‚Niedersachsen‘ stoppt Piraten vor der Küste (Update mit Bundeswehr-Infos)

201311_Suspected-pirates-dropping-ladders-into-the-sea-ladder-highlighted

(Entschuldigung für die leicht irreführende Überschrift…)

Vom Anti-Piraterieeinsatz der Deutschen Marine vor der Küste Somalias ist in jüngster Zeit recht wenig zu hören, deshalb ist diese Geschichte um so interessanter: Die deutsche Fregatte Niedersachsen hat am vergangenen Dienstag Piraten daran gehindert, von Somalia aus in See zu stechen. Bei Annäherung der Fregatte habe die Besatzung zweier kleiner Boote, eines so genannten Whalers und eines Skiffs, typische Piraten-Ausrüstung wie Leitern über Bord geworfen (Foto oben; Bilder in besser Qualität sind versprochen), berichtet die EU-Antipirateriemission Atalanta. Nach Angaben der Bundeswehr gaben die mutmaßlichen Seeräuber auf, als ein Speedboat mit dem Boarding-Team der Fregatte eines der Boote näher inspizieren wollte:

Die Fregatte „Niedersachsen“ befand sich auf Patrouillenfahrt vor der somalischen Küste in der Nähe eines vermuteten Piratencamps. Parallel dazu war bereits der bordeigene Hubschrauber zur Aufklärung in der Luft und entdeckte ein verdächtiges Boot.
Es handelte sich um einen sogenannten „Whaler“ (Kleinboot), das ein Skiff hinter sich herzog. Es war ersichtlich, dass sich keine Fischereiausrüstung an Bord befand, sondern Leitern und mehrere Fässer mitgeführt wurden.
Da sich die Hinweise auf Piraterie erhärteten, fuhr die Fregatte bis auf eine nautische Meile an die Küste heran und bereitete ein Boarding vor. weiterlesen

Briefwahl vor Somalia: Hier kommen die Unterlagen

Briefwahl_Atalanta_Somalia_20130911

Die Meldung stand schon vor ein paar Tagen in mehreren Zeitungen, aber hier ist das Foto dazu: 20 Seeleute der Fregatte Niedersachsen, derzeit im EU-Antipiraterieeinsatz vor der Küste Somalias, haben am 11. September ihre Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl am 22. September erhalten. Per Luftfracht.

Die Unterlagen wurden von einem spanischen Seefernaufklärer nahe der Niedersachsen abgeworfen – in einem speziellen Behälter, der an einem Fallschirm ins Meer schwebte und dann geborgen wurde (Foto oben). Den Rückweg nach Deutschland traten die ausgefüllten Wahlzettel dann ganz regulär per Post an, mit einem zurückreisenden Besatzungsmitglied.

Neben der lustigen Geschichte der vermutlich kompliziertesten Briefwahl bei dieser Bundestagswahl ist mir noch was anderes aufgefallen: Solche Abwürfe, im wasserdichten Behälter am Fallschirm, gab’s vor Somalia doch schon öfters: weiterlesen

Frauen und Kinder als Geiseln in Piratenhand – kein Boarding

Die Fregatte Niedersachsen der Deutschen Marine, derzeit am Horn von Afrika unter dem Kommando der Eu-Antipirateriemission Atalanta unterwegs, hat zwar heute ein verdächtiges Piratenschiff gestellt und die kleinen Motorboote der Seeräuber versenkt – die Piraten jedoch ziehen lassen müssen. Vor der Küste Tansanias war die Niedersachsen auf die Dhau Jelbut 31 gestoßen, und als Gegenstände wie Panzerfäuste auf ein Piratenschiff hindeuteten, hätten die Deutschen vom zuständigen EU-Kommandeur den Befehl bekommen, die beiden Motorboote im Schlepp zu zerstören. So weit die offizielle Mitteilung des Einsatzführungskommandos.

Wie Augen geradeaus! aus Bundeswehrkreisen erfuhr (Nachtrag: jetzt auch als Aktualisierung auf der Bundeswehr-Seite), wurde es allerdings danach erst recht dramatisch. Der Task Force Commander hatte ein Boarding der Dhau autorisiert (und wenn ich das richtig sehe, wäre es angesichts des unkooperativen und aggressiven Verhaltens der Besatzung der Dhau das erste Mal gewesen, dass die Deutsche Marine ein non-compliant boarding durchgeführt hätte, gegen den Willen der Besatzung).

Dazu kam es allerdings nicht: Über Funk drohten die Piraten, sie hätten 28 Personen als Geiseln an Bord, darunter Frauen und Kinder. Ein Boarding-Versuch würde das Leben dieser Geiseln gefährden. Der Task Force Commander zog daraufhin den Boarding-Auftrag zurück – und die Jelbut 31 machte sich auf den Weg zur somalischen Küste, begleitet von der Niedersachsen.

Die Jelbut 31 am Mittag des 10. Juni (Foto: NATO)

Die Jelbut 31 (deren Nationalität mir unklar ist, möglicherweise handelt es sich wie bei der Jelbut 22 um ein iranisches Fischerboot – andererseits scheint Jelbut ein generischer Begriff für eine bestimmte Art von Dhau zu sein), war in den vergangenen Tagen schon als Piraten-Mutterschiff aufgefallen. Die NATO warnte am 2. Juni: weiterlesen