Stichwort Attraktivität: Klappt nicht immer

Die Bundeswehr ist vor allem bei Technik-Spezialisten darauf angewiesen, sowohl neue Bewerber zu finden als auch Zeitsoldaten zu einer Verlängerung ihrer Dienstzeit zu bewegen. Das kann allerdings auch schiefgehen: Für Offiziere der Schiffstechnik und der Informationstechnik auf den Schiffen der Marine hatte die Bundeswehr eine Prämie angeboten, falls die derzeitigen Zeitsoldaten bereit wären, zum Berufssoldaten zu werden – und musste diese Prämien-Zusage dann wieder zurückziehen. Die entsprechende Vorschrift für den so genannten Personalbindungszuschlag wurde nicht wie geplant geändert. Die betroffenen Soldaten hatten sich eigentlich schon auf eine Prämie von mehreren zehntausend Euro einstellen können.

Das Problem musste das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) im Oktober in einem Schreiben an die Marineoffiziere eingestehen, das Augen geradeaus! vorliegt:

Sie haben sich in diesem Jahr für eine Übernahme in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten beworben. (…) Zweifelsohne wissen Sie, dass es sich bei Ihrem Werdegang Schiffstechnik bzw. Führungsunterstützung/IT See um einen Mangelwerdegang handelt, in dem die Marine auf gut qualifizierte Bewerber in ausreichender Anzahl angewiesen ist.
Im Rahmen der Abstimmungsgespräche (…) im Juni diesen Jahres wurde Ihnen die Zahlung eines Personalbindungszuschlages (PBZ) in Aussicht gestellt, sofern Sie sich in der BO-Auswahlkonferenz der Marine erfolgreich durchsetzen.
Zu meinem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass durch BMVg FüSK I 2 [Referat ‚Personalstruktur und Bedarf‘ in der Abteilung ‚Führung Streitkräfte‘ im Verteidigungsministerium, T.W.] nunmehr endgültig entschieden wurde, dass bei einer Übernahme zum Berufsoffizier kein PBZ gewährt wird. (…)
Auf Betreiben Ihrer Personalführung wurde die Zahlung eines PBZ in Ihrem Werdegang für eine Übernahme in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten beantragt und um April ind die Zentrale Dienstvorschrift A-1336/3 aufgenommen.
Diese Vorschriftenänderung, auf deren Grundlage Ihnen die Zahlung eines PBZ in Aussicht gestellt wurde, ist jedoch durch das zuständige Fachreferat BMVg FüSK I 2 nicht gebilligt worden.
Ich bedauere, dass wir Ihnen einen nicht unerheblichen Geldbetrag in Aussicht gestellt haben, den Sie nunmehr nicht erhalten können.

Aber wie konnte es zu dieser falschen Zusage kommen? Es handelt sich um eine versehentliche Veröffentlichung einer nicht korrigierten Arbeitsliste, wegen derer diese falsche Information gegeben wurde, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage von Augen geradeaus! Die Prämie zur Weiterverpflichtung gebe es derzeit nur für Zeitsoldaten, die ihre Dienstzeit bis zur Maximaldauer von 25 Jahren verlängerten – aber eben nicht beim Wechsel vom Zeitsoldaten zum Berufssoldaten.

Diese Vorschrift sei auch nicht verändert worden – sondern eben nur eine mögliche Veränderung in einer To-Do-Liste vorgemerkt worden. Und deshalb habe es eben diese Zusage an die Betroffenen gar nicht geben können.

Wo der Fehler nun lag, ist zwar für die internen Arbeitsabläufe in Bundeswehr und Ministerium von Bedeutung – für die Zeitsoldaten, die sich als Berufssoldaten beworben haben, eher weniger. Für die zählt offensichtlich eher, dass die Attraktivitäts-Zusagen des Dienstherrn mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sind. Auch wenn es, wie das Ministerium sagt, sich nur um sehr wenige Fälle handelt.

(Archivbild: Blick in den Schiffstechnischen Leitstand der Fregatte „Baden-Württemberg“ der Deutschen Marine, Typschiff der Fregatten-Klasse F125)

An der Heimatfront · 17:46h ·  

69 Kommentare zu „Stichwort Attraktivität: Klappt nicht immer“

  • Wa-Ge   |   04. November 2017 - 19:30

    @Thomas Melber

    – Darum prüfe wer sich ewig bindet (sowohl Beziehung als auch Arbeitgeber),
    – bzw. Augen auf bei der Arbeitswahl,

    sind nur zwei Entgegnungen die mir da so auf die Schnelle einfallen.

    Jeder der in die Bw eintritt, weiß wenn er sich vorher informiert (Quellen gibt es da genug), dass heimatnah in der Bundeswehr BRD bedeutet. Nach jeder Struktur werden Dienstposten und Standorte verlegt bzw. gestrichen. Und bis jetzt habe ich keinen BS kennengelernt (insbesondere dieses Personal MUSS es wissen welche Halbwertszeit Strukturen haben) der gezwungen wurde diesen Antrag zu unterschreiben.

    Wer also nicht treu dienen kann oder will soll kündigen. Dann wäre vielleicht auch mal genug Druck bei den Politikern da BW Standorte nicht als Spielmasse für Wahlkreisapeacment zu betrachten. Erst dann würde man genug Druck haben ein Stationierungskonzept und Personalentwicklungskonzept durchzuboxen dass Logik und militärischer Notwendigkeit entspricht und nicht dem Proporz.

    Aber was verlange ich da, meckern kann der deutsche Soldat, für Konsequenzen fehlt der großen Maße der „untreuen“ BS die Tapferkeit.

    Bevor einer sich angegriffen fühlt: Soldaten die tapfer jeder Versetzung akzeptieren und weiterhin treu dienen, ihre Beziehungen opfern oder aber glücklich fortführen sind hiermit nicht angesprochen. Diese haben anscheinend begriffen wer A sagt muss eben auch B sagen.

  • Spike   |   04. November 2017 - 21:57

    @Koffer

    Ich habe nichts gegen DP-bezogene Zulagen.

    Ich finde es nur befremdlich bis unkameradschaftlich eigene Zulagen als das normalste der Bw anzusehen und sich gleichzeitig vehement gegen Zulagen für andere auszusprechen.

  • Insider   |   04. November 2017 - 22:14

    @Koffer
    Wenn die Personalführung der Bundeswehr genau so denkt wie Sie (was sie meiner Meinung nach auch macht), wundert es mich nicht, dass das Bestandspersonal weiter vergrault wird und die Nachwuchsgewinnung in die Hose geht.
    Eine Ehe (wie Sie so schön schreiben) entwickelt sich in 30 Jahren auch weiter. Es kann aber nicht sein, das diese Entwicklungen nur von einer Seite des Ehepaares aus „ewiger Dankbarkeit“ klaglos ertragen werden müssen. Und zu Ihrem Totschlagargument der Kündigung möchte ich sagen, wenn es nicht so wirtschaftlich unattraktiv gemacht wäre und es sich für den durchschnittlichen Soldaten nur ansatzweise rechnen würde, dann wären bereits viele weitere Kameraden vom Hof. Da es sich aber nur die wenigsten finanziell leisten können, wird halt innerlich gekündigt. So haben wir dann zwar Personal, können damit aber nicht mehr viel anfangen.
    Es ist immer einfacher sich auf bestehende Positionen zurück zu ziehen, als innovativ neue Wege zu gehen oder manche Dinge einfach zu verändern. Insbesondere wenn wir dringend Nachwuchs brauchen. Ich bin z.B. überzeugt, das viele eine Verlängerung der Dienstzeit hinnehmen würden, wenn es dafür pro Jahr 1,5% mehr Pension oder eine Beförderung gäbe. Aber wahrscheinlich geht die Sonne eher im Westen auf.

  • DeltaR95   |   05. November 2017 - 0:17

    @ Wa-Ge

    Respekt für ihren klaren Worte. Ich hoffe danach inständig, dass diese Soldaten somit die von ihnen gewünschte Tapferkeit zeigen und ihre Konsequenzen ziehen… wobei… Moment mal, wie erfüllt die Bw ohne geeignetes Personal ihren Auftrag? Vielleicht ist die Entscheidung Soldat zu sein doch nicht die einseitige Hinnahme von allem, was der Dienstherr für gut befindet?

    Wir leben im 21. Jahrhundert! Die gesellschaftlichen Werte haben sich geändert und entweder passt man sich an oder steht vor den Problemen, die die Bundeswehr jetzt hat. Aber von mir aus können sie sich gerne schmollend mir ihren letzten wackeren alleserduldenden echten Soldaten in die Ecke setzen und vergangenen Zeiten nachtrauern. Vom Credo des Kampfes um die besten Köpfe können sie sich getrost verabschieden!

    Das gegenseitige Treueverhältnis bedeutet natürlich, dass der Soldat in letzter Instanz die Befehle gemäß Recht und Gesetz befolgt. Das entbindet den Dienstherrn aber nicht von der Pflicht der Fürsorge und dazu gehört nach Grundgesetz die Familie eindeutig dazu! Oder habe ich den Paragraphen im SG überlesen, wonach jeder Soldat alle seine Grundrechte aufgibt?

    Aber anscheinend reichen 60 Jahre Innere Führung ja nicht im Ansatz aus, damit aus der Allgemeinheit das Bild des Soldaten als blind gehorsames und widerspruchsloses Etwas verschwindet… auf Neudeutsch sorry, aber solche Aussagen wie ihre lassen mich nur fassungslos zurück… wenn die Bundeswehrführung so denkt wie sie wundert es mich gar nicht mehr, dass die Bundeswehr im Status Quo gefangen ist.

    Nebenbei, bevor sie zurückschiessen… ich sage das aus Sicht eines Ehemaligen, der 8 mal in seiner Dienstzeit umgezogen ist… von diversen Pendelverwendungen abgesehen… qualifiziert mich das in ihrer Welt als jemanden, der A und B verstanden hat?

  • Wa-Ge   |   05. November 2017 - 10:37

    @Delta
    Ich weiß nicht ob drei Zeilen in einem Kommentar ausreichen dürfen um sich einen Urteil über eine Einzelperson beiden zu können oder zu dürfen. Wenn Sie das Spiel mitgespielt haben und dabei eine Daust in der Tasche gemacht haben, dann ist aus meiner Sicht nichts dagegen zu sagen. Das A und B sagt ja genau das aus, man muss es nicht mögen aber man macht es trotzdem. Das fängt beim Standort an und hört bei der Auftragserfüllung auf (egal ob man hinter dem Befehl oder Einsatz steht (rechtliche Legitimation vorausgesetzt)).

    Es schimpfen viele auf den Dienstherren, aber wo verspricht dieser heimatnahe Verwendungen? Wo verspricht er lebenslange Verwendung im Wunschstandort? Nirgendwo! Einzelne Personaler versprechen das trotz besseren Wissens aber dafür kann der Dienstherr nichts. Wenn man also trotz besseren Wissens so einem Personaler auf den Leim gegangen ist, dann soll man gefälligst auf sich selbst und den Personaler sein, die Bw als Ganzes aber in Ruhe lassen.

    Ein Beispiel aus der Infanterie: Die Standorte sind am Arsch der Welt, als ich mich verpflichtete hat man mir die Standorte gezeigt die potentiell möglich wären und in einen davon bin ich gekommen. In den zwölf Jahren wurden es noch ein paar andere. Als es darum ging nun in sich zu gehen und sich zu fragen will ich länger bleiben oder nicht habe ich für mich entschlossen keinen Antrag zu stellen, weil ich eben von vielen Kameraden und nicht von der Bundeswehr enttäuscht war. Allen voran diejenigen die innerlich gekündigt haben und die Bw von innen zersetzten ohne dass man Ihnen beikommen kann.

    Durch diese Resegnation schmeißen diese dann auch anderen Soldaten ordentlich Steine in den Weg und sorgen so gehörig zur schlechten Stimmung bei.

    Wie gesagt ich wünsche mir mehr Konsequenz, wäre man so unglücklich in einer Beziehung, hätte man sich schon längst getrennt.

  • Koffer   |   05. November 2017 - 11:53

    @Spike | 04. November 2017 – 21:57
    „Ich finde es nur befremdlich bis unkameradschaftlich eigene Zulagen als das normalste der Bw anzusehen und sich gleichzeitig vehement gegen Zulagen für andere auszusprechen.“

    Ich denke, Sie haben mich falsch verstanden. Ich bin ein großer Anhänger von Zulagen. Solange wir im A/B-Besoldungssystem gefangen sind, ist das m.E.n. die einzige Möglichkeit die eklatanten Mängel im Besoldungssystem auszugleichen. Und selbst in einem neu zu schaffenden S-Besoldungsystem wären dienstposten-/tätigkeitsbezogene Zulage m.E.n. immer noch sehr wichtig.

    @Insider | 04. November 2017 – 22:14
    „Wenn die Personalführung der Bundeswehr genau so denkt wie Sie (was sie meiner Meinung nach auch macht), wundert es mich nicht, dass das Bestandspersonal weiter vergrault wird und die Nachwuchsgewinnung in die Hose geht.“

    Naja, darüber kann man streiten. Ich habe mit der Personalführung fast immer gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe Wünsche geäußert und habe diese häufig bekommen und wenn nicht, dann habe Verwendungen bekommen bei denen ich erkannt habe, warum die Personalführung hier eine höhere Priorität sah.

    Was ich nicht bekommen (aber auch fast nie gefordert habe), waren regionale „Wünsch-Dir-Was“-Szenarien. Denn seit ich SaZ geworden bin, wusste ich ja, dass ich bundesweit versetzbar bin und bundesweit versetzt werden werde. Also warum sich über etwas aufregen, was man mit von Anfang an gesagt hat?!

    „Ich bin z.B. überzeugt, das viele eine Verlängerung der Dienstzeit hinnehmen würden, wenn es dafür pro Jahr 1,5% mehr Pension oder eine Beförderung gäbe. Aber wahrscheinlich geht die Sonne eher im Westen auf.“

    Hinsichtlich der Beförderung: Garantiert geht die Sonne eher im Westen auf und das halte ich auch für richtig.

    Hinsichtlich der erhöhten Pension: Für einen bestimmten Personenkreis wäre das vermutlich eine sehr guter und auch übergreifend fairer Ansatz. Also nicht für diejenigen, die jung zur Bw gekommen sind und dann als Offiziere, den Maximalsatz von 71,X bereits erreicht haben, (und eine Steigerung über den Maximalsatz hinaus ist gesellschaftlich nicht zu verkaufen und nebenbei kann man von jemand, der eine Pension von 71,X Prozent hat auch noch ein bißchen länger „treues dienen“ Verlagen ;) ), aber bei denen, die spät eingestiegen sind und deswegen den Maximalsatz gar nicht im Rahmen der besonderen Altersgrenzen erreichen können, wäre es glaube ich ein guter Ansatz.

    Aber hier bin ich jetzt verwirrt, dass läuft doch so eigentlich schon, oder?! Jemand, der länger dient erhält doch automatisch pro zusätzlichem Dienstjahr einen zusätzlich Faktor von 1,x %… Von daher ist es doch das, was Sie verlangen, oder?!

    @Wa-Ge | 05. November 2017 – 10:37
    „Es schimpfen viele auf den Dienstherren, aber wo verspricht dieser heimatnahe Verwendungen? Wo verspricht er lebenslange Verwendung im Wunschstandort? Nirgendwo!“

    Absolute Zustimmung. Aber es ist natürlich leichter auf den Dienstherren zu schimpfen, als mal die Hacken zusammen zuschlagen und das zu machen, wozu man sich ja verpflichtet hat.

    Zumal in den letzten Jahren die Personalführung nach meiner Wahrnehmung wirklich kooperativer geworden ist. Natürlich bekommt man immer noch nicht alles, was man möchte, aber mit dem Versuch mittelfristige Pläne aufzuzeigen und wo möglich (!) stärken den Wünschen der Soldaten entgegen zu kommen werden einige soziale „Kanten“ doch stark gemildert.

  • Thomas Melber   |   05. November 2017 - 12:20

    @Wa-Ge
    Ein wesentlicher Grund, warum viele SaZ keinen Antrag auf Übernahme stellen ist eben, daß man damit eine Wochenendbeziehung quasi zementiert. Umzüge kann man dem Partner und / oder den Kindern eben nicht immer zumuten.

  • Insider   |   05. November 2017 - 12:31

    @Koffer
    Stichwort Pension:
    Als ich angefangen habe, waren wir noch bei 75% Pension (soviel zu den einseitigen Änderungen des Vertrages). Jetzt soll ich noch 71,75% bekommen und ich wüsste nicht, das es beim Dienen über die besondere Altersgrenze hinaus, pro Jahr 1,X% mehr gibt.
    Stichwort Beförderung:
    Mein Personalführer erzählt mir, das er aus meinem Jahrgang unbedingt mich noch länger braucht, weil ich ja alle Qualifikationen habe und angeblich sooo wichtig bin.
    Außerdem war ich immer flexibel, was mir persönlich bei den letzten Beurteilungen nur Nachteile gebracht hat da ich zweimal „der Neue“ im Verband war und das erfahrungsgemäß nicht zu einer Spitzenbeurteilung führt. Ich denke schon, das eine Förderung bei längerem Dienen durchaus eine Möglichkeit wäre, es attraktiv zu gestalten. Aber Zwang ohne Anreiz ist ja auch viel einfacher und billiger.

  • Wa-Ge   |   05. November 2017 - 13:02

    @ Thomas Melber
    Zustimmung, aber für wen es nicht du ist der soll es halt auch nicht werde und nicht BS werden und dann die ganze Zeit nörgeln.

    @ Insider

    Haben Sie mal geschaut was in dem Zeitraum im Bezug Rente vor sich gegangen ist? Seien Sie froh, dass es nicht 60% gekommen ist. Dort hat man meinen Eltern auch deutlich mehr versprochen als diese zu Arbeiten begonnen haben. In wenigen Jahren gehe diese in Rente, ist nicht mehr viel von übrig geblieben kann ich Ihnen sagen.

  • Koffer   |   05. November 2017 - 13:26

    @Insider | 05. November 2017 – 12:31
    „Als ich angefangen habe, waren wir noch bei 75% Pension (soviel zu den einseitigen Änderungen des Vertrages). Jetzt soll ich noch 71,75% bekommen…“

    Weder Sie, noch ich, noch irgendein lebender DEU Soldat der Bw hat jemals einen „Vertrag“ abgeschlossen. Deswegen kann es auch keine (einseitige) Vertragsänderung geben.

    Sie haben geschworen treu zu dienen und der Dienstherr garantiert, dass er sich um ihre „angemessene“ Versorgung kümmert. Und das dürfte mit 71,75% noch deutlich gegeben sein.

    Wenn man bedenkt, dass ich gleichen Zeitraum die normale Rente erheblich gesenkt wurde, dann sind wir glaube ich als Staatsdiener immer (noch) gut dabei.

    „und ich wüsste nicht, das es beim Dienen über die besondere Altersgrenze hinaus, pro Jahr 1,X% mehr gibt.“

    Ich denke doch. Problematisch sind natürlich zusätzliche Dienstjahre zwischen 53 und 60, denn für diese Jahre gibt es um die besondere Altersgrenze auszugleichen ja einen Bonus von 12,x% (7 fiktive Dienstjahre) und diese wird (wenn ich es richtig verstehe) durch die 1,x% Zuschlag 1:1 gesenkt. Dies allerdings (auch wiederum wenn ich es richtig verstehe) erst ab dem 2. Zusatzdienstjahr.

    Dennoch gibt es grundsätzlich Zusatzprozente für zusätzliche Dienstjahre in Höhe von 1,79375% pro Jahr, aber die Detailregeln könnte (sollte) man sicherlich etwas positiver für den Soldaten gestalten…

    „Ich denke schon, das eine Förderung bei längerem Dienen durchaus eine Möglichkeit wäre, es attraktiv zu gestalten.“

    Ja, aber nicht durch Beförderung, denn die ergibt sich nach Eignung, Leistung und Befähigung für den höheren Dienstgrad und nicht durch zusätzliche Dienstjahre. Das wäre vermutlich sogar grundgesetzwidrig.

    „Aber Zwang ohne Anreiz ist ja auch viel einfacher und billiger.“

    M.E.n. hat das wenig mit Zwang, sondern viel mit einem bestimmten Berufsverständnis zu tun.

  • DeltaR95   |   05. November 2017 - 13:50

    @ Koffer

    Natürlich steht der Soldat in einem vertraglichen Verhältnis zum Dienstherrn. Nur weil es dort keinen „Arbeitsvertrag“ gibt, sondern eine „Ernennung“, ändert es nichts am Charakter, auch wenn das Dienstverhältnis über das Arbeitsrecht hinausgehenden Pflichten beider Parteien beinhalten.

    Art. 33 Abs 4 GG definiert das GEGENSEITIGE Dienst- und Treue-Verhältnis. Da dies aber sehr schwammig formuliert ist, kann der Dienstherr natürlich sehr frei gestalten und auch einseitige Änderungen vornehmen. Dann kann es aber passieren, wie jüngst in Berlin, dass Beamte klagen und Recht bekommen – nämlich das keine amtsangemessene Fürsorge und Alimentierung mehr gegeben ist.

    So leid mir das auch für sie tut, aber so einfach ist die Sache nun doch nicht… ;)

    Und eine Bitte, bevor sie mit der „Rente“ argumentieren, nehmen sie sich bitte vom statistischen Bundesamt die Werte nach Qualifizierungsniveau, die auch die Betriebsrenten mit auswerten. Die Beamtenpension besteht nämlich aus aus zwei Teilen, einem „Rentenanteil“ und einem „Betriebsrentenanteil“. Wenn Sie einen Vergleich mit der Rente ziehen, dann dürfen Sie auch nur den einen Anteil einbeziehen. Ergebnis vorweg, die Unterschiede zwischen Pension und Rentenbezug (inkl. Betriebsrente) sind in den Durchschnittswerten fast identisch. Bezieht man die Aufwendungen für Gesundheitsvorsorge mit ein, so dreht sich das Bild sogar…

  • Koffer   |   05. November 2017 - 15:31

    @DeltaR95 | 05. November 2017 – 13:50
    „Natürlich steht der Soldat in einem vertraglichen Verhältnis zum Dienstherrn.“

    Hier sind wir in einer fundamental unterschiedlichen Betrachtung des Soldatenberufs und damit meine ich nicht (nur) die rechtliche Bewertung, sondern vor allem die inhaltliche.

    Das erklärt vermutlich auch, warum wir bei der Bewertung des hier im Kommentarfaden diskutierten Sachverhalts so weit auseinander liegen.

    Und ganz ehrlich, ich bin da bei @Wa-Ge! Wer den Soldatenberuf mit allen seinen guten und schlechten (!) Seiten nicht möchte, der darf halt keinen BS Antrag stellen…

    In Bezug auf die Betriebsrenten. Das ist ist mir sehr wohl bewusst, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass das Gesamtrentenniveau (inkl. Betriebsrente) in den letzten Jahren signifikant gesunken ist. Deswegen war es m.E.n. nur angemessen, dass auch die Pensionen der Staatsdiener (etwas) gesenkt wurden).

    [Seitenbemerkung: Viel ärgerlicher finde ich ehrlich gesagt, dass das Besoldungsniveau der Staatsdiner in den letzten fast vierzig Jahren kontinuierlich ggü. dem allgemeinen Lohnniveau gesunken ist (relativ gesehen). DAS ist aus meiner Sicht viel bedenklicher, als die (geringfügige) Anpassung der Pension im Einklang mit der Absenkung der normalen Renten…]

  • Spike   |   05. November 2017 - 17:45

    @Koffer
    Jetzt ist aber gut! Sie haben sich in diesem Faden eindeutig GEGEN die Weiterverpflichtungsprämie für BS Anwärter ausgesprochen, also jetzt nicht über Zulagen rausquatschen. Klappt nicht.

    @Koffer & all
    Richtig, die Pension wurde von 75 auf 71,75% gesenkt, aber:
    – Eintrittsalter höher als 20 Jahre und schwupps: 70,56%,
    – die Bruttopension wird mit einem Ausgleichsfaktor von 0,99 multipliziert und schwupps wieder was weg,
    – in der ersten Abrechnung der Versorgungsbezüge werden 40€/monatlich für Pflege abgezogen . Die Besoldungsstelle erklärt dann, dass dies mit der privat bezahlten Pflegeversicherung gar nichts zu tun hat, sondern ein Solidarbeitrag in die gesetzliche Pflegeversicherung ist, inzwischen sind es 12 x 50€= 600€ im Jahr- schwupps weg.

    – Bevor jetzt der Spruch vom „Jammern auf hohem Niveau “ kommt folgende Bemerkung. Ich kenne ehemalige Facharbeiter, die mit Rente und Betriebsrente (!!!) ungefähr 80€/monatlich weniger als meine A15 Pension.
    Und die müssen keine Privatversicherung bezahlen. Aber, ich beklage mich nicht.

  • Insider   |   05. November 2017 - 17:52

    @Wa-Ge und Koffer
    Ich finde es witzig, das sie beide einerseits immer nach dem Motto „Augen auf bei der Berufswahl“ argumentieren und andere darauf hinweisen, das der Soldatenberuf eben kein „normaler“ Beruf ist. Kommt aber etwas zum Thema Pension auf, wird sofort der Vergleich mit der zivilen Wirtschaft herangezogen. Was denn nun?

    Was sagen Sie denn wenn der Dienstherr morgen entscheidet, die Pension auf 60% zu senken? Danke lieber Dienstherr, ich werde dir auch in Zukunft auf Knien danken, das ich weiter treu dienen darf?
    Der Dienstherr fordert von seinen Soldaten und ziv. Angehörigen in der gesamten Dienstzeit 100% Zuverlässigkeit. Ist es zuviel verlangt, wenn ich das von meinem Dienstherrn auch fordere?

    Aber mit den Alten kann man es ja machen. Leider stirbt die Generation, die alles klaglos ertrug, so langsam aus. Der Nachwuchs ist da deutlich kritischer, was man z.B. an der Zahl der Eingaben an den Wehrbeauftragten schön ablesen kann.
    Mal sehen, wohin uns das in den nächsten Jahren noch bringen wird. Ich glaube nicht, das wir die Trendwende Personal so jemals schaffen werden.

  • Koffer   |   05. November 2017 - 18:00

    @Spike | 05. November 2017 – 17:45
    „Sie haben sich in diesem Faden eindeutig GEGEN die Weiterverpflichtungsprämie für BS Anwärter ausgesprochen, also jetzt nicht über Zulagen rausquatschen. Klappt nicht.“

    1. Nein, habe ich nicht. Ich habe (leichte) Bedenken gegen BS „Weiterverpflichtungsprämien“ erhoben, aber gesagt, dass ich persönlich damit als Mittel der Personalgewinnung (noch) leben kann, solange sie nicht zu hoch sind.
    2. Ich habe vielmehr dessen gesagt, dass ich eindeutig gegen die Nutzung solcher Prämien für BS bin, denn wer nicht mehr BS sein will, der soll m.E.n. gehen. Und am besten sofort!

    Sie sollten vielleicht nochmals nachlesen, was ich tatsächlich gesagt habe!

    Unabhängig davon hat A („Weiteverpflichtungsprämie“) rein gar nichts mit B („dienstposten-/tätigkeitsbezogene Zulage“) zu tun.

    B ist vor allem dafür da eine erhöhte Belastung physischer oder psychischer Art WÄHREND einer Tätigkeit bzw. der Verwendung auf einem bestimmten Dienstposten auszugleichen. Und dagegen habe ich rein gar nichts. Ich halte es sogar für ein im aktuellen System sehr gutes Mittel…

    [Pension vs. Rente]
    „Aber, ich beklage mich nicht.“

    Sorry, doch. Tun Sie ;)

    Aber mal ganz im Ernst. Ich bin ja auch der Meinung, dass man genau hinschauen muss, ab wann und an welcher konkreten Stelle die Alimentation (sowohl für Aktive, als auch für Ehemalige) möglicherweise unangemessen wird. Aber das kann man nicht pauschal über die 71,x% machen, denn die sind sicherlich nicht unangemessen.

    Ich bin z.B. aber der Meinung, dass für mittlere Dienstgrade in Großstädten zu wenig getan wird (ein Landser, der in der Kaserne in MUC wohnt steht gut da, aber ein OFw mit junger Familie kann mit seinem Gehalt in MUC nicht überleben) etc. etc.

    Also: weniger Generaljammern auf hohem Niveau und mehr konkrete Verbesserungsvorschläge und Sie haben mich auf Ihrer Seite…

  • Koffer   |   05. November 2017 - 18:17

    @Insider | 05. November 2017 – 17:52
    „Kommt aber etwas zum Thema Pension auf, wird sofort der Vergleich mit der zivilen Wirtschaft herangezogen. Was denn nun?“

    Ich stimme Ihnen zu. Die Pension darf nicht 1:1 mit der Rente verglichen werden. Die beiden Gesamtsysteme der Versorgung sind einfach zu unterschiedlich. Ich habe lediglich eines gesagt: 71,x% ist kein Verstoß gegen die Alimentationspflicht und vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen zum Sparen und zur Rettung der Sozialsystem m.E.n. angemessen.

    „Was sagen Sie denn wenn der Dienstherr morgen entscheidet, die Pension auf 60% zu senken?“

    Das kommt darauf an, wie er insgesamt seiner Alimentationspflicht nachkommen wird. Eine Prozentzahl an sich sagt da zunächst einmal gar nichts.

    „Der Dienstherr fordert von seinen Soldaten und ziv. Angehörigen in der gesamten Dienstzeit 100% Zuverlässigkeit. Ist es zuviel verlangt, wenn ich das von meinem Dienstherrn auch fordere?“

    Der Dienstherr hat uns niemals einen konkrete Summe oder einen konkreten Dienstort oder sonst irgend etwas konkretes zugesagt. Er hat „nur“ eines zugesagt, nämlich das er uns angemessen alimentiert und bisher kommt er m.E.n. dieser Zusage nach.

  • Spike   |   05. November 2017 - 21:39

    Verbesserungsvorschläge mach ich nicht mehr.

    Jammern tun ich auch nicht, weil es mir saugut geht.

  • Arty1986   |   06. November 2017 - 16:26

    Mal abgesehen davon, dass das mit den 71,xx% nix mehr wird, wenn man nicht ganz bald pensioniert wird, was ja angesichts der „Weihnachtszugabe“ im letzten Jahr fuer ganz viele nicht mehr der Fall ist, sind „Aussagen“ und selbst „Weisungen“, auch wenn schriftlich vorliegend, schlicht „bedeutungslos“.

    So zB, wenn sich der damit dienstverpflichtete Reservist dann laenger als geplant im Einsatz aufhaelt, anschliessend aber „freundlichst“ aus der „Etappe“ und abschliessend vom Juristen des WB darauf hingewiesen wird, seine aus diesem „rechtmaessig und verbindlichen Befehl“ folgenden Leistungen ja mittels einer Zivilklage gegen denjenigen, der – trotz vorherigen, ausdreucklichen Hinweises auf die besondere Situation des betroffenen WUeb und das daher gebotene Vorgehen – den entsprechenden Antrag fehlerhaft gestellt hatte, einfordern zu koennen.

    Besonders „motivierend“ ist auch stets der Hinweis fuer bereits/noch „Aktive“, die „Agenda“ gelte ja schliesslich „nicht fuer Bestandskunden“!

    Ja, wir Sdt werden grds ordentlich besoldet und werden vmtl auch im Ruhestand nicht zwangsweise unter der Bruecke naechtigen, ABER die Art und Weise, wie die PersFhrg – nicht erst seit gestern – mit dem wertvollsten „Gut“ umgeht, ist doch deutlich „suboptimal“.

    Oder wie sonst ist zu erklaeren, dass es zB schwierig ist, schlappe 10000 Sdt in Einsaetze zu schicken, angesichts einer „Staerke“ von 17×000?

    Die durch entsprechende Stellenbesetzungs-/Versetzungspraxis oder schlichtweg Weigerung einzelner Beteiligter, befaehigte UND willige Kameraden auch einmal „ziehen zu lassen“ entstehenden „Motivationsschuebe“ will ich gar nicht weiter thematisieren.

  • Koffer   |   06. November 2017 - 23:22

    @Arty1986 | 06. November 2017 – 16:26
    „Oder wie sonst ist zu erklaeren, dass es zB schwierig ist, schlappe 10000 Sdt in Einsaetze zu schicken, angesichts einer „Staerke“ von 17×000?“

    Durch eine kopf-/ämter-/alterslastige, truppenferne Struktur und eine „über“-soziale (Nicht-DU Praxis in Verbindung mit einem jeder-kann-machen-was-er-will-und-wird-trotzdem-befördert…