Der Praktiker: Blogging from the battlefield
Fragen wir doch mal einen Praktiker (und Soldaten), wie man von der Front bloggt. David Bailey (den ich aus seiner Zeit als Chefredakteur des ISAF-Radios in Kabul kenne), hat den Briten Paul Smyth gefragt. Der Major hat nicht nur ein Buch darüber geschrieben, sondern vor allem das Helmandblog, den Vorläufer des UK Forces Afghanistan-Blogs, aufgebaut.
(Ich würde es jedem Informationsarbeiter der Bundeswehr mal in voller Länge empfehlen.
Nachtrag: ein Informationsarbeiter der Bundeswehr wies mich zu Recht darauf hin, dass es eher die militärische Führung sei, die sich das mal anschauen sollte. Weil solche Ansätze nicht an den Leuten vor Ort scheitern. Sondern auf einer etwas höheren Ebene.)
Das Interview lief via Skype, was auch die gelegentlichen Tonprobleme erklärt:
Mehr Stab fürs Heer
Das neue Personalstrukturmodell (PSM) für die 175.000-Soldaten-Bundeswehr, versichert mir das Verteidigungsministerium, ist zwar noch nicht fertig. Ein interessantes Detail für das Heer hat Generalleutnant Norbert Finster allerdings bereits der Nordwest-Zeitung verraten (danke für den Leserhinweis):
sagt Finster zum geplanten Umzug der 1. Panzerdivision von Hannover nach Oldenburg.
Also: Die Stäbe zumindest der beiden künftigen schweren Heeresdivisionen wachsen auf, und zwar kräftig. Aber hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière, wie ich mich vage erinnere, nicht von weniger Stab und mehr Truppe gesprochen?
Die deutliche Vergrößerung dieses Stabs, sagt mir das Ministerium, hängt damit zusammen, dass es künftig eine Abteilung Einsatz im Divisionsstab geben wird. Und Personal, dass für Führungs/Stabsaufgaben im Einsatz zur Verfügung steht. Bisher werden ja Fachleute zum Beispiel für ein Operational Mentoring and Liaison Team (OMLT), eine Beratergruppe für die afghanische Armee, aus den bestehenden Strukturen rausgeholt. Und ein Bataillon steht dann, etwas überzogen gesagt, ohne seinen Bataillonsstab da.
Die Details muss man sich noch mal angucken. Aber auch diese Einzelheit deutet darauf hin, dass die Bundeswehr damit rechnet, künftig eher mehr (wenn auch nicht in so großen Operationen wie derzeit) im Einsatz zu sein. Das deckt sich dann wieder mit der Aussage des Ministers: “Wir werden uns eher an mehr als an weniger Auslandseinsätze unterschiedlicher Art gewöhnen müssen.”
Kein iPhone auf dem Bundeswehr-Schlachtfeld
Interessant für die IT-Spezialisten: Die Bundeswehr wird (nicht so überraschend) niemals mit iPhone oder iPad ins Gefecht ziehen. Sondern mit Geräten auf Basis des Google-Betriebssystems Android – was sinnvoll ist, weil es sich um eine open source-Plattform handelt.
Jedenfalls treiben die deutschen Streitkräfte offensichtlich eine Entwicklung voran, die auf Android-Basis sozusagen militärische Navis bringen soll: Bundeswehr finances an Open Source Application (und hier was dazu auf Deutsch, ich gebe zu, sehr speziell: Neben einem SVN-Repository wird es auch Maven-Artefakte der in Java implementierten Software geben.)

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.
