„Es ist in vieler Hinsicht unser Jahr Null“ – Rede der Verteidigungsministerin bei der Bundeswehrtagung

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Erhöhung der vor allem materiellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr als eines ihrer wichtigsten Ziele in diesem Jahr genannt. Auf dieses Jahr kommt es an – es ist in vieler Hinsicht unser Jahr Null, sagte die Ministerin in der Eröffnungsrede der Bundeswehrtagung in Berlin. In wenigen Tagen solle dafür eine Initiative Einsatzbereitschaft mit konkreten Maßnahmen in Kraft gesetzt werden, die von den Inspekteuren der Teilstreitkkräfte selbst vorgeschlagen worden sei.

In ihrer Rede vor den Admiralen und Generalen der Bundeswehr am (heutigen) Montag kündigte Kramp-Karrenbauer an, dass die Verbesserungder Materiallage in hohem Tempo passieren müsse: Wir laufen einen Marathon, aber wir müssen gleich zu Beginn das Tempo hochhalten. Es geht auf Strecke und auf Zeit, sagte die Ministerin. Ohne eine Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft drohe sonst die politische Unterstützung, die die Bundeswehr für ihre Modernisierung brauche, zu versiegen.

Die geplante Initiative zur Einsatzbereitschaft sieht nach Angaben der Ressortchefin eine Reihe konkreter Maßnahmen vor, die von den Inspekteuren, den Abteilungsleitern im Ministerium und den Präsidentinnen der Bundesämter selbst vorgeschlagen worden sei:  Das sind also Ihre guten Ideen, es ist Ihr Programm, für das sie volle politische Rückendeckung gebe, sagte Kramp-Karrenbauer.

Konkret nannte sie als bereits feststehende Schritte:

• Zunächst im Sanitätsdienst soll Verbrauchsmaterial einfacher und dezentral beschafft werden. Damit könne in einem sehr begrenzten Feld ein Verfahren gefunden werden, wie die Beschaffungsorganisation im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) entlastet werden könne: Die brauchen wir für komplexe Projekte.

• Um die Einsatzbereitschaft von Schiffen und Booten der Marine zu erhöhen, soll geprüft werden, ob die Sofortinstandsetzung wieder zurück in die Verantwortung der Marine gelegt werden solle.

• Das BAAINBw soll mehr Fachpersonal aus den Teilstreitkräften erhalten; das sei auch von den Inspekteuren zugesagt worden

• Die Zahl der Flugstunden des Kampfflugzeugs Eurofighter soll in diesem Jahr erhöht werden.

Details stehen noch aus, die sollen in den nächsten Tagen und Wochen folgen.

Die Ministerin kündigte zugleich an, dass Bundeswehr und Ministerium gegenüber der Industrie auch härter auftreten würden. Die Rüstungsunternehmen seien Partner, aber diese Industrie sei auch auf die Bundeswehr angewiesen, und das unabhängig von der Stückzahl bestellter Waffensysteme: Wir sind als Referenzkunde auch Türöffner für internationale Geschäfte. Aber wenn wir Referenzkunde sind, dann wollen wir auch wie ein Referenzkunde und ein Premiumkunde behandelt werden.

Darüber werde sie auch mit den Unternehmen reden, sagte Kramp-Karrenbauer – und Probleme mit neuen Systemen auch zur Sprache bringen: Ich werde auf jeden Fall mangelhaftes Gerät nicht mehr akzeptieren. Lieber würde sie dem Bundestag erklären, warum bewilligte Gelder nicht ausgegeben wurden.

Im Hinblick auf die Einsätze der Bundeswehr erneuerte die Ministerin ihre bisherigen Aussagen, das auf die Bundeswehr auch neue Einsätze zukommen könnten – und dabei werde es darum gehen, dass Deutschland seinen Verpflichtungen und Zusagen nachkomme: Zentrales Kriterium ist die sicherheitspolitische Notwendigkeit, nicht die parteipolitische Opportunität, sagte sie im Hinblick auf die eigene Partei, vermutlich aber noch viel mehr in Richtung des Koalitionspartners SPD.

Zum kompletten Nachhören: Die Rede der Ministerin:

AKK_Bundeswehrtagung_03feb2020     

 

 

 

 

 

83 Gedanken zu „„Es ist in vieler Hinsicht unser Jahr Null“ – Rede der Verteidigungsministerin bei der Bundeswehrtagung

  1. @Roland09 sagt am 03.02.2020 um 19:45 Uhr
    „Ähm, verstehe ich das richtig? Im Jahr 15 einer ununterbrochenen Folge von unionsgeführten Bundesregierungen und Verteidigungsministerien ist JETZT das Jahr Null? Echt jetzt?“

    Sie haben den Nagel absolut auf den Kopf getroffen. Man hat fast das Gefühl, dass hier auf die Geschichtsvergessenheit der Bw-Führung bzgl. der letzten 20 Jahre gesetzt wird.

    Erinnert mich stark an das, was 15 Jahre lang über den Krieg in Afghanistan erzählt wurde:

    2004: International Security Assistance Force (ISAF) Commander, General Barno, ’without question 2004 will be a decisive year’
    2005: General Abuzaid, ‘2005 will be a decisive year’
    2006: General Richards, ‘2006 will be the crunch year for the Taliban’
    2008: General Champoux, ‘2008 will be a decisive year’
    2009: General McChrystal ‘We are knee deep in the decisive year’
    2010: David Miliband, ‘2010 will be a decisive year’
    2011: Guido Westerwelle, ‘2011 would be a decisive year’
    2011: Obama ‘the US has ‘turned a corner’ in the fight against the Taliban
    2012: General Bradshaw: ‘They are still posing a challenge… But…we have clear evidence that the momentum has been reversed.’
    2017: General Nicholson: The U.S. has “Turned the Corner”, the Trump administration’s plan to beef up the U.S. battlefield presence is a
    “game-changer” that puts Kabul’s battered forces “on a path to a win.”

  2. @ Wa-Ge 05.02.2020 um 1:31 Uhr
    „Ich habe doch ein konkretes Beispiel genannt, wieso stellen Sie die Frage also nicht so: Wie viele Verluste hatte die Bw durch Feindwirkung und wieviele durch ungewollte Schwangerschaftsabbrüche im Kampfraum eines Fahrzeugs bedingt durch die ABC Schutzbelüftung?“

    Ich wußte ja nicht, dass mit Ihrem „(Beispiel mit Absicht so vereinfacht gewählt)“ weiter argumentiert werden soll.
    Vermutlich ist das auch sinnlos, weil der Schutz der Schwangeren ihren Einsatz verbietet?

  3. @ Pete 05.02.2020 um 12:48 Uhr
    „Faktisch benötigt man dann aber diese Führungsebene nicht.“

    Doch! Ein großer Apparat ist zwingend erforderlich, da Verantwortung ein Medium zum diffundieren braucht. ;)

  4. Wo AKK Recht hat, hat sie Recht nur vielleicht anders als sie denkt….mit lauter Nullen als VtdgMin in den letzten Jahren ist nun tatsaechlich „Flasche leer“. Und die Zeit wird zeigen ob die winzigen FlipFlops die vdL hinterlassen hat fure AKK immer noch zu gross sind oder nicht. Hoffung habe ich ja nicht, aber die stirbt ja bekanntlich zuletzt! Also freuen wir uns auf die naechten Folgen im politischen Zirkus, praesentiert in der BRD-Arena in Berlin.

  5. @Escrimador um 09:11 und @Pete um 12:48
    Jetzt nähern wir uns langsam dem wirklichen Problem der Bundeswehr!
    Neben (und nicht NACH) den diversen VM der letzten 15 Jahre haben insb. unsere Spitzenmilitärs den derzeitigen Zustand der Bw mitzuverantworten. Jahrelang haben sie der unterstellten Truppe „das Glas halbvoll“ geredet, alle politischen Änderungen schöngeredet und sich mit „80-Prozentlösungen“ nicht nur zufrieden gegeben sondern diese „nach oben“ als Erfolge verkauft.
    Wenn man bzw. AKK wirklich eine „Stunde null“ will, dann sollte sie die komplette militärische Führung der Streitkräfte in den (wohlverdienten?) Ruhestand schicken und unverbrauchte Macher mit dem Umkrempeln der Streitkräfte beauftragen.

  6. @Escrimador:

    Natürlich ist keinem gedient, wenn ohne Not gefährliches, unsicheres oder untaugliches Gerät genutzt wird.
    Aber man hat schon deutlich den Eindruck, dass die BW sich bei dem Versuch, jedwedes Risiko auszuschließen, gehörig verrannt hat.

    Zum Vergleich:
    Man bekommt nicht weniger Schießunfälle und sonstige Vor-/Unfälle mit Waffen, indem man den Soldaten möglichst selten geladene Waffen gibt.
    Man erreicht dieses Ziel, indem die Soldaten möglichst oft sinnvollen Umgang mit geladenen Waffen haben, so dass die richtige Handhabung in Fleisch und Blut übergeht und eine positive Handhabungskultur entsteht.

    Wenn übertriebenes „es könnte ja was passieren“ dazu führt, dass die Soldaten den praxisnahen Umgang mit ihrem Arbeitsgerät, seien das nun Waffen, Werkzeuge, Fahrzeuge etc., nicht mehr erlernen können, dann besteht dringender Änderungsbedarf.
    Analog dazu die Frage, ob man offensichtlich nachgeordnete Vorschriften einhält oder den Auftrag voranstellt.
    DAS ist der große Mentalitätswechsel, der zwar bisweilen beschworen, aber nie umgesetzt wird. Wie einige andere hier sehe ich die BW als Organisation dazu mittelfristig gar nicht in der Lage und das nur zum Teil selbstverschuldet: Hier ist die BW nicht der Spiegel, sondern das Brennglas der Gesellschaft.

  7. @Escrimador:
    „Der Zustand des Vorhandenen Materials und Personals hat damit aber wenig zu tun.
    Und ich spreche bezüglich Rüstung und Materiallage nicht von einigen wenigen Leuchtturmprojekten: Was ist denn im Heer nicht „neu“?“

    Der Zustand – gemeint ist wohl die Einsatzbereitschaft? – liegt vorallem an einer professionellen logistischen Versorgung.
    Gerade daran mangelt es seit Jahren.
    Unabhängig davon wie alt oder neu Material ist.

    Zudem gibt es genug altes (> 20 Jahre) oder schlichtweg nicht vorhandenes Material im Heer insgesamt:

    Handwaffen, persönliche Ausstattung, Nachtsicht, Nachtkampf, Nachfahren, Funk (!)/ FüInfoSys, Fahrzeuge (z.B. M113/M577, SPz Marder 1A3, KPz Leopard 2A6, PzH2000, Wiesel 1, TPz Fuchs A4/A5, etc. ) , Gefechtsstände, Munition, usw.

  8. @ Bold 05.02.2020 um 21:20 Uhr
    „Analog dazu die Frage, ob man offensichtlich nachgeordnete Vorschriften einhält oder den Auftrag voranstellt.
    DAS ist der große Mentalitätswechsel, der zwar bisweilen beschworen, aber nie umgesetzt wird. Wie einige andere hier sehe ich die BW als Organisation dazu mittelfristig gar nicht in der Lage “

    Wenn wir bei der Frage „Auftrag oder Vorschrift“ noch einen strengen Maßstab anlegen gehe ich da mit.

    @ Memoria 06.02.2020 um 0:17 Uhr
    „Der Zustand – gemeint ist wohl die Einsatzbereitschaft? – liegt vorallem an einer professionellen logistischen Versorgung.“

    Nicht ganz: Man kann alles schneller kaputt als heile machen. Aber ich gebe zu, dass auch die Logistik ein Problem ist. Das hat aber nichts mit Schrumpfen zu tun. Und denken Sie an die HIL, die Großgerät alle 2-4 Jahre werksinstandsetzt.
    Ansonsten ist vieles von dem was Sie aufzählen in der „Schrumpfungsphase“ neu gerüstet oder kampfwertgesteigert worden.

  9. @ Lucky.Sailor sagt: 05.02.2020 um 15:17 Uhr

    „Neben (und nicht NACH) den diversen VM der letzten 15 Jahre haben insb. unsere Spitzenmilitärs den derzeitigen Zustand der Bw mitzuverantworten. Jahrelang haben sie der unterstellten Truppe „das Glas halbvoll“ geredet, alle politischen Änderungen schöngeredet und sich mit „80-Prozentlösungen“ nicht nur zufrieden gegeben sondern diese „nach oben“ als Erfolge verkauft.“

    Genau so ist es und die nächste Generation Schön-Redner aka Spitzenmilitär steht schon in den Startlöchern und schaut derzeit verzweifelt, wie of sich das (Wind-) Fähnchen dreht.

  10. @Escrimador:
    „Nicht ganz: Man kann alles schneller kaputt als heile machen. Aber ich gebe zu, dass auch die Logistik ein Problem ist. Das hat aber nichts mit Schrumpfen zu tun. Und denken Sie an die HIL, die Großgerät alle 2-4 Jahre werksinstandsetzt.
    Ansonsten ist vieles von dem was Sie aufzählen in der „Schrumpfungsphase“ neu gerüstet oder kampfwertgesteigert worden.“

    Ich verstehe immernoch nicht, was sie am Schrumpfen der Bundeswehr als Ausrede ansehen. Gerade auch in der Logistik wurden Lager und Lagerbestände erheblich geschrumpft und bis nicht wieder aufgefüllt.
    Deswegen verzögert sich übrigens auch so manche Werksinstandandsetzung – mit negativen Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft.

    Die von mir genannten Ausrüstungsgegenstände wurden nur teilweise modernisiert. Sie sind teilweise sogar noch in der Mehrheit auf einem veralteten Stand.
    Das ist die Realität in der Fläche in den Verbänden.

    Ich teile ja ihre Meinung, dass das „Schrumpfen“ nicht die alleinige Fehlerquelle der Bundeswehr ist, aber warum die Schrumpfung – aus finanziellen Gründen – eine Ausrede ist verstehe ich weiterhin nicht.
    Vielleicht weil sie meinen es könnte schon längst wieder besser laufen?

    Da wären wir uns dann ebenfalls einig.

  11. @ Memoria 06.02.2020 um 19:23 Uhr
    Nun, das Schrumpfen erfolgte mit dem Ziel, Personal und Material abzubauen. Eine Verringerung der Einsatzbereitschaft des nach dem Schrumpfungsprozess noch vorhandenen Personals und Materials war nicht das Ziel.
    Parallel zur Schrumpfung sollte die Bundeswehr professioneller und auf Einsatz ausgerichtet werden. Damit konnte es durch das Schrumpfen eigentlich nicht zu einem Verlust an Einsatzbereitschaft der am Ende noch vorhandenen Kräfte kommen.
    Die mangelhafte Einsatzbereitschaft hat also wohl andere Gründe-das Schrumpfen ist damit bezüglich der mangelhaften Einsatzbereitschaft nur Ausrede.

    Auch der ET-Mangel ist selbstverschuldet. Die Industrie benötigt sicher durchaus lange Zeit, um ET nachzufertigen. aber wir haben das Problem schon über 5 Jahre-so lange dauert es dann doch nicht. Und grade bei altem Gerät sollten die mit Masse benötigten ET inzwischen bekannt sein.
    Wenn Sie dann noch ansehen, wer z.B. den Pima z.Zt. überhaupt instandsetzen darf.

  12. Escrimador sagt:
    06.02.2020 um 21:38 Uhr
    @ Memoria 06.02.2020 um 19:23 Uhr
    „Nun, das Schrumpfen erfolgte mit dem Ziel, Personal und Material abzubauen. Eine Verringerung der Einsatzbereitschaft des nach dem Schrumpfungsprozess noch vorhandenen Personals und Materials war nicht das Ziel.
    Parallel zur Schrumpfung sollte die Bundeswehr professioneller und auf Einsatz ausgerichtet werden. Damit konnte es durch das Schrumpfen eigentlich nicht zu einem Verlust an Einsatzbereitschaft der am Ende noch vorhandenen Kräfte kommen.“

    Willkommen beim Kurs für realitätsverweigernde Militärreformphilosophie.
    Da es offiziell nicht das Ziel war, die Bundeswehr zu ruinieren, konnte das auch gar nicht passieren. Will sich da jemand als neuer Generalinspekteur bewerben?

    Stichwort „Einsatz“, da wurde von Landes- und Bündnisverteidigung auf Hilfspolizeitruppe umgestellt. Darunter hat die Einsatzbereitschaft der klassischen Bereiche schon irgendwie gelitten, Stichwort dynamisches Verfügbarkeitsmanagement. Von 100% Ausstattung ging es auf 70 runter. Ein Schrumpfen, das natürlich nichts mit den heutigen Problemen zu tun haben kann, weil ja jetzt alles professionalisiert ist. Das Waffensysteme nicht mehr modernisiert und die Instandhaltung zerschlagen wurde, ist natürlich auch eine Professionalisierung. Es handelt keinesfalls um ein Schrumpfen, das Folgen gehabt haben könnte.

  13. @SvD

    „…realitätsverweigernde Militärreformphilosophie“

    ;;;) made my day 1+++

    pi

  14. @SvD 07.02.2020 um 4:27 Uhr
    „Willkommen beim Kurs für realitätsverweigernde Militärreformphilosophie.
    Da es offiziell nicht das Ziel war, die Bundeswehr zu ruinieren, konnte das auch gar nicht passieren.“

    Hab ich gesagt, dass es nicht passiert ist? Es hätte aber nicht passieren dürfen und das Schrumpfen ist auch nicht der Grund.
    Die Deutsche Bank schrumpft auch-aber um den Ruin zu vermeiden.

    Was wissen Sie vom dynamischen Verfügbarkeitsmanagement? Ich weiß, dass die Taktiker nicht in der Lage waren ihre Ausbildung n Blöcken zu planen
    und das Großgerät angeblich ständig benötigten.
    Instandhaltung zerschlagen? Erinnern Sie sich nicht an die Zeit, als der Taktiker ZivilInst für alles forderte?
    Nicht nur das Gerät für LV ist nicht einsatzbereit, auch das der „Hilfspolizeitruppe“.
    Und: Seit Jahren wird gegen den Zustand gegengesteuert, warum bleibt das erfolglos? Weil vor Jahren mal geschrumpft wurde? So lange dauert die Produktion von ET nicht.

  15. Aus gegebenen Anlass, möchte ich erwähnen, dass, falls es keine zwei AKKs gibt, mein Vertrauen in unsere aktuelle Verteidigungsministerin etwas nachgelassen hat. Das beträfe vor allem Ihr angekündigtes Auftreten gegenüber der Industrie. Hoffe aber zugleich, eines anderen belehrt zu werden.

  16. @Escrimador und @SvD

    Letztendlich ist die Feststellung des Anteils des Schrumpfungsprozesses an dem jetzigen Zustand unerheblich. Das wirklich traurige ist doch, das es bisher (in den letzten 5 Jahren)nicht gelungen ist, das „Ruder herumzuwerfen“ und Ersatzteile, persönliche Ausrüstung oder einfach anderen benötigten Kleinkram zu beschaffen. Und da bin ich bei @Escrimador, das zeugt schon von Unfähigkeit, man steht sich selbst im Weg.

  17. @ Escrimador

    Zitat: „Und: Seit Jahren wird gegen den Zustand gegengesteuert, warum bleibt das erfolglos? Weil vor Jahren mal geschrumpft wurde? So lange dauert die Produktion von ET nicht.“

    Haben Sie schon mal versucht ein Fernsehgerät zu reparieren ?

    Die notwendigen Bauteile dazu können sie im Elektronikteileversand bestellen. Nun stellt Ihnen also jemand die Teile zur Verfügung. Warum können Sie trotzdem das Fernsehgerät nicht reparieren ? Weil Sie das nötige Wissen wie das Gerät aufgebaut ist nicht haben, sie Handwerkstechniken wie die Fehlersuche in komplexen Schaltungen nicht beherrschen, das notwendige Testequipment nicht haben und zu guter letzt feinmechanische Fähigkeiten wie das Löten an miniaturisierten Schaltkreisen in Mehrschicht-Layer Platinen nicht beherrschen !

    Was brauchen Sie also ? Sie brauchen spezielles Instandsetzungspersonal das die entsprechende Ausbildung hat und auf das entsprechende Gerät geschult ist. Sie brauchen Werkstätten und Testequipment und last but not least Ersatzteile, die auf Vorrat produziert und eingelagert wurden. AKK hat ja festgestellt, „Just in time“-Instandsetzung hat bei der Bw nicht funktioniert.

    So jetzt kommt die große Überraschung: Die Industrie hat all diese Fähigkeiten und Infrastruktruanforderungen auch nicht (mehr). Früher gab es mal die Forderungen wenn der Bund (also auch Post oder Bahn) technische Artikel gekauft hat, dass der Hersteller die mindestens 10 Jahre logistisch betreuen und instandsetzen kann. Davon sind wir in der heutigen Industrieproduktion schon lange entfernt !

    Auch die wehrtechnische Industrie ist von diesen Verhältnissen schon lange entfernt ! Die können gerade mal etwas produzieren, die Dokumentation wird schon schwierig bis unmöglich (wie man gerade wieder beim Sea Lion gesehen hat) und Ersatzteile auf Vorrat und geschultes Personal für die Instandsetzung sind für die Industrie tote Kosten, wenn sie nicht ständig abgerufen werden. Die Bundesregierung ist aber bei der Einführung von neuen Waffensystemen davon ausgegangen, dass die Industrie die Bereitstellungskosten für Logistik (Personal und Ersatzteilbevorratung) genauso übernimmt wie die Autoindustrie dies macht.
    Die Industrie überlegt sich aber sehr genau, wieviel Mitarbeiter sie im technischen Service für wehrtechnische Produkte einsetzt. Vor allen Dingen werden diese Mitarbeiter kaum regeneriert. Man setzt auf Altersteilzeit und hofft wenn die Mitarbeiter endgültig in Rente sind, ist die Instandsetzung des Produktes ausgephast. Jetzt werden aber aus HH-Gründen Bw-Systeme 30 Jahre und länger in Service gehalten, also länger als das Berufsleben eines Technikers oder anderweitigen Support-Mitarbeiters der Industrie oftmals dauert. Dann hilft Ihnen die ganze Ersatzteilbestellerei nichts, die Industrie hat niemanden mehr, die milit. Instandsetzung wurde eingestellt, eine Ausbildung für die Instandsetzung findet Bw-intern nicht mehr statt und somit muss auch ein neuer Industrietechniker mühevoll von der Pike auf lernen und das macht die Industrie nur, wenn eine Verdienstperspektive mit dem Mitarbeiter für die nächsten 10 Jahre vorhanden ist.

  18. @Escrimador:
    Die Professionalisierung erfolgte eben in Richtung Auslandseinsätze – also weg von LV/BV. Daher ist die Refokussierung ja durchaus schwierig. Einfaches Beispiel:
    Über Jahre wurden Panzerbataillone bei KFOR in Zweitrolle eingesetzt. Die Fähigkeiten im Bereich der Panzerei auf der Kompanieebene und höher schrumpfte damit erheblich, da man sich mit CRC, FLW, Dingo, Eagle, etc in der Ausbildung beschäftigen musste. Die Soldaten wurden also professioneller für die Zweitrolle und waren nicht mehr wirklich für die Erstrolle professionell ausgebildet. Damit wird hoffentlich deutlich:
    Professionalisierung für Einsätze hat eben auch seine Schattenseiten.
    Diese Probleme sind durch VJTF und eFP weiterhin gegeben, da schlichtweg Großgerät fehlt (dynamisches Verfügbarkeitsmanagement ist kein Versagen der „Taktiker“), Ersatzteile, Munition, etc immernoch fehlen.

    Bei den Ersatzteilen gebe ich Ihnen recht, dass es deutlich schneller besser werden müsste.
    Das Problem war aber das Schrumpfen vor einigen Jahren.

    Das Jahr Null (um auf die Rede zurück zu kommen) ist 2020 dabei sicher nicht.

    @Georg:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie hier vom fliegenden Bereich zu stark verallgemeinern.
    Im Landsystembereich gibt es durchaus umfangreiche Fähigkeiten der Industrie,ä.
    Da diese von der Bw nicht ausgelastet werden, werden Aufträge für NATO-Verbündete übernommen.

    Woran es fehlt ist ein echter Ruck im BMVg und dem nachgeordneten Bereich, um die Einsatzbereitschaft wirklich zu verbessern.
    Bisher ist eher Verantwortungsdiffussion erkennbar.

    Wenn die Ministerin die Initiative Einsatzbereitschaft ernst meint, dann muss sie das eigene Haus ordnen, klare Zuständigkeiten schaffen, Dauerbedenkenträger überwinden und eine sinnvolle Kooperation mit der Industrie vorantreiben. Dabei muss man die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Luft, Land, See beachten.

    Es würde deutlich mehr gehen – jedoch kaum sichtbar bis Ende 2020. Jedoch deutlich sichtbar bis Ende 2021.
    Aber das ist ja nach der Bundestagswahl.

  19. @ Memoria 07.02.2020 um 19:47 Uhr
    „Die Soldaten wurden also professioneller für die Zweitrolle und waren nicht mehr wirklich für die Erstrolle professionell ausgebildet….“

    Und welches unserer heute beklagten Probleme wird dadurch verursacht? Personalmangel? Fehlende materielle Einsatzbereitschaft?

    Nein , dynamisches Verfügbarkeitsmanagement ist kein Versagen der Taktiker. Die Taktiker haben bei der Planung und (dann gar nicht mehr erfolgten) Durchführung desselben versagt.

    Was hat die fehlende materielle Einsatzbereitschaft heute mit dem Schrumpfen vor 10 Jahren zu tun?
    Und fehlt uns heute Munition weil die Bundeswehr geschrumpft ist?

  20. @ Georg 07.02.2020 um 14:27 Uhr

    Oh. Sind sie Instandsetzer oder Logistiker?
    Ich schon. Sie ziehen die falschen Schlüsse.

  21. @Escrimador:
    Das Problem bis heute ist ein unzureichendes Ausbildungsniveau, da weiterhin nicht genug Material vorhanden ist. Siehe Zusammenziehung von Grossgerät für die VJTF, das in den anderen Verbände fehlt und dort mit Substituten ausgebildet werden muss (siehe auch Jahresbericht des Wehrbeauftragten).
    Die Lücken sind einfach weiterhin zu groß und so wäre es auch mit dem dyn. Verfügbarkeitsmanagement gewesen. Es ist nicht in erster Linie ein organisatorisches Problem, sondern ein zu großes Delta zwischen Auftrag und Mitteln.

    Bei den Ersatzteilen sind wir uns ja einig, daß sage u.a. ich hier seit Jahren.

  22. @ Memoria

    Ja, wahrscheinlich habe ich vom Luftfahrtbereich zu sehr auf die restliche wehrtechnische Industrie in Deutschland geschlossen.

    @ Escrimadator

    Zitat:
    „Oh. Sind sie Instandsetzer oder Logistiker?
    Ich schon. Sie ziehen die falschen Schlüsse.“

    Ja, ich habe 35 Jahre u.a. als LfzEloOffz im Verband und als RüstOffz im Amt gearbeitet. Bitte erklären Sie welche falschen Schlüsse ich bei der Beurteilung der Eurofighterproblematik für die Lw gezogen habe und erklären Sie bitte ihre Ansichten zu dem Thema.

    Schön wäre es, wenn Sie zu den Versprechungen der Industrie etwas schreiben würden, also bevor die Bw-eigenen Instandsetzungs- und Depotkapazitäten abgebaut wurden und wie sich die Lage dann nach der Entscheidung zugunsten der Industrie entwickelt hat.

    Gern auch zu den „Bundeseigenen Lagern“, vorgeschoben disloziert bei den industriellen Instandsetzern, die sie nach der exklusiven Instandsetzungsübernnahme durch die Industrie nicht weiter gefüllt sonden nur geleert haben und die anschließend die Bw dafür verantwortlich gemacht haben nicht rechtzeitig Nachschub bestellt zu haben.

    So hatte sich die Bw die Single Source Logistik aus einer Hand durch die Industrie nicht vorgestellt, dass sie weiter die Ersatzteile vorher kaufen muss und dann der Industrie kostenlos oder zum Einkaufspreis zur Nutzung überlassen muss.

    Aber ich freue micht auf ihre Erfahrungen, warum das Desaster der Materialerhaltung ab 2012 nicht in erster Linie durch die betreuende Industrie zu verantworten ist.

  23. zum Thema Versagen, Outsourcing, Beschaffung von Bekleidung-Ausrüstung-Verpflegung und Instandsetzung incl. der Bevorratung von Ersatzteilen.

    Versagt haben all diejenigen die das alles zugelassen haben und aus Karrieregründen schön den Mund gehalten haben!
    Zur Rechenschaft gezogen gehört auch die „Clique“ die nun aus unerklärlichen Gründen an Erinnungsverlust leidet. Da fangen wir am besten einmal bei der ehemaligen VM`in nebst ihrer Berater-und Ja-sager Gefolgschaft an.
    Sorry, aber da bekomme ich „Schaum vor dem Mund“.

  24. Memoria 08.02.2020 um 7:54 Uhr
    Das Problem des Ausbildungsniveaus ist, glaube ich, noch gar nicht auf dem Tisch.
    Wieviel Ausbildung aber tatsächlich getrieben wird und würde, wenn tatsächlich Material da wäre, weiß heute wohl keiner.
    Ich weiß aber, dass da früher weniger stattgefunden hat als möglich und auch damals schon nötig gewesen wäre.

  25. @ Georg 08.02.2020 um 13:21 Uhr
    „So hatte sich die Bw die Single Source Logistik aus einer Hand durch die Industrie nicht vorgestellt, dass sie weiter die Ersatzteile vorher kaufen muss und dann der Industrie kostenlos oder zum Einkaufspreis zur Nutzung überlassen muss.“

    Nehmen wir Ihre o.a. Anmerkung als Beispiel: Ihnen ist klar, dass die Bundeswehr genau das vertraglich vereinbart hat, was Sie hier beklagen?

  26. @Escrimador; 09.02.2020 um 17:05 Uhr
    „Ich weiß aber, dass da früher weniger stattgefunden hat als möglich und auch damals schon nötig gewesen wäre.“

    Können Sie dies bitte zeitlich zuordnen?

  27. @Escrimador sagt:09.02.2020 um 17:05 Uhr

    „Ich weiß aber, dass da früher weniger stattgefunden hat als möglich und auch damals schon nötig gewesen wäre.“

    Mal abgesehen davon, dass man nur üben kann, wenn man die Gelegenheit dazu hat, und die haben eben viele Verbände im Moment gar nicht. Von daher stehen die auch gar nicht vor der Entscheidung, ob sie ausbilden oder nicht, hat das mit dem Thread nur am Rande zu tun.
    Ihre Aussage lässt sich auch nicht verallgemeinern, das hing doch immer stark am Kommandeur und Kompaniechef, was los war. Heute liegt es an der Verfügbarkeit von Material und Ressourcen, ob man etwas hinbekommt oder nicht. Das ist schon ein gravierender Unterschied.

  28. Spätestens heute, seit ihrem angekündigten Rückzug als Parteichefin und Kanzlerkandidatin, sollte allen Berufsoptimisten klar sein, dass AKK kaum noch politisches Gewicht hat, um die Bundeswehr aus ihrer „Stunde Null“ erfolgreich herauszuführen.
    Damit ist „das Glas“ endgültig nicht nur „halbleer“ sondern völlig leer!

  29. @Lucky Sailor & all

    Im Hinblick auf die politische Zukunft von AKK würde ich gerne noch ein bisschen abwarten, bis Klarheit besteht, was das für das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr bedeutet, ehe wir in die Debatte darüber einsteigen…

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