Der Praktiker: Blogging from the battlefield

Fragen wir doch mal einen Praktiker (und Soldaten), wie man von der Front bloggt. David Bailey (den ich aus seiner Zeit als Chefredakteur des ISAF-Radios in Kabul kenne), hat den Briten Paul Smyth gefragt. Der Major hat nicht nur ein Buch darüber geschrieben, sondern vor allem das Helmandblog, den Vorläufer des UK Forces Afghanistan-Blogs, aufgebaut.

(Ich würde es jedem Informationsarbeiter der Bundeswehr mal in voller Länge empfehlen.
Nachtrag: ein Informationsarbeiter der Bundeswehr wies mich zu Recht darauf hin, dass es eher die militärische Führung sei, die sich das mal anschauen sollte. Weil solche Ansätze nicht an den Leuten vor Ort scheitern. Sondern auf einer etwas höheren Ebene.)

Das Interview lief via Skype, was auch die gelegentlichen Tonprobleme erklärt:

Mehr Stab fürs Heer

Das neue Personalstrukturmodell (PSM) für die 175.000-Soldaten-Bundeswehr, versichert mir das Verteidigungsministerium, ist zwar noch nicht fertig. Ein interessantes Detail für das Heer hat Generalleutnant Norbert Finster allerdings bereits der Nordwest-Zeitung verraten (danke für den Leserhinweis):

Der Stab hatte bislang 330 Mann und war in Hannover schon auf zwei Standorte verteilt. Künftig umfasst der Stab 570 Mann.

sagt Finster zum geplanten Umzug der 1. Panzerdivision von Hannover nach Oldenburg.

Also: Die Stäbe zumindest der beiden künftigen schweren Heeresdivisionen wachsen auf, und zwar kräftig. Aber hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière, wie ich mich vage erinnere, nicht von weniger Stab und mehr Truppe gesprochen?

Die deutliche Vergrößerung dieses Stabs, sagt mir das Ministerium, hängt damit zusammen, dass es künftig eine Abteilung Einsatz im Divisionsstab geben wird. Und Personal, dass für Führungs/Stabsaufgaben im Einsatz zur Verfügung steht. Bisher werden ja Fachleute zum Beispiel für ein Operational Mentoring and Liaison Team (OMLT), eine Beratergruppe für die afghanische Armee, aus den bestehenden Strukturen rausgeholt. Und ein Bataillon steht dann, etwas überzogen gesagt, ohne seinen Bataillonsstab da.

Die Details muss man sich noch mal angucken. Aber auch diese Einzelheit deutet darauf hin, dass die Bundeswehr damit rechnet, künftig eher mehr (wenn auch nicht in so großen Operationen wie derzeit) im Einsatz zu sein. Das deckt sich dann wieder mit der Aussage des Ministers: “Wir werden uns eher an mehr als an weniger Auslandseinsätze unterschiedlicher Art gewöhnen müssen.”

 

Der Schattenkrieg wird offiziell: Obama bestätigt Drohnen über Pakistan

US-Präsident Barack Obama und seine Öffentlichkeitsarbeiter nutzen bisweilen überraschende Wege: Den  – ja eigentlich längst bekannten, aber offiziell nie eingestandenen – Einsatz von bewaffneten US-Drohnen über Pakistan hat er vergangene Nacht in einem Google Hangout, sozusagen einem Internet-Masseninterview mit Internetnutzern, öffentlich bekanntgegeben.

Eine Abschrift des Video-Gesprächs habe ich (noch) nicht gefunden; hier die ganzen 50 Minuten zum Anschauen (wenn jemand die genaue Zeit für die Drohnen-Aussage findet, bitte in die Kommentare…):

Zufallsfund: Atalanta-Slideshow

Ich halte es für eine gute Entwicklung: Es gibt immer mehr Fotografen, die den Einsatz der Bundeswehr begleiten und dokumentieren. Nicht so gut: Der Zunahme an Bildern stehen längst nicht im gleichen Maß mehr Veröffentlichungen in den üblichen Medien gegenüber…

Deshalb hier ein (für mich) Zufallsfund: Eine Audio-Slide-Show (so heisst das heutzutage, wenn Bilder und Ton kombiniert werden) des Fotografen Jörg Gläscher vom Bundeswehr-Einsatz bei der EU-Antipirateriemission Atalanta: Piraten.

(Foto © Jörg Gläscher)

Kein iPhone auf dem Bundeswehr-Schlachtfeld

Interessant für die IT-Spezialisten: Die Bundeswehr wird (nicht so überraschend) niemals mit iPhone oder iPad ins Gefecht ziehen. Sondern mit Geräten auf Basis des Google-Betriebssystems Android – was sinnvoll ist, weil es sich um eine open source-Plattform handelt.

Jedenfalls treiben die deutschen Streitkräfte offensichtlich eine Entwicklung voran, die auf Android-Basis sozusagen militärische Navis bringen soll: Bundeswehr finances an Open Source Application (und hier was dazu auf Deutsch, ich gebe zu, sehr speziell: Neben einem SVN-Repository wird es auch Maven-Artefakte der in Java implementierten Software geben.)