben, das ist dann zu akzeptieren.

  • m777057   |   10. Februar 2018 - 17:10

    @Pio-Fritz:
    Die Überraschung wäre ihrerseits sicherlich etwas geringer, wenn Sie wüssten, wie die Bundeswehr zur HK MP7 und dem HK MG4 gekommen ist.
    Wenn Sie jetzt auch nur im Ansatz wüssten, was zwischen 2010 und 2014 im Zuge der G36-Affäre im Bereich des BMVg so alles vorgefallen ist, bevor Sts Selhausen und Teile von AIN V in den BwFuhrparkservice versetzt / pensioniert wurden, wäre Ihre Überraschung sicher gänzlich weg.
    Vielen Foristen sind die Sachverhalte offenbar zumindest teilweise bekannt, deshalb scheinbar die Kritik.

    Ich kann die Damen und Herren vom BAAINBw (und anderen Beteiligten auf Amts-, Kdo- und ministerieller Ebene) verstehen und würde nicht behaupten wollen, dass ich es besser gemacht hätte.
    Das EU Vergaberecht, in Verbindung mit unrealistischen Zeitlinien und chronischem Personalmangel beim BAAINBw lassen eben das ein oder andere Verfahren gegen die Wand fahren.

    Ich konstatiere nur, dass das aus meiner Sicht hier relativ früh offensichtlich zu werden scheint. (Die beteiligten Firmen haben offensichtlich schon jetzt keine Lust verspürt, jeweils mehrere Millionen Euro Angebotskosten hinzunehmen bei der Sachlage)

    Das Projekt so früh gegen die Wand zu fahren kann in Rüstungsprojekten recht mühsam sein, da die handelnden Personen ja noch mindestens 5 Jahre ihres Lebens damit verbringen müssen, den Karren im Dreck so gut es geht voran zu bringen, während die Öffentlichkeit schon fassungslos daneben steht.
    Aufgrund der abhängigen Projekte kann man oftmals aber nicht mehr so ohne Weiteres neu starten.

    Kann frustrierend sein. Erklärt vielleicht die Häme.

  • Voodoo   |   10. Februar 2018 - 17:21

    @ Koffer

    Ich teile Ihre Einschätzung, zumal mit der Ausschreibung für die Optiken der neuen Gewehre (folgerichtig) die gleiche Linie gefahren wird – was im Zuge der ersten Debatte im November noch nicht absehbar war, insofern keinen Vorwurf nach Koblenz.

    Trotzdem werden einige Kritiker jetzt wieder auf das Narrativ des „Haus- & Hoflieferanten“ zurückgreifen und nach dem Verlauf dieser Ausschreibung kann man es ihnen nicht verdenken.

    @ Pio-Fritz

    Sicherlich schlafen die Lobbyisten in keiner (Rüstungs-)Firma; hier liegt der Fall jedoch etwas anders: Beide Seiten haben im Streit um das G36 medienwirksam sehr viel Porzellan zerschlagen, obwohl dies gerade vonseiten der Firma eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Deswegen verwundert es schon, wenn jetzt plötzlich alles wieder nach Liebesheirat ausschaut. Kurzum:

    Wenn am Ende eines Wettbewerbs die Firma H&K als Sieger hervorginge, wäre es sicher glücklicher – sonst bleibt, wie bereits geschrieben, halt „Geschmäckle“, da es erst gar nicht soweit kommt.

  • Koffer   |   10. Februar 2018 - 18:22

    @m777057 | 10. Februar 2018 – 17:10
    „Die Überraschung wäre ihrerseits sicherlich etwas geringer, wenn Sie wüssten, wie die Bundeswehr zur HK MP7 und dem HK MG4 gekommen ist.“

    Wieso? MP7 und MG4 sind doch gute Produkte. Damit kann der Nutzer zufrieden sein (und ist es nach meiner Wahrnehmung auch!).

    „Das Projekt so früh gegen die Wand zu fahren kann“

    Auch hier frage ich „wieso“?

    Wenn wir ein HK Produkt aus der fraglichen Linie bekommen, können wir doch alle zufrieden sein!

    „Trotzdem werden einige Kritiker jetzt wieder auf das Narrativ des „Haus- & Hoflieferanten“ zurückgreifen und nach dem Verlauf dieser Ausschreibung kann man es ihnen nicht verdenken.“

    Sehe das Problem nicht! Ist ja nicht wie beim H&H-Lieferanten von Lfz, mit dessen Produkten man nur teilweise (oder gar nicht) zufrieden ist, so sind die Produkte des H&H-Lieferante bei HaWa doch überwiegend zufriedenstellen und größtenteils sogar gut bis sehr gut.

  • m777057   |   10. Februar 2018 - 20:17

    @Koffer
    Ich sehe das etwas differenzierter.
    MG4 und MP7 sind wundervolle Produkte, es gab nur nie eine Ausschreibung oder gar taktische Überlegungen dazu als man die Teile eingeführt hat.
    Von Phasendokumenten, einer Einsatzprüfung oder gar einem
    Abschlussbericht zu den Waffen mal ganz zu schweigen.
    Ist ja auch kein Wunder wenn die noch nicht mal vom zuständigen Handwaffenreferat im damaligen BWB beschafft wurden.
    Eine niedrige 3-stellige Anzahl von den Waffen sind einfach so „versehentlich“ beim IdZ BS mitgerüstet worden.

    Dann kam die Finanzkrise und man hat im Fall der MP7 einfach großflächig nachgekauft, alles per Direktbeschaffung Geld spielte ja ohnehin keine Rolle. Lief doch alles unter dem „Konjunkturpaket“.
    Konnte nie jemand erklären warum man jetzt noch eine zusätzliches Kaliber in der Infanteriegruppe gebraucht hat, war einfach zufällig da, stand auch in keiner STAN, warum auch?
    In der alten Welt konnte man ja auch weitgehend ohne Grundlagendokumente rüsten..

    Das MG4 hätte es so fast bis zur koaxial-Bewaffnung für alle Pumas geschafft. Einfach weil es zufällig da war.
    Unglaubliche Vorgänge haben sich da abgespielt.

    So ähnlich läuft es jetzt halt auch beim Gewehr, so nach dem Motto:
    „Also naja wir haben so ganz spezielle Anforderung an die Präzision unter Extrembedingungen mit unserer Munition, die nur für uns hergestellt wird.“
    „Ja aber leider können wir euch die Munition aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht geben“
    „Oh sorry, ja Heckler und Koch hat natürlich massenhaft von der richtigen Munition und ist auch im Zuge der G36-Affäre mit Erkenntnissen versorgt worden, wie man denn jetzt das Präzisionsproblem mit unserer Munition lösen könnte.“
    „Nein, also darin können wir keine Wettbewerbsverzerrung erkennen, ist eben Zufall, dass der Heckler das G36 liefert.“
    „Wisst ihr was? Wir lassen den Heckler Mal ein paar Jahre was entwickeln und um es fair zu machen, geben wir euch 2 Monate vor Abgabe der Musterwaffen zur Vergleichserprobung die Muntion.“
    „Viel Spaß dabei, eure Millionen EUR an Angebotskosten zu versenken, als Statisten in unserem Verfahren, dass es so aussieht als ob es einen Wettbewerb gegeben hat!“

    Also mich wunderte es kein Stück, wenn die Anbieter angefressen wären. SIG schien ja reichlich angefressen zu sein, wenn Rheinmetall jetzt auch aus den gleichen Gründen und entsprechend angefressen nicht abgegeben hätte, wäre das schon ein starkes Stück.
    Aber wäre ja alles Zufall, konnte ja keiner Ahnen, gelle?

    Und dass mir jetzt keiner mit unseren arabischen Freunden von Haenel kommt.. ;-)

  • Koffer   |   10. Februar 2018 - 20:52

    @m777057 | 10. Februar 2018 – 20:17
    „Eine niedrige 3-stellige Anzahl von den Waffen sind einfach so „versehentlich“ beim IdZ BS mitgerüstet worden.“

    Ich verstehe Sie nicht. Wir (die Infanterie) wollten die MP7 haben und haben Sie (in der Tat aus taktischen Gründen) an das System IdZ BS angedockt, genauso übrigens wie andere Teile des IdZ.

    Damit meine ich neben den Waffen des IdZ BS auch vor allem die Optiken.

    Wir waren es einfach leid, dass wir aus Koblenz nicht die Produkte bekamen, die wir brauchten.

    Von daher ist aus Sicht des einzigen der eine Rolle spielen sollte (des Nutzers im Gefecht!) die Wiese grün, wenn es um MP7 und MG4 geht. (in Bezug auf MG4 insofern eingeschränkt, weil wir von Anfang an ein leichtes ZUSÄTZLICHES zum mittelschweren MG gefordert hatten, aber das wird ja jetzt endlich nach jahrelangen Vorstößen mit dem zusätzlichen MG5 gerade gezogen).

    Also: wenn der „Prozess“ nicht sauber eingehalten wurde, dann tut es mir leid, aber wir waren es einfach leid nicht die notwendige Ausrüstung zu bekommen.

    In Bezug auf das MG4 als koaxial-Bewaffnung des Puma, das dürfte kaum vom Nutzer gefordert worden sein (den PzGren) und wir als Infanterie haben daran definitiv auch keine Schuld (weil keinerlei Interesse)…

    Ganz ehrlich: richtiger Prozess und „angefressene“ Anbieter hin oder her, es geht hier um den Nutzer, um Kampfkraft und um Menschenleben, da sollte sich die Anbieter vielleicht einfach weniger um richtige Prozesse und mehr um bessere Produkte bemühen!

  • macintosh   |   11. Februar 2018 - 0:16

    @m777057
    Es gab ja sogar Ende Dezember vorletzten Jahres darüber eine Dokumentation des WDR über einen Prüfer der aus dem Beschaffungsamt gemobbt wurde über Kritik am MG4:
    https://www.youtube.com/watch?v=uvNGjTr_6n0
    http://programm.ard.de/TV/Themenschwerpunkte/Politik/Aktuelle-Reportagen/Startseite/?sendung=2872119392094798

    [Der Fall Jungbluth hatte vor allem mit dem G36 zu tun, ist hier in dem Zusammenhang recht ausführlich debattiert worden – und es ist schon merkwürdig, wie dieser Geschichte jetzt auf das aktuelle Beschaffungsverfahren gedreht werden soll? So nicht, auch bei solchen Versuchen schreite ich sehr energisch ein. T.W.]

  • Pio-Fritz   |   11. Februar 2018 - 10:15

    @m777057 + @Voodoo

    Ich kann nicht beurteilen, wie tief Ihre Einblicke in die Rüstungsbeschaffung der Bw sind, meine beschränken sich auf das, was in der Presse veröffentlicht wird.

    Sie ergehen sich in, mehr oder weniger detaillierten, Andeutungen und Unterstellungen.
    Wenn ich Ihre Äußerungen für mich zusammenfasse, laufen die Ausschreibungen des BAINBw nicht korrekt. Das heißt Verstoß gegen einschlägige Gesetze, Erlasse, Weisungen und Vorschriften, Absprachen mit möglichen Lieferanten, Vorteilnahme im Amt und Bestechung.

    Das wäre ein ganzer Kanon von Straftaten. Wieso ist da noch kein Staatsanwalt drauf gekommen?

  • Wa-Ge   |   11. Februar 2018 - 11:37

    @Pio Fritz

    Nein das sehen sie nicht richtig. Der CPM nov ist einfach nicht geeignet um Fregatten, IT und Unterhosen gleich effizient und effektiv zu beschaffen. Deswegen werden immer wieder Möglichkeiten gesucht diesen zu umgehen.

    Eine Möglichkeit sind eben Programme, wo dann einzelne Produkte über die Hintertür gerüstet werden.

    Eine zweite sind die Rahmenprogramme, wo im Zuge von Folgelosen dann wiederum andere Produkte reinkommen.

    Für die Truppe ist das gut, die kriegt dann schneller tauglicheres Material (siehe neues Funkgerät beim neuen Los IdZ), für die Fachrrferate im BAAINBW ist das natürlich eine Katadtrophe, die müssen da dann ja schließlich zusätzlich arbeiten und können sich dem nicht widersetzen. Aber ganz ehrlich wen interessiert es, die Rüstung in Deutschland wird erst wieder halbwegs effektiv sobald die Rüster erkennen, dass sie einfach nur Erfüllungsgehilfen sind.

    Wenn die Gerüchte stimmen, dann ist dies wohl auch erkannt worden, sonst würde es diese Bestrebungen zu Teilstreitkräftespezifischen Testzentren nicht geben.

  • Voodoo   |   11. Februar 2018 - 12:00

    @ Pio-Fritz

    Im Zuge des sog. „G36-Skandals“ kam es 2013 bereits zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beim BAAINBw; zuuvor bereits direkt bei H&K im Jahre 2011. Das können Sie alles hier im Blog auch nachlesen, wenn Sie rechts in der Rubrik „Im Blick“ den Sammler „G36“ klicken – kleine Warnung: Das kostet viel Zeit. ;-)

  • Koffer   |   11. Februar 2018 - 12:02

    @Wa-Ge | 11. Februar 2018 – 11:37
    „Wenn die Gerüchte stimmen, dann ist dies wohl auch erkannt worden, sonst würde es diese Bestrebungen zu Teilstreitkräftespezifischen Testzentren nicht geben.“

    Haben Sie dazu weitere Informationen?

  • m777057   |   11. Februar 2018 - 12:13

    @Koffer:
    Nun, ich (die Infanterie) sehe das anders, was für eine Bewaffnung die Infanterie benötigt.
    Sich hier in taktischen Überlegungen zu ergehen wird aber wohl kaum zielführend sein.

    Fakt ist, dass wir zum Glück in einem Rechtsstaat leben.
    Daher denke ich, dass die Beteiligten Firmen ein Recht darauf haben, fair behandelt zu werden, wenn eine Lieferleistung benötigt wird. (Auch ohne das ständig einklagen zu müssen)
    Das liegt schon allein darin begründet, dass die Unternehmen und Ihre Mitarbeiter als Steuerzahler am Ende die ganze Sause finanzieren, inkl. aller beteiligten Beamten/Angestellten im ÖD.

    Gleichwohl kann ich natürlich Ihre Frustration über die Prozesse im BWB und heute im BAAINBw verstehen. Aus meiner Sicht rechtfertigt das dieses Handeln jedoch nicht.

    Am Ende führt es nach meiner Erfahrung auch nicht zum Erfolg, so frühzeitig im Verfahren alle Mitbewerber rauszuwerfen. Erfahrungsgemäß schwächt es Ihre Position in der Vertragsverhandlung erheblich. (Hier liegt ein Verhandlungsverfahren vor)
    Jetzt könnten Sie sagen: „mir doch egal ich brauche ja mein Produkt XY, der Preis ist mir einerlei“
    Dazu denke ich erstens, dass die Haushaltsmittel im Einzelplan 14 zunächst begrenzt sind, jeder Euro den Sie verschwenden fehlt Ihnen hinterher für Nachsichtgeräte etc.
    Weiterhin, geht es in diesen Vertragsverhandlungen mit Nichten allein um den Preis. Sondern eigentlich im Wesentlichen um die Lieferleistung selbst. Mit einer derart schwachen Verhandlungsposition werden Sie es also schwer haben, Verbesserungen an, in der Vergleichserprobung erkannten, Schwachstellen des Produktes zu fordern.
    (Sie bekommen ein schlechteres Produkt)
    Gleichzeitig werden Sie Probleme haben, andere Vertragsbestandteile durchzusetzen.
    (Die Verfügbarkeit Ihres Produktes sinkt etwa und Ihre Nutzungskosten steigen)

    Alles in allem sehe ich Ihre Position also kritisch, auch wenn ich Sie nachvollziehen kann, glaube ich nicht, dass Sie damit ihr eigentliches Ziel erreichen.

    @Pio-Fritz:
    Tja, wo kein Kläger da erstmal kein Richter.
    Das Problem am Vergaberecht ist, dass der Auftraggeber am Ende erstens ein Leistungsbestimmungsrecht hat, also kann er erstmal Beschaffen was er möchte egal ob sinnvoll, fair oder was weiß ich. Er muss sich dazu nur an gewisse Ausschreibungsformalien halten. Sonst können Sie als Anbieter formal aufheben lassen von der Vergabekammer oder dem OLG.
    Das kostet Sie natürlich ordentlich, allein die Anwälte von extern, die sie dazu brauchen kosten Sie pro Nase etwa 300 EUR pro Stunde. (sie stellen ja als Firma Produkt XY her, vergaberechtliche Auseinandersetzung ist also nicht ihr Unternehmenszweck).
    Dazu kommen die Gebühren für die Vergabekammer und das OLG, welche sich am Streitwert orientieren.
    Alles in allem haben Sie am Ende in einem Verfahren wie dem Sturmgewehr wieder eine 7-stellige Summe versenkt um dem Auftraggeber sein Verfahren zu zerschießen.
    Zweitens hat der Auftraggeber aber keine Verpflichtung einen Vertrag zu schließen. Sie können das also auch nicht einklagen.
    Am Ende haben Sie lange und teuer prozessiert und dabei viele neue Freunde bei ihrem potentiellen Auftraggeber gefunden.
    Aber dem Auftrag (der das ja alles gegenfinanzieren sollte) sind Sie damit noch nicht näher gekommen.

    Jetzt könnten Sie also zivilrechtlich gegen den Auftraggeber vorgehen. Vielleicht gewinnen Sie sogar, wie Sie das machen wollen ist mir zwar unklar, weil Sie ja keine Beweise haben, die hat ja nur der Auftraggeber.
    Wenn es die Beweise überhaupt gibt, die meisten relevanten Absprachen werden ja mündlich getroffen worden sein.

    Jetzt bleibt Ihnen die Alternative strafrechtlichen gegen einzelne Personen bei Ihrem Auftraggeber vorzugehen. Spätestens jetzt haben Sie Freunde fürs Leben gefunden. Praktischerweise sind Ihre neuen Freunde genau die, die das Leistungsbestimmungsrecht haben.
    Denen müssen Sie jetzt nachweisen, dass sie bestochen worden sind. Andere Straftatbestände sehe ich hier nicht. (Bin aber auch kein Strafrechtler)
    Das Frustrierende ist, dass bis dahin im Verfahren längst der Vertrag geschlossen wurde. Sie haben das Vergabeverfahren also verloren und nichts als Kosten gehabt.
    Gehen wir jetzt davon aus, dass Sie tatsächlich gewonnen haben.

    Der geschlossene Vertrag mit Ihrem Wettbewerber gilt natürlich weiter (pacta sunt servanda) und der Bedarf den Sie decken wollten, der ist damit schon gedeckt.

    Außer Spesen also selbst im besten Fall nichts gewesen.

  • Koffer   |   11. Februar 2018 - 12:48

    @m777057 | 11. Februar 2018 – 12:13
    „Gleichwohl kann ich natürlich Ihre Frustration über die Prozesse im BWB und heute im BAAINBw verstehen. Aus meiner Sicht rechtfertigt das dieses Handeln jedoch nicht.“

    Ich sehe Ihr Problem immer noch nicht…

    Die Infanterie (wir) wollten ein Produkt und zwar eine neue Maschinenpistole und ein leichtes Maschinengewehr.

    Als zumindest (!) hinreichendes Produkt wurden die MP7 und das MG4 identifiziert.

    Wir haben einen legalen Weg gewählt dies zu bekommen..

    Wir haben es und sind zufrieden damit.

    Wo ist das Problem?!

    Und in Bezug auf die Steuerzahlergelder: der Steuerzahler hat ein Recht darauf eine einsatzbereite Bundeswehr zu haben und die MP7 und das MG4 tragen dazu bei. Also ist auch an dieser Front alles i.O.

    Es gibt amS nur ein Problem mit dem Vorgehen. Dadurch, dass MP7 und MG4 an das IdZ angedockt werden mussten um eine zeitnahe Beschaffung zu ermöglichen, konnten die Beschaffungszahlen natürlich nicht in der Höhe angesetzt werde die auch nur annähernd einer Vollausstattung gleich gekommen wären.

    Aber das kann man ja jetzt nach und nach gerade ziehen :)

    Immer daran denken: der Beschaffungsprozess dient der Versorgung der Streitkräfte bei der Erfüllung unseres Verfassungsauftrages. Der Prozess ist also nicht um seiner selbst willen existent, sondern dient lediglich unserem Bedarf!

  • Wa-Ge   |   11. Februar 2018 - 13:16

    @Koffer

    Nur das was letzte Woche von Gen Wolski offiziell bei der DWT Veranstaltung in Bonn gesagt wurde.

  • m777057   |   11. Februar 2018 - 14:11

    @Koffer
    Aus meiner Sicht sind diese Disziplinlosigkeiten mit dem Sie kurzfristig voran kommen gerade das Problem an dem der Einzelplan 14 leidet.
    Kein Wunder, dass Sie niemals richtig ausgestattet werden können, wenn Sie um ein paar Monate zu sparen (und konzentrierte konzeptionelle Arbeit) bereit sind irgendwelche Sachen willenlos in irgendwelche Projekte reinzumauscheln.
    Es führt nämlich dazu, dass Sie den 3-fachen marktueblichen Preis für eine MP bezahlen.
    Und nur um ihre MP zu bekommen auch noch den restlichen unausgegorenen Kram z.B. in Sachen FM von IdZ BS einfach durchwinken. Einfach weil Sie der Meinung sind eine neue Waffe zu benötigen und Ihnen egal ist was es kostet.

    Ich verstehe Ihre Argumentation, weil Sie das Gefühl haben, dass das der einzige Weg ist überhaupt etwas zu bekommen.
    Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich es für falsch halte, dergestalt von rechtsstaatlichen Prinzipien abzuweichen.
    Sie tun eben was Sie für notwendig erachten, auch wenn es nicht rechtens ist.

    Ich möchte jedoch darum werben, dass der Prozess soweit weiterentwickelt wird (weglassen würde da schon viel helfen) und dann auch gelebt wird, um eben beides zu erreichen.
    Nämlich eine faire Vergabepraxis, die faktenbasiert ist und schnell geht.
    Anstatt den Prozess einfach zu umgehen und gefühlt gute Produkte durch die Hintertür zu rüsten (da fährt die Industrie mit Ihnen nämlich Schlitten). Ich glaube die Novellierung des CPM nov. ist dahingehend eine Chance.

    Wir werden es erleben.

    Zum eigentlichen Thema zurück:
    Ich wollte auch weniger in der Vergangenheit rühren, sondern viel mehr aufzeigen, dass es in der Vergangenheit eine Reihe von Projekten gab, die nun mal alles andere als fair verlaufen sind.
    Und es deshalb nicht verwunderlich ist, dass der Bundeswehr die potentiellen Vertragspartner schon vor der Angebotsabgabe weglaufen.
    Und wozu das aus meiner Sicht führt, nämlich schlechteren und teureren Produkten, die später kommen.
    Die Argumentation ist, dass man im Fall Sturmgewehr einfach das Verfahren um 9-12 Monate verlängert hätte, um Ungerechtigkeiten auszugleichen.
    Wollte man aber nicht, das hatte sicherlich viele Gründe, die für sich genommen vielleicht auch alle mehr oder weniger plausibel waren.

  • Koffer   |   11. Februar 2018 - 14:52

    @m777057 | 11. Februar 2018 – 14:11
    „Kein Wunder, dass Sie niemals richtig ausgestattet werden können, wenn Sie um ein paar Monate zu sparen“

    Monate?!?! Es ging um JAHRE und es war nicht absehbar, dass der von Ihnen so gelobte Prozess in absehbarer Zeit überhaupt zu einem Abschluss kommen würde.

    „Es führt nämlich dazu, dass Sie den 3-fachen marktueblichen Preis für eine MP bezahlen.“

    Nette Behauptung. Wo ist Ihr Beleg?

    „Und nur um ihre MP zu bekommen auch noch den restlichen unausgegorenen Kram z.B. in Sachen FM von IdZ BS einfach durchwinken.“

    IdZ BS als ganzes war ein Erfolg (Bekleidung, Waffen, Optiken). Das man den in der Tat vollkommen überflüssigen Fm-„Kram“ dafür mitnehmen musste war nur ein kleiner Preis.

    Manchmal muss man halt für das große Ganze auch etwas hinnehmen, was man nicht notwendigerweise benötigt ;)

    „Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich es für falsch halte, dergestalt von rechtsstaatlichen Prinzipien abzuweichen.“

    MOMENT! Nach meinem Kenntnisstand wurde nirgends auch nur an einer einzigen Stelle bei der Beschaffung von IdZ BS von rechtsstaatlichen Prinzipen abgewichen.

    Wenn Sie etwas anderes behaupten wollen erbitte ich Ihre Beweise und lege Ihnen nahe auch unverzügliche dienstliche Meldungen zu verfassen und strafrechtliche Anzeigen zu erheben.

    Wenn Sie aber keine Beweise haben, bitte ich Sie kameradschafltlich und raten Ihnen persönlich zu mehr Zurückhaltung in Ihren Aussagen

  • Koffer   |   11. Februar 2018 - 14:54

    @Wa-Ge | 11. Februar 2018 – 13:16
    „Nur das was letzte Woche von Gen Wolski offiziell bei der DWT Veranstaltung in Bonn gesagt wurde.“

    Aber ginge das denn nicht gegen den Kernauftrag der WTD und wäre damit ein eklatanter Verstoß gegen den Art 87b?

  • MikeMolto   |   11. Februar 2018 - 15:15

    @ m777057 | 11. Februar 2018 – 14:11
    “ Sie tun eben was Sie für notwendig erachten, auch wenn es nicht rechtens ist.

    Ich möchte jedoch darum werben, dass der Prozess soweit weiterentwickelt wird (weglassen würde da schon viel helfen) und dann auch gelebt wird, um eben beides zu erreichen.“

    Ihre Intention ist ehrenwert. Allerdings muessen Sie dann die Ministerebene und Zwischenvorgesetzte zu einer Toleranz gegenueber ’sorry, der Auftrag kann nicht ausgefuehrt werden mangels….‘ verpflichten.
    Zur Zeit faehrt, jedenfalls die Marine, mit ‚Bindedraht und Kaugummi‘ oder eben garnicht (UBoote) – Die Ursache wird immer auf die Einheit geschoben…

  • SvD   |   11. Februar 2018 - 17:01

    Der beste Prozess nützt auch nichts, wenn es kein Geld gibt.
    Geld wäre für alles im Lande da, die Prioritäten liegen anders.

    –>
    Einschub:
    Die USA werden 1,416 Billionen $ in den nächsten 2 Jahren für Verteidigung ausgeben –
    „The Pentagon will get $94 billion more this budget year than last — a 15.5 percent jump.“
    https://www.defensenews.com/news/pentagon-congress/2018/02/11/a-pentagon-budget-like-none-before-700-billion/

    Ich denke selbst diese Summe wird man verschwenden.
    <–

    Wie man in der Situation ohne Geld am besten arbeitet, ist ein Thema über das man sehr lange streiten kann. Ohne die Politik auf die Zustände aufmerksam zu machen, die Konsequenzen aufzuzeigen und Lösungen einzufordern geht es nicht.

    Wenn nur ein Produkt in Frage kommt, liegt der Preis und die Qualität niedrig.
    Bei einem Sturmgewehr ist der Schaden auch nicht ohne, bei Luftfahrzeugen sind es direkt Milliarden + Bummelei und verfehlte Leistungsziele.
    Selbst bei MOTS zahlt man immer ein paar Prozent mehr.
    Das trifft auch Subkomponenten wie Motoren, Triebwerke und viele viele Kleinteile. Bei staatlichen Rüstungsunternehmen steht auch die Verschwendung im Raum. Wer keine Konkurrenz fürchten muss wird schnell träge.

    m777057 | 11. Februar 2018 – 12:13
    Leonardo fährt genau diese Taktik in den USA, um Airbus den Auftrag für weitere UH-72 Lakota mies zu machen und die Produktion in die Knie zu zwingen.
    Man versucht aber die M-346 Master als T-100 Trainer an die USAF zu verkaufen.
    https://www.defensenews.com/land/2018/01/30/airbus-accuses-leonardo-of-playing-dirty/

  • Wa-Ge   |   11. Februar 2018 - 17:34

    @Koffer

    Nein, so wie ich es verstehe, soll es so eine Art Versuchtbtl geben um gerade die neuen IT basierten Produkte nicht am Bedarf zu planen/beschaffen. Hatten wir ja schonmal LuVKp und GWEs in den Truppengattungen lassen grüßen.

    @m777057
    Der EP14 ist kein Selbstzweck an sich. Die Sowjetunion lässt uns wissen, dass Planwirtschaft nicht funktioniert. Nicht weil die Idee unbrauchbar ist, sondern weil die Komplexität der Realität einfach nicht verwaltbar ist.

    Die gleiche Erkenntnis ereilt gerade die Beschaffung. Die Produkte sind mitlerweile so komplex und die Änderung der Bedarfslage so schnell, dass unsere Prozesse und damit beauftragte Dienststellen einfach nicht hinterherkommen.

    Einzelte Überzeugungstäter versuchen nun für die Sache die einzelnen Prozesse wo immmer möglich zu umgehen, weil die Dienststellen es nicht einsehen wollen, dass die Prozesse heute einfach nicht beherrschbar sind. Man ist immer noch der Meinung, dass wenn man mehr Personal reinwirft, dass dann die ganze Sache wieder besser läuft.

    Nichts ist, das wird nicht klappen. Aus mehreren Gründen:
    1. Es gibt nicht genug geeignetes Personal.
    2. Man ist nicht in der Lage geeignetes Personal zu halten.
    3. Man ist nicht in der Lage Personal zu qualifizieren, weil dafür benötigte Ausbildungsgänge nicht hinterlegt sind.
    4. Die Lage ändert sich schneller als das Personal sich darauf einstellen kann.

    Das soll nicht als Schelte gegen das BAAINBw gesehen werden, die dort beschäftigten sind nur Opfer der ganzen Entwicklung.

    Alle Organisationslehren sind sich einig, Dynamik kann nur mittels Verantwortungsübertragung auf möglichst geringer Ebene begegnet werden. Je mehr Prüfschleifen und Absicherungsmechanismen eingebaut werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Verzögerungen eintreten und Entschlüsse zu spät getroffen werden.

    Es war vielleicht im Sinne der Einsparungen notwendig die Rüstung an einer Stelle zu konzentrieren. Die Folge war, dass man den Blick für den Bedarf verloren hat. Das spürt man nun bitterlich.

  • Ottone   |   11. Februar 2018 - 18:56

    Ich für meinen Teil wüsste ja gerne, mit welchem Hebel DCN und Fincantieri von der europäischen MKS 180 Ausschreibung ferngehalten wurden, obwohl eben abgesehen wurde von der Ausnahmevorschrift des Art. 346 des Vertrages über die Arbeitsweise der EU. Geschah dies über Bauvorschriften, Sicherheitsüberprüfungen und Regeln zur Arbeitssicherheit oder auf anderem Wege wie der Offenlegung von Plänen?

  • Wa-Ge   |   12. Februar 2018 - 9:42

    @ Ottone | 11. Februar 2018 – 18:56

    Ganz einfach, mit der deutschen Sprache.

    Alle Unterlagen müssen in Deutsch eingereicht werden, dies ist sogar schon für ganz einfache Projekte wie Handwaffen und Mörser mit erheblichem Aufwand verbunden. Wenn Sie also diese Projektkosten auf den Entwurfpreis draufschlagen müssen, dann wird das Angebot ganz schnell mal unwirtschaftlich.

    Interesse haben ja beide bekundet gehabt, aber als diese dann erfahren haben was alles gefordert wurde sind sie raus. Nicht unverständlich, denn selbst die Deutschen Anbieter haben da ordentlich zu knabbern.

  • arminius   |   12. Februar 2018 - 15:26

    Es kann auch einen anderen Grund haben:
    Vielleicht haben sie einfach das Lastenheft gesehen und festgestellt, dass es sinnlos ist.

    Rückschauend hat ja beim alten G36 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Politik die Vorgabe gemacht, dass das Gerät „möglichst leicht sein soll“.
    Wie bei anderen Geräten auch. Aber die Konsequenzen zu sehen bzgl. Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität des Metalls sind sie nicht fähig. Obwohl es nur Abiturstoff ist.

    Letztendlich, so ich es sehe, wurde H&K „verprügelt“, da sie die Dinge der Auftraggeber gemäß derer Spezifikation einhielten. Und gleichzeitig hat niemand in die Spezifikationen geschaut – anfangs nicht einmal Gerichte (Kassel war das glaube ich).
    Ein absurder Vorgang, der aber aus der Sicht eines Auftragnehmers als perfide eingestuft werden kann.

    Steyr-Mannlicher ist schließlich eine österrreichische Firma. Auf dem österreichischen Fernsehen laufen Talkrunden, in denen bspw. kompetent und kritisch mit dem EF-Skandal umgegangen wird. (Bei Air Berlin war am nächsten Tag jemand in den Nachrichten, der sagte: „Der Übergangskredit reicht NIEMALS bis Mitte November aus“.) Sie haben einfach einen anderen Informationsstand.
    Vielleicht ist es den Österreichern einfach zu risikoreich, nach Deutschland zu liefern.
    Dadie Österreicher mitbekommen, dass eine Aufarbeitung des EF-Skandals von Deutscher Seite her faktisch nicht erfolgt. Und auch kein Wille dazu vorhanden ist.
    Das Risiko, hiermit eine Firma zu ruinieren, sehe ich als beträchtlich an.

    Weiter: Die meisten österreichischen Ingenieure, die mit alten Strukturen an HTLs usw ausgebildet wurden, sind den Deutschen fachlich weit überlegen. Diese werden sehr sicher von den Entscheidungsträgern in Firmen noch gehört, was in D mittlerweile unüblich ist. Sie werden bei den Anforderungen der dt. Politiker nur „Finger weg“ gesagt haben.

    Viele Grüße

  • Pio-Fritz   |   12. Februar 2018 - 16:41

    @arminius | 12. Februar 2018 – 15:26

    Mit dem Lastenheft und der Reaktion von Steyr-Mannlicher mögen Sie recht haben.
    Aber die Äußerung „Die meisten österreichischen Ingenieure, die mit alten Strukturen an HTLs usw ausgebildet wurden, sind den Deutschen fachlich weit überlegen.“ war doch sicherlich ironisch gemeint, oder?

    Nicht umsonst ist österreichischer Maschinenbau und Elektrotechnik in der Welt berühmt, nicht zu vergessen, exemplarisch die berühmte österreichische Firma Siemens./sarc off
    :-)

  • Koffer   |   12. Februar 2018 - 16:56

    @arminius | 12. Februar 2018 – 15:26
    „Weiter: Die meisten österreichischen Ingenieure, die mit alten Strukturen an HTLs usw ausgebildet wurden, sind den Deutschen fachlich weit überlegen.“

    Steile These. Ich kenne einige DEU Dipl-Ing (FH und univ.) und Dr.-Ing die würden hier vielleicht einige vorsichtige Fragezeichen setzen ;)

    @Pio-Fritz | 12. Februar 2018 – 16:41
    „Nicht umsonst ist österreichischer Maschinenbau und Elektrotechnik in der Welt berühmt, nicht zu vergessen, exemplarisch die berühmte österreichische Firma Siemens./sarc off
    :-)“

    LOL!

  • T.Wiegold   |   12. Februar 2018 - 22:38

    Ich werde jetzt mal sehr deutlich: Einen 7.500 Zeichen langen Text (das sind drei komplette A4-Druckseiten) zum Thema der Ingenieur in Österreich und in Deutschland und überhaupt hier als Kommentar absondern zu wollen, betrachte ich als Missbrauch der Kommentarfunktion. Bei Bedarf werde ich gerne noch deutlicher.

  • Sehenden Auges   |   14. Februar 2018 - 5:09

    Also — mich erinnert diese neuerliche Sturmgewehr-Posse ein wenig an die Geschichte vom Fuchs und den Trauben.

    Wenn ich mal unterstellen würde, dass das BAAINBw nach all den leidvollen Erfahrungen mit der Community der „Handwaffen-Narren“ seine Hausaufgaben gemacht und eine beschussfeste Ausschreibung auf die Beine gestellt hätte…,

    …wenn ich ferner davon ausginge, dass ich über die Stärken und Schwächen meines Produkts und der Produkte meiner Mitbewerber recht gut informiert wäre und…

    …wenn ich mir dann an fünf bis zehn Fingern ausrechnen könnte, dass eine Vergleichserprobung wohl eher zur Offenlegung der Schwächen meines Produkts als zu dessen Auswahl führen würde — was würde ich dann wohl tun?

    Richtig — und dabei am besten noch laut tönen, wie unfair doch dieser Wettbewerb ist!
    Vielleicht hilft mir ja dann sogar noch die Presse, die Politik oder der BRH…

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