Die Hauptwaffensysteme der Bundeswehr: Etwas mehr als die Hälfte einsatzbereit?

Das Verteidigungsministerium hat am (heutigen) Mitwoch eine Grafik zur Einsatzbereitschaft der so genannten Hauptwaffensysteme veröffentlicht (s. oben), die den geneigten Leser allerdings etwas ratlos lässt. In einer Gesamtübersicht ist dort zusammengefasst, wie viel von allem (!) Großgerät – Kampffahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge, Hubschrauber – derzeit einsatzbereit ist. Wie sich das verteilt, welche Systeme in welchem Umfang zur Verfügung stehen – das geht daraus leider nicht hervor.

Wenn allerdings insgesamt von mehr als 5.000 Einzelfahrzeugen und Großgeräten – genauer wird diese Zahl leider nicht aufgeschlüsselt – gut 2.800 einsatzbereit sind, dann liegt der Klarstand bei etwas über 50 Prozent. Exakter lässt sich das daraus nicht ablesen, und vor allem bleibt offen, wo es denn am meisten hakt (wenn alle sechs U-Boote nicht fahren können, schlägt das bei der Gesamtzahl natürlich nicht merklich auf diese Grafik durch, hat aber schon seine eigene Bedeutung).

Unterm Strich ist das natürlich nicht mit der noch ausstehenden detaillierten Übersicht wie in den Vorjahren vergleichbar. Und unklar ist auch, welche drei Hauptwaffensysteme jetzt nicht mitgerechnet werden – im letzten Bericht waren es noch 56, jetzt sind es 53.

Nachtrag: Bei den drei Systemen, die nicht mehr mitgezählt werden, handelt es sich um

EC-135 als reiner Schulungshubschrauber für Grundausbildung
Bell UH-1D und BO-105, offizielles Nutzungsdauerende 31.12.2016 (UH-1D wird nur noch für SAR im Inland eingesetzt)

Die Erläuterung des Ministeriums zur obigen Grafik im Wortlaut:

Zahl der einsatzbereiten 53 Hauptwaffensysteme steigt seit Frühjahr 2015 um rund 25 Prozent
Die nachfolgende Grafik zeigt klar über den Bestand aller 53 sogenannten Hauptwaffensysteme der Bundeswehr hinweg die allgemeine Wirksamkeit der Trendwenden sowie der eingerichteten Taskforces zur materiellen Einsatzbereitschaft. Zu den 53 Hauptwaffensystemen zählen mehr als 5000 Einzelfahrzeugen und Großgeräte (schwimmend, rollend oder fliegend). Im März 2015 (Startpunkt vereinheitlichtes Messsystem für Einsatzbereitschaftslage) standen der Truppe rund 2300 einsatzbereite Fahrzeuge, Fluggeräte und Schiffe zur Verfügung. Bis zum Ende des Jahres 2017 ist diese Zahl um rund 550 gestiegen. Das ergibt eine Steigerung von rund 25%.
Die Grafik zur Einsatzbereitschaftslage zeigt aggregiert die Entwicklung der 53 Hauptwaffensysteme im Verlauf der Jahre. Dahinter verbergen sich mehr als 5000 einzelne Großgeräte vom Eurofighter, über U-Boote bis zum Radpanzer.
Die Anomalie in der Kurve Gesamtbestand (+ 200 Ende) liegt daran, dass erst mit Anfang 2016 geschützte Fahrzeuge der Sanität aufgenommen wurden.
Die sich gegen Ende abflachende Kurve ist vor allem der übungsbedingt deutlich intensiveren Nutzung der Systeme Marder und Leopard II im Rahmen der Bündnisverteidigung geschuldet. In Zahlen: In den beiden Jahren 2015 und 2016 haben Marder und Leopard II an 14 größeren Übungen teilgenommen. Allein im Jahr 2017 waren es elf. Das bedeutet nahezu eine Verdopplung des Übungsaufkommens mit entsprechenden Folgen für Instandsetzungs- und Wartungsbedarf.
Unter der Rubrik „Gesamtbestand“ sind alle Fahrzeuge, Schiffe und Fluggeräte erfasst, die zu den 53 Hauptwaffensystemen Zählen und sich im Besitz der Bundeswehr befinden. Also auch Fahrzeuge, die etwa zur Erprobung an eine wehrtechnische Dienststelle oder für Retrofit-, Upgrade- oder Instandsetzungsmaßnahmen die an die Industrie abgegeben wurden, sowie Gerät, das in einem Depot eingelagert für eine Abgabe vorgesehen ist.
Unter der Rubrik „verfügbar“ sind nur die Fahrzeuge, Schiffe oder Fluggeräte zugeordnet, die der Truppe für Ausbildung, Übung und Einsatz zur Verfügung stehen und sich in der der Verantwortung der militärischen Organiastionsbereiche befinden. Dieser Verfügungsbestand ist Grundlage und Hauptmaßstab für die Erfassung der Einsatzbereitschaft in den Teilstreitkräften.
Die Rubrik „einsatzbereit“ gibt darüber Auskunft, in welchem Anteil der bei der Truppe befindliche Verfügungsbestand tatsächlich für die täglichen Aufgaben einsatzfähig ist. Richtwert für die Truppe: Mindestens 70 Prozent des Materials sollte im täglichen Dienst nutzbar sein.

74 Kommentare zu „Die Hauptwaffensysteme der Bundeswehr: Etwas mehr als die Hälfte einsatzbereit?“

  • Pio-Fritz   |   21. Februar 2018 - 16:56

    Jetzt wird es als Erfolg verkauft, das man von März 2015 bis Dezember 2017 (mithin 21 Monate) geschafft hat, rd 10% des Gesamtbestands = 550 Systeme einsatzbereit zu bekommen.
    Wenn ich das hochrechne brauchen die noch rd 10 Jahre, bis die derzeitigen Hauptwaffensystem zu 100% einsatzbereit sind. OMG.

    Da ist man im Ministerium aber schon mit ganz kleinen Kleinigkeiten zufrieden …

  • obibiber   |   21. Februar 2018 - 17:12

    haha…selten so gelacht…
    vermutlich hat man ein paar neue LKW bekommen die hier mit reingerechnet werden…
    bei den einsatzbereiten Systemen sind dann bestimmt noch 600-700 Fuchs Panzer mit drin… die machen massentechnisch viel aus… und sind recht hoch verfügbar… wenn man da noch DINGO und EAGLE mit dazu nimmt ist man schon weit jenseits der 2.000…
    so kann man dann die sehr niedrigen Zahlen für Leopard, Marder, Puma, PZH, Fregatten, Hubschrauber usw. kaschieren…
    letztendlich schönt man sich die Statistik indem man die Berechnungsgrundlage ggü dem bisherigen Vorgehen anpasst *kopfschüttel*

  • Klauspeterkaikowsky   |   21. Februar 2018 - 17:30

    Wenn so viel Text zur Erläuterung einer grafischen Darstellung mit statistischem Wert erforderlich wird, stimmt per se einiges nicht.
    Spätestens bei Leopard II statt Leopard 2 [BMVg Text (sic)] hab ich’s gelassen.

  • f28   |   21. Februar 2018 - 17:47

    naja, der Chart-Analyst an der Börse würde zur Kurve „einsatzbereit“ sagen:
    deutlicher Anstieg bis Juni 2016, dann Seitwärtstrend mit mehreren kurzfristigen Tiefs und Hochs. Jedes kurzfristige Tief liegt seitdem unter dem vorherigen Tief, jedes Hoch unter dem vorherigen Hoch => das riecht charttechnisch in der Tat nach einer Trendwende. Allerdings nach unten…

  • Florian Kling   |   21. Februar 2018 - 18:00

    Ein solcher Chart ohne jede weitere Erläuterung oder die Tabelle, die dahinter steckt, stellt für mich nur einen weiteren BMVg-Versuch des Schönredens dar und reiht sich nahtlos in die Aussagen von GI Wieker.

    Nicht einmal ansatzweise erschließt sich mir daraus eine nutzbare/nützliche Lageübersicht des Materialbestandes. Auch im Vergleich mit den Vorjahren (auf augenegeradeaus.net) fällt es mir schon schwer auf die ca. 60 „Hauptwaffensysteme“ zu kommen oder diese zu erraten. Die Listen der letzten Jahre haben 20-30 Waffensysteme, oder habe ich da etwas übersehen? Vielleicht stehe ich ja auf dem Schlauch.

    Nach den bekannten Zahlen der letzten Tage können eigentlich nur die großen Stückzahlen Boxer, Marder/Fuchs und Fennek mit einer Einsatzbereitschaft von über 50% die Gesamtstatistik und den Durchschnitt so anheben.

  • Elahan   |   21. Februar 2018 - 18:07

    Ist doch nur eine Momentaufnahme ;-)

  • Blackbox   |   21. Februar 2018 - 18:20

    AG Leser sind wohl eher nicht die Zielgruppe …

    Mal sehen wo diese Grafik auftaucht und welche Claims draus gezogen werden

    Schweigen und geniessen …

    1 Fuchs = 1 Fregatte … *picard facepalm*

  • Nic   |   21. Februar 2018 - 18:56

    …prima…da sind unsere 5 Uralt KrKw sicherlich auch mit eingerechnet…die sind zwar „einsatzbereit“(was soll daran auch kaputt gehen) aber mehr als RettTrp auf ÜbPl darfst du damit eh nicht mehr machen…..

  • closius   |   21. Februar 2018 - 19:06

    Hier gilt der alte Satz, glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

    Man kann nicht U-Boote oder Fregatten mit Radpanzern vergleichen, weil Radpanzer viel weniger Kosten und in viel höheren Stückzahlen vorhanden sind.

    Mit dieser Statistik soll die Öffentlichkeit getäuscht und manipuliert werden. Die Ministerin, die tagelang den Kopf in den Sand gesteckt hat und geschwiegen hat zum Materialnotstand und höchstens den GI vorgeschickt hat mit fragwürdigen Aussagen, hat jetzt Angst um ihren Job bekommen, deshalb werden jetzt Nebelkerzen wie dieser Statistik vorgelegt.

    Richtigerweise wäre der richtige Bericht über die Hauptwaffensysteme vorzulegen gewesen, welcher seit November 2017 vorsätzlich der Öffentlichkeit vorenthalten wird.

    Diese würde vermutlich ausweisen, daß es um die U-Boote, Tornados, EF und CH 53 beschissen steht, daß die Klarstände sich in der Amtszeit der Ministerin verschlechtert haben, so ist der Bericht des Wehrbeauftragten und verschiedene Zeitungsberichte zu verstehen. Und diese soll der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

    Woran es bei den U-Booten(keine Ersatzteile), den Tornados und CH 53 liegt(alter der Waffensysteme) ist klar, aber ein schlechter Klarstand beim Eurofighter kann nur die Schuld der Ministerin sein, denn dieser ist weiterhin in Produktion, so daß auch alle Ersatzteile verfügbar sein müssen, es sei denn, die Ministerin hat es in ihrer Amtszeit versäumt diese rechtzeitig zu bestellen oder rechtzeitig ordentliche Wartungsverträge abzuschließen.

    Und die Aussage, daß die Zahl der einsatzbereiten Waffensysteme gestiegen sei ist klar unwahr, weil die Zahlen deutlich sinken und dies kann nicht nur an den Leo`s und Mardern liegen, weil diese nur 10 % der Hauptwaffensysteme ausmachen und ein paar Manöver mehr, würden deren Klarstand sicher nicht viel ausmachen, wenn denn Ersatzteile vorhanden wären.

    Die Wahrheit ist doch einfach, daß die Ministerin keine Hauptwaffensysteme fürs Heer bestellt hat, außer 121 Boxern(wo jeder wusste, dies sind viel zu wenig und selbst der Wehrberauftragte fordert weitere Boxer) und 100 alte Leo`s die zurück gekauft wurden aber erst ab 2019 – 2023 wieder der Truppe zulaufen sollen. Die ganze angebliche Trendwende BW besteht nur aus diesen ca. 231 zusätzlichen Panzern und 5 Korvetten, welche aber Abgeordnete im Alleingang durchgesetzt haben.

    Es wurden weder die fehlenden 100 – 200 Schützenpanzern bestellt, noch existiert ein Vertrag die alten Marder noch mal Kampfwert zu steigern. Es wurden auch keine weiteren Boxer bestellt, obwohl der BW – nach vor Truppenerhöhung auf 198.000 soldaten – weitere 200 – 1.000 Boxer bräuchte, um die Lücken zu schließen bzw. die alten Fuchs Panzer abzulösen.

    Für die Truppenaufstockung soll es ein 6. Panzerbataillon geben, aber dafür wurden bisher keine Kampfpanzer bestellt. Denn von nachzurüstenden 100 Leo`s sind nur 68 als Kampfpanzer vorgesehen(der Rest als Brücken- oder Bergepanzer), damit kann man nur die bestehen 5 1/2 Panzerbataillone füllen, aber nicht ein 6. Panzerbataillon.

  • Ziethen   |   21. Februar 2018 - 19:26

    Fehlt nur noch eine Kurve „Sollbestand gemäß STAN“, die aus der Stratosphäre grüßt.
    Dann passt das Diagramm auch zum Bericht des WB und hätte wenigstens etwas Aussagekraft.

    Bei einem Einzelaufriss je System wird sich in vielen Fällen die grüne Linie an die Abszisse kuscheln ;).

    Wie man auf 3000 einsatzbereite Hauptwaffensysteme kommt – keine Ahnung. Bei Heer komme ich mit viel gutem Willen auf knapp tausend. Undes mir widerstrebt es mir, Eagle und Dingo überhaupt als Waffenssysteme zu bezeichnen.

    Das sich das BMVg traut, mit SO ETWAS an die Öffentlichkeit zu gehen, ist zutiefst verstörend.

  • Memoria   |   21. Februar 2018 - 19:28

    Das stets um Transparenz bemühte BMVg kann ja sicher die Datenbasis veröffentlichen?

    Ach ne das ist bestimmt leider, leider VS-NfD.

    Der Grad an Realitätsverweugerung, die hinter solchen Darstellungen steckt, ist das eigentliche Problem.

    Und das trägt nicht selten Dienstanzug.

  • Georg   |   21. Februar 2018 - 19:29

    Vielleicht hilft ja bei der Personal- und Materialmisere der Humor vom NDR:

    Werbevideo für die Bw nach dem Motto: „Wir können Alles, außer Alles“

    https://www.youtube.com/watch?v=pTXlJiKZSTY

  • Yeoman   |   21. Februar 2018 - 20:00

    Das derzeit wichtigste Großgerät wurde ausgelassen, schade. Dabei hat der ROFLcopter 100% Verfügbarkeit.

  • Insider   |   21. Februar 2018 - 20:09

    Wie unglaubwürdig will sich das BMVg mit solchen Statistiken eigentlich selber machen? Oder gehören auch die Kopierer und Kaffeemaschinen zu den Hauptwaffensystemen? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

  • Don Quijote   |   21. Februar 2018 - 20:33

    Endlich einmal eine ehrliche Statistik.
    Steigender Gesamtbestand, steigende Verfügbarkeit, bei sinkender Einsatzbereitschaft.
    Passt, nicht nur beim Material.

  • Schnellmerker   |   21. Februar 2018 - 20:54

    … aber das wichtigste Hauptwaffensystem fehlt bei diesen Aufstellungen … der Mensch … sprich Soldat.

  • Holzi   |   21. Februar 2018 - 20:54

    Die FDP ist wohl sauer…
    In der heutigen Sitzung des Verteidigungsausschusses haben alle anderen Parteien den Antrag der Fraktion der Freien Demokraten auf Einsetzung eines Unterausschusses zur Einsatzbereitschaft der #Bundeswehr abgelehnt. „Diese Haltung zeigt, dass keine Partei den Ernst der Lage erkannt hat“, so Strack-Zimmermann. Die CDU sprach davon, es sei „ein schlechter Moment“ für einen Unterausschuss. „Angesichts des desolaten Zustandes der Ausrüstung und der bevorstehenden Einsätze stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt wäre“, kritisierte Strack-Zimmermann. (TSZ)

  • Jens   |   21. Februar 2018 - 21:01

    Da drängt sich die Vermutung auf, das der Bw Fuhrpark mit eingerechnet wurde 🤔.
    Es ist bedenklich und beschämend…
    Das Ansehen der Soldaten hier zu Hause, im Einsatz und auf Übung leidet immens.
    Aber das wird von oben nach unten wegignoriert!
    Wie sich die Lage dann vor Ort wirklich darstellt, will man / ( Frau) oben einfach nicht wahrhaben

  • xyz   |   21. Februar 2018 - 21:13

    Mit Statistiken kann man sich im Prinzip alles schön rechnen.

  • Dr. Laser   |   21. Februar 2018 - 21:54

    Als Wissenschaftler kann ich mich den obigen Kommentaren nur anschließen. Bei der Grafik aus dem Ministerium weiß man wirklich nicht wo man anfangen soll.

    Nicht nur, dass wie schon oft erwähnt Äpfel mit Birnen verglichen werden. Nein, das deutsche Bundesministerium für Verteidigung veröffentlicht auf seiner offiziellen Homepage, diese nichtsaussagenden Zahlen in einem krumm und schiefen MS Excel-Standarddesign-Diagramm.

    Das Diagramm an das Corporate Design der BMVg-Homepage anzupassen hätte den geübten Praktikanten maximal eine Minute gekostet.
    Hat man dort keine Kommunikationsabteilung die über so etwas drüber schaut?

    Sich daran aufzuhängen mag kleinlich erscheinen, aber in seiner Erscheinung alleine sagt das Diagramm schon viel über die Professionalität der Urheber aus.

  • Ex-Soldat   |   21. Februar 2018 - 22:05

    Der GI hat den Zeithorizont für die Behebung der Ausrüstungs- und Verfügbarkeitsmängel doch klar umrissen. Bis 2030 soll alles wieder im Lot sein.

  • T.Wiegold   |   21. Februar 2018 - 22:20

    Eine Bitte: Die Kommentare, die inhaltlich nix anderes enthalten als „alles Lüge“ oder ähnliches werden langsam ermüdend und tragen nicht wirklich zur Debatte bei.

  • Schnuckel   |   22. Februar 2018 - 0:04

    @closius 19:06

    Die Waffensystem sind (zumindest für das BMVg) inzwischen sehr wohl vergleichbar: Sie werden alle in SASPF geführt und dort täglich zur gleichen Zeit mit dem entsprechenden SASPF Status (dafür gibt es eine extra Bereichsrichtlinie, irgendwas mit C… Technisch/Logistische Bereitschaftsmeldung) gemeldet. Also addiert man dort oben die einsatzbereit gemeldeten Systeme und vergleicht sie mit der Anzahl der verfügbaren Systeme (damit rechnet man alles raus, was z.B. in der Industrie steht) und bekommt als Ergebnis die oben gezeigte Grafik.

    Und ich vermute, dass alle die diese Meldungen absetzen, alles tun um den Status „Einsatzbereit“ (oder eine der anderen Möglichkeiten, die ebenfalls Einsatzbereitschaft vorgaukeln) zu erreichen. Dazu muss man wissen, dass es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt. Wenn ein Waffensystem nach einer weiteren Betriebsstunde in eine Grundüberholung muss, dann kann ich mir viel Ärger und doofe Nachfragen von oben sparen, wenn ich das System strecke. Dann wird eben in Wirklichkeit das System einfach nicht mehr verwendet (maximal Stillstandswartung), aber wenigstens kann man das System noch monatelang „Einsatzbereit“ melden.

    Wie lange das System einsatzklar bleibt, wenn ich es tatsächlich nutze, wird nämlich nicht abgefragt. Und man muss auch keine Angst haben, dass jemand das hinterfragt: Die wirklich wichtigen Daten stehen zwar alle in SASPF, aber die Führung möchte ja lieber eine separate Meldung in Papierform! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    Also den von Ihnen unterstellten bösen Willen beim Erstellen der Statistik kann ich da beim besten Willen nicht erkennen. Höchstens eine fürchterliche Ahnungslosigkeit bei denen, die sich auf das verlassen, was aus solchen Meldungen rauskommt.

  • SierraOscar   |   22. Februar 2018 - 5:41

    Wichtig wäre zudem auch mal den Begriff „Einsatzbereitschaft“ zu definieren. Nach Darstellung des BmVg handelt es sich dabei um Systeme die weder im Depot, noch bei der Industrie herum stehen, sich also im Verantwortungsbereich der Truppe befinden.

    Dass bei diesen Autos aber auch regelmäßig Ausfälle bis hin zur fehlenden Nutzbarkeit bei Schieß- und Gefechtsübungen auftreten, wird gänzlich außer Acht gelassen.

    Die tatsächliche Einsatzbereitschaft, im Sinne „man könne damit in einen Einsatz gehen“ stellt sich also noch weit dramatischer dar, als bislang bekannt.

  • Insider   |   22. Februar 2018 - 7:31

    In der Meldung sind die TPz Fuchs bestimmt enthalten. Da hat die Bw rund 900 im Gesamtbestand, wovon knapp 700 zur Verfügung stehen, bei einer durchschnittlichen Einsatzbereitschaft von ca. 80%.
    Das ist ein Paradesystem für diese Art von Meldung und anders kommt man gar nicht auf diese Fahrzeugmenge.

  • audio001   |   22. Februar 2018 - 7:32

    Mir ist noch nicht ganz klar wie man/frau „digitale Einsatzbereitschaft“ definiert!- Nach meiner persönlichen Interpretation ist damit gemeint, dass „zwar auf dem Papier“ die Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft existiert“;- diese aber mir der realen „Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft“ der Hauptwaffensysteme nicht zwingend übereinstimmen muss!

    In diesem Zusammenhang („digitaler Einsatzbereitschaft“) wäre natürlich auch die konkrete Definition von „Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft“ interessant.- Also z.B. was „in der der Verantwortung der militärischen Organisationsbereiche“ praktisch tatsächlich bedeutet!

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier nicht nur (wieder mal) schöngerechnet wird, sondern auch der Werkzeugkasten des „Vertuschens, Verschleierns und Verdrängens“ im BMVg (wieder mal) fleißig bemüht wir! (Frei nach dem Motto: „Rettet UvdL,- und jeder Verantwortliche sich nach Möglichkeit selber!“)

    Wie wäre es eigentlich im Management des BMVg mal mit simpler „Problemlösung?- Denn die Problemlagen sind ja seit Jahren bekannt …

  • audio001   |   22. Februar 2018 - 7:39

    re: SierreOscar

    Zitat: „Unter der Rubrik „verfügbar“ sind nur die Fahrzeuge, Schiffe oder Fluggeräte zugeordnet, die der Truppe für Ausbildung, Übung und Einsatz zur Verfügung stehen und sich in der der Verantwortung der militärischen Organiastionsbereiche befinden.“

    Das könnte der Aussage nach auch ein Waffensystem sein das gerade (zu Übungszwecken!) ausgeschlachtet wird, weil man/frau damit den Ersatzteilbedarf deckt ….

  • Der Realist   |   22. Februar 2018 - 8:06

    Ich bin sehr froh, daß es in Europa in Zukunft Richtung gemeinsamer Beschaffungsprozesse gehen wird.

    Wenn es Kompetenzen gibt, die es in Deutschland in den letzten 20 Jahren NICHT gegeben hat, sind das wohl folgende:

    -Auswahl eines Musters für bestimmte Aufgaben, nicht eines Musters für alle Aufgaben…
    -Festlegen der jeweiligen Spezifikationen
    -Beschaffung in ausreichenden Stückzahlen
    -Überlegung eines Plan B´s, falls Probleme auftreten
    -Rechtzeitige Überlegungen zur Nachfolge – siehe u.a.Tornado-Dilemma

  • ini   |   22. Februar 2018 - 8:35

    Das Schlimmste am Vorgang ist die Vorstellung, wie viel Personal im Augenblick damit beschäftigt sein wird Stellungnahmen und Analysen abzufragen, zu schreiben, Korrektur zu lesen, mitzuzeichnen, zu melden, zu erklären etc.. Wahrscheinlich ist im Augenblick mehr Personal damit gebunden, als sich mit der tatsächlichen Lösung der Probleme beschäftigt.

  • Interessent   |   22. Februar 2018 - 9:19

    @Thomas Wiegold
    Vielen Dank für den Nachtrag!

    Liegen Ihnen die Berichte des BMVg vor? Ich konnte die Berichte der letzten Jahre nicht online finden. Es wäre schön da selber mal einen blick rein werfen zu können.

    [Der Bericht von 2016 ist doch oben verlinkt; da wiederum sind auch Meldungen zu den Berichten der Vorjahre verlinkt. 2016 war der Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme *nicht* eingestuft, deshalb auch so großflächig zitierbar. Bleibt abzuwarten, ob der demnächst anstehende – und so wiet ich weiß noch nicht aus dem Ministerium weitergeleitete – aktuelle Bericht bei dieser Transparenz bleibt oder ob es einen Rückschritt geben wird. T.W.]

  • Cato   |   22. Februar 2018 - 9:47

    Altbestände?

    Weiß jemand etwas darüber, was die Bundeswehr noch in ihrem Großgeräte-Lager hat?

    Außerdem ist mir aufgefallen, dass in Darmstadt bei der HIL bis vor relativ kurzer Zeit noch Berge-, Pi- und Brückenlegepanzer verschrottet wurden. Auf den Schrotthaufen habe ich zwar große Stahlteile gesehen, hatte aber den Eindruck, dass man vorher Teile ausgebaut hatte, die als Ersatzteile dienen könnten.
    Außerdem ging das Gerücht um, dass Panzerteile von Privatunternehmen aufgekauft und für eine spätere Veräußerung gelagert worden seien. Ist an dem Gerücht etwas dran?

    Aus informellen Gesprächen mit HIL Mitarbeitern habe ich entnommen, dass diese Organisation recht leistungsfähig ist (auch was die Kosten betrifft) und vermutlich mehr kann, als sie aktuell gefordert ist. Hier wurde der Eindruck geäußert, dass die HIL Entwicklung auf Betreiben der kommerziellen Anbieter herunter gefahren wurde, die angeblich die Konkurrenz fürchteten. So werden scheinbar derzeit in Darmstadt Hallen zur Panzerinstandsetzung aufgegeben.

    Und was das Fach-Personal betrifft: Hat schon einmal jemand den ungewöhnlichen Schritt überlegt „Jungpensionäre“ mit Fach-Know-How für eine zeitlich begrenzte Aktion zu motivieren?

  • Memoria   |   22. Februar 2018 - 10:32

    @Schnuckel | 22. Februar 2018 – 0:04:
    Zustimmung. Die Einsatzbereitschaftslage aus SASPF – inkl. der gesamten Grünlage. Der WB ist da einfach der Überbringer des Störfaktors Realität.

    Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    So funktioniert das ja schon lange genug im Bendlerblock.

    Aber in der digitalen Welt ist die Aufregung ja auch schnell vorbei. Bis zum Wochenende hat sich alles wieder medial beruhigt und am Sonntag wird die Parteivorsitzende bekannt geben, dass vdL die Modernisierung der Bw weiter vorantreiben soll. Die bedarf nämlich Zeit und Geld….

  • Georg   |   22. Februar 2018 - 10:56

    @ Cato

    Zitat: „Und was das Fach-Personal betrifft: Hat schon einmal jemand den ungewöhnlichen Schritt überlegt „Jungpensionäre“ mit Fach-Know-How für eine zeitlich begrenzte Aktion zu motivieren?“

    Keine Sorge, die motivierten „Jung-Pensionäre“ mit Fach-Know-How sind meist schon engagiert – bei der Betreuungsindustrie für die Waffensysteme der Bw !

    Zitat: „Außerdem ging das Gerücht um, dass Panzerteile von Privatunternehmen aufgekauft und für eine spätere Veräußerung gelagert worden seien. Ist an dem Gerücht etwas dran?“

    Die Panzerwerkstätten der HIL GmbH sind mit der Neuordnung der HIL ausgegliedert und an die Panzerhersteller verkauft worden. Event. hat man auch Ersatzteile, die aus Altgeräten gewonnen wurden mit verkauft. Die Bw hat also keine eigenen Panzerwerkstätten mehr (über Materialerhaltungsstufen MEST 1 und 2 hinaus).

    @ all

    Die Diskussion über „Verfügungsbestand“ und „einsatzbereit“ ist eigentlich müßig, wenn man die Definitionen für diese Begriffe nimmt. Die ganze Statistik ist angelehnt an die früheren Vorgaben für die Einsatzbereitschaft der Lw in den Lfz-Verbänden.

    Der „Verfügungsbestand“ ist das was auf den Hof steht, der Rest ist abgegeben zur Industrie zur Grundinstandsetzung, Retrofit-Erweiterung usw und zu einem kleinen Teil an den Rüstungsbereich, WTD zur Erprobung. Der Gesamtbestand war früher der „Buchbestand“, also meist die STAN-Soll Ausstattung eines Geschwaders.

    70 % des Verfügungsbestandes soll, früher „musste“, einsatzbereit sein. Wie weit wir von dem 70 % Ziel bei den Hauptwaffensystemen entfernt sind, wird der Bericht zur Materiallage zeigen.

    Wie @ Schnuckel hinweis, kann man aber die Einsatzbereitschaftslage „schönen“, indem man z.B. ein Flugzeug mit einer Restbetriebszeit bis zur nächsten Überholung von 1 Std einfach nicht benutzt, damit ist 1 EA Lfz des Verbandes zusätzlich immer einsatzbereit. De facto fehlt dieses System aber für den Einsatz, weil egal ob für Ausbildung oder Einsatz nach 1 Std Betriebszeit wäre das System abgelaufen und wird aus diesem Grunde nicht benutzt, denn es würde dann die Einsatzbereitschaft in der Statistik des Verfügungsbestandes verschlechtern.

    Also lauter „fast abgeflogene Mühlen, die auf dem Hof rumstehen und nicht mehr bewegt werden“ erhöhen die Statistik, haben aber keine Einsatzwert mehr.

  • Kommentator   |   22. Februar 2018 - 14:04

    Wenn ich schon höre, dass Frau IBuK auf der MSC allen Ernstes „von sich gibt“, man sei „von der scherheitspolitischen Entwicklung überrascht worden“, dann schwillt mir der Kamm.

    Kein Chef oder Kommandeur in der Truppe könnte es sich leisten, faktisch KEINE AHNUNG über den Klarstand des in seiner Verantwortung befindlichen Großgeräts zu haben … oder gar einen unzureichenden Einsatzklarstand schlichtweg zu ignorieren.

    Im Bendlerblock scheint das hingegen die REGEL zu sein. Warum tragen die Inspekteure nicht wöchentlich persönlich im Rahmen einer „Ministerlage“ vor …? Wieviel Prozent der Großwaffensysteme sind einsatzbereit …? Was sind die Ausfallgründe …? Wo herrscht Ersatzteilamngel und warum …? Was wird an Maßnahmen empfohlen …? Warum ergehen aus solchen Wochenlagen keine klaren Anweisungen an die Rüstungs-Staatssekretären, die definierten Mängel umgehend abzustellen …? Warum gibt es offensichtlich keine klaren Verantwortlichkeiten für Ersatzteilbeschaffung und Versorgungslage im BMVg …? Warum werden die so ergangenen Weisungen nicht im Zuge der ministeriellen Dienstaufsicht nachgehalten …? Warum werden solche Dinge nicht im parlamentarischen Rahmen (z.B. Verteidigungsauschuss und Auswärtiger Ausschuss) klar und offen diskutiert und zur Not im Kabinettkreis die ggf. zusätzlichen notwendigen finanziellen Mittel eingefordert …?

    In diesem Land ist doch sonst für jeden „Kokolores“ jede Menge Geld da …^^

    Ach so … richtig … ich vergaß … Geld wird ja nachgefordert … für „Still-BH’s“ in Flecktarn, Damenhandtaschen und schwangerengerechte Bestuhlung im SPz „Puma“ …^^

    Donnerstagmorgen, 09:30 Uhr in Berlin … Sturm … die Frisur sitzt. GANZ wichtig. Und bloß keine Kritik an der Ministerin, sonst „EdeKa“ …

  • Pio-Fritz   |   22. Februar 2018 - 14:56

    Einige Zeitungen berichten, das Papier zur schlechten Materiallage sei von Seiten des stellv. GI an die Presse gelangt.

    Wenn dem so ist, ist das ein verzweifelter Hilferuf und lässt tief blicken auf die Beziehung der IBUK zu ihrer ersten Führungsriege.

    [Kann bislang kein Medium finden, dass das berichtet… wo wer was? T.W.]

  • Udo   |   22. Februar 2018 - 16:18

    „Kein Chef oder Kommandeur in der Truppe könnte es sich leisten, faktisch KEINE AHNUNG über den Klarstand des in seiner Verantwortung befindlichen Großgeräts zu haben … oder gar einen unzureichenden Einsatzklarstand schlichtweg zu ignorieren.“

    Doch, kann man sich wohl leisten.
    2014 wurden Inspekteure (L und M) mit der Leitung von Task Forces beauftragt, deren Aufgabe es u.a. war (oder noch ist?!?), ein Lagebild über die Einsatzlage des Großgeräts „Fliegende Waffensysteme“ zu gewinnen.

    Vielleicht habe ich das damals falsch verstanden. Aber irgendetwas, dachte ich mir, kann da nicht stimmen, wenn die, die für die Einsatzbereitschaft verantwortlich sind, auf Weisung der Frau Ministerin eine Task Force leiten müssen, die herausfinden soll, wie es mit der Einsatzbereitschaft aussieht.

  • Mitleser   |   22. Februar 2018 - 18:49

    Während es der Bundeswehr in allen Belangen an einsatzbereitem Material fehlt und deutche Tornados wegen Betankungsproblemen am Boden bleiben fliegen gerade heute 4 brandneue russische Su-57 am syrischen Himmel. Da wird man glatt neidsch, wenn man bedenkt, daß es von dem Typ gerade mal 10 Prototypen gibt.

  • Alex   |   22. Februar 2018 - 19:56

    Kann man denn nun sagen, dass man absichtlich keine Ersatzteile bevorratet bzw. erst dann bestellt, wenn etwas benötigt wird, obwohl der Hersteller problemlos mehr liefern könnte?

  • Pio-Fritz   |   22. Februar 2018 - 20:13

    @T.W.

    Habe ich in unserer Lokalzeitung gelesen, die kaufen den Politikteil zu.
    Der Artikel istvon Jörg Köpke mit dem Titel „Wer verteidigt die Verteidigungsministerin?“

    Ich zitiere die wesentliche Passage:
    „Wenn der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, am morgigen Freitag im niedersächsischen Munster die Panzerlehrbrigade 9 besucht, wird er sich Fragen gefallen lassen müssen. Am 30. Januarhatte Rühle ein vertrauliches Papier verfasst, das Hintergrundinformationen über die Einsatzfähigkeit der Brigade lieferte und eklatante Mängel aufdeckte…. Das brisante Dokument wurde an die Medien weitergespielt.“

    Ich scan das morgen ein und maile Ihnen den Artikel.

    [Aber hallo, Sie haben das mit der Aussage wiedergegeben, lt. Zeitung sei das Papier vom stv. GI an die Presse gelangt. Das klingt jetzt doch recht anders. Bitte bisschen mehr Sorgfalt bei der Formulierung. T.W.]

  • Schnuckel   |   22. Februar 2018 - 22:08

    @ Alex

    Kann man denn nun sagen, dass man absichtlich keine Ersatzteile bevorratet bzw. erst dann bestellt, wenn etwas benötigt wird, obwohl der Hersteller problemlos mehr liefern könnte?

    So einfach ist es leider nicht. Beispiele:

    Die Marine leidet z.B. unter Kleinserien. F124, F123, F122, U212, P3C sind alt und haben ein unvorhersehbares Ausfallverhalten. Die Original Hersteller existieren zum Teil gar nicht mehr, Nachbauten bzw. Obsoleszenzbeseitigung dauern ewig, selbst wenn man das Geld in die Hand nimmt. Hier könnte ein „ehrliches“ Berichtswesen maximal diese Probleme aufzeigen und helfen, sie zukünftig zu vermeiden.

    Die Luftwaffe leidet unter alten Flugzeugen (CH53, Transall) für die keiner mehr Geld in die Hand nehmen will, als bis zur Ablösung nötig. Luftfahrzeugteile fallen aber nicht vom Himmel, insbesondere wenn Obsoleszenz dazukommt. Selbst wenn ich mehr kaufen kann, werde ich das spätestens bei der Ablösung wieder teuer entsorgen müssen.

    Bei neuen Waffensystemen mit exorbitant hohen Preisen wird beim Kauf lieber bei den Ersatzteilen gespart (Ein komplettes Luftfahrzeug ist deutlich günstiger als die Summe der Ersatzteile) Hier steht das Prinzip „Hoffnung“ und man vertraut den MTBF (mean time between failure) Zeiten der Rüstungsindustrie und kauft dann einfach fünf Flugzeuge mehr bevor man ein komplettes Flugzeug in Einzelteilen nimmt. Wenn man dann doch mehr Ersatzteile braucht, stellt man fest, dass der Hersteller sich auch auf wirtschaftliche Losgrößen eingestellt hat und wenn ich dann Bestellungen für Kleinstmengen aufgebe, dann hat der Hersteller das Gerät nicht liegen bzw. kein Interesse an der Fertigung.

    Dazu kommt die Aufsplittung der Verantwortung auf viel zu viele Dienststellen (BAAINBw, LuFA, Kommandos usw.) die alle gefragt werden wollen ohne Expertise beisteuern zu können. Dann noch die Absicherungsmentalität mit Belehrungen bis zum Umfallen die jede Übernahme von Verantwortung erstickt nur um im BI Tool schöne Bilder zu haben und die Einführung von SASPF für Altsysteme. Diese konnten früher ewig mit etwas Papierkram betrieben werden und stehen heute bei Ausfall der Sat- / Telefonverbindung innerhalb kürzester Zeit nutzlos am Boden. Unter militärischen Gesichtspunkten auch nicht gerade optimal.

    Alle diese Punkte sind an der Basis wohlbekannt und so schaut man dort staunend zu, wie sich dann noch ein eigentlich desaströser Zustand des Waffensystems auf dem Weg durch die Meldungsinstanzen nach oben zu einem ganz ordenlichen Klarstand verändert.

    Magic!

  • Elahan   |   23. Februar 2018 - 8:14

    @Schnuckel

    „Die Luftwaffe leidet unter alten Flugzeugen (CH53, Transall) für die keiner mehr Geld in die Hand nehmen will, als bis zur Ablösung nötig.“

    Leider leidet die Lw nicht unter alten (bewährten und bekannten) Systemen, sondern unter zahlreichen Reformen und der Neuausrichtung.

    Alte Lfz haben den Vorteil, dass man ihre Schwächen kennt und diese beheben könnte wenn man denn wollte. Die CH53 wurde schon vom Heer nicht mehr richtig versorgt, Ersatzteilpakete, obwohl zu diesem Zeitpunkt günstig, wurden nicht bestellt, Depots aufgelöst, notwendige umfängliche modernisierung nicht oder nur in Teilen durchgeführt.
    Zelle, Ausrüstung, Triebwerk und Flugwerk kann, wenn man will versorgt werden, Avionik ist vom Lfz-Muster meist querschnittlich zu beschaffen. Leider verzettelt man sich da in in den Varianten und der Herstellervielfalt.

    Die Mehrkosten von Ersatzteilen bei geringer Losgröße werden bei den Gesamtkosten der Instandhaltung und Beschaffung oft überschätzt aber eben als Mehrkosten, im Sinn von Zusätzlich ggf vermeidbar betrachtet.

    Man muss halt wissen was man will, nur Ausbildung, Übung oder auch Einsatz und Krieg wird dann eben teuer.

  • Der Realist   |   23. Februar 2018 - 10:30

    Deutschland hat eine gewaltige Fehlplanung hinter sich, was die Ausrüstung angeht.

    Man hat sich darauf verlassen, daß die alten Systeme ohne Verzögerung durch weniger neue Systeme ersetzt werden können.

    Das hat aber in keinem Fall funktioniert und man lernt immer noch nicht daraus.

    Wir haben nun das Problem, daß wir viele Altsysteme haben, die teilweise nicht mehr funktionieren und leider auch keine Neusysteme, die einen adäquaten Ersatz darstellen würden.

    Und fehlt die Ausrüstung, die man als Plan B als Brückenlösung in allen Bereichen hätte beschaffen müssen. So wie das auch andere Staaten wie Schweden gemacht haben, als es Probleme beim NH90 gab.

    Zusätzlich werden Systeme wie Fregatten und U-Boote in derart kleinen Losen gekauft, daß es sehr teuer und ineffektiv ist, sie zu entwickeln und zu betreiben.

    Es ist doch kein Wunder, daß bei 6 statt früher 24 U-Booten keins einsatzbereit ist…
    oder daß wir 3-4 verschiedene Fregatten-Klassen einsetzen, kann bei unseren Stückzahlen kaum sinnvoll sein..

  • Luftwebel   |   23. Februar 2018 - 11:41

    Seufz. Und wie oft sollen denn die TE Fhr noch melden, dass ihre Kfz nicht einsatzbereit sind? Dass Aufträge ohne Personal nicht durchführbar sind? Es interessiert keinen. Der KpChef nimmt das noch zur Kenntnis, aber spätestens beim S4 bzw. T-Offz wird dann schon schön geredet und beim Kdr ist alles nur noch halb so wild. Und dann kommt immer wieder der alte, ausgelutschte Spruch: „Ich will keine Probleme hören – ich will Lösungsansätze“. Aber solang (in Zeiten der 41 Std Woche) jedes noch so kleine Festchen (wo man sich kräftig auf die Schulter klopfen kann) wichtiger ist, als dass man endlich seine Autos zum laufen kriegt … Wir haben mehr Anhänger als intakte Fahrzeuge, die diese ziehen können

  • Cato   |   23. Februar 2018 - 14:08

    Bundeswehr GmbH?

    ich erinnere mich an eine Wehrübung vor ca. 15 Jahren, während der wir in abendlicher Runde gern das Gedankenspiel einer privatisierten Bundeswehr gespielt haben. Dabei haben wir ein Service-Portfolio von Verteidigungsdienstleistungen gestaltet, das wir dem Staat angeboten haben. Die Dienstleistungen deckten die Spannbreite von einer reinen Bereitstellung eines Großverbandes (inklusive Ausbildung und Beübung) bis hin zu einem regulären Kriegseinsatz ab. (zu unterschiedlichen Preisen pro Tag versteht sich). Der fiktive Großverband wurde privat betrieben und hatte die Freiheit den Aufbau, die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten selbst zu gestalten, insbesondere sein Personal und Material selbst auszuwählen und nachhaltig zu bewirtschaften.

    Die Dienstleistungen wären nach diesem Gedankenspiel vom Staat auf Basis von multinationalen Ausschreibungen auf Europäischer Ebene beschafft und die Anforderungen und deren Erfüllung auf Basis einer entsprechenden Gesetzgebung von einer Bundesverteidigungsagentur bearbeitet worden. Anbieter wären hier ehemalige, privatisierte Streitkräfte und Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall gewesen, die ihr Geschäftsmodell umgestellt hätten (analog zu aktuellen Entwicklung in der Industrie, wie z.B. der Wandlung z.B. von Microsoft vom Verkäufer von Software-Produkten zum (Cloud)-Service-Anbieter.)

    Es war hier zum Beispiel interessant zu sehen, was passiert, wenn ein an der Börse gehandeltes Bataillon seinen Waffenbestand abschreiben und seine Jahresbilanz vorlegen muss. Wenn die Verträge mit dem Staat dann noch beinhalten, dass die jährliche Dienstleistungsvergütung gekürzt wird, wenn vereinbarte Leistungsparameter nicht eingehalten werden, wird die Sache recht spannend. Wir haben uns dabei übrigens auch überlegt, inwieweit Verlustrisiken aus Kampfeinsätzen am Versicherungsmarkt finanziell abzufedern wären.

    Selbstverständlich stellen solche Gedankenspiele Utopien dar, aber indem man sie anstellt lernt man dabei neue Denkansätze, die dann in der Realwelt zu neuen Lösungen führen können. Ich frage mich hier z.B. was sich ändern würde, wenn das BAAINBw von einem Industriemanager geführt und kommerzielle Anwälte die dort beschäftigten Juristen bearten (und vielleicht sogar ersetzen) würden.

    Im Übrigen ist der Ansatz in Zeiten von Blackwater und dem Outsourcing von staatlichen Dienstleistungen wie dem Gefängnisbetrieb an die Privatwirtschaft bzw. bundeseigene GmbHs vielleicht gar nicht so abwegig.

    Dabei gebe ich zu, dass EINE bundeseigene GmbH hier sicher NICHT als Referenz dienen kann: Nachdem ich beim – teilweise vergeblichen – Besuch eines LHD-Shops wieder DDR-Kaufhausambiente geschnuppert habe und dann 14 Tage auf die Nachlieferung meiner Schulterklappen warten musste, bekenne ich: Ein GmbH-Mantel allein ist sicher nicht die Lösung.

  • Koffer   |   23. Februar 2018 - 15:48

    @Luftwebel | 23. Februar 2018 – 11:41
    „Der KpChef nimmt das noch zur Kenntnis, aber spätestens beim S4 bzw. T-Offz wird dann schon schön geredet und beim Kdr ist alles nur noch halb so wild.“

    Seufz. Traurige Geschichte, aber nach meiner Erfahrung hat sie nichts mit der Realität zu tun.

  • L 95   |   23. Februar 2018 - 16:27

    Koffer | 23. Februar 2018 – 15:48

    Es ist wirklich traurig.

    Leider kein Einzelfall. Habe als TE-Führer genau die gleichen Erfahrungen/Erlebnisse gehabt.

    Will es aber auch nicht verallgemeinern. Selbst die stärksten Chefs (die mit Rückgrat) sind daran verzweifelt.

  • Fuddel   |   23. Februar 2018 - 16:59

    @Koffer / 23. Februar 2018 – 15:48
    „Seufz. Traurige Geschichte, aber nach meiner Erfahrung hat sie nichts mit der Realität zu tun.“
    Ihr Beitrag ist ein Beleg dafür, dass unterschiedliche Erfahrungen zu unterschiedlichen Bewertungen führen. . . . Prima!!
    Da sind wir dann auch beim Thema Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung . . . .
    Sicher auch ein Grund dafür, dass die Situation der Streitkräfte so ist, wie sie ist .. . .
    2 Beiträge, ein Beleg für den „vertrauenswürdigen“ Umgang zwischen den Dienstgradgruppen . . . . .
    Aber ich schweife ab und schreibe etwas, nur um etwas zu schreiben . . . . .

  • Luftwebel   |   23. Februar 2018 - 17:51

    Und warum ist es dann so, wie es ist?
    Warum werden Meldungen schön geredet? Warum wird exakt bei einem anstehenden Truppenbesuch durch MdL`s, MdB`s, den Wehrbeauftragten oder gar die IBUK gaaanz plötzlich die Kaserne auf Hochglanz gebracht und nur ein „erlesen, ausgesuchtes“ Klientel zu den Gesprächen befohlen? Warum darf nicht mal der HptFw/ TE Fhr bei so einem Gespräch den Mund aufmachen? Der StFw, der sich traut, was zu sagen (selbst ohne o.g. Personenkreis) hat ganz schnell die Pappnase auf und dann ist EDEKA.
    Das wars dann mit dem OSF.
    Und solang der KpChef, T-Offz, S4, … (Saz 12, der noch BS werden will) nicht endlich die Eier haben kann und haben darf, den tatsächlichen Klarstand zu melden, wird sich auch nichts ändern. Und ja, ich habe auch schon (junge) KpChefs erlebt, die was gesagt haben und Eier hatten. Aber die hatten sie nicht lang. Die waren ganz schnell weg. Papa in Dosenhausen und die Familie in Hinterdupfing.
    Fürsorge fängt nicht beim Flecktarn BH an und hört beim Workshop auf. Fürsorge ist auch ausreichend vorhandenes und einsatzfähiges Material. Ich.bin. bedient.

  • Koffer   |   23. Februar 2018 - 18:07

    @L 95 | 23. Februar 2018 – 16:27
    „Leider kein Einzelfall. Habe als TE-Führer genau die gleichen Erfahrungen/Erlebnisse gehabt.“

    Ohne Ihnen zu nahe zu treten, aber nur weil Sie als TE-Fhr das so wahrgenommen haben, muss es nicht wirklich so gewesen sein.

    Und selbst wenn es bei Ihnen tatsächlich so gewesen sein sollte, dann können Sie nicht vom Einzelfall auf das Allgemeine schließen.

    Ich bin nun schon einige Jahre bei der Armee und habe zahlreiche Kommandeure kennen gelernt und die wenigsten waren „Grün-Melder“.

    Natürlich haben (fast) alle versucht gegebene Aufträge zu erfüllen und natürlich haben Sie dann versucht auch (mehr oder weniger) gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

    Aber das eingeschränkte Leistungsfähigkeit und/oder Bereitschaftsgrade und/oder Probleme bei der Auftragserfüllung wahrheitsgemäß gemeldet wird ist eigentlich Standard. Und das die meisten Kdr auch (begründet) versuchen von Zusatzaufträgen freigestellt zu werden gehört auch zur Wahrheit.

    Aber wenn am Ende der BrigKdr auf dem Auftrag besteht (im Regelfall weil die Div ja auch nicht unendliche viele Brig zur Auswahl hat!), dann gilt halt immer noch Befehl und Gehorsam in diesen Streitkräften.

    Man kann sich (meistens) eben seine Aufträge nicht aussuchen.

    Aber es ist natürlich viel einfacher „dem bösen und rückgratlosen Kommandeur“ zu kritisieren, als sich mal zusammen zu reißen und das beste aus einer schlechten Situation zu machen, oder?

    :(

  • Don Quijote   |   23. Februar 2018 - 19:13

    Elahan | 23. Februar 2018 – 8:14

    Die CH53 wurde schon vom Heer nicht mehr richtig versorgt,

    Die Verantwortung zur Materialversorgung der CH 53 des Heeres, lag auch damals bei der Luftwaffe lag.(Waffensystemkommando der Luftwaffe)
    Was dann im Zuge des FTHub geschah, war und (ist immer noch) abenteuerlich.
    Der war in Art und Weise der Durchführung, der Hauptgrund für das Sinken der Einsatzbereitschaft (CH 53) im besonderen Maße.