Keine Überraschung: Mehr Soldaten nach Afghanistan

Die Bundesregierung will über die bisherige Obergrenze von knapp 1.000 Soldaten hinaus mehr Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan schicken. Was dpa am (heutigen) Sonntag meldet, ist keine Überraschung – im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht das schon drin:

Unsere Beteiligung am RSM-Mandat (Resolute Support Mission) in Afghanistan wollen wir bei unverändertem Auftrag fortsetzen. Im Rahmen des multilateral vereinbarten Schutzkonzepts für Nordafghanistan werden wir die Zahl der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten zum Schutz der Ausbilder erhöhen.

Ein klein bisschen überraschend ist es jetzt dennoch:

Nach dem dpa-Bericht soll das Mandat dafür noch von der geschäftsführenden Bundesregierung bereits am kommenden Mittwoch beschlossen werden und nicht, was ja auch denkbar wäre, von einer neu bestimmten Bundesregierung (wenn auch mit der gleichen Verteidigungsministerin) eine Woche später. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums wollte am Sonntag dazu nicht Stellung nehmen.

Eine Aufstockung um etwa ein Drittel auf bis zu 1.300 Soldaten ist im Rahmen dessen, was das Verteidigungsministerium schon länger anstrebt und was Ministerin Ursula von der Leyen kurz vor Weihnachten erneut in die Debatte gebracht hatte – nicht zur großen Freude des damaligen wie künftigen Koalitionspartners SPD.

Derzeit sind bei einer Mandatsobergrenze von 980 rund 960 deutsche Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch im Einsatz; rund 150 im Hauptquartier von Resolute Support in der Hauptstadt Kabul und die überwiegende Zahl im Norden des Landes. Zeitweise sind dabei immer wieder Soldaten zur Beratung der afghanischen Streitkräfte in Kundus, vergangene Woche waren es rund 55.

Wenn wie geplant die Beratung der Afghanen auch mehr in der Fläche stattfinden soll, sind dafür zusätzliche Soldaten zum Schutz dieser Berater vorgesehen; darauf soll voraussichtlich der Großteil der weiteren rund 300 Soldaten entfallen. Die Ausweitung – erwartbar bei allen Nationen, die an der Resolute Support Mission beteiligt sind – ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Sicherheitslage am Hindukusch in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert hat.

(Foto: Ausbildung afghanischer Soldaten in Masar-i-Scharif – Screenshot aus einem Video von Jung&Naiv)

 

 

16 Kommentare zu „Keine Überraschung: Mehr Soldaten nach Afghanistan“

  • Blackbox   |   04. März 2018 - 17:12

    Kaum steht die GroKo wird Butter bei die Fische gemacht.

    Konsequent.

    Mal sehen was die nächsten Tage noch so verkündet werden wird.

  • Pirat77   |   04. März 2018 - 17:35

    Es wird zum einen spannend sein, welche Brigade den Auftrag fängt. Niemand wird sich darum reißen. GebJgBrig 23 ist in Mali gebunden, der gefühlte Rest in Litauen.
    Zum anderen wird die Truppeneinteilung interessant. Es ist ja nicht damit getan neben die Ausbilder 2 – 3 Sicherungssoldaten zu stellen. So funktioniert in Afghanistan Schutz nämlich nicht. (Oh, das verbotene Wort)
    Da werden wieder Infsnteristen

  • elbranderos   |   04. März 2018 - 17:38

    Das die afghanischen Sicherheitskräfte im Jahre 2013 nicht in der Lage waren die ihnen zugedachte Rolle auszufüllen, war ja nun kein Geheimnis. Die Rolle Deutschlands ist dabei mehr als unrühmlich. Man hat schlicht und ergreifend gelogen. Das Menschen aus den seitdem noch deutlich mehr umkämpften Regionen fliehen, ist durchaus nachvollziehbar.
    Entweder hätte man weiter in einem ausreichenden Maße Unterstützung leisten sollen, oder konsequenterweise komplett abziehen sollen.
    So ist das einfach nur, pardon, erbärmlich.
    Man war zum Ende 2010/ 2011 auf einem deutlich besseren Weg als jetzt und hat das wenige, was man an Sicherheit und Stabilität gemeinsam (Deutschland,Afghanistan, Belgien, Niederlande, USA usw. ) erreicht hatte, leichtfertig verschenkt. Damit hat man niemanden geholfen, schon gar nicht den Menschen vor Ort.
    Vielleicht erstmal einen Einsatz halbwegs zu Ende bringen, bevor man den nächsten Aufmacht (z.B. Mali?).
    Ich weiß, es ist hinterher immer einfach Entscheidungen zu kritisieren, aber diese Entwicklung war nun wirklich deutlich hervorzusehen.
    Es fehlt einfach etwas Ehrlichkeit, auch den Soldaten gegenüber, die früher bereits in Afghanistan ihren Dienst geleistet haben.

  • politisch inkorrekt   |   04. März 2018 - 17:49

    Butter bei die Fische?

    War nicht immer von 400 Sdt mehr gesprochen wurden? Da hat doch schon wieder jemand an den Forderungen der Truppe rumgestrichen…

    pi

  • Memoria   |   04. März 2018 - 18:13

    @Pirat77:
    Dazu kommen am gleichen Tag noch die zusätzlichen Sicherungskräfte für MINUSMA und wohl sehr bald noch die Ausbildungsmission im Irak.

    Da frage ich mich dann auch wo dafür Personal und Material herkommen soll, wenn man jetzt schon so große Probleme mit der VJTF hat.

    Und etwas weiter geschaut gibt es ja schon weitere Ideen für Einsätze.

    Trendwende Einsatz….

  • Thomas Melber   |   04. März 2018 - 18:14

    Andere Einsätze binden auch immer mehr Infanteriekräfte.

  • Pirat77   |   04. März 2018 - 19:35

    … hatte ein motorisches Problem mit meinem Smartphone.
    @memoria
    Sie haben völlig recht. Die ObjSKp in GAO ist mittlerweile richtig groß, obwohl man hört, dass dieser integrierte Luftwaffenzug nun auch vom Heer ersetzt wird.
    Interessanterweise wächst aber auch EUTM in Koulikoro auf. Dort wird jetzt auch Schutz für die Ausbilder benötigt, nur ist das in puncto Gefährdung nicht mit AFG zu vergleichen.
    Ich habe noch ziemlich gute Ortskenntnis im Raum MES – POL I KOMRI Spitzkehre – KUNDUS.
    Wer dort jemanden schützen will, braucht vor allem eines: Feuerkraft. Und damit wären wir dann wieder da, wo wir schon mal waren.

  • Memoria   |   04. März 2018 - 19:47

    @Pirat77:
    Die Amerikaner wollen ja nun auch wieder auf auf Brigade- und Bataillonsebene beraten. Im Bereich Spezialkräfte sogar unmittelbar mit der Truppe.

    Resolute Support sieht das nach meinem Verständnis nicht vor.
    Aktuell hat man wohl im Camp Pamir keine ausreichenden Sicherungskräfte.

    Wenn EUTM Mali sich nun wirklich mehr in die Fläche bewegt, dann wird man da auch schnell in der Zentralregion überrascht werden können.

    Die Frage ist neben der Obergrenze und allen Folgen also vorallem was man auf welcher Ebene tun will und wie es insgesamt funktionieren kann mit einem Partner, der immer mehr Legitimität verliert – gilt für die Regierung in Afghanistan und in Mali.

  • Alarich   |   04. März 2018 - 20:51

    Sorry
    Gerät ist jetzt schon nicht da
    wie soll Das noch gehen
    Ohne das die Kasernen gar kein Fahrtüchtig Gerät mehr haben
    bei ca 80 % was gehen soll
    aber das und jenes Vorgehalten wird für 2019 für den Einsatz

    Den für Zusätzliche Ausrüstung ist schon kein Geld mehr da
    es reicht jetzt schon nicht aus

    Und die DINGO 1 sind Fertig fallen da auch aus
    Mir wurde gesagt das ein Teil der DINGO 2 auch schon aber da steht im Bericht noch nicht s drin

  • Ex-Soldat   |   04. März 2018 - 21:43

    Gibt es denn ein tragfähiges Konzept, dass das „Rin in de Kartoffeln – raus aus de Kartoffeln“ rechtfertigt?

  • Wühlmaus   |   05. März 2018 - 0:13

    Wie steht es eigentlich mit dem Material vom bisherigen Einsatz? Wurde das wieder zurück gebracht oder in Afghanistan verschenkt oder eingelagert?

  • Thomas Melber   |   05. März 2018 - 0:25

    Die TB werden schon offiziell als Verhandlungspartner gehandelt. Daher: mission not accomplished, aber wenigstens scheint jetzt Realismus eingekehrt zu sein statt Wunschdenken. Oder: der Feind (TB) meines Feindes (DAESH) ist mein Freund.

  • Aufklärer 19   |   05. März 2018 - 3:36

    @Ex-Soldat
    Welches tragfähige Konzept?
    Gab es Nie und wird es Nie geben.
    Denn dazu muss man den sogenannten „Endstate“ definieren.
    Und um das zu tun, dazu muss man dann auch die Verantwortung übernehmen und das Kreuz haben dies durchzuziehen.
    Und Wer bitte soll das machen?
    Unsere DEU Politiker, die nur von der einen Legislaturperiode zur Anderen denken?
    Die Generalität, die nur an das Befödern in 3-Jahreszyklen denken?
    Nein, das Alles hilft sicher nicht der Sicherheit in AFG und schon garnicht der AFG Bevölkerung und hier speziell der Jugend, die später einmal die zukünftigen Leader des Landes stellen werden.

  • suum cuique   |   05. März 2018 - 7:22

    Hmm… militärisch verständlich, politisch allerdings ein fragwürdiges Zeichen wenn man bedenkt das der AFG Präs die Talibs zu Friedensverhandlungen einlädt, diese das aber ablehnen solange ausländische Truppen im Land sind, da die Regierung ja Marionetten der West-Mächte sind..

    Wo ist denn bloß dieser gordische Knoten hergekommen?

    Militär kann immer nur ein Teil der Problemlösung sein, es sei denn man legt alles in Schutt und Asche.

    Mir fehlt hier der ganzheitliche, langfristige Ansatz der eben nur eine Integration der Talibs in die Regierungsverantwortung sein kann – auch wenn das im Westen ungern gesehen wird.

    „Die Geister die ich rief….“

  • Pio-Fritz   |   05. März 2018 - 10:13

    Ein politisch völlig falsches Signal für einen Einsatz, der noch nie besonders viel Rückhalt in der Bevölkerung hatte. Mittlerweile dürfte die Zustimmung gegen Null gehen.

    In Mali wird es uns ähnlich gehen. Die BuReg versucht uns beide Einsätze als Flüchtlingsprävention mit humanitären Charakter zu verkaufen. Das funktioniert nur nicht, so desinteressiert die Bevölkerung bei dem Thema Bundeswehr scheint, sie lässt sich nicht für blöd verkaufen.

    Hier wird krampfhaft versucht, das deutsche Standing innerhalb des Bündnisses zu verbessern, indem man Bündnispartnern hilft, ihre selbstverschuldeten Altlasten zu regeln. Völlig sinnfrei..

  • Fritz   |   06. März 2018 - 10:08

    Thema Taliban in den Politischen Prozess mit einbinden. Afghanistan muss hier seinen eigenen Weg finden. Problematisch mit der durch die Taliban gestellten Forderung – Abzug aller NATO / US Truppen. Das wird nicht passieren, ist nicht umsetzbar, Hauptgrund ist die Finanzielle Unterstützung der Afghanischen Regierung die bei einem Abzug deutlich geringer ausfallen würde. Das wiederum wird die AFG Regierung nicht wollen.

    Thema mehr Truppen für AFG. Ja wir haben hier Bedarf an mehr Kräften , besonders im Bereich Schutz. Wenn mehr Ausbildung laufen soll und das OW und außerhalb von MES dann ist eine Erhöhung notwendig. Hier bleibt zu hoffen das auch vorzugsweise Kampftruppe eingesetzt wird. Wie das in Anbetracht der geringen Stärke und der Anzahl an Aufträgen für diese funktionieren soll ist mir auch nicht klar.

    Interessant wäre zu wissen wo und in welcher Stärke wer ( AFG Einheiten ) ausgebildet werden sollen.
    Ebenfalls fraglich ist die Tatsache das dann wieder mehr Fahrzeuge ggf auch LFZ notwendig werden.

    Vielleicht kann T.W was dazu in Erfahrung bringen??