Deutscher General erster EU-Verteidigungsattaché in Washington

Fürs Archiv: Erstmals verstärkt ein Militär die Delegation der Europäischen Union in den Vereinigten Staaten – und es ist ein deutscher Brigadegeneral. Fritz Urbach, zuletzt beim Deutschen Militärischen Vertreter bei EU und NATO in Brüssel tätig, ist seit diesem Januar Military Advisor der Europavertretung für die USA und Kanada.

Die neue Verwendung des Offiziers hatte das Verteidigungsministerium eher beiläufig in der regelmäßigen Auflistung der Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenstellen im Dezember 2019 angekündigt. Auf Nachfrage bestätigte das Wehrressort jetzt: Auch wenn es in anderen Ländern schon länger solche – faktischen – Militärattachés in den EU-Vertretungen gibt – für die USA ist das eine Neuerung seit diesem Jahr.

Urbach war vor seinem Wechsel nach Brüssel unter anderem als Leiter des UN-Referats im Berliner Verteidigungsministerium tätig. Und er hat auch Einsatzerfahrung – zum Beispiel als Kommandeur des Provincial Reconstruction Team (PRT) Faisabad in Afghanistan 2010 (Foto oben). Zu seinen Verwendungen gehörte zudem die Tätigkeit als Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf. Seinen Einsatz in Afghanistan porträtierte die Deutsche Welle 2011 in ihrer Serie 9/11 und die Folgen.

(Archivbild September 2010: Der damalige Kommandeur des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Faisabad, Oberst Fritz Urbach, mit dem damaligen Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Kossendey – Sebastian Wilke/Bundeswehr)

9 Gedanken zu „Deutscher General erster EU-Verteidigungsattaché in Washington

  1. Der „Military Advisor der Europavertretung für die USA und Kanada“ in deutscher Uniform ist tatsächlich ein bemerkenswerte Entschluss.
    Wer in der EU trifft diese Entscheidung, werden alle Staaten zur Präsentation geeigneter Kandidaten aufgefordert?
    Ist die Annahme vermessen, dass ohne den Brexit die Personalie anders besetzt worden wäre, was nicht zwangsläufig britisch erwarten ließe?
    Ein früherer Kdr PRT und AusbZSpezlOp hat sich zudem Gefechtswind um die Nase wehen lassen, was sehr für den General spricht.
    Glückwunsch und viel Soldatenglück.

  2. Die Verbindungen zu UK und FR sind, seit je herm für Einsätze „OverSea“ etabliert und vorhanden.
    Schwieriger sind die Verbindungen zum Rest Europas, und dabei im Speziellen zu DE. Hier ist das Handeln der Aktöre für die USA und die EU oft nicht vorauskalkulierbar.

    Aufgrund seines relativ großen Einflusses von Deutschland auf die Sicherheitspolitik der EU, hat die EU selbst und natürlich auch Washington ein Interesse daran, dass Deutschland hier vertreten ist. Man ist damit ein wenig näher am Zünglein an Wage.

    Es ist ja nicht so, als ob aus Deutschland nie Vorschläge kommen, wie man sich sicherheitspolitisch relevant engagieren könnte, nur eben immer mit dem Verweis auf die EU. Nun scheint man dabei zu sein, das alles etwas wörtlicher zu nehmen.

    Von daher ist die Personalia für mich nachvollziehbar. Allerdings wird das wohl besser ein rotierender Posten.

    Erstaunlich ist für mich, das es diesen Posten erst jetzt gibt. Und gibt es so eine dezidierte Vertretung auch schon gegenüber Anderen Staaten/ Bündnissen ?

  3. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) ist schon an sich fragwürdig, da es eine einheitliche Außenpolitik ja nicht gibt.
    Letztes Beispiel Libyen (https://www.nytimes.com/2020/01/17/world/europe/libya-eu-russia-turkey.html).

    In der Verteidigungspolitik kommt auch nicht wirklich viel voran.

    Trotzdem werden immer neue hochdotierte Posten geschaffen, deren Mehrwert nicht immer erkennbar ist. Aber teilweise scheint ja schon das Schaffen neuer Dienstposten ein Ziel in sich zu sein.

    Während die nationalen Streitkräfte immer neue Ziele (Fähigkeiten und Einsätze) von diesen Organisationen bekommen, die national aber nicht ausreichend mit Mitteln hinterlegt sind.

    Auch da ist Libyen ein gutes Beispiel.

    Die EU befördert aktuell eine Mission zur Überwachung eines möglicherweise morgen in Berlin zu beschließenden Waffenstillstandes.

    Die Ministerin schließt eine Deutsche Beteiligung daran nicht aus:
    https://www.deutschlandfunk.de/libyen-kramp-karrenbauer-haelt-beitrag-der-bundeswehr-zu.1939.de.html

    Da hat dann auch der Militärattachée in Washington gleich was zu tun, da sie USA ja auch an Libyen sehr interessiert sind.
    Warum man immer Ansprechpartner auf verschiedenen Ebenen schafft – ohne andere abzuschaffen halte ich trotzdem für eine teure und ineffiziente Fehlentwicklung.

    [Eleganter Versuch, jetzt endlich mal Libyen hier zum Thema zu machen ;-) Ich habe die Entwicklung im Auge, warte aber noch ein wenig. ok? T.W.]

  4. @Da es seit langem einen EU-Außenbeauftragten gibt, Joseph Borrell seit der UvdL Übernahme, muss dieser, und damit die EU an sich auf einen Auswärtigen Dienst mit EU-„Führerschein“ zurückgreifen können. Wen sollte eine Mogherini, jetzt Borrell, auch diplomatisch ins Rennen werden können.
    Und Borrell und Libyen, … da tut sich was

  5. Ein europäischer Attache macht trotz aller berechtigten Einwände sehr wohl Sinn.

    Wenn ein US-Vertreter eine allgemeine Anfrage nach Fähigkeiten in der Region stellt haben sie jetzt einen Ansprechpartner und nicht mehr 23.

    Wen hätte die US-Luftwaffe denn vorher wegen einer kurzfristischen Luftbetankung fragen sollen? Jetzt haben sie einen Ansprechpartner der zwar trotzdem „Nein“ sagt aber immerhin auf die verantwortlichen Stellen verweisen kann. Ok, da hab ich absichtlich etwas zu viel Salz reingetan. Aber schon bei einer mittelfristigen Anfrage kann das die Kommunikation deutlich verbessern da ich einem europäischem Attache unterstelle daß er über europäische Caveats bestens informiert ist, daß er an entsprechende Kanäle weiterleiten kann und Kontakte herstellen kann. Auch ohne Befehlsgewalt ist Kommunikationshoheit ein scharfes Schwert.

  6. @Wait&C
    Welches sind die „berechtigten Einwände“, sowie von wem aufgestellt und wie begründet?

  7. Heisst das in Deutschland tatsächlich Verteidigungsattaché und nicht Militärattaché?

    Ich weiss, ich bin schon mal ein Erbsenzähler.

    [Ach, wie beruhigend, wenn hier die wirklich wichtigen Details debattiert werden. Gibt beide Begriffe, wahrscheinlich ist nur einer davon offiziell, ansonsten woanders weiterspielen. T.W.]

  8. @Edgar Lefgrün und T.W.:
    Militärattaché: allgemeiner Begriff für Verteidigungs-, Heeres-, Luftwaffen-, Marine- und Wehrtechnischer Attaché
    Verteidigungsattaché: leitet den Militärattachéstab an einer Auslandsvertretung

    Also: sowohl als auch

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