Geplantes neues Luftverteidigungssystem TLVS: Wertlos ohne US-Daten

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Das geplante neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) für die Bundeswehr lässt seit Jahren auf sich warten, und ein Vertragsabschluss verzögert sich ständig. Dafür gibt es viele Gründe; einer wird jetzt so richtig offensichtlich: TLVS geht zwar aus dem einst von den USA, Deutschland und Italien vorangetriebenen Medium Altitude Air Defense System (MEADS) hervor, für einen kritischen Bestandteil hängt das System aber an US-Technik, mit der die USA sehr zurückhaltend umgehen. weiterlesen

Werbevideo für MEADS, hier mal ohne Werbung

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der gemeinsam mit der deutschen Tochter der Lenkflugkörper-Firma das künftige Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) für die Bundeswehr auf Basis der Entwicklungen für das Medium Extended Air Defense System (MEADS) schaffen soll, hat ein MEADS-Werbevideo veröffentlicht. Das ist zwar auf einer großen deutschen Nachrichtenseite mit deren selbst geschalteter Werbung zu sehen, aber das Video ist Werbung genug, deshalb hier mal solo. (Direktlink: https://youtu.be/UhTBAZ-DpZc)

Neues Luftverteidigungssystem: Entscheidung für MEADS – mit Rückfalloption

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Die Entscheidung für das erste große Rüstungsprojekt unter der Ägide von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist gefallen: Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Bundeswehr ein neues Luftverteidigungssystem bekommen, das auf Basis der bisherigen Entwicklung für das  Medium Extended Air Defense System (MEADS) fertig entwickelt und beschafft werden soll. Die Streitkräfte soll das neue System, Nachfolger des bislang genutzten Pariot-Flugabwehrsystems, rund vier Milliarden Euro kosten. Angesichts der Risiken bei der noch nicht markverfügbaren Technik will das Ministerium mit so genannten quality gates, sozusagen Meilensteinen in der Entwicklung, eine Rückfalloption offen halten: Falls die MEADS-Entwicklung nicht läuft wie geplant, soll auch später ein Umschwenken auf das jetzt unterlegene Konkurrenzprodukt, eine Weiterentwicklung des Patriot-Systems der US-Firma Raytheon, möglich sein.

Den Planungen für das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) liegt die Überlegung zugrunde, mit Lenkflugkörpern einen Bereich von etwa 70 mal 70 Kilometern – zum Beispiel eine Großstadt, einen Flughafen, oder auch ein Feldlager im Auslandseinsatz – gegen möglichst viele Bedrohungen aus der Luft abzusichern. Das neue Verteidigungssystem soll ebenso gegen Flugzeuge und Hubschrauber wie gegen Marschflugkörper und Raketen bis hin zu Mittelstreckenraketen einsetzbar sein. Dafür wird eine 360-Grad-Abdeckung der zugehörigen Radarüberwachung verlangt; außerdem die Einbindung verschiedener Flugkörper zur Abwehr, da gegen vergleichsweise langsame Flugzeuge und Hubschrauber ein einfacherer und damit günstigerer Flugkörper genutzt werden soll.

Ausschlaggebend für die Entscheidung für eine Weiterentwicklung von MEADS, bei dem die deutsche und die italienische Tochter der Firma MBDA sowie die US-Firma Lockheed Martin federführend waren, war offensichtlich die nationale deutsche Hoheit über die Technologie des Systems. weiterlesen