Fürs Protokoll: Deutsche Pioniere bauen Sperren für den Suwalki-Korridor
Es hatte sich bereits abgezeichnet (und ist wohl zwischenstaatlich auch vereinbart, s. u.), jetzt ist es offiziell: Pioniere der Bundeswehr unterstützen Polen beim Bau von Befestigungen an der Grenze zu Belarus und Russland. Damit soll den Streitkräften beider Länder ein Angriff auf NATO-Gebiet erschwert werden – auch auf den so genannten Suwalki-Korridor, der die NATO-Mitglieder Polen und Litauen verbindet und von Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad eingegrenzt wird.
Aus der Mitteilung des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr vom (heutigen) Mittwoch:
Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine, entschied Polen die Umsetzung der nationalen Initiative Eastern Shield (Ostschild) zum Ausbau von Befestigungsanlagen zum Schutz der polnischen Grenze. Nun unterstützt die Bundeswehr dieses Vorhaben auf Einladung Polens.
Nach der Anerkennung der Unterstützung der polnischen Initiative „Eastern Shield“ als offizielle Mission am 15. Juni 2026, hat die Bundeswehr die Verantwortung für den deutschen Beitrag übernommen. (…)
Das deutsche Kontingent besteht aus hochspezialisierten Pionierkräften des Heeres und des Unterstützungsbereichs der Bundeswehr sowie aus Personal des Unterstützungskommandos der Bundeswehr und Sanitätskräften. Der Auftrag umfasst die bauliche Ertüchtigung des Grenzraums im Norden Polens, einschließlich des strategisch bedeutsamen Suwalki-Korridors. Die deutschen Pioniere werden gemeinsam mit polnischen Kräften Panzerabwehrgräben anlegen, Bau- und Drahtsperren errichten sowie Feldbefestigungen und Kampfstände bauen.
Der Kontingentführer erklärt: „Eastern Shield wird die polnischen Landesgrenzen zu Russland und Belarus durch den Bau eines Grenzwalls verstärken. Mit unseren speziellen Fähigkeiten, Geländeabschnitte zu sperren und für den Gegner unpassierbar zu machen, unterstützen wir unsere polnischen Kameradinnen und Kameraden und verbessern den Schutz Polens und der verbündeten Streitkräfte.“
Die Kontingentführung der deutschen Kräfte ist bereits am 22. Juni 2026 planmäßig in Polen eingetroffen. Zur Erkundung befinden sich seit dem 29. Juni rund 15 Soldatinnen und Soldaten vor Ort. Die Ankunft der Hauptkräfte eines verstärkten Maschinenpionierzuges erfolgte Anfang dieses Monats.
Die Unterstützung deutscher Pioniere in Polen ist über mehrere Phasen vorerst bis Oktober 2026 vorgesehen, kann bei Bedarf aber auch darüber hinaus verlängert werden.
Zur Gesamtzahl der deutschen Soldaten, die für diese Mission eingesetzt werden sollen, machte die Bundeswehr keine Angaben. Das gilt auch für eine andere wesentliche Entwicklung der verteidigungspolitischen Zusammenarbeit beider Länder: Mitte Juni hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius in Warschau ein neues deutsch-polnisches Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Medienberichten zufolge soll es darin über die NATO- und EU-Beistandsklauseln hinaus Zusagen für militärischen Beistand im Fall eines Angriffs geben.
Überprüfen lässt sich das bislang nicht: Auch mehr als einen Monat nach Unterzeichnung hält die Bundesregierung das Abkommen noch unter Verschluss. Seit dem Tag der Unterschrift ist angekündigt, es werde wie andere bilaterale Verträge im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Bislang ist davon nichts zu sehen.
(Foto: Polnische und deutsche Soldaten bauen an der polnischen Grenze „Drachenzähne“ als Panzerhindernisse auf – Polnische Streitkräfte via Operatives Führungskommando der Bundeswehr)