Nach Kritik des Kommandeurs: Die bisherige (öffentliche) Reaktion des Ministeriums (Update: Marine)

Die Kritik von Kapitän zur See Jörg-Michael Horn bei seinem Abschied als Kommandeur des 2. Fregattengeschwaders der Deutschen Marine wird zwar in der Truppe,  hier im Blog (und anderswo in den Medien) heftig debattiert – die bisherige Reaktion von Verteidigungsministerin und Verteidigungsministerium bleibt allerdings bislang recht ausweichend. Bis hin zu der Aussage, das Ministerium kenne die Rede selbst gar nicht, sondern nur die mediale Berichterstattung darüber… (ProTipp: hier auf Augen geradeaus! steht der Wortlaut.)

Zur Dokumentation hier die Aussagen vom (heutigen) Montag:

• Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im ZDF-Morgenmagazin (hier das Video dazu, verfügbar für ein Jahr bis 26. März 2019):

Frage: Es gibt Frust in der Truppe und auch Kritik am Einsatz, aktuell eines hohen Marineoffiziers. Was die Aussstattung der Marine angehe sei es, Zitat, später als fünf nach Zwölf. Das Verteidigungsministerium sagt ja, die Bündnisfähigkeit sei immerhin gewährleistet. Aber genau das ziehen Soldaten in Zweifel, wenn sie ihre eigene Ausrüstung angucken. Sie sagen, sie könnten wegen der Auslandseinsätze zum Beispiel nicht an wichtigen NATO-Manövern teilnehmen.

Antwort:… Vielen Dank auch für diese sehr wichtige Frage für uns. Wir haben in den Einsätzen in all den vergangenen Jahren absolute oberste Priorität in die Einsätze gesetzt. Das ist auch richtig, dort geht es um Leben und Tod für unsere Soldatinnen und Soldaten, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Aber das hatte in den vergangenen Jahrzehnten auch zur Folge, dass der Grundbetrieb zu Hause vernachlässigt worden ist, vernachlässigt werden musste, weil auch die Finanzen zu knapp waren.

Das spüren wir bitter jetzt, das spüren wir in der lückenhaften Ausstattung, Grundausstattung für die Übungen, für die Landes- und Bündnisverteidigung, Und das ist jetzt die Aufgabe dieser Legislaturperiode, dass wir in der Tat die hohlen Strukturen auffüllen, dass wir die Landes- und Bündnisverteidigung, die anders aufgebaut ist als die Einsätze, wieder stärken, wieder auffüllen, dass wir die Modernisierungsschritte nach vorne auch gehen, ganz beherzt.

Und deshalb sind die Trendwenden, die in der vergangenen Legislaturperiode begonnen worden sind, nämlich dass die Bundeswehr wieder wächst, dass wir das Material wieder auffüllen, dass wir die Finanzen auch wieder gesunden lassen, diese Trendwenden müssen jetzt verstetigt werden mit ganz starkem Blick auf den Grundbetrieb, auf die Landes- und Bündnisverteidigung, damit die Soldatinnen und Soldaten eben auch zu Hause im Grundbetrieb das moderne Material haben, das sie später dann im Einsatz auch einsetzen werden, gebrauchen werden.

• Vor der Bundespressekonferenz der Sprecher Grundsatz, Michael Henjes, auf eine Frage zu Horns Aussagen:

Frage: Eine Frage an das Verteidigungsministerium zur Kritik des Kapitän zur See Horn in seiner Rede zum Kommandowechsel an so ziemlich allem in der Bundeswehr – von der Ausbildung über die Instandhaltung bis zur Schlagkraft usw. Was sagen Sie inhaltlich dazu? Teilen Sie die Kritik, kennen Sie die vielleicht auch aus anderen Bereichen von anderen Offizieren?

Zweitens zur Form: Was sagen Sie dazu, dass ein hochrangiger Offizier eine öffentliche Rede zu einer Art Generalabrechnung nutzt und immerhin auch sagt, er habe das Vertrauen in die politische Führung komplett verloren. Welche Konsequenzen wird das haben?

Henjes: Vielen Dank für Ihre Frage. – Der Inhalt der Rede ist mir lediglich aus den Medien bekannt; dem Bundesministerium der Verteidigung liegt die Rede so nicht vor. Wie Sie selber schon ausgeführt haben, hat hier offensichtlich ein Offizier seine Meinung geäußert. Die Inhalte sind für uns nicht neu; auch die Thematik, die er wohl angesprochen hat – jedenfalls soweit das in den Medien thematisiert wurde -, ist nicht neu. Ich möchte hier aber ganz besonders unterstreichen, dass wir uns mitten in einer umfassenden Modernisierung befinden, in einem Prozess, der durch Trendwenden charakterisiert ist. Wir sind noch lange nicht am Ziel. Von daher wird dieser Prozess auf unterschiedlichen Ebenen auch unterschiedlich wahrgenommen.

Wir müssen deshalb konsequent weitermodernisieren, unsere Anstrengungen vergrößern, so wie sich die Ministerin heute Morgen auch nochmals in den Medien geäußert hat. Wir müssen auch Dinge verstärken und uns fokussieren. Ich nenne als Beispiel nur die Landes- und Bündnisverteidigung. Mehr ist dazu jetzt hier nicht zu sagen.

Zusatzfrage: Ist es durch das Recht auf freie Meinungsäußerung auch für einen Offizier gedeckt, in einer öffentlichen Rede zu sagen, er habe kein Vertrauen mehr in die öffentliche Führung, oder wird jetzt möglicherweise über Konsequenzen für seine weitere Verwendung oder ein Disziplinarverfahren nachgedacht?

Henjes: Noch einmal: Der Inhalt der Rede ist mir nicht im Detail bekannt, sondern lediglich die Reflexionen aus den Medien. Hinsichtlich möglicher Reaktionen darauf möchte ich Sie bitten, sich an die verantwortlichen truppendienstlichen Stellen in der Marine zu wenden.

Update: Die Marine hat im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung* Stellung genommen:

Die Deutsche Marine ist Befürchtungen entgegengetreten, dass der bisherige Kommandeur ihres größten Einsatzverbandes, Jörg-Michael Horn, wegen massiver Kritik an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der Marineführung und Zuständen in seinem Verantwortungsbereich mit Konsequenzen für seine Karriere rechnen muss. Das teilte der Sprecher des Inspekteurs der Marine, Kapitän zur See Johannes Dumrese, am Montagabend dieser Redaktion mit.
Kapitän zur See Jörg-Michael Horn werde seinen neuen Dienstposten als Referatsleiter im Bundesamt für Personalmanagment der Bundeswehr Anfang kommender Woche „ganz normal“ antreten, so Dumrese. Zuvor werde es noch ein „klärendes Gespräch“ mit seinem bisherigen Vorgesetzten, Flottillenadmiral Christoph Müller-Meinhard, geben.

*Deutsche Verlagswebseiten werden hier i.d.R. nicht verlinkt; in diesem Fall scheint eine Ausnahme angebracht.

(Foto: Ehrenzug bei der Kommandoübergabe des 2. Fregattengeschwaders am 21. März 2018 – PIZ Marine/Bundeswehr/Kim Brakensiek)

87 Gedanken zu „Nach Kritik des Kommandeurs: Die bisherige (öffentliche) Reaktion des Ministeriums (Update: Marine)

  1. @Aspelund

    Ja, so ist es.

    „Eine konsequente Planung müsste hier sagen: Halt! Geht nicht, können wir nicht managen! “

    Am Beispiel MoTaKo wir bekommen es nicht hin und zeitgleich legt Frankreich mit PESCO ESSOR neue Grundlagen. Was der Soldat JETZT benötigt ist ein einsatztaugliches VHF/ UHF-Handfunksprechgerät.

    …..und auch da ist die Ministerin nicht direkt verantwortlich. Auch bei vielen Bsp von KzS Horn ist es zuerst die mili Führung mit all den Ämtern die in Verantwortung stehen. War es nicht der InspM welcher vor wenigen Monaten noch frohlockte wie gut die Marine da stand (siehe Video Interview Inspekteur Marine 2017)

  2. Wenn ich nicht irre, hat niemand in der Marine den Aussagen von KzS Horn substantiell widersprochen. Statt dessen möglicher Verstoß gegen Verschwiegenheitspflicht? Wir haben demnach eine Bundeswehr in der man die Einsatzbereitschaft ohne Konsequenzen beschädigen darf, man darf nur nicht darüber reden?
    @ Elahan
    Zum einen gehört der GI zum Ministerium, zum anderen trägt die Ministerin so oder so die Gesamtverantwortung oder war sie mit der Planung des GI nicht einverstanden? Wohl kaum.

    Vielleicht sollte man auch von den ständigen Vergleichen der Bundeswehr mit Unternehmen in diesem Kontext Abstand nehmen. Wenn ein ziviles Wirtschaftsunternehmen nicht funktioniert, dann stellt sich ein wirtschaftlicher Schaden ein und es gibt vielleicht Menschen die ihren Arbeitsplatz verlieren. Wenn die Bundeswehr nicht funktioniert, kostet das Menschenleben.

  3. Bei aller Diskussion kommt mir ein Aspekt hier zu kurz.
    KzS Horn hält eine Rede in der er seinen direkten Vorgesetzten und dessen Handlungen konkret und scharf angreift. Dieses macht er vor geladenen Honoratioren aus dem öffentlichen Bereich des direkten und örtlichen Umfeldes der Einsatzflottille 2. Darüber hinaus befanden sich unter den Gästen zahlreiche Offiziere, welche sich im direkten Unterstellungsverhältnis des angegriffenen Vorgesetzten befinden. All dieses macht er, ohne den direkten Vorgesetzten im Vorfeld darüber zu informieren und in dem Wissen, dass dieser nicht nur seine Rede nicht mithören kann und in dem Wissen, dass dieser (kameradschaftlich) seine Leistungen in der vergangenen Verwendung würdigen und kein schlechtes Zeugnis reden wird. Können wir hier mal aufhören, dieses Verhalten als mutig zu bezeichnen. Das ist und bleibt illoyal und geht in eine persönliche Ebene, die so nicht hinnehmbar ist. So können Streitkräfte nicht funktionieren und ich würde mich wundern wenn sich KzS Horn so ein Verhalten von einem seiner Unterstellten gewünscht hätte! Unterstellt, Vorgesetzte und Kameraden mit gleicher Haltung haben Kameradschaft nicht verstanden und sind entbehrlich.

  4. @schleppi

    “ Zum einen gehört der GI zum Ministerium, zum anderen trägt die Ministerin so oder so die Gesamtverantwortung oder war sie mit der Planung des GI nicht einverstanden?

    …..oder war der GI nicht einverstanden?

    Ja, der GI gehört zum Ministerium (ich wurde ja nicht gefragt :-)) und ist der Vorgesetzte der Bundeswehr, er trägt die militärische Verantwortung, die Ministerin die politische.
    Die Ministerin muss sich auf die Planer verlassen können und zwischen den Vorlagen entscheiden.

  5. Wer der Meinung ist, dass ein Kdr abgelöst gehört, wenn in seinem unterstellten Bereich Dinge nicht „richtig“ laufen (siehe Kdr Pfullendorf und AusbKdo Leipzig) der kann nicht sagen, dass die Leitung nicht gehen muss wenn die Lage (Pers, Mat und Ausb) in der Truppe katastrophal ist.

  6. @Cmpno | 27. März 2018 – 21:28
    „Bei aller Diskussion kommt mir ein Aspekt hier zu kurz.
    KzS Horn hält eine Rede in der er seinen direkten Vorgesetzten und dessen Handlungen konkret und scharf angreift“

    Sie meinen den Abschnitt wo er sich gegen die Pläne der Flottille zur „Reprofessionalisierung“ wendet?

    Ja, da habe ich auch gezuckt. Und seinen unmittelbaren Vorgesetzten in der Öffentlichkeit zu kritisieren ist in der Tat etwas anderes, als einen Politiket in Berlin.

    Ich glaube auch, dass er es da übertrieben hat…

  7. @ Cmpno | 27. März 2018 – 21:28

    Loyalität geht in zwei Richtungen. Wenn die Führung nachhaltig verlangt, Missstände zu vertuschen, so ist es das Recht und die Pflicht eines aufrechten Offiziers, alle (!!!) Wege zu nutzen, um den Missstand zu beheben. Wenn interne Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist der Weg in die Öffentlichkeit daher legitim.

    Das Ganze erinnert inzwischen an einen alten Soldatenwitz:
    Auf dem Kasernenhof:
    Person A: Soldat Meyer sitzt im Bau!
    Person B: Warum?
    Person A: Er hat gesagt, der General sei ein Idiot!
    Person B: Und, was werfen sie ihm vor. Beleidigung, Beschädigung des Ansehens der Armee, Üble Nachrede …
    Person A: Nichts davon, die Aussage war ja nicht zu widerlegen… Er sitzt wegen Geheimnisverrat!!!

    Es bleibt also abzuwarten, wann Kapitän zur See Jörg-Michael Horn wegen Geheimnisverrat abgestraft wird. Wo kommen wir denn auch hin, wenn jemand die Zustände in unserem Operettenarmeechen öffentlich macht …

    Ganz ernst: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bundeswehr absehbar in einen scharfen Einsatz hineingezogen wird, ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. Es wäre unkameradschaftlich, meiner Ansicht sogar verbrecherisch, in einer solchen geopolitischen Situation an der Vertuschung mangelnder Einsatzbereitschaft der Streitkräfte mitzuwirken. Oder würden Sie gern den Angehörigen erklären müssen: „Tut uns leid, Ihr Mann ist gefallen, weil er schlecht ausgebildet mit marodem Material in einen Einsatz geschickt wurde, in dem er absehbar nicht bestehen konnte. Die militärisch politische Führung hat es aber vorgezogen, diese Missstände zu vertuschen und als Offizier hat man dann untertänigst die Klappe zu halten!“

  8. Bis auf die Veröffentlichung der Entscheidungen seiner direkten
    Vorgesetzten war NICHTS noch nicht in der Öffentlichkeit, BMVg und VA bekannt. Man möge sich mal kurz in die Situation seines direkten ehemaligen Vorgesetzten versetzen.
    Die Rede war eine Abrechnung über den persönlichen Verantwortungsbereich hinaus auch gab es in der Rede keine Kritik (+/-) an eigenen Entscheidungen (die waren wohl alle sehr gut). Nichts wird vom BMVg vertuscht, man hört vieles nur nicht gerne und trifft evtl Entscheidungen die einem persönlich nicht gefallen (mir auch nicht).
    Wie dramatisch die Ausrüstungslage tatsächlich ist, ließ sich gerade im Bericht des Wehrbeauftragten nachlesen.

    Fakt ist, alles ist veröffentlicht, nichts ist unterm Tisch alle Verantwortlichen (Volk, Regierung, VA, mili Führung) wissen bescheid.

    Man braucht nur zu googeln => Zustand Bundeswehr und bekommt alles was man benötigt.

  9. @Cmpno
    Das ist nicht nur bei Streitkräften so, sondern auch in ziv. Unternehmen. Aber da ist es nicht medienwirksam, wenn man sich über seinen Arbeitgeber in aller Öffentlichkeit beklagt (ausser bei der Deutschen Bank 😉). Aber was hat H denn nun wirklich Neues gesagt? Eher nix… Daher auch hier die Frage nach dem Warum und dem Wieso.

  10. Das sind ja interessante Interpretationen:

    Den unmittelbaren Vorgesetzten greift man nicht an – irgendeinen Politiker aber schon, auch wenn es der eigene Minister ist?
    Und im Gegensatz zu allen anderen Staatsdienern ist es quasi hoheitliche Aufgabe des Soldaten, sich öffentlich über die Unzulänglichkeiten dieses Staates und seiner Institutionen zu äußern, weil die Öffentlichkeit (! Nicht etwa der Souverän) Anspruch auf eine militärfachliche Beratung habe?

    Ersteres halt ich für eine ziemliche Unverschämtheit und Letzteres für rechtlich eher nicht haltbar- ohne auf diesem Rechtsgebiet Experte zu sein.

    Die entscheidenden Punkte in der Stellungnahme der Marine sind für mich

    1. dass es eine Prognose dazu gibt, wann in welchen Bereichen (Personal und Material) eine Besserung eintreten wird. Ich hoffe sehr, dass es diese Prognosen gibt und sie belastbar sind und falls es sie nicht gibt, müssen wir uns dringend eine entsprechende Fähigkeit anschaffen! Und dann ist es natürlich Aufgabe der OrgBer ihren Kommandeuren dieses Lagebild zur Verfügung zu stellen und Aufgabe der Kommandeure, dies in ihre Bereiche weiterzutragen. Vakanzen auf Dienstposten heute sind schlimm, aber zu wissen, dass es in den kommenden Jahren jährlich x0 ausgebildete Btsm zulaufen werden, hilft bei den Planungen allen Beteiligten ungemein und erst wenn ich diese Prognosen im Rahmen meiner Bewertung berücksichtige, wird diese wirklich tragfähig.

    2. dass KzS Horn die jüngst vergangene Kdr-Tagung nicht für seine Bilanz genutzt hat. Das wäre das richtige Forum gewesen.

  11. Wenn ich hier so lese „……in aller Öffentlichkeit“ im Zusammenhang mit „Loyalität“ etc, dann wird mein Kragen wieder ganz eng. Bevor er platzt einige Anmerkungen:
    Abgesehen davon, dass Loyalität gegenüber dem Dienstherren als Beurteilungskriterium schon seit Jahren abgeschafft ist, sollte man sich darüber im klaren sein, dass diese Zweibahnstrasse Loyalität in der Führungspraxis/im Führungsalltag vorrangig zwischen dem Kommandeur und seiner Truppe von Bedeutung ist gerade bei der Flotte. Man kann davon ausgehen, dass die Offiziere und Besatzungen des 2. FGschw wohl am besten wissen, wie die Mat/Pers/Ausbldg-Lage des Geschwaders realiter aussieht. Und natürlich wird darüber intern diskutiert, man kämpft um Lösungen und entwickelt viel Kreativität um den „Dampfer“ irgendwie am laufen zu halten, denn das ist nun einmal der „Auftrag“. Dazu braucht man natürlich in erster Linie die Unterstützung des Kommandeurs. Und natürlich wird gerade auch in einem Standort wie Wilhelmshaven in der lokalen, maritimen Öffentlichkeit darüber diskutiert, insbesonder auch vor dem Hintergrund der seit Monaten bundesweit auf allen Kanälen tobenden BW-Zustandsdebatte mit den damit im Zusammenhang stehenden öffentlichen Verlautbahrungen des BMVg und insbesondere der Ministerin.
    Und natürlich war/ist ein Kommandeur, der seinen inneren Führungsauftrag ernst nimmt, ganz bestimmt Teil dieser internen Debatten, denn wenn er sich diesen Debatten entzieht, dann bekommt diese Zweibahnstrasse ein Loch wie auf der A20 – und dann ist es nicht mehr 5 nach zwölf, sondern game over.
    Und dann verabschiedet sich der Kommandeur von seiner Truppe und soll auf einmal das Lied von den erlösenden Trendwenden singen ?
    Noch eine Bemerkung: die für die Beurteilung/Bewertung der formalen Einsatzfähigkeit inklusive der Zuerkennung von Leistungsnachweisen für die Offiziere (Stichwort: „Kommandanteneignung“) zuständige Instanz ist der Kommandeur. Und diese kollektiven und individuellen Leistungsnachweise kann man nicht an einer Schule/Simulator „erwerben“ sondern nur in der Seefahrtspraxis. Und damit sollte wohl kar sein, warum es laut KzS Horn „5 nach Zwölf“ ist: Ohne materiell einsatzfähige Schffe keine strukturelle Einsatzausbildung zum Erwerb kollektiver und individueller Leistungsnachweise und ohne Leistungsnachweise keine Einsatzfähigkeit der Systeme – eine Todesspirale, die da gerade abläuft.

  12. Cmpno | 27. März 2018 – 21:28,

    Sie unterstellen indirekt, KzS Horn habe zuvor nicht mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten über die Missstände in der Marine gesprochen. Ist es realistisch, dies anzunehmen?

    Ich vermute, ein „Kaliber“ wie Horn hat die Missstände in aller Klarheit angesprochen. Aber das alles ist Spekulation. Wir wissen es nicht.

    Deshalb sollte auch nicht vorschnell das Urteil der Illoyalität gefällt werden.

  13. @ Cmpno, @Koffer

    Zitat: „Sie meinen den Abschnitt wo er sich gegen die Pläne der Flottille zur „Reprofessionalisierung“ wendet?“

    Bevor man dieses Vorgehen verurteilt, sollte man wissen wo eigentlich die Problematik der sogenannten „Reprofessionalisierung“ begründet ist.

    Ein Verfahren, dass auch bei der Lw seit einigen Jahren flächendeckend in vielen Laufbahnen angewandet wird.

    Um es zu verstehen, muss man das alte Ausbildungssystem mit dem neuen Ausbildungssystem im technischen Bereich, z.B. bei der Instandsetzung von Flugzeugen kennen und vergleichen.

    Früher mussten Aspiranten erst eine sogenannte 8er ATN, also eine praktische Fachausbildung als Helfer am Gerät machen bevor sie einen Mechanikermeister als Helfer zur Hand gehen durften.
    Danach haben sie die Fachausbildung als Unteroffizier gemacht (7er ATN) und dann ZWEI JAHRE praktisch als Mechaniker im Verband gearbeitet. Anschließend haben sie, falls sie die Fw-Laufbahn eingeschlagen haben die Meisterausbildung (6er ATN) an der Schule erworben und haben dann als Feldwebel im Verband gearbeitet.

    Mit diesem Ausbildungssystem brauchte man keine „Reprofessionalisierung“, denn der fertig ausgebildete Fw war aufgrund der eingelagerten Phasen der praktischen Tätigkeit bereits „Professionalisiert“.

    Zu nun kam es zur Änderung der Ausbildungsverordnung mit einer „Verschulung der Ausbildung“. Der junge Fw-Änwärter sollte in einem 3 jährigen Ausbildungsgang weitgehend ohne praktische Tätigkeit im Verband, als fertig ausgebildeter Meister ohne jegliche praktische Erfahrung in den Verband kommen und dort als Meister mit 6er ATN sofort voll einsetzbar sein.

    Das dieses Vorhaben schief gehen musste war jedem Praktiker von Anfang an klar. Dann kam man auf den Trichter, die verschulten Fw-Anwärter im Verband zu „Reprofessionalisieren“ (als wäre die schon jemals Profi gewesen) und wie macht man das ?
    Na ganz klar indem man ihnen theortische Aufgaben zuweist und hinterher schriftliche Leistungstest abhält. Und zur Belohnung gibt es dann ein Zertikat, dass man jetzt „Profi“ ist.

    Fällt irgendjemand dabei etwas ungewöhnliches auf ?

    Durch Wegfall von Praxisabschnitten, gemeinsamen Übungsaufenthalten mt dem Verband, z.B. auf See in der Ausbildung zum Fw fällt erhebliche praktische ERFAHRUNG weg und die versucht mit einem schriftlichen Leistungstest zu kompensieren ?

    Also der Einwand des Kapitäns war mehr als berechtigt !

    Man kann praktische Erfahrung, mangels Wegfall von der Möglichkeit mit dem Schiff solche Erfahrungen zu sammeln nicht durch einen schriftlichen Leistungstest kompensieren. Diese Art der „Reprofessionalisierung“ dient nur dem Zweck wenn der junge Fw oder Offz dann einen Fehler im praktischen Betrieb macht, ihn leichter haftbar zu machen und die Vorgesetzten von der Schuld der mangelnden praktischen Ausbildung zu befreien, denn der Kandidat war ja „reprofessionalisiert“ – welch ein Hohn allein in Wortwahl !

  14. Ich denke die wesentlichen Argumente pro/contra/neutral wurden hier im Forum mittlerweile ausgetauscht.

    Was mich persönlich sehr interessiert sind 1. die Beweggründe von KzS Horn ausgerechnet diese Rede vor geladenen Gästen (und damit quasi öffentlich) zu halten, und 2. wie es Ihm nun tatsächlich innerhalb und außerhalb des Dienstes „entgegenschallt“ und 3. ob er genau diesen Weg nochmal so beschreiten würde.

  15. Aus dem FAZ-Artikel: „[…] Bedauerlich sei es, dass Horn seine Kritik erst jetzt äußere. Kurz vor seiner Abschiedsrede habe noch die Kommandeurstagung der Marine stattgefunden. Dort habe sich Horn nicht zu Wort gemeldet. Aus Teilnehmerkreisen hieß es indes, Horn habe gar nicht teilgenommen. Das bestätigte die Marine am Dienstagmorgen. […]“

    Autsch.

  16. @Cmpno

    Mir stellt sich bei ihren Ausführungen die Frage ob Loyalität eine Einbahnstrasse ist ?

    Ein Dienstherr, der seine Untergebenen seit vielen Jahren unterschiedlichste Leistungen kürzt und den „Arbeitsvertrag“ einseitig ändert (obwohl er immer das gegenseitige Dienst- und Treueverhältnis betont!), der die Materiallage so desaströs werden lässt wie vom Wehrbeauftragten bemängelt, wo finden sie nach ihrer Diktion die Gegenseitigkeit ?

    Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit, ansonsten reden wir von dem was die innere Führung stets zu vermeiden suchte, wir reden vom „Kadavergehorsam“ … und KzS Horn hat nichts Unbekanntes gesagt, nur hat er es eben öffentlicher und klarer getan als mancher Duckmäuser oder Politiker !

  17. Immer wieder wird in unserer Gesellschaft Zivilcourage gefordert- auch in Sonntagsreden zum 20. Juli. Wenn nun mal jemand in der Truppe den Mut besitzt, Mängel und Fehler anzusprechen, so ist darin nichts zu bemängeln. Ich wünsche mir mehr Mut im öffentlichen Dienst, Mängel auch öffentlich zu benennen. Leider führt dies auch oft bei kleinkarierten Vorgesetzten (Bürgermeistern etc.) dazu, dass diese den Kritiker auf ihrer „Abschussliste“ haben, bzw. dessen Karriere ist schnell zu Ende. Wer heute keine Kritik zulässt, der kann nicht mit dem Blick in die Vergangenheit (wo es um Kopf und Kragen ging) mangelnde Zivilcourage bedauern. Zum Zustand der Bundeswehr hätte ich mir mehr Kritik seitens der Generalität gewünscht- bis zum Rücktritt der Inspekteure, die doch hierdurch (im Gegensatz zu normalen Beamten) keinerlei Nachteile in ihren Pensionen zu erwarten hätten.

  18. @Klabautermann:

    Interessante Argumentation von Ihnen. Sie meinen also, weil „Loyalität“ kein formelles Beurteilungskriterium sei, wäre man nicht mehr daran gebunden?
    (Pünktlichkeit oder gar regelmäßige Teilnahme am Dienst finde ich da auch nicht explizit, dann wird das wohl auch nicht so eng genommen damit denke ich, oder? Auf diesem Niveau wollen wir doch wohl hoffentlich nicht ernsthaft diskutieren….)

    Ich stimme – wie ich bereits erwähnte – den Inhalten der Rede vollkommen zu, aber auch ich habe mich gefragt: Hoppla, galoppiert da gerade einer zu weit?
    Und es wurde hier bereits einige Beiträge vorher erwähnt: eine ähnlich Debatte läuft aktuell um eine Dame des Vorstands der Deutschen Bank, die just auch ein wenig „vom Leder gezogen“ hat. Eine interessante Analogie, wie ich finde.
    Dazu gibt es unter anderem einen Artikel im Spiegel, wo sich die Frage gestellt wird . „Wie schlecht darf man über seinen Arbeitgeber reden? “
    Dort führt eine Anwältin für Arbeitsrecht aus, dass es so etwas wie ein Rüchsichtsnahmegebot des Arbeitnehmer gibt, welches zur Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber verpflichtet.
    Nun bin ich kein Jurist und möchte nicht bewerten, ob oder inwieweit hier H. gegen dies verstoßen hat. Aber wenn auch nicht de jure so ist das meiner persönlichen Meinung nach eine Sache, die sich „nicht gehört“, vor allem erst recht nicht sollte man vorher dies nicht vorher intern vehement zur Sprache gebracht haben.
    Ich selbst habe in meinen Verwendungen als Disziplinarvorgesetzter meinen Leuten das wie folgt mit auf den Weg gegeben als Erwartung meinerseits: Ich ermutige zu aktiver Beratung, auch abweichenden Meinungen mit dann ausführlichen Begründungen (und absehbaren Folgen). Dann muss mich dieser Soldat aber auch ÜBERZEUGEN, dass seine Sicht besser ist als meine. Schafft er dies nicht und ich bleibe bei meinem Entschluss dann erwarte ich, dass er diesen auch „nach unten“ mitträgt und nicht allen erzählt, der will Lösungsweg A aber das ist doof, mein Weg B ist besser! (Genauso habe ich ergänzt, wenn ich mit Lösung A dann gegen die Wand fahre, kann er auch gerne zu mir kommen und mich daran erinnern, dass er dies von vorne herein so gesehen hat – vielleicht höre ich dann ja beim nächsten Mal genauer hin).
    Es sollte auf jedem Falle keinen verwundern, dass die übergeordnete militärische und politische Führung „not amused“ aufgrund des Vorfalles ist.
    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass H. es vorhergesehen hat, dass die Rede solche Wellen schlagen würde (was letztlich aber auch nur Spekulation bleibt, aber ich kenne ihn auch ein wenig länger und war eh verwundert diese Worte aus seinem Munde zu hören).

  19. Guten Tag an alle,

    Ich erkenne eine gewisse Ironie darin, dass hier KzS Horn Illoyalität vorgeworfen wird; in der Kommentarseite eines öffentlichen Blogs, in dem gefühlt jeder Dritte – darunter viele aktive Soldaten – unter dem Deckmantel der Anonymität über Generale und Ministerin vom Leder lässt.
    Meine persönliche (!) Meinung ist, dass der Kapitän seine Rede in erster Linie an seine Soldaten adressiert hat.

    Beste Grüße,
    Rödelriemen

  20. „Dazu gibt es unter anderem einen Artikel im Spiegel, wo sich die Frage gestellt wird . „Wie schlecht darf man über seinen Arbeitgeber reden? ““

    Die Analogie ist nur nicht zutreffend. KzS Horn hat nicht über seinen ‚Arbeitgeber‘, die Bundesrepublik Deutschland, geredet. Noch nicht mal wirklich über seine ‚Firma‘, die Bundeswehr oder seine ‚Abteilung‘, die Marine. Sondern über ‚Manager‘ auf bestimmten ihm vorgesetzten Ebenen.

    Aber auch das läuft noch ins Leere, weil die Bundesrepublik kein Unternehmer ist, die Bundeswehr keine Firma und die Ministerin keine Vorstandsvorsitzende. Deswegen spielt auch das Arbeitsrecht da gar keine Rolle.

  21. @Roadrunner

    „Dazu gibt es unter anderem einen Artikel im Spiegel, wo sich die Frage gestellt wird . „Wie schlecht darf man über seinen Arbeitgeber reden? “

    KzS Horn hat nicht schlecht über seinen Dienstgeber geredet, sondern er hat die Situation in der Bundeswehr dargestellt. Die Frage ist, welche sie ja auch indirekt gestellt hatten, steht es ihm zu es in dieser Form, im Dienst und in seiner Funktion als Abschiedsrede zu tun?

  22. @Roadrunner | 28. März 2018 – 14:24

    Sie werfen hier Dienstrecht und Arbeitsrecht in einen Topf. Das allein ist für mich schon ein Hinweis darauf, dass sie offenbar auch dieses Bild vom „Unternehmen Bundeswehr“ im (Hinter)Kopf haben – nun, KzS Horn hat ja auch dazu etwas gesagt.
    Nun sollte man den SPON-Artikel in Gänze und bis zum Schluß lesen und dann relativiert sich ihr Loyalitäts-Zitat doch erheblich.
    „…..Solange die Kritik unter die Meinungsfreiheit fällt und nicht die Grenze zur Schmähkritik überschreitet, bei der die Diffamierung des Arbeitgebers im Vordergrund steht, habe ein Arbeitnehmer rechtlich nichts zu befürchten……“
    Ich schätze einmal, dass es – wem auch immer – sehr schwer fallen wird in der Rede von KzS Horn eine Schmäkritik justiziabel nachzuweisen.
    Im Übrigen: wie hätten sie es denn gerne ? Arbeitsrecht oder Dienstrecht ? Unternehmen oder Bundeswehr ? In beiden Fällen ist das Loyalitätsgebot gegenüber dem Dienstherren/dem Arbeitsgeber nicht absolut.

  23. @T.W.

    Hast Du schon mit Deinem Anwalt gesprochen ? Nur für den Fall, dass Dir demnächst eine Abmahnung/Klage des BMVg wegen öffentlicher Verbreitung von Schmähkritik an Frau UvdL ins Haus flattert . Sorry, kam mir gerade so in den Sinn – aber so langsam wird diese Diskussion hier nach meinem Empfinden etwas bizarr.
    Mir ist nie so bewußt wie an den beiden Hörnchen-Fäden geworden, welch herausragende, unabhängige und korrekte journalistische Arbeit Du seit Jahren in Sachen BW leistest.

  24. @Harry | 28. März 2018 – 9:32
    „Den unmittelbaren Vorgesetzten greift man nicht an – irgendeinen Politiker aber schon, auch wenn es der eigene Minister ist?“

    Das eine nennt man dienstliche Wohlverhaltenspflicht, das andere nennt man „Recht eines Staatsbürgers in Uniform“… (wobei auch das letztere natürlich nicht außerhalb gewisser Grenzen erfolgen darf).

    @Georg | 28. März 2018 – 10:04
    „Bevor man dieses Vorgehen verurteilt, sollte man wissen wo eigentlich die Problematik der sogenannten „Reprofessionalisierung“ begründet ist.“

    Ich rechtfertige weder die Pläne der Flottille noch kritisiere ich sie. Meine Bauchschmerzen beziehen sich (und das ist eigentlich doch an meinen Formulierungen sehr deutlich zu erkennen!) gegen die Form der direkten und öffentlichen Kritik am unmittelbaren Vorgesetzten in einer offensichtlich aktuell in der Entscheidungsfindung befindlichen Sachfrage.

  25. @Roadrunner

    Wenn KzS Horn im Zustand der BW , der Marine seines Geschwaders eine Gefahr für Bürger und/oder die BRD sieht, dann erfordert es seine Pflicht seinen Arbeitgeber zu informieren und das ist in letzter Instanz der Souverän.

    Mir ist jetzt nicht aufgefallen, das über diesen in der Rede hergezogen wurde.

  26. Und was waere, wenn das BMVg nun an einer Neuauflage eines Compliance -Codes arbeitet, welcher u.a. vorsieht, dass der jeweilige naechsthoehere Disziplinarvorgesetzte bspw. Redebeitraege fuer die Oeffentlichkeit vorab nach definierten Kriterien zu pruefen und ggf. zu verhindern hat?
    Die SK wurden in den letzten Jahren doch schon oefter mit solchen Kontroll- und Abwaelzungsmechanismen ueberrascht, auch von unterhalb der ministeriellen Ebene.

    [Sorry, aber jetzt mit solchen „Was wäre wenn“-Gedankenspielen merkwürdiger Art zu kommen, hilft glaube ich nicht weiter. Oder haben Sie konkrete Hinweise? T.W.]

  27. Nachdenklich muss doch zuvorderst die Tatsache machen, dass die vorgesetzten Ebenen und dort vor allem die sogenannte 3 bzw. 4 Sterne-Ebene (und hier meine ich nicht die Stabs-/Hauptleute) den Mund nicht aufmacht. Führen durch Vorbild ist wohl nicht mehr angesagt ? Sollte das etwa den Schluss zulassen, dass nur noch Ja-Sager so weit kommen (können)?
    Da fällt mir ein Name „Krupinski“ aber auch „repräsentativer Querschnitt unserer Gesellschaft“ ein!

    [Ihnen mag der Name Krupinski einfallen, den Jüngeren hier vermutlich nicht. Zur Orientierung Wikipedia

    https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Krupinski

    obwohl mir nicht klar ist, was Sie damit sagen wollen. Geht’s um den Vorwurf, er habe Untergebene vom MAD bespitzeln lassen? T.W.]

  28. Meiner Meinung nach meinte der Herr Schindler den Eklat, den es bei der Einführung der Zweitrolle Jagdbomber für die Jagdflieger der Lw so ca. 1975 in Offz-Kasino in Wittmund gegeben hat.
    Nachdem der InspLw auf die neue Zweitrolle mit einem Glas Sekt in der Runde anstoßen wollte, haben der damalige Kommodore und alle anderen Offiziere die gefüllten Sektgläser fallen lassen als Zeichen des Widerstandes gegen den Auftrag.

    Der Kommodore hat dann seinen Abschied eingereicht und wurde etwas später der neue Chef der VW-Werksflieger Flotte.

  29. @ Georg
    1975 passt :-)

    Warum mögen manche einfach nicht wahrhaben, dass die interne Kritik und selbst die internen wahrheitsgemäßen Meldungen keinen Erfolg hatten, ja teilweise sogar nicht einmal in die Lagedarstellung für den Verteidigungsausschuss eingeflossen sind. All denen sei nochmal empfohlen die Vorgänge in 2014 nachzulesen.

    Wenn es keine Kultur der Transparenz gibt, wird es auch in der Öffentlichkeit kein Verständnis für berechtigte Forderungen der Bundeswehr geben.

    Es wird erforderlich sein, sehr aufmerksam über einen längeren Zeitraum den Umgang mit KzS Horn zu begleiten -insbesondere auch vor dem Hintergrund des öffentlichen Lobes für einen Kommandeur der sich in anderer Sache öffentlich geäußert hat.

    Hier sind auch die Medien besonders gefordert. Denn wie heißt es so schön in der Bundeszentrale für politische Bildung: Kernfunktionen der Medien sind: Informationsfunktion, Meinungsbildungsfunktion und Kontrollfunktion.

  30. @schleppi | 29. März 2018 – 19:12
    „Hier sind auch die Medien besonders gefordert. Denn wie heißt es so schön in der Bundeszentrale für politische Bildung: Kernfunktionen der Medien sind: Informationsfunktion, Meinungsbildungsfunktion und Kontrollfunktion.

    Ich stimme Ihnen bei den übrigen Aussagen Ihres Kommentars ja zu, aber das schiesst doch etwas über das Ziel hinaus, oder?

    Erstens ist es nicht Aufgabe der Medien die Karriere eines einzelnen A16 nachzuverfolgen nur um sicher zu stellen, dass eine (möglicherweise) rachsüchtige Ministerin kein Unwesen treibt. Sollte dem Kameraden unrecht geschehen, steht ihm der Beschwerdeweg und danach der weitere Rechtsweg offen. Dafür sind wir ein Rechtsstaat.

    Und zweitens wird, wenn es bei diesem Kameraden um weitere, wichtige Karriereschritte geht die aktuelle IBuK vermutlich (hoffentlich) schon lange nicht mehr in Amt und Würden sein…

  31. @ koffer
    Es geht beileibe nicht um einen einzelnen A16. Und es geht auch nicht um die IBUK.
    Es geht um das Prinzip Kontrolle. Dafür haben wir das Parlament, den Vtg-Ausschuss,den Wehrbeauftragten UND die Medien. Kontrolle bedarf der Information. Aber ich denke das wissen Sie alles.

  32. Eines der größten Versagen im 3. Reich war das fast völlige Abducken der Stabsoffiziere. Keiner traute dem Anderen. Widerrede …. „0“!!!
    Man kann sich heute freuen, wenn sich ein Offizier traut Missstände aufzuzeigen und zwar möglichst medienwirksam. Bravo Herr Horn!

  33. @schleppi | 29. März 2018 – 20:36
    „Es geht beileibe nicht um einen einzelnen A16.“

    Doch, genau um den geht es in diesem Kommentarfaden.

    „Es geht um das Prinzip Kontrolle. Dafür haben wir das Parlament, den Vtg-Ausschuss,den Wehrbeauftragten UND die Medien. Kontrolle bedarf der Information. Aber ich denke das wissen Sie alles.“

    Und was hat das mit dem hier diskutierten Fall zu tun?

    @Rudolf Kötting | 30. März 2018 – 10:49
    „Eines der größten Versagen im 3. Reich war das fast völlige Abducken der Stabsoffiziere. Keiner traute dem Anderen. Widerrede …. „0“!!!“

    Das ist nicht korrekt. Der dienstlichen und sachliche Widerspruch jenseits (!) der politischen Aspekte war sehr wohl im deutschen Offizierskorps verbreitet. Er gehörte seit Preussens Zeiten zur Offizierausbildung und zum Offizierverständnis integral hinzu.

    Der Widerspruch endete (natürlich) sobald es auf politische/öffentliche Ebene kam.

    Aber das ist ja im heutigen DEU auch nicht anders gewollte.

    Wie sonst könnte man sich die in diesem Umfang nur für Soldaten geltenden Regelung für den einstweiligen Ruhestand von Generalen erklären?!

  34. @Rudolf Kötting
    Ein „fast völliges Abducken der Stabsoffiziere“ gab es nicht. Zu dieser Frage füllen ganze Regale einschlägige Fachbibliotheken.
    Wer sich nicht nur als historische Leseratte tieferen Einblick verschaffen will, dem sei im Bendlerblock, Stauffenbergstraße Berlin, die Ausstellung der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ empfohlen. https://www.gdw-berlin.de/home/

    Vor dem OT einige kurz gehaltene Anmerkungen.
    – Preußische Tradition war zumindest damals Motiv zum Gehorsam, ein Eid bindet; aber gleichermaßen war sie „Motiv für den Widerstand“ (Uta Freifrau von Aretin).
    – Blomberg-Fritsch (-Krise) Jahresbeginn 1938; Kritiker der aggressiven, konfliktträchtigen Außenpolitik vor dem „Münchner Abkommen 29./30.09.1938“
    – Zeitspanne zwische „München“ und Kriegsbeginn führte Widerständler ideel in einen Zwiespalt, da die Reichsführung „friedliebend“ in den Augen des Volkes agierte. Trotzden blieben Offiziere/Beamte wie Beck, v. Hassell, Goerdeler, Planck u.a. aktiv. Weiter zu nennen, v. Trott, Canaris, v. Weizsäcker, v Schlabrenndorff
    – Kreisauer Kreis unter James Graf v. Moltke
    – vom Kriegbeginn bis 20. Juli ’44 dominierte der Kriegsverlauf den militärischen Widerstand. Auch hier wieder der Eid; ist ein Attentat auch eine Attacke gegen die Front? Der mililtärische Widerstand umfasste nach und nach auch Spitzenbeamte wie v. Dohnanyi und den Klerus.
    – General v Stülpnagel, verweigert die Zerstörung von Paris
    – Und da es hier ja um einen Marinefaden geht, Korvettenkapitän Alfred Kranzfelder wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli wegen Staatsstreichversuchs hingerichtet, (Eckernförde hat übrigens daher den „Kranzfelder Hafen“).
    Es sind der Namen mithin also genug.
    Abschließend eine durchaus kritische Anmerkung zum verordneten Stauffenberg-Gedenken, auch im neuen Erlass:
    Lage
    – Sommer 1944, D-Day war just gelaufen;
    – die Operation „Bagration“, also die sowjetische Sommeroffensive ab 22 Juni ’44 ergab erste Erfolge und führte zur Agonie der HGrp Mitte. An den Endsieg glaubten nur noch politisch Verblendete, als Stauffenberg zuschlug.
    – Keiner aber kennt sein militärisches und politisches Weltbild vom Sommer ’42, der größten Ausdehnung nach Osten … Widerstandsgedanken?
    Dabei belass ich es besser.

  35. Koffer | 30. März 2018 – 12:31

    @schleppi | 29. März 2018 – 20:36

    „Es geht um das Prinzip Kontrolle. Dafür haben wir das Parlament, den Vtg-Ausschuss,den Wehrbeauftragten UND die Medien. Kontrolle bedarf der Information. Aber ich denke das wissen Sie alles.“

    Und was hat das mit dem hier diskutierten Fall zu tun?

    Wenn Sie den hier diskutierten Einzelfall nicht in Zusammenhängen sehen können oder wollen, Ihr Ding. Ich für meinen Teil freue mich über den einen oder anderen Gedankengang, über den Tellerrand jeweiliger Einzelfälle hinaus.
    Öffnet den Blickwinkel ein wenig mehr, als stets nach dem Prinzip „Auswertung des Geschriebenen (Auftrags;-)) zu sezieren.

    Sorry, von mir nie wieder OT.

  36. @Don Quijote | 30. März 2018 – 15:37
    „Wenn Sie den hier diskutierten Einzelfall nicht in Zusammenhängen sehen können oder wollen, Ihr Ding. “

    Darum geht es nicht. Es ging um die ganz konkrete Frage, ob es Aufgabe der Presse ist den angebliche drohenden Fall der bewussten Karriereschädigung des KzS Horn durch vdL oder ihre Getreuen kritisch und dauerhaft zu begleiten umso sicher zu stellen, dass es dazu nicht kommen kann.

    Meine Antwort dazu war und ist:
    „Erstens ist es nicht Aufgabe der Medien die Karriere eines einzelnen A16 nachzuverfolgen nur um sicher zu stellen, dass eine (möglicherweise) rachsüchtige Ministerin kein Unwesen treibt. Sollte dem Kameraden unrecht geschehen, steht ihm der Beschwerdeweg und danach der weitere Rechtsweg offen. Dafür sind wir ein Rechtsstaat.

    Und zweitens wird, wenn es bei diesem Kameraden um weitere, wichtige Karriereschritte geht die aktuelle IBuK vermutlich (hoffentlich) schon lange nicht mehr in Amt und Würden sein…“

    Es ist also m.E.n. NICHT Aufgabe der Presse über die Karriere eines A16 zu wachen und zudem bezweifle ich, dass er überhaupt „gefährdet“ ist…

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