Zu heiß in Mali: Niederlande sperren Munition im UN-Einsatz

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Angesichts der Sicherheitsprobleme wegen der hohen Temperaturen haben die Niederlande einen Teil ihrer Munitionsvorräte im UN-Einsatz in Mali gesperrt. Verteidigungsminister Klaas Dijkhoff und Außenminister Bert Koenders informierten das Parlament am (heutigen) Montag über diesen Schritt, wie mehrere niederländische Medien berichteten. Die Vorsichtsmaßnahme ist auch Folge eines Unfalls mit Mörsermunition im vergangenen Jahr, bei dem zwei niederländische Soldaten in dem westafrikanischen Land ums Leben kamen und der zum Rücktritt von Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert geführt hatte.

Betroffen von der Sperrung sind insbesondere Anti-Panzer-Munition sowie Rauchgranaten, berichtete das NRC Handelsblad:

Den niederländischen Streitkräften in Mali wurde das Schießen auf mehrere Waffen verboten, die sich nach Inspektionen als untauglich erwiesen. Das Verteidigungsministerium hat dazu ein Schreiben an das Parlament gerichtet. Dies sind Mörser, Panzerabwehrwaffen und Rauchgranaten, die in Mali verwendet werden. Die LAW Panzerabwehrwaffe , die von der Schulter abgefeuert wird, sollte vorerst nicht verwendet werden. Diese Waffen- und Rauchgranaten können im Einsatzgebiet unter hohen Temperaturen leiden. Früher waren 60mm-Mörser nicht sicher, weil sie in einem Container mit Temperaturen bis zu 63 Grad Celsius gelagert wurden, während die Munition nicht mehr als 50 Grad ausgesetzt werden konnte.

(Übersetzung via deepl.com)

Die genauen Waffensysteme sind aus den Meldungen nicht so ganz klar, unter anderem weiß ich nicht, ob die auch von den niederländischen Streitkräften genutzte (deutsche) Panzerfaust betroffen ist. Die Nutzung der 60mm-Mörser war bereits nach dem Unfall 2016 untersagt worden.

Die Streitkräfte aus dem Nachbarland sind zusammen mit der Bundeswehr in Gao im Einsatz, außerdem in Kidal ebenfalls im Norden Malis. Die deutschen Soldaten hatten einen Großteil der niederländischen Truppe abgelöst.

Weitere Berichte aus den Niederlanden:

NOS
RTV Noord

(Danke für den Leserhinweis.)

(Archivbild: Niederländische Aufklärer im Mali-Einsatz – defensie.nl)

34 Gedanken zu „Zu heiß in Mali: Niederlande sperren Munition im UN-Einsatz

  1. In verschiedenen NLD-Quellen werden die o.g. MunSorten als zunächst gesperrt benannt, dabei Mrs 81mm und 60 mm, 66 mm für LAW M 72 und Rauchkörper.
    Die 60 mm nicht aus aktuellem Grund (Hitze) wie @T.W. bereits oben darstellte, sondern wegen Handhabungsunsicherheiten, die aber auch, wie bei den neuerlichen Fällen, auf Temperatureinflüsse zurückgeführt wurden und zu zwei Todesfällen am 06.07.16 führten.

    Beeinträchtigungen auch der Mun beim SSchtzGew ACCURACY im Kal. 338 Lapua Magnum (8,6 x 70mm) konnte ich textlich nicht erkennen; es gibt nur ein Foto im Zusammenhang mit Inspektionen von in Mali verwendeten Waffen, auf dem ein ACCURACY „betrachtet“ ist, was aber kein Sperrbeleg sein kann.

    Seit vergangenem Samstag sind alle Aktivitäten der Niederländer bei MINUSMA wieder aufgenommen worden, nachdem noch die frühere NLD IBuK Mitte September sämtliche auf STOP gesetzt hatte, um die waffentechnischen Untersuchungen kontrolliert ablaufen zu lassen.
    Es gibt eine Ausnahme, und zwar für den Einsatzort KIDAL. Grund ist hier, dass bei der Untersuchung des letztjährigen Schießunglücks deutlich wurde, dass die „NLD-golden hour-MINUSMA“ von zwei Flugstunden GAO – KIDAL um 10 min überschritten wird.
    (Das betrifft dann ja wohl DEU HubSchr (?), wird aber nicht erwähnt).
    Wie den sanitätsdienstlichen Erfordernissen nunmehr Rechnung getragen wird, steht noch offen.
    In KIDAL ist eine vorgeschobene AufklEinh stationiert.
    Der neue NLD GI, Luitenant-admiraal Rob Bauer, besuchte letzte Woche Mali und setzte sich nachhhaltig für den Verbleib des NLD Militärs bei MINUSMA ein.

    Bei der Quellensuche fiel mir noch Folgendes auf:
    Das DEU PzBtl 414, mit einer NLD PzKp, hat erstmals einen NLD stvBtlKdr: Maj Chris Sievers, seit Freitag letzter Woche.
    https://www.defensie.nl/actueel/nieuws/2017/10/23/nederlander-in-leiding-van-duits-tankbataljon

  2. Da es sich für die Gegenseite um einen grenzüberschreitenden Kampf handelt, sind an der Stelle vielleicht die neuen Details zu den Gefallen US-Soldaten in Niger (knapp 400 km entfernt von GAO und in unmittelbarer Nähe zur logistischen Basis des deutschen MINUSMA-Kontingentes) interessant:
    https://www.militarytimes.com/news/your-military/2017/10/23/top-general-provides-new-details-on-niger-attack/

    Die Gegenseite scheint wenig Probleme mit hitzebedingten Sperrungen zu haben – oder deswegen der Angriff in den Morgenstunden…?

    Nach meinem Eindruck nur eine Frage der Zeit bis komplexe Hinterhalte auch im Raum GAO deutsche Soldaten betreffen.

  3. Die LAW Panzerabwehrwaffe M 72 stammt aus den USA und wurde dort bis 1983 produziert. Seit dem wird sie nur noch in Norwegen in Lizenz produziert. Deshalb meine Frage, stammen die Niederländischen LAW aus den USA und die Munition ist damit überaltert oder noch aus norwegischer Produktion?

    Und da Israel und die Türkei die Panzerabwehrwaffe auch verwenden, zwei Länder in denen es auch sehr heiß werden kann, frage ich ich mich, liegt es wirklich an der Hitze oder ist nicht viel mehr alte Munition das Problem, welche wegen dem Alter mehr Hitzeempfindlich ist, als neue Munition wäre?

  4. Wau… unter dem Gesichtspunkt wird der Klimawandel dann ja evtl. noch als friedensfördernde Maßnahme relevant. :P

  5. @closius
    Der hier im Vorgängerfaden bereits angerissene NLD-Untersuchungsbericht zum Unfall beim Umgang mit Mörsermuntion, der am Ende auch zum Rücktritt der Ministerin führte, stellte Handhabungs- und Verfahrensfehler bei Transport und Lagerung von Munition unter den in Mali vorherrschenden Bedingungen fest.
    Siehe dazu auch die obige Darstellungvon @T.W. zu festgestellten Umgebungstemperaturen bei MrsMun 60 mm. Die NLD Regierung hatte daraufhin diese aber auch die infrage stehende „M72A3 LAW Mun“ sofort gesperrt und den Austausch verfügt. Da der Einsatz in Mali, ausgenommen KIDAL aus sanitätsdienstlichen Gründen wieder aufgenommen wurde, darf der MunAustausch als vollzogen unterstellt werden.

    Zur M72A3 (licht antitankwapen [LAW]) = Leichte PzAbwWa:
    Interessanteweise wird als Produzent „Talley Industries (Großbritannien)“ angegeben, nicht etwa ein Produzent aus den USA oder NOR. Der Lieferzeitpunkt der zugehörigen 66 mm Mun lässt sich den öffentlich zugänglichen Unterlagen, soweit mir bekannt, nicht feststellen. Zum Gesamt-Hintergrund und Einordnung der LAW noch aufschlussreich, die Waffe ist als Alternative zur PzFst 3 ausschließlich im KCT = Korps Commandotroepen ~ KSK eingesetzt. Damit wird klar, die NLD Spezialkräfte sind in Mali im Routine-Einsatz präsent, was jedoch auch dort öffentlich nicht diskutiert wird.
    Zusammengefasst:
    1. Die Vorkommnisse mit Mun, die von den NLD Streitkräften in Mali in Nutzung stehen, sind ausschließlich auf Regelverstöße bei Transport aus den NLD nach Mali und in der Lagerung im Einsatzland selbst
    zurückzuführen.
    2. Von Nutzen könnten Informationen sein, ob/inwiefern das DEU Kontingent ihrerseits auf Veranlassung BAAINBw Änderungen der Lagerung bei der durch Bw genutzten Mun vollzogen wurden.

  6. @closius @KPK
    „Interessanteweise wird als Produzent „Talley Industries (Großbritannien)“ angegeben“
    Da Talley zu NAMMO gehört ist @closius Frage wohl geklärt.

  7. Das inbegriffene Schaubild im Link https://bw2.link/hRlBJ verdeutlicht die vierstufige Rettungskette in Mali graphisch, dabei die Transportverantwortung mit (derzeit) DEU NH90.
    http://www.janes.com/article/68499/german-nh90s-begin-medevac-mission-in-mali

    Im Zusammenhang mit der in Rede stehenden NLD Munitionsproblematik ergab sich, dass die NLD ihren Einsatz von KIDAL aus nach wie vor unterbrochen haben, da die Rettungskette KIDAL – GAO nicht so steht, wie die NLD „golden-hour“ – Vorgaben dies vorsehen. Konkret dauert der Flug 10 min zu lange. In GAO selbst berufen sich die NLD auf ein CHN (!) und auch FRA role 2-hospital.

    Bis zum STRATAIRMEDEVAC via NIAMEY/NIGER ist ausschließlich taktischer Verwundetentransport mit milHubSchr erkennbar. Die angespannte Sicherheitslage in NIGER nach dem Tod von vier U.S. SOF muss auch in NIAMEY zu weiteren vorsorgenden Sicherheitsmaßnahmen führen.
    https://www.defensenews.com/news/your-military/2017/10/23/top-general-provides-new-details-on-niger-attack/

    Im Fall des Munitionsunglücks mit zwei NLD Soldaten eines MrsTrp am 06.07.16 wurden die Verwundeten allerdings nach BAMAKO in ein von TOGO betriebenes Lazarett geflogen, zuständig für MINUSMA und EUTM; dieser innermalische VwuTrsp somit außerhalb der Rettungskette in Bw-Verantwortung?
    Sind also civilian contractor in Mali beauftragt, z.B. http://www.airambulanceinmali.com?

  8. Frankreich hat die USA aufgerufen, mehr Soldaten in den Niger zu schicken.

    Man kann einerseits sagen, dass der Regime Change in Libyen gerade Al Kaida ermächtigt hat, sei es durch Waffenlieferungen durch die USA oder durch Zugriff auf das libysche Arsenal, zu einem derart großen Problem heranzuwachsen (vgl. auch Bengasi-Anschlag).
    Andererseits würde Nichtstun darauf hinauslaufen, dass Al Kaida nicht nur eine militärische Macht darstellt, sondern auch Einfluss in Wirtschaft und Politik (wie Hisbollah im Libanon mit immerhin 14 von 128 Sitzen im Parlament) und damit Rückhalt in der Zivilgesellschaft gewinnt.

  9. Ersatz angekommen.
    Ein Kampfhubschrauber Tiger vom Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar ist am 27. Oktober mit einer Transportmaschine vom Flughafen Leipzig nach Mali geflogen worden.
    Deutsches.Heer.de

  10. Die BW meldet heute auf ihrer HP,. daß der vierte Tiger Kampfhubschrauber, Ersatz für den abgestürzten Hubschrauber, auf dem Weg nach Mali sei. Der Tiger sei heute von einer Antonov von Leipzig aus nach Bamako in Mali geflogen worden.

    Dort soll der Hubschrauber wieder zusammengesetzt werden und dann nach Gao weiterfliegen.

  11. @Memoria

    Nur mal als Hinweis, weil in den vergangenen Tagen der US-Einsatz im Niger in Verbindung zu Mali gebracht wird: Regional und sicherheitspolitisch gibt es diesen Zusammenhang. Aber so ganz locker wird dabei übersehen, dass es für die Bundeswehr ein Mandat für den UN-Einsatz in Mali gibt, nicht für einen allgemeinen militärischen Einsatz in der Region (auf welcher rechtlichen Grundlage überhaupt?)

    Ich wäre dankbar, wenn das hier nicht einfach alles so vermengt würde nach dem Motto „Ist ja ganz in der Nähe, kann die Bundeswehr doch mitmachen“.

  12. @T.W.:
    Es geht nicht ums „mitmachen“ (?).
    Der Bericht legt nahe, dass mittlerweile auch Spezialkräfte in Mali aktiv sind. Und zwar wohl im Großraum GAO.

    Dies zeigt lediglich, dass der Konflikt sich dort weiter intensiviert. Die Lage um uns herum ist einfach „vermengt“.

    Das wird sich früher oder später operativ und taktisch auch auf MINUSMA und das deutsche Kontingent auswirken.

    Alldas sagt nichts darüber aus, dass die Bundeswehr irgendwo dort „mitmachen“ soll.

    Man wird eben erneut, wenn es zu spät ist, verwundert feststellen, dass man die Lage leider falsch eingeschätzt hat.

  13. Im obigen Kommentar fehlt vor Spezialkräfte das Wort „amerikanische“.
    Hier dazu etwas mehr:
    http://www.nbcnews.com/news/africa/amp/u-s-now-moving-toward-armed-drones-lethal-force-niger-n814341

    Was hat das mit MINUSMA zu tun?

    Offenbar intensivieren die USA ihre Anstrengungen in diesem Bereich.

    Gleichzeitig beginnt der Aufbau der G5 Sahel-Anti-Terror-Truppe.

    Diese wird wohl in extremis u.a. MedEvac Unterstützung von MINUSMA bekommen.
    Die Vorschläge der UN werden am Montag im UN-Sicherheitsrat besprochen:
    http://m.whatsinblue.org/479808/show/c94f98d9279c83df6aeb3995ff06f747?t=t40v9376sodnv97ot3ma10vr21

    Im dort verlinkten Bericht wird nochmal deutlich, dass Deutschland sich hier aktiv beteiligen will.

    Hier entwickelt sich damit immer mehr eine Vermischung der Aufgaben der einzelnen Missionen. Gleichzeitig fehlt weiter eine echte Koordination.

    Gleichzeitig sind die Europäer mit der Sperrung von Munition beschäftigt.

  14. Hier noch ein Blick auf die transnationalen Aktivitäten der Gruppierung, die sich zum IS bekannt hat:
    http://m.france24.com/en/20171019-jihadist-ambush-usa-forces-niger-danger-sahel-islamic-state-jihadi-terrorism

    Gleichzeitig wird immer mehr deutlich, dass MINUSMA vorallem mit sich selbst beschäftigt ist. Es bestehen zudem erhebliche interne Koordinationsprobleme.
    Sehr gut hier zusammengefasst:
    http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/03071847.2017.1328810.

    Damit verbunden sind die Ideen von Macron Europa stärker in gemeinsamen Einsätzen zu engagieren (https://rusi.org/commentary/macrons-initiative-europe-frances-moment-take-helm). Es ist absehbar, dass Frankreich hier primär an einen Einsatz in der Sahelzone denkt. Auch zur Entlastung der französischen Armee bei Barkhane.

    Aber alldas passt nicht in die heile Welt der Jamaika-Gespräche und der überholten Vorstellungen von Blauhelmeinsätzen.

  15. Hier noch ein sehr interessantes Interview mit dem für mandatierte Einsätze zuständigen Referatsleiter im BMVg:
    https://youtu.be/UoVHWjgbe0w

    Selten ehrlich wird erläutert wie schwierig das Verhalten der malischen Regierung und die VN-Bürokratie ist.
    Augengeradeaus.net wird auch erwähnt bezüglich der Kooperation der einzelnen Missionen.

    Da fragt man sich dann abschließend schon:
    Warum tun wir uns das an?

  16. @Memoria

    Danke für den Hinweis – diese Podcast-Reihe ist doch bislang glatt an mir vorbei gegangen.

    (Und da habe ich doch glatt ein Argument für meine entsprechenden Anfragen für Interviews mit Inspekteuren, Abteilungsleitern, Referatsleitern im BMVg. Ist nämlich bisweilen nicht gar so einfach, die zu einem Interview on the record zu bekommen.)

  17. @all

    Und noch mal der Hinweis auf das Mandatsgebiet der Bundeswehr im MINUSMA-Einsatz:

    Einsatzgebiet
    Die deutsche Beteiligung an MINUSMA erfolgt vorrangig innerhalb Malis.
    Unterstützungsleistungen zur Unterstützung der in den Resolutionen 2100
    (2013), 2164 (2014), 2227 (2015) und 2295 (2016) unter den dort genannten
    Voraussetzungen autorisierten französischen Kräfte bei Lufttransport und bei
    Bedarf ggf. Luftbetankung können in und über Mali sowie in und über Staaten
    erfolgen, von denen eine Genehmigung der jeweiligen Regierung vorliegt.

    So steht es im aktuellen Mandat, und das soll unverändert um drei Monate verlängert werden.

    Die Unterstützung französischer Truppen ist eindeutig auf Lufttransport und Luftbetankung beschränkt; einen Spielraum für einen deutschen Einsatz jenseits der Grenzen Malis z.B. im Niger sehe ich da nicht. Dafür müsste das Mandat ausgeweitet werden.

  18. @T.W.:
    Dann bin ich mal gespannt wie das BMVg künftig reagiert.
    Das Interview ist aus meiner Sicht wirklich von beiden Seiten sehr sachlich und fundiert.

    Zum Mandatsgebiet:
    Zumindest ich habe hier nicht von einem Einsatz im Niger gesprochen. Es geht eher darum, dass die Gesamtlage eben nicht getrennt betrachtet werden sollte. Auch aus Sicht des VN-Generalsekretärs verschlechterte sich die Lage sogar im letzten Quartal erheblich. Die VN wollen sich hier wohl sehr stark auf Barkhane und G5 abstützen und im Gegenzug G5 logistisch unterstützen.

    Mit der Aufstellung der G5-Bataillone wird besonders auch MINUSMA, Sector East, auch logistisch und taktisch in extremis unterstützen. Ob das Mandat hierfür angepasst werden muss, hängt wohl an der Art der Umsetzung durch die VN ab.

    Hier geht es dann insbesondere um Hubschrauber aus Gao.
    Da sind wir dann bald sehr stark im Blick.

    Belgien wird ja wohl ab März 2018 zwei NH90 stellen.
    Aber ob es dann – wie versprochen – zum Komplettabzug der Tiger und NH90 kommen wird, ist wohl noch nicht klar.

    Insgesamt stellt sich die Frage was man dort wirklich wie und womit erreichen will.

    Daran müssten sich dann im neuen Jahr auch die Mandate ausrichten. Rundum Gao wäre die Bundeswehr schon mehr als ausgelastet. Der Feindruck wird auch dort zumindest gleichbleibend sein. Und damit erhalten die dortigen Gruppierungen der Gegenseite was sie wollen:
    Bewegungsfreiheit.

    Man wird sich in der neuen Regierung also sehr schnell mit dem Spannungsfeld zwischen eigenen Ambitionen, Erwartungen der engsten Verbündeten und der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr beschäftigen müssen.

  19. Nach Oberst i.G. Urbach bestehen die wesentlichen Probleme innerhalb Malis (neben der Bürokratie) offenbar im Festhalten an überkommenen ökonomischen Gewohnheitsrechten der Stämme. Die Stämme beherrsch(t)en den Handel mit allem, was es gilt durch die Wüste zu transportieren; früher Sklaven heute z.B. Zigaretten, Flüchtlinge oder auch Waffen etc. für jeden der bezahlt.
    Aus dem europäischen Mittelalter und der frühen Neuzeit (zur See) eine durchaus bekannte Variante wie durch gruppenbezogene, eine wirtschaftliche Basis betreffende Auseinandersetzungen letztlich Konflikte entstehen, die staatliches Handeln herausfordern und gegenseitige Abhängigkeiten provozieren: die Fugger – das Papsttum – Karl V.

    Erst wenn Politik die Probleme in Mali (und im Sahel) löst, wird dem islamischen Extremismus der Boden entzogen werden,kann eine Schlussfolgerung lauten.
    So denn diese Probleme in der Tat mehrheitlich ökonomischer Natur sind, kommt es also darauf an, den Stämmen eine legale, gesicherte Basis ihrer Existenz zu garantieren, und zwar allen gleichberechtigt nebeneinander. Nur hat der Oberst auch sehr schön herausgearbeitet, wie Interdependenzen ökonomische, soziale und Machtansprüche beinhalten, die sich wechselseitig beeinflussen.

    Nach den Ausführungen im Podcast-Interview bin ich für die G5 desillusioniert.
    Die Fünf: Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und der Tschad, gehören der FRA bzw GBR Staats- und Truppenführungstradition an, was zu überbrücken ohnehin in AFRIKA schon fordernd genug sein dürfte; zudem sind sie Konkurrenten um die Fleischtöpfe im Sahel und Schwarzafrikaner oder Weiße, die sich noch bs vor wenigen Jahrzehnten schwarze Sklaven hielten. Das dabei eine Staatsgrenzen übergreifende Koordinierung auf gesellschaftspolitische und soziologische Beschränkungen trifft, wen wundert’s, mit Blick auf das entwickelte NATO/EU-Umfeld und eigenen Zusammenarbeitserfordernissen.

    Zum Mandatsgebiet:
    Zumindest ich habe hier mehrfach Beiträge zur Lage im NIGER nach dem Hinterhalt am 05.10.17 auf eine U.S. SOF Patrouille mit dem Tod von 4 Soldaten eingestellt, die aber nicht berücksichtigt wurden.
    Dass der NIGER nichts mit dem Einsatzgebiet der drei Missionen MINUSMA, EUTM und https://eucap-sahel-mali.eu/ in direkter Abfolg gemein hat, ist eine Binse.
    Aus meiner Sicht steht aber genauso fest, mit Blick auf die tatsächliche Lage im Sahel handelt es sich um politisch-künstliche Festlegungen, geschuldet parlamentarisch-gesellschaftlichen Zustimmungsprozessen und militärischen Fähigkeiten, nicht nur in DEU. Zumindest das Handeln der jeweiligen Gegner in allen betroffenen Staaten lässt unschwer erkennen, in deren Operationsführung bestehen diese westlichen Künstlichkeiten nicht, im Gegenteil, Selbstbeschränkungen erleichtern deren Geschäft.
    Es darf einen MINUSMA Truppenteil nämlich keineswegs unberührt lassen, wenn 80 Km südlich der malisch-nigrischen Grenze NATO-Partner Luftunterstützung erbitten und diese erst seitens BARKHANE nach einer Stunde im Kampfgebiet verfügbar wird, da die MIRAGE 30 min Anflug hatten.

  20. @KPK:
    „So denn diese Probleme in der Tat mehrheitlich ökonomischer Natur sind, kommt es also darauf an, den Stämmen eine legale, gesicherte Basis ihrer Existenz zu garantieren, und zwar allen gleichberechtigt nebeneinander.“

    Genau solche Vorstellungen eines „social and economic engineering“ sind zum Scheitern verurteilt.

    Für MINUSMA ist es auch nicht relevant was ein NATO-Staat im Nachbarstaat macht. Wichtiger sind Schnittstellen zwischen MINUSMA, EUTM, den malischen Sicherheitskräften (nicht nur die Armee), Barkhane und G5. Eventuell bald auch ein ausgeweitetes Engagement von AFRICOM.

    Insgesamt gibt es für die nomadischen Gruppierungen im Norden wirtschaftlich und kulturell sehr viel zu verlieren.
    Hier knüpfen auch radikale Gruppen an. Es ist ein Kampf um um die wirtschaftliche und kulturelle Existenz. Deswegen ist auch der Verweis auf das Friedensabkommen nur begrenzt überzeugend. Solange die malische Regierung hier keine ausreichenden Zugeständnisse für eine Autonomie macht, wird es nicht gelingen wesentliche Teile der Tuareg-Stämme für ein Friedensabkommen zu gewinnen. Wir Europäer sollten mit Blick auf Katalonien vielleicht allzu sehr in Mali erklären worauf es hierbei ankommt.

    Wohingegen die internationalen Kräfte nicht wirklich etwas erreichen wollen – außer lebend zurück zukommen.

    Mission impossible.

    Dies sollte man im Hinterkopf haben, wenn es wieder um „mehr Verantwortung“ in Afrika geht. Ich bin sehr gespannt wie realistisch die deutsche Afrikapolitik der neuen Bundesregierung sein wird. Man sollte sehr vorsichtig sein, wenn die Rufe der Sirenen aus Paris ertönen. Es endet in einer (weiteren) Odyssee.

  21. @Memoria
    Ihren Ausführungen kann ich meist weitgehend zustimmen. Dem „Für MINUSMA ist es auch nicht relevant was ein NATO-Staat im Nachbarstaat macht“ aber keinesfalls.
    Nicht weit von GAO entfernt kämpften Marines um ihr Leben und fragten nach CAS. Die USA haben in NIGER weder die Air Force präsent, noch vor Westafrika einen Träger.
    Wer Hilfe verweigert, mit Hinweis auf ein Mandat, macht sich der Beihilfe zur Tötung durch Unterlassung schuldig. Die Getöteten sind amerikanische Soldaten im Kampf gegen Boko Haram, gegen Terroristen, die auch im Süd-Osten Malis operieren!

  22. So, ehe wir jetzt lustig spekulieren, schauen wir jetzt erst mal auf die Fakten. Die Zeitverzögerung beim französischen CAS beruhte ja nicht etwa darauf, dass die Franzosen das verweigert hätten, sondern auf Kommunikationsproblemen, bis die Mirage alarmiert wurden.

    Jetzt so komische Dinge zu konstruieren, die man sich ausdenken mag, gehört in irgendwelche anderen Ecken des Internet, hier findet das nicht statt.

  23. Von Verweigern hab ich nicht gesprochen. 30 min bis zur Alarmierung und 30 min Anflug, die U.S.-Quellen hatte ich Ihnen vor Tagen hier genannt.
    Darauf kommt es allerdings auch nicht so sehr an, vielmehr beklage ich Aussagen wie „geht mich nichts an, weil nicht mein Mandat“.
    Dann fröhliches Sterben, wenn Bw z.B. in NIAMEY Hilfe bräuchte und Partner ziehen sich hinter bequeme Mandatslagen zurück.
    Von GAO aus sind’s übrigens < 30 min Anflug, sofern meine bescheidenen HubSchr Kenntnisse nicht trügen.

  24. @KPK:
    Da haben Sie wohl eine Meinung fernab der Einschätzung der Amerikaner:

    „The French saved our men,“ the official said. „Yes, we lost four. But we would have lost everybody if it wasn’t for the French.“
    http://abcnews.go.com/International/niger-attack-details-emerge-deadly-ambush-us-soldiers/story?id=50760427

    Ich empfehle den ganzen Bericht aufmerksam zu lesen.

    Die Amerikaner untersuchen derzeit, ob es im eigenen Bereich zu Fehlern kam.

    Auf den zweiten Blick ist es eben meistens anders als man denkt.
    Zumal Barkhane in dem Bereich keine derartigen Mandatsbeschränkungen kennt.

  25. Wessen man sich oft nicht gewärtig ist ist, daß Afrika RIESIG ist. In Afrika kann man die Landfläche von ganz Westeuropa, den USA und China gemeinsam unterbringen und hat dann noch genug Platz für Kanada. Madagaskar allein ist so groß wie Großbritannien. Die Amerikaner waren wohl 150 km von ihrem Stützpunkt entfernt. Die Entfernungen sind einfach enorm. Selbst ein Jagdbomber wie die Mirage 2000 oder die Rafale brauch Zeit, um von ihrem eigenen Stützpunkt aus zum Unterstützungseinsatz heranzukommen. Wenn man da draußen ist, ist man erstmal allein auf sich gestellt. Zu kleine Einheiten einzusetzen kann dann fatale Folgen haben. Die US-Kräfte waren lediglich 12 SOFs und lokale Truppen. Die Franzosen operieren üblicherweise nicht unter einem verstärkten Zug oder zwei Zügen zusammen, in der Sahara sogar in Kompaniestärke, unterstützt von VBRs und ERC-90s.

  26. @KPK:
    Wenn ich sie richtig verstehe, dann sind sie der Ansicht, dass wir hier hätten unterstützen sollen. In diesem Fall sind wir wohl wirklich die letzte Wahl. Politisch, rechtlich und praktisch.

    In dem Bereich sind einige andere Kräfte unterwegs, die geeigneter sind.

    Wie bereits oben beschrieben ist auch JSOC in dem Bereich aktiv. Es fehlen bisher jedoch die geeigneten „enabler“ – auch für CAS. Ein indirekter Einsatz (Aufklärung und Beratung) kommt eben ab einem gewissen Zeitpunkt an seine Grenzen.
    Dieser Zeitpunkt ist nun erreicht. Die amerikanische Administration zieht daraus wohl Konsequenzen:
    https://www.nbcnews.com/news/africa/u-s-now-moving-toward-armed-drones-lethal-force-niger-n814341

    Dies wiederum wird auch die Dynamik im Großraum Gao verändern.

    Gleichzeitig mehren sich Hinweise auf wachsende Übergriffe der malischen Streitkräfte auf die Zivilbevölkerung:
    https://www.hrw.org/news/2017/09/08/mali-unchecked-abuses-military-operations

    Dies sollte man auch mit Blick auf die G5 im Blick haben.

    Im Kern ist eben mehr Ausrüstung oder unser Engagement nicht das Thema, sondern der völlig verfehlte politische Gesamtansatz – mit seinen „gewöhnlichen“ Folgen in einem COIN-Szenar. Der Westen hat eben Afghanistan und Irak bis heute nicht wirklich ausgewertet und umfassende Lehren daraus gezogen.

  27. In Bamako kam es wohl – nach einem heutigen Bericht der New York Times – im Sommer 2017 in einem Unterkunftsgebäude der US-Botschaft zu einem an einem Mord an einem Angehörigen der Army Special Forces durch Angehörige der DEVGRU (SEAL Team 6):
    https://mobile.nytimes.com/2017/10/29/us/politics/navy-seals-team-6-strangle-green-beret-mali.html

    Interessant daran vorallem die Anwesenheit der DEVGRU in Bamako. Passt zu den Berichten, dass es eine JSOC-Einheit gibt, die Ziele identifizieren soll.

    Aber das ist natürlich schon sehr weit weg von den Problemen der Niederländer mit der Hitzebeständigkeit von Munition.

    Aber Mali wird wohl künftig noch öfter in den Nachrichten sein – selten mit guten Neuigkeiten.

  28. Bei einem Vortrag berichtete ein ehemaliger Angehöriger des deutschen MINUSMA-Kontingentes von Problemen mit der Hitze bei den „übertechnisierten“ Hubschraubern und Fahrzeugen, aber auch von zu viel Selbstbeschäftigung und insbesondere einer auf Verlustvermeidung ausgerichtete militärische Führung. Daher passt die Überschrift der Augsburger Allgemeinen: „Ist die Bundeswehr in Mali überflüssig?“ (online verfügbar).

  29. @ Memoria

    Ich habe den Artikel in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ auch gelesen. Die Kernaussage des ehemaligen Einsatzberaters der Bw für den Mittelmeerraum und Mali, sowie Oberstleutnant der Reserve lautet: „Es ist nicht erkennbar, welchen Auftrag die Bw in Mali ausführt“.

    Halten wir also fest, es ist ein externer Afrikafachmann, der die Bw in Mali beraten hat und folgedessen auch den Dienstgrad „Oberstleutnant der Reserve“ bekommen hat (vermutlich studierter Zeitoffizier, der nach seinem Aussscheiden sich mit Afrika befasst hat und dann in Form von Wehrübungen die Bw im Einsatz beraten hat und den Dienstgrad erreicht hat).

    Der Vorwurf von ihm richtet sich aber wenigier an die Bw, als an die Politik. Das Einsatzmandat für die UN-Stabilisierungsmission in Mali ist jedoch für die Bw klar gefasst „Technische Unterstützungsleistung in Form von Lufttransport, Schutz aus der Luft, Verwundetentransport und Aufklärung“.

    Also sein Vorwurf lautet warum macht die Bw nicht mehr in Mali ?

    Dies müssen aber das BMVg und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages beantworten und nicht die dort eingesetzten Soldaten !

    Das die eingesetzten Hubschrauber und die Dingos usw nicht für Afrika gebaut wurden ist auch klar und das bei einer Operation mit großen logistischen Anteilen die Masse der Soldaten das Camp nie verlassen ist auch normal (lt. Aussage 80 % der Soldaten verlassen das Camp nie). Vermutlich waren diese Zahlen in AFG nicht viel anders.

    Das die Vorgesetzten vor Ort bei dieser Auftragslage (Unterstützung der UN-Mission) nach Möglichkeit Risiken für die eingesetzten Soldaten zu vermeiden suchen, halte ich für legitim und im Rahmen des Fürsorgeanspruchs der Soldaten gegenüber ihren Vorgesetzten auch für geboten.

    Die Bw hat dort keinen Kampfauftrag im engeren Sinn !

    Um auf die eingangs gestellte Frage „Ist die Bw in Mali überflüssig“, zu antworten, sicherlich nicht, sonst könnte die UN-Mission nicht weiter durchgeführt werden.

    Ist die UN-Mission ausreichend um das gewünschte Ziel, die Stabilisierung der Regierung in BAMAKO zu erreichen ? Sicherlich nicht.

    Die afrikanischen Regierungen müssen jedoch den Föderalismus lernen, nach Prof. Herfried Münkler. Solange wesentliche Teile der Bevölkerung von den Ressourcen des Landes ausgeschlossen werden, wird es dort unten keinen Frieden geben. Dies kann keine UN-Mission ausgleichen !

    Aufgabe der Weltgemeinschaft wäre es der herrschenden Klasse in Bamako klar zu machen, dass sie teilen müssen !

  30. @Georg:
    In dem Beruf hat werden ja verschiedene Themen angesprochen und natürlich richtet sich der Handlungsbedarf dabei nicht nur an die Bundeswehr.

    Trotzdem zeigt der Bericht, dass es offenbar weiterhin im Kontingent Unsicherheiten gibt.

    Kampfeinsatz hin oder her scheint es verschiedene Sichtweisen geben was sinnvoll und notwendig ist.
    Auch das kennt man von ISAF.

    Unterm Strich sehen sie den Einsatz ja auch für wenig sinnvoll an. Soll man nun warten bis die „Weltgemeinschaft“ die Regierung in Bamako überzeugt hat?

    Das versuchen wir in Kabul seit 15 Jahren.

    Genau diese Probleme lassen den Einsatz absehbar scheitern – es ist nur noch die Frage wie stark wir uns darin militärisch engagieren.

  31. @ Memoria

    Zitat: „Genau diese Probleme lassen den Einsatz absehbar scheitern – es ist nur noch die Frage wie stark wir uns darin militärisch engagieren.“

    Wenn wir den eigentlichen Grund für die Aufstandsbewegungen in Mali kennen, wäre es dann nicht sinnvoll, die Völker im Norden durch einen gesunden Interessensausgleich zwischen der Regierung in Bamako und den Aufständischen zu befrieden ?

    Statt dessen mit mehr Militär den Aufstand zu unterdrücken erscheint mir nicht zielgerichtet und wird die Region höchstens vorübergehend beruhigen (siehe auch momentane Situation in AFG).

    Wenn die Weltbank Kredite vergibt, dann setzten die knallharte Bedingungen für die Empfängerländer durch und die UN ist nicht in der Lage dies auch von der Regierung in Bamako zu fordern ?

    Wenn man in einem Ursache – Wirkung Szenario denkt, dann bringt es auch nichts mehr Mittel von der falschen Sorte (mehr Militär, mehr Kampfkraft) in das Land zu bringen. Um den Vergleich mit AFG zu machen, den Sie ja auch öfters mit Mali machen, für eine Mission Creep hat der „Surge“ 2010/11 mit 110 – 120000 Soldaten in AFG auch keine nachhaltige Wende gebracht.

    Im nachhinein betrachtet wäre OEF die richtige Vorgehensweise gewesen und nicht ISAF ! Jetzt sind wir dabei in Mali die gleichen Fehler zu begehen.

    Nur mal aus Neugier, warum haben denn Teile der malischen Armee, die von den Amerikanern ausgebildet wurden, 2011/12 die Seiten gewechselt ? Und kam die jetzige Regierung in Mali nicht 2011 durch einen Staatsstreich an die Macht ?

    Welches Angebot hat man denn den ehemaligen malischen Söldnern von Gaddafi, denen man durch den Militärschlag von GB / FRA / USA und ITA in Libyen die Existensgrundlage entzogen hat, gemacht um in Mali wieder ein Einkommen zu erzielen ? Wie geht man mit den Tuareg im Norden von Mali um ? Was macht die Regierung in Bamako, damit die Bevölkerung von GAO, KIDAL usw genauso gut versorgt wird wie die der Hauptstadt ?

    Es sind für mich so viele ungereimte Fragen, die der Westen nicht beantworten kann, dass mir deren militärisches Engagement in Mali noch nicht schlüssig erscheint.

    Wiederum ein Lückenfüller um mit miltärischer Macht, die notwendigen Veränderungen der Gesellschaft in Mali zu verhindern !

  32. @Georg:
    Genau wir sind dabei die gleichen Fehler zu begehen.
    Deswegen versuche ich hier regelmäßig auf die Lage in Mali und einige Hintergründe hinzuweisen.
    Denn wir stolpern erneut naiv in etwas hinein.

    Warum kann die malische Regierung nicht zur Vernunft gebracht werden? Wahrscheinlich weil man es gar nicht ernsthaft versucht. Aber wir schaffen es ja nichtmal in der EU auf Zentralregierungen und Separatisten konstruktiv einzugehen.

    In allen Staaten in denen Stabilisierungsmissionen stattfinden, sind die jeweiligen Regierungen sehr schwach. Logisch sonst bräuchte es keiner externen Hilfe.
    Die jeweiligen Machthaber sind weniger Repräsentanten eines Gesamtstaates, sondern Vertreter von Patronagenetzwerken (siehe Afghanistan, Irak, Mali, etc).

    Hier beginnt schon ein Grundproblem im Einsatz.
    Wir sehen in den jeweiligen staatlichen Repräsentanten oftmals Sachwalter der jeweiligen Aufgabe.
    In der Realität sieht das oftmals anders aus:
    http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10246029.2017.1302706

    Dies wurde im obigen Interview mit dem BMVg ja auch recht deutlich angesprochen.

    Was also tun? Ich bin skeptisch, dass die politische Dynamik vor Ort umgekehrt werden kann. Erneut sind örtliche Machthaber in der Lage die eigene Agenda (Erhalt der Patronagenetzwerke) unter den Überschriften der weltpolitischen Agenda (Terrorbekämpfung, Migrationskontrolle) voranbringen.

    Wir sollten zunächst einmal wirklich verstehen wer dort welche Interessen hat und wir uns dort sinnvoll einordnen, anstatt andauern von der Überwachung eines (nicht funktionierenden) Friedensabkommens zu reden. Oder gar von einer Bekämpfung von Fluchtursachen.

    Andernfalls rutschen wir immer weiter hinein in einen Konflikt in dem wir nur verlieren können – auch mit Blauhelm.

  33. Aus diesem Fall müssen der OrgBereich AIN und die Abt. A im BMVg vor allem eines mitnehmen und ganz fest im Hirn speichern: Munitionssicherheit ist nicht verhandelbar; Firmenqualifikationen sind im Zweifel nicht viel wert; wenn man es selbst macht, weiß man dass es gut gemacht ist.

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