Trident Juncture: Andere Anforderungen als im Kalten Krieg

Das NATO-Großmanöver Trident Juncture 18 in Norwegen ist am (heutigen) Donnerstag in die scharfe Phase, die so genannte Live Exercise, gegangen – ab heute wird sozusagen formal eine militärische Auseinandersetzung geübt. Deshalb gibt es heute dazu auch etliche Berichte und Interviews (mehr dazu unten), obwohl für die beteiligten Soldaten die Übung schon seit Wochen, für einige schon seit Monaten läuft. Was die Truppe bisher schon gemacht hat und was der LiveEx-Beginn praktisch bedeutet, habe ich im Camp Rødsmoen bei Rena in der Mitte Norwegens den deutschen Brigadegeneral Ullrich Spannuth gefragt. Spannuth ist Kommandeur der Land-Brigade der so genannten Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), der NATO-Speerspitze, die ein wesentlicher Teil dieser Übung ist:

Spannuth_VJTF_25okt2018     

 

Eine Aussage des VJTF-Kommandeurs fiel mir dabei auf: Eine solche Verlegung für eine Übung, sagt er, habe die Bundeswehr auch während des Kalten Krieges nicht gemacht – die fand in einer solchen Größenordnung nur innerhalb der Bundesrepublik statt, also innerhalb der Landesgrenzen. Die neue Qualität sei eben, für die Bündnisverteidigung innerhalb des NATO-Gebiets auch über größere Entfernungen Soldaten und vor allem Gerät zu transportieren.

Zur Ergänzung die Aussagen von Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn, der im NDR den Beitrag der deutschen Streitkräfte zu Trident Juncture – immerhin der zweitgrößte Truppensteller nach den USA und vor den gastgebenden Norwegern – auch politisch einordnet:

Frage: Manche sagen, dieses Manöver („Trident Juncture“) kommt zur falschen Zeit, weil das Verhältnis zu Russland extrem angespannt ist. Was sagen Sie?

Antwort: Wir beobachten natürlich …, dass auch die russischen Streitkräfte jedes Jahr eine Großübung durchführen – im letzten Jahr, in diesem Jahr wiederum. Und Streitkräfte müssen schlichtweg üben, vor allem in diesem großen Verbund. Und das tut die NATO jetzt erstmals seit über 30 Jahren wieder in einem solchen Großmanöver. Und insofern sind wir da in einer gewissen Parallelität. Ich muss aber dazu sagen, dass die Übung selber in Norwegen keinen konkreten Bezug zu einem anderen Land nimmt.

Frage: Das Ganze findet in Norwegen statt, in einem Land mit einer Grenze zu Russland. Und Sie glauben nicht, dass dieses Manöver zu einer weiteren Verhärtung des Verhältnisses mit dem Kreml führt?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht, weil wir tatsächlich diese parallele Entwicklung haben. Man muss allerdings sehen, dass natürlich die skandinavischen Länder mit ganz anderen Augen auf ihre Landesgrenze schauen als wir das vielleicht in Deutschland tun. Norwegen, Finnland, Schweden sind ebenfalls als Übungspartner mit dabei, schauen in den arktischen Raum, schauen an ihre Landesgrenze und sehen natürlich diese Übung auch als eine Übung, die durchaus abschreckende Wirkung erzeugt.

Frage: Der Kreml sagt, dieses Manöver trage zur Destabilisierung der Sicherheit in einer Region bei?

Antwort: Das sehe ich so nicht, denn wir haben dort keine Angriffsoperationen, die wir dort führen. Wir sind dort defensiv bei dieser Übung vom Szenario angelegt und sind praktisch in einer Verteidigungsoperation und zeigen, dass das Bündnis seiner Bündnisverpflichtung gegenüber eben einem anderen Partnerland nachkommt; und zwar mit allen NATO-Partnern…

Frage: Deutschland ist mit 8.000 bis 10.000 Soldaten vertreten. Die Bundeswehr ist damit einer der größten Truppensteller für dieses Manöver. Ich nehme an, auch das ist kein Zufall?

Antwort: Das ist richtig. Wir haben uns natürlich das als einen Schwerpunkt genannt. Wir sind mit der Speerspitze der NATO in diesem Jahr praktisch in der Vorbereitungsphase auf eine sogenannte Stand-by-Phase nächstes Jahr; also in nächsten Jahr sind wir mit unseren Spitzenkräften innerhalb von zwei bis fünf Tagen reaktionsfähig. Und diese Übung trägt jetzt in diesem Jahr dazu bei, dass wir eine Zertifizierung unserer Truppenteile dort durchführen.

Wir haben diese Truppenteile eingemeldet vor mehreren Jahren und haben uns mit vielen Übungen jetzt auch auf diese Hauptübung jetzt in Norwegen vorbereitet, so dass wir danach dann einsatzbereit sind, um ein Jahr lang diese Speerspitze der NATO abzubilden.

(Hinweis: Meine aktuellen Bilder aus Norwegen hier.)

(Foto oben: Spannuth, l., Anfang Oktober auf dem Truppenübungsplatz Rødsmoen beim Besuch von Lokalpolitikern – Jesper Vigander Edwin/Forsvaret)

75 Kommentare zu „Trident Juncture: Andere Anforderungen als im Kalten Krieg“

  • Versorger   |   27. Oktober 2018 - 23:54

    @ Mitleser

    Ich möchte fast sagen…typisch deutsch, diese Frage.

    …nicht nach hinten schauen…nach vorne…es gibt viel zu tun…

    Man wird teilweise neugierig angeschaut, sehr freundlich aufgenommen und manche(r) nutzt die Möglichkeit, um seine in der Schule erworbenen Deutschkenntnisse zu „testen“.

    Nach 7 Wochen in NOR ist, in manchen Gegenden, der Anblick eines/einer deutschen Soldaten(in) schon fast „normal“.

    @TW…gute Heimkehr nach Deutschland

  • Versorger   |   28. Oktober 2018 - 0:11

    @Flieger | 26. Oktober 2018 – 13:54

    Darum nennt man es „ÜBUNG“ und nicht „KÖNNUNG“.

    Defizite werden erkannt, angesprochen und es wird versucht diese Defizite abzustellen.
    Ist dies in der Kürze der Zeit, bis 01.01.19, nicht möglich wird Versucht, die Auswirkungen auf den Auftrag zu minimieren.
    An manchen Stellen ist man „aufgewacht“ und hat erkannt, dass durch die „Truppe“ gestellte Anträge/Forderungen echten Notwendigkeiten entspringen und nicht darauf abzielen, sinnlos Geld auszugeben.
    Leider ist das aber noch nicht überall der Fall und Formalien sind wichtiger, als die Notwendigkeiten der Truppe vor Ort.

    Bei den „Aufgewachten“ möchte ich mich für die gute Zusammenarbeit bedanken, denn das lässt mich für die Zukunft hoffen.

  • Zimdarsen   |   28. Oktober 2018 - 0:22

    @Pete

    Da bin ich grundsätzlich bei ihnen, was jedoch RUS angeht, sehe ich es anders.
    Die im Gegensatz zu Deutschland versuchen viele Staaten von innenpolitischen Problemen durch Feindbilder abzulenken. RUS greift ständig in Europa ein, rüstete auf, in einer Zeit in welcher wir abgerüstet hatten. RUS nutzte Gelder für neue U-Boote welche wir bereitgestellt hatten um die alten abzurüsten.

    RUS arbeitet mit Zwang, Hass ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz. Ja, die USA schenken sich da nicht viel, aber wir reden über DEU und EU.

  • Zimdarsen   |   28. Oktober 2018 - 8:14

    @Nachhaltig

    Der Fähigkeitsnachweis erfolgt im Ernstfall. Eine unangemeldete Übung an einer Grenze durchzuführen würde wohl unseren Nachbarn in Europa nicht gefallen und das Gegenteil von vertrauensbildenden Maßnahmen sein. Außerdem widerspräche es Verträgen.

    Wir sollten erstmal die Bestandsaufnahme nach der Übung abwarten, die Truppe mit dem ausstatten was sie für LV/BV benötigt und die Zusammenarbeit in Europa weiter intensivieren.

  • Memoria   |   28. Oktober 2018 - 9:06

    In der heutigen BamS („Bundeswehr musste fürs Manöver sammeln“) weist der Wehrbeauftragte auf die bekannten Ausrüstungslücken durch TRJE18 in den anderen Truppenteilen hin. Das BMVg bestätigt dies und verweist darauf, dass mit Blick auf die VJTF 2023 – gemeinsam mit dem Bundestag – ein Plan zur Vollaustattung einer Brigade erarbeitet wird. Davon war ja schon länger die Rede – nun muss es aber so langsam anlaufen.

    Mit Blick auf die Zeitlinien müsste die Umsetzung dieses Planes bereits mit der Bereinigungssitzung zum Haushalt 2019 in der übernächsten Woche beginnen.

    Das Paket müsste einen erheblichen Umfang haben, wenn der Anspruch erfüllt werden soll, dass die Brigade für die VJTF eine Vollausstattung haben soll. Angefangen von persönlicher Ausstattung (inkl. Schutzwesten, Nachtsicht, Funk), Bewaffnung, Fahrzeuge (Transport, Gefecht, Führung), Gefechtsstände, Unterkünftsmöglichkeiten, Logistik, Munition, Aufbau neuer Fähigkeiten (Cyber, Fliegerabwehr), etc.

    Also sowohl haushalterisch also auch administrativ ein erheblicher Umfang.

    Es bleibt also spannend, die institutionelle Lernfähigkeit steht in den nächsten Wochen also an. Wenn alle an einem Strang ziehen ist der „Sprung nach vorne“ möglich.

  • Mitleser   |   28. Oktober 2018 - 9:45

    Hust. Also der Ostukrainekonflikt ist ein ganz, ganz schlechtes Beispiel, um Rußland Vertragsverletzungen vorzuwerfen. Unser Verbündeter Ukraine nimmt sich da nichts. Beide Seiten nehmen sich in dem Konflikt nichts in Sachen Vertragsverletzung. Die deutsche Bundeskanzlerin selber hat vor ein paar Jahren noch den ukrainischen Präsidenten angemahnt, Minsk 2 komplett umzusetzen. ein oder zwei wesentliche Punkte werden nämlich von der Ukraine nicht erfüllt; oder eine Erfüllung an Sankt Nimmerlein versprochen. Die ukrainischen Defizite werden bloß seit ein paar Jahren nicht mehr thematisiert, weil es nicht mehr opportun erscheint; im Gegensatz zu Kritik an Rußland. Der Ostukrainekonflikt ist ein wirklich schlechtes Beispiel, um einer Seite Vertragsverletzungen vorzuwerfen. Da zeigen sozusagen für jeden Finger, den man auf die eine Seite richtet, drei Finger auf die andere Seite zurück. Auch auf unseren Verbündeten Ukraine und damit mittelbar auf uns selbst.

    @KPK
    Von einem Abschuß zu sprechen ist sehr couragiert. Man könnte es auch tendenziös nennen. Nichtmal die OSCE spricht von einem Abschuß der Drohne. Haben Sie andere Informationen als die OSCE? MH-17 war ein Abschuß. Jamming ist heutzutage Standard auf dem Gefechtsfeld. Die US-Truppen machen es in AFG, Syrien und anderswo, die Bundeswehr macht es eher selten, weil sie es materiell nicht kann, jedenfalls nicht in der Fläche, Rußland und die Ukraine können und tun es. Das ist der Stand der Technik und des verbundenen Gefechtes, oder wie auch immer das jetzt im Taktikhandbuch heißt. Daraus jetzt einen Abschuß zu machen hat ein Geschmäckle.

    Memo an Drohnenhersteller: Baut ein Notfallsystem ein, das die Drohne bei Orientierungsverlust automatisch auf Heimatkurs setzt.

    Memo an Bundeswehr: Haben die Drohnen der Bundeswehr ein System, daß die Drohne bei ECM (also heutzutage normaler Gefechtsfeldumgebung*) und Orientierungsverlust zurück auf Heimatkurs bringt, oder fliegen die dann nach Rußland oder in den Iran und deren Klone fallen dann irgendwann der Bundeswehr auf den Kopf? Das wäre vielleicht mal eine Frage für den Hausherren.

    *Zur Erinnerung:
    Auch die Taliban haben schon westliche Drohnen angezapft. Sie können sie zwar nicht übernehmen, aber live die Videobilder verfolgen, was so eigentlich nicht Intention eines Drohneneinsatzes ist. Und die Nachbauten der US-Stealth-Drohne, die vor ein paar Jahren durch Jamming im Iran gelandet ist, haben letzten oder vorletzten Monat einen Schwarm-Angriff auf ISIS-Stellungen in Syrien geflogen…

  • Pete   |   28. Oktober 2018 - 11:11

    @Zimdarsen
    „RUS…rüstete auf, in einer Zeit in welcher wir abgerüstet hatten….“

    Zum Thema aktuelle Rüstungsausgaben, und um die geht es im Moment, habe ich noch einmal in das unabhängige SIPRI Jahrbuch 2018 geschaut. Dort sind in einer Tabelle die aktuellen Rüstungsausgaben alle Länder der Erde aufgelistet (siehe link):

    https://www.sipri.org/databases/milex

    Ich stelle lediglich die Addition der aktuellen Rüstungsausgaben von 5 großen europäischen Staaten den aktuellen Rüstungsausgaben von Russland gegenüber und komme zu folgendem Ergebnis:

    Russland: 66. 335 Milliarden
    DEU / FRA / GBR / ITA / POL 188. 538 Milliarden

    Dazu kämen dann noch die Ausgaben von 24 weiteren NATO Staaten, insbesondere der USA. Wenn wir Finnland und Schweden noch als Partner dazu rechnen, dann sollte das zur Abschreckung Russlands doch langen, oder?

  • Pete   |   28. Oktober 2018 - 12:08

    @T.W.
    „…Und ich frage jetzt nicht, warum Sie wahrheitswidrig behaupten, die OSZE sei nicht die Quelle. Allerdings: Bellingcat und dieses Team von vornherein als unseriös zu bezeichnen, war bislang eine sehr typische Kreml-Haltung… T.W.]…“

    1. Vielen Dank für den Link zur OSZE.
    2. Sie können ruhig fragen, ich antworte auch. Ich kannte den OSZE link nicht. Das war schon das ganze Geheimnis. Sicher auch mein Fehler, aber ich habe auf den angefügten Link von @Klaus-Peter Kaikowsky geklickt und war eben auf dem Twitter account von Aric Toler gelandet. Wäre der Original- OSZE-Link gepostet worden, wäre meine Reaktion eine andere gewesen. Mit anderen Worten, ich wußte nichts von dem OSZE-Report. Deswegen habe ich auch nicht „wahrheitswidrig“, sondern schlicht unwissend und deswege nicht den Fakten entsprechend geantwortet. Das gebe ich gerne zu.
    3. Der Hinweis mit der typischen „Kreml-Haltung“ ist für mich nicht nachvollziehbar und etwas übertrieben. Das mit dem Kreml mag ja so sein, ist mir jedoch nicht bekannt. Ich selbst bin erstmals über einen kritischen „Spiegel-online“ Artikel auf Bellincat gestoßen. Da man den link nicht posten darf; wenn Sie bei Google „benjamin bidder bellincat“ eingeben, sroßen Sie auf dieses Interview mit einem Bildforensiker, welches mir damals zum ersten Mal Bellincat zur Kenntnis brachte.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   28. Oktober 2018 - 12:11

    @Pete
    Sollte reichen.
    Nur ist das Finanzielle natürlich höchstens die halbe Miete.
    Es gilt für funktionierende Abschreckung allein Ausbildung, Training, Übung, quer durch alle Führungsebenen von taktischer bis strategischer. Daher liegt TRJE18 „im Plan“.
    Zudem sagen reine Zahlenvergleiche per se nicht alles aus, was seriös unter Sicherheit/Verteidigung subsumiert werden muss.
    Gehälter, soziale Maßnahmen, Pensionsvorsorge, Beschaffungskosten bei staatlichen Herstellern, Geldwert um nur Stichworte zu benennen.

    Daneben gibt es gerade in autokratisch dominierten Regimen den weiten Bereich von „Sicherheitsdiensten“, die auf militärische bzw paramilitärische Kräfte und Mittel mit eigenem Etat zurückgreifen können, Kräfte des Innenministeriums etc.:
    „… Verteidigungshaushalten souveräner Staaten, plus (Militär)ausgaben derjenigen staatlichen/nichtstaatlichen politischen Akteure mit einem konstanten Zugriff auf finanzielle Ressourcen, die ihnen einen flexiblen Gewalteinsatz zu politischen Zwecken erlauben …“. (Sipri/Wiki, sinngemäß, bekürzt) Dazu zählen vor allem paramilitärische Vereinigungen, z.B. die Grünen Männchen im Donbas und auf der Krim.
    Alle Zahlenspiele werden allerdings dominiert von der basierenden politischen und ff militärstrategischen Absicht. Hier: Art 5 gespiegelt gegen Putins „Zerfall der Sowjetunion ist größte (sicherheitspolitische) Katastrophe des 20. Jahrhunderts“.

  • Zimdarsen   |   28. Oktober 2018 - 13:01

    @Pete

    Die bloße Auflistung sagt nichts über die Schlagkraft aus und RUS versus NATO zu stellen unterstellt, dass RUS ein Bündnis wäre oder die NATO ein Staat.

    Äpfel mit Birnen.

  • Pio-Fritz   |   28. Oktober 2018 - 14:10

    @Mitleser | 28. Oktober 2018 – 9:45

    Ein kleiner Hinweis, die Ukraine ist nicht „unser Verbündeter“, weil kein NATO-Mitglied.

  • Mitleser   |   28. Oktober 2018 - 18:20

    @Pio-Fritz | 28. Oktober 2018 – 14:10

    Es ist richti, daß die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Dennoch bekommt sie US-Militärhilfe in Form von Rüstungsgütern und Ausbildungsmissionen, 2014 wurde ein politisches und wirtschaftliches Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine unterzeichnet und westliche Politiker sind sehr präsent bei der Unterstützung politischer Bewegungen in der Ukraine. Vielleicht nennt das Bundeswehrhandbuch diese Art von Beziehungen anders, aber die Ukraine wird als Verbündeter behandelt, nicht als neutraler Staat oder gar als potentieller Gegner.

    @Zimdarsen
    Bei der Gesamtbetrachtung sollte man nicht unterschlagen, daß Rußland 1. das größte Flächenland der Erde mit enorm langen Land- und Seegrenzen ist und 2. im außereuropäischen Teil an mehrere internationale Konfliktherde und potentetielle internationale Gegner grenzt bzw. räumlich sehr nahe liegt: Mittlerer Osten mit den Islamisten; Iran, China, Nordkorea, Japan. Sowohl geografisch als auch sicherheitspolitisch benötigt Rußland auch konventionelle Streitkräfte, die deutlich größer als die einzelner europäischer Staaten ausfallen müssen.

  • Mitleser   |   28. Oktober 2018 - 20:20

    p.s. In Ergänzung zu: „Warum Trump dem INF kündigt“ und „warum die Europäer endlich in Sachen eigener Verteidigung ohne die USa in die Puschen kommen müssen“ (frei nach Präsident Trump);

    und für alle die, die meinen, daß Rußland der große, große, böse Bär ist, der Morgen schon die kleinen baltischen Schweinchen oder ganz Europa fressen wird; oder spätestens nächstes Jahr;

    ein kleines, feines Statement aus Warschau von diesem Mittwoch, das vermutlich an den leisten vorbeigegangen ist:

    von Lt.Gen. (ret.) Ben Hodges, ehemaliger Kommandeur United States Army Europe (USAREUR):

    „I think in 15 years — it’s not inevitable, but it is a very strong likelihood — that we will be at war with China. The United States does not have the capacity to do everything it has to do in Europe and in the Pacific to deal with the Chinese threat.“

    https://www.militarytimes.com/news/your-military/2018/10/24/us-war-with-china-is-likely-in-15-years-retired-general-says/

    China.

    China. Nicht Rußland.

  • Zimdarsen   |   28. Oktober 2018 - 21:33

    @Mitleser

    So ist es und deshalb sollt Russland sich gut überlegen wer die wahre Bedrohung ist.
    Europa ist keine Bedrohung für Russland, aber die freie Gesellschaft ist eine für die Regierung.

    Langfristig wird China auch für RUS zur Gefahr Im Moment eint sie nur der gemeinsame Feind USA.

  • Rolf M   |   29. Oktober 2018 - 7:15

    @ Mitleser – nur als technische Randbemerkung, da ich mich aus Feindbildrekonstruktionen und – diskussionen raus halte: Ja eine Rückkehroption bei Signalverlust kann und wird realisiert. Diese ist übrigens auch bei zivilen Systemen, die wir ja ebenso als COTS beschaffen, integriert. Anti Drohnen Waffen, also die effizienten, arbeiten nach dem Grundsatz, Drohnen zu übernehmen und gezielt zu landen, alles andere macht auch keinen wirklichen Sinn.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   29. Oktober 2018 - 9:48

    @Gastkommentator
    Nicht Alarmübung, Snap Drill oder zu übende Generalmobilmachung.
    Die U.S. Army jedenfalls setzt in dieser Hinsicht neu an: Dynamic Force Employment wird neue Konzept laut Mattis benannt.
    https://www.stripes.com/news/snap-mobilizations-in-store-as-army-readies-troops-for-major-conflict-1.553653
    „Army units must be able to alert, mobilize, and rapidly deploy into contested environments and operate effectively anywhere in the world,” said the document, …“
    Die Forderung lautet mehr unvorhersehbare Einsatzübungen und Notfallalarmierungen, um sicherzustellen, dass die Army schnell große Kampfverbände für einen größeren Krieg mobilisieren kann.
    Dies hat dann in der Tat etwas von „Quick Train“ bzw das spätere „Active Edge“ vergangener NATO-weiter Alarmübungen im 6- Monatsrhythmus.
    Sofern die Army dies umsetzen sollte, ist es eine Frage von (kurzer) Verschnaufpause bis das Bündnis in Gänze und damit auch Bw nachzieht.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   30. Oktober 2018 - 18:28

    Das U.S. Naval Institute sieht TRJE hinsichtlich der Verlegefähigkeit zwar als bedeutsamen, aber eben nur ersten Schritt zu neuerlicher glaubhafter Abschreckung russischer Agrressionsansprüche.
    https://news.usni.org/2018/10/29/panel-nato-eu-need-major-changes-operations-infrastructure-deter-russian-aggression
    Bei bei einem „panel of Northern European security experts“ am Mittwoch gab es dazu eindeutige Forderungen, vorgetragen vom U.S. ex-Botschafter bei NATO und in Moskau, Alexander Vershbow:
    Höhere Präsenz im Nordatlantik seitens der Navy aber auch durch EUR NATO-Partner, mehr als nur 2 U.S. Kampfbrigaden fest stationiert, verbesserte Infrastruktur und mehr Cyber-Koordination. Bürokratieabbau für Seeanlandungen und Transporte auf Landwegen. Neben der Erreichung des 2% Ziels wurde darüber hinaus vermmehrtes Burden Sharing angemahnt.

    Der Tenor war fast wie zzt „Jagd Roter Oktober“:
    – „Northern Europe as split into two regions: the Atlantic, such as the Greenland-Iceland-United Kingdom Gap used by Russian submarines for transit“
    – der Nordatlantik als zu schützende Versorgungsroute der U.S. Tr in Europa
    – verhindern, das die Ostsee ein RUS dominiertes Binnenmer wird.
    Die durchweg nordosteuropäischen Teilnehmer wirken in den Beiträgen bemüht, Skandinavien mehr in den NATO-Fokus zu rücken; immerhin bestehen direkte Landgrenzen zu den Russen nur in Norwegen und im Baltikum.
    Nicht ganz falsch, wenn gesagt würde, NATO konzentriert sich zu sehr auf das Zentrum.

  • justanick   |   30. Oktober 2018 - 21:04

    @KPK – Sie haben Polen vergessen, das wie auch Litauen mit RUS nur eine Grenze via der Enklave Oblast Kaliningrad hat, wobei die Grenze zu Litauen da in großen Teilen durch den recht großen Fluss (Nemunas, Njemen – ex Memel) gebildet wird.

    @alle
    Erstaunlich, dass die direkte Aufforderung zur Zensur von 152 | 26. Oktober 2018 – 14:10

    „Sehr geehrter Herr Wiegold,
    Ich schätze Ihnen Blog sehr, wie lange tolerieren Sie eigentlich einen russischen Troll Pete, der zwar immer sehr gewählt und geschliffen formuliert, sich aber durch seine Wortwahl als Russe entlarvt?“

    außer vom Hausherrn und dem Angegriffenen zu keiner Widerrede geführt hat. Also ich meine so im Sinne eines Angriffs auf die westlichen Werte, zu denen Meinungsfreiheit, bei der die Meinung sogar anerkanntermaßen zivilisiert daherkommt, doch dazugehört.

    Andererseits fragt man sich natürlich, warum jemand besorgt sein könnte über eine abweichende Meinung. Und da gestatte ich mir, Zimdarsen zu zitieren (im Auszug):

    Zimdarsen | 28. Oktober 2018 – 21:33
    „Europa ist keine Bedrohung für Russland, aber die freie Gesellschaft ist eine für die Regierung.“

    Eine freie Gesellschaft, zu der sicher Meinungsfreiheit gehört, kann eine Gefahr für eine Regierung darstellen. Sicher, gerade dann wenn diese irgendwelche abstruse Politik macht und erheblichen Anstrengungen unternimmt, damit die eigenen Bürger keinen „Feindsender“ hören – kennt man aus der Geschichte, sogar aus der eigenen (@152 ich bin Deutscher, auch wenn meine Familienname, wie der von KPK, bei manchen möglicherweise Assoziationen zu dem Begriff „Beutedeutscher“ auszulösen vermag, als Sprachinteressierter verfüge ich jedoch über leidliche Kenntnisse des Russischen – @152 Sie wissen vielleicht auch, dass das GG Diskriminierung aufgrund der Nationalität verbietet?).

    Nun, ich bin immer der Meinung, dass man es mit der Meinungsfreiheit ziemlich einfach hat, wenn man die Meinung vertritt, dass 2+2=4. Deutlich weniger Toleranz wird man der Meinungsfreiheit entgegenbringen, wenn man erklären will, dass 2+2=5 ist. Und das gilt auch bei etwas komplexeren Sachverhalten.

  • 0815   |   31. Oktober 2018 - 12:45

    @justanick | 30. Oktober 2018 – 21:04
    wie bereits George Orwell in seinem Buch (1984) gedeutet hatte. Und bereits weit davor ;-)
    „You may have a reason why two and two should make five, but they will still make but four.“

    Bei genauerer Betrachtung des ganzen, ergibt es ohnehin „blurred lines“ (ohne musikalischen Bezug), es sei denn ich wir/ich/Sie haben es mit eigenen Augen gesehen oder mit eigenen Ohren gehört!

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. Oktober 2018 - 21:58

    Älter als 12 Monate, geht durch?
    http://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/russland-uebt-den-krieg-drei-mal-so-oft-wie-die-nato-15156871.html
    „Nach Recherchen von FAZ.NET hat Russland seit 2015 deutlich mehr Militärübungen abgehalten als die Nato und ihre Mitgliedsstaaten in Europa. Die Ergebnisse sind für den Westen alarmierend“.
    Dabei geht es ganz und gar nicht um ZAPAD oder WOSTOK, vielmehr um Truppenübungen, nicht meldepflichtige, ab 1500 Mann Stärke, zudem um Kampfbereitschaftsinspektionen.
    Alarmierungsübungen, Snap Drill, führt NATO seit Ende kalter Krieg überhaupt nicht mehr durch. (RUS) Großübungen mit etwa Korpsgröße beüben in erster Linie als Übungstruppe die Divisionen und trainieren jointness sowie stellen ein politisches Signal dar. Derartiges ist simulationsgestützt oft einfacher erreichbar. Das wirkliche Leben spielt aber in den Kp – Btl – Rgt. Insofern sind Übungen >1500 Soldaten der Kern des Geschäfts.
    NATO hat hier absoluten Nachholbedarf, die taktische Ebene muss mit Volltruppe beübt werden. Also frei laufende Üb der Btl, unsere ÜbPl geben das her. Es wird Zeit, LV/BV muss Leben eingehaucht werden.

  • Langnase   |   31. Oktober 2018 - 23:18

    Um sich vielleicht mal wieder einer Übung namens „Trident Juncture 2018“ zuzuwenden:
    Gelegentlich wird ja in der Presse erwähnt, daß nicht nur sämtliche NATO-Staaten aktiv vor Ort sind, sondern daß auch andere Länder daran teilnehmen.
    Und neben Logistik ist wohl die internationale Zusammenarbeit der zweite Hauptaspekt dieser Übung. Dafür müssen ja nicht nur technische Standards funktionieren, sondern auch Verfahren abgestimmt sein.
    Vielleicht kann Herr Wiegold ja was dazu bringen (Ich habe noch nicht alle Beiträge durchgelesen)?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   03. November 2018 - 14:40

    U.S.-seitige Klage, Langsamkeit der Anpassung logistischer Vorgaben zur Sicherstellung operativer Anforderungen.
    Da dies ein Dauerklagelied ist, darf von europäischer Unwilligkeit gesprochen werden?
    https://www.defensenews.com/global/europe/2018/11/01/nato-general-europe-not-moving-fast-enough-on-military-mobility/

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   04. November 2018 - 21:02

    Unter der Überschrift „Die Bundeswehr bessert ihren schlechten Ruf wieder auf: Während des Nato-Manövers in Norwegen schlugen sich die deutschen Truppen gut“ ein überraschend positiver Beitrag in FAZ.net
    „In Norwegen“, so das Blatt, „erlebt die Bundeswehr dieser Tage ihre Auferstehung aus Ruinen“.
    Es werden positiv die tri-phibische strategische Verlegefähigkeit und der Paradigmenwechsel in der strategischen Ausrichtung der Bw in Bezug auf die Krimannexion von 2014 hervorgehoben, auch Motivation und Leistung der Soldaten gelobt.

  • Memoria   |   05. November 2018 - 7:23

    @KPK:
    Der FAZ-Artikel ist zumindest für mich sachlich nicht ganz nachvollziehbar. Das bestellte Material, das bald in der Breite der Truppe ankommt? Bisher ist nichtmal für die VJTF 2023 ausreichend bestellt.

    Da wurden wohl die optimistischen Einschätzungen von BMVg und militärischer Führung als zentrale Informationsquelle herangezogen.
    Damit will ich nicht bezweifeln, dass die Bw sich vor Ort gut geschlagen hat, aber die FAZ sollte im Potemkinschen Dorf auch hinter die Kulissen schauen. Also materielle Engpässe vor Ort, Lage in der Heimat, wirklicher Stand bei Planung und Haushalt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   05. November 2018 - 18:12

    GebJgBtl 232 mit U.S. – Marines, tatsächlich also anders als „damals“.
    https://bw2.link/XkK8C
    Amphibischen Angriffsverbandes North Force mit GebJg als Gegenangriffsverband.
    Für das Btl, vom einzelnen MG-Schtz bis zum Kdr, sicherlich fordernd – und fördernd im Ausbau von Fähigkeiten und Aufbau von Selbstvertrauen.