„Operation Silberstreif“: Afghanistan-Einsatz als Videoserie im Web

Es hat eine Weile gedauert – aber nach mehr als zehn Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist die deutsche Mission am Hindukusch nun zunehmend im Fiction-Bereich von Film, Fernsehen und Büchern angekommen. Es gibt eine Graphic Novel über diesen Einsatz, ARD-Filme bis hin zum Tatort, die sich auf die Probleme von Afghanistan-Veteranen konzentrieren, Romane… und nun auch eine von Independent-Producern (darf man noch Filmemacher sagen?) produzierte Web-Video-Serie: Bravo5, mit vergleichsweise bescheidenem Aufwand gedreht, schildert eine – fehlgeschlagene – KSK-Mission am Hindukusch.

Natürlich gibt es viel dichterische Freiheit, und die jeweils nur wenige Minuten langen Episoden der Serie bedienen sich vor allem der Rückblende: Vor einem geheimen Bundestags-Gremium sagen Soldaten zur Operation Silberstreif aus; das Geschehen erschließt sich in Rückblenden der Beteiligten. Mit diesem Kunstgriff wurde die Produktion ein bisschen einfacher: Wir sehen drei Soldaten vor dem Untersuchungsausschuss, sagt Florian Dedio, einer der drei Produzenten der Serie. Alles andere ist die Bebilderung dessen, was sie erzählen. Dass wir nicht die komplette Wahrheit sehen, ist klar.

Angesichts der beschränkten finanziellen Mittel – die Produktion haben Dedio und zwei seiner Kollegen, darunter ein Kanadier, aus eigener Tasche gestemmt – ist auch das Umfeld der Action-Szenen, nun ja, nicht ganz originalgetreu: Die wurden auf einer alten sowjetischen Militärbasis in Mecklenburg-Vorpommern gedreht. Aber, so sagt Dedio, es soll ja um die Geschichte gehen, nicht um das Drumrum. Unterstützung von der Bundeswehr hatten die Produzenten nicht – die hatten sie zwar angefragt, hätten dann aber, so Dedio, ein halbes bis ein Jahr warten müssen, die Story filmisch umzusetzen. Immerhin hätten ein paar ehemalige Soldaten dazu beigetragen, Fehler möglichst zu vermeiden.

Bravo5 soll sich vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda Mundpropaganda verbreiten, und das funktioniert ja auch: Ich wurde auf diese Serie aufmerksam, weil mich gleich zwei Leser darauf hingewiesen haben. Die drei Produzenten hoffen übrigens weniger darauf, die Kosten für die Videos durch Werbung auf Youtube und ähnliches wieder hereinzubekommen: Wenn die Serie für die Beteiligten karrierefördend sei, gibt Dedio offen zu, sei das um so besser. Nach der bereits abgedrehten ersten Staffel hat das Team auch schon das Drehbuch für eine zweite Staffel fertig, die im Antipiraterieeinsatz Atalanta spielen soll. Da hoffen die Produzenten aber darauf, einen finanzkräftigen Interessenten zu finden, der eine Produktion mit mehr Aufwand ermöglicht.

Die ersten sechs Episoden von Bravo5 sind bereits online, weitere (schon fertig produzierte) werden frei geschaltet, so bald auf der Facebook-Seite der Serie genügend Likes zusammengekommen sind… eine Art von Zuschauerabstimmung, die für dieses Thema ein neuer Ansatz ist.

 

29 Kommentare zu „„Operation Silberstreif“: Afghanistan-Einsatz als Videoserie im Web“

  • Schuultz   |   26. Juli 2012 - 12:23

    Nun gut, sie sind kein CorridorDigital oder FreddieW, aber fuer einen ersten oeffentlichen Aufwand doch sehr gut. Die Frage ist nur ob es fuer sie nicht besser gewesen waere, nicht gleich mit so einem Grossprojekt anzufangen.

  • dallisfaction   |   26. Juli 2012 - 12:50

    Wenn die Produzenten Zugang zu den Ausschussprotokollen hatten, dann doch sicher auch Sie und andere Journalisten, Herr Wiegold. Oder habe ich es falsch Verstanden und alles ist Fiktion?

  • T.Wiegold   |   26. Juli 2012 - 12:57

    @dallisfaction

    Das ist in der Tat alles Fiktion – den gezeigten Ausschuss gibt es so nicht (allein schon deswegen, weil in einem echten Ausschuss jede Fraktion berücksichtigt werden müsste), die Operation gibt es so nicht… usw.

    Es ist also KEINE Dokufiction wie die über den Kundus-Luftangriff, sondern echte Fiction.

  • f28   |   26. Juli 2012 - 13:35

    Zitat: „Unterstützung von der Bundeswehr hatten die Produzenten nicht …“
    Was ich mich bei allen diesen Produktionen ja immer frage: woher zum Teufel haben die all das Militär-Gerät, was man dafür braucht?? Unabhängig von der Frage, ob es jetzt genau die richtige G36-Version ist, mit der da herumgefuchtelt wird. Gehen die Produzenten dann zur nächsten Kaserne? Ungefähr so:
    Produzent: „wir drehen ’nen Film über die Bundeswehr, können wir uns mal ein paar Schießgeräte ausleihen?“
    Antwort: „na klar, drüben ist die Waffenkammer, da müßten noch ein paar rumstehen. Wann kriegen wir die denn zurück?“

  • Voodoo   |   26. Juli 2012 - 13:49

    Das Zauberwort heißt z.B. SoftAir-Waffen , auf dem Sektor gibt es nichts, was es nicht gibt (bis hin zum Hülsenauswurf). Dagegen sind wirklichkeitsgetreue Nachbauten für die Filmindustrie fast schon altbacken. Und wenn alle Stricke reissen, dann schnappt man sich eine BlueGun und fängt das Bemalen an ;-)

  • j. hunter   |   26. Juli 2012 - 13:55

    @f28

    Welches Militärgerät ist denn groß zu sehen? Die Handwaffen kann ich mit Softair oder Dekowaffen darstellen. Fahrzeuge hat es in dem Video nicht, ex-Bw-Fahrzeuge wären aber durchaus bei Sammlern zu finden. Die Hubschrauberaufnahmen sind schlicht echt und gut zusammengeschnitten. Die Uniformen gibt es beim Militariashop um die Ecke, teilweise haben Filmausstatter sowas auch.
    Der Knackpunkt ist eher, dafür zu sorgen, dass ein (häufig offensichtlich ungedienter) Schauspieler nicht nur wie ein Soldat aussieht, sondern sich auch wie einer verhält. In diesem Punkt gibt es bei Bravo 5 noch Luft nach oben. An diesem Punkt sind aber auch schon die Versuche der öffentlich-rechtlichen Anstalten gescheitert und das mit einem Budget, das wohl um ein mehrfaches über dem dieser Produktion liegt.
    Von daher finde ich den Ansatz und die Themenwahl für so eine independent-Geschichte mutig und sehr gut. An den Feinheiten kann man (mit hoffentlich größerem Budget) in der zweiten Staffel feilen.

  • JCR   |   26. Juli 2012 - 14:42

    Mir gefällt es alles in allem ganz gut.
    Natürlich sehen die Schauspieler nicht wirklich aus wie Soldaten (die FW gehen noch, aber der Oberst sieht aus wie ein Zuhälter).
    Die Politikerin ist zu jung für den job (in Echt die wäre noch wiss. Mitarbeiterin oder Praktikantin), und ich denke auch büschen zu aggressiv.
    Und im HQ spricht die eine mit irgendeinem sehr starken Akzent, soll aber eine deutsche Soldatin darstellen.
    Der Typ von den Night Stalkers ist cool :)

  • Daniel   |   26. Juli 2012 - 14:48

    @f28
    Es gibt eigentlich für alles und jeden beim Film Ausstatter die sich zum Beispiel auf Polizei/SEK usw. spezialisiert haben. Genauso gibt es auch Dienstleister die die militärische Schiene bedienen. Oft sind diese Ausstatter ehemalige Polizisten oder eben Soldaten. Über diese Ausstatter kommt man in der Regel auch an „echte“ Beamte dran die dann als Komparsen am Set zugegen sind.

    Man kriegt von denen im Prinzip alles was man braucht. Von der Uniform über Gewehre bis hin zum Panzer usw. Wenns um Waffen geht gibt es auch Filmwaffenverleiher.
    Die haben natürlich u.a. einen enormen Fundus an Airsoftwaffen. Diese sind am Set zugelassen ohne das ein Waffenmeister für die Beaufsichtigung zugegen sein muss.

    @j. hunter
    Das Budget der öffentlich-rechtlichen sollte man nicht überschätzen. Da wird gerne an solchen Details gespart. Ein „echter“ Polizist ist in jedem Fall teurer als ein Komparse in Uniform. Man könnte wenn man wollte, aber wie gesagt, die Geschichte mit dem Geld! Fast wie im echten Leben ;)

  • Heiko Kamann   |   26. Juli 2012 - 15:11

    @ JCR | 26. Juli 2012 – 14:42

    „Die Politikerin ist zu jung für den job (in Echt die wäre noch wiss. Mitarbeiterin oder Praktikantin), und ich denke auch büschen zu aggressiv.“

    ???

    aktives/passives Wahlrecht zum Deutschen Bundestag hat man mit 18 Jahren … so what?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Agnieszka_Brugger
    Die Dame war (ist?) u.a. Mitglied im Verteidigungsausschuss

  • Sascha Stoltenow   |   26. Juli 2012 - 16:01

    Zu jung?: http://de.wikipedia.org/wiki/Kristina_Schr%C3%B6der

    Von den zahlreichen Dingen, die inhaltlich nicht ganz korrekt sind, abgesehen, habe ich wirklich Lust, zu erfahren, wie es weitergeht. Cobra 11 ist auch keine Dokumentarfilmreihe, aber unterhaltsam.

    Das, was die Macher von Bravo 5 da auf die Beine gestellt haben, sehe ich als ein erweitertes filmisches Scribble, das die Grundlage bilden kann, um mit mehr Ressourcen einen echten Kracher zu landen, der ein relevantes Publikum erreichen kann – vor allem auch deshalb, weil er das ganze Setting in eine politische Rahmenhandlung einbettet.

    Wenn ich sehe, was bspw. die Macher von Borgen (http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4hrliche_Seilschaften) aus dem Thema Politik machen (von den US-Serien mal ganz zu schweigen), dann wäre das etwas, das ich in Deutschland wirklich gerne sehen würde.

  • Thomsen   |   26. Juli 2012 - 16:23

    … und erinnert mich mit Schaudern an die Diskussion hier über das BW-Werbevideo, welches u.a. von ihr als zu martialisch etc. kritisiert wurde. Das war die Diskussion, in der der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, seinen Auftritt hier im Blog hatte.

  • Bendler-Blog » Blog Archive » Drama, Baby! - Indipendent Video goes Bundeswehr   |   26. Juli 2012 - 16:23

    […] Wiegold hat drüben bei “Augen geradeaus!” schon das meiste gesagt, was es zu sagen gibt und vor allem die Videos der bisher freigeschalteten […]

  • j. hunter   |   26. Juli 2012 - 17:36

    @Daniel

    Das Budget dürfte trotzdem erheblich größer gewesen sein als bei Bravo 5, auch wenn nicht Millionenetats wie in Hollywood zur Verfügung stehen. Was Atmosphäre angeht ist Bravo 5 in meinen Augen ziemlich nahe an dem was ARD und ZDF mit erheblichen größerem Aufwand machen. Das dürfte auch daran liegen, dass hier etwas mehr Herzblut reingeflossen ist.

  • KSK_KZH   |   26. Juli 2012 - 17:40

    Mund-zu-Mund Propaganda gibt es nicht, nur Mund-zu-Ohr

  • T.Wiegold   |   26. Juli 2012 - 17:52

    @KSK_KZH

    Och, selbst Wikipedia kennt das…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Word_of_Mouth

    Sprache muss ja nicht immer korrekt und/oder logisch sein.

  • risikoF   |   26. Juli 2012 - 18:47

    Respekt!
    Für Low-Budget gefaellt mir das Ganze sehr gut. Vor allem viele Details (Höllenwoche, …) sind „liebevoll“ integriert.

    Als ich oben die Aussage: „Aber, so sagt Dedio, es soll ja um die Geschichte gehen, nicht um das Drumrum.“ la,s war ich doch zunächst sehr skeptisch eingestellt. Nach den ersten sechs Episoden stimme ich Dedio’s Aussage jedoch voll zu.

    Wenn ich Facebook-Nutzer wäre, würde ich „liken“.

  • MeineMeinung   |   26. Juli 2012 - 20:18

    Interessanter Ansatz, der leider unter der Aufteilung in Netto-2:30-Häppchen leidet. Ein guter Spannnungsbogen kann so nicht aufgebaut werden. Am besten zusammen schneiden, ‚mal eine Erklärung dafür liefern, warum die „BÜ90/Grüne-MdB Pilgrim“ Ausschußvorsitzende ist und sich ‚mal (wenn schon realitiy-fiction) dazu informieren, wie Rederechte und Redezeiten in einem U-Ausschuß geregelt sind. Das ganze leidet zudem daran, daß zwei Tage nach dem Einsatz schon ein Ausschuss zusammentritt. Für Kenner ein verwegenes Szenario

  • tt.kreischwurst   |   26. Juli 2012 - 20:51

    Sehr erfreulich das sich jemand im low budget Berreich an so eine Materie heranwagt…bzw. das sich überhaupt jemand an diese Materie heranwagt. Ich glaub ebenfalls wie viele meiner Vorredner, dass low budget überhaupt kein Nachteil sein muss. Man kann sehr viel mit guter Regie, Kameraführung, Schnitt und kreativer Requisitennutzung ausgleichen – und das sieht man auch schon.

    Allerdings finde ich dass bei Produktionen, die (leider) nicht die Mittel haben aufwendige Außenaufnahmen mit militärischem Gerät zu machen sollten dann die Storydetails umso besser sitzen. Ich will da nicht pedantisch sein, aber wenn man bei den Einsatzdarstellungen bedingt durch die Mittel nicht zu realistisch sein kann, dann sollten die anderen Storyelemente umso näher an der Realität drann sein. @MeineMeinung gibt da ja schon ein paar Sachen an. Wie sieht eigentlich eine Ausschusssitzung aus. Wer redet wann. Wer ist anwesend. Solche Geschichten müssten dann schon ausgereifter sein. Ich weiß sehr pedantisch, aber mich hat schon sehr gestört, dass da niemand Aktenmaterial hatte. Wenn sie dann sagt „….die mir vorliegenden Informationen“ – naja vor ihr liegt ja nichts.

    Wenn man Details wie diese – die man noch am ehesten mit wenig Mitteln hinbekommt – nachbessert dann hat man da schon was das auch größeren Produktionen in nichts nachstehen muss. Wie gesagt grundsätzlich sehr begeistert und trotz meiner pedantischen Kritik am Kleinklein finde ich das schon sehr gut.

  • Florian Dedio   |   26. Juli 2012 - 21:19

    Guten Abend!

    Ich bin der Regisseur der Serie und möchte mich auch gern einmal zu Wort melden. Zuerst einmal vielen Dank an den Herrn Wiegold für den schönen Artikel, wie auch ausnahmslos an alle Vorredner. Es freut mich sehr, daß die Serie auf Interesse stößt.

    Low-Budget zu sein ist in der Tat gleichzeitig Segen und Bürde, zumal in Deutschland eine „Kultur der Web-Serie“, wenn ich es einmal so nennen darf, (noch?) nicht ausgeprägt ist. FreddieW und CorridorDigital stammen eben aus einer anderen Welt.

    Und es stimmt natürlich, daß wir (die Produzenten, ich spreche nicht von mir im Plural), aufgrund unseres Budgets eine Geschichte und Umsetzung wählen mußten, die irgendwie machbar ist. Daß auch dabei nicht alles klappt – und nicht alles realistisch sein kann – gehört dazu. Ah, und natürlich würde ich mich wahnsinnig freuen, wenn es eine vernünftig finanzierte zweite Staffel geben würde. Dann auch – versprochen – nur noch mit korrekter Ausrüstung und allem, was dazu gehört.

    Eine Kleinigkeit noch dazu gesagt – der Ausschuß, bzw. das Komitee, wie ich es genannt habe, ist rein fiktiv. So einen gibt es im wirklichen Parlament (offiziell?) nicht. Der Gedanke ist, daß jede Fraktion einen Abgeordneten für diesen geheimen Ausschuß stellt. Vorsitzend ist der Herr Hufnagel, die Frau Pilgrim reißt nur einfach den Vorgang an sich (das wird aber auch in künftigen Folgen noch mehr Thema sein).

    Das mit den Akten… hatte ich probiert. Es sah einfach nicht gut aus. Am Ende fand ich „reinen Tisch“ und Abgeordnete, die auf ihr Gedächtnis vertrauen, hier besser.

    Ach ja, und ich möchte bitte nicht als zurück-pingelig erscheinen, ich freue mich sehr über Kommentare und Diskussion.

    In diesem Sinne, noch einmal vielen Dank an alle und ich mach mich an die Tonmischung von Folge 10 ;)

  • Heiko Kamann   |   26. Juli 2012 - 21:43

    Ich finde die Szenen überzeugend … es handelt sich ja nicht um einen Bundestagsausschuss, sondern um eine (fiktive) Untersuchungskommission, die dem Verteidigungsausschuss bericht erstatten soll. Tolle Fragestellungen … Hut ab. Bin gespannt wie es weiter geht …
    Ach so, wer hier (im Blog) auf Bundeswehrdetails achtet, der hat wohl den Sinn dieser Fiktion nicht verstanden.

  • klabautermann   |   26. Juli 2012 - 22:36

    dolle Wurst……..

    Das föderal-parlamentarische Demokratiemodell ist nicht mehr wettbewerbsfähig……Unteroffiziere werden von Parlamentariern zur Sau gemacht für ‚Männer, ich vertraue Euch‘ bullshit. Das ist nicht nur low-budget, sondern einfach nur Mist.

    @T.W. sind Sie auch schon auf BLÖD-Niveau abgesunken ?

  • Orontes   |   26. Juli 2012 - 22:45

    Mit dem Kunduz-Dokudrama war das deutsche Fernsehen ja wenigstens in einem Fall aus dem bis dahin vorherrschenden Schema der PTBS-Schmonzette ausgebrochen. „Bravo 5“ bewegt sich zwar bislang sehr nah am positiven Vorbild, tut dies aber m.E. mit einigen positiven neuen Akzenten, v.a. was die überzeugende Darstellung der arrogant-realitätsfremden grünblusigen Politikerin angeht. Meine Emotionen beim Betrachten dieser „Fiktion“ bewegten sich nahe an denen bei der Konfrontion mit den Originalen (die allerdings nicht in einem Untersuchungssausschuss stattfand). Schön, dass das Spannungsfeld zwischen solchen Politikern und Soldaten mal aus einer alternativen Perspektive glaubwürdig thematisiert wird.

    Und Details wie die getreue Widergabe der in der Bundewehr fast einheitlich praktizierten falschen Aussprache des Ortsnamens Meymaneh zeigen mir, dass die Autoren tatsächlich mit realen Soldaten gesprochen haben müssen und sich nicht nur auf Klischees stützten ;-)

  • JCR   |   26. Juli 2012 - 23:22

    @Orontes
    Dieses Detailwissen grenz schon fast an „Farbe des Bootshauses in Heyford“ ;)

  • Dummvogel   |   27. Juli 2012 - 1:51

    Es gibt Mund-zu-Mund-Beatmung und Mundpropaganda. Aber nicht Mund-zu-Mund-Propaganda. Und Sprache muss nicht logisch sein, dies ist aber schlicht falsch.

    /edit: Ich muss mich korrigieren. Die Idioten haben gewonnen und es ist heutzutage schon nicht mehr direkt als falsch anzusehen. Arme deutsche Sprache.
    http://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/mund-zu-mund-propaganda.shtml

  • meinemeinung   |   27. Juli 2012 - 7:22

    Es geht hier doch gar nicht um Pingeligkeit, sondern darum, wie solch eine low-budget reality fiction – die im übrigen vom Preis-Leistungs-Verhältnis her wirklich sehr gut gemacht ist (chapeau, Herr Dedio!) unter Beachtung von allgemein zugänglichen Informationen zu institutionalisierten Formaten (z.B. Sofortmeldung, Obleute . . .) noch authentischer werden kann. Deshalb bitte meine Wortmeldung nicht als Kritikasterei verstehen, sondern als tätige Ermutigung an das Film-Team, beim nächsten Projekt an der einen oder anderen Stelle weitere Informationen einzuholen.
    Diese Art von Projekten steht und fällt doch in der Wahrnehmung des Betrachters mit den konkreten Bildern, die Soldaten aus AFG oder aus Deutschland im Kopf haben. Wenn die Bilder praktisch deckungsgleich sind, dann war die preproduction-Recherche exzellent.
    @Orontes hat zu diesem Wirkprinzip zwei wertvolle und trotzdem allgemein gehaltene Hinweise gegeben.
    Deshalb, Herr Dedio: Bitte weiter machen. Sie sind schon ziemlich dicht dran.

  • T.Wiegold   |   27. Juli 2012 - 9:20

    @Dummvogel

    Dieser Sprachexkurs wird recht OT, deshalb würde ich das gerne mit dem Eingeständnis abschließen: Die Verwendung ist schon ein bisschen geschludert, und ich verspreche, die Mundpropaganda künftig nicht mehr mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu verwechseln.

  • FNU SNU   |   27. Juli 2012 - 10:10

    Hallo.

    Ich muss sagen, dafür dass das ein low Budget film ist, ist die Qualität der Details durchaus gut. Gerade so kleinigkeiten wie Anzug etc. stimmen schon sehr gut.

    Klar, hätte es auch ein Boberfeldwebel sein können, alleine von der dauer der Ausbildung und die „Befragungssituation“ der Höllenwoche ist, je nachdem wer den lehrgang durchführt, etwas sehr drastisch.
    Aber man sieht deutlich, dass da Experten beraten haben.
    Und nicht wie die öffentlich rechtlichen oder (noch schlimemr die privaten) einfach mal irgendwas gemacht haben, ohne sich zu informieren.
    Deutlich weniger klisches und wenn ich an sowas wie GSG 9 auf Sat 1 (?) denke, dann ist diese Produktion weitaus besser.

    Und auch wenn es manche nicht glauben, so manche Untersuchung gibt es schon, die auch so ähnlich ablaufen. Klar, mehr Papier auf einen Seite und eher seperate Befragungen als Fw- Oberst nebeneinander und vielleicht noch irgndwen vom BMVg dabei aber im großen und ganzen Hut ab für diese Arbeit.

    Und an alle negativen Kritiker: Es ist ein FILM, der explizit eben Fiktion ist.
    Und das ist gut so.

  • Heiko Kamann   |   27. Juli 2012 - 10:25

    @ klabautermann | 26. Juli 2012 – 22:36
    Schauen Sie sich das doch mal an … und urteilen Sie dann

  • Sascha Stoltenow   |   27. Juli 2012 - 10:41

    @klabautermann: Der „Mist“ gibt ziemlich gut das Gefühl wieder, das einige in Bezug auf die für sie mitverantwortlichen Politiker haben. Das ist die Freiheit der Kunst. Die Mona Lisa sah in echt – so es sie denn gab – vermutlich auch anders aus.

    Und mit Blick auf die Demokratie und ihre Institutionen: Wer vor etwa zwei Jahren eine fiktionale Serie über Nazi-Mörder und Verfassungsschutzbeamte, die Akten vernichten gedreht hätte bzw. dafür Filmfördermittel beantragt hätte, wäre vermutlich so laut ausgelacht worden, dass sich die Pinguine an der Südspitze des amerikanischen Kontinents erschreckt hätten.

    Also: Ja, das Szenario ist fiktional, die Stimmung sehr nah am Empfinden derer, die sich für eher abstrakte Einsatzziele in Afghanistan benutzt sehen.

    Abschließend: Ich hatte eine persönliche „Höllenwoche“, die im psychischen Zusammenbruch eines Kameraden endete, und nur deshalb nicht eskalierte, weil ich mit anderen Kameraden verhindert habe, dass eben diesem Kameraden Waffe und Munition ausgehändigt wurden. Das wurde uns zwar als Ungehorsam ausgelegt, wir empfanden es aber als Pflicht. Interessanter Weise teilte der damalige Wehrbeauftragte unsere Einschätzung nicht. Ich hätte große Lust, mit 20 Jahren Abstand die Akten nochmal einzusehen. Auf jeden Fall hat das mein Vertrauen in die Institutionen nicht gestärkt. Die Fiktion von Bravo5 empfinde ich im Vergleich zur Wirklichkeit meines Erlebens daher sehr erträglich.