Maritimer Lesestoff am Sonntag (2): Die ‚Gorch Fock‘ und die Kostenexplosion

Noch ein wenig maritimer Lesestoff zum Sonntag: die inzwischen leidvolle Geschichte der Gorch Fock, des Segelschulschiffes der Deutschen Marine, war hier schon wiederholt Thema – vor allem die Kostenexplosion bei der Instandsetzung der Dreimastbark und die Frage, ob ein solches Schiff für die Ausbildung angehender Marineoffiziere noch sinnvoll ist.

Spiegel-Kollege Matthias Gebauer hat sich die Probleme mit diesen Kosten anhand eines Berichts des Bundesrechnungshofes angeschaut. Mit interessanten Details – unter anderem sollen Bedenken gegen die enorme Steigerung der Instandsetzungskosten von zunächst zehn auf inzwischen 135 Millionen Euro schlicht vom Tisch gewischt worden sein:

Von der Leyen und das „Gorch Fock“-Debakel

(Archvbild: Die Gorch Fock, r., bei der Segelregatta ‚Amsterdam 700‘ vor den Niederlanden am 19. August 1975; links der – damals sowjetische – Großsegler Kruzenstern – Niederländisches Nationalarchiv, Bestanddeelnr 928-1109, via Wikimedia Commons/Public Domain)

31 Kommentare zu „Maritimer Lesestoff am Sonntag (2): Die ‚Gorch Fock‘ und die Kostenexplosion“

  • Ha-Wa   |   13. Januar 2019 - 13:46

    Im Westen nichts Neues. Seit Jahren gibt es zumeist nur noch Pleiten, Pech und Pannen im BmVg. Aber eine Sache können die Herrschaften richtig gut: eine Task Force gründen.

    Nach vier Kaffee und ein paar Butterkeksen stellen alle Beteiligten fest: hier wurden Fehler gemacht, es muss sich was ändern und am Ende gibt es meistens ein Bauernopfer was dann seinen Posten räumen muss. Komischerweise wiederholt sich dieser Vorgang beliebig oft, aber wahrscheinlich ist das Task Force gründen so spannend (oder das Kaffeetrinken) das einer Wiederholung nichts im Wege steht.

    Na dann, weitermachen.

  • Thomas Melber   |   13. Januar 2019 - 14:34

    Dazu paßt der Bericht auf ZEIT Online (Premium):

    „Mutierte das Verteidigungsministerium zum Selbstbedienungsladen?
    200.000.000 € – wofür?
    Der Bundestag untersucht, ob es bei der Bundeswehr Vetternwirtschaft gab.“

    [Nein, passt überhaupt nicht, und den Versuch, das ganze Thema Berater – zu dem es in der kommenden Woche sicherlich noch was gibt, z.B. die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses – mit aller Macht hier bei der Gorch Fock reindrücken zu wollen, stoppen wir bitte unverzüglich. T.W.]

  • Couch Potato   |   13. Januar 2019 - 14:56

    Will ja niemandem hier emotional auf den Schlips treten, aber wir sollten ein neues Segelschulschiff bauen und die alte GF als Museum ausmustern. Sonst wird das ein schwimmender BER. Irgendwann wird es nur noch absurd, immer mehr Geld in so ne alte Kiste zu stecken. Die ist am Anfang der jetzigen Reparaturserie in der Werft ja wohl mal sehr unfachgerecht verhunzt worden. So ein Ding ist auch ein Gebrauchsgegenstand, der irgendwann verschlissen ist. So ein Neubau gibt auch die Gelegenheit, die zeitgerecht zu modernisieren mit Damenkabinen, entsprechenden Duschen und modernen Sicherungsanlagen.

  • Pio-Fritz   |   13. Januar 2019 - 15:07

    Wenn das alles stimmt, dass hier bewusst falsche Berichte vorgelegt wurden, um die Sanierung der GF durchzudrücken, ist das ein handfester Skandal.
    Dann wurde der Bundesrepublik bewusst Schaden zugefügt. Da hilft dann auch kein Fingerzeigen auf andere. Das muss dann zumindest beamtrechtliche Konsequenzen haben, wenn es da nicht sogar einen strafrechtlichen Aspekt gibt.

    Unfassbar, ich bin entsetzt. Wenn es da keine personellen Konsequenzen gibt, ist auch die letzte Glaubwürdigkeit es Ministeriums dahin.

  • gk jürgen   |   13. Januar 2019 - 15:12

    laut Kieler Nachrichten war am 11.1.18 ein Treffen im Ministerium.
    Anwesend waren wohl die Spitze des Verteidigungsministeriums mit Marine und Rüstungsamt um auf den neuesten Stand gebracht zu werden.
    Am Mittwoch berät der VTg-Ausschuss über die Zukunft des Seglers
    Details dürften danach erst bekannt werden, wenn der Verteidigungsausschuss des Bundestages zusammengekommen und Punkt 10 das Thema Gorch Fock behandelt hat. Auch das Thema BRH/Kostenexplosion.
    In Marinekreisen ist man immer mehr der Meinung das es auch ohne GF geht.
    Es bleibt spannend

  • asplen   |   13. Januar 2019 - 15:21

    Gibt es bei der Bundeswehr überhaupt Projekte, wo etwas nicht schief gegangen ist?

    Wenn ja, kann mir jemand ein paar Beispielprojekte nennen, wo die Kosten nicht explodiert sind, wo nicht missgewirtschaftet wurde, wo Bundeswehrangehörige mit 3000+ Euro Nettogehalt auch ohne externe „Berater“ ihre Arbeit selbst erledigen konnten und/oder das Ergebnis des Projekts voll nutzbar war und den Vorgaben entsprach (sofern überhaupt welche formuliert wurden)?

    Ich habe leider kein Positivbeispiel gefunden.

  • Les Grossmann   |   13. Januar 2019 - 16:15

    „… Berichten über sadistische Rituale eines mittlerweile abgesetzten Kapitäns.“
    Für mich ist diese Erkenntnis Herrn Gebauers neu.
    Ansonsten ist zur GF alles gesagt was man sagen kann.
    Warum sollte es in der BW anders sein als sonstwo, wer die Studie in Auftrag gibt, bestimmt die Richtung.
    Die GF sollte um jeden Preis bleiben, der Rest ist Kreativität.
    Ob man Irgendwen verantwortlich machen kann, bezweifle ich stark.

  • Matze   |   13. Januar 2019 - 16:51

    Viel interessanter als die jetzt explodierenden Koste finde ich ja, dass der Havariebeauftragte sagt,
    „dass die „schiffbauliche Untersuchung“ seit Jahrzehnten nie richtig und umfassend durchgeführt wurde.“
    und
    „Schwere Korrosionsschäden seien „durch Löcher in der Außenhaut sowie Schäden an Trägern und Schottwänden“ zu sehen, zudem sei durch Korrosion das Leck- und Lenzsystem nicht funktionstüchtig.“

    Wie kann es sein, dass ein Schiff des Bundes in dem Zustand durch die Gegend fährt?
    Weiß jemand, ob es den Bericht des Havariebeauftragten irgenwo zu lesen gibt?

  • Zapfenstreich   |   13. Januar 2019 - 17:11

    Der Kern ist doch, dass – nach dem Bericht des Bundesrechnungshofes – wohl falsche Angaben gemacht wurde, um eine positive Führungsentscheidung und somit auch die Zustimmung durch den Bundestag (>25 Mio €) zu erhalten. Das ist Betrug und sollte entsprechend verfolgt werden. Aber ich gehe davon aus, dass hier wieder mit zweierlei Maß gemessen werden wird.
    Eine ehrliche Vorlage hätte dann vielleicht auch dazu geführt, dass die Gorch Fock – obwohl ein Neubau vermutlich günstiger gewesen wäre – restauriert wird. Es handelt sich hier nämlich um die DNA der Marine und ein Stück Tradition. Das darf – nach einer breiten Diskussion – manchmal auch etwas kosten.

  • Thomas Melber   |   13. Januar 2019 - 17:22

    @TW
    Das hat schon damit zu tun, da man die Bw eben als „Selbstbedienungsladen“ ansieht – Motto: Geld spielt keine Rolle (außer bei kleinen Anschaffungen, wie z.B. einen notwendigen Aktenvernichter fürs Büro oder einen zusätzlichen Arbeitsplatzrechner).

  • Yeoman   |   13. Januar 2019 - 17:59

    Les Grossmann | 13. Januar 2019 – 16:15

    M. Gebauer scheint dort eine Verkürzung unterlaufen zu sein: streiche „eines“, setze „unter einem“. So ist es auch längst aktenkundig.

    Meine Prognose nach Betrachtung dieser BRH-Zusammenfassung, so bitter es ist: Neubau (siehe Portfolio der Damen-Werft), Zusammenflicken des alten Trümmerhaufens bis schlepp-/verlegefähig zwecks Abwracken oder sogar, wenn günstiger, Abwracken direkt dort im Dock / in der Werft. GF II wird keine Meile unter Segeln mehr machen – zumindest nicht als seegehende Einheit der Bundeswehr.
    Wenn man dieser Einheit schon den Stöpsel zieht, dann kann man auch groß denken und wieder zu einem „grauen“ Schulschiff ohne Segel zurückkehren, mit der auch EAV-Komponenten bestriten werden könnten, und eine eventuelle Segelschulschiffausbildung auf kleineren Einheiten in Hörsaalgröße betreiben.

  • Peter Z.   |   13. Januar 2019 - 18:22

    M.E. weniger eine Blamage für das Ministerium als für jene, welche die Entscheidungen zu großen Vorhaben wie diesem an Spree und Mosel vorbereiten. Auch mit einem Neubau hätte man wohl einen Beitrag leisten können, die Werftindustrie in Lohn und Brot zu halten. Tradition hin oder her, man hätte dann vermutlich noch etwas für andere wichtige Vorhaben gespart.

  • Couch Potato   |   13. Januar 2019 - 18:41

    Die wird ja auch für diplomatische Events in auswärtigen Häfen genutzt, das geht mit einem Großsegler natürlich schon um einiges schicker, als mit etwas grauem. Außerdem geht es ja auch um die Vermittlung urtümlicher, seemännischer Erfahrungen, die irgendwelche Computer-Nerds an Trackball und Monitor in irgendwelchen fensterlosen Kammern später an Bord so nie mehr kriegen können.

  • Pio-Fritz   |   13. Januar 2019 - 19:48

    @Couch Potato

    Die Diskussion über das für und wieder GF, Tradition etc. haben wir hier schon mehrfach geführt. Bitte nicht noch mal. Da werden nur bereits bekannte Argumente und Befindlichkeiten ausgetauscht.
    Hier geht es doch vielmehr um die Vorgänge und Umstände, die zu der jetzigen Situation geführt haben.

  • Ingo Heinscher   |   13. Januar 2019 - 19:49

    Couch Potato: Man könnte die OA’s und UA’s auch genauso gut (und besser!) auf grauen Schiffen in der Verwendungsreihe 11 ausbilden. Das wäre allemal zeitgemäßer als dieses alte, zwar schöne, aber nutzlose Schiff.

    Wer unbedingt schöne diplomatische Empfänge auf einem deutschen Kriegsschiff abhalten möchte, der kann das mit einer Fregatte oder sogar einem Minenjagdbootgeschwader mindestens genauso abdecken.

    Tatsache ist: Die Segelschulschiffe der Welt sind ein Relikt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als ein paar alte Knochen den neuen Dampfschiffen nicht trauten, und seit dem hat es sich verselbstständigt. Schneide man doch bitte diese alten Zopf ab.

  • Alex   |   13. Januar 2019 - 20:18

    Das Gutachten von 2011 und die angeblich geschoenten/falschen Gutachten zur Weiterfuehrung waeren in der Tat die Artikel, die personelle Konsequenzen erfordern wuerden. Ziemlich bemerkenswert.

  • Koffer   |   13. Januar 2019 - 20:18

    @Ingo Heinscher | 13. Januar 2019 – 19:49
    „Man könnte die OA’s und UA’s auch genauso gut (und besser!) auf grauen Schiffen in der Verwendungsreihe 11 ausbilden. Das wäre allemal zeitgemäßer als dieses alte, zwar schöne, aber nutzlose Schiff.“

    Das kann man so sehen, das kann man aber auch komplett anders sehen.

    So oder so: Die Diskussion hatten wir schon und ich kann mich da @Pio-Fritz | 13. Januar 2019 – 19:48 nur anschließen, dass das hier nicht nochmals wiederholt werden muss.

  • SuperGrobi   |   13. Januar 2019 - 20:53

    Kinners 135 Mio Euro…also nu is doch wirklich Schluß. Tradition darf was kosten, aber dies ist vollkommen „aus dem Ruder gelaufen“ um es mal im maritimen Kontext zu formulieren. Was eine Katastrophe an Geldverschwendung.

  • Dipl.-Inf(anterist)   |   14. Januar 2019 - 7:26

    Eine Kostenexplosion von 9,6 Mio (über Zwischenschritte von 64,5 und 75 mio) auf nunmehr 135 Mio sind, nun sagen wir mal, „signifikant“. Das will auch erst mal begründet sein.
    Wenn die Vorlage(n) zur Entscheidung in diesem komplexen Sachverhalt jedoch nach den internen Vorgaben des BMVg erstellt wurde(n), dann hat Frau Ministerin diese Begründung auf etwa 3-4 DIN-A4 Seiten in Arial 12, Zeilenabstand 19 Pt vorgelegt bekommen. Dass dabei Information „verdichtet“ (manche sagen auch „vernichtet“) wird, sollte klar sein!
    Interessant wäre daher, wie sich die Zwischenebenen, ja per Definition alle mit ebenengerechtem Detailwissen ausgestattet, positioniert haben und ihre Beratung der Entscheidungsträgerin dann auch in der Vorlage dokumentiert haben.
    Führungspersonal entscheidet letztlich immer auf der Basis der vorliegenden Informationen, wenn diese Basis also nicht passt, dann passt auch die Entscheidung nicht!

  • Der Realist   |   14. Januar 2019 - 8:43

    Eigentlich ist alles zu diesem Thema gesagt.

    Vielleicht eins noch:

    Die GF ist ein Baustein von vielen der Bundweswehr, um ein gutes Image in der Bevölkerung zu erreichen.

    Wenn ich aber gleischzeitig der Bevölkerung erklären muss, warum eine Instandsetzung eines Schiffs 135 Mio. Euro kostet und innerhalb der Bundeswehr oder auch außerhalb in anderen Bereichen um jeden Cent gerungen wird, ist das gute Image gleich wieder dahin.

    Ich bin sehr gespannt, wie man sich entscheidet und wie man die Ausbildung in den kommenden Jahren gestaltet.

  • Fussgaenger   |   14. Januar 2019 - 13:02

    Was ist denn dieses ominöse „Beschaffungsamt,“ das im Spiegel genannt wird?!??

    Später wird zwar das Planungsamt mal genannt, aber ich hatte zumindest bei Gebauer erwartet, dass er da etwas klarer formuliert….

  • f28   |   14. Januar 2019 - 13:17

    seltsam ist das Ganze schon. Stahlrümpfe wie bei der GF sind natürlich „verschleißanfällig“ (besser gesagt: sie rosten ab und verlieren Materialstärke), das weiß man aber seit ca. 150 Jahren. Und man weiß auch durchaus, wie man damit umzugehen hat. Die verbleibende Plattendicke der Außenhaut und Decks messen kann heute jede Krauter-Werft, das geht quasi im Vorbeigehen. Die schwerer zugänglichen Bauteile (Spanten, Stringer etc.) muss man aber natürlich zusätzlich prüfen, notfalls mit Abnehmen der Platten an kritischen Stellen.

    Der große Vorteil von Stahlrümpfen: man kann praktisch jeden Schaden reparieren und die entsprechenden Stellen quasi wieder in den Neuzustand versetzen. Wenn man ihn rechtzeitig erkennt und fachmännisch behebt. Bei zivilen Schiffen gibt es dafür die regelmäßigen Besichtigungen, die je nach Alter und Klasse des Schiffes in bestimmten Abständen ausgeführt werden müssen – quasi eine Art Schiffs-TÜV.

    Was den Schiffbauer zu der Frage führt: was zur Höllle ist da in den letzten 20 Jahren bei der Gorch Fock schiefgelaufen? Wenn der Zustand aktuell wirklich derartig übel ist, dann wurde der Bockmist sicher nicht in der Amtszeit von UvdL verursacht. Wenn ich mich richtig entsinne, war die GF Anfang der Nullerjahre für eine größere Überholung in der Werft. Bereits da hätten diese Dinge auffallen müssen, denn ein Stahlrumpf vergammelt nicht innerhalb von 5 Jahren.

  • TheGrinch   |   14. Januar 2019 - 14:14

    asplen | 13. Januar 2019 – 15:21

    Meine Güte, schlimmer bitte nicht mehr… Ich behaupte mal, dass der größte Teil der Projekte im Rahmen bleibt. Allein der Aufwand, das Geld nachzufordern und der damit einhergehende zeitliche Verzug motiviert dazu, ein Projekt möglichst schnell in die Nutzungsphase zu bringen. Da habe ich auf ziviler Seite Unternehmen gesehen, die das schlechter gemacht haben… Über gut laufende Projekte wird nunmal seltener berichtet.

  • Escrimador   |   14. Januar 2019 - 14:15

    Thomas Melber | 13. Januar 2019 – 17:22

    „Das hat schon damit zu tun, da man die Bw eben als „Selbstbedienungsladen“ ansieht – Motto: Geld spielt keine Rolle (außer bei kleinen Anschaffungen, wie z.B. einen notwendigen Aktenvernichter fürs Büro oder einen zusätzlichen Arbeitsplatzrechner).“

    Könnte daran liegen, dass wir weniger Segelschulschiffe und anderes Großgerät brauchen als plötzlich Aktenvernichter „notwendig“ wären, wenn das jeder selbst entscheiden könnte.
    Wenn Sie mal für Büromaterial zuständig waren wissen Sie, was ich meine.
    Ich gebe zu: Auch beim Büromaterial fängt der Fisch am Kopf zu stinken an. Je toller der Dienstposten, um so hochwertiger der Bedarf. Aber die unteren Ebenen sind im Kleinen auch nicht besser, nicht nur bei Büromaterial.

  • Escrimador   |   14. Januar 2019 - 14:29

    @Dipl.-Inf(anterist) | 14. Januar 2019 – 7:26

    “ Führungspersonal entscheidet letztlich immer auf der Basis der vorliegenden Informationen, wenn diese Basis also nicht passt, dann passt auch die Entscheidung nicht!“

    Diese Informationen laufen über eine lange Kette aus Führungspersonal zu dem „Führungspersonal“, das die Entscheidung trifft. Referatsleiter, Abteilungsleiter, Präsident,… Wenn die sich alle raushalten scheuen Sie die Verantwortung.

    Dem entscheidungstreffenden Führungspersonal ist aber abzuverlangen, dass es die vorgelegten Informationen bewertet, auch auf Vollständigkeit und Eignung als Entscheidungsgrundlage hin. Dazu braucht man Führungswissen und -Kompetenz.

    Die rechtzeitige Frage:“ Was würde ein Neubau kosten?“ hätte davon gezeugt. Sieht nicht so aus, als wäre sie gestellt worden.

  • Langnase   |   14. Januar 2019 - 16:24

    @ Zapfenstreich | 13. Januar 2019 – 17:11
    Vielleicht sollte man mal differenzieren, welches tatsächlich die Hauptaufgabe der „Gorch Fock“ ist oder sein sollte: Schulschiff oder „Botschafter in Weiß“ für Deutschland.
    Wenn das Schiff als nationales Symbol um jeden Preis erhalten werden soll, warum muß es dann aus dem Budget der Marine finanziert werden? Da könnte doch eine Stiftung als Träger eingerichtet werden, an der sich dann die ganzen Interessenten beteiligen, die jetzt lautstark den Erhalt „um jeden Preis“ fordern.
    Aber anscheinend war eine solche Differenzierung nicht gewünscht, und daher galt „Augen zu und durch“. Daß so etwas immer noch möglich ist, nach mehreren Jahren der Reformversuche durch die Ministerin, läßt Schlimmes über die Reformresistenz der Bundeswehrverwaltung vermuten.

  • Closius   |   14. Januar 2019 - 16:36

    Wenigstens spricht nach dem Bericht des Brundesrechnungshofes nichts dafür, daß die Kostenexplosion auf Bestechung beruht, sondern entweder auf Schönrechnerei, um die GF unbedingt im Dienst zu halten oder dem ignorieren des tatsächlichen Zustandes des Schiffes.

    Daß die Außenhaut des Schiffes längst zu dünn war bzw. wegen Korrosion das Leck- und Lenzsystem gefährdet war, und das Schiff trotzdem weiter betrieben wurde, war für ein Schulschiff unverantwortlich.

    Ein neues Segelschulschiff wäre längst die bessre Lösung, aber es ist doch eine Illusion zu glauben, daß die BW ein neues Segelschulschiff beschaffen kann, ohne großen Zeitverzug und ohne Mehrkosten. Die BW würde es doch nicht hinbekommen, einfach ein Segelschiff von der Stange zu kaufen. Das gibt garantiert eine völlige Neukonstruktion mit so vielen (nachträglichen) Änderungswünschen, daß 167 Millionen wahrscheinlich noch ein Spottpreis wären. Zudem ist die Frage, ob die Instandsetzung einfach abgebrochen werden kann oder ob dafür der Werft nicht eine Konventionalstrafe zu zahlen wäre?

  • Escrimador   |   14. Januar 2019 - 17:14

    @Langnase | 14. Januar 2019 – 16:24
    Ich stimme Ihnen zu bei der „Reformresistenz“, sehe aber nicht nur die Bw-Verwaltung sondern auch Streitkräfte und Ministerium betroffen.

    @Closius | 14. Januar 2019 – 16:36
    Mir wäre ein Bestechungsskandal lieber. Der wäre kriminell und weniger ein systematischer Fehler oder routinemäßiges Versagen.

  • Koffer   |   14. Januar 2019 - 18:04

    @Escrimador | 14. Januar 2019 – 14:29
    „Die rechtzeitige Frage:“ Was würde ein Neubau kosten?“ hätte davon gezeugt. Sieht nicht so aus, als wäre sie gestellt worden.“

    Naja, der SPON Artikel zeigt ja, dass sie gestellt wurde und mit 167 Mio beantwortet wurde.

    Ob diese Zahl nun angesichts der deutschen Beschaffungsvorgaben und üblichen Sonderwünsche realistisch ist oder nicht vermag ich nicht zu entscheiden…

  • Escrimador   |   14. Januar 2019 - 22:09

    @Koffer | 14. Januar 2019 – 18:04

    Hab jetzt auch gesehen, dass die Frage gestellt wurde, oder anscheinend gleich Zahlen geliefert wurden.
    Ich glaube der Bewertung des Rechnungshofes. In einem anderen Thread zum Thema wurden auch deutlich geringere Kosten genannt.
    Wenn man sich traut die Ministerin so falsch zu informieren …
    Wenn sie nicht fragt, woher die Zahlen kommen … (Deutschland, Ausland?)

    Grade woanders gefunden (nicht geprüft):
    Nur kluge Fürsten können klug beraten werden. (Niccolo Macchiavelli)

  • asplen   |   15. Januar 2019 - 12:08

    TheGrinch | 14. Januar 2019 – 14:14

    asplen | 13. Januar 2019 – 15:21

    Meine Güte, schlimmer bitte nicht mehr… Ich behaupte mal, dass der größte Teil der Projekte im Rahmen bleibt. Allein der Aufwand, das Geld nachzufordern und der damit einhergehende zeitliche Verzug motiviert dazu, ein Projekt möglichst schnell in die Nutzungsphase zu bringen. Da habe ich auf ziviler Seite Unternehmen gesehen, die das schlechter gemacht haben… Über gut laufende Projekte wird nunmal seltener berichtet.

    Und funktioniert dann auch alles in der Nutzungsphase? Gibt es Erhebungen darüber, ob ein Projekt ein finanzieller oder funktionaler Griff ins Klo war? Wird intern Ursachenforschung betrieben oder überlässt man das dem Bundesrechnungshof, damit man sagen kann „stimmt ja gar nicht, was die sagen, die kennen sich ja auch nicht aus“? Lernt die Bundeswehr aus ihren Fehlern? Gibt es eine Lernkurve?

    Ich versuchs mal wieder bildlich: Der Teenager, der dafür bekannt ist, dass er mit Geld nicht umgehen kann und dem man auch nachsagt, dass er im Grundbetrieb viel am herumgammeln ist, bei einem solchen Teenager sträuben sich die Eltern an eine Taschengelderhöhung auch nur zu denken.