Merkposten: Frankreich will „aktive Verteidigung“ im Weltraum

Am Vorabend des französischen Nationalfeiertags hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron die Aufstellung eines Weltraumkommandos angekündigt. Was das im Detail bedeutet, blieb da noch offen – am (heutigen) Donnerstag hat Verteidigungsministerin Florence Parly dazu mehr gesagt.

Ihre Rede auf der Luftwaffenbasis Lyon zum Nachlesen im Original hier, und das wird – nach genauerer Betrachtung – bestimmt noch zu einer Debatte führen. Als Merkposten ein Punkt: Für eine aktive Verteidigung will Frankreich Satelliten mit Laserwaffen ausrüsten, die sich gegen gegnerische Satelliten wehren können – und setzt dabei auch auf Zusammenarbeit mit Deutschland.

Aus der Rede Parlys die Passage:

Mit diesen neuen Überwachungsmöglichkeiten werden wir in der Lage sein, unsere aktive Verteidigung zu organisieren. Und hier möchte ich präzisieren: Aktive Verteidigung ist keine offensive Strategie, es geht um Selbstverteidigung. Sie ist, wenn eine feindliche Handlung festgestellt, charakterisiert und zugeschrieben wurde, in der Lage, in angemessener und verhältnismäßiger Weise in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Völkerrechts zu reagieren.
Wenn unsere Satelliten bedroht sind, werden wir erwägen, die unserer Gegner zu blenden. Wir behalten uns die Zeit und die Mittel der Reaktion vor: Dies kann den Einsatz von Leistungslasern beinhalten, die von unseren Satelliten oder von unseren Nanosatelliten eingesetzt werden.
Denn ja, wir werden Leistungslaser entwickeln. Dies ist ein Bereich, in dem Frankreich ins Hintertreffen geraten ist. Aber wir werden es schaffen, und ich hoffe, dass wir unsere wertvollen Satelliten oder Nanosatelliten so schnell wie möglich ausrüsten können, um auf Distanz zu bleiben und bei Bedarf diejenigen zu blenden, die versucht sein könnten, zu nahe heranzukommen.
Dann ist das Programm, wie Sie sicherlich bemerkt haben, umfangreich und ehrgeizig. Es wird alle unsere Energien bündeln, damit wir die ersten Fähigkeiten haben, die im Rahmen des geltenden Militärprogrammgesetzes für die volle Leistungsfähigkeit bis 2030 erforderlich sind.
(…)
Natürlich hat das alles seinen Preis. Um die budgetären Folgen dieser neuen Raumfahrtkapazitäten zu begrenzen, können wir auf sie zugreifen, indem wir entweder Dienstleistungen von vertrauenswürdigen Betreibern beziehen oder unsere Ressourcen mit unseren europäischen Partnern bündeln. Ich denke dabei insbesondere an Deutschland oder Italien. Besser zusammenzuarbeiten, indem man die Kosten senkt, ist auch eine der Tugenden der europäischen Verteidigung.
Die Anstrengungen sind beträchtlich, und wie der Präsident der Republik betont hat, werden finanzielle Mittel bereitgestellt, damit wir unsere Ziele erreichen können.
Während der Laufzeit dieses Programms stellt dieser Aufwand weitere 700 Mio. Euro dar, zusätzlich zu den bereits geplanten 3,6 Mrd. Euro für die vollständige Erneuerung unserer Satellitenkapazität. Und diese neuen Investitionen werden innerhalb des im Militärprogrammgesetz vorgesehenen Rahmens getätigt.
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)

Nach Medienberichten soll zusätzlich auch die Bewaffnung der Satelliten mit kinetischen Waffen wie Maschinengewehren geplant sein. Die europäische Debatte wird bestimmt spannend.

Dazu passt auch die Übersicht über die Regelungen zum Weltraumrecht, die das Auswärtige Amt erst vor wenigen Tagen aktualisiert hat.

31 Gedanken zu „Merkposten: Frankreich will „aktive Verteidigung“ im Weltraum

  1. Moin ! Die Bewaffnung mit kinetischen Waffen … in Schwerelosigkeit in der Erdumlaufbahn – Super Idee so rein ingenieurstechnisch :-))

  2. Muss das sein? Eine waffenfreie Sperrzone wäre mir lieber. D.h. wenn schon bewaffnet, dann weit genug entfernt von der Erde, um sowohl unbeabsichtigte Abstürze als auch die Gefahr von Weltraumschrott und insbesondere das („aktiv“ beförderte) Kessler-Syndrom in der unmittelbaren Erdumlaufbahn auszuschließen.

  3. Pham Nuwen sagt:
    26.07.2019 um 10:44 Uhr
    „Muss das sein? Eine waffenfreie Sperrzone wäre mir lieber.“

    Eigentlich ist der Weltraum eine waffenfreie Sperrzone, geschützt durch den Weltraumvertrag.

    https://sicherheitspolitik.bpb.de/m7/articles/m7-14

    Über dies hinaus haben sich die Großmächte darauf geeinigt keine Antisatellitenwaffen auf dem Boden / zu Wasser vorzuhalten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vought_ASM-135_ASAT

    Wenn Frankreich in Weltraum Antisatellitenwaffen installiert, werden die USA, Russland und China nicht zögern auch Waffensysteme am Boden und in Weltraum in Stellung zu bringen.
    In einen zweiten Schritt werden dann Nuklearwaffen im All installiert, die sich gegen Ziele in Weltraum und auf dem Boden richten.

  4. An die Fachleute:Was ist das Problem mit kinetischen Waffen im All – ingenieurtechnisch?
    Waffenwirkung durch Druckwellen in Gasen ist vermutlich schwerer zu erreichen.

    Und wie könnte A-Waffen im All ihre Wirkung entfalten – EMP?

  5. Nun mal nicht gleich den Teufel an die Wand malen und von Nuklearwaffen im Weltraum sprechen.
    ABER,
    dass Frankreich nun Satelliten mit Lasern zum Blenden anderer Satelliten und vielleicht sogar mit kinetischen Waffen ausrüsten will, könnte schon der Startschuss für eine Bewaffnung des Weltraums sein.
    Ich denke aber, dass die Franzosen diesen Schritt nicht einfach so gehen.
    Höchstwahrscheinlich verstößt ein oder verstoßen sogar mehrere Staaten schon gegen den Weltraumvertrag und Frankreich zieht jetzt einfach mit.
    Ich würde mich nicht wundern, wenn in Spionagesatelliten oder Militärsatelliten von USA, Russland, China schon länger im Geheimen Waffen eingebaut sind.
    Diese Satelliten unterstehen so strenger Geheimhaltung beim Bau und Betrieb und sind im Fall der Fälle extrem wichtig für die einzelnen Staaten um sie nicht zu schützen.
    Wichtig wäre mir nur, dass man inoffiziell die Fronten absteckt und untereinander klärt, dass man die Waffen an Bord der Satelliten nur gegen andere Satelliten als Verteidigung anwendet.
    Beispielsweise, wenn ein feindlicher Nanosatellit mittels Bahnkorrekturdüsen auf einen GPS-Satelliten gesteuert wird (um diesen zu beschädigen/zerstören) und der Nanosatellit jetzt geblendet werden soll, damit er sein Ziel verfehlt (Blenden der Optische Erfassungssysteme).

  6. Escrimador sagt:
    26.07.2019 um 14:17 Uhr

    An die Fachleute:Was ist das Problem mit kinetischen Waffen im All – ingenieurtechnisch?

    Kinetische Waffen im All sind weniger komplex als ihre Folgen. Neben dem Projektil selbst wird das zerstörte oder beschädigte Objekt unweigerlich selbst zu einer Schrotladung, die mit Hochgeschwindigkeit um die Erde kreist und wiederum selbst zahlreiche weitere Ladungen dieser Art erzeugen kann (indem unbeteiligte Satelliten in die Flugbahn geraten). Diese Kaskade wird auch mit Kessler-Sydrom beschrieben.

    Die bereits bestehende Problematik zu Weltraumschrott fasst der BR gut zusammen: https://www.br.de/themen/wissen/weltraumschrott-satelliten-bruchstuecke-100.html

  7. @Escrimador

    Nicht Fachmann, absoluter Nicht Fachmann.
    Das es auch Ideen gibt sowas als Ortillery zu nutzen, und genügend Masse aus genügend Höhe ergibt das wohl veritable WMDs.

    @HeinerG

    Solche Vereinbarungen haben betreffs Gas und Luftangriffen in WWI nicht funktioniert

  8. Zu Erinnerung vom 7. September 2018, Zitat von Florence Parly:

    ein russischer Satellit mit grossen Ohren» sei einem französischen Militärsatelliten «ein bisschen zu nahe gekommen»

  9. Der Weltraumvertrag verbietet weltraumgestützte massenverbichtungswaffen

    Zu allem anderen (ergo auch laser/ kinetische impaktoren usw schweigt er sich aus) rechtlich sind die Pläne von Frau und anderen daher kein problem

  10. Kinetische Waffen im luftleeren Raum: Zum explosiven Abbrennen von Treibladungen in Schusswaffen herkömmlicher Art (wie das genannte MG) wird Sauerstoff benötigt. Will man also ein Projektil beschleunigen, d.h. verschießen, muss irgendwie O2 vorhanden sein.
    Oder man setzt auf andere Technologien beim Verschießen von massehaltigen Wirkmitteln.

  11. Zitat: „Moin ! Die Bewaffnung mit kinetischen Waffen … in Schwerelosigkeit in der Erdumlaufbahn – Super Idee so rein ingenieurstechnisch :-))“

    Der ingenieurtechnische Irrsinn ist nicht nur der fehlende Sauerstoff für die pyrotechnischen Treibladungen für die Projektile, sondern dass die Abschussplattform, die Konone im schwerelosen Raum schwebt.

    „Actio ist gleich Reactio“ ist der erster physikalische Grundsatz, den man in der 7. Klasse lernt. Wenn man also ein Projektil mittels einer Treibladung (Maschinengewehr) oder mit einem Druckgas beschleunigen will, dann geht die gleiche Kraft in den Rückstoß der Kanone. Mit diesem Kraftimpuls wird der Sattelit aus seiner schwerelosen Umlaufbahn geworfen und torgelt wie in ein Betrunkener durch den Weltraum. Wenn man den „Rückstoß“ der Kanone oder allgemein der Projektilbeschleunigungsmaschine durch ein Lageregelsystem für den Sateliten wieder auffangen will, dann braucht dies viel Energie und ein grandioses Flugregelsystem um den plötzlichen Rückstoßimpuls auf das Satelitengerüst wieder auszuregeln.

    Dies ist m.M.n technisch fast unmöglich, wenn man den Satelitten in einer geordneten Umlaufbahn halten will, deshalb mit voller Zustimmung an den Erstkommentator @ Rolf.M „… in Schwerelosigkeit in der Erdumlaufbahn – Super Idee so rein ingenieurstechnisch :-))“

  12. Laser sollten reichen um die Elektrooptik eines Satelliten zu zerstören, sofern der Strahl über das Objektiv auf die Sensoren trifft. Daneben reicht auch „Farbe“ oder ein Gel um die Objektive zu blockieren. Mit der richtigen Mischung drin könnten damit auch Kommunikations- und Radarsatelliten stören oder lahmlegen.
    Satelliten können auch Jammer nutzen um die Funkverbindung zu anderen, kleineren Satelliten zu blockieren.
    Kinetische Projektile oder Kill Vehicle sind nicht unbedingt nötig.

  13. Railgun
    gespannte Feder
    elektrischer Motor (Prinzip Hammerwurf – Werfer ist Elektromotor und der Hammer ist das Projektil)

  14. @Militärökonom
    ist zwar ein bisschen o.T. aber wie erklären sie sich dann, dass man konventionelle Munition unter Wasser oder in einer Vakuumkammer verschießen kann. Ich denke, dass Problem ist die Größe des Kalibers und dem entsprechenden Rückstoß. Dieser kann schon durch einen geringen Impuls einen Flugkörper im Orbit aus der Bahn bringen. Mit entsprechenden Kleinsttriebwerken werden Satelliten in Position gebracht und gesteuert.

  15. „Science-Faction“ sozusagen – das Gauss Gewehr. Für die technisch Interessierten.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Coilgun

    Das entsprechende Patent ist in chinesischer Hand.

    https://patents.google.com/patent/CN105180714B/en

    [„Shaped gauss magnetic sniper rifle“; Application Number CN 201510544360; Changle Lexin Institute of Electronic Technology; 31. Aug 2015 ]

    Wie schon erwähnt, die Railgun. Die Herausforderung ist die Energieversorgung. Alleine das Energiemodul (415kJ) ist für einen 10ft Container ausgelegt.

    http://www.ga.com/general-atomics-successfully-tests-railgun-hypersonic-projectiles

    [„Blitzer Railgun Tests Continue Record of Success“; General Atomics; 10. Mai 2017]

    Soll ab 2020 zur Austattung der DDG-1000 Zumwalt Klasse der U.S. Navy gehören.

  16. Maschinenkanone im Weltraum gab es schon, samt scharfem Schuß. Ebenso rückstoßfrei aussetzbare Mini-Satelliten an Bord von Militärsatelliten, Rammangriffe, frei manövrierbare Killersatelliten und noch mehr. Einfach mal in der Wiki unter der Rubrik „Saljut-Raumstation“ nachlesen. Ein Teil der verschiedenen Saljuts waren militärische Raumstationen unter ziviler Kennung. Man nimmt auch an, daß die Sowjetunion nach der Explosion der R-1 das Wettrennen um die bemannte Mondmission nicht weiter verfolgt hat, um sich der Entwicklung eben eines frei manövrierfähigen Killersatellitens/Satellitenkillers zu widmen. Erfolgreich. Eine ganze Weile, ehe man in den USa mit SDI begann.

    Was Sorge macht ist wie immer eine unkontrollierbare internationale Eskalation infolge einer Fehlfunktion oder Fehlbeurteilung. Trotz der recht langen Geschichte der Raumfahrt und aller Erfolge ist der Weltraum immer noch das absolute Null-Fehler-Toleranz-Gebiet und wird es bleiben. Kleinste Ursachen können umgehend zum Totalausfall führen. Dazu noch weit weg und schwierig zugänglich. In der Weltgeschichte sind wir schon mehrmals am 3. Weltkrieg vorbeigeschrammt, weil irgendein System fälschlicherweise einen feindlichen Angriff anzeigte oder Politiker und Militärs die Situation falsch einschätzten. Waffen im Weltraum, egal ob „defensiv“ oder nicht, fügen dem neue, unschöne Möglichkeiten hinzu.

  17. Anmerkung:
    Der Sauerstoff für Feuerwaffen kommt schon seid Schwarzpulver Waffen aus dem Pulver (der Treibladung) selber, deshalb funktionieren Feuerwaffen grundsätzlich auch unter Wasser oder im Vakuum.
    Feuerwaffen sind gut erforscht und bieten sehr hohe Energieleistungen zu geringen Kosten.

    Sinnvollerweise wird man eine rückstossfreie Waffe wählen – ggf. mit einem intelligenten Projektil.

    Laserwaffen sind noch nicht komplett praxistauglich und haben Höhe Entwicklungskosten bei unklaren Aussichten.

  18. @SvD

    Farbe? Gel? Entschuldigung, aber bin ich der einzige, der jetzt an „Spaceballs“ denken muss?

    Es ist vielleicht kein Zufall, dass viele dieser Vorschläge total irrsinnig klingen und eher an (schlechte) Filme erinnern. Das macht die Sache nicht weniger ernst, die ersten bewaffneten Flugzeuge waren auch nicht sonderlich effizient.

    Ich weiß nicht wie groß der Nutzen nationaler Weltraumrüstung ist, für mich klingt es wie ein Fall von „die zweitgrößte Flotte ist Geldverschwendung“.

  19. Argh – in meiner Schrankwand läuft mein Ingenieurs-Diplom gleich Amok wenn ich jetzt keinen Blogbeitrag schreibe ;-)

    Fehlender Sauerstoff für Treibladungen:
    Da hat wohl jemand Chemie und Physik zeitgleich geschwänzt!
    Treibladungen enthalten ein Reduktionsmittel, das während der Verbrennung den notwendigen Sauerstoff bereitstellt.

    Rückstoß kinetischer Waffen in Schwerelosigkeit:
    Einfach in entgegengesetzter Richtung eine Masse ausstoßen, die der gleichen Energie wie das beschleunigte Geschoss entspricht.
    Man stelle sich vor, man schweißt zwei Pistolen Rücken an Rücken aneinander und löst zeitgleich einen Schuss aus -> Die Pistolen bewegen sich keinen Millimeter.

  20. Also, mal ein paar Fakten zu der Diskussion:

    Kinetische Waffen:
    Kinetische Waffen an einem Satelliten: Ist kein wirklich neues Thema, hatte die Sowjetunion im Rahmen Saljut/Almas 3 bereits gebaut und erprobt. https://www.popularmechanics.com/military/weapons/a18187/here-is-the-soviet-unions-secret-space-cannon/

    Entstand damals aus der Angst heraus, dass man von einem Space Shuttle aus versuchen könnte, sowjetische Raumstationen zu entern.

    Natürlich entsteht dabei ein Rückstoß, der die Bahn des Satelliten ändert. Gerade, wenn dies gegen einen Interceptor, ob direkt oder orbital, gerichtet ist, ist eine solche Bahnänderung des Satelliten aber vermutlich sogar ein willkommener Nebeneffekt.

    Problematisch ist hier natürlich der Weltraumschrott, der dabei entstehen kann.

    Laser:
    Laser zur Verteidigung: Interessante Idee, allerdings bezweifele ich, dass dies gegen einen Interceptor vom Boden aus wirkt. Die Leitsysteme sind dort in der Regel im infraroten Spektrum, der Laser müsste im gleichen Spektrum sein, um dort zu stören. Das ist zwar grundsätzlich möglich, aber die Wirksamkeit darf dennoch bezweifelt werden.
    Ein Interceptor vom Boden nähert sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 10km/s, diesen zu erfassen und dann noch rechtzeitig zu blenden ist auf jeden Fall nicht trivial.

    Interessanter sind die Laser gegen orbitale Systeme sowie gegen Proximity-Operations, also sogenannte „Inspektionssatelliten“. Deren Optiken können gestört werden, auch SIGINT-Plattformen im GEO können durch solche Laser in ihrer Annäherung gestört werden, indem z.B. deren Star-Tracker geblendet werden.

    Grundsätzliches:
    Was man hierbei jedoch nicht vergessen soll: Anti-Satelliten-Systeme sind nichts neues. Im Kalten Krieg gab es entsprechende Waffen, auch mit nuklearer Komponente, um Satelliten zu zerstören. Diese wurden auch erprobt.
    Außerdem gibt es verschiedene Arten von Anti-Satelliten-Systemen. Auch ein einfacher GPS-Jammer ist, von der Begrifflichkeit her, eine räumlich begrenzt wirkende Anti-Satelliten-Waffe, da dies, räumlich und zeitlich begrenzt, ein System nicht mehr nutzbar macht. Genauso kann ich mit einem leistungsstarken Jammer einen Kommunikationssatelliten temporär ausschalten. Mit Lasern kann ich optische Systeme blenden.
    Es gibt also eine Vielzahl von bereits weit verbreiteten Systemen gegen Satelliten, die sogar ohne Weltraumschrott auskommen.
    All diese Systeme sind deutlich günstiger als kinetische Systeme. Kinetische Anti-Satelliten-Waffen sind eher ein Nebenprodukt von Raketenabwehr. Was eine ICBM treffen kann, kann auch einen Satelliten (im LEO) treffen.

    Das Thema gewinnt gerade politisch an Bedeutung, aber mehr auch nicht.

  21. @zulu1975: Interessanter Hinweis von Ihnen; beim nochmaligen Recherchieren zur chemisch-physikalischen O2-Problematik im Vakuum konnte ich leider keine eindeutigen Infos dazu erhalten (UW lasse ich außen vor, das ist wieder etwas anderes). Teilweise wird das Funktionieren von normalen Patronen bejaht, da moderne Treibladungen bereits mit offenbar Vakuum-ausreichend O2 versetzt sind; z.T. dennoch wegen O2-Mangels verneint.
    Damit die Diskussion hier nicht abgleitet, denke ich, dass die Gegenargumente von @Georg hinsichtlich des Rückstoß-Prinzips ausreichend sein sollten.
    Wichtig erscheint mir die politische Tragweite zu sein, dass Waffen im Weltall stationiert werden sollen. Da noch immer keine Proteste anderer Nationen/ UNO usw. dazu zu hören sind, ist dies wohl offensichtlich bereits der status quo über unseren Köpfen…

  22. @Militärökonom

    Explosivstoffe wie Treibladungspulver benötigen zum Big Bang keinen atmosphärischen Sauerstoff, der ist nämlich chemischer Bestandteil des Explosivstoffes.
    Im Weltraum wird man wahrscheinlich hülsenlose Munition verwenden, wobei ein Teil der Treibladung konstruktiv für die Kompensation des Rückstoßes eingesetzt wird. Im Weltraum braucht man ja in Sachen Reichweite auch keine affenartig hohen Mündungsgeschwindigkeiten, zumal das Ziel ja nun nicht besonders agil ist

  23. Als Nicht-Ingenieur kann ich mit klassischer Kinematik im Weltraum nicht viel anfangen.
    Jedoch als Physiker mein „heißer“ Tip: Plasma.
    So genug Science-Fiction. ;-)

  24. Plasma, Laser, Gausskanone oder hülsenlose, rückstoßfreie Munition… schönes Star-Wars.

    Wer einen gegnerischen Satelliten ohne Gegenreaktion aus der Umlaufbahn schubsen will, wird hierzu wohl kaum eine Breitseite mit 36-Pfündern einsetzen.
    Ein sanft angehauchter Hagel aus Weltraumschrott macht den Job schließlich auch – aber das Zielen will beherrscht sein.

    Dieses Himmelfahrts- bzw. Weltraumkommando kann man aber getrost den Franzosen alleine überlassen. Weltraum ist teuer und wir haben hier noch ein paar Löcher in der Morsch Dock zu stopfen…

  25. Felix
    27.07.2019 um 16:20 Uhr

    Nun ja, es mag an schlechte Filme erinnern aber Science Fiction ist eben Fiktion und meist nicht umsetzbar ;-)
    Die Idee auf Farbe bzw. Gele mit Metallpartikeln zu setzen ist extrem simpel oder? Und die simplen Ideen funktionieren dann doch meist besser.
    Außerdem produziert man so keinen zusätzlichen Weltraumschrott der sonst um die Erde rasen würde.
    Ein Kleinsatellit mit einer Paintballgun kann selbst einen Elektrooptischen Aufklärungssatelliten für 100 Millionen Euro lahmlegen. Gleiches gilt für laserbasierte Datenlinks. Wen wollen Sie denn zum säubern da hoch schicken?
    Bei, mit metallpartikelhaltigem Gel eingesauten, Radar- oder Kommunikationsanlagen sieht es genau so aus.

    Laser brauchen auch keine extrem große Leistung wenn sie in die Linsensysteme eines Satelliten zielen. Die Linsen bündeln den Strahl noch weiter und er brennt sich in den Sensor. Kernreaktoren für Satelliten sind auch nichts neues aber schon wesentlich anspruchsvoller.

    Man könnte allerdings auch eine rückstoßfreie Waffe wie die RMK 30/35 mit Ahead Munition nehmen und wild um sich ballern. Das Ergebnis wären jede Menge Space Debris, ganze Wolken an Projektilsplittern und die Reste der Satelliten.

  26. Ich halte kinetische Waffen eher als nachrangig wenn es darum geht mit Satelliten auf andere Satelliten zu wirken. Es reicht ja schon die aus ihrer Umlaufbahn zu schubsen oder anderweitig mit ihnen zu interagieren um sie zu stören – je nachdem welcher Art der Zielsatellit ist. Gerade ersteres kann man ja schon mit einem service craft hinbekommen die jetzt vermehrt entwickelt werden um existierende Satelliten zu warten und/oder zu bewegen. Diese Fähigkeit könnte man auch leicht offensiv benutzen.

    Und dann gibt es ja noch die X-37 aka OTV, die immer längere Missionen im All ausführen wo man nicht sicher weiß was die machen. Angesichts der kleinen payload können die allenfalls Nanosatelliten verbringen, aber was sie danach machen weiß man auch nicht so recht, obgleich es viele Vermutungen gibt. Dazu gehört auch dass es sich um eine Platform handeln könnte die mit Satelliten interagiert – auch hier vermutet man beides, defensiv für Wartung etc. als auch potentiell offensiv (ist natürlich nicht die einzige Vermutung hinsichtlich Zwecke – es wird auch vermutet dass man auf der Platform Langzeittests für neue Sensoren etc. durchführt bevor sie dann in Satelliten fest verbaut werden). Und die Dinger bleiben halt lange oben. Die letzte beendet Mission war von Mai 2015 bis Mai 2017 und danach seit September 2017 welches, meines Wissens nach, noch immer oben ist.

  27. Aber genau wegen der verschiedenen Szenarien ist doch ein ‚Verteidigungs-Laser‘ eine gute Idee.
    Ein Nanosatellit steuern auf den eigenen Satelliten und man beschießt seine Erfassungssysteme und zündet danach kurz die Bahnkorrekturdüsen des eigenen Satelliten.
    Der Nanosatellit kann sein Ziel nicht mehr erfassen und fliegt vorbei. Da reichen ja nur ein paar Zentimeter und so genau kann man vom Boden nicht erfassen. Zumindest nicht in der kurzen Zeit. Das muss der Angriffssatellit allein schaffen. Jetzt ist er aber blind.
    Ist doch eine klassische Strategie. Der Gegner entwickelt eine Waffe (Nano-Kill-Satelliten), ich entwerfe Abwehrmaßnahmen und der Gegner lässt es vielleicht bleiben und konzentriert sich auf andere Maßnahmen (Satellitenraketen etc.).

  28. Zu den kinetischen Waffen:
    Die Waffenwirkung beroht auf der Kinetik, bei biologischen waffen geht es ja auch nicht um Bäume, die so schnell wachsen, dass ihre Äste Projektilwirkung entwickeln.
    Auch Raketen können also, wenn sie keine gesonderte Wirkladung tragen, kinetische Waffen sein, die aufgrund des Aufschlags im Ziel mit Geschwindigkeit und Masse wirken.
    Und dass Raketen auch im Weltall fliegen…

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