Erneuter Anlauf für die Rückkehr der Lazarettzüge

Angesichts der Zahlen der Verwundeten, die bei einem Krieg an der Ostflanke der NATO erwartet werden, kommt regelmäßig die Überlegung auf, diese Verwundeten per Zug zu transportieren. Aber auch bei Katastrophen im Inland könnten solche Transportmöglichkeiten genutzt werden – jetzt wurden weitere Pläne für einen solchen Patiententransportzug vorgestellt.

Die deutschen Streitkräfte beziffern die Zahl allein der deutschen Soldaten und Soldatinnen, die bei einem Konflikt mit Russland verwundet werden könnten, auf rund 1.000 – pro Tag. Bisherige Planungen für eine Evakuierung auf dem Luftweg würden schnell an Grenzen stoßen. Bereits kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 hatte die Bundeswehr erste Überlegungen für die Beschaffung von ICE-Zügen der Bahn bekanntgemacht. Allerdings war von diesen Lazarettschnellzügen dann nicht mehr viel zu hören.

Nachdem im September der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Bahnhersteller Alstom Pläne für einen neu entwickelten Lazarettzug vorgestellt hatten, veröffentlichten am (heutigen) Dienstag Siemens und die Lufthansa Technik ihre Planungen für einen solchen Spezialzug. Dabei sollen von Siemens Mobility die Lokomotive und die Waggons und von Lufthansa Technik die bereits für MedEvac-Flugzeuge entwickelten Intensivbetten kommen.

Aus der gemeinsamen Mitteilung der beiden Unternehmen:

Der Zug soll mehr als 150 Verletzte und Erkrankte transportieren und während der Fahrt medizinisch versorgen können – darunter auch Intensivpatienten. Die Partner wollen ihn in Deutschland für die Bundeswehr sowie ihre NATO-Verbündeten entwickeln.
Der Zug besteht aus bewährten Vectouro-Reisezugwagen von Siemens, die mit einer Siemens Vectron X oder X Dual Mode Lokomotive kombiniert werden. Lufthansa Technik Defense rüstet die Wagen mit Systemen für Krankentragen („Litter Racks“) und vollständig ausgestatteten Intensivbetten (Patiententransporteinheiten) aus. Der Zug bietet zudem Platz für bis zu 90 medizinische und unterstützende Einsatzkräfte.(…) 
Die Medizintechnik für den Zug hat sich bereits in der Luft bewährt: Die Deutsche Luftwaffe und andere Streitkräfte nutzen die AeroMEDICAL Solutions von Lufthansa Technik seit Jahrzehnten. Unter anderem wird damit der A400M der Bundeswehr zur „fliegenden Intensivstation“. Die gleichen standardisierten Systeme sollen auch im Zug verbaut werden, sodass Patientinnen und Patienten beim Wechsel zwischen den einzelnen Verkehrsträgern nicht umgebettet werden müssen. Die Wagen lassen sich je nach Einsatz und Betreuungsbedarf flexibel aus- und umrüsten – von der medizinischen Grundversorgung bis zur Intensivversorgung (NATO-Kategorien D1 bis D4).

Der Hinweis, dass Siemens und Lufthansa Technik diese Züge erst entwickeln wollen (wohl eher: müssen), deutet schon darauf hin, dass es nicht um eine schnelle Beschaffung gehen kann.

Während des Kalten Krieges hielt die Bundeswehr bereits solche Krankentransportzüge vor; unter anderem war für den Kriegsfall die Umrüstung von Standard-Wagen der (damaligen) Deutschen Bundesbahn vorgesehen. Die so genannten Krankentransportkompanien (Schiene) wurden zusammen mit der Reservelazarettorganisation 2007 aufgelöst.

Die Mitteilung von Siemens Mobility und Lufthansa Technik Defence als Sicherungskopie:
20261103_Siemens_Lufthansa_Technik_Lazarettzug

(Foto: Jacek Rużyczka, Lazarettwagen Silberling Osnabrück-Piesberg, crop, CC BY-SA 4.0, Grafik: Siemens Mobility)