Nach jahrelangem Streit: Neuer Name für die bisherige Lent-Kaserne

Nach jahrelangem Streit um den Namen ist die bisherige Lent-Kaserne in Rotenburg an der Wümme umbenannt worden: An Stelle des bisherigen Namensgebers, eines Jagdfliegers des Zweiten Weltkrieges, tritt ein deutscher Offizier der Befreiungskriege gegen Napoleon, die Kaserne heißt nun Von-Düring-Kaserne.

Die Umbenennung nahm der Parlamentarische Staatssekretär Peter Tauber vor, wie das Heer via Twitter mitteilte:

Um den Namen der Kaserne, in der neben dem Jägerbataillon 91 die 3. Kompanie des Versorgungsbataillons 141 sowie das Sanitätsversorgungszentrum Rotenburg stationiert sind, hatte es längeren politischen Streit gegeben. Die Kaserne war Anfang der 1960-er Jahre nach Übernahme von den britischen Streitkräften nach  Helmut Lent benannt worden, einem der erfolgreichsten Nachtjäger der Wehrmacht. In der Debatte über diesen Namen in den vergangenen Jahren hatten sich sowohl Soldaten und zivile Mitarbeiter am Standort Rotenburg als auch Kommunalpolitiker für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen.

Schon vor Inkrafttreten des  neuen Traditionserlasses der Bundeswehr 2018 hatte jedoch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Namen als nicht mehr sinnstiftend bezeichnet. Nach Gelten des neuen Erlasses hatte das Heer erklärt, der Name Lent könne nicht beibehalten werden.

In der Rede zur Umbenennung sagte Tauber, der neue Namensgeber Johann Christian von Düring Johann Christian von Düring verkörpere im besten Sinne, den Anspruch, den die Innere Führung an die Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr stellt: Er war „freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat zugleich“. Zudem hätten die Befreiungskriege, in denen Düring unter anderem an der Schlacht von Waterloo teilnahm, bis heute sinnstiftende Wirkung.

Mit der Umbenennung der Kaserne in Rotenburg steigt der politische Druck für die Umbenennung einer anderen Kaserne: Die Unteroffiziersschule der Luftwaffe ist in Appen (korrigiert) in der Marseille-Kaserne untergebracht, benannt nicht nach der französischen Stadt, sondern nach dem Wehrmachts-Jagdflieger Hans-Joachim Marseille  – den die frühere Ministerin von der Leyen ebenfalls als nicht mehr sinnstiftend bezeichnet hatte. Die anhaltende Debatte über diesen Kasernennamen hat die Kollegin Julia Weigelt im Mai für den NDR nachgezeichnet.

(Archivbild: Hochdekorierte Offiziere der Luftwaffe, 3. v.l. Helmut Lent, am 21. Juni 1942 in Frankreich – Walter Doell/Wehrmacht via Bundesbildarchiv/Wikimedia Commons)

 

117 Gedanken zu „Nach jahrelangem Streit: Neuer Name für die bisherige Lent-Kaserne

  1. In der Vergangenheit Antworten für das Hier und Jetzt finden? Warum nicht im Jetzt suchen?

    Der ehemalige SecDef unter Trump Mattis, brilliert mit den Tugenden eines Soldaten. Jede PolBil eines Chefs von 5 Minuten hierzu mit gekonnte Bogen zu Pflichtbewusstsein und Eid kann mehr Wert sein als diese verstaubten Gestalten der Vergangenheit.

    Ja, tatsächlich, geografische Namensgebung und damit beginnen Standart und Vorbild im eigenen Selbst, in der Selbstwirksamkeit und Selbstachtung jeden einzelnen Kameraden zu finden. Vorbilder benennen, jeden Tag…

  2. Ich muß zugeben mich nervt das permanente diskreditieren tapferer Soldaten durch das pauschale „aber sie dienten ja dem Dritten Reich“ ganz schön.
    Sind vielleicht in 50 Jahren die Soldaten unserer Bw auch Verbrecher falls sich ein Parlament einem grundfalschen Krieg anschließt in welcher näheren Zukunft auch immer ? Dann müßte es in der Logik so sein denn auch ein falsches Ziel mit Parlamentsbeschluß bleibt falsch.
    Hier im Forum debattierten wir schon den Angriffskrieg der NATO gegen Serbien durch Eigenmandatierung um denen zu begegnen die demokratieschwanger meinen es wäre unvorstellbar …

    Wen dürfen eigentlich unsere U-Bootfahrer als Vorbild haben ? Deren Auswahl ist schon aufgrund der Technik die zum Einsatz kommt auf beginnend WK I beschränkt … Wir sollten ehrlicher umgehen mit den Soldaten die in unterschiedlichsten Epochen im Glauben an ihre jeweilige Führung von der Rechtmäßigkeit überzeugt waren.
    Das persönlich begangene Verbrechen ausscheiden ist ja klar.
    Aber dazu zähle ich nicht per se eine nationale Entscheidung zu einer kriegerischen Auseinandersetzung. Dort würde viel Trennschärfe fehlen und schon die Römer kannten den Ausspruch „vae victis“ … und das gilt heute noch …

  3. @ThoDan sagt: 12.06.2020 um 13:55 Uhr
    „I beg to differ, ich sehe den Dienst in der Wehrmacht prinzipiell nicht als Vorbildhaft für ein Militär in dem ich einst gedient habe und geeignet für den ethischen Standard den ich von der BW erwarte.“

    Jetzt kann man sich darüber streiten ob „der Dienst in der Wehrmacht“ prinzipiell vorbildhaft sein kann oder prinzipiell nicht.

    Aber da es nicht um den Dienst geht, sondern um den Menschen als Vorbild und seine persönlichen Handlungen und Leistungen wäre das auch am Thema vorbei.

    „Welche Ritterkreuze wurden denn für Taten verliehen, die den Verbrechen des 3ten Reiches keinen Vorschub leisteten“

    Zahlreiche. Die Mehrheit war ja nicht an Verbrechen oder „politische“ Leistungen gekoppelt. Die allermeisten (vor allem der ersten Klasse, also des Ritterkreuzes an sich) wurden ja für persönliche Tapferkeit oder für besondere Führungsleistung vergeben. Wenn wir jetzt mal diejenigen ausnehmen, die aufgrund ihres Dienstgrades in hoher Ebene mit ihrer Führungsleistung tatsächlich direkt oder indirekt zu Verbrechen beigetragen haben, bleiben immer noch mehrere Tausend ohne Beziehung zu Verbrechen.

    „aber die Kritik an Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein´s Ehrung zählt dazu, auch die Abwertung von Nichteinsatz oder „nur“ Drinnie Veteranen.“

    Kann ich nicht nachvollziehen. Was hat denn das mit Ihrer ursprünglichen Aussage zu tun? Sie haben doch behauptet, dass hier im Blog Kommentatoren von Landsern und Unteroffizieren ohne Portepee mehr überzogene Leistungen verlangt werden. Was hat das jetzt mit einem Hauptfeldwebel zu tun oder mit Nichteinsätzen oder mit Drinnies?!

    „Militärische Exzellenz erwarte ich nicht, ich habe hohen Respekt vor Menschen obwohl sie nicht großartig in ihrer Aufgabe sind trotzdem aus Pflichtbewusstsein versuchen ihre Pflicht bestmöglich zu erfüllen.“

    Stimme zu. Aber was hat das mit Helden und als Vorbilder und persönliche Projektionsfläche geeigneten Personen zu tun?

    Wo soll denn der Nutzen darin sein, wenn wir eine Kaserne oder einen Lehrgang oder eine Gebäude o.ä. nach jemandem benennen, der nichts herausragendes geleistet hat?

    Wie sollte das den Soldaten der Bundeswehr als Vorbild dienen? Warum sollte jemand das inspirieren und antreiben?

    @G4sez sagt: 12.06.2020 um 14:02 Uhr
    „Man kann die militärischen Leistungen ja auch ohne einen Personenkult betrachten.“

    Der Begriff „Personenkult“ ist mEn unangemessen. Es geht nicht darum einen „Kult“ zu errichten, sondern unseren Soldaten Helden und Vorbilder zu geben.

    Manche argumentieren nun akademisch (und meiner Meinung nach verkopft), dass dies gar nicht notwendig ist. Aber die Erfahrung aller mir bekannten Armeen dieser Welt zeigen das Gegenteil.

    Auch die aktenkundigen Handlungen DEU Soldaten die sich solche Vorbilder aktiv suchen zeigen das Gegenteil.

    Das einzige was daran deutlich wird, ist das wenn man den Soldaten keine authentischen und glaubwürdigen Helden „dienstlich“ bereit stellt, dass sie sich diese selbst suchen.

    Und das dann häufig leider mit zweifelhaften Ergebnissen.

  4. @AoR sagt: 12.06.2020 um 14:22 Uhr
    „Der ehemalige SecDef unter Trump Mattis, brilliert mit den Tugenden eines Soldaten. Jede PolBil eines Chefs von 5 Minuten hierzu mit gekonnte Bogen zu Pflichtbewusstsein und Eid kann mehr Wert sein als diese verstaubten Gestalten der Vergangenheit.“

    Ja, Mattis ist in der Tat ein schneidiger Hund. Ein großartiger Typ und als Vorbild geeignet.

    Aber für wen?

    Selbst wenn wir die Frage der Nationalität mal weglassen (und ich glaube nicht, dass sich der durchschnittliche DEU Soldat darauf einlassen würde), Mattis kann dem normalen Landser oder erfahrenen HptFw oder dem jungen Oberleutnant nichts geben.

    Er ist ein Beispiel und Vorbild für die Ebene Major (deutlich) aufwärts.

    Aber wir brauchen eben auch (mehrheitlich) Beispiele für Hauptgefreite bis Hauptleute.

  5. @SER

    Sehen Sie, so kanns gehen in der Welt. Mir gehen die ganzen Apologeten der Wehrmachtstradition auf den Kranz. Wenn die innere Führung und der Staatsbürger in Uniform integraler Bestandteil der Parlamentsarmee Bundeswehr sind, kann hier Kadavergehorsam keine Tugend sein.
    Mittlerweile stehen auch fast 65 Jahre Bundeswehr nur 10 Jahren Wehrmacht gegenüber.

    Und ja, der Einsatz der Bundeswehr muß auch in Zukunft immer hinterfragt werden. „Damit sie auch morgen noch kraftvoll zubeissen können.“
    Andererseits würde sich Ihre Frage dann auch zu Recht stellen.

  6. @Koffer: Die Frage, wie weit geht Loyalität (?) ist auch Teil der PolBil eines Funker oder Schützen. Die Frage wird in der unverbindlichkeit von Befehlen in der VVO beantwortet, ebenso in der Meldepflicht für besondere Vorfälle.

    Unabhängig der Laufbahn erinnert er uns daran, daß unser Gewissen oberstes Maß sein muss und die Frage, wie das GG (hierzulande) zu einer bestimmten Realität steht.

    Ein Hauptmann des KSK hat eben in diesem Sinne gehandelt.

    P. S: Am Rande, Trump wie Mattis haben wohl deutsche Ahnen.
    P. P. S: Ich denke unter Demokraten kann man schon mal über Landesgrenzen hinweg schauen.

  7. @ Bundesbürger sagt: 12.06.2020 um „Wenn die innere Führung und der Staatsbürger in Uniform integraler Bestandteil der Parlamentsarmee Bundeswehr sind, kann hier Kadavergehorsam keine Tugend sein.
    Mittlerweile stehen auch fast 65 Jahre Bundeswehr nur 10 Jahren Wehrmacht gegenüber.“

    Das Argument drehe ich gerne um.

    Wenn wir wirklich Kadavergehorsam ablehnen und Innere Führung hochhalten wollen, dann kann es nicht sein, dass die politische und militärische Führung unserer Streitkräfte seit Jahren einen berechtigten Bedarf unserer Soldaten ignoriert und versucht legitime Positionen und Meinungen zu unterdrücken.

    @AoR sagt: 12.06.2020 um 17:38 Uhr
    „Die Frage, wie weit geht Loyalität (?) ist auch Teil der PolBil eines Funker oder Schützen.“

    Ja, aber dafür haben wir bereits genügend authentische Vorbilder.

    Da wäre Mattis nur ein weiterer.

    Nicht schlecht, aber eben auch nicht dringend benötigt.

  8. @ Koffer sagt 12.06.2020 um 18:15 Uhr : „Wenn wir wirklich Kadavergehorsam ablehnen und Innere Führung hochhalten wollen, dann kann es nicht sein, dass die politische und militärische Führung unserer Streitkräfte seit Jahren einen berechtigten Bedarf unserer Soldaten ignoriert und versucht legitime Positionen und Meinungen zu unterdrücken.“

    Ja, was soll ich dazu sagen? Ich bekenne hiermit öffentlich, in meinem ganzen Leben noch nie die CDU gewählt zu haben. Sie stellte und stellt aber für die überwältigende Anzahl an Jahren die Regierung Deutschlands. Und ich muss es mit stoischer Gelassenheit erdulden.

  9. @Lawrence:
    „Dass die deutsche Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg einen verbrecherischen Angriffs-, Raub- und Vernichtungskampf geführt hat, ist doch nun wirklich hinreichend historisch belegt.“

    Das ist nicht korrekt.
    Wenn, dann hat die Regierung des Deutschen Reichs einen verbrecherischen Angriffs-, Raub- und Vernichtungskampf geführt. Dazu hat diese Regierung sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft. Militär. Wirtschaft. Kultur. Medien. Beckmesserei? Nein. Man vergleiche bspw. die unterschiedliche Umsetzung des Kommissarbefehls innerhalb der Wehrmacht. Übrigens wurde die Wehrmacht als ganzes noch nicht mal als verbrecherische Organisation untersucht. OKW und Generalstab als Ganzes wurden untersucht und aus formellen Gründen freigesprochen (keine Orga). Einzelpersonen wurden selbstverständlich zur Rechenschaft gezogen und auch hingerichtet.

    Nur weil Brauchitsch folgendes von sich gegeben hat:
    „Wehrmacht und Nationalsozialismus sind desselben geistigen Stammes. Sie werden weiter Großes für die Nation leisten, wenn sie dem Vorbild und der Lehre des Führers folgen, der in seiner Person den echten Soldaten und Nationalsozialisten verkörpert.“, muss dies nicht unbedingt die Einstellung/Meinung der gesamten Einzelpersonen „der Wehrmacht“ im Sinne von Kurt Knispel, Erich Hartmann oder sonst irgendeines Landsers gewesen sein. Rudel, Dietl u.v.a. hingegen haben sicherlich die Einschätzung Brauchitschs geteilt. Die will und braucht aber keiner am Kasernentor.

    Frage an Sie:
    Wie sehen Sie Napoleons wirken? Erkennen Sie einen verbrecherischen Angriffs-, Raub- und Vernichtungskampf, um die Herrschaft über Europa zu erlangen?
    Welchen Umgang empfehlen Sie den Franzosen mit diesem schweren historischen Erbe?

    @Landmatrose:
    „WEG DAMIT! Ich halte es tatsächlich für problematisch, dass auch heute noch in vielen BW-Liegenschaften die BW-Angehörigen Ihren Tag in einer Umgebung verbringen, die noch von der Ästhetik des Nationalsozialismus geprägt ist“

    Viel Erfolg, beim Neubau des Finanzministeriums in Berlin.
    Meine persönliche Meinung ist, diese Bauten stehen für sich selbst und ihre Zeit und erinnern dadurch immer auch an die damaligen Monstrositäten. Kostenlos erfahrbare Museumsbauten mit Nutzwert. Kein Humor.

    Auch an Sie zwei Fragen:
    Wollen Sie die Goldelse in Berlin ebenfalls niederreissen?
    Welchen Tipp geben Sie unseren französischen Nachbarn bzgl. Arc de Triomphe.

    @Koffer:
    +1

  10. @CRM Moderator:

    Dass die Regierung den Weltkrieg inklusive all seiner Gräuel geführt habe ist mMn nichts anderes als eine wohlfeile Behauptung auf Niveau der sauberen Wehrmacht und ähnlicher Nachkriegserzählungen, die man sich gegenseitig erzählte, um die eigene Schuld zu negieren.

    Wie sollte, rein praktisch, die Regierung diesen Krieg denn geführt haben, so ganz alleine? In Polen sind immer noch deutsche Soldaten einmarschiert und auch in Frankreich war das nicht anders. Dass „die da oben“ Schuld waren und ähnliches, ich hatte gehofft, über diese plumpe Ausrede seien wir inzwischen weg.

    Die rein praktische Umsetzung des Krieges war letztlich nunmal Sache der Wehrmacht (wenn auch nicht nur der Wehrmacht).

  11. @Koffer

    Ich würde jetzt davon ausgehen, das prinzipiell jeder Soldat der Wehrmacht der dem Grossdeutschen Reich treu und tapfer gedient hat auch seinen Verbrechen Vorschub geleistet.

    Hat OttoII herausragendes geleistet? Er machte nicht das Amt aber das Amt machte ihn.
    Nicht brilliantes geleistet zu haben, bedeutet nicht – nichts herausragendes gleistet zu haben.

    Wir haben wenn überhaupt nur sehr wenige brilliante Geister, aber das Beispiel herausragender zumindest im Kontext herausragender Pflichterfüllung könnte d eher als Vorbild dienen dem man genügen könnte als ein Helmuth von Moltke

    Hat Romeo Dallaire herausragendes als UNAMIR Commander geleistet? Aber sein Umgang mit seiner Ablösung wegen PTBS macht ihn vorbildlich genug.

    @SER

    Da haben Sie völlig Recht, ein Parlamentsbeschluss macht einen Einsatz nicht
    weniger unrecht und unehrenhaft ggf macht dieser ihn dazu in bester Absicht

    Übrigens zwischen Verbrecher und Vorbild ist noch sehr viel Platz

    @CRM-Moderator

    Die Wehrmacht, ihre Soldaten u.a. haben sich dazu missbrauchen lassen.

  12. @sakrileg:
    Was soll Ihre Polemik.
    Keiner negiert Schuld.
    Keiner behauptet „die da oben“. Sparen Sie sich dieses Strohmannargument.

    Es geht seit 108 Kommentaren um Differenzierung. Scheint Ihnen nicht zu gelingen.

  13. Mag sein, dass man die Wehrmacht von den politischen Zielen des dritten Reichs nur schwer trennen kann, andererseits ist es trotzdem sehr chauvinistisch zu behaupten, dass ein jeder Wehrmachtssoldat ja die Wahl hatte diesem Regime zu dienen oder sich dagegen zu stellen. Objektiv mag es diese Möglichkeit tatsächlich gegeben haben, aber die Folgen wären doch recht fatalistisch gewesen.

    Angenommen folgende Konstellation, ein junger Mann Jahrgang 1925 mit 8 Jahre Volksschule. Ein Kind seiner Zeit, erst Pimpfe, dann Hitlerjugend, seit seinem 7 Lebensjahr wird ihm erzählt was er zu tun hat, was er zu denken hat und wie toll er doch sei. Er bekommt, wie üblich, nach dem Ende der Volksschule 1941 seinen Stellungsbefehl. Alle um ihn herum erzählen ihm von der großen Aufgabe, vom Führer, Volk und Vaterland. Er wird Wehrmachtssoldat.

    Dieser junge Mann hat doch keine ernsthafte Möglichkeit einer anderen Entscheidung, zumal das bedeutet hätte, dass er standrechtlich erschossen worden wäre. In diesem Alter ist auch die Fähigkeit zur Reflektion nicht unbedingt das herausstechendste Merkmal. Er ist Opfer einer verführten Jugend und indoktrinierenden Propaganda.

    @Sakrileg
    Wie hätte dieser junge Mann den Krieg verhindern können?

    Sei es wie es sei. Von mir aus nennt alle Kasernen nach den Landschaften in denen sie liegen, nummeriert sie durch oder nach den Mainzelmännchen.

    Wer aber die Schuld eines jeden Wehrmachtssoldaten an den Verbrechen dieser Zeit unterstellt, der mag bitte einfach mal realistisch über seine Behauptungen bezüglich der Alternativen für die Betroffenen nachdenken.

    Juristisch ist übrigens zu differenzieren zwischen Beteiligung und Schuld, historisch anscheinend nicht … aber das nur so am Rande.

  14. So, jetzt greife ich angesichts des sehr heftigen OT doch mal ein. Es geht in diesem Thread um die Frage der Benennung von Kasernen. Daraus die Debatte zu machen, was mit dem jungen Wehrmachtssoldaten unter den geschilderten Umständen war, ist nicht besonders sinnvoll. Ich wüsste nicht, dass nach jedem dieser Soldaten eine Kaserne benannt worden wäre, die die Diskussion in dieser Form rechtfertigen würde.

    Damit die dringende Bitte, zum eigentlichen Anlass dieser Debatte zurückzukehren.

  15. Ich würde vermuten, dass der Blogbetreiber das Foto bewusst gewählt hat, obwohl es bessere Portraits von Lent gibt, bei denen nicht sechs andere Personen um ihn herumstehen.

    Bedauerlich, dass man offensichtlich Fotos verwenden muss, um eine Nähe zum NS-Regime zu implizieren und konstruieren. Der Persönlichkeit Lents, als Soldat und Christ, wird man damit nicht gerecht, aber das spielt bei höchst ideologisch geführten Debatten keine Rolle, es gibt immer nur die Extreme und dazwischen bleibt nichts.

    Es ist überhaupt ein Symptom unserer Zeit; kein Abwägen, keine Ausgeglichenheit, fehlende Empathie und kein Gefühl für Gerechtigkeit im Umgang mit historischen Persönlichkeiten. Vielleicht ist es auch die Feigheit mancher, die es als Angehörige der Streitkräfte besser wissen sollten.

    [Mal unabhängig von Ihrer recht dreisten Unterstellung, ich würde damit beabsichtigen, fälschlich „eine Nähe zum NS-Regime zu implizieren und konstruieren“: Bitte ein konkreter Hinweis auf Fotos, die frei verwendbar sind – und damit meine ich nicht das recht nichtssagende Standardporträt. T.W.]

  16. @Mathias sagt: 10.06.2020 um 18:15 Uhr
    Gerade erst gelesen.
    Was soll dass denn? Unter Schmutz verstehe ich in diesem Zusammenhang Kriegsverbrechen und nicht das was Sie mir da unterstellen wollen.
    Also lassen Sie das!

  17. Kann man mit leben. Zumindest ist man nicht auf die unsägliche Geschichtslosigkeit, die aus dem aktuellen Traditionserlass spricht, hereingefallen.

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