Der längste Auslandseinsatz ist beendet

Es kommt selten genug vor, und auch wenn es nur (noch) wenige Soldaten betrifft, hat es schon Bedeutung: Mit einer Zeremonie im Camp Butmir ist heute der Einsatz der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina beendet worden – mit mehr als 17 Jahren Dauer die bislang längste Auslandsmission der deutschen Streitkräfte.

Einholen der deutschen Flagge in Camp Butmir (Foto: EUFOR Althea)

Am Schluss waren es nur noch zwei deutsche Soldaten, deren Dienst heute mit dem Einholen der deutschen Flagge endete. Ein Einsatz bewaffneter Streitkräfte war die Bosnien-Mission, die inzwischen unter europäischer Flagge als EUFOR Althea stattfindet, schon seit ein paar Jahren nur noch der Form nach – bei allen Problemen, die das fragile Staatengebilde Bosnien-Herzegowina weiterhin hat, ist eine militärische Intervention nicht mehr das Mittel der Wahl. (Auch wenn rein rechtlich das deutsche Mandat noch bis Mitte November läuft und das so genannte ORF-Bataillon, derzeit im Kosovo im Einsatz, formal auch für Bosnien bereitsteht – zu erwarten ist das kaum.)

Das war mal anders (wie auch in der Chronik der Balkankriege und des deutschen Engagements bei bundeswehr.de nachzulesen ist). Vor mehr als 17 Jahren, im August 1995, saß ich in Piacenza in Norditalien, als der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe die ersten Flüge deutscher Tornados über Bosnien verkündete*. (Der in der Geschichte erwähnte Oberstleutnant Peter Stütz ist heute Chef des Stabes im Einsatzführungskommando; der damalige Kommodore des ersten Einsatzgeschwaders, Johann Dora, war zuletzt Drei-Sterne-General und stellvertretender Generalinspekteur und ist inzwischen im Ruhestand.)

Nach ihrer ersten Auslandsmission zwei Jahre zuvor in Somalia betrat die Bundeswehr damit im Wortsinne Neuland – die durchaus engagierte Debatte kreiste um die Frage, ob deutsche Soldaten auf dem Balkan nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges eher Teil des Problems oder Teil der Lösung sein würden. Nicht selbstverständlich entschied sich die Politik dafür, sie als Teil der Lösung zu betrachten (schon vier Jahre später, beim Krieg gegen Serbien wegen des Kosovo, spielte diese Frage gar keine Rolle mehr).

Das Ende des Bosnien-Einsatzes (wenn man diesen Begriff bei zuletzt noch einer Handvoll Soldaten benutzen will) zeigt, wie langwierig eine solche Mission ist. Und das in Europa, sozusagen im eigenen Kulturkreis, und in einem Land, dass zwar von heftigen ethnischen Auseinandersetzungen zerrissen wurde, aber vor gut 20 Jahren als staatliches und friedliches Gebilde noch existierte. Schon klar, worauf ich hinaus will: Wenn es schon in Bosnien 17 Jahre – oder genauer: zwei Jahrzehnte seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen – dauert, eine stabile Situation zu erreichen – was bedeutet das dann für den Einsatz in Ländern und Nationen, die einem ganz anderen Kulturkreis angehören und seit Jahrzehnten nur noch (Bürger)Krieg kennen?

(*Entgegen der üblichen Praxis, hier keine Verleger-Webseiten zu verlinken, setze ich dennoch diesen Link, weil die Geschichte a) schon älter ist und b) ich der Autor bin.)

Nachtrag: Mehr zur Zeremonie auf bundeswehr.de: Beteiligung der Bundeswehr am Einsatz in Bosnien und Herzegowina erfolgreich beendet – Deutsche Flagge im Camp Butmir letztmalig niedergeholt

Abzug aus Sarajewo

Demnächst geht, selten genug, ein Auslandseinsatz der Bundeswehr zu Ende: Nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung* haben Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière den Bundestagsfraktionen mitgeteilt, dass der Einsatz bewaffneter Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina, die EU-Operation EUFOR Althea, nicht mehr verlängert werden soll. Damit kommt Deutschland zwar einem Beschluss der EU über die Beendigung dieses Einsatzes zuvor, die Auswirkungen sind aber eher deklamatorischer Art: Derzeit sind noch 3 (in Worten: drei) deutsche Soldaten in Bosnien im Einsatz, zwei Offiziere und ein Unteroffiziersdienstgrad. Formal betrachtet ist das abgezogene Personal allerdings erheblich größer: Das Operational Reserve Forces (ORF)-Bataillon, das derzeit in erster Linie als Verstärkung für die KFOR-Truppe im Kosovo bereit steht, ist bislang auch als Reservetruppe für Bosnien vorgesehen.

(* Abweichend von der hier geübten Praxis, angesichts des angestrebten Leistungsschutzrechts keine Webseiten deutscher Printmedien zu verlinken, habe ich in diesem Fall den Link gesetzt, weil es sich um eine über den Originaltextservice der dpa-Tochter news aktuell verbreitete Pressemitteilung handelt, die ausdrücklich kostenfrei verwendet werden kann.)