Köln gegen Piraten: Die Bilder

Als Nachtrag zur gestrigen Meldung Fregatte Köln versenkt Piratenboote haben mich heute dazu die Bilder erreicht. Erkennbar ist darauf ganz gut, dass das größere Boot, ein so genannter Whaler, zwar als Mutterschiff angesehen wird – allerdings auch nur recht wenig Leuten Platz bietet und vor allem dazu dient, Treibstoff und Wasser für eine längere Aktion weitab der Küste mitzuführen. Also kein Vergleich mit gekaperten Frachtern, die auch schon als Piraten-Mutterschiffe genutzt wurden und in einem Fall bis zu 100 (!) Piraten als Operationsbasis dienten.

(Inzwischen gibt es auch – noch nicht endgültig bestätigt – Details zu dem gestern südwestlich der Seychellen gekaperten Fischtrawler: Es handelt sich vermutlich um das taiwanesische Schiff Chin Yi Wen mit 28 Besatzungsmitgliedern – neun Chinesen, acht Filipinos, sechs Indonesiern und fünf Vietnamesen.)

 

(Fotos: Deutsche Marine)

 

Fregatte „Köln“ versenkt Piratenboote

Die deutsche Fregatte Köln, unter dem Kommando der EU-Antipirateriemission Atalanta am Horn von Afrika unterwegs, hat am Freitag – erneut – eine Piratengruppe gestoppt und ihre Boote versenkt. Die Besatzung der Köln stoppte einen so genannten Whaler, der als Mutterschiff eingesetzt wurde, und ein dazu gehörendes Skiff, ein schnelles Motorboot, 60 Seemeilen (rund 100 Kilometer) vor der Küste Tansanias. Bei Annäherung des Hubschraubers der Fregatte hatten die sieben mutmaßlichen Piraten an Bord Waffen und Ausrüstung ins Meer geworfen. Die beiden Boote wurden zerstört, nachdem die Köln die Seeräuber an Bord geholt hatte.

(Hier die Meldung der Bundeswehr dazu.)

Die Köln war in den vergangenen Wochen schon recht aktiv gewesen.

Das Seegebiet zwischen Tansania und den Seychellen hat sich in den vergangenen Tagen als eines der Hauptaktionsgebiete somalischer Piraten nach dem Ende des Monsuns erwiesen. Am Freitagmorgen war nach NATO-Angaben ein Fischtrawler 270 Seemeilen südwestlich der Seychellen gekapert worden; etliche Angriffe in dieser Region in den vergangenen Tagen blieben allerdings erfolglos, wie ein Blick auf die aktuelle Karte des NATO-Schiffahrtszentrums zeigt:

(Karte: NATO Shipping Centre)

Frauen und Kinder als Geiseln in Piratenhand – kein Boarding

Die Fregatte Niedersachsen der Deutschen Marine, derzeit am Horn von Afrika unter dem Kommando der Eu-Antipirateriemission Atalanta unterwegs, hat zwar heute ein verdächtiges Piratenschiff gestellt und die kleinen Motorboote der Seeräuber versenkt – die Piraten jedoch ziehen lassen müssen. Vor der Küste Tansanias war die Niedersachsen auf die Dhau Jelbut 31 gestoßen, und als Gegenstände wie Panzerfäuste auf ein Piratenschiff hindeuteten, hätten die Deutschen vom zuständigen EU-Kommandeur den Befehl bekommen, die beiden Motorboote im Schlepp zu zerstören. So weit die offizielle Mitteilung des Einsatzführungskommandos.

Wie Augen geradeaus! aus Bundeswehrkreisen erfuhr (Nachtrag: jetzt auch als Aktualisierung auf der Bundeswehr-Seite), wurde es allerdings danach erst recht dramatisch. Der Task Force Commander hatte ein Boarding der Dhau autorisiert (und wenn ich das richtig sehe, wäre es angesichts des unkooperativen und aggressiven Verhaltens der Besatzung der Dhau das erste Mal gewesen, dass die Deutsche Marine ein non-compliant boarding durchgeführt hätte, gegen den Willen der Besatzung).

Dazu kam es allerdings nicht: Über Funk drohten die Piraten, sie hätten 28 Personen als Geiseln an Bord, darunter Frauen und Kinder. Ein Boarding-Versuch würde das Leben dieser Geiseln gefährden. Der Task Force Commander zog daraufhin den Boarding-Auftrag zurück – und die Jelbut 31 machte sich auf den Weg zur somalischen Küste, begleitet von der Niedersachsen.

Die Jelbut 31 am Mittag des 10. Juni (Foto: NATO)

Die Jelbut 31 (deren Nationalität mir unklar ist, möglicherweise handelt es sich wie bei der Jelbut 22 um ein iranisches Fischerboot – andererseits scheint Jelbut ein generischer Begriff für eine bestimmte Art von Dhau zu sein), war in den vergangenen Tagen schon als Piraten-Mutterschiff aufgefallen. Die NATO warnte am 2. Juni: weiterlesen