Sicherheitshalber der Podcast #112 LIVE in Köln: Militärisch überlegen – Krieg verloren?
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 112 diskutieren Ulrike Franke, Frank Sauer Carlo Masala und ich live in Köln vor Publikum im WDR-Sendesaal, wie es sein kann, dass schwache Staaten gegen militärisch überlegene gewinnen – und zwar in jüngerer Vergangenheit immer öfter!? Afghanistan, Ukraine, Iran, was ist da los? Nutzen die “Underdogs” clever asymmetrische Strategien, liegt es an ihrer Entschlossenheit, ist es die Diffusion von disruptiver Technologie? Wir bedienen uns aus der Forschung und für ein paar Minuten wird der Sendesaal zum Hörsaal.
Abschließend dann wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit einem Durchbrüchlein bei den Vereinten Nationen, französischem Engagement in Saudi-Arabien, schlecht gesicherten Kühltruhen und einem Missverständnis mit Blick auf die Aufgaben der NATO.
Vorbemerkungen zur aktuellen Situation: 00:01:43
Wie gewinnen Underdogs: 00:07:36
Sicherheitshinweise: 01:00:00
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Thema: Warum die Schwachen (immer öfter) gewinnen
Ryan Mac, What Is Starshield, SpaceX’s Military-Grade Satellite Internet Service?, NYT, 14.10.2026
Arreguín-Toft, Ivan. “How the Weak Win Wars: A Theory of Asymmetric Conflict.” International Security, vol. 26, no. 1, 2001, pp. 93–128.
Neil MacFarquhar, Why Does Saudi Arabia Struggle to Stop Houthi Attacks?, NYT, 15.10.2026
Sicherheitshinweise
Frank: Der “Durchbruch” der UN in Sachen “lethal autonomous weapons systems”
Rike: Frankreich schickt militärische Mittel, um saudischen Ölhafen zu schützen
Thomas: Hacker legen Kühlregale in französischen Supermärkten lahm
Carlo: Die NATO verteidigt – eine strategische Niederlage des Angreifers ist nicht ihr Ziel
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Schade, dass bei dem Hinweis, die Ukraine erfahre ja weitreichende Unterstützung durch die westlichen Staaten und könne sich auch dadurch behaupten keiner den Punkt gemacht hat, dass Russland ja _ebenfalls_ massiv Unterstützung von anderen Staaten erhält.
Allen voran durch China (Microchips, Material …), Nordkorea (massiv Artilleriemunition, zehntausende Soldaten (!) (kein Europäischer Staat hat bisher Kampftruppen in die Ukraine geschickt), Arbeiter), Iran (Shahed Drohnen, Pläne dafür), arguably sogar Indien (kaufen von sanktioniertem Öl) etc.
Kommentar zu den „hörsaalartigen“ Auführungen von Frank Sauer ( aka Dr. Doom ) bzgl. Nukleardoktrinen.
Man könnte zwar einwenden das bei den Airbursts ( Luftexplosionen ) 1945 über Japan nichts dauerhaft verstrahlt wurde. Je nach Nutzung, militärisch oder zivil, ist eine Nutzung ja nach Tagen bis Wochen wieder ohne Probleme möglich. Die stark strahlenden Spaltprodukte sind aufgrund der enormen Hitzeentwicklung alle nach ganz oben abgezogen. Also als taktische Atombombe militärisch durchaus brauchbar ( wenn das entscheidende Gehirn nur krank genug ist… ).
Aber:
Es gibt extrem viele Tote und noch mehr Schwerstverletzte durch Direkt-Strahlung und den Hitzeblitz ( im sechsstelligen Bereich im Falle einer Stadt, gerade wenn das Gebiet noch zivil bewohnt ist ).
Die Strahlungs- und Verbrennungsopfer binden extrem viel Resourcen die es bei weitem (!) nicht gibt. Klinikbetten, Personal etc. Und das alles auf einmal.
Das ist eine Situation die nicht vorbereitbar, nicht planbar und im Endeffekt nicht beherrschbar ist.
Ein solches Szenario ist unkalkulierbar, gerade auch die Reaktionen aller möglicher Länder darauf.
Man kann nur hoffen das dies auch bestimmte Entscheidungsträger so sehen deren Name nicht genannt werden darf…
.
wieso klammern die 4 personen sich so an den militärischen gewinn der ukraine ? seit 4 Jahren zig milliarden gelder und massen an kriegsgeräten.
das Resultat? die russen stecken immer noch in der Ukraine- hundertausende Ukrainische wehrpflichtige sind nach europa, die meisten nach Deutschland geflüchtet und hundertausende von der Front geflüchtet! Soweit dazu! was spricht bei den Herrschaften dass sich das Blatt wendet?Deren hauptproblem ist
dass sie aus ihrer Blase nicht mehr zurückrudern können- denn das wäre deren Medien aus.
[Ach Hansi. Für deinen allerersten Kommentar hier mit russischer Propaganda hättest du dir ein bisschen mehr Mühe geben können. T.W.]
@Apollo11: „Die Strahlungs- und Verbrennungsopfer binden extrem viel Resourcen die es bei weitem (!) nicht gibt. Klinikbetten, Personal etc. Und das alles auf einmal.“ -> das ist für Menschen die ABC Waffen einsetzen wollen denke ich eher ein Bonus und direkt beabsichtigte Folge des Einsatzes…
„Das ist eine Situation die nicht vorbereitbar, nicht planbar und im Endeffekt nicht beherrschbar ist.
Ein solches Szenario ist unkalkulierbar, […] -> Hier wiederspreche ich. Man könnte sich darauf vorbereiten und dafür planen, bzw. das passiert ja auch. Die Mittel für eine entsprechende Versorgung der gesamten Bevölkerung zu jeder Zeit vorzuhalten ist nur leider nicht (ökonomisch) sinnvoll. Ist im Grunde klassisches Risikomanagement…
„[…] gerade auch die Reaktionen aller möglicher Länder darauf.“ -> Da stimme ich schon eher zu. Das schöne an MAD war ja, dass es allen klar war, dass es keinen Sinn macht nuklear anzugreifen. Mittlerweile sind wir leider an einem anderen Punkt angelangt… Es gibt eine sehr schöne Visualisierung zum Thema Evolution of Trust von NCase https://ncase.me/trust/. Ich sehe hier leider einige die es nicht so richtig kümmert, ob wir uns gegenseitig vertrauen oder nicht.
„Man kann nur hoffen das dies auch bestimmte Entscheidungsträger so sehen deren Name nicht genannt werden darf…“ -> Wüsste nicht wessen Namen hier nicht genannt werden darf, aber seis drum. Ich hoffe ebenfalls, dass der Einsatz von taktischen Atomwaffen nicht normalisiert wird.
Ich habe gerade den Podcast zu Ende gehört und fand es wieder unterhaltsam und lehrreich. Auch wenn manches gezwungenermaßen etwas zu kurz kam.
mein Kompliment, eine tolle Diskussionsrunde!
Ich hätte nur gerne noch die Frage geklärt gehört: Was bedeuten die Aussagen zur erfolgreichen Rüstung der Ukraine für das Konzept der gerade laufende Aufrüstung der Bundeswehr? Ist das alles für die Katz?
Was sagen die Experten der Runde zur Aussage des im Haushaltsausschuss für Einzelplan 14 zuständigen SPD-Abgeordneten Andreas Schwarz? Der hat seine Sorgen in einem Interview im Deutschlandfunk am 21. Juli 2026 nach seiner Rückkehr aus der Ukraine mit ihrer modernen digitalen, darunter auch Drohnengestützten Kriegsführung recht klar zum Ausdruck gebracht.
„Im Moment muss man alles auf den Prüfstand stellen…. Macht das alles noch Sinn, … vor allem wenn das Entwicklungsprojekte sind, die zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre dauern sollen. … Die Frage ist: Brauchen wir das in fünfzehn, zwanzig Jahren noch? Beschaffen wir das Richtige? … Können wir dem Steuerzahler nach dem Beschaffungsprogramm noch in die Augen schauen?“
Hoffentlich spricht sich die Erkenntnis, dass Kriege zunehmend schwieriger für den überlegenen Staat zu gewinnen sind auch nach China herum und sie versuchen nicht Taiwan zu erobern…
@Ökonom, ja die Frage ob wir das richtige erforschen und beschaffen ist berechtigt.
Das werden wir aber, hoffentlich nie, erst wissen wenn klar ist wie in Zukunft ein Krieg geführt wird und zwar im dann aktuellen Krieg.
Aktuell erleben wir eine moderne Version des ersten Weltkrieges. Sicher wird man auch in Zukunft ein gläsernes Schlachtfeld erleben bei dem jeder Zug mit einer Drohne guckt was ihn weiter vorne erwartet. Aber, wird die Steuerung auch immer per Glasfaser erfolgen oder wird man nicht doch auf Funk setzen müssen weil man nicht lange an einem Ort bleibt? Dann reden wir über Bedarfe an mobilen Störsendern und entsprechenden Gegenmaßnahmen.
@Flo
„..bei dem jeder Zug mit einer Drohne guckt was ihn weiter vorne erwartet.
Aber, wird die Steuerung auch immer per Glasfaser erfolgen oder wird man nicht doch auf Funk setzen müssen weil man nicht lange an einem Ort bleibt? Dann reden wir über Bedarfe an mobilen Störsendern und entsprechenden Gegenmaßnahmen.“
Die Antwort lautet KI.
Störsender wird es weiter massiv geben, als auch Glasfaser. Aber für das einfache Aufklären in gejammten Gebieten auch jenseits des Terminator, kann man einfach eine Drohne auf Festprogrammiertem Kurs losschicken – und sich das Material anschauen, wenn sie wieder zurück kommt. Oder auch mit etwas intelligenter, wenn sie Hitzesignaturen findet, da bessere und mehr Bilder machen.
Die schwere Frage ist eher, wie viel Autonomie will man bewaffneten Systemen geben.
@New Dawn
In der Einleitung geht es tatsächlich um „überlegene“ und „unterlegene“ Staaten.
Deutschland hat jedoch weder Taiwan/Republik China noch die Huthis diplomatisch als eigenen Staat anerkannt.
Die Wehrmacht hat in den ersten Kriegsjahren z.B. in Frankreich und bis 1941 Winter in Unterlegenheit erfolgreich gekämpft. Also nichts Neues. Gründe dafür lagen in überlegener taktischer Führung, Einsatz moderner Kommunikation und Siegeswille. Alles zusammen führte zu einer überlegenen Kampfkraft der Wehrmacht, wie sie der israelische Historiker Martin van Creveld in seinem Werk „Kampfkraft“ beschreibt.
Zitat:
„…wie es sein kann, dass schwache Staaten gegen militärisch überlegene gewinnen – und zwar in jüngerer Vergangenheit immer öfter!?“
*****************************************
Das ist ( leider ) der neuen technischen Entwicklung geschuldet.
Früher war vor allem das-ins-Ziel-bringen ein sehr teures, extrem schwieriges und recht „schweres“ Problem. Letzteres aufgrund des Gewichts der damaligen Technik.
Das hat sich grundlegend geändert.
Im Krieg, in der hybriden Zwielicht-Zone und dummerweise auch im Terrorismus.
Mit der günstigen, stark miniaturisierten und extrem leistungsstarken Technik von heute auf den entscheidenden Gebieten:
– Mikroprozessoren
– Sensoren
– Kameratechnik
– Satellitennavigation
könnten selbst Oberstufen-Schüler mit ihrem begrenzten Budget Drohnen basteln die präzise überall hinfliegen ( zumindest oberirdisch wenn es keine Netze gibt ). Trotz aller möglichen Störmassnahmen von wem auch immer.
Bei militärisch/politisch relevanten Zielen wird es nur (gewichtsmässig) schwerer und teurer. Es bleibt aber recht einfach wenn man erst mal die simple Feststoffraketentechnik gemeistert, eingekauft oder „geschenkt“ bekommen hat…
Der Gamechanger bei hybriden Attacken ist aber der Einsatz von militärischem Sprengstoff wie C4. Unglaubliche Sprengkraft bei geringstem Gewicht. Siehe „Flughafen Leipzig“-Zwischenfall. Da hiess es noch Glück-gehabt…
PS: In diesem Zusammenhang war die neueste US-Folge von NCIS – New York interessant. Interner Diebstahl von C4 aus einem US-Stützpunkt. Markiert ist dieses C4 mit Schnüffelstoffen und Metallpulver zur einfacheren Detektion an Flughäfen und auch am Ausgang/Eingang der Militärbasen. Es gibt auch interschiedliche Markierungen für jeden US-Standort, also rückverfolgbar. Zumindest in dieser TV-Serie. Evtl. ist da was dran…
Die Art der Markierung oder Rückschlüsse auf das Herstellungsverfahren bei Analyse geben i.d.R. konkrete Hinweise. Zumindest wenn der Sprengstoff auch sichergestellt werden kann. Wie in Leipzig.
Das wird nicht der letzte Fall sein der auch hier erneut diskutiert werden wird fürchte ich…
Passend zu Rike: Frankreich schickt militärische Mittel, um saudischen Ölhafen zu schützen.
https://www.lemonde.fr/en/international/article/2026/09/26/france-sending-military-resources-to-saudi-arabia-brings-discreet-defense-ties-into-spotlight_6757983_4.html
erklärt jetzt UK seine militärische Beteiligung zugunsten der Saudis.
https://www.dw.com/de/grossbritannien-saudi-arabien-kampfflugzeuge-eurofighter-huthi-miliz-jemen/a-79714557
Britische Piloten würden „mit Typhoon-Kampfflugzeugen der Royal Air Force (RAF) defensive Flugabwehrmissionen fliegen, um den Schutz saudischer Städte und wichtiger nationaler Infrastruktur vor Luftangriffen zu unterstützen“.
British Ministry of Defence
Die Briten dürften vom zyprischen Akrotiri aus starten. Die Basis ist britisches Überseegebiet. Entfernungsbedingt werden britische/andere Tanker verfügbar sein werden.
Wo sind die britischen Träger derzeit in See? HMS QE angeblich Richtung Gibraltar unterwegs.
Bei aktiver Teilhabe von Franzosen und Briten ist die Frage zu Deutscher Beteiligung eine zwangsläufige.
„Bei aktiver Teilhabe von Franzosen und Briten ist die Frage zu Deutscher Beteiligung eine zwangsläufige.“
Fragen kann man das, aber ist eine aktive Teilnahme an der Seite Saudi Arabiens wirklich in unserem Interesse? Ich meine nicht, wenn „Werteunion“ etwas bedeuten soll und ich denke man sollte eher auf Frankreich und UK einwirken, dass zu unterlassen. Saudi Arabien hat sehr dreckig in Yemen gekämpft. Heißt nicht, dass die Huthis einen Deut sympathischer sind, aber was können wir da gewinnen? Günstige Öldeals? Oder bezahlt Salman in Bar für Söldnerdienste?
lukan sagt am 20.10.2026 um 21:56 Uhr:
“ … Saudi Arabien hat sehr dreckig in Yemen gekämpft. …“
Was war denn da los? Haben die bombardiert und geschossen?
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) sagt: 20.10.2026 um 21:12 Uhr
„Bei aktiver Teilhabe von Franzosen und Briten ist die Frage zu Deutscher Beteiligung eine zwangsläufige.“
Das sehe ich nicht so. FRA und GBR haben dort aus Kolonialzeiten andere Verbindungen und auch Beistands- und Schutzabkommen in der Region abgeschlossen. Für beide ist es auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, dort etwas zu tun.
DEU ist lediglich durch wirtschaftliche Interessen verbandelt, das ist eine andere Qualität. Wir sollten auf gar keinen Fall dort irgendwie militärisch tätig werden und das Geld dafür lieber in unsere Energieinfrastruktur stecken und zusehen, unsere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu forcieren. Das wäre nicht nur sinnvolle Energiepolitik sondern eben auch aktive Sicherheitspolitik.
@Hans Schommer
„“ … Saudi Arabien hat sehr dreckig in Yemen gekämpft. …“
Was war denn da los? Haben die bombardiert und geschossen?“
Ja, so könnte man das sagen. Da wurde bombardiert und geschossen und belagert und ausgehungert, dass mindestens 250 000 Zivilisten tot waren. Und wie das im einzelnen Ablief, kann man sich gut vorstellen, wenn man berücksichtigt, dass in Saudi Arabien Homosexuelle ausgepeitscht oder gleich hingerichtet werden, Gegner des Monarchen einfach verschwinden und politische Gegner vom Prinzlein auch im Ausland in Botschaften gelockt und dann zerstückelt werden, was im Westen auch nur zufällig mal jemanden interessiert, weil der zerstückelte Journalist auch für die Washington Post gearbeitet hatte.
Aber ich glaube das wissen sie alles selbst.
Ich bin nicht der Meinung, dass eine dt. Beteiligung an den Krieg zwischen „Nordjemen“ und Saudis zwangsläufig ist. Ich finde es schwach, dass die BW die Mission Aspides nicht ständig mit dt. Kriegsschiffen bestückt, wie Luftabwehr Fregatten & Minenräumer. Für mehr hat die dt. Politik doch sowieso keinen Mut. Ich hätte da keine Skrupel, einen Deal mit den Saudis zu machen. Flugabwehr & Kampfflugzeuge zu schicken & Militärberater um die schlechte Leistung der Saudischen Streitkräfte zu verbessern, gegen Waffenkäufe oder Öllieferung an BRD. Der BT müsste einem solchen Einsatz zustimmen. Grundlage wären Hilfsbitten von Jemen oder der Saudis.
Ich finde meinen Informationsstand bzgl. der iranischen Ziele in den Golfstaaten (U.S. Basen, Golfstaatenbasen, etc) leider viel zu dürftig, um die Aussage, dass sie eben diese angegriffen haben statt die starken U.S. Amerikaner, nachvollziehen zu können.
Haben z.B. die angegriffenen Rechenzentren (z.B. aws) in der Region militärische Anwendungen ausgeführt?
Militärische Siege werden deshalb schwieriger, weil zum Einen die früher noch trennscharfen Linien zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, militärischen und zivilen Assets und militärischen und hybriden Angriffen und Kriegsmitteln zunehmend verschwimmen.
Gefechte zu gewinnen, ist für den militärisch Überlegenen leicht. Ein Gebiet dauerhaft zu besetzen und zu befrieden und sich gegen asymmetrische Kriegsführung zu wappnen, nicht ganz so. Jedenfalls dann, wenn man sich an Regeln des Kriegsvölkerrechts gebunden fühlt und nicht einfach unterschiedslos (völker-)mordet, plündert und brandschatzt und sich damit jedweder auch innenpolitischer Legitimation beraubt.
Kann natürlich immer noch sein, dass eine Bevölkerung trotz bekannter, übelster Greuel berauscht und begeistert mitmacht. Hatten wir ja durchaus schon mal. Und eigentlich hatten wir auch mal daraus gelernt.
Wo die militärisch überlegene Seite sich nicht durchsetzt, besteht die Ursache in der Regel darin, dass sie die ihr zur Verfügung stehenden Mittel nur in begrenztem Umfang oder nicht wirksam genug eingesetzt hat, und das wiederum liegt meistens an mangelndem politischem Willen. Die Israelis haben im Gazastreifen und im Libanon demonstriert, wie man auf Grundlage von politischem Willen militärische Überlegenheit so in Wirkung umsetzt, dass die gesetzten Ziele erreicht werden.
Wer zu dieser Art der Anwendung militärischer Gewalt in einer Verteidigungssituation nicht bereit ist, sollte zu sicherheitspolitischen Fragen schweigen, weil sich das israelische Beispiel weit unterhalb des Ausmaßes an Gewalt bewegt, das zur Verteidigung Europas gegen einen möglichen russischen Angriff erforderlich wäre. Darüber muss sich jeder im klaren sein. In Europa gab es vor 1990 übrigens nur deshalb Frieden, weil dem Ostblock glaubwürdig vermittelt wurde, dass er im Fall eines Angriffs mit dem Einsatz extremster Mittel inkl. Massenvernichtungswaffen und katastrophalen Verlusten zu rechnen hätte.
@Orontes
„Die Israelis haben im Gazastreifen und im Libanon demonstriert, wie man auf Grundlage von politischem Willen militärische Überlegenheit so in Wirkung umsetzt, dass die gesetzten Ziele erreicht werden.“
Sie haben ihre Ziele erreicht?
In Sicherheit leben?
Scheint mir nicht so.
Oder waren die Ziele Grenzverschiebung? Dann vielleicht ja.
„Wer zu dieser Art der Anwendung militärischer Gewalt in einer Verteidigungssituation nicht bereit ist, sollte zu sicherheitspolitischen Fragen schweigen, weil sich das israelische Beispiel weit unterhalb des Ausmaßes an Gewalt bewegt, das zur Verteidigung Europas gegen einen möglichen russischen Angriff erforderlich wäre“
Und ich sehe nicht, inwiefern ein systematisches Zerstören der russischen Städte in einem Verteidigungskrieg erforderlich sein soll.
„weil dem Ostblock glaubwürdig vermittelt wurde, dass er im Fall eines Angriffs mit dem Einsatz extremster Mittel inkl. Massenvernichtungswaffen “
Und wenn damals nur auf auf die Nukleare Option gesetzt worden wäre, hätte man ja am Rest der Bundeswehr sparen können. Man hat sich aber auch wohl damals die Option offengelassen, bevorzugt konventionell kämpfen zu können.
@lukan
Sicherheit kann man messen. Seit dem Abschluss der jeweiligen israelischen Offensiven ist die Zahl der Vorfälle (Eindringen bewaffneter Kämpfer, Vorfälle mit Drohnen/Raketen/Mörsern etc.) auf Null zurückgegangen.
Bedrohung ist das Produkt von Absichten und Fähigkeiten. Auf Absichten wirkt man durch Abschreckung ein, und auf Fähigkeiten durch physische Zerstörung. Beides scheint den Israelis in relevantem Ausmaß gelungen zu sein.
Sicherheit entsteht, wenn minimale Bedrohung und minimale Schwachstellen zu minimalem Risiko führen. Sicherheit ist somit ein dynamischer Zustand und muss ggf. durch erneutes Einwirken auf Absichten und Fähigkeiten sowie kontinuierliches Schließen von Schwachstellen immer wieder neu hergestellt werden, aber wo dies verstanden ist und mit dem erforderlichen politischen Willen durchgesetzt wird, kann der militärisch überlegene Akteur in der Regel seine Ziele erreichen. Ihre sicherheitspolitischen Fehler haben die Israelis diesbezüglich vor dem 7. Oktober 2023 gemacht und seitdem deutlich dazugelernt.
Warum „die Starken“ lieber Geschäfte machen als Krieg führen, und wie „Gesandte“ Geld einsammeln, damit der größte Kleptokrat aller Zeiten milde gestimmt sein möge. Ein Artikel in der Vanity Fair gibt Einsicht in „The Art of the Deal“ und ein wenig auch wie clevere Geheimdienste agieren.
https://www.vanityfair.com/story/jared-kushner-hacked-phone-secret-negotiations
Warum das hier relevant ist? Nun, diese „Gesandter“ ist bei Gesprächen mit Putin über den Angriffskrieg auf die Ukraine dabei. Hat man den Vanity Fair Artikel gelesen, so mag man sich vorstellen, wie diese sog. Friedensgespräche mit Russland ablaufen, wer davon profitiert, und wer unter den Bus geworfen wird. .
@Orontes
Sie scheinen sich auf einer anderen Zeitlinie zu befinden, hier in dieser Realität passiert etwa gerade das:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/westjordanland-abriegelung-100.html
Und die Israelis die ich kenne, denken schon länger über Auswandern nach oder sind es schon, eben wegen der Sicherheitslage.
[Ich habe schon bei Orontes (bewusst?) provokativem Kommentar befürchtet, dass sich eine Debatte jetzt darum entwickelt. Die ist zwar wichtig, aber im Rahmen dieses Blogs nicht wirklich zielführend. Ich würde darum bitten, die Entwicklung in Israel und Palästina jetzt nicht zum Thema dieses Threads zu machen. T.W.]
Die Moral der Schwächeren ist stärker, weil es schneller an existentielle Grenzen der Gemeinschaft geht. Ein Menschenleben zählt unter solchen Bedingungen deutlich mehr.
Sowohl für Zivilisten als auch für Soldaten macht das Bewusstsein einen gravierenden Unterschied, ob man als Mensch wertgeschätzt wird, oder im „Fleischwolf“ gleichgültig verheizt wird.
Aktuell gibt es dafür ein außerordentliches Beispiel, wo ein UKR Soldat mittels Großdrohne nach 491 Tagen aus der grauen Zone gerettet wurde. Unter gleichen Bedingungen wäre auf der anderen Seite der Mensch buchstäblich „verreckt“ (sorry, aber das muss so deutlich an dieser Stelle gesagt sein), vermutlich hätte sich überhaupt niemand um den Vermissten „geschert“, sondern gleich achselzuckend den Nächsten auf den Weg geschickt.
Sehr lesenswert: https://www.pravda.com.ua/eng/articles/2026/10/23/8059465/
@T.W: Ich war tatsächlich überrascht dass im Diskurs das „Paradox of Power“ mit keinem Wort erwähnt wurde:
Das vom Ökonomen Jack Hirshleifer 1991 formulierte Paradoxon der Macht (Paradox of Power, POP) besagt, dass in Konflikten, Machtkämpfen oder Verteilungskämpfen die schwächeren oder ärmeren Parteien oft besser abschneiden oder ihre relative Position im Vergleich zu den starken oder reichen Parteien verbessern als erwartet
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1468-0343.1991.tb00046.x
Der Nahostkonflikt gilt hierbei gleich mehrfach als Anschauung allein von zwei Perspektiven: 6 Tage Krieg und die Frage, warum Palästinenser überhaupt noch existieren.
Daher die Region zum Thema zu benennen ist eigentlich überhaupt keine Provokation.
Nie vergessen:
Putin hat den Krieg nicht begonnen, nur um mehr Gebiet zu erobern, sondern um die Ukraine wieder in den 🇷🇺 Einflussbereich zurückzubringen und ihre Entwicklung zu einem unabhängigen, in den Westen integrierten demokratischen Staat zu verhindern.
Es war/ist stets Kern des 🇷🇺 strategischen Denkens, Zentrum russischer Doktrin.
Alle Wege führen zu diesem Ziel, auch scheinbare Zugeständnisse.
„Wo der Fuß eines russischen Soldaten steht, das gehört uns“, Wladimir Putin am 21. Juni 2025 auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. In Putins Verständnis sollte die Aussage auch im Präteritum verstanden werden.
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) 26.10.2026 um 10:26 Uhr
Steve Witkoff’s humanist:
> „Wo der Fuß eines russischen Soldaten steht, das gehört uns“
Auch nie vergessen:
Das fotografieren der imposanten und endlosen Reihen von Soldatengräbern in der Russischen Föderation ist strengstens verboten. Auch Stalin wollte nicht an seine Toten erinnert werden, das ist Tradition.
Ebenso verboten ist es, Kriegsversehrte zu fotografieren. Besonders Beinamputierte, die ihren Fuß kaum mehr auf fremdes Territorium stellen können.
Offensichtlich gefährdet die sog. RUS „Spezialoperation“ die Doktrin des „Humanisten“. Russlands Füße werden weniger.