‚Gorch Fock‘: Entscheidung über Sanierung „zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“

Fürs Archiv: Der am Wochenende bekannt gewordene Bericht des Bundesrechnungshofs zur Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Deutschen Marine, und der Kostenexplosion bei der Sanierung des maroden Großseglers hat am (heutigen) Montag auch die Bundespressekonferenz beschäftigt. Kernaussage von Jens Flosdorff, dem Sprecher des Verteidigungsministeriums, zur Frage nach der Entscheidung über eine weitere Sanierung des Schiffes: Wenn man dort eine gesicherte Ablauflinie hat, dann kann man Entscheidungen treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das nicht möglich.

Zur Dokumentation Flosdorffs Aussagen:

Frage: Es geht um die „Gorch Fock“. Wie bewertet denn das Bundesverteidigungsministerium jetzt den Bericht des Rechnungshofes, dass überhaupt nie eine Wirtschaftlichkeitsprüfung stattgefunden hat? Das wäre die eine Frage.

Die andere Frage: Wäre es denkbar – gerade unter der Voraussetzung, dass der Ministerin vielleicht tatsächlich falsche Zahlen vorgelegen haben könnten -, dass sich die Ministerin doch noch einmal anders entscheidet, was den Weiterbau oder die Sanierung der „Gorch Fock“ angeht?

Flosdorff: Danke für die Frage. Ich würde hier – ich bitte um Verständnis – eine umfassende Bewertung dazu nicht abgeben, zumal das eine Prüfmitteilung ist, die uns erst vor nicht allzu vielen Tagen erreicht hat. Mit dem Bundesrechnungshof ist bisher vereinbart – das wäre dann auf Seiten des Bundesrechnungshofs anders zu bewerten -, bis zum Abschluss des kontradiktorischen Verfahrens die Gelegenheit zu erhalten, zu den einzelnen Sachverhalten und Bewertungen seitens des Ministeriums Stellung zu nehmen.

Das ist eine sehr umfangreiche Instandsetzungshistorie, die dort Gegenstand dieser Prüfmitteilung ist. Das geht bis zum Beginn dieses Jahrtausends zurück. Die unterschiedlichen Stellen, die Verfahrensschritte, was instandgesetzt worden ist, welche Reparaturen zu welchem Zeitpunkt absehbar waren, all das beleuchtet der Bundesrechnungshof. Das braucht einige Zeit, bis das von unserer Seite aus richtig eingeordnet, bestätigt oder ergänzt werden kann. – Das vorausgeschickt.

Diese Aufarbeitung läuft auf unterschiedlichsten Ebenen. Es gibt unterschiedlichste beteiligte Stellen in der Bundeswehr. Der Großteil dieses Geschehens spielt unterhalb des Ministeriums in den zuständigen Ämtern.

Nichtsdestotrotz geht es dabei auch um die Frage – da haben Sie selbstverständlich Recht; auch das ist Gegenstand der Prüfmitteilung -, inwieweit valide Daten und Sachstände nach oben durchgemeldet worden sind. Das wird untersucht.

Parallel dazu – darüber hatten wir ja schon vor Ende des Jahres gesprochen – gibt es diesen Korruptionsverdacht gegen einen Mitarbeiter der Bundeswehr auf der Werft. Diese Untersuchungen laufen parallel dazu, sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei uns intern. All diese Ermittlungen werden zusammen laufen.

Bisher – das ist der Sachstand; daran hat sich auch nichts geändert – haben wir einen Zahlungsstopp bei den Arbeiten der „Gorch Fock“. Wie es mit der „Gorch Fock“ weitergeht, werden wir erst abschließend wissen und entscheiden können, wenn wir in all diesen Punkten Klarheit haben. Deswegen – da bitte ich um Verständnis – kann ich Ihnen jetzt hier und heute auf diese Frage keine abschließende Antwort geben.

Zusatzfrage: Also dieser Zahlungsstopp bezieht sich quasi nicht nur auf die Prüfung des Korruptionsvorfalls, sondern wahrscheinlich auch noch auf die Prüfung der Vorwürfe des Bundesrechnungshofs? Habe ich das so richtig verstanden?

Flosdorff: Das ist ein anderer Sachverhalt, auf den sich jetzt die Korruptionsvorwürfe beziehen. Das ist eine sehr umfassende Betrachtung dessen, was in den letzten fast zwanzig Jahren passiert ist, aufgegliedert nach unterschiedlichen Schritten, den unterschiedlichsten beteiligten Stellen und Kenntnisständen. Das wird dort bewertet. Der Zahlungsstopp bezieht sich jetzt in erster Linie auf das Instandsetzungsverfahren, das wir aktuell haben, also auf Arbeiten, die schon in der Werft stattgefunden haben, die aber auch in den nächsten Monaten und im nächsten Jahr noch weiter stattfinden müssten.

Da wollen wir erst einmal, bevor jetzt wieder öffentliche Gelder dort investiert werden, wissen: Inwiefern ist dort bisher alles richtig investiert worden? War das alles sachgerecht? War das preislich in Ordnung, was auch über den Tisch desjenigen gelaufen ist, der dort von der Bundeswehr dafür zuständig war, das zu beurteilen, der der sich jetzt sozusagen einem Verdacht der Korruption ausgesetzt sieht und gegen den auch die Staatsanwaltschaft ermittelt?

Frage: Herr Flosdorff, zwei Nachfragen dazu: Ist denn – Stand jetzt – ein völliger Stopp der Instandsetzungsmaßnahmen überhaupt noch denkbar, also ein Ende mit Schrecken? Oder sagen Sie: Kopf runter und durch?

Macht man sich grundsätzlich Gedanken darüber, ob die Bundesmarine überhaupt noch ein Segelschulschiff braucht?

Flosdorff: Für solche Überlegungen ist es viel zu früh. Wir müssen jetzt erst einmal genau wissen: Was ist der tatsächliche Stand?

Es gibt dazu Papiere; es gibt Berichte. Trotzdem wollen wir es jetzt genau wissen. Es gibt Sachverhalte, bei denen man etwas mehr Zeit braucht, um sie zu eruieren. Man muss jetzt durch die Bücher gehen und schauen: Wie waren die Preiskalkulationen? Stimmt das alles? Welche Arbeiten sind tatsächlich von den Arbeiten ausgeführt worden, die abgerechnet worden sind? Wie sind die weiteren Prognosen, dass das im Management weiter erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, was man bisher bei der Restaurierung erreicht hat?

Wenn man dort eine gesicherte Ablauflinie hat, dann kann man Entscheidungen treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das nicht möglich. Deswegen werde ich jetzt auch nicht auf unterschiedliche Szenarien eingehen, die sich dann anbieten. Denn erst müssen wir in der Lage sein, das valide zu bewerten.

Zusatzfrage: Wer macht die Prüfung genau? Macht das die Marine, der Bundesrechnungshof oder eine unabhängige Stelle?

Flosdorff: Das sind unterschiedlichste Stellen. Was die Frage dieses Preisprüfers angeht, der jetzt auch Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Untersuchungen ist, so sind das natürlich andere Preisprüfer – das ist eine sehr fachliche Tätigkeit -, die das jetzt penibel nachprüfen.

Zweite Linie: Was jetzt die Rolle der unterschiedlichen beteiligten Stellen der Bundeswehr auf den unterschiedlichsten Ebenen angeht, so wird das jetzt aus dem Ministerium durch eine Stelle koordiniert, die bisher nicht mit diesem Strang befasst war, die also einen neutralen Blick darauf hat. Unterstützt wird sie von Fachkräften aus anderen Bereichen des Geschäftsbereichs des Bundesverteidigungsministeriums. Es sind nachgeordnete Behörden, die auch mit Prüfverfahren betraut sind und dort die notwendige Sachkenntnis mitbringen. Aber natürlich wird auch zugearbeitet durch die Marine, das Amt in Koblenz und die dem Amt nachgeordneten Behörden.

Frage: Herr Flosdorff, aus gegebenem Anlass: Findet diese Aufarbeitung beziehungsweise kritische Analyse mit internem Sachverstand statt, oder werden auch externe Berater hinzugezogen? Welches ist die Position oder Rolle dieser?

Zum Zweiten: Können Sie sagen, wie viel Geld bislang bei der „Gorch Fock“-Sanierung entweder tatsächlich schon ausgegeben oder irreversibel zugesagt worden ist?

Flosdorff: Der bisherige Ausgabenstand bei der „Gorch Fock“ – das hatten wir Ende des Jahres – sind 67 Millionen Euro. Daran hat sich nichts geändert, da ja damals ein Zahlungsstopp verfügt worden ist.

Was jetzt externen und internen Sachverstand angeht: Die Staatsanwaltschaft würde ich jetzt dem externen Sachverstand zuordnen. Mit ihr arbeiten wir intensiv zusammen.

Ansonsten ist das im Moment – wir haben ja 250 000 Mitarbeiter; wir haben 70 000 Zivilbeschäftigte, die sich sehr gut mit Verwaltung auskennen, auch mit Rechnungsprüfung – gut intern machbar.

(Archivbild: Die Gorch Fock am 25. November 2015 bei der Rückkehr von ihrer 168. Ausbildungsreise in Wilhelmshaven, vor Beginn der andauernden Werftliegezeit – Foto Wikimedia Commons/Ein Dahmer unter CC-BY-SA-Lizenz)

31 Gedanken zu „‚Gorch Fock‘: Entscheidung über Sanierung „zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“

  1. Herr Flosdorffs Job will ich auch nicht haben. Außer Blubber, Laber, Furz kann er ja auch keine Auskünfte geben.
    Ich bin allerdings bisher davon ausgegangen, das man bei der Entscheidung, 135 Millionen € für die Gorch Fock auszugeben eine gesicherte Ablauflinie hatte. Das man diese jetzt erst sucht – ohne Worte.

  2. Für 67 Mio haben wir jetzt – was? Eine Hulk? Ggf. nur bedingt schwimmfähig? Was wurde denn bisher verbaut / gemacht?

  3. Wird langsam ein Fall für die heute-show und extra3. Ich sehe da schon hochdekorierte Marineoffiziere in Elsfleth herumstaksen, die sich „mal ein Bild machen“ wollen/müssen. Weil da wirklich kein Sachstand vorliegt. Zum Gruseln…

    Diese Abgründe, die sich da auftun, erschüttern nachhaltig mein Vertrauen in die Substanz der Entscheidungen und das Arbeitsethos der Beteiligten und der Verantwortlichen.

  4. @Thomas Melber | 14. Januar 2019 – 21:25

    Für 67 Millionen € liegt der Kahn jetzt total zerlegt auf der Werft in Elsfleth. Man kann vor allen Fehlern und notwendigen Reparaturen nicht mehr die Augen verschließen. Und es wurden neue Teetassen für den Kommandeur bestellt. Cool, oder? /sarc off
    #verbranntesGeld

  5. Gibt es denn gar kein Qualitäts- und Kosten-Controlling im Ministerium? Warum kann der BRH das?

  6. „Woher kommen die Gelder für das alles?“ – „Sie glauben doch nicht im Ernst dass sie 10.000$ für ne Klobürste ausgegeben haben…!“ >>> „Independence Day“, 1996

  7. @ Pio-Fritz | 14. Januar 2019 – 20:53

    „Blubber, Laber, Furz […]“

    Warum so kritisch? (scnr)

  8. mal aus der erfahrung einer oldtimer restauration (nichts anderes ist die Gorch Fock sanierung ja)

    Jeder Arbeitsschritt wird bei einer solchen minutiös dokumentiert und photographisch archiviert. So ist jeder zeit der ISt mit dem finalen sollzustand abgleichbar und man hat am schluss ein schönes album zum blättern.

    eine derart triviale „Was wurde bisher gemacht“ „was ist bis zum definierten zustand noch zu machen“ Dokumentation ist bei der Gorch Fokc nicht möglich?

    Für mich unbegreiflich was im Beschaffungsprozess für dysfuktionale Strukturen herrschen die solche entwicklungen zulassen. Da war vermutlich die Sowjet Planung effizienter.

    letztlich ist es aber vermutlich wieder niemand gewesen, verantwortungsdiffusion usw. folglich ändert sich auch nichts.
    ——————-
    seit wie vielen Jahren ist das eschaffungsamt und entsprechende Abläufe jetzt eigentlich schon als Problemfall identifiziert? 10? 15?

    Hat sich da durch die unzähligen „reformen“ überhaupt etwas verbessert?

  9. Bei dem Preis könnte man inzwischen den Rumpf komplett mit Gold beplanken. Dann wäre auch gleich das Korrosionsproblem dauerhaft gelöst.

    Na, wie wärs?

  10. @Alex | 15. Januar 2019 – 0:12

    Gibt es denn gar kein Qualitäts- und Kosten-Controlling im Ministerium?

    Sie setzen an der falschen Stelle an. Das wären die Aufgaben des Marinearsenals und des Beschaffungsamtes. Entweder ist das nicht gemacht worden oder die Zahlen wurden auf dem Weg in das Ministerium geschönt, um „alle Ampeln auf grün“ zu stellen. Man will ja schließlich mit einem positiven Beitrag auffallen.
    Das gilt es jetzt heraus zu finden.

  11. Es ist ja offensichtlich, dass bei der Kostenschätzung für die Renovierung der Gorch Fock Fehler gemacht wurden.

    Wenn von vorn herein klar war, dass die Außenhaut 0,1 mm Wandstärke pro Jahr im Betrieb verliert, dann ist auch von vorn herein klar, dass die Wandstärke nach 60 Jahren Betrieb nur noch die Hälfte von 10- 12 mm, also nur noch ca. 6 mm beträgt. Dies muss bereits beim Eindocken im November 2015 klar bekannt gewesen sein.

    Wenn dann innerhalb von 10 Monaten (von Nov. 2015 – Sept 2016) die Kostenschätzung nach der Befundung des Schiffes von 10 Mio Euro auf 64,5 Mio Euro stieg, dann war klar dass man es mit einem „wirtschaftlichen Totalschaden“ zu tun hat. Folgerichtig hat der Projektleiter beim BAAINBw die Reißleine gezogen, einen Arbeitsstopp verhängt und an das Ministerium gemeldet.
    Aus meiner Sicht hat der Projektleiter bis hier alles richtig gemacht.

    Was dann im Ministerium daraus gemacht wurde, wäre einen Untersuchungsausschuss wert, denn genau hier, an der Spitze ist manipuliert worden.

    Und im Gegensatz zu den Aussagen des Inpekteurs der Marine, dass der administrative Mittelbau, also die Bw-Ämter und Kdo-Behörden, Veränderungen häufig blockieren, die von ihm sogenannte „frozen middle“ Schiene, haben die sich aus meiner Sicht weitgehend richtig verhalten in diesem Fall.

    In diesem Fall war es eben nicht die vom Inspekteur beklagte „Verantwortungsdiffusion“ der mittleren Ebene, sondern der unbedingte Wille der minstrialen Entscheider die Renovierung entgegen aller Widerstände und Kostensteigerungen durchzudrücken.

  12. Ob die Ministerin die Kombination aus Untersuchungsausschuss zur Berater-Affäre und die Causa „Gorch Fock“ übersteht? Und wer wird mit in den Strudel hinein gezogen?

    Dieses Mal kann sie sich nicht auf die Vorgänger und geerbte Probleme zurückziehen. Das ist alles während ihrer Amtszeit entstanden und passiert.

  13. Alex | 15. Januar 2019 – 0:12

    Gibt es denn gar kein Qualitäts- und Kosten-Controlling im Ministerium? Warum kann der BRH das?

    Habe noch nie erlebt, dass sich die Gehaltsklasse 3000+ netto dafür interessiert hätte. Es sei denn, es geht darum Anfragen des Fußvolks abzuwimmeln. Dann werden ganz schnell verschiedenste Bedenken geäußert, sehr beliebt sind dabei „isso“ und „das haben wir schon immer so gemacht“ .

  14. @ MA | 15. Januar 2019 – 9:25

    „Warum so kritisch?“

    Nun, wenn Flosdorff z.B. sagt: „Ansonsten ist das im Moment – wir haben ja 250 000 Mitarbeiter; wir haben 70 000 Zivilbeschäftigte, die sich sehr gut mit Verwaltung auskennen, auch mit Rechnungsprüfung – gut intern machbar.“ darf man kritisch sein.

    Habe also den Sporthallenwart und einen Geländebetreuer nach Verwaltungskenntnissen gefragt.

    Und wenn alle so qualifiziert sind: Wie konnte das Problem überhaupt entstehen?

  15. 1.) Gorch Fock:
    Bisherige Kosten EUR 67 Millionen, sagen wir also ca. $ 70 Millionen. Seit Dezember 2015 in der Werft, nun haben wir Januar 2019 (37 Monate).

    2.) BAP Union:
    Baukoasten $ 70 Millionen. Kiellegung Dezember 2012, Indienststellung Januar 2016 (37 Monate).

    Ergebnis in Fall 2.): Ein großes, modernes, einsatzfähiges Segelschulschiff.

    Ergebnis in Fall 1.): N/A

    Was muss eigentlich politisch/gesellschaftlich geschehen, damit wir endlich aufhören, gutes Geld schlechtem hinterherzuschmeißen und zügig, zielgerichtet und zeitplangemäß den Bau eines neuen Schiffes in die Wege zu leiten?

  16. Es fällt schwer, emotional, nicht in Kraftausdrücke zu verfallen.
    In jedem Projekt – hier handelt es sich ein WERK, gibt es eine fachliche und kaufmännische Projektleitung.
    Das Projekt, das Team, die Lieferanten sollten in einer sogenannten „Roadmap“, in entsprechenden Rollen aufgestellt sein. Daraus leitet sich ein Projektplan ab.
    In der Vergangenheit hatte ich in anderen Fäden bereits das Risikomanagement in Frage gestellt. Das Ministerium führt offensichtlich kein notwendiges Compliance-Management durch.

    Es ist eine Schande. Wer wird dafür die Verantwortung übernehmen?

  17. @Moth
    „Es ist eine Schande.“
    Stimmt.

    “ Wer wird dafür die Verantwortung übernehmen?“
    Vermutlich niemand.

  18. Der Bau selbst wäre vermutlich sogar recht schnell möglich.

    Zwei Beispiele: Le Quy Don: Für Vietnam gebaut von Marine Projects Ltd., Gdansk. Bestellt 2013, Fertigstellung 2015
    El-Mellah: Für Algerien gebaut von Remontowa in Gdansk. Baubeginn 2015, Fertigstellung 2017.

    Ich frage mich aber, wie lange wohl die Planung durch die Bundeswehr dauern würde?

  19. Da die BW jetzt einige Wochen Zeit hatte, ist es nicht verständlich, daß die BW noch immer nicht entscheiden kann, ob Neubau oder Fertigstellung der Reparatur.

    Denn die Verlierer sind die Offiziersanwärter, die umso länger auf eine vollständige Ausbildung auf einem Schulschiff verzichten müssen, als keine Entscheidung gefällt wird.

    Es wäre auch genug Zeit gewesen, Angebote für ein Schulschiffneubau einzuholen, wenn die BW wüsste was sie will. Und dies ist meine Befürchtung, daß die BW Jahre brauchen würde um festzulegen, wie ihr Schulschiff aussehen soll und die Ausschreibung dann weitere Jahre kostet. 5 – 10 Jahre würde eine Neubeschaffung eines Segelschulschiffes sicher brauchen.

    Und ein Schulschiff wie die alte Deutschland, wovon hier wohl einige träumen, das größte Schiff der Bundesmarine, könnte die BW sicher auch nicht schneller beschaffen, weil die BW sicher wieder Jahre bräuchte, das Schiff zu planen und auszuschreiben. Ganz abgesehen davon, daß ein Schiff wie die Deutschland, mit Fregattengröße, sicher mehr als 500 Millionen Euro kosten würde.

    Der BW traue ich nicht zu, als Schulschiff einfach eine weitere Fregatte der F 125 Klasse zu bestellen, nur daß dieses dann Kadetten ausbildet, anstatt Seesoldaten transportieren zu können. Damit hätte die BW noch am schnellsten ein Schulschiff, welches im Verteidigungsfall als normales Kriegsschiff dienen könnte. Allerdings kostet eine Fregatte der F 125 Klasse stolze 750 Millionen Euro.

  20. @Closius | 15. Januar 2019 – 17:35:
    Eine komplette Kampfeinheit in Fregattengröße nur zu Ausbildungszwecken?
    Dann lieber so vorgehen wie die Franzosen, die nach Außerdienststellung ihres Schulschiffs „Jeanne d’Arc“ vor ein paar Jahren einfach wechselweise eins ihrer Landungsschiffe der „Mistral“-Klasse für die Ausbildungsmission abstellen und etwa 120 Kadetten auf die Reise schicken.
    Die Deutsche Marine bildet wohl ähnlich viele Kadetten aus, und zusammen mit den Ausbildern würden denen das Platzangebot einer Fregatte wohl kaum ausreichen. Also könnte man (ich spinne mal) einen 4. EGV bauen und an Stelle des MERZ ein containerisiertes Ausbildungszentrum einrüsten, oder man müßte sich ein komplett anderen Konzept überlegen – natürlich nur, wenn man sich von der Seglerromantik verabschieden würde.

  21. @K.B.   |
    Der „Obergrüne“ wohnt in S-H zwischen den Meeren, er weiß was Seefahrt und Maritimes für eine exportabhängige Nation bedeuten? Offenbar.

  22. @Closius:

    Es geht aber um ein Segelschulschiff und nicht um ein „allgemeines Schulschiff“ !

    Letzteres bräuchte man allerdings m.E. nach zusätzlich. Und dieses bräuchte man dabei gar nicht neu zu beschaffen.
    Es würde reichen, die „Lübeck“ im Dienst zu halten. Sie könnte in Zeiten, wo sie nicht als Schulschiff gebraucht wird, dann andere Aufgaben ausüben und so die operativ tätige Flotte entlasten. Als Erprobungsträger oder auch für Aufgaben wie „Marine Live“ HCDLQ, „Wellenreiter“ usw.

  23. @Pio-Fritz
    Eine strategische Steuerung (zentrales Controlling) sollte jedoch gerade das verhindern. Das sollte eigentlich etablierte Praxis bei allen Ministerien sein, um das Steuerungssystem auf die politische Leitung zuzuschneiden und frühzeitig Chancen und Risiken zu erkennen, um steuernd einzugreifen.
    @asplen
    Ja, leider. altes Beispiel „Skonto“ (Schafft man es rechtzeitig? Wenn nein, woran liegt es?).

  24. Nach all dem Jammern und der Kritik, nicht zu vergessen die gemurmelten und über Bord gespuckten Seemannflüche, mache ich mal einen konstruktiven Vorschlag zur Lösung des Problems:

    Im August 2014 wurde im Auftrag des Oberbürgermeisters von Stralsund vom Ingenieurbüro Lautner ein Gutachten zur Instandsetzung der Gorch Fock (1) erstellt. Baugleich mit der Gorch Fock (2), 25 Jahre älter, letzte Werftüberholung 2002. Als Gesamtkosten wurden 6 Millionen Euro ermittelt. 4,5 Millionen für die Schwimmfähigkeit, 1,5 Millionen für die Seefähigkeit. Irgendwas ist immer, rechnen wir mal mit 10 Millionen. Für einen Einsatz bei der Bundeswehr spendieren wir noch etwas Komfort und zwei Gimmicks und verdoppeln die Summe großzügig auf 20 Millionen.

    Vorschlag:

    Gorch Fock (1) und Gorch Fock (2) tauschen die Plätze.
    Das aktuelle Marineschiff geht an den Museumskai (verschrotten will man sie ja wohl nicht), die originale Gorch Fock kehrt in den aktiven Dienst zurück. Für 20 Millionen, deutlich billiger als die anstehende Weiterarbeit an der (2). Eine ausführende Werft ist übrigens gleich neben dem Liegeplatz der (1) vorhanden, die schon 2002 die Schwimmtüchtigkeit des (Noch-)Museumsschiffs hergestellt hat. Win-win.

    Na, wie wärs?

    Aber vermutlich ist der Vorschlag viel zu billig und viel zu realistisch…

  25. Als ob das BAAINBw, bzw. Die S5 derzeit personell in der Lage wäre, ein neues Segelschulschiff zu projektieren…
    Grundsätzlich hätte das vlt. ohne „Sonderlocken“ funktionieren können (d.h. Wenn ein, zwei Mitarbeiter einen Neubau hätten bewältigen können), aber leider ist realistisch zu erwarten, dass ein Neubau dermaßen mit Anforderungen überfrachtet worden wäre, dass man ein eigenes Referat dafür hätte eröffnen müssen. Das Personal dafür aus der See zu ziehen? Nie im Leben!
    Wenn dann auch noch zuvor der grundsätzliche Sinn eines Segelschulschiffes und der Bedarf hierfür aus der Fähigkeitslage hätte abgeleitet werden müssen, hätte die Marine bei Abbruch der Instandsetzung vielleicht überhaupt keinen neuen Großsegler bekommen.
    Also gab es -aus Sicht des Bedarfsträgers- doch gar keine anderenOption, als an der Instandsetzung der GF um jeden Preis festzuhalten!
    Jetzt muss es freilich gelingen, den schwarzen Peter möglichst weit nach unten, z.B. ans BAAINBw bzw. MArs weiterzureichen…
    Meiner Erinnerung nach, hat das MArs und auch der PL beim BAAINBw sehr, sehr früh warnend die Hand gehoben und gemeldet.

  26. Da das BMVg gegen das bewahren militärischer Traditionen in Deutschland ist, siehe 37+11 (F-4F) !

    Dementsprechend die Gorch Fock umgehend verschrotten, nicht das noch irgendjemand auf die Idee kommt das Schiff in eine Stiftung zu überführen um es für die Nachwelt zu erhalten.

    Mit einen Wechselkurs von 1 Peruanischer Sol zu 0,26 Euro hat die BAP Unión, dass neue Segelschulschiff der Peruanischen Marine nur 43,96 Mio. Euro gekostet.

    http://www.sima.com.pe/transparencia/mapafonafesp/3200_SimaPer%C3%BA_II_Memoria_Anual_2016.pdf

    (Construcción de un Buque Escuela Vela auf Seite 23,24)

    Wir Bestellen zwei Einheiten bei der Sima Werft in Peru, legen ein paar Scheine für einen Brennstoffzellen Antrieb drauf und schmücken das Schiff noch mit Karronade und Kanonen des 18. Jahrhunderts aus. Problem gelöst !

    Der Schiffstyp ist dann Fregatte und wir heben uns äußerlich von der BAP Unión ab.

  27. Heute Morgen in der Zeitung eine Meldung zur Verteidigungsausschusssitzung gestern.
    Demnach wurden dessen Mitglieder darüber unterrichtet, dass die GF bis Ende 2020 inkl. Unterhaltungskosten ca. 260 Mill. € kosten wird.

    Da muss man erstmal durchatmen. Dafür kann man die Mircea schön weiterleasen und gleichzeitig ein neues Schiff bauen lassen. Da kann da ja auch GF heißen, hatten wir ja schon mal.
    So rosarot kann ja keine Marinebrille sein, das man immer noch krampfhaft an dem Kahn festhält. Stoppt diesen Irrsinn!

    [Quelle über „heute morgen in der Zeitung“ hinaus? Ich kann derzeit keine Meldung für die 260 Mio finden… T.W.]

  28. Die Luftwaffe überlegt gerade ob sie sich einen Zeppelin beschafft oder es bei den günstigen Segelfliegern in Roth bleibt ;-)

  29. @Zimdarsen…..das war köstlich, ich musste herzhaft lachen :)
    Ich wüßte aber auch gerne in wie weit gestern der Vtg-Ausschuss reagiert und vor allem entschieden hat

  30. @gk jürgen

    „von der Leyen soll Vorwürfe schnell aufklären und die GF soll bleiben“ (NDR Welle 1)

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