Bundeswehr verzichtet auf zusätzliche NH90: „Bedarf an Hubschraubern ist gedeckt“

Die Bundeswehr wird nicht, wie seit vier Jahren erwogen, 22 zusätzliche NH90-Transporthubschrauber für einen Verbund zur medizinischen Evakuierung bestellen – weil sie genug Hubschrauber dieses Typs bestellt hat. Die vor vier Jahren vom damaligen Generalinspekteur Volker Wieker angeregte Überlegung, diese Helikopter zu beschaffen und für einen multinationalen Einsatzverband bereitzustellen, ist erledigt: Die mit dem Hersteller Airbus Helicopters vereinbarte Option zur Bestellung der 22 Maschinen wird nicht ausgeübt.

Das teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage von Augen geradeaus! mit:

Im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung, der sogenannten Gesamtbetrachtung Hubschrauber, wurden unter anderem auch die Bedarfe des Heeres an Transporthubschraubern NH90 TTH mit Blick auf das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr überprüft. Der Bedarf ist mit den unter Vertrag befindlichen 82 NH90 TTH derzeit gedeckt. Es ist daher unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht beabsichtigt, die Option auf 22 zusätzliche NH90 TTH auszulösen.

Die Option war im Rahmen des so genannten German Deal mit Airbus vereinbart worden: Darin wurde unter anderem die ursprüngliche Bestellung von 122 NH90 auf 82 Transporthubschrauber reduziert, hinzu kamen 18 Varianten dieses Helikopters für die Deutsche Marine (SeaLion). Die übrigen 22 Maschinen blieben jedoch als Option bestehen – und diese Option läuft im Oktober aus.

Im Jahr 2014 hatte der damalige Generalinspekteur in einem Brief an NATO-Partner dafür geworben, mit diesen Maschinen einen internationalen Verband aufzustellen, um den Bedarf an Hubschraubern für Medical Evacuation (MedEvac), also Rettungsmissionen in Einsätzen, sicherzustellen:

Helicopters – especially in their role as the mainstay of the Forward Air MedEvac capability and the associated air escort operations – are a critical asset in the European member states of NATO as well as in the European Union. This has been experienced by us in our current operations and remains valid for future missions. (…)
In addition, Germany now considers exercising its option of procuring 22 NH 90 in order to form a new Multionational Aviation Formation. If enough interested partners can be found, I intend to establish under the framework of a European cooperation an international unit in Germany, which assumes the role of escorted air medical evacuation thus reducing this mission criticial capability gap.
It is with this in mind that I would like to offer you the opportunity for your armed forces to participate in such a unit. The unit’s capabilities would be available both for multionational operations and for direct access by the respective nations.
A significant and qualified participation is fundamental. It would be desirable, therefore, that participating nations contribute pilots, technicians and support personnel as well as medical staff and should share the procurement and running costs for the above mentioned 22 NH 90.

Unklar bleibt vorerst, ob Wiekers damalige Überlegungen nicht mehr gelten oder ob sich schlicht nicht genügend Partnernationen gefunden haben, Beschaffung und Betrieb von 22 zusätzlichen Hubschraubern mit zu finanzieren.

Dabei hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen noch 2015, ein Jahr nach Wiekers Brief, ein finanzielles Entgegenkommen Deutschlands in Aussicht gestellt: wir zahlen die Beschaffung, ihr beteiligt euch am Betrieb. So äußerte sich jedenfalls die Ministerin in Brüssel:

It’s a good thought because we have a multinational helicopter institution in Germany. We build it up right now. So we are buying the helicopters. And small nations are fitting in with personnel and have the chance to equip their personnel with helicopters which are located in this multinational organization in Germany, when we buy the helicopters. Of course, this is the right idea. It’s the way to go. And we have — as a framework nation, of course we have to supply the frame with a lot of equipment and infrastructure so that other smaller nations can plug in with highly specialized personnel, which we lack. So we need them to. And that’s the way NATO works.

Nun, das scheint alles Geschichte. Denn aus Sicht des Ministeriums ist der Bedarf an diesen mittleren Transporthubschraubern mit den 82 bestellten Maschinen derzeit gedeckt – ausdrücklich unter Berufung auf das neue Fähigkeitsprofil der Bundeswehr.

(Archivbild November 2017: Ein Rettungsteam landet mit dem Rettungshubschrauber NH90 MedEvac in der Nähe von Gao/Mali bei einer Übung zur taktischen Verwundetenversorgung, – Bundeswehr/Susanne Hähnel)

Ausrüstung und so · 13:22h ·  

48 Kommentare zu „Bundeswehr verzichtet auf zusätzliche NH90: „Bedarf an Hubschraubern ist gedeckt““

  • Obibiber   |   08. September 2018 - 13:27

    Mhhhh….überraschend muss ich sagen…
    gerade in der aktuellen Phase wo es materiell ja eher überall mehr sein darf…
    und Hubschrauber ja eh allgemein extreme Mangelware sind…
    Die Verfügbarkeit von allen Mustern ist ja aktuell eher noch immer bescheiden
    vielleicht verzichtet man auf weitere Mittlere Hubschrauber und forciert dafür lieber die Beschaffung von Mustern darunter (LUH H145M) oder darüber (STH)

  • ppqrst   |   08. September 2018 - 13:28

    Interessant ist die Aussage „Wir haben genug Hubschrauber“ insbesondere vor dem Hintergrund der beabsichtigten Beschaffung einer relevanten Zahl an LUH für die Heeresflieger…

  • politisch inkorrekt   |   08. September 2018 - 13:35

    Vielleicht ist der NH90 auch schlicht zu schlecht um noch mehr davon zu beschaffen. Stattdessen werden deutlich mehr LUH beschafft, die eine höhere Einsatzbereitschaft bei geringeren Life-Cycle-Costs und größerer Flexibilität im Missionsprofil aufweisen.

    pi

  • Alex   |   08. September 2018 - 13:57

    Das Geld wurde damals bereits gezahlt, oder? Was passiert mit dem Guthaben; wird es für die Marine-Version vollständig aufgebraucht?

  • Zimdarsen   |   08. September 2018 - 14:45

    Wenn man jetzt schon zu wenig Personal und Ressourcen für den Betrieb der Vorhandenen Hubschrauber hätt, würden mehr Hubschrauber die Situation nur verschlechtern.

    Die fehlende Einsatzbereitschaft der Lfz der Bw liegt nicht daran, dass wir zu wenige habe .

  • Pete Arweiler   |   08. September 2018 - 15:04

    Dieser NH90 ist schlampig verarbeitet und hat gravierende Konstruktionsmängel – er wurde am Bedarf europäischer Armeen meines Erachtens vorbei konzipiert. Oder habe ich da in all den Jahren was anderes über den NH 90 gelesen? Wohl nicht. Wenn der Wille, wieder eine schlagkräftige Hubschrauberflotte in einer irgendwann mal wieder schlagkräftigen Bundeswehr ernst zu nehmen ist, sollten sie bewährte Helis von der Stange besorgen, die sich schon in der Vergangenheit bewährt haben. Dabei darf auch nicht auf nationale oder europäische Arbeitsplätze Rücksicht genommen werden, wenn Airbus und andere nicht in der Lage ist, zuverlässige, robuste und ausgereifte Hubschrauber zu liefern.

  • Der Realist   |   08. September 2018 - 15:10

    Das sind tolle Neuigkeiten.

    1. Damit scheidet eine Umwandlung in weitere Sea Lion als neuer Bordhubschrauber aus. (Wie bei der letzten Sea Lion Bestellung) Als Bordhubschrauber ist er eh zu groß.

    2. Öffnet das die Tür für weitere H145M, da vermutlich ein Guthaben bei Airbus besteht

  • Cradox   |   08. September 2018 - 15:42

    Gäbe es im Heer überhaupt das entsprechende Personal, Hallen etc. um 22 weitere Hubschrauber zu versorgen?
    Die Standorte haben doch jetzt schon so ihre Mühen, die ganzen Sachen zu bewirtschaften oder irre ich?

  • BS   |   08. September 2018 - 16:36

    Das sollte doch niemanden überraschen. Die Anzahl ist ja in der Tat zunächst ausreichen. Klarstand und Besatzungen und verfügbare Flugstunden und Nutzungsrate sind die Probleme. Schlicht mehr NH90 lösen die Probleme ja nicht. Die könnte die Bundeswehr in den nächsten Jahren doch gar nicht verarbeiten. Mann kann ja nie genug Hubschrauber haben. Aber in diesem Fall ist es meiner Meinung nach korrekt hergeleitet, nicht noch mehr NH90 auf den Hof zu stellen. In der Grösse darunter und darüber oder auch auf dem Wasser gibt es da gerade dringendere Handlungsfelder…

  • T.Wiegold   |   08. September 2018 - 16:54

    Mal abgesehen von der Zahl der Hubschrauber insgesamt: Dass die Idee eines multinationalen MedEvac-Verbandes entweder aufgegeben wurde oder gescheitert ist, scheint niemanden so zu überraschen?

  • Obibiber   |   08. September 2018 - 16:56

    Letztendlich ist ein NH90 halt einfach zu teuer bzgl Betrieb und Anschaffung…
    Für das gleiche Geld bekomme ich eine CH47 die im Unterhalt günstiger ist und allgemein leistungsfähiger (Reichweite, Zuladung)
    Oder ich bekomme 4 Stück H145M statt 1 NH90
    Die extrem viel günstiger im Betrieb sind… und deutlich verfügbarer…
    und es ist richtig dass man auch erstmal noch 5-10 Jahre benötigt bis die vorhandenen 82 NH90 und 18 MH90 richtig einsatzbereit sind…
    also mal schauen…

    [Für die Aussage „Für das gleiche Geld bekomme ich eine CH47 die im Unterhalt günstiger ist und allgemein leistungsfähiger“ hätte ich gerne ne Quelle. T.W.]

  • Der Realist   |   08. September 2018 - 17:07

    Für MedEvac bzw. CSAR sollte man den Blick nach Italien und der entsprechenden Version der AW 101 werfen. Das wäre der richtige Helikopter für ein multinationales Geschwader gewesen.

    Der NH90 ist für die Aufgaben einfach eine halbe Nummer zu klein und kann auch nicht luftbetankt werden.

  • Obibiber   |   08. September 2018 - 17:20

    Quellen:
    Bzgl Leistung:
    http://armedforces.eu/compare/helicopters_NH90_vs_Boeing_CH-47_Chinook
    Bzgl kosten:
    https://ukdefencejournal.org.uk/osprey-vs-chinook-cost-vs-capabilities/
    Also 4.000 für ein CH47 pro Stunde (bei den Amis ist es noch weniger)
    http://www.luftwaffe.de/resource/resource/MzEzNTM4MmUzMzMyMmUzMTM1MzMyZTM2MzIzMDMwMzAzMDMwMzAzMDY3NmY2NzM3NmU2ODc4NmQyMDIwMjAyMDIw/NH-90
    Hier kostet fast die Simulator Stunde so viel wie eine echte Stunde
    Die echte kostet 30.000-40.000€ zumindest im Jahr 2013
    aber klar…eine ch47 Flugstunde kostet in Deutschland bei der Bundeswehr vielleicht auch mehr wie bei den Briten

  • Duke   |   08. September 2018 - 17:25

    @T.W.: haben Sie ernsthaft an die Unsetzung der Endstehung eines solchen Verbandes geglaubt? Ich denke bei der Konzeption des Verbandes war mehr der Wunsch Vater des Gedankens.

    Bezüglich der 22 TTH frage ich mich warum man sich die ins Depot legt, wäre das nicht auch eine Option?

  • Klauspeterkaikowsky   |   08. September 2018 - 17:43

    @T.W.
    Ursachen des Verzichts, …, ein Angebot!
    – „wir zahlen die Beschaffung, ihr beteiligt euch am Betrieb“: Angebot zu vage, zu gering
    – unterstellter Gedankengang: wenn DEU den Löwenanteil zahlt, „wollen DIE führen/entscheiden“, aber, wer will sich unter Einsatzgesichtspunkten schon auf DEU Entscheidungswege verlassen. Immerhin kommt’s bei MedEvac
    – besonders auf Zeit an und
    – der Übergang zu CSAR kann fließend sein. Ggf also Kampf bedeuten, – besser nicht mit DENEN. Also:
    – „wir“ kümmern uns selbst um unsere Leute, dann wird’s was …
    Da Bedarfe sicher allenthalben existieren, das Finanzangebot jedoch nicht zieht, dürfte mangelndes Vertrauen in Entscheidungswege und -geschwindigkeit Faktor sein.

  • csThor   |   08. September 2018 - 19:09

    @ T.W.

    Dass die Idee eines multinationalen MedEvac-Verbandes entweder aufgegeben wurde oder gescheitert ist, scheint niemanden so zu überraschen?

    Wen soll das überraschen? Die Idee war doch schon bei Verkündung selbiger als Totgeburt erkennbar, denn kein anderes europäisches Land würde sich den Mühlstein deutscher Befindlichkeiten und Politik um den Hals hängen, vom Mühlstein NH-90 (Technik-Tohuwabohu) mal ganz abgesehen.

  • politisch inkorrekt   |   08. September 2018 - 19:16

    @TW

    Da bin ich eher froh drüber.

    1. AIRMEDEVAC ist keine prioritäre Fähigkeit für eine Armee die sich wieder auf Landes/Bündnisverteidigung konzentriert. Das muss bodengebunden gelöst werden und insbesonders muss das Mantra der im Ergebnis vergleichbaren Behandlung wie in Deutschland im Krieg zu den Akten gelegt werden.

    2. Nach Jahrzehnten von verschiedenen Versuchen muss man allgemein skeptisch auf Multinationalität unterhalb der Großverbandsebene schauen. Das sieht im Frieden hübsch aus aber zeigt schon bei den derzeitigen Einsätzen erhebliche Lücken.

    3. Ich schätze das mangelnde Interesse des Auslands an einem solchen Verband könnten mit einer ähnlichen schlechten Bewertung bzgl. des NH90 zusammenhängen.

    4. Multinationale Projekte scheitern öfter als sie tatsächlich umgesetzt werden und von diesen sind die meisten auch nur politische Alibiveranstaltungen *hust D/F-Brig *hust

    pi

  • Ottone   |   08. September 2018 - 19:41

    Zur Erinnerung: Der Ersatz für den SeaLynx steht ab 2025 an. Das ist sehr bald.

    Ich lese die obige Mitteilung tatsächlich so, dass ein aufgebohrter SeaLion somit für diese Rolle nun ausgeschieden ist. Dies würde mit der FAZ vom 25. Apr 2017 übereinstimmen, wonach das MKS180 einen leichteren Hubschrauber als ursprünglich vorgesehen erhalten soll. Damit wären dann entweder Wildcat oder Seahawk die Kandidaten.

  • Humpti   |   08. September 2018 - 20:33

    Diese Diskussion ist mir leider etwas zu undifferenziert.

    Erstmal müssen wir uns doch überlegen für welche Rolle der NH90 in AirMedevac beschafft wurde und welche er spielen kann.
    Und zwar primär für FORWARD AirMedevac, also der medizinisch kompetenten Evakuierung am Gefechtsrand, und sekundär für Tactical Air Medevac, also dem medizinischen Transport von 2 medizinischen Behandlungseinrichtungen.
    Dafür muss ein Helikopter kurze Startprozeduren, Schnelligkeit und genügend Transportkapazitäten bieten.
    Warum soll der NH90 für Forward Air Medevac zu klein sein? Er bietet Platz für 2 beatmete Patienten und kann notfalls 4 Patienten liegend auch im Gang transportieren. Er bietet Platz für Arzt und Rettungsassistent und für die Airmarshall (Feldjäger). Gerade diese scheinen wohl gerade in einem Land wie Mali höchst wichtig gewesen zu sein.
    Die NH90 biete eine kurze Notice to Move Zeit von etwas 30 min in der Nacht, damit der Patient möglichst innerhalb einer Stunde nach Unfall einem Arzt zugeführt wird. Um diese goldene Stunde gehts primär.

    DIe CH47 scheint mir zu schwerfällig, zu behäbig und gerade für kleine Landungsbereiche einfach eine Nummer zu groß zu sein. Ich kenne leider keine Daten zur Startprozedur der CH47, aber die CH 43 hat in Afghanistan eine NTM-Zeit in der Nacht von 60 min!!!

    DIe H145M scheint ein toller Helikopter für Spezialkräfte zu sein. Wenn ich aber noch das ganze medizinische Material reinbauen muss, kann ich mir nicht vorstellen, dass mehr wie ein Patient reinpasst. Dazu kommt noch Arzt, Rettungsassistent, Airmarshall. Für Forward Air Medevac einfach zu klein.

    Meiner Meinung nach ist die NH 90 ein sehr guter Hubschrauber für die Rolle Forward Air Medevac!

    Leider wird wohl diese multinationale Medevacflotte nicht umgesetzt. Auch ein gravierender Fehler!!!
    Gerade in Mali hat man gesehen, dass wir kein ausgebildetes Personal (medizinisch) für diese Rolle hatten, bzw. es nicht zur Verfügung stand. Dieses musste erstmal wieder schwerfällig ausgebildet werden. Und wen schicken wir da vor allem ärztlich hin.
    Im Gegensatz zur Tac Air Medevac und Strat Air Medevac sitzt da keine Facharzt Anästhesie/Chirurgie/Innere Medizin drauf, sondern ein relativer junger Notarzt.
    Also gerade in puncto In-Übung-Haltung und personelle Einsatzbereitschaft wäre diese multinationale Flotte aus meiner Sicht mehr als willkommen gewesen.

    [Ich habe den Link vom Nick mal hier rübergezogen:

    https://www.bmvg.de/de/aktuelles/medevac-uebung-in-mali-am-ort-des-geschehens-20198

    T.W.]

  • Zimdarsen   |   08. September 2018 - 22:11

    „Dass die Idee eines multinationalen MedEvac-Verbandes entweder aufgegeben wurde oder gescheitert ist, scheint niemanden so zu überraschen?“

    MedEvac Hubschrauber im Grundbetrieb an einem Ort zu konzentrieren wäre wohl so als wenn man alle ADAC Hubschrauber an einem Ort Stationieren würde. Es ist schon jetzt mit der CH und bald mit der C-130 ein Wahnsinn.
    Gut das es nicht weiter verfolgt wird.

    P.S.:
    Die Plattformen an den Krankenhäusern sind für die NH90 gar nicht ausgelegt. H145 wäre gut und davon 2 an jedem Bw Standort ;-)

  • Der Realist   |   08. September 2018 - 23:00

    @ Obibiber

    Beim Vergleich der Kosten muß man aber sehr vorsichtig sein.

    In Ihrem genannten Beispiel Chinook gegen Osprey fällt z.B. Folgendes auf:

    Kosten/Flugstunde:

    Osprey: $11,000
    Chinook: $4,600

    Setzt man die Geschwindigkeit in Relation, ist die Osprey gleich teuer, weil man weniger als die Hälfte der Flugstunden der Chinook für die gleiche Transportleistung benötigt. (Mehr als doppelte Geschwindigkeit der Osprey gegenüber der Chinook)

    Und wäre die Chinook wirklich so überragend günstig, hätte man nicht zusätzlich AW101 gekauft und erwägt aktuell die Osprey für die Royal Navy…

    Man kann jedes Statistik nach Belieben drehen und wenden, bis sie passt…

    Und am Ende geht es ja oft auch darum, eine möglichst hohe Wertschöpfung für den eigenen Staat zu erreichen. Da kann dann ein mehr als doppelt so teurer Helikopter am Ende wieder günstiger sein.

  • Closius   |   09. September 2018 - 10:06

    @Wiegold: Das Scheitern des MedEvac-Verbandes kann nicht überraschen. Beim A400 M hat die BW bisher auch keine Partner für einen mulitinationalen Verband finden können. Warum sollten kleinere Nationen in ein teures Projekt mit einem umstrittenen Hubschrauber einsteigen und dann nur für MedEvac!

    Die Länder, welche sich von Rußland bedroht führen, werden lieber Kampftruppen und Hubschrauber haben wollen.

    Partner wären sicher eher zu finden gewesen, wenn statt MedEvac die Hubschrauber als Kampftransporter in Osteuropa stationiert hätte oder die BW angeboten hätte, dafür ein Panzerbataillon dauerhaft im Osten zu stationieren.

  • Thomas   |   09. September 2018 - 10:24

    @T.W.
    Warum das mit dem multinationalen MEDEVAC nicht geklappt hat ist vielleicht ein Thema für die nächste Podcast-Folge.

    Danke

  • Trevor Faith   |   09. September 2018 - 11:18

    Was eigentlich gemeint ist:
    Wir haben zu wenig Piloten und nicht genug Flugstunden, um 22 zusätzliche Hubschrauber zu bemannen.

  • T.Wiegold   |   09. September 2018 - 11:45

    Hm, das geht ja munter und wild durcheinander.

    Ich verweise mal auf den Erkläransatz von @Humpti weiter oben – und nein, es geht nicht um eine Rettungsflotte im Inland, die für die Hubschrauberdächer zu schwer wäre. Auch die Pauschalaussage(n) mit dem Tenor, sind doch nur MedEvacHubschrauber, nix zum Kämpfen, erinnert mich ein bisschen an den Trugschluss „was sollen wir mit Tankwagen, wir wollen Panzer“…

    Eine gewisse Sachorientierung wäre auch in dieser Debatte gut.

  • Stöber   |   09. September 2018 - 12:06

    Wir leben in Zeiten, in denen der Inspekteur des Sanitätsdienstes seinem unterstellten Bereich den scharfen Schuss am Maschinengewehr und ähnlichen ’schweren Waffen‘ untersagt.
    Zuvor haben sich die deutschen MedEvac-Hubschrauber durch glorreiche Abwesenheit ausgezeichnet, sobald die LZ nicht vollumfänglich gesichert und erwiesenermaßen bleifrei war (stattdessen flogen Blackhawk und Co).

    Da kann man sich wohl kaum drüber wundern, dass mit anderen Nationen keine sanitätsdienstliche Partnerschaft zustande kommt. Die ‚Generation Einsatz‘ ist eben noch nicht in der obersten Führungsebene angekommen.

    Neuer Anlauf in 5 Jahren. Vielleicht findet sich bis dahin auch ein InspSan, der die o.e. Weisung feierlich in ein koblenzer Archiv verbannt.

  • klabautermann   |   09. September 2018 - 12:16

    Der Erkläransatz von @Humpt ist vielleicht die Lösung des Rätsels, denn 22 MedEvac-NH90 bedeuten ja nicht 22 MedEvac-Capabilities mit Blick auf das erforderliche, ausgebildete medizinische Fachpersonal. Und da klemmt wohl die Säge, denn die anderen Nationen haben – genau wie wir – ebenfalls massive Fachpersonalprobleme. Wahrscheinlich hat man einfach nicht genügend Partner finden können, um sich auf ein praktikables, gemeinsames Einsatz-Konzept einigen zu können.
    Und hinzu kommt, dass nunmehr LV/BV gleichrangig neben internationalen Einsätzen konzeptionell festgeschrieben ist, und auch das wird u.U. – z.Bsp. in Frankreich – nicht unbedingst genau so gesehen. Der Level of Ambition eines multinationalen MedEvac-Einsatzverbandes war imho einfach zu hoch.

  • Memoria   |   09. September 2018 - 12:17

    Wie so oft bei diesem Thema werden recht schnell CASEVAC, MedEvac, SAR und CSAR miteinander vermengt. Es sind aber jeweils andere Ansätze mit entsprechend anderer Lösung.

    Aus Sicht des Heeres macht es kein Sinn nochmals erhebliche Haushaltsmittel für weitere NH90 aufzuweisen, wenn man schon für die bestehende Flotte zu wenig Piloten, Klarstand und Flugstunden hat und für andere wichtigere Vorhaben kein Geld vorhanden ist.

    Daher ist es positiv, dass man nun auch politisch von der Idee eines multinationalen MedEvac-Verbandes absieht.

  • Der Realist   |   09. September 2018 - 13:20

    @ Ottone

    Ja, der Ersatz rückt in greifbare Nähe.
    Darum hatte ich immer vermutet, man stockt einfach die Sea Lion-Bestellung etwas auf.

    Soviele Alternativen gibt es ja auch gar nicht.

    Wildcat, Seahawk, AS565 MBe, AW139M als schnelle Kandidaten.
    Mit mehr Vorlauf auch der der H160M von Airbus.

  • Humpti   |   09. September 2018 - 15:17

    Ich stimme Memoria absolut zu, dass gerade hier in der Diskussion zu viele Begriffe mit einander vermengt werden. Ich stimme auch zu, dass wir keine Piloten etc für die 22 Hubschrauber wohl gehabt hätten.

    Eine multinationale Medevac Flotte hätte ich allerdings trotzdem als Meilenstein angesehen.

  • klabautermann   |   09. September 2018 - 15:18

    @Memoria

    Aber diese granulare, operativ-konzeptionelle Differenzierung zwischen CASEVAC, MedEvac, SAR und CSAR in Verbindung mit dem unterschiedlichen Safety/Action-Balancing ist doch genau der Grund, warum man multinational wohl kaum auf einen Nenner kommen wird.
    Typischer Fall von „Wer alles können will, kann am Ende Goarnix“ aka „Breite vor Tiefe“, btw auch ein Konzept, das nicht unbedingt von allen Nationen geteilt wird, schon allein deswegen, weil die es sich finanziell/personell nicht leisten können – auch nicht in bilateralen Konstruktionen mit DE wie DE/NL oder DE/FR etc.
    Da kann die EU sich anstrengen wie sie will, sie wird einfach nicht die über Jahrzehnte „gewachsenen“ Fähigkeitsstrukturen der US-Streitkräfte quasi duplizieren können um strategisch autark zu werden.

  • Zimdarsen   |   09. September 2018 - 15:26

    @T.W.

    Ja, darum geht es nicht. Doch was machen die Menschen und Systeme im Grundbetrieb? Rumstehen?

    Das ist sehr sachorientiert. MedEvac Systeme sind im Moment Rüstsätze in Verbänden mit anderer Hauptaufgabe und das MedPers kommt dazu.
    Eine Flotte MedEvac nur herumstehen zu lassen, ggf noch im Niemandsland. Macht wenig Sinn.

  • Navales   |   09. September 2018 - 16:58

    Ich pflichte Obibiber uneingeschränkt bei:

    >>Letztendlich ist ein NH90 halt einfach zu teuer bzgl Betrieb und Anschaffung…
    >>ich bekomme 4 Stück H145M statt 1 NH90 -Die extrem viel günstiger im Betrieb sind

    Der Nutzwertgewinn gemischter Heeresflieger-Verbände mit NH90 und UH145M (mit z.T. HForce-Waffenausrüstung) wäre bei ca. 80 H145M statt weiterer 22 NH 90 wäre wirklich signifikant, insbesondere auch bei der Landesverteidigung.

    Und mit z.B. Wildcat als Sea Lynx Nachfolger bekäme die Marine einen ausgereiften, vergleichsweise kompakten Bordhubschrauber, der ohne weiteres auf zukünftige, aber eben auch auf die derzeit betriebenen Fregatten passt. Und das Modell könnte man auch schon vor 2025 zulaufen lassen. Der Sea Lynx hat schon lange genug durchhalten müssen, der seit Jahren schlechte Klarstand spricht Bände…

  • Kuno   |   09. September 2018 - 18:06

    Fehlen nicht in den letzten Jahren eigentlich andauernd einsatzbereite Hubschrauber? Natürlich ist dies auch eine Folge von Ersatzteilmangel aber das Geld sollte doch eigentlich nach den Wehretaterhöhungen da sein.
    Mir ist es ein Rätsel, wie die Politiker der Bundeswehr immer mehr Aufgaben übertragen kann, ohne den Material- und Personalbestand entsprechend zu erhöhen.

  • Zimdarsen   |   09. September 2018 - 19:07

    Wir müssen eher weg von der Zentralisierung und gerade mit Hubschraubern in die Fläche. Wir benötigen in MedEvac eher EU weite Standarts und Verfahren, da spielt es eine untergeordnete Rolle welches LFZ und wo.

  • Fux   |   09. September 2018 - 19:52

    @Zimdarsen 19:

    Volle Zustimmung. Aber dafür braucht es eben Technik, die simpel und einfach in Wartung und Betrieb ist, zur Not (ähnlich wie die zivilen Rettungshubschrauber) mit minimaler logistischer Abstützung irgendwo stehen könnte. Keine Systeme wie NH-90 oder A-400M, in welchen sich die Ingenieure der Industrie (mehr oder weniger kompetent) bis zu „alles was geht“ verwirklichen konnten. Welche dafür aber ohne Anbindung an die SASPF Welt einen nicht einmal die Cockpittür öffnen lassen (bewusst überspitzt).

  • Trevor Faith   |   09. September 2018 - 20:59

    @ Der Realist | 08. September 2018 – 23:00

    Das mit dem Preis der Flugstunden ist so eine Sache. Wenn die höheren Kosten einne Vorteil auf dem Gefechtsfeld bringen (oder beim MedEvac), sind die Ausgaben evtl. gerechtfertigt. Wir haben heutzutage auch keine Schwerter oder Speere mehr, obwohl die günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt sind.

  • Wait&C   |   09. September 2018 - 21:44

    @Arweiler

    Der NH90 ist nicht schlecht verarbeitet sondern schlecht geplant, siehe auch „Pentagon Wars – Bradley Fighting Vehicle Evolution“.

    Oder anders gesagt, egal wie sauber man einen Papierflieger faltet, für Regen ist er trotzdem nicht geeignet.

  • Der Realist   |   09. September 2018 - 22:43

    @ Trevor Faith

    Ich fürchte, Sie haben mich falsch verstanden.
    Meine Intention war, die von Obiber genannten hohen Kosten zu relativieren.

    Ich halte generell vom NH90 sehr viel. Er hat nicht ohne Grund einen gewaltigen Kundenstamm und unzählige Varianten.

    Aber er kann eben auch nicht alles. Er ist für manches zu komplex und damit zu teuer. Für andere Aufgaben dagegen nicht groß genug, usw.

    Man sollte nicht den Fehler machen und sich auf zuwenig Muster stützen, die am Ende alles, aber nichts richtig können…

  • Zimdarsen   |   10. September 2018 - 7:08

    @Trevor Faith   

    Das stimmt, trifft aber auf den NH90 zu.
    Der hohe Flugstundenpreis liegt vor allem an den Logistik- und Entwicklungskosten und die sind in DEU höher als zB in Australien/Schweden. Diese sind zum größten Teil durch nationale Entscheidungen, Organisation, Verfahren und Anforderungen verursacht.

  • Madmax223   |   10. September 2018 - 9:40

    Ich unke mal und behaupte, dass die STH Entscheidung unmittelbar bevorsteht und die Herren in Israel sich auch mit Ihrer Entscheidung zu CH-53K durchgesetzt haben. Jedenfalls wurde mir Ende letzten Jahres diese Präferenz vom IDF Chief of Staff im Gespräch eröffnet und er legte besonderen Wert darauf, zu betonen, dass die Entscheidung STH zwischen IDF und Bundeswehr abgesprochen sein wird. Dann kommt noch die Verfügbarkeit LUH und dessen Fähigkeiten dazu und schon ist NH90 raus aus der Geschichte.
    Entsprechend halte ich den multinationalen Verband auch nicht für gescheitert, sondern nur unter anderen Bedingungen für weiter bestehend.

  • Zimdarsen   |   10. September 2018 - 10:34

    @Madmax223

    Um eine multinationalen Helikopterverband im Grundbetrieb aufzustellen ohne auf National betriebene LFZ zurückgreifen zu können ist eine große Herausforderung und unter den jetzigen Bedingungen nicht zu leisten. Zur Zeit machen wir das Gegenteil in Deutschland und trennen Heeres-, Marineflieger und Luftwaffe jeden Tag mehr.
    Man möge sich nur mit unseren Niederländischen Kameraden bzgl gemeinsamen Betrieb von Panzern unterhalten und da ist die Auslegung EU-Arbeitszeitrichtlinie nur ein Punkt.

    Da müsste noch richtig Vorarbeit geleistet werden und danach sieht es im Moment nicht aus.

  • Zimdarsen   |   10. September 2018 - 14:05

    Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise das EATC, welches den Lufttransport aller an diesem Kommando beteiligten Länder regelt, aber eben nicht stellt. Dickes Brett.

  • Koffer   |   10. September 2018 - 18:43

    @Madmax223 | 10. September 2018 – 9:40
    „Ich unke mal und behaupte, dass die STH Entscheidung unmittelbar bevorsteht“

    Na hoffentlich :)

    „und die Herren in Israel sich auch mit Ihrer Entscheidung zu CH-53K durchgesetzt haben.“

    Es gibt ja multiple Gründe für und gegen die CH-53K und es ist auch sicherlich nicht ganz unwahrscheinlich, dass unter vielen anderen Gründen auch die Frage der Modellwahl unserer Alliierten betrachtet wurde.

    Aber warum sollte die Entscheidung der IDF hier einschlägig sein?? Sehe ich nicht…

  • Wa-Ge   |   10. September 2018 - 20:58

    @Madmax223

    Mir wäre neu, dass überhaupt Gelder in den Haushalt für dieses Projekt gestellt worden wären, geschweige denn LMCO oder Boeing Angebote abgegeben hätten über die entschieden werden könnte. Kann ja auch nicht sein, denn die Bundeswehr hat noch nichteinamal die Entscheidung getroffen wieviele STH Sie kaufen will…

    Bei Ihrem nächsten Gespräch in Israel sollten Sie die IDF vielleicht mal fragen ob die Ihnen den CPM nov erklären können, dann würden diese vielleicht auf die Idee kommen das Wunschdenken in bürokratischen Struktur eben nur Wunschdenken ist.

  • Icarus   |   11. September 2018 - 7:09

    Ich finde in dieser Entscheidung eine viel fundamentalere Feststellung, nämlich dass unsere politischen Entscheider und militärischen Berater immer noch nicht den Ansatz der eigenen Lehre verfolgen, wo immer möglich mit Reserven zu planen. Mag sein, dass auf Grund der aktuellen Rahmenbedingungen der Bedarf gedeckt ist (allein das fällt schon schwer zu glauben) und man auch einen multinationalen EvakOpVerband aus guten Gründen verworfen hat. Aber unsere Streitkräfte sollen wieder wachsen. Wenn in den nächsten Jahren dann bloß ein zusätzliches TrspHubschrG entstehen soll (so wie plötzlich ein 6. PzBtl mit echten Panzern), steht man wieder da und fragt nach der Herkunft des Großgerätes. In jedem Fall sollte man die NH90 nehmen, wenn auch nicht unbedingt in der San-Rolle. Das ist aber nur Verhandlungssache. Haben ist besser als brauchen. Besonders bei durchgezählten Großgerät. Denn nur so verschafft man sich für die Zukunft einen Entscheidungsspielraum.

  • Der Realist   |   12. September 2018 - 13:59

    @ Obibiber

    Spanien bestellt weitere NH-90, um auf die Stückzahl zu kommen, die man original vor einer Reduzierung vor ein paar Jahren beschaffen wollte. Gleichzeitig werden die vorhandenen CH-47 modernisiert.

    Das bedeutet im Klartext, daß die Betriebskosten beider Helikopter wohl doch etwas auseinander liegen, denn sonst würde man kaum von einem Muster weitere beschaffen und ein anderes modernisieren, anstatt neue zu kaufen…:

    https://www.defensenews.com/global/europe/2018/09/11/french-joint-chief-calls-for-coordinated-european-force/

  • Fliegendes Personal   |   16. September 2018 - 18:27

    Diese Sache mit den Bereitstellungen für multinationale Einsatzverbände, da scheint es ganz schön zu brodeln. Der A400M ist der neue Standard-Transporter, aber als Bereitstellung für den deutsch-französischen Einsatzverband werden 6 C130 angeschafft, drei davon Tankflugzeuge, wofür auch die A400M oder die neuen A350 vorgesehen sind, obwohl das zusätzlichen Aufwand für die Pilotenausbildung erfordert und die C130 bei weitem nicht an die Leistungsdaten der A400M rankommt. Jetzt das mit dem NH90, eigentlich der neue Standard-Hubschrauber ist, aber als Bereitstellung für multinationale Einsatzverbände jetzt doch nicht, obwohl es da noch an Gerät fehlt.

    Wahrscheinlich hat ein Airbus-Vertreter von der Leyen nicht angelächelt. Oder hat Trump Druck ausgeübt weil wir „zu wenig“ amerikanische Militärausrüstung kaufen?

    [Bitte nicht faktenfrei argumentieren. Die Beschaffung der Hercules und die Gründe dafür sind hier länglich debattiert worden, erst mal nachlesen. Danke. T.W.]

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