Angriff auf EU-Ausbildungsmission in Mali – Deutsche Soldaten nicht betroffen (weitere Updates)

Das Camp der EU-Ausbildungsmission in Koulikoro in Mali ist am (heutigen) Sonntagmorgen angegriffen worden. Bei dem komplexen Angriff seien zwei malische Soldaten verwundet worden; Bundeswehrsoldaten oder Soldaten aus anderen EU-Streitkräften seien nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht betroffen, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Derzeit werde das Camp gesichert, weitere Einzelheiten seien noch nicht bekannt.

Die Bundeswehr ist mit derzeit rund 180 Soldaten an der EU Training Mission Mali (EUTM Mali) beteiligt und führt auch diesen Einsatz, bei dem Soldaten der Armee des westafrikanischen Landes ausgebildet werden. Das Camp liegt in der Mitte Malis, wo die Sicherheitslage etwas besser ist als im Norden des Landes – dort ist die Bundeswehr in Gao an der deutlich größeren UN-Mission MINUSMA beteiligt.

Update: Nach Meldungen regionaler Medien ereignete sich der Angriff gegen 0400 Uhr Ortszeit (0500 MEZ).

Zunächst sei der Zugang des Lagers, in dem die EUTM-Ausbilder untergebracht sind, mit einer Rakete angegriffen worden. Zeitgleich sei im Ortsteil Koulikoroba ein mit Sprengstoff beladener Pickup-Truck gegen das Trainingslager Boubacar Sada Sy eingesetzt worden. Die Rakete auf das Ausbilder-Camp sei von der anderen Flußseite des Niger abgefeuert worden.

Koulikoro liegt rund 60 Kilometer von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt.

Via Twitter kursieren Fotos, die von der Anschlagstelle stammen sollen:

Die EU-Mission selbst bestätigte via Twitter, dass es unter den Ausbildern keine Verwundeten gegeben habe:

Der Gouverneur der Region gab laut örtlichen Medien eine Erklärung zu dem Angriff ab:

Der Regionalgouverneur teilt der nationalen und internationalen Öffentlichkeit mit, dass heute, am 24. Februar 2019, gegen 2:50 Uhr morgens, zwei Kamikaze-Fahrzeuge mit einer unbekannten Anzahl von Angreifern, nachdem sie das Feuer auf den Kontrollpunkt Mafèya auf der Achse Koulikoro Banamba eröffnet hatten, auf das Militärische Ausbildungszentrum Boubacar S’ada SY zusteuerten, wo sie am Eingang detonierten.
Vorläufige Bewertung: Ein Zivilist wurde schwer verletzt, zwei Soldaten leicht verletzt und zwei Leichen noch nicht am Tatort identifiziert.
Der Regionalgouverneur versichert der Bevölkerung, dass die Situation unter Kontrolle ist und alle Maßnahmen ergriffen wurden, um die Sicherheit von Personen und deren Eigentum weiter zu erhöhen.
Colonel Major Mamary Camara fordert die Bevölkerung auf, die Sicherheitskräfte bei ihrer Mission zur Sicherung der Region zu unterstützen.
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)

(Foto Januar 2019 – EUTM Mali; Karten OpenStreetMap)

11 Gedanken zu „Angriff auf EU-Ausbildungsmission in Mali – Deutsche Soldaten nicht betroffen (weitere Updates)

  1. Die Gesamtlage in Mali wird kritischer.
    Unterschieden wird zwischen MINUSMA und EUTM oder auch Barkhane dabei nicht. Für Al-Kaida nahe Kräfte sind deren Soldaten a) Christen und b) Ausländer.
    Die Zunahme der Anschlagshäufigkeit sowie deren Umfang zu Jahresbeginn ist signifikant.
    Z.B.
    1. https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/newsbeitrag/news/franzoesischer-luftangriff-toetet-15-mutmassliche-terroristen-in-mali/

    2. (AFP) Die französischen Streitkräfte haben nach Regierungsangaben einen führenden Al-Kaida-Kämpfer in Mali getötet. Der Algerier Jahja Abu Al Hamame sei nördlich von Timbuktu zusammen mit anderen „Terroristen“ von französischen Luft- und Bodenkräften getötet worden, teilte Verteidigungsministerin Florence Parly (am Freitag) in Paris mit.

  2. Ich mag ja den Afrikaeinsatz. Also alle Afrikaeinsätze von uns und unseren NATO-Partnern. Insbesondere diese kindlich-naive Idee, mit ein paar Handvoll Truppen hier und dort die Probleme Afrikas lösen zu können. Das hat doch was Herzerwärmendes.

    Kleines Bildchen zum besseren Verständnis: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/True_size_of_Africa.jpg

    Neben Afrika ist AFG Peanuts. Sieht doch alles nach einem neuen Erfolgsprojekt aus. Was kann da schon schiefgehen?

    [Ich mag ja Polemik. Also alle Polemik von den Lesern hier. Insbesondere die Idee, die Fakten über Bord zu werfen und aus dem Bauch zu argumentieren. Was haben der EU-Einsatz und der UN-Einsatz mit der NATO zu tun? Aber wenn man auf die NATO schimpfen kann, hat das ja schon was Herzerwärmendes… T.W.]

  3. Was war da denn komplex?

    [Das versuche ich herauszufinden; Zusammenfassung ist in Arbeit. T.W.]

  4. @T.W. 24. Februar 2019 – 14:21

    Sind doch bei ziemlich allen Missionen NATO-Partner dabei. Nicht nur, aber dabei. Deutschland, Frankreich, Niederlande, Portugal, Kanada, Ungarn, Belgien, Dänemark, Italien, Polen, Norwegen, die USA. Es laufen ja die verschiedensten westlich unterstützten Missionen parallel zueinander in Afrika.

    Was zu dem Punkt führt: Erwartet jemand ernsthaft, daß bei der Größe des Raumes und der Bevölkerungszahl (respektive dem Pool an Gegnern und Gegnerunterstützern) militäriisch mehr Erfolg als auf dem begrenzten Schauplatz Afghanistan zu erwarten ist? Außer „Deutschland ist dabei gewesen“? Daß realistisch etwas anderes als ein endloser Verschleiß von Mitteln und Verlust an Einsatzkräften zu erwarten ist?

    Wer spontan mit „Ja“ antwortet, solte noch mal auf die Karte schauen und drüber nachdenken.

  5. @Mitleser
    1. Ich glaube der Kolonialismus ist das markanteste Beispiel dafür, dass einige wenige europ. Länder auch riesige Kontinente, wie Afrika kontrollieren können!
    2. Wollen wir ja mit der „Handvoll Truppen“ gar nicht Afrika befrieden oder unter Kontrolle halten, sondern die lokalen Kräfte dafür ausbilden, dies selbst tun zu können!
    Von daher sind ihre Argumente und der Bezug auf ihre Karte ziemlicher Unsinn!

  6. @Mitleser | 24. Februar 2019 – 15:23
    Erwartet jemand ernsthaft, daß bei der Größe des Raumes und der Bevölkerungszahl (respektive dem Pool an Gegnern und Gegnerunterstützern) militärisch mehr Erfolg als auf dem begrenzten Schauplatz Afghanistan zu erwarten ist?
    Sie haben den mangelnden politischen Willen, sowohl von Seiten Europas als auch von malischer Seite, und damit eine umfassende Strategie gestützt auf die notwendigen militärischen, polizeilichen, nachrichtendienstlichen, diplomatischen und wirtschaftlichen Mittel, vergessen ;)

  7. @Edgar Lefgrün

    „Komplexer Angriff“ ist wohl nur begrenzt deskriptiv gemeint sondern wird hier als feststehender Fachbegriff verwendet, übertragen aus dem englischen „Complex Coordinated Attack“ (CCA) oder „Comlex Coordinated Terrorist Attack“ (CCTA).
    Eine Definition kann sein:
    „A CCA is a synchronized attack conducted by two or more semi-independent teams at multiple locations, in close succession, initiated with little or no warning, using multiple well-trained attackers, and employing one or more of the following: firearms, explosives, vehicles, and fire as a weapon.“

    Es geht also um zeitlich und räumlich koordiniertes Vorgehen mehrerer Einzelelemente mit dafür vorgesehener Ausbildung, u.U. durch Verwendung unterschiedlicher Mittel.
    Hier:
    In kurzer Folge
    – Steilfeuer (Raketen)
    – VBIED
    – Angriff durch Einzelschützen.

    Zur Dimension, Umfang, Dauer oder Erfolg wird mit Verwendung des Begriffs keine Aussage getroffen.

  8. @KSM
    Meist wird eine „complex attack“ mit unterschiedlichen Wirkmitteln auf das gleiche Ziel durchgeführt, also z.B. ein VBIED zum Neutralisieren des Check Ponits, ggf. gefolgt von einem zweiten VBIED zur Umsetzung im Compound und dann „Kräfte zu Fuß“. Oder / und unter begleitendem / (eher vorbereitendem) Einsatz von Steilfeuer.

  9. Wird auch mal Zeit, dass man dort endlich mal aufwacht! Das KTC von den Malis bewachen zu lassen war und ist völlig zweckfrei. Die sind weder motiviert noch fähig zu kämpfen. Und das sieht man ihnen auch an. Zum Glück sichert die Spanische Force Protection das Lager zuverlässig.

    [Hm, das deckt sich nicht so richtig mit den heutigen Berichten – ansonsten ist Ihre Wortwahl hart am Rande des Erträglichen. Ich denke, Sie lassen das hier. T.W.]

  10. @TZ | 24. Februar 2019 – 16:27

    Sie haben schon mitbekommen, wie die Befreiungskriege ausgegangen sind? Seit mindestens zwei Generationen ist kein afrikanischer Staat mehr Kolonie. Ethiopien war sogar Gründungsmitglied des Völkerbundes; und das war lange vor dem Zweiten Weltkrieg.

    Inzwischen können die Afrikaner auch „moderne Kriegsführung“. Sie haben mit dem Graet African War“ ihre eigene Version eines Weltkriges hinbekommen, ganz ohne westliche Einmischung, samt Blitzkrieg, verbundenen Waffen, multinationalen Kontingenten, Panzerabwehrhubschraubern und Luftunterstützung; und kurz vor der Jahrhundertwende hat es die erste afrikanische Armee geschafft, einen Kessel über Wochen zu halten, die eigenen Truppen aus der Luft zu versorgen und sie wieder erfolgreich zu den eigenen Linien durchbrechen zu lassen. Respekt!

    Ausbildungsmissionen sind sinnvoll, sofern man sich vorher davon überzeugt, daß die Ziel-Nation bereit und motiviert ist. Ansonsten landet man bei „Afghanische Armee reloaded“.

  11. @Mitleser
    Das war auch ein Beispiel!^^
    Willst du ernsthaft behaupten, eine westliche Armee wäre mit einer afrikanischen, a la Mali zu vergleichen? Klar sind manche afrik. Länder milit. in einem halbwegs guten Zustand. Andere, wie die malische Armee haben die Ausbildung aber bitter nötig, sind aber nach allem was man hört auch vernünftig motiviert. Die Ausbildung macht da durchaus Sinn und man hat auch schon einige Fortschritte gemacht, im Gegensatz zu Afghanistan!

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