Bundeswehr schreibt Auftrag für G36-Nachfolger aus – 120.000 Gewehre geplant

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Die Bundeswehr hat den Auftrag für ein neues Standardgewehr als Nachfolger des G36 von Heckler&Koch europaweit öffentlich ausgeschrieben. Die Ausschreibung wurde am (heutigen) Freitag veröffentlicht, und auf den ersten Blick fallen darin zwei wichtige Informationen auf: Das Kaliber der neuen Waffe ist nicht festgelegt, sowohl 5,56mm als auch 7,62mm werden genannt – und es gibt erstmals eine Gesamtzahl: 120.000 der neuen Sturmgewehre sollen voraussichtlich beschafft werden. Der geschätzte Gesamtwert wird mit 245 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer angegeben, das macht rechnerisch etwas mehr als 2.000 Euro pro Gewehr.

Aus dem Ausschreibungstext:

Herstellung und Lieferung von Sturmgewehren mit Zubehör für die Bundeswehr

II.1.3) Angaben zur Rahmenvereinbarung
Die Bekanntmachung betrifft den Abschluss einer Rahmenvereinbarung
II.1.4) Angaben zur Rahmenvereinbarung
Rahmenvereinbarung mit einem einzigen Wirtschaftsteilnehmer

Laufzeit der Rahmenvereinbarung
Laufzeit in Jahren: 7
Begründung einer Rahmenvereinbarung, deren Laufzeit sieben Jahre übersteigt: Der tatsächliche Abruf der Serienwaffen aus der Rahmenvereinbarung erfolgt voraussichtlich im III. Quartal 2020 nach Abschluss der erfolgreichen Einsatzprüfung.

Geschätzter Gesamtauftragswert über die Gesamtlaufzeit der Rahmenvereinbarung
Geschätzter Wert ohne MwSt: 245 000 000 EUR
II.1.5) Kurze Beschreibung des Auftrags oder Beschaffungsvorhabens:
Herstellung und Lieferung von Sturmgewehren mit Zubehör für die Bundeswehr.
Kurzfassung der Konstruktionsmerkmale:
1. Version Sturmgewehr „Langrohr“ und Sturmgewehr „Kurzrohr“ (Umrüstung muss durch einen Rohrwechsel möglich sein).
2. Länge Sturmgewehr Kurzrohr ohne Signaturdämpfer maximal 900 mm.
3. Länge Sturmgewehr Langrohr ohne Signaturdämpfer maximal 1 000 mm.
4. Kaliber 5,56 x 45 NATO oder 7,62 x 51 NATO.
5. Beidseitige Bedienbarkeit.
6. STANAG 4694 Schienen an Handschutzunterseite und Waffenoberseite.
7. Einsatz in Gebieten mit den Klimakategorien A1-3, B1-3, C0-3 und M1-3 gemäß STANAG 4370 ohne Einschränkung der Funktionalität (ausgenommen elektrische Komponenten).
8. Lebensdauer des Gehäuses mindestens 30.000 Schuss; Lebensdauer des Rohres mindestens 15 000 Schuss (Weichkernmunition bzw. Doppelkern) / 7 500 Schuss (Hartkernmunition).
9. Maximal 3,6 kg Gesamtgewicht ohne Magazin und ohne Optik.
10. Zubehör in unterschiedlichen Mengen: Bajonett mit Scheide und Tragevorrichtung, Signaturdämpfer mit Transporttasche, Manöverpatronengerät, Übungsverschluss, Trommelmagazin, Waffenreinigungsgeräte, Hülsenfangsack, STANAG 4694-Schiene zur seitlichen Montage, Abdeckung für STANAG-Schienen, Mündungskappen, Magazine, Zweibein, Ladehilfe, Trageriemen, Notvisiere, Transporttaschen, Sturmgriff angewinkelt.
11. Ersatzteilerstausstattungspaket.
Zubehör optional: Auswerteeinheit Schusszähler, Magazintaschen für 2 Magazine.

(…)

Gesamtmenge bzw. -umfang:

— 390 EA Sturmgewehre (160 EA Version Langrohr, 230 EA Version Kurzrohr) als Nachweismuster. Die integrierte Nachweisführung besteht aus der Qualifikation und der Einsatzprüfung sowie Realisierung der Systemverträglichkeit Waffe/Optiken.
Erstes Serienlos:
— 13 929 EA Sturmgewehre (Version Langrohr), inkl. Mündungsfeuerdämpfer.
— 3. 104 EA Sturmgewehre (Version Kurzrohr), inkl. Mündungsfeuerdämpfer.
— 1 514 EA Waffen zur Integration in die Ausbildungssimulatoren.
Geplante Gesamtabnahme der Serie: 120 000 EA Sturmgewehre.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte nach bekanntgewordenen Problemen mit dem G36 als bisheriger Standardwaffe erklärt, dieses Gewehr habe in seiner jetzigen Konstruktion keine Zukunft in der Bundeswehr, und den Beschaffungsprozess für ein neues Sturmgewehr angestoßen. Allerdings war das 1995 in die Bundeswehr eingeführte Gewehr ohnehin für eine Nutzungsdauer von 20 Jahren ausgelegt, so dass die Suche nach einem Nachfolger auch ohne die – lange umstrittenen – technischen Probleme hätte begonnen werden müssen.
Als Kandidaten für eine Nachfolge gelten Sturmgewehre wiederum des Schwarzwälder Herstellers Heckler und Koch; der österreichischen Firma Steyr Mannlicher in Kooperation mit Rheinmetall und der deutschen Firma SigSauer. Weitere Angebote aus dem europäischen Ausland sind nicht ausgeschlossen.

Ausrüstung und so · 14:50h ·  

155 Kommentare zu „Bundeswehr schreibt Auftrag für G36-Nachfolger aus – 120.000 Gewehre geplant“

  • Koffer   |   25. April 2017 - 20:41

    @Spike | 25. April 2017 – 20:29
    „Das habe ich so auch nicht geschrieben, nur die Tatsache erwähnt, dass Edeka auch für BG möglich ist. Da sind die Herren vorsichtig.“

    Seufz… und schon wieder die angedeutete Weltenverschwörung…

    Wir sprechen hier von der Beschaffung des G36 Nachfolgers (und OT von der damaligen Beschaffung des G28) in diesem Zusammenhang wurde angedeutet, dass der (übrigens gar nicht für die Beschaffung zuständige GenInf) angeblich wegen Angst um seine Karriere Sachargumente für/gegen bestimmte Produkte unterdrückt, bzw. nicht weiter gegeben hat, bzw. der Unterdrückung der Fachleute seiner Schule tatenlos zugesehen haben soll.

    Ich habe diesen wilden Theorien widersprochen:
    1. Weil die Truppe (und dazu gehört der GenInf) gar nicht für die Beschaffung von Wehrmaterial zuständig ist.
    2. Weil wegen einem so nachrangigen Beschaffungsvorhaben wie einem G28 keine Karriere auf der Ebene B6+ endet.
    3. Weil diese Gerüchte nur vom Hörensagen stammten (aka „Latrinenparole“).

    Sofern Sie allerdings andere Informationen (entweder in Bezug auf den G36 Nachfolger oder in Bezug auf das G28) haben, können Sie uns ja gerne daran Anteil haben lassen…

  • JPeelen   |   26. April 2017 - 21:16

    Wenn mit Einsatzprüfungen an der Infanterieschule befasste Dienstgrade eine Aussage über eine Einsatzprüfung machen, ist das für mich keine Latrinenparole.

    Ich habe auch nichs zur Beschaffung gesagt, sondern zu der mir völlig unverständlichen Reaktion auf die vorweg erklärte Bedeutungslosigkeit der von der Infanterieschule durchzuführenden Einsatzprüfung.

    Ernsthafte Einwände von erfahrenen Fachleuten (hier der Infanterieschule) als „Gerüchte vom Hörensagen“ beiseite zu wischen ist ja gerade ein Kernproblem der Bundeswehr.

  • Koffer   |   26. April 2017 - 21:42

    @JPeelen | 26. April 2017 – 21:16
    „Ernsthafte Einwände von erfahrenen Fachleuten (hier der Infanterieschule) als „Gerüchte vom Hörensagen“ beiseite zu wischen ist ja gerade ein Kernproblem der Bundeswehr.“

    Lassen Sie mich diesen Satz einmal kurz analysieren: Sie (ein anonymer Kommentator) in einem Blog, berichten von etwas, was jemand anderes behauptet, dass angeblich zu ihm gesagt worden sei…

    Ich denke, dass qualifiziert die Bezeichnung „Hörensagen“ ausreichend ;)

  • Hans Schommer   |   26. April 2017 - 23:39

    @ JPeelen | 26. April 2017 – 21:16 und andere:
    Die Beanstandungen am G28 konzentrierten sich am Ende der EP doch nur noch auf das völlig überdimensionierte ZF. An diesem Klotz führte dann aber par ordre du mufti kein Weg mehr vorbei. Und geärgert haben sich die Kameraden der IS dann auch zu Recht darüber, dass man ihnen quasi in ihren Bericht reindiktieren wollte (oder hat – ich hab’s vergessen), dass es mit dem Riesenglas seine Richtigkeit habe.
    Hans Schommer

  • closius   |   27. April 2017 - 20:31

    Das Verteidigungsministerium hat heute den neuen 5. Rüstungsbericht veröffentlicht, worauf ich hinweisen möchte. Ich hoffe der Hinweis ist erlaubt? Das neue Sturmgewehr ist auch in den Rüstungsbericht aufgenommen worden. Danach ist das Projekt neues Sturmgewehr bereits 4 Monate im Verzug

    Ich finde allerdings nicht viel neues in dem Bericht, außer daß dieses Jahr eigentlich noch 10 A 400 M zulaufen sollen oder wir mittlerweile 133 Puma haben. Der Bericht ist als PDF Download vorhanden.

    https://goo.gl/glsWS5