Trident Juncture: Andere Anforderungen als im Kalten Krieg

Das NATO-Großmanöver Trident Juncture 18 in Norwegen ist am (heutigen) Donnerstag in die scharfe Phase, die so genannte Live Exercise, gegangen – ab heute wird sozusagen formal eine militärische Auseinandersetzung geübt. Deshalb gibt es heute dazu auch etliche Berichte und Interviews (mehr dazu unten), obwohl für die beteiligten Soldaten die Übung schon seit Wochen, für einige schon seit Monaten läuft. Was die Truppe bisher schon gemacht hat und was der LiveEx-Beginn praktisch bedeutet, habe ich im Camp Rødsmoen bei Rena in der Mitte Norwegens den deutschen Brigadegeneral Ullrich Spannuth gefragt. Spannuth ist Kommandeur der Land-Brigade der so genannten Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), der NATO-Speerspitze, die ein wesentlicher Teil dieser Übung ist:

Spannuth_VJTF_25okt2018     

 

Eine Aussage des VJTF-Kommandeurs fiel mir dabei auf: Eine solche Verlegung für eine Übung, sagt er, habe die Bundeswehr auch während des Kalten Krieges nicht gemacht – die fand in einer solchen Größenordnung nur innerhalb der Bundesrepublik statt, also innerhalb der Landesgrenzen. Die neue Qualität sei eben, für die Bündnisverteidigung innerhalb des NATO-Gebiets auch über größere Entfernungen Soldaten und vor allem Gerät zu transportieren.

Zur Ergänzung die Aussagen von Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn, der im NDR den Beitrag der deutschen Streitkräfte zu Trident Juncture – immerhin der zweitgrößte Truppensteller nach den USA und vor den gastgebenden Norwegern – auch politisch einordnet:

Frage: Manche sagen, dieses Manöver („Trident Juncture“) kommt zur falschen Zeit, weil das Verhältnis zu Russland extrem angespannt ist. Was sagen Sie?

Antwort: Wir beobachten natürlich …, dass auch die russischen Streitkräfte jedes Jahr eine Großübung durchführen – im letzten Jahr, in diesem Jahr wiederum. Und Streitkräfte müssen schlichtweg üben, vor allem in diesem großen Verbund. Und das tut die NATO jetzt erstmals seit über 30 Jahren wieder in einem solchen Großmanöver. Und insofern sind wir da in einer gewissen Parallelität. Ich muss aber dazu sagen, dass die Übung selber in Norwegen keinen konkreten Bezug zu einem anderen Land nimmt.

Frage: Das Ganze findet in Norwegen statt, in einem Land mit einer Grenze zu Russland. Und Sie glauben nicht, dass dieses Manöver zu einer weiteren Verhärtung des Verhältnisses mit dem Kreml führt?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht, weil wir tatsächlich diese parallele Entwicklung haben. Man muss allerdings sehen, dass natürlich die skandinavischen Länder mit ganz anderen Augen auf ihre Landesgrenze schauen als wir das vielleicht in Deutschland tun. Norwegen, Finnland, Schweden sind ebenfalls als Übungspartner mit dabei, schauen in den arktischen Raum, schauen an ihre Landesgrenze und sehen natürlich diese Übung auch als eine Übung, die durchaus abschreckende Wirkung erzeugt.

Frage: Der Kreml sagt, dieses Manöver trage zur Destabilisierung der Sicherheit in einer Region bei?

Antwort: Das sehe ich so nicht, denn wir haben dort keine Angriffsoperationen, die wir dort führen. Wir sind dort defensiv bei dieser Übung vom Szenario angelegt und sind praktisch in einer Verteidigungsoperation und zeigen, dass das Bündnis seiner Bündnisverpflichtung gegenüber eben einem anderen Partnerland nachkommt; und zwar mit allen NATO-Partnern…

Frage: Deutschland ist mit 8.000 bis 10.000 Soldaten vertreten. Die Bundeswehr ist damit einer der größten Truppensteller für dieses Manöver. Ich nehme an, auch das ist kein Zufall?

Antwort: Das ist richtig. Wir haben uns natürlich das als einen Schwerpunkt genannt. Wir sind mit der Speerspitze der NATO in diesem Jahr praktisch in der Vorbereitungsphase auf eine sogenannte Stand-by-Phase nächstes Jahr; also in nächsten Jahr sind wir mit unseren Spitzenkräften innerhalb von zwei bis fünf Tagen reaktionsfähig. Und diese Übung trägt jetzt in diesem Jahr dazu bei, dass wir eine Zertifizierung unserer Truppenteile dort durchführen.

Wir haben diese Truppenteile eingemeldet vor mehreren Jahren und haben uns mit vielen Übungen jetzt auch auf diese Hauptübung jetzt in Norwegen vorbereitet, so dass wir danach dann einsatzbereit sind, um ein Jahr lang diese Speerspitze der NATO abzubilden.

(Hinweis: Meine aktuellen Bilder aus Norwegen hier.)

(Foto oben: Spannuth, l., Anfang Oktober auf dem Truppenübungsplatz Rødsmoen beim Besuch von Lokalpolitikern – Jesper Vigander Edwin/Forsvaret)

75 Gedanken zu „Trident Juncture: Andere Anforderungen als im Kalten Krieg

  1. Bei allem Respekt, aber zu eFP wird regelmäßig verlegt, und TRJE 15 gab es auch schon.

  2. „Eine Aussage des VJTF-Kommandeurs fiel mir dabei auf: Eine solche Verlegung für eine Übung, sagt er, habe die Bundeswehr auch während des Kalten Krieges nicht gemacht – die fand in einer solchen Größenordnung nur innerhalb der Bundesrepublik statt, also innerhalb der Landesgrenzen.“

    Die AMF Übungen Nordflanke und Südflanke waren ja auch immer Großverlegungen, aber in der Tat waren es aus DEU Sicht überwiegend Infanteristen, d.h. vermutlich, dass in der Tat noch nie soviel Großgerät gleichzeitig im Rahmen einer Übung aus DEU hinaus verlegt wurde.

    @Thomas Melber | 25. Oktober 2018 – 20:58
    „Bei allem Respekt, aber zu eFP wird regelmäßig verlegt, und TRJE 15 gab es auch schon.“

    Ich denke nicht, dass eFP und TRJE 15 auch nur annähernd mit TRJE 18 zu vergleichen ist. Eine komplette mechanisierte Brigade (+) ist bei keiner der beiden verlegt worden.

  3. Triphibische Verlegung diesen Umfangs gab es bislang nicht.
    10.000 Soldaten, 100 KPz/SPz und 4000 Kfz insgesamt, Jabo und Transportflieger sowie FlaRak stellen dabei eine andere Hausnummer dar als Bataillonsstärke (+/-) bei eFP.
    Zwar wurden bei Korpsübungen zzt Kalter Krieg 30 – 40tsd Mann bewegt, aber eben allein innerhalb der enger gefassten Grenzen bis 1989, in bekanntem Terrain der norddeutschen Tiefebene oder in Niederbayern, zudem mit deutlich geringerem joint/combined Anteil.

  4. Ist es wirklich realistisch den großen vaterländischen Krieg wie vor 30 Jahren zu üben?
    Rein logistisch kann ich diese Übung ja grundsätzlich nachvollziehen. Aber es wird doch keinen „Panzerkrieg“ mehr geben. Sollte es wirklich (hoffentlich nie) zu einer Auseinandersetzung kommen, dann gibt es doch erst einmal tagelang Luft und Artillerieeinsätze und ohne Strom, BWI und SAP bricht doch bei uns sowieso alles zusammen. Zumal die Munition wahrscheinlich auch nur für eine Woche reicht. Realversorgung für Kampftruppe unter Gefechtsbedingungen wird auch nie geübt.
    Für mich eine reine Show of Force Veranstaltung bei der man sich am Übungsende wieder gegenseitig auf die Schulter klopft und wie immer alle Übungsziele erreicht hat.

    Aus meiner Sicht sollten wir erst einmal wieder die Mobilmachung der gesamten Bundeswehr üben. Damit hätten wir schon genug zu tun. Im KK wusste ich was ich im Alarmfall zu tun hatte. Heute habe ich selbst als aktiver Soldat davon nicht mehr die leiseste Ahnung.

  5. Frage, wenn diese 10.000 einsatzfähigen Soldaten mit 100 Panzern jetzt in Norwegen sind, wer ist denn hier zu Hause in D zur Verteidigung?

  6. Herr Wiegold, Sie können ggf. etwas aufgreifen zu Teilszenaren „hybride Kriegführung“?
    Interessant, da NATO derzeit Änderungen im „Decision Making Process“ erwägt, zur Reduzierung der Reaktionszeiten bei hybrider Bedrohung.
    https://t.co/6h4YmRMgXo?amp=1

    [So was habe ich natürlich im Auge, aber das betrifft sicherlich eine andere Ebene als die, die ich hier bei der Übung beobachte… T.W.]

  7. Sind denn auch Alarmübungen während der Stand-By-Phase geplant? Trident Juncture scheint ja bewusst nicht auf eine schnelle Alarmierung und Verlegung ausgelegt zu sein.

  8. @Klaus-Peter Kaikowsky / T.W.
    Was verstehen Sie unter „hybrider“ Kriegführung?
    „Kriegführung zielt nicht vorrangig auf die Zerschlagung gegnerischer Streitkräfte, son-dern auf die Destabilisierung von Bündnissen und Staaten. Dazu eignen sich vor allem Propaganda, Unruhen, Aufstände, eingefrorene und immer wieder entfachbare Konflikte und schließlich Terrorismus und Bürgerkriege. Manchmal reicht es aus, bestehende in-terne Herausforderungen von Bündnissen und Staaten auszunutzen. Es geht also da-rum, politische Konflikte zu verschärfen und innere Frontlinien zu vertiefen, um die Ge-staltungsfähigkeit von Politik und Gesellschaft zu überfordern und die Einsatzbereitschaft von Streitkräften zu untergraben.“ (aus „Hybride Kriegführung und die Relevanz der Inne-ren Führung“, Uwe Hartmann, Reader Sicherheitspolitik 12/2016)

    Der Artikel führt aus: Wolf Graf von Baudissin beschrieb das ursprüngliche Kriegsbild der Inneren Führung mit eindringlichen Worten: „Die Bedrohung der Menschheit durch ein Lebensprinzip, das alle personalen Werte leugnet und vom einzelnen bedingungslose Unterwerfung fordert, ist zu einer Auseinandersetzung ohne Grenzen in Raum und Zeit geworden, die den einzelnen zur Entscheidung fordert und in der geistige Neutralität bereits zur Unterstützung der Gegenseite wird. Der Feind richtet seinen Angriff auf den einzelnen. Mit meisterhafter Beherrschung der Propaganda, im Spiel aller Register von der frechen Drohung bis zu einschläfernder Beruhigung, von der sozialen Zersetzung bis zum Appell an das Nationalgefühl, durch Verkehrung aller Begriffe versucht er den einzelnen in die Unterwerfung zu zwingen, lange bevor er daran denkt, Gewalt anzuwenden. …“

    Der Artikel beschreibt weiter mögliche Formen und Anzeichen hybrider Kriegsführung, die nahelegen, dass Europa und Deutschland Angriffsziele in einem hybriden Krieg sind, auch wenn der oder die Angreifer nicht genannt werden. Wir bräuchten dazu also keine Übung.

    Betrachtet man Innere Führung als ein unverzichtbares Element der deutschen Sicherheitspolitik, dann reicht es allerdings nicht aus, den bundeswehrspezifischen Teil wiederzubeleben. Dann muss die Gesellschaft einbezogen, informiert, geistig gerüstet und zur Verteidigung gegen hybride Angriffe befähigt und „eingesetzt“ werden, denn geistige Neutralität würde bereits zur Unterstützung der Gegenseite (s.o.).

  9. @Insider „Zumal die Munition wahrscheinlich auch nur für eine Woche reicht.“
    wenn überhaupt…

    „Realversorgung für Kampftruppe unter Gefechtsbedingungen wird auch nie geübt.“
    Leider nicht.. Habe ich auch bei großen nationalen Übungen nie erlebt- Stichwort „was ist eine VR..

    @Gastkommentator ja, im nächsten Jahr ist mindestens eine Alarmierungsübung mit anschließender Verlegung geplant, der SP wird hier aber nicht die ganze VJTF- Brigade sein, sondern sich eher auf das „spearhead- battaillon‘ beziehen.

    Und Alarmübungen im Sinne „Anruf – es geht los“ wird es sicher intern reichlich geben.

    TRJE18 ist eben keine „snapex“, sondern lediglich eine „Erprobung“ von logistischen Verfahren sowie Interoperabilität, die seit fünf Jahren ausgeplant wird und zufällig in eine sicherheitspolitisch angespannte Zeit fällt.

  10. @Insider | 25. Oktober 2018 – 21:54

    Ist es wirklich realistisch den großen vaterländischen Krieg wie vor 30 Jahren zu üben?
    Rein logistisch kann ich diese Übung ja grundsätzlich nachvollziehen. Aber es wird doch keinen „Panzerkrieg“ mehr geben.

    Sagen sie das mal den Ukrainern.

    Vor 2007/2008 und der Lage- und Operationsänderung in Afghanistan (mehrtägige Patrouillen unter Feindgefahr) habe ich mich gefragt, warum wir überhaupt noch Biwak und Alarmposten ausbilden. Und plötzlich gab es wieder Bedarf und man konnte Rekruten und Anwärter neu motivieren.
    Als aus der Ostukraine die ersten Meldungen über sich beschießende Panzer auftauchten, dachte die Mehrheit auch an Falschdarstellung in den Medien und an gepanzerte Kleinfahrzeuge mit MGs. Aber nein, dort schaukelte es sich binnen weniger Tage zum klassischen Gefecht verbundener Waffen hoch.

    Folgerung: Eine Armee sollte auch heute noch auch(!) das schmutzige, stählerne Gefechtsfeld bearbeiten können.

  11. @ Insider

    Dieses selbstbeweihräucherungstamtam das hier im Zuge von Trident juncture zelebriert wird kann ich auch nicht nachvollziehen.

    Der Realitätsgrad des manövers strebt sowohl bezüglich der der jahrelangen Vorwarnung wann wo in welchem Umfang geübt wird/ bezüglich jahrelang vorher nötiger Planung der Transportkapazität (vor allem Luft/See / instruktiv dazu die neue Streitkräfte & Strategien Folge), völliger Außerachtlasung realistischer Versorgung unter Gefechtsbedingungen etc. Etc. gegen null.

    Man geht scheinbar im Szenar davon aus, dass Russland einem Anmarsch der Kräfte monatelang tatenlos zusieht uns im Ernstfall erst dann höflich anfragt ob man denn jetzt mit den Kampfhandlungen beginnen kann wenn die Nato soweit ist.

    Fahren die Ro/ro Schiffe mit Begleitschutz? Sind die aus/einschiffungshäfen mit Luftabwehr geschützt? Wie sieht es eigentlich mit einer kontinuierlichen Versorgung der Truppe bei Ausfällen personeller und materieller Art wiederum unter Gefechtsbedingungen aus? Krieg ohne Verluste?

    Könnte man ad nauseam fortführen.

    Für mich ist dieses Manöver das Gegenteil von Train as you Fight. Als Erfolg kann man es m.e. nur werten wenn man davon ausgeht das dee nächste Krieg ohne Gegner stattfindet der das geruhsame hin und herschippern von langwierig mühsam zusammengekratzten Rumpfverbänden möglicherweise etwas durcheinanderbringt.

  12. @Insider
    „Ist es wirklich realistisch den großen vaterländischen Krieg wie vor 30 Jahren zu üben?“

    Natürlich nicht! Ist eine reine Geldverschwendung, die darüber hinaus die existierenden Konflikte weiter schürt.

    Diese Übung erinnert mich an die operettenhaften Kaisermanöver der Österreicher vor dem 1. Weltkrieg. Dann kam nach der anfänglichen Euphorie von 1914 in den folgenden 4 Jahren der Realitätsschock. Plötzlich waren die Soldaten mit der schrecklichen Realität eines realen zeitgemäßen Krieges konfrontiert, die in den bunten Broschüren der Kaisermanöver so nicht vorgesehen waren. Darauf waren sie nicht vorbereitet.
    Das Selbe würde der „LotusNotes, Power Point und Umstandswäsche- gestählten “ Bundeswehr passieren wenn die ganzen netten StabsdienerInnen aus den Bundeswehr- Werbebroschüren und auch die deutsche Zivilbevölkerung der realen Vernichtungskraft der russischen Armee ausgesetzt wären.

    Krieg mit Russalnd – und darum geht es hier- ist kein Spiel für Erwachsene, sondern im Falle von Ost- und Zentraleuropa eine existenzielle Angelegenheit. Vielleicht könnte der GI ja wenigstens von Zeit zu Zeit bestätigen, dass Übungungen dieser Art lediglich dazu dienen, „kämpfen zu können, um nicht kämpfen zu müssen“. Diesen Spruch höre ich – im Gegensatz zum Kalten Krieg- nicht mehr. Man könnte mituntert glauben, der Ein oder Andere hat schlicht vergessen oder verdrängt wie vernichtend ein Krieg mit Russland wäre.

  13. Ich verstehe die Kritik hier nur sehr begrenzt. Alle fordern Übungen und Manöver. Dann gibt es eins, reicht es nicht. Ich hab das Vergnügen, meinen Lebensunterhalt mit Planspielen zu verdienen. Je nachdem auf welcher Ebene ich die durchführe, schwankt das zwischen Qualifikationsschießen und Stabsübung. Dabei wähle ich immer Qualifikations- oder Analyseziele aus.

    Jedes Szenario ist durch die Ressourcen und die realistisch zu erreichenden Lernziele begrenzt. Wenn man nach Jahrzehnten mal wieder in dieser Größenordnung übt, und das mit Organisationen, die eh auf dme Zahnfleisch gehen, dann ist doch völlig klar, dass da nicht alles auf einmal gemacht wird/werden kann. Es ist doch aber ein Fortschritt gegenüber den letzten Jahren, oder nicht? Mehr und besser kann man sich immer wünschen, aber das Ding deshalb völlig zu entwerten ist überzogen.

    Vermutlich ist so gut wie jeder eingesetzte Soldat froh über diese Möglichkeit und lernt auch jede Menge. Komplexitätsgewinn würde da im Einzelfall nicht unbedingt was bringen.

    Die Frage:
    Was mache ich, wenn das Transportschiff nicht ankommt, kann man beüben, ohne dass man Convoys übt.
    Geleitschutz für Schiffe kann man üben, ohne dass man Bodenoperationen beübt.
    Den Umgang mit mangelndem Nachschub auf Brigadeebene, kann man CPExen, ohne dass man dafür 10.000e Soldaten in die Kälte stellt.
    Ich nehme mal an, das Gefecht der verbundenen Waffen in unbekanntem Operationsgebiet nach Verlegung und auf Brigadeebene kann man nur beüben, indem man die Brigade alt mal rausfahren lässt.
    Und dann 800 Soldaten zu sagen: Fahrt mal wieder nach Hause, euer Transporter wurde versenkt, hilft auch keinem weiter beim Übungszeck.

  14. Ich muss der NATO mal zur Hilfe eilen.

    Dieses Manöver dient ja nicht zur Übung für einen Krieg gegen Russland.
    Der Ort ist natürlich AUCH politisch gewählt, aber auch um in der Kälte zu üben. Hitze kennt man ja langsam.

    Hier sollen bestimmte Dinge geübt werden und es sollen auch Fehler erkannt werden.

    In den letzten Jahrzehnten gab es weltweit mittlere Konflikte/Kriege, an denen die NATO/Mitgliedsländer beteiligt waren und man könnte den 2. Golfkrieg als Beispiel nehmen.
    Da gab es auch eine große logistische Leistung zu erbringen und es fand ein „traditioneller“ Krieg statt.
    Dies muss aber auch gerade im Verbund von unterschiedlichen Ländern und in einer gewissen Größe geübt werden.

    Ein bisschen mehr Realitätsnähe wünsche ich mir zwar auch, aber vielleicht kommt da noch was.

  15. @ DietmarW

    „Hier sollen bestimmte Dinge geübt werden und es sollen auch Fehler erkannt werden.“

    exakt! Die Kritik entzündet sich ja aber an der substantiierten Vermutung, dass das Manöver Fehler gerade nicht zulassen sondern vom Anspruchsdesign möglichst ausschließen soll um politisch hinopportunen Gesichtsverlust zu vermeiden.

    Der Level of Ambition orientiert sich me. am organisatorisch/materiell machbaren und nicht am im Ernstfall realistisch Nötigen. Genau das müsste Aber der Maßstab sein wenn man im Sinne einer wohlverstandenen fehlerkultur Fehler bewusst zulassen will um ihre Ursachen ex post abzustellen.

    Dieses Mindset scheint mir immer noch nicht institutionell verankert.

    Das beste was der Bundeswehr hätte passieren können wäre ein realistisches Manöver bei dessen Absolvierung man aufgrund der hinlänglich bekannten Defizite auf allen ebenen krachend scheitert.

    Dann könnte eine erhebliche Bestandaufnahme beginnen.

    So wir man sich nach Trident Juncture allseits auf die Schulter klopfen.

    #weltklassearmee und so…..

  16. @Dietmar W.
    „Dieses Manöver dient ja nicht zur Übung für einen Krieg gegen Russland.“

    Da diese Übung der Bündniverteidigung dienen soll, frage ich mich, gegen welches Land soll diese Bündnisverteidigung denn stattfinden wenn nicht gegen Russland?

    „In den letzten Jahrzehnten gab es weltweit mittlere Konflikte/Kriege, an denen die NATO/Mitgliedsländer beteiligt waren und man könnte den 2. Golfkrieg als Beispiel nehmen.“

    Der 2. Golfkrieg hatte nun wirklich garnichts mit Bündnisverteidigung zu tun.

  17. Wie bei allen Übungen untern Anerkennung der Künstlichkeitsfaktoren geht es um Sammeln von Erfahrung, Testen von Verfahren, Testen der Ausrüstung usw.
    DAS wird hier alles gemacht, endlich wieder! Im Rahmen der Vorbereitung und Planung habe ich folgendes festgestellt:
    – Wir haben die Erfahrung, das Wissen und Können verlernt, Große Verbände über Bahn, Schiff usw zu transportieren. Der hier notwendige Zeitansatz spottet jeder Beschreibung, die Besprechungen waren hahnebüchen, da dort um die richtige Anzahl und Sorte von Schekeln diskutiert wurde, Seitenlange Abhandlungen über Materialverantwortlichkeit (der TrpFhr gibt SEINEN Trupp/Panzer ab, für den er unterschrieben hat, aber eben auch alle Schlüssel an die Seetransport Dienststelle / Aufnahmekommando. Was wenn was fehlt? Wer trägt den Schaden? Der TrpFhr der seinen Trupp Norwegen wiederbekommt, nach 2 Wochen? Nur kleinkram, aber daran drehen wir uns zu Grunde. Die Großen Dinge klappen eben auch nicht mehr auf Zuruf. Gut , dass wir es üben um wieder mehr Routine zu bekommen.
    – TRJE hat nichts mit VJTF zu tun! Völlig unabhängige Planungen / Ansätze. Die Verquickung kam eben nur, weil welche Truppen hätte man denn für TRJE nehmen können, wenn diene Brigade(+) für VFTJ gebunden ist???
    – ABER alle Erfahrungen aus TRJE müssen in VJTF einfliessen, schnell. Viele der Unterstüptzungkräfte sind um Zuge der nur Einsatzorientierung um ihre mobile Autarkie beraubt worden. LogEbene 1 ist in Soll-Org nicht abgenildet, LogKdo mach aber Eben 2. Und nun?? Wer fährt denn nun den Sprit, das Essen, Wasser usw? Wo schlafen denn die ganzen Soldaten? Im 2-Mann-Zelt? Mehr ist nach Soll-Org nicht da.
    TRJE funktioniert NUR, weil wir unendlich viele HN-Support-Leitungen eingekauft haben (Turnhallen zum Schlafen, riesige Zelte, Nutzung fester Infrastruktur vor Ort usw. Z.T. echt BASIS-Level (kein Warm Wasser über Tage, 100 Mann Schlafraum usw). Aber mit Bw-Mitteln wäre da gar nichts gegangen. Was heisst das jetzt aber für VJTF? Die Truppe hat immer noch nichts, und dort gibt es keine so kaufbare HN-Leistung? (Zumal TRJE in der Planung eben z.T. auch der zur nutzenden Infra vor Ort ausgerichtet wurde). Diesen Gefallen wird uns in VJTF keiner tun.

    Ja, wir lernen viel, auch über Missstände!! Jetzt aber ran, lesson learned und Beschaffen, Ausbilden, Verfahren neu bewerten, anpassen usw.
    Deswegen Übung gut und wertvoll, aber nur wenn daraus was passiert.

  18. Sehr geehrter Herr Wiegold,
    Ich schätze Ihnen Blog sehr, wie lange tolerieren Sie eigentlich einen russischen Troll Pete, der zwar immer sehr gewählt und geschliffen formuliert, sich aber durch seine Wortwahl als Russe entlarvt? Herzlichen Dank Ihre Antwort

    [Ich toleriere ein breites Meinungsspektrum. Und ein russischer Troll unsere eine in Teilen russlandfreundliche Haltung sind zwei sehr verschiedene Dinge. T.W.]

  19. @Insider
    @ Pete

    Schön, dass Sie uns ein Beispiel für den Kampf um die öffentliche Meinung durch gezielte Stimmungsmache für die russische Föderation geben.
    Ist das möglicherweise bereits Teil der hybriden Kriegsführung, die sich gerade dadurch auszeichnet, dass der Krieg nie erklärt wird und vielleicht nicht einmal als solcher wahrgenommen wird?

    Wenn der Einsatz von Kampfpanzern aus Ihrer Sicht so obsolet ist, wie erklären Sie sich dann die massive Mobilisierung gepanzerter Kräfte durch die russische Förderation im Rahmen der letzten Grossübungen?
    Die dienten bestimmt dazu die Irrelevanz solcher Waffensysteme zu zeigen?
    Im übrigen sind die für NATO-Verhältnisse schon beeindruckenden Zahlen der beteiligten Kräfte im Vergleich zu den entsprechenden russischen Übungen lächerlich gering.
    Allein daraus erklärt sich schon der rein defensive Ansatz der NATO.

  20. @Pete

    Falls es ihnen entgangen ist, russische Soldaten kämpfen in Europa.
    Warum wohl üben nicht nur die USA und DEU, sondern auch alle nordischen Staaten?

    Waren es nicht Russland und dessen Partner welche im Osten noch viel größer Übungen abhielten?

  21. @ Flieger | 26. Oktober 2018 – 13:54

    Herzlichen Glückwunsch, dass Sie zu der Erkenntnis gekommen sind. Damit ist schon viel geholfen, denn nur wenn man einen Mangel erkennt, kann man ihn abstellen.

    Leider sprechen Sie aber Mängel an, die schon bei NOBLE LEDGER der IVJTF 2015 aufgefallen sind und immer wieder gemacht werden.

    Macht nichts, dann bleiben und nicht unterkriegen lassen.

  22. @Edgar Lefgrün | 26. Oktober 2018 – 13:39:
    Wenn Sie schon den Oberlehrer machen, dann bitte richtig.
    Das Gefecht verbundener Kräfte gibt es als Begriff in der Bw-Taktik nicht, sondern EINSATZ verbundener Kräfte.

    @Flieger | 26. Oktober 2018 – 13:54:
    Sehr treffende Beschreibung.
    So lange man die richtigen Folgerungen aus TRJE18 zieht, könnte bei weiteren Übungen dann wirklich von der Übung zur „Könnung“ übergegangen werden, ggf. auch mit weniger Vorlauf bei Planung und Vorbereitung bzw. auch bei herausfordernder Infrastruktur und weniger Host Nation Support.
    Als Pessimist vermute ich allerdings, das man bei TRJE18 die herausragende Einsatzbereitschaft der teilnehmenden Verbände feststellt (wie bei den nationalen Zertifizierungen im Frühjahr und Sommer) und für die VJTF 23 bzw. die zugehörigen Übungen in 2022 das Rad bei NATO und Bw neu erfindet. Alle lebenden Zeugen von TRJE18 werden ja im Zuge der normalem Personalrotation bei NATO nach 3 Jahren wieder an die Nationen zurück geschickt und gemeinsam mit den dortigen nationalen Teilnehmern TRJE18 und VJTF auf Dienstposten versetzt, die nix mit der seinerzeitigen Tätigkeit zu tun haben (der Personalführer nennt das Verwendungsbreite)…

  23. @FlaOffz

    „Das Gefecht der verbundenen Waffen,
    seit 2007 : Operation verbundener Kräfte….“
    Aha…
    habe leider gerade nicht die „neueste“ Taktikmappe hier ;-)

    Hauptsache alles bekommt eine neuen Nummer oder Namen….Weiter so!

    @Mathias | 25. Oktober 2018 – 22:11
    Psst….Nebelkerze! Keine schlafenden Bären wecken…(when the bear went over the mountain)

  24. @Bedingt Loyal

    „Schön, dass Sie uns ein Beispiel für den Kampf um die öffentliche Meinung durch gezielte Stimmungsmache für die russische Föderation geben.“

    Wenn Sie das so sehen, ok, aber das war nicht mein Ziel.
    Mit geht es darum, das hier mit viel TamTam eine Übung abgehalten wird, ohne das es auch nur im Ansatz realistisch ist.
    Wie wird die Truppe mobil gemacht? Was ist im Alarmfall wohin mitzunehmen? Woher bekommen alle Soldaten Waffen und Munition. Woher kommen z.B. Schutzwesten für alle? Wie kommen wir ohne „zivile Dienstleister“ irgendwohin? Wo sind denn zugewiesene Verfügungsräume? Was ist Plan B, wenn mal kein Strom verfügbar ist? Wie werden die Soldaten verpflegt? Wie läuft die Instandsetzung von Schäden MES 3 ohne die HIL? Wie kommen Munition und Betriebsstoff mit eigenen Transportkapazitäten nach vorne ? Wie führen wir denn ohne Lotus Notes?
    Ich kann Ihnen als aktiver Soldat von diesen banalen Fragen nicht eine einzige seriös beantworten. Das sollte uns zu denken geben. Vom einfachen zum schweren, das wäre aus meiner Sicht sinnvoller.

  25. @FlaOffz
    Weder „Gefecht“ noch „Einsatz“, die Zeit ist schnelllebig.
    Früher Gefecht der verbundenen Waffen, dann Einsatz verbundener Kräfte und heute Operation verbundener Kräfte, siehe auch letzten ILÜ-Faden, selbst aus dem Mund des GI.
    In deutscher Bundeswehr seit 2007 als Operation verbundener Kräfte so bezeichnet.
    Und dann gibt’s da noch das „Gefechtsschießen verbundener Kräfte“ https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3DBqgnvnFGQAk&ved=2ahUKEwi00vfJxKTeAhUCZVAKHaLkDQgQwqsBMAF6BAgJEAU&usg=AOvVaw3QSTaLwx8pD94rVPK5fJwQ

  26. @152@Bedingt Loyal
    „…wie lange tolerieren Sie eigentlich einen russischen Troll Pete, der zwar immer sehr gewählt und geschliffen formuliert, sich aber durch seine Wortwahl als Russe entlarvt?…“

    1. Ich bin kein Russe, habe keine Beziehungen zu Russland, war noch nicht einmal in Russland je zu Besuch.
    2. Ich habe meinen Wehrdienst in der Bundeswehr im Kalten Krieg aus Überzeugung geleistet und ich habe ähnlich emotional aufgeheizte Angriffe gegen mich auch damals erlebt, nur weil ich Soldat war. Es hat mich damals nicht überzeugt, es überzeugt mich heute nicht, wenn Argumente durch Schlagworte ersetzt werden.
    3. Die Freiheit, ein „breites Meinungsspektrum“ offen ausdrücken zu dürfen war der Grund warum wir (Bundeswehr) im Kalten Krieg auf der Seite gekämpft haben, auf der wir standen.
    Diese freie Meinungsäußerung sollte auch heute nicht durch Schlagworte wie „Troll“ oder „Stimmungsmache für die russische Föderation“ verunglimpft werden.
    4. Ich bin für den Erhalt des Friedens in Europa. Das ist der Ausgangspunkt meiner Beiträge. Ich kein Pazifist, aber gegen militärische Interventionen ohne UN-Mandat. Ich habe nichts, aber auch garnichts gegen eine vernünftige Abschreckung/Bündnisverteidigung, bin aber der Ansicht, dass Abschreckung nur dann funktioniert wenn sie auch die Perzeption des potenziellen Gegners ernst nimmt. Sonst wird aus Abschreckung ein Bedrohungsgefühl beim Gegner, unabhängig ob diese Bedrohung nun wirklich existiert oder nicht. Und dann hat Abschreckung versagt.

    @T.W.
    „…Ich toleriere ein breites Meinungsspektrum. Und ein russischer Troll unsere eine in Teilen russlandfreundliche Haltung sind zwei sehr verschiedene Dinge…“

    Danke!

  27. Irgendwie kann ich den hier verbreiteten Pessimismus hier nicht ganz nachvollziehen. Die Hauptphase der Übung beginnt ja erst und eine Auswertung wird es geben.

    Dies dann natürlich in institutionelles Wissen umzusetzen ist aufgrund der genannten Rahmenbedingungen sicherlich schwierig, aber nicht unmöglich.

    Daher richtet sich für mich der Blick auf die Vorbereitung der VJTF 2023 – Konzepte, Vorschriften, Prozesse, Ausbildung, Struktur, Material.

    Entweder es wird eine Nullfehlerkultur vorgelebt oder echte Lehren gezogen. Gerade mit Blick auf den neuen GI habe ich große Hoffnung, dass ersteres geschieht. Trotz aller Widrigkeiten.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  28. Ich verstehe die Debatte hier kaum.

    Russland hält zapad ab, sowie die Großübung mit China.
    Aber die NATO wird diskreditiert, weil sie auch mal übt… Ja ne is klar!

    Ok… Unsere Übung ist jetzt… Nicht gefällig, hier … Öhm ja… Nichts Anderes erwartet!

  29. Wenn ich „der“ Feind wäre, dann würde ich genau in diesem Zeitpunkt sofort GER angreifen.Warum? Weil alle fähigen Trp in Übung in NOR sind. Was hätte ich davon? NICHTS! Wir liefern weiter GAS Richtung GER und verdienen Geld.
    Also entspannt Euch, ihr kalten Krieger;)
    Alles cool;)

  30. „Amateurs talk about tactics, but professionals study logistics.“
    – Gen. Robert H. Barrow, USMC (Commandant of the Marine Corps) noted in 1980

    Bei TRJE18 stellt die logistische Vorbereitung und Nachbesprechung die wichtigste Übung dar. Und es scheint im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit ganz rund zu laufen, zumindestens bei einer lange vorbereiteten Schönwetteroperation im mittleren Rahmen.

    Ob das auch mit einer Woche Vorwarnzeit mitten in Winterstürmen und 500.000 statt 50.000 Soldaten unter Beschuß und Sabotage klappt müssen wir hoffentlich nie durchexerzieren.

  31. „FlaOffz | 26. Oktober 2018 – 18:12

    @Edgar Lefgrün | 26. Oktober 2018 – 13:39:
    Wenn Sie schon den Oberlehrer machen, dann bitte richtig.
    Das Gefecht verbundener Kräfte gibt es als Begriff in der Bw-Taktik nicht, sondern EINSATZ verbundener Kräfte.“

    Werter FlaOffz, ich wollte nicht den Oberlehrer machen. Ich danke Ihnen für die Aufklärung.

    MfG

  32. Meines Erachtens ist das Manöver höchstens an dritter Stelle als Botschaft an Rußland bzw. Putin zu verstehen.

    Zuallerallererst dient es der Erlangung bzw. Wiedererlangung von Fähigkeiten: die NATO ist dem Wesen nach immer noch eine militärische Organisation – nicht nur ein Debattierclub für Diplomaten und Politiker und Think-Tanks zur Koordination gemeinsamer Sicherheitsinteressen, sondern eben selbst das Werkzeug, daß diese verteidigen bzw. durchsetzen können muß.
    Danach ist das Manöver ein Signal an die östlichen (und nord-östlichen) NATO Staaten, die eine Grenze zu Rußland haben, daß die Allianz gewillt ist „vorne“ zu verteidigen, und daher die „Westbindung“ weiterhin die beste Option für sie ist.
    Drittens sehe ich das Signal an Rußland wohl eher allgemein gehalten: die NATO hat ihren historischen Zweck noch nicht überlebt: noch immer hält sie die USA in Europa, die Russen draußen und die Deutschen unten (- bzw. integriert / die Bundeswehr im Bündnisfall militärisch unter dem Kommando eines US-Generals / „SACEUR“).

    Daher „Im Westen Nichts Neues“ sozusagen. – Daß ein NATO Manöver dieser überschaubaren Größe in Rußland Sorge hervorruft, glaube ich kaum: es unterstreicht nur einmal wieder, daß Europa ohne die USA militärisch nicht in der selben Liga spielt wie Rußland, und auch Putin die fehlende europäische „Telefonnummer“ verschmerzen kann, solange er die Nummer des Weißen Hauses in Washington hat.

  33. Sie hatten auch Bilder mit Flussüberquerung mit Amphibie dabei. Wie wird denn da die mobile Fla dargestellt? Z.b die Gefahr durch Beschuss durch Lenkwaffen, Gelenkte Raketen, Marschflugkörper ect? Wurde ja alles abgeschafft. Oder wurde Mantis hin beordert zu der Übung?

  34. @Dante
    Für den Kriegsbrückenschlag eines der drei Großverbände von „Süd“ wird ein PiBtl verwendet.
    In Sicherung (Boden) und Schutz (Luft) kommt gepanzerte Kampftruppe zum Einsatz, bzw HFla im „räumlichen Einsatz“.
    Die real dafür erforderlichen Kräfte müssen natürlich nicht notwendigerweise deutsche sein („alles was wir abgeschafft haben“), zumal hinsichtlich Fla bei uns ja wenig erwartbar ist. Ggf kann @FlaOffz erläuternd beitragen.
    Die Brig sieht sich mit den Pi „auf Zusammenarbeit angewiesen“. Das praktische Verfahren läuft im Grundsatz so ab, dass die KpfTrBtl überschlagen eingesetzt sind. D.h. während ein Btl übersetzt, bereitet sich das zweite im „gewässernahen VfgR“ auf den Übergang vor und das dritte sichert die Übergangsstelle.
    Die ersten Übersetzenden sind zweckmäßigerweise PzGren, vstk, um abgesessene Stoßkraft gemeinsam mit gepanzerter verfügbar zu haben und ausdrücklich zur sofortigen Verstärkung der Kräfte „jenseits“, die Tr im Brückenkopf entlasten müssen.
    In Abhängigkeit von der BdL des nächsthöheren TrFhr kann auch Schutz durch Jabo beantragt/zugewiesen werden.

  35. Gut, daß diese Übung überhaupt und auch mit dieser umfangreichen Beteiligung der Bundeswehr stattfindet! Denn nur was geübt wird, kann gekonnt werden, und Erfahrungen sammelt man eben nicht am grünen Tisch sondern nur im Gelände unter den realen Umweltbedingungen. Das gilt für alle Führungsebenen vom Halbtrupp bis nach ganz oben!
    Es beruhigt zunächst auch, daß die Truppe offenbar mit allem unterwegs ist, was sie braucht, von der persönlichen Ausrüstung bis zum Großgerät. Allerdings sollte man sich dabei lieber nicht die mehr oder weniger gähnende Leere in den Fahrzeughallen und Gerätekellern der Truppenteile vorstellen, die zum Teil schon vor Monaten Material für diese Übung abzugeben hatten und es auch erst geraume Zeit nach der Übung wiedersehen werden. Was das für die Ausbildung in den abgebenden Truppenteilen bedeutet, möchte man sich erst recht lieber nicht vorstellen.
    Dennoch: diese Übung ist dringend nötig, solche Übungen müssen wieder regelmäßig stattfinden, um das Personal aller Ebenen zu schulen und ihm das Sammeln der unerlässlichen Erfahrungen zu ermöglichen. Genauso dringend ist aber schnellstmöglich wieder eine Vollausstattung aller (!) Truppenteile, damit die sinnvolle und notwendige Beteiligung an solchen Großübungen nicht immer wieder den Rest der Bundeswehr über Wochen in der Ausbildung lahm legt. Die dafür erforderlichen zig Milliarden Euro haben nichts, aber auch rein gar nichts mit Aufrüstung zu tun, sondern einzig und allein mit Ausrüstung!

  36. Die Norweger selber fassen den Rahmen der Übung noch viel weiter über den Zweck einer gemeinsamen NATO-Übung hinaus: Sie üben die Verteidigung Norwegens.

    Aktuell übt die Norwegische Armee im Rahmen von Trident Juncture die praktische Zusammenarbeit mit Polizei (da sind SWAT-Einheiten an der Seite der Armee im Gelände), den Rettungskräften und der Feuerwehr. Das norwegische Verteidigungskonzept ist die Zusammenarbeit aller bewaffneten Kräfte und der Zivilgesellschaft über den gedamten Krisenbereich hinweg. Und sie üben es.

    Vorbildlich!

  37. @Pete

    „wenn sie auch die Perzeption des potenziellen Gegners ernst nimmt. Sonst wird aus Abschreckung ein Bedrohungsgefühl beim Gegner, unabhängig ob diese Bedrohung nun wirklich existiert oder nicht.“

    Macht man das denn nicht?

  38. Naja, ist die beste Übung seit Jahren.
    Eine Übung soll eigentlich die Schwachstellen aufzeigen, damit man diese dann begeben kann.
    Da kann man sehen was alles noch geschehen muss bis der Laden wieder rundläuft.
    Geld ist da nicht unwichtig aber personelle und organisatorische Fragen sind da wichtiger.
    Generell ist es aber gut das die Leute ein bisschen an die frische Luft kommen und Elementetraining im Verbund üben.
    Undweiter, alle machen Manöver. Eventuell sollte man das nicht so aufbauschen und die Manöver schon als Übung verbunden mit Abschreckung sehen.
    Natürlich heißt das, das man bei Manövern anderer Nationen auch nicht gleich Schnappatmung bekommt.

  39. Na ja, hoffen wir einmal, dass die Auswertung der Übung ergibt, dass „Fernmelde, Fernmelde, Fernmelde“ nicht die strategische Kernfähigkeit zur überzeugenden Abschreckung ist sondern „Logistik, Logistik, Logistik“. Aber in dieser bits&bytes-„geilen“ Welt zweifle ich daran ;-)

  40. Herr Wiegold,

    wie ist eigentlich das Verhältnis der Norweger zu den deutschen Soldaten? Ist die Aufnahme freundlich, oder sogar freundschaftlich, oder gibt es noch Ressentiments wegen der Sache namens Weserübung?

  41. @Zimdarsen
    „Macht man das denn nicht?“

    In meinen Augen nicht. Wenn wir bei einem Glas Wein zusammen sitzen würden könnte ich Ihnen meine Wahrnehmung auch gerne in Ruhe erklären. Ich bin ja nicht alleine mit dieser Beobachtung. Wer es denn möchte kann ähnliche Äußerungen von ehemaligen Kanzlern, Ministern und Staatssekretären im Netz finden. Wollen die Meisten aber nicht!

    Ich merke zunehmend, dass es wenig Bereitschaft gibt, das eigene offizielle „Narrativ“ in Frage zu stellen bzw., dass sogar ein Feindbild gegen Jeden aufgebaut wird, der dieses Narrativ in Frage stellt. Früher nannte man so etwas „Investigativer Journalismus“. Heute „Fake News“ oder „Trolls“.

    Auch wir machen InfoOps, wäre auch sträflich wenn wir es nicht machen würden, auch die USA führen Cyberoperationen gegen Russland und China durch, wäre auch sträflich wenn sie es nicht machen würden, auch wir spionieren usw. usw.

    Ich mag einfach nicht mehr dieser extrem simplen „Gut-Böse“ Debatte folgen, wenn es um den Frieden in Europa geht. Sorry, ist mir zu simpel. Ist eben so, bin vielleicht zu alt für diese einseitige Sicht der Dinge.

  42. @klabautermann

    Nicht „Logistik, Logistik, Logistik“ und auch nicht „Fernmelde, Fernmelde, Fernmelde“ ist die strategische Kernfähigkeit zur überzeugenden Abschreckung!

    Ein guter Mix aus allen Fähigkeiten ist die richtige Abschreckung.

    Was bringt es denn „der Front“ genügend Raketen und Artilleriegranaten zu haben, wenn die Abschussvorrichtungen nicht vorhanden sind oder schon zerstört.

    Am Ende muss der Feind aufgehalten werden. Das kann mit „Bits & Bytes“ teilweise erreicht werden. Leider oder zum Glück kann man den menschlichen Soldaten (mit Karte und Kompass) mit einer „analogen“ Handfeuerwaffe so nicht aufhalten. Da bedarf es anderer Fähigkeiten zur Abschreckung.

    @TW

    Schöne Bilder!
    Danke schön!

  43. Ich halte das Üben im großen Maßstab für einen echten Mehrwert. Die Größe an sich bringt die Komplexität mit sich. Die Gefechtsübung ist aus meiner Sicht also absolut sinnvoll.
    Was die Logistikübung anbelangt, bin ich allerdings auch der Ansicht, dass diese noch sehr weit weg von einem realistischen Szenario ist. Das gilt insbesondere für die Vorlaufzeiten aber auch für den Einsatzort.
    Erfolgt ein Fähigkeitsnachweis für die Speerspitze nicht eigentlich dadurch, dass man einfach unangemeldet den Einsatzbefehl gibt und dann die komplette Truppe innerhalb von zwei bis sieben Tagen gen Osten unterwegs ist?

  44. @Klaus-Peter Kaikowsky

    „…@Pete und „Kommentatorengruppe“
    Die vertragliche Zuverlässigkeit der Russen zeigt sich auch hier…

    https://mobile.twitter.com/AricToler/status/1056235154195300353/photo/1

    Wer bitte schön ist die Quelle? Die OSZE? Nein! Ich habe mir Ihre Quelle und die Posts der selbigen angeschaut. Die Quelle ist AricToler von Bellingcat.

    Wenn Sie die posts dieser Dame als seriös bewerten, dann haben wir unterschiedliche Standards.

    [So, jetzt kehren wir alle mal zu Sachlichkeit zurück. So weit ich weiß, ist Aric Toler keine Dame, aber egal: Es handelt sich um einen Report der OSZE, der Link hier:

    https://www.osce.org/special-monitoring-mission-to-ukraine/401342

    Und ich frage jetzt nicht, warum Sie wahrheitswidrig behaupten, die OSZE sei nicht die Quelle. Allerdings: Bellingcat und dieses Team von vornherein als unseriös zu bezeichnen, war bislang eine sehr typische Kreml-Haltung… T.W.]

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