Lesestoff fürs Wochenende: Die Atompolitik der USA

Das US-Verteidigungsministerium hat am (heutigen) Freitag seinen neuen Nuclear Posture Review, die aktuelle Positionsbestimmung des Landes zur Beschaffung, Modernisierung und zum Einsatz von Atomwaffen vorgelegt. Ich werde jetzt am Abend keine tiefergehende Betrachung anstellen können – das ist Lesestoff fürs ganze Wochenende.

Wer reinschauen will:

Die Sonder-Webseite des Pentagons mit diversen Links zu zusätzlichem Material, Briefings usw.

Der Nuclear Posture Review zum Herunterladen

und die ersten Berichte und Analysen dazu:

Washington Post: Pentagon unveils new nuclear weapons strategy, ending Obama-era push to reduce U.S. arsenal

DefenseOne: Pentagon Confirms It’s Developing Nuclear Cruise Missile to Counter a Similar Russian One

tagesschau.de: Neue US-Strategie: Kleinere Sprengköpfe – mehr Abschreckung?

n-tv/Agenturen: Strategen empfehlen Trump „Mini-Nukes“

17 Gedanken zu „Lesestoff fürs Wochenende: Die Atompolitik der USA

  1. Laut PENTAGON sollen Waffen mit geringerer Sprengkraft zur Abschreckung gegenüber Russland dienen. – Als „kleine“ Atomwaffen gelten heute solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 KT.
    http://www.deutschlandfunk.de/usa-pentagon-will-kleinere-atomwaffen-entwickeln.1939.de.html?drn:news_id=846463
    Taktische Atomwaffen (nicht „kleine“) oder auch nukleare Gefechtsfeldwaffen, werden ähnlich wie konventionelle Waffen verwendet, so die NATO-Doktrin unterlegt wird.
    Die Bezeichnung „taktisch“ ist verharmlosend. Sie sind geeignet zu schwerster Zerstörung mit Freisetzung erheblicher Radioaktivität.
    Zu Zeiten der „Flexible Response“ hatten Ost und West unterschiedliche Auffassung zur NATO-Absicht eines kontrollierten Einsatzes. Der Warschauer Pakt (WP) hielt dies für unmöglich; diese Argumentation war allerdings in erster Linie eine politisch-strategische. Moskau hatte auf dem Niveau (zunächst) nichts im Portfolio.
    Die Erörterung könnte aktuell ähnlich verlaufen, ggf wird auf der Münchner Sicherheitskonferenz dazu etwas vorgetragen werden. http://www.muenchen.de/veranstaltungen/event/8822.html
    Mit Herbert Raymond McMasters Teilnahme sowie der von James Mattis und auch Jo Biden (Vize bei Obama) wird qualifiziertes Personal in München zu Wort kommen.

    Mit der M 109, der Honest John und auch dem Lance RakW hatte Bw Waffensysteme zur Verwendung taktischer Gefechtsfeldwaffen im Arsenal.
    Die derzeit kleinste taktische Atomwaffe im Truppenverwendung soll eine Sprengkraft von circa 0,3 kT besitzen.
    Es ist abzuwarten, wie Putins Reaktion aussehen wird. Eine „Nachrüstung“ im Stil der Raketenkrise der 80er muss nicht zwangsläufig erfolgen. Allerdings kann der Kreml auch kaum Tatenlos zusehen, dazu ist der aktuelle Wahlkampf (18.03.18 Präsidentenwahl) viel zu verlockend, um nicht erneut seine Wählerschaft gegen die USA zu mobilisieren.
    Ein Gleichziehen mit dem USA Arsenal bedeutete eine finanzielle und aber auch eine wissenschaftliche Herausforderung. Wer „big“kann, der kann noch lange nicht „small“, – entwickeln und produzieren und zum Einsatz bringen.

  2. @Klaus-Peter Kaikowsky | 02. Februar 2018 – 23:07
    „Mit der M 109…“

    War nicht die M110 das artilleristische System der DEU nuklearen Teilhabe?

  3. @KPK

    Empfehlung: Bitte NPR erst lesen. Es geht nicht um Kurzstreckenwaffen mit weniger als 20KT, sondern um die Bestückung einer SLBM (Trident-Klasse) mit einem Kopf kleiner Sprengkraft (W76-Variante mit primary bei Verzicht auf übliches secondary z.B.) und mittel- bis längerfristig Wiedereinführung von SLCMs (Tomahawk-Nachfolge). Nuklearwaffen die auf kleine Sprengkraft einstellbar sind, befinden sích dagegen bereits heute in großer Zahl im Arsenal der USA: B61 und W-80- Versionen z.B. . Ziel ist es, flexiblere Einsatzoptionen zu gewinnen.

  4. @Koffer
    Ab ’64 ja.
    Mit Auflösung DivArt und Wegfall M 110 A2 aber M 109.
    Nebenbei, TUR soll ganz aktuell ihre M 110 im AllgFeuerk gegen Afrin einsetzen, …TUR Medien.

  5. @ONA
    Nichts Anderes behauptet, lediglich dargestellt, wie die „unverbindliche“ Lesart zu klein=20 KT ist.

  6. Bei dem Begriff „ Taktische nuc Waffen fällt mir ein, das eine Kombination von

    Neutronendinksda
    http://unsere.de/neutronenbomben.htm
    +
    die alte eingemottete
    Davy Crockett
    https://www.youtube.com/watch?v=fReCrjZ6iVc

    doch auch unter dem Begriff Taktische nuc Waffen fallen könnte, oder?

    Auch nicht neu aber evtl informativ…
    https://nnsa.energy.gov/aboutus/ourprograms/defenseprograms
    ps. wobei mein naja früherer „Besuch“ im Y12 sogar bei mir, einen tiefen Eindruck hinterlassen hat ;- )

  7. Die Sprengkraft ist das eine, es geht aber um andere Punkte.
    Die Kritik an der neuen B61-12 begründet sich in der Aufrüstung zur Lenkwaffe, die in Verbindung mit der geringeren Sprengkraft punktuell wirken kann.
    Die B61 war bisher eher der grobe Vorschlaghammer, den man nicht genau platzieren konnte. Daraus wird ein nukleares Skalpell.

    Dazu kommen Superfuzes für die ICBMs, die sehr exakt in der gewünschten Höhe über Grund explodieren und den gewünschten Schaden auslösen können.

    Auch von Russland gibt es Verstöße gegen die nuklearen Sitten und Abkommen.
    Aber was die USA da jetzt planen ist der reine Wahnsinn.
    Um kleinen taktischen Nuklearwaffen der Russen Paroli bieten zu können, geht man nun hin und fordert taktische ICBMs…

    Ob da nun 475, 100 oder neu dann ’nur‘ 20 Kilotonnen runter kommen kann niemand sagen.
    Auf dem Frühwarnsystem sieht es aus als hätte der nukleare Holocaust begonnen. Daher hat man auch davon abgesehen die ICBMs mit konventionellen Sprengköpfen zu bestücken. Eine ICBM sieht auf dem Radar eben wie eine ICBM aus, gleiches gilt für die Wiedereintrittsvehikel.

    Marschflugkörper tauchen nicht auf dem Frühwarnsystem auf.

  8. @ Realist

    Was möchten Sie uns damit überhaupt NEUES sagen?
    Die Kommentatoren kennen diese Links, auch das eine Neutronenbombe schlichtweg obsolet ist.
    Auch geht es gar nicht um Neutronenbomben, sondern um das komplette Gegenteil. Einfach darum, dass die USA kompakte Sprengköpfe mit möglich hoher Sprengkraft und wenig „Fallout“ entwickeln möchten.

    Ihr Kommentar verfehlt in dieser Form, komplett das Thema!

  9. @SvD Danke für die Einschätzung. Das mit den ICBMs habe ich mich auch schon gefragt. Es muss doch irgendeine Sicherheit geben, dass nicht „aus Versehen“ der strategische Gegenschlag ausgelöst wird. Würde ein „taktischer“ Einsatz nicht auch von der Zahl und Flugbahn der Raketen anders aussehen? Aber ja, die klare Grenze zwischen taktischen und strategischen Waffen ist tatsächlich ein hohes Gut bei der Vermeidung von Eskalation.

    „Auch von Russland gibt es Verstöße gegen die nuklearen Sitten und Abkommen.
    Aber was die USA da jetzt planen ist der reine Wahnsinn.“
    Ich kenne mich nicht im Detail aus, aber mein Eindruck war, dass die russischen Verstöße recht massiv sind, in Anzahl, Neuentwicklung und Stationierung von taktischen Waffen. Und auch die Rhetorik des präventiven taktischen Einsatzes kommt ja von den Russen („präventiever Befriedungsschlag oder wie sie das genannt haben“). Gibt es da irgendein Vergleichsmaß? Und muss man nicht bei taktischen Systemen auch noch stärker die geographischen Gegebenheiten in den Blick nehmen um zu beurteilen welche Schritte auf welcher Seite angemessen sind?

    Ich werde das Dokument mal lesen sobald ich Zeit habe, aber ich frage mich ob auch Entspannungssignale drin sind.

  10. @SvD

    Vorgesehen sind nach Auskunft von leitenden Pentagon-Mitarbeitern eine kleine Zahl von SLBM-Sprengköpfen mit einer Sprengkraft kleiner Hiroshima (~12,5 KT); erreicht werden kann das, indem man z.B. das Secondary ausbaut oder abkoppelt und funktionsuntüchtig macht und nur mit dem nuklearen Primary weitermacht.
    Neben der größeren Versuchung, eine solche Waffe tatsächlich einzusetzen, gibt es – wenn man vom W76 oder W76-1-Sprengköpfen ausgeht, für den potentiellen Gegner die Frage, ob und ab wann er unterscheiden kann, ob die anfliegende Trident D5 einen oder mehrere Sprengköpfe trägt und ob diese mit 100 oder <10KT explodieren werden.
    Die Problematik ist also ähnlich wie bei den britischen sub-strategischen Trident D5.

    @Felix
    Zu S. 53 empfehle ich drei Überlegungen: Welche dieser Waffen würden nur über russischem Territorium explodieren? Welche sind noch nutzbare Überbleibsel aus dem Kalten Krieg? Und welche dieser Waffen wurden/werden seither nachweislich modernisiert (inkl. nuklearer Sprengkopf)? Daraus folgt die Frage, ob es tatsächlich in RUS noch ca 2.000 einsetzbare nicht-strategische nukleare Systeme gibt.
    Bei den USA werden die substrategischen und die strategischen Bomben in wenigen Jahren nur noch durch das Trägersystem unterscheidbar sein – die B61-12 wird beide Rollen wahrnehmen.
    Da bei New START jeder strategische Bomber nur noch als ein Sprengkopf gezählt wird, aber bis zu 20 tragen kann, existiert dort eine enorme Flexibilität und viel Spielraum kreativ zu rechnen.
    In der aktuellen russischen Militärdoktrin steht zu Nuklearwaffen:
    "„Die Russische Föderation behält sich das Recht vor, als Antwort auf einen gegen sie und/oder ihre Verbündeten erfolgten Einsatz von Kernwaffen oder anderen Arten von Massenvernichtungswaffen, ihrerseits Kernwaffen einzusetzen. Das gilt auch für den Fall einer Aggression mit konventionellen Waffen gegen die Russische Föderation, bei der die Existenz des Staates selbst in Gefahr gerät.“
    Nicht mehr und nicht weniger. Deckt das weitergehende westliche Interpretationen tatsächlich ab?

  11. Kleiner Zwischenruf:
    Diese technokratische Debatte über Micro-Nukes ist imho genau das: technokratisch.
    Seit Nagasaki sind Nukes schlicht und einfach strategische Waffen – von daher sind akademische Überlegungen über taktische Nukes völliger Blödsinn.
    Die „neue“ nukleare Position der USA ist von daher imho ein Zeicen der Schwäche und nicht ein Zeichen der Stärke….insbesonder gegenüber Rußland und China natürlich.
    Wenn man ich die Paranoia der USA in Sachen Nordkorea näher anschaut, dann weiß doch jeder halbgebildete „Stratege“ mittlerweile dass ein Angriff auf Nordkorea u.U. einen nuklearen Gegenschlag auslösen könnte, den die USA nicht „absulot sicher“ abwehren könnten. Steiche Nordkorea und setze Rußland/China…..was soll also dieser Unsinn.
    Die USA können noch so viele Milliarden in die Minitarisierung ihhrer Nukes stecken, es ändert nichts an der Tatsache, dass sie konventionell schlicht und einfach als last remainimg superpower ausgedient haben.

  12. @ONA

    Über die letzten UK Sprengköpfe ist mir nichts bekannt.
    Die Frage muss auch erlaubt sein, warum nicht einfach eine AGM-86 ALCM nehmen?
    Man könnte auch die nuklear bestückte Version der Tomahawk herstellen, wie früher?
    Ist das so wichtig direkt zurückschlagen zu können, das man dafür mit ICBMs um sich schießen muss, die für das Frühwarnsystem alle gleich aussehen? Dem Sprengkopf sieht man den Yield ja auch nicht an.

    Man hat schließlich die Ohio SSGN und Virgina Uboote, Da müsste man zwar umplanen, machbar ist das jedoch. Ein Raketensilo kann 7 Tomahawks aufnehmen. Der Abschuss aus Torpedorohren ist auch noch möglich. Die Silos in den Ubooten zählen ja einzelnd und werden im Rahmen von New Start ja eh teilweise deaktiviert, 4 pro Boot (damit die Zahl der Boote gleich bleibt).
    Damit würde der Wahnsinn der taktischen ICBM wegfallen…

    @klabautermann
    Mit Miniaturisierung hat das nichts zu tun. Es geht nur darum wieder ‚kleine Sprengköpfe‘ und entsprechende Waffensysteme zu haben. Dabei dreht es sich um die Sprengkraft.
    Wirklich kleine Sprengköpfe hätte man früher mit der Artillerie verschossen…
    Die in Wasserbomben (Mark 101 Lulu) und Torpedos (Markt 45 ASTOR) waren schon erheblich größer und stärker.
    Die meisten Sprengköpfe sind eh eingelagert und könnten wieder aktiviert werden, die waren nie weg. Es ist halt möglich die Sprengkraft vor dem Einsatz zu regeln, und wenn man weit genug runter geht, hat man eine taktische Nuklearwaffe. Die zählt halt nach den Abkommen dennoch als strategische, für die es eine Obergrenze gibt, weil sie eben auch z.B. 50 mal mehr Sprengkraft entwickeln kann. Die USA haben viel verbockt, dazu unten mehr.

    @Felix

    Taktische Sprengköpfe sind nicht geregelt, abgesehen von deren Trägersystemen im INF oder New Start Abkommen. Und INF gilt für landgestützte Systeme. Zu Wasser, unter Wasser oder in der Luft ist das egal. Die USA könnten 500 taktische Marschflugkörper mit 3500+ km Reichweite auf ein Schiff setzen und damit in der Nordsee rumschippern. Strategische wären auch möglich, wenn man diese an anderer Stelle dann abrüstet, um die Obergrenze nicht zu reißen.
    Alles unter 500km Reichweite wäre auch an Land keine Verletzung des Abkommens, wenn Russland also genau 415 oder 499 km für seine Iskander-M und K angibt, dann ist das wohl so?
    Die Version 9M729 (SSC-8) bricht mit >5.500 km klar jede Regel und kann als Reaktion auf den „Raketenschirm“ betrachtet werden, den man so unterfliegen könnte.

    „Würde ein „taktischer“ Einsatz nicht auch von der Zahl und Flugbahn der Raketen anders aussehen?“

    Uff… sowas gab es schonmal.

    Am 26 September 1983 lief das Sowjetische OKA Satellitenfrühwarnsystem Amok. Damals galt „launch on warning“, also direkt Vergeltungsschlag einleiten, sobald sich das System meldet. Kurz nach Mitternacht wollte das System eine US ICBM erkannt haben, die auf sowjetisches Territorium zufliegt. Das wurde vom Wachhabenden noch als Fehlalarm ignoriert, dann kamen aber noch 4 ‘Kontakte‘ dazu.
    Außerhalb der Radarreichweite konnte man nicht sagen ob da nun ICBMs angeflogen kommen oder nicht. Auf die Radarerfassung zu warten, hätte dazu führen können, dass zu wenig Zeit für einen Gegenschlag bliebe.

    Der sture Esel, der da saß, hat das einfach ignoriert, weil es keinen Sinn ergeben würde nur 5 Raketen abzufeuern und das System neu war. Er selbst sagte mal, er sei sich aber nie richtig sicher gewesen, seine Kollegen, die zuerst Soldaten und dann Techniker waren hätten wohl einen Angriff gemeldet.
    Die politische Lage war damals ‚etwas angespannt‘ und eine Meldung nach oben hätte das Ende der Menschheit auslösen können.

    Man stelle sich Trump mit solchen Waffen vor und auf der Gegenseite ein ähnliches Kaliber.
    Trump soll schon mehrfach gefragt haben warum man den IS nicht mit Atomwaffen bekämpfen könnte. Seine öffentlichen Ausführungen zu Nuklearwaffen bescheren einem schlaflose Nächte.

    Heute muss zwar eigentlich aus 2 Quellen eine Frühwarnung kommen aber wer weiß schon was in solchen Situationen wirklich passiert.

  13. Der ONA mag mich korrigieren wenn ich irgendwo falsch liege.

    Mal ein bisschen Hintergrund:

    Zu der Grafik.
    Diese zeigt, was man a) selbst ausgehandelt hat, b) selbst umsetzen wollte und verschweigt c) was man an die Wand gefahren hat.

    Die Russen nutzen noch Nuklearsprenköpfe für die Abwehr ballistischer Raketen. Darum geht es in der Grafik zwar aber die Wurzel allen Übels ist das US ABM System.
    Die USA haben die nuklear bestückten Flugkörper aufgegeben und letzten Endes noch viel mehr… Erlaubt waren dem ABM Abkommen zur Regelung von ABM Systemen ab 1972 für jede Seite 2 Komplexe mit zusammen maximal 100 Flugkörpern. 2002 haben sich die USA aus dem Abkommen verabschiedet, um sich vor dem Iran und Nordkorea zu schützen – mit Folgen.

    Seitdem behauptet Russland, die USA würden sich einen Schutzschild bauen und könnten damit Erstschläge riskieren. Das ist Schwachsinn.
    Dazu muss man wissen, ICBMs gibt es mit einem Sprengkopf in einem Wiedereintrittsvehikel, MRVs mit mehreren Wiedereintrittsvehikeln, die aber alle ein Zielgebiet anpeilen. Das ist wie nukleare AHEAD/Airburst/Cluster Munition. Und dann gibt es MIRVs, die mehrere Wiedereintrittsvehikel mitführen, welche unabhängig Ziele ansteuern können.

    Die USA haben z.B. ihre LGM-118 Peacekeeper (MIRV) mit je max. 10 Sprengköpfen 2005 außer Dienst genommen, obwohl Start II nach dem Ausstieg der USA aus dem ABM Abkommen nicht in Kraft getreten ist und die Russen am Tag drauf ausgestiegen sind. Seitdem stehen noch Minuteman III in Dienst, die ein 3er MIRV haben.
    Die Reduzierung auf ein Wiedereintrittsvehikel pro ICBM hätte einen klaren Vorteil für die Seite bedeutet, welche ein funktionierendes, flächendeckendes ABM System hat. Einen Sprengkopf erwischt man noch, bei 10+ PRO ICBM die alle unterschiedliche Ziele ansteuern, kann man das vergessen.

    Da wird schnell jedes System einfach überwältigt. Die Russen gingen auch nur davon aus, das der Komplex um Moskau 2 MIRVs abfangen könnte, wobei man da noch mit nuklearer Raketenabwehr gerechnet hat. In den USA war das früher auch der Plan. Nike-X, Sentinel und Safeguard wurden aber nutzlos oder schlicht unbezahlbar, je mehr ICBM mit MIRV die Russen im Arsenal hatten. Und dann kam eben das Abkommen, was 30 Jahre hielt. Es regelte klar, beide Länder wären dem Untergang geweiht, ein Schutzschild war verboten.

    Die USA benutzen heute wie gesagt keine Abwehr mit Nuklearsprengköpfen mehr.
    Aber niemand weiß wie man 10 Wiedereintrittsvehikel einer MIRV ICBM mit Hit-to-Kill Effektoren abfangen will, vor allem wenn auch noch Decoys dabei sind. MRVs müsste man auch treffen, bevor sie sich von der Basis trennen. Gelingt das nicht, wird das System versagen.
    Dabei spielt nicht nur die Anzahl eine Rolle, die Wiedereintrittsvehikel können prinzipiell auch Ausweichmanöver fliegen. Es wird irgendwann Standard sein.

    Die USA haben zwar trotzdem ihr „Ground-Based Midcourse Defense System“ zur Bekämpfung von ICBMs gebaut, dieses funktioniert aber nicht mal wirklich, versagt also schon mal per se gerne. Die sind Flugkörper so groß, das man sie in Silos unterbringen muss. Das System hat schon deutlich über 40 Mrd. $ verschlungen und das dafür, das man damit nie gegen China oder Russland bestehen könnte.
    30 + 14 Flugkörper wollte man Ende 2017 haben, mehr waren nicht geplant. Planungen das System in Polen zu stationieren sind schon ewig Geschichte.
    In Anbetracht der bisherigen Leistung, könnte die Trefferquote im realen Einsatz gegen 0 gehen. Am Ende ist das russische A-135 wohl noch effektiver, weil es auf ein kleines Gebiet begrenzt ist und dort ein nukleares Feuerwerk am Himmel startet.

    Die andern Systeme der USA oder Nato helfen da auch nicht.
    Das Aegis Ballistic Missile Defense System, egal ob an Land oder zur See kann keine ICBMs abfangen. Gleiches gilt für das Terminal High Altitude Area Defense (THAAD).
    Bei Intermediate-Range Ballistic Missiles (IRBM) mit knapp 3000 – 5500 km Reichweite ist Schluss, darüber sind Flughöhe und Wiedereintrittsgeschwindigkeit noch zu hoch für die Systeme.
    PAAMS hat da auch nicht viel zu bieten.

    Man hat also, um sich vor Nord Korea und dem Iran zu „schützen“, das Gleichgewicht mit den Russen über Bord geworfen und beschwert sich nun darüber.
    Davor haben Experten jahrelang gewarnt. Viele wollten Pakistan, Indien und China mit in die Abkommen einbinden. Frankreich, Israel und GB wären auch noch an die Reihe gekommen.
    Bei der UN Resolution, welche die USA bewegen sollte das ABM Abkommen nicht zu brechen, hat sich fast die gesamte EU enthalten, wir übrigens auch.

    Die Russen haben schon 1997/1998 klar gemacht, kommt ein Nato Abwehrschild, gibt es kein START III Abkommen, auch das START II ging durch diese Dummheit über den Jordan.
    Die damalige EU, bzw. die damaligen Mitgliedsstaaten trägen daran eine erhebliche Mitschuld.
    Die vermeintliche Sicherheit eines Raketenschildes hat diese Idioten dazu bewogen, die USA nicht in die Pflicht zu nehmen an START II und III festzuhalten und dafür ihre ABM Pläne aufzugeben.

    Dazu wurden ohne Not Waffen ausgemustert, die nicht Teil von Abkommen waren. Die Abrüstung dreht sich um strategische Nuklearwaffen, nicht taktische! Oben drauf kommt, man hat eben die Gewichtung bei der Sprengkopfobergrenze anders gesetzt und wollte guten Willen zeigen.
    Die Verschwendung bei den jährlichen Ausgaben und nutzlosen Projekten der letzten 20 Jahre geht in die hunderte Mrd. $ Dazu kommen die Kriege und hunderte Militärbasen rund um die Welt, auch sehr teuer. Der Rotstift traf so einiges, was nicht nur in Retrospektive sehr seltsam anmutet.

    Wobei man zu dieser Grafik sagen muss, so einige US Sprengköpfe kann man auf einen kleinen Yield einstellen, so dass diese auch in die Grafik einziehen müssten, weil sie vom Prinzip her dazu befähigt sind taktische Nuklearschläge auszuführen. Vielen Sprengköpfen wurden sehr kleine Yields aber genommen, da man diese Sprengköpfe nicht mehr für taktische Zwecke einsetzen wollte und einige Trägerwaffen verschrottet hat.
    Die Aufrüstung der B61 wird aber etwas bieten, was die Russen nicht zu bieten haben, genau wie die super fuzes.
    So kommt diese Grafik zu Stande.

    Passt aber zu Trump, das alles unfair sei…

  14. BAKS warnt vor dem Scheitern des INF-Vertragswerks und gibt der künftigen BR mit auf den Weg: The next German government should take an active interest in this question.
    https://www.baks.bund.de/sites/baks010/files/working_paper_2017_30.pdf
    Die Diskussion hier und im Nachbarfaden zu „Kaliningrad …“ verdeutlicht das Dilemma, wie bereits von mehreren Diskutanten angedeutet: newSTART wird seit fünf Tagen auch von Putin umgesetzt, bei INF passiert aber nichts.

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