Nach Tiger-Absturz in Mali: Airbus überarbeitet Hinweise für Flug mit Autopilot (Neufassung)

Nach dem Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers der Bundeswehr in Mali am 26. Juli hat die Herstellerfirma Airbus Helicopters die technische Anweisung für den Flug mit dem Automatic Flight Control System (laienhaft: dem Autopiloten) des Tiger überarbeitet. Die Besatzung müsse sich bei möglichen Turbulenzen auf eine schnelle Umstellung vom automatischen auf den manuellen Flugbetrieb einstellen, heißt es in dem Alert Service Bulletin, das an die Streitkräfte der Nutzernationen Deutschland, Frankreich, Spanien und Australien versandt wurde.

Zugleich betonte Airbus, mit diesem technischen Hinweis  sei keine Aussage über die Ursache des Unfalls in Mali verbunden, bei dem der Hubschrauber plötzlich senkrecht abkippte und zu Boden stürzte. Allerdings könne die unerwartete Umstellung während des Fluges nach derzeitigem Kenntnisstand …  zum Unfall mit beigetragen haben, heißt es in dem Bulletin.

Die Untersuchungsgremien der Bundeswehr hatten bei einer Besprechung am vergangenen Freitag festgestellt, dass die Ursache des Absturzes, bei dem zwei deutsche Soldaten ums Leben kamen, weiterhin ungeklärt sei und dass deshalb die Beschränkung von Tiger-Flügen auf Unterstützung bei Gefahr für Leib und Leben aufrecht erhalten werde.

Aus der deutschen Fassung der Technischen Mitteilung von Airbus:

Während eines UN-Einsatzes verlor ein Tiger während eines Hochgeschwindigkeitsfluges mit atmosphärischen thermischen Aktivitäten und den damit verbundenen Turbulenzen seine Stabilisierungsfähigkeit. Durch die Steuersignale des AFCS („Automatic Flight Control System“) zur Beibehaltung der gewählten Flughöhe, wurde der mechanische Anschlag des Flugsteuerungsbereichs erreicht. Infolgedessen wurde vom automatischen AFCS-Modus in den manuellen Stabilisierungsmodus umgeschalten. Nach derzeitigem Kenntnisstand kann dies zum Unfall mit beigetragen haben.
Zweck der vorliegenden Technischen Mitteilung ist es, den entsprechenden im UHT-Flughandbuch aufgeführten Sicherheitshinweis und die Vorgehensweise gegenüber allen Besatzungen zu betonen und auf die Flughandbücher aller TIGER-Varianten zu übernehmen.
(…)
Hervorhebung des UHT-Sicherheitshinweises für alle Tiger Besatzungen
Die folgende Vorgehensweise aus dem UHT-Flughandbuch ist bei Turbulenzen strikt einzuhalten:
ACHTUNG
THE PILOT SHOULD NOT INTENTIONALLY ENTER AREAS WITH MORE THAN MODERATE TURBULENCE DURING FLIGHT. AS SOON AS TURBULENCE IS ENCOUNTERED REDUCE AIRSPEED AS MUCH AS PRACTICABLE TO STAY WITHIN LIMITS OF AIRSPEED. FLIGHT THROUGH AREAS OF SEVERE TURBULENCE SHOULD BE AVOIDED.
As turbulence levels increase to moderate buffeting, cruise airspeeds should be reduced for comfort, and reduced blade stall effects. If moderate to severe turbulence is unavoidably encountered, the pilot should not attempt to maintain a definite altitude. All attention should be directed to maintaining track and a level attitude indication. Descents should be made at a low rate-of-descent and comfortable cruise speeds.
(…)
Konsequenzen für den Gebrauch des AFCS
Der in § 4.1 aufgeführte Sicherheitshinweis bedeutet, dass beim Betrieb im AFCS-Modus unter derartigen Verhältnissen der Pilot entweder „attentive hands off“ oder sogar „attentive hands on“ fliegen soll, je nach Einschätzung des Piloten. Der Grund dafür ist, dass der Pilot dann einen möglichen Wechsel vom automatischen AFCS in den manuellen Stabilisierungsmodus schneller erkennen kann.

In einer Mitteilung zu dem technischen Bulletin betonte das Unternehmen, es gehe dabei um eine Vorsichtsmaßnahme für alle Varianten des Kampfhubschraubers:

Airbus Helicopters hat ein Alert Service Bulletin (ASB) herausgegeben, um die Tiger-Nutzer über relevante Beobachtungen im Zusammenhang mit dem Unfall in Mali zu informieren. Dieses ASB ruft zu einer Harmonisierung der Flughandbücher aller Tiger-Varianten bezüglich des Flugs in Turbulenzen auf.
Konkret wollen wir die Flughandbücher vereinheitlichen und daran erinnern, dass die Crew bei Nutzung des Autopiloten im turbulenten Luftraum ihre Aufmerksamkeit an die Umweltbedingungen anpassen muss.
Dies ist keine Aussage über mögliche Unfallursachen, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, um die Sicherheit der gesamten Tiger-Flotte weiter zu erhöhen.
Nach unserem derzeitigen Wissen gibt es zudem keine Parallelen zwischen dem Unfall in Mali und dem Szenario, das 2016 in Norwegen zum Absturz einer H225 führte.

Nach Informationen von Augen geradeaus! ist die Aufforderung zum Verhalten beim Flug in Turbulenzen allerdings in den Flughandbüchern für die deutschen Tiger-Kampfhubschrauber bereits enthalten, insofern betrifft die Warnung die Bundeswehr nicht direkt. Airbus hatte bereits im August eine Sicherheitswarnung herausgegeben, in der alle Tiger-Versionen vorsorglich für unsicher erklärt wurden, auch vor dem Hintergrund, dass die Ursache unklar ist.

Die Hypothese, dass unvorhergesehene Turbulenzen zum Absturz der Maschine führten, ist eine der möglichen Erklärungen für den Unfall, denen die Bundeswehr nachgeht.

Für das Untersuchungsgremium der Streitkräfte reichen aber die bisherigen Erkenntnisse für eine belastbare Aussage nicht aus, wie aus einem Vermerk zu der Sitzung hervorgeht:

Am 1.9.2017 fand unter Leitung General Flugsicherheit der Bundeswehr ein Flugsicherheitsausschuss (FSA) zum Thema „Flugunfall mit Kampfhubschrauber Tiger 74-29“ statt, mit dem Ziel, Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme des Flugbetriebes zu definieren.
Der FSA wurde jedoch ohne Empfehlung unterbrochen, da der derzeitige Informationsstand zur möglichen Unfallursache nicht ausreichend ist, um eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit Kampfhubschrauber Tiger zu ermöglichen.
Somit gibt es keine wesentliche Lageänderung hinsichtlich einer möglichen Unfallursache und die restriktive Handhabung von Flügen mit Kampfhubschrauber Tiger wird beibehalten.

(Archivbild: Ankunft der ersten zwei Kampfhubschrauber des Typs Tiger in Gao/Mali im Rahmen der UN-Mission MINUSMA am 25.03.2017 – Bundeswehr/Marc Tessensohn)

46 Kommentare zu „Nach Tiger-Absturz in Mali: Airbus überarbeitet Hinweise für Flug mit Autopilot (Neufassung)“

  • closius   |   06. September 2017 - 12:47

    @T.Wiegold: Ist was bekannt wg dem Flugschreiber? Konnte der 2. Flugschreiber ausgewertet werden oder ist dieser auch so zerstört, daß er nicht mehr ausgelesen werden kann?

    Ob es Turbulenzen gab, müsste eigentlich die Besatzung des 2. Hubschraubers wissen und bisher war davon keine Rede als ernsthafte Absturzursache. Zudem bezweifele ich, daß Turbulenzen dazu führen können, daß ein Hubschrauber mit der Nase nach vorn wie ein Stein vom Himmel fällt und würde eher vermuten, daß die Einwirkung der Turbulenzen auf den Hubschrauber gut sichtbar wären, wie man dies auch von Flugzeugen kennt, wenn diese z.b. bei der Landung oder dem Landungsversuch vom Wind gepackt werden und nicht wie ein Stein runter fällt.

    Wann muss eigentlich der Flugbetrieb Tiger wieder zugelassen werden, damit die Piloten nicht ihre Zulassung verlieren?

  • Klauspeterkaikowsky   |   06. September 2017 - 13:19

    Zu nichts geeignet, außer als tragisches Ausstellungsstück im Bückeburger Hubschraubermuseum.
    Schrecken-mit-Ende-Beschluss ist absolut erforderlich, bevor noch mehr Geld verschwendet und vor allem Leben gefährdet werden.
    Die neue Bundesregierung kann sich und den Streitkräften einen Gefallen tun, indem umgehend der Ausstieg beschlossen und bei Apache eingestiegen wird .

  • Dante   |   06. September 2017 - 13:37

    „Die Besatzung müsse bei Nutzung des Autopiloten im turbulenten Luftraum ihre Aufmerksamkeit an die Umweltbedingungen anpassen.“
    Nunja, ich bin kein Pilot. Aber ist das nicht normal?
    Das hört sich für mich so an als würde Autofirma XY in ein Handbuch reinschreiben
    „der Fahrzeugführer möge trotz ESP seinen Fahrstiel den Witterungs- und Straßenverhältnissen anpassen.

  • Zimdarsen   |   06. September 2017 - 15:08

    „Der FSA wurde jedoch ohne Empfehlung unterbrochen, da der derzeitige Informationsstand zur möglichen Unfallursache nicht ausreichend ist, um eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit Kampfhubschrauber Tiger zu ermöglichen.“

    Was bedeutet dies für die Ausbildung und den Einsatz auf die Zeitachse?
    Was sind die Handlungsmöglichkeiten, wenn der Tiger für mehrere Monate ausfällt?

  • MA   |   06. September 2017 - 15:57

    @ Klauspeterkaikowsky | 06. September 2017 – 13:19

    „Die neue Bundesregierung kann sich und den Streitkräften einen Gefallen tun, indem umgehend der Ausstieg beschlossen und bei Apache eingestiegen wird“

    Es gab ja einmal – daran können Sie und der Heeresflieger StOffz in den NLD sich vermutlich erinnern – nach dem Karfreitagsgefecht und unter General Freers die „Idee“, AH-64 zu beschaffen.

    Immerhin ist der UHT TIGER inzwischen auch im BMVg verbal wenigstens zum „Kampfhubschrauber“ aufgestiegen (sarc)

  • closius   |   06. September 2017 - 16:13

    @T.Wiegold: Bezieht sich Airbus mit seiner Aussage „Während eines UN-Einsatzes verlor ein Tiger während eines Hochgeschwindigkeitsfluges mit atmosphärischen thermischen Aktivitäten und den damit verbundenen Turbulenzen seine Stabilisierungsfähigkeit“ auf den abgestürzten Tiger, weil dann müsste dies eine Erkenntnis der Flugdatenschreiber sein, oder ist dies bei einem ganz anderen Flug passiert und Airbus hält es für möglich, daß das gleiche auch beim abgestürzten Tiger passiert sein könnte?

    [Aus dem Zusammenhang des Dokuments bezieht sich das offensichtlich auf die abgestürzte Maschine – allerdings ohne weitere Erläuterung. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. September 2017 - 17:35

    @MA
    „… daran können Sie und der Heeresflieger StOffz in den NLD sich vermutlich erinnern …“
    Im Detail erinnere ich das leider nicht.
    Im Zusammenhang mit der für Deutsche Offz geöffneten CCA-Ausb, die an der NLD SGLS (School-Grond-Lucht-Samenwerking) ab 2004 vorbereitet wurde /begann allerdings daran, dass Dienstaufsicht aus HA und von InfS mit Respekt die an der Ausb teilhabenden NLD Apache-Crews in Augenschein nahmen. – Zu jener Zeit war TIGER ja tatsächlich noch in weiter Ferne, was derzeit hinsichtlich uneingeschränkter FOC bedauerlicherweise immer noch konstatiert werden muss.
    Ich erwarte, der Verteidigungsausschuss nimmt sich in kommender Legislatur der Sache an. Weshalb soll – immer nochj – mit gutem Geld technische Unfähigkeit auf Dauer weiterhin alimentiert werden.
    – Unglaublich -!
    Es darf unterstellt werden, Boeing ist befähigt noch in 2018 erste AH 64 zu liefern. Ein seit 1966 (!) tausendfach bewährter Kampfhubschrauber, mit regelmäßiger KWS, der zudem hinsichtlich der Bewaffnung mit 30mm schwenkbarer MK richtig was drauf hat, was kann daran falsch sein?
    Es sei denn, Verantwortliche verweisen lieber auf „Nichteinsetzbarkeit-von-was-auch-immer“, dann ereilen uns auch keinerlei Erwartungen hinsichtlich Kriegführung unter dem Deckmantel Einsatz.

  • Hanz   |   06. September 2017 - 17:40

    Ich halte es für verfrüht, den Tiger abzuschreiben. Auch Apaches fallen ab und zu vom Himmel, siehe Niederländischen Apache in Mali vor zwei Jahren.

    Man kann natürlich argumentieren, dass der Apache auf Grund der höheren Stückzahlen sicherer sei als der Tiger, dann sollte man sich aber generell von der Idee deutscher/europäischer Rüstungsindustrie verabschieden und in den USA oder Russland einkaufen gehen.

  • ppqrst   |   06. September 2017 - 19:28

    @KPK:
    Sie meinen sicherlich seit 1986 bewährt, nicht 1966 ;)

    Ansonsten halte ich ein „in 2018 erste AH 64 [..] liefern“ für reichlich optimistisch. Die Briten haben beispielsweise 2016 50 neue AH-64E bestellt, von denen die ersten 2020 fertig sein sollen und 2022 eine Indienststellung erfolgen soll. Und da hat man schon lange Zeit quasi ein älteres Modell im Dienst gehabt, so dass die Umstellung mit weniger Aufwand verbunden ist. Wesentlich schneller würde es auch bei einer fiktiven deutschen Bestellung nicht gehen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. September 2017 - 19:42

    @ppqrst
    Je nachdem:
    – 1964 war von der US Army ein Entwicklungsauftrag für einen schweren Kampfhubschrauber ausgeschrieben worden.
    – Testflüge ab 30. September 1975
    – Am 26. Januar 1984 wurden die ersten AH-64A an die US Army ausgeliefert.
    – Als erste Einheit meldete das 6th Cavalry Regiment im Juli 1986 die volle Einsatzfähigkeit mit der AH-64A.
    Gerne also FOC 1986, seitdem aber zahllose Kampfeinsätze, keine Schönwetter-Tiger-„Einsätze“.
    Bedauerlich für das Selbstwertgefühl der Besatzungen.

  • closius   |   06. September 2017 - 20:29

    Nach dem Spiegel bericht konnte ein Flugdatenschreiber ausgelesen werden und danach hätte die Maschine um 4 Grad steigen sollen, aber stattdessen sei die Maschine um 44 Grad in den Sturzflug gegangen.

    Die zweite Maschine habe keine Aufwinde festgestellt und deshalb glaubt die BW bisher nicht an die Airbus Theorie, daß es Turbulenzen gegeben hätte und deswegen der Autopilot die Maschine in den Sturzflug gebracht hat und sich dann abgestellt habe.

  • audio001   |   06. September 2017 - 20:41

    Nähert sich ja langsam dem Diskussionsstand an dieser Stelle aus Anfang August 2017 …

  • Fussgaenger   |   06. September 2017 - 20:50

    Oh je… Entwickelt seit 1964, getestet ab 1975 und eingeführt ab Mitte der 80er Jahre… Wäre es ein deutsches Produkt, würden sich hier 99% der Diskutanten das Maul über diesen „unfliegbaren Oldtimer“, „nicht mehr zeitgemäßes Muster“ usw. zerreissen…

  • Zum Heulen   |   06. September 2017 - 20:56

    @ ppqrst | 06. September 2017 – 19:28

    Der erste wichtige Schritt wäre das Eingeständnis, dass die Anstrengungen der letzten 25 Jahre bei der Schaffung eines europäischen Militär-Luftfahrtkonzerns kläglich gescheitert sind. Die Zusammenlegung aller nationalen Luftfahrtunternehmen in einen europäischen Konzern hat technisch minderwertige Produkte hervorgebracht, finanziell nichts gespart und machtpolitisch die nationalen Kunden in die schwache Verhandlungsposition gebracht.

    Australiens Entscheidung zur Ausmusterung des Tigers ist rational und richtig, nur hat Australien keine nationalen industriepolitischen Aktien in diesem Produkt sitzen. Österreich hat beim Kampfflugzeug ja bereits eine ähnlich rationale Entscheidung gefällt.

    Der aktuelle Weg bei der Bereitstellung von Militär-Luftfahrzeugen für europäische Armeen ist schlechter als die Wege zu Kalte-Kriegs-Zeiten. Bei zeitgemäßen Produkten, Stichwort Drohen, wurde die EU ja selbst von Zwergstaaten wie Israel bei der Produktkompetenz überholt.

    Wenn Europa eine eigene Luftfahrt-Rüstungskompetenz haben will, muss es wieder echte Konkurrenz zwischen Anbietern organisieren, statt Monopolisten zu züchten.

    Da die aktuell mit vielen anderen Krisen beschäftigte EU zu derart strategischen Entscheidungen, verbunden mit Einschnitten in Besitzstände bürokratisch vernetzter Interessenträger überfordert sein wird, wird keine Entscheidung gefällt werden und das Tiger-Desaster weiter ausgesessen.

  • Alex   |   06. September 2017 - 20:59

    Das ist vermutlich Teil der klassischen Strategie, medial Zweifel zu säen. Man dominiert den Narrativ, hat mehr Coverage als die ermittelnden Experten.

  • Langnase73   |   06. September 2017 - 21:22

    @closius: Im Spiegel wird General Peter Clement zitiert. Seine Aussage deutet klar darauf hin, dass einer der Rekorder noch auszulesen war. Dessen Daten passten nur teilweise zu den Angaben von Airbus.

    Zudem rätsele man, wie Airbus zu der These von den extrem starken Turbulenzen gekommen sei. Das Untersuchungsteam konnte am Unglückstag keine extremen thermische Bedingungen feststellen und auch die Besatzung des 2. Tigers habe keine starken Aufwinde bemerktt.

  • Schorsch52   |   06. September 2017 - 21:34

    @ Klaus-Peter Kaikowsky 13:19

    Meine uneingeschränkte Zustimmung!

    @ hanz 17:40

    Ja, es sind auch schon AH-64 in Leitungen hängengeblieben, im Staub umgekippt oder aus anderen Gründen verloren gegangen. Aber das ändert nichts daran, dass die AH-64 nicht nur dem Namen nach ein Kampfhubschrauber ist, sondern ein breit eingeführtes, bewährtes, hocheffizientes Waffensystem, das in den letzten Jahren erhebliches Aufwuchspotential gezeigt hat. Produktionszahlen AH-64 / Tiger? Warum wohl? Australien und der Tiger. Warum?

  • Georg   |   06. September 2017 - 22:50

    Also ganz so harmlos, wie Airbus dies darstellen will, ist die Technische Mitteilung von Airbus zum Betrieb des Tigers in einem mit Turbulenzen gefährdeten Gebiet natürlich nicht.

    Die Begründung ergibt sich einerseits aus der Flugphysik und andererseits aus der in der Technischen Mitteilung (TA) gewählten Begriffe.

    1. Wenn durch Turbulenzen die Flughöhe sprunghaft verändert wird, versucht der Autopilot in der Betriebsart „Höhenhaltung“ gegenzusteuern. Das tut er indem er den Anstellwinkel der Rotorblätter anhebt und absenkt und damit mehr oder weniger Auftrieb erzeugt um die Höhe zu halten. Nun gibt es aber bei jeder Tragfläche, auch bei einem Rotorblatt einen kritischen Anstellwinkel, bei der die Strömung abreißt und der Auftrieb schlagartig wegfällt. In der Folge geht das Flugzeug in einen steilen Sinkflug oder Sturzflug über. Auf diesen Strömungsabriss wird auch in der TA hingewiesen.

    As turbulence levels increase to moderate buffeting, cruise airspeeds should be reduced for comfort, and reduced blade stall effects.

    2. Entscheidend für den Strömungsabriss ist nicht nur die Anströmgeschwindigkeit sondern auch die Anströmrichtung. Bei einer massiven Thermikblase über der Wüste, oder eine thermische Turbulenz strömt die Luft von unten nach oben oder von einer beliebigen Richtung, aber nicht unbedingt von vorn gegen die Flugrichtung, d.h. der kritische Anströmwinkel an den Rotorblättern, der zum Strömungsabriss führt, kann auch schon im Horizontalflug erreicht werden.

    3. Die normalen Handbücher für Flugzeuge sehen bei turbulenter Luft eine Reduzierung der Maximalgeschwindigkeit vor oder jenseits dieser Geschwindigkeit keine vollen und abrupten Ruderausschläge mehr zu machen, denn damit könnte die Struktur des Flugzeuges beschädigt werden. Nun schreibt aber Airbus, dass die Aufschaukelung des AFCS / Autopiloten in der Betriebsart „Höhenhaltung“ bei turbulenter Luft bis zum Vollausschlag der Ruder bzw der Steuerung führen kann und dann die Abschaltung in den manuellen Flugmodus erfolgt. Also der Autopilot kann den Hubschrauber bei hoher gewählter Reisegeschwindigkeit und plötzlich auftretenden heftigen Turbulenzen beschädigen.

    4. Die Geschwindigkeitsangabe eines Flugzeuges bezieht sich immer auf die umgebende Luft. Dabei spielt die Dichte der umgebenden Luft eine entscheidende Rolle, da die gemessene Geschwindigkeit immer aus dem Staudruck bei dem Flug und den Umgebungsdruck gebildet wird. Deshalb gibt es mehrere Geschindigkeitsangaben, die angezeigte Geschwindigkeit (Indicated Air Speed, IAS), die korrigierte Geschwindigkeit (CAS) und die wahre Geschwindigkeit (TAS). Für das aerodynamische Verhalten des Flugzeuges zählt aber nur die wahre Geschwindigkeit (True Air Speed, TAS).
    Das Verteidigungsministerium hat die Fluggeschwindigkeit des verunfallten Tigers mit 135 kn angegeben. Welche Geschwindigkeitsangabe verwendet wurde wissen wir nicht. Die True Air Speed kann aber aufgrund des Wetters am Unglückstag (ICAO + 21 Grad = 36 Grad ) um 10% höher gewesen sein, also 150 kn.

    Damit ist die Differenz bis zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die durch Böen und Turbulenzen überschritten werden kann, schon wieder um einige Knoten geringer geworden.

    In der Summe bedeutet dies je böiger oder turbulenter die Luft ist, desto langsamer muss geflogen werden und je vorsichtiger (smoother) müssen die Ruderausschläge erfolgen. Je heißer die Luft ist, bzw. je höher geflogen wird (Dichtehöhe oder Densitiy Altitude höher) desto dünner ist die Luft und desto empfindlicher ist ein Flugzeug, weil die Flatterneigung der Ruder in der dünneren Luft eher zunimmt als abnimmt. Dabei ist aerodynamisch die wahre Geschwindigkeit ausschlaggebend und die steigt bei dünner Luft an (heiße Temperatur und/oder große Flughöhe).

    Hier hat der Autopilot in der Höhenhaltung volle Ruderausschläge gegeben, die u.U. zum Strömungsabriss an den Rotorblätter geführt haben (soweit die TA von Airbus).

    Strömungsabriss bedeutet in der Luftfahrt oftmals Absturz (soweit die Erfahrungstatsache ohne Bezug zum aktuellen Tigerabsturz)

  • Zimdarsen   |   06. September 2017 - 23:35

    @Zum Heulen

    “ Die Zusammenlegung aller nationalen Luftfahrtunternehmen in einen europäischen Konzern“

    Hat wenig mit der Auslegung und Qualität des Tigers zu tun und womöglich auch nichts mit dem Absturz. 1989 erhielt ein Konsortium den Auftrag zum Bau von fünf Prototypen und nicht EINE Firma. Die EINE Firma gab es erst später.

  • Zimdarsen   |   07. September 2017 - 7:52

    @Schorsch52

    Ja, auch in der Zukunft werden deutsche Hubschrauber in Leitungen hängengeblieben (Siehe LUH145,Schömmerhofen), im Staub umgekippt oder aus anderen Gründen verloren gegangen. Aber das ändert nichts daran, dass der Tiger nicht nur dem Namen nach ein Kampfhubschrauber ist, sondern ein breit eingeführtes, bewährtes, hocheffizientes Waffensystem, das in den letzten Jahren erhebliches Aufwuchspotential gezeigt hat.
    Probleme gilt es zu erkennen und zu beheben. Noch wissen wir nicht was die Ursache für den Absturz war. Dass die Bw grundsätzlich Probleme mit dem Tiger hat ist zunächst politisch durch >10 Reformen verursacht. Industrie und die Bw mussten immer wieder mit neuen Vorgaben und Rahmenbedingungen zurecht kommen. Dass überhaupt welche fliegen ist schon fast ein Wunder. Vergleichen sie bitte die Fähigkeiten und Potentiale der Hubschrauber unvoreingenommen miteinander. Für das wofür er in Mitteleuropa konstruiert wurde, ist er dem AH-64 in den meisten Feldern überlegen und dass er was kann, zeigt Frankreich jeden Tag.

  • Schnallendorf   |   07. September 2017 - 8:14

    Die israelischen Apaches haben seit einem tödlichen Absturz infolge eines technischen Problems (weder Staub noch Leitung) Anfang August ebenfalls Startverbot. Es war der dritte Vorfall und das zweite Grounding in diesem Jahr.

    https://www.flightglobal.com/news/articles/israeli-apache-helicopter-grounding-to-continue-440548/

  • Toruk_06   |   07. September 2017 - 8:45

    @Alex

    100 % richtige Analyse. Das ist das Interesse der Herstellerfirma !

    Als ausgebildeter Tiger LFF (wahrscheinlich einer der wenigen hier) kann ich nur folgendes sagen: Größeren Unsinn als das Dokument der Herstellerfirma habe ich selten gesehen. Wenn Lfz in Turbulenz einfliegen, stürzen sie nicht ab. Das ist auch beim Tiger so. Wenn sich die AFCS in den Manual Mode zurückschaltet, weil sie die Werte nicht halten kann, ist das normal und der Hubschrauber stürzt auch nicht ab.
    Mit anderen Worten die Firma hat mit einer Nullaussage etwas impliziert, was im Netz und in der Presse gleich schön (falsch) interpretiert werden kann. Und wie man u.a. in Spiegel Online sieht, ist Ihr das auch gelungen.
    Die einzigen, die alle Fakten kennen und auswerten, sind die Männer und Frauen der Flugunfalluntersuchungskommission. Wie immer nach einem Flugunfall wird genauestens untersucht, und dann ein Bericht erstellt. Und das ist auch gut so. Da steht dann die Unfallursache drin und nicht eine „mögliche beitragende Ursache“ (die niemand der Ahnung hat interessiert!). Lasst uns doch einfach alle die Geduld aufbringen darauf zu warten und mit emotionalen und nicht auf Fakten basierenden Vermutungen aufhören.

    @Klaus-Peter Kaikowsky
    Wieviele Flugstunden haben Sie auf Kampfhubschraubern? Oder auf modernen Militärhubschraubern?
    Warum forderten alliierte (auch US) Bodentruppen im ISAF Einsatz explizit deutsche KHT statt Apache in Ihrer Anforderung?
    Haben Sie in letzter Zeit mal nachgelesen warum die ISR AH 64 Flotte zeitweilig gegroundet war?
    Soll nicht heißen die AH 64 ist ein alter schlechter KH ist – ganz im Gegenteil – aber mit emotionalen nicht von Fakten begründeten Behauptungen ist einfach nichts zu gewinnen.
    Mein Rat: einfach mal den Ball flach halten.

  • Jochen   |   07. September 2017 - 8:47

    Die WELT geht heute unter ‚Der Missbrauch der Bundeswehr als Spielball im Wahlkampf“ auch auf den Tiger-Absturz ein.
    Insgesamt bleibt abzuwarten was die Untersuchungsergebnisse aufzeigen und ob eventuell politisch Verantortung übernommen werden muss. Ich bin kein Experte, aber was ich auch hier so lese, scheint der Ausgang noch offen. Ebenso bin ich gespannt, welche Auswirkung eine längere Untersuchung auf Ausbildung / Betrieb haben wird.

  • Elahan   |   07. September 2017 - 9:39

    @Langnase73

    Keine Aufwinde bemerkt.

    Muss man auch in der Nähe einer Termikblase (Ablösung) nicht.
    Da kann es in der Umgebung ganz ruhig sein und in der Blase geht es hoch wie im Aufzug.
    Die Luft in einer Thermikblasen ist wärmer, d.h. weniger dicht und damit leichter als die Umgebungsluft. Das Aufsteigen der Luft erfolgt dabei blasenförmig. So eine Blase „schnürt“ sich vom warmen Untergrund ab und beginnt wie ein Heißluftballon zu steigen. Es können sich dabei sogar kleine Windhosen (Staubteufel) bilden, meist dann, wenn die überadiabatische Erwärmung sehr groß ist, was im Sommer bei starker Einstrahlung auf trockenen, dunklen Grund und wenig Wind häufig vorkommt. Häufig wird der Vorgang einer Ablösung auch als „Sonnenböigkeit“ bezeichnet. Der Ablösevorgang kann nur lokal sein und wenige Minuten dauern.
    Grundsätzlich ist dieses Phänomen kein Problem für einen Hubschrauber.
    Wenn jedoch die Software die Signale der Sensoren und Stellungsgeber falsch interpretiert, dann kann dies sehr wohl eine mögliche Ursache für einen abrupten Sinkflug haben. Wenn man genug Höhe hat ist auch dies grundsätzlich kein Problem, setzt jedoch voraus, dass man sich bewusst ist, dass die Software ggf nicht richtig funktioniert und man die Möglichkeit der Reaktion hat.

    Wenn die Software diesen Fehler hat, ist die Frage, ob die beteiligten Personen genügend Zeit zum Testen hatten und bei den Simulationen eine meteorologisches Umfeld wie es in Mali vorkommen kann berücksichtigt wurde. Am Ende bleibt dann die Frage, war das Muster Einsatzbereit und die Ursache ein Fehler im Programm? Wer hat dies zu verantworten (nicht Schuld) und was muss man tun um dies zu verhindern. Weiter muss dann geklärt werden, ob der Einsatz in Mali bewusst politisch entschieden wurde, obwohl es ggf Warnungen gab.

    „Tiger“ sind für Mali-Mission einsatzbereit
    Ministerin von der Leyen verkündet stolz: Rund die Hälfte der „Tiger“-Kampfhubschrauber sind einsatzbereit. Auf die Bundeswehr-Piloten wartet jetzt ein gefährlicher Einsatz in Mali. (09.08.2016 Spon)

    …..evtl war aber u U nur ein logischer Fehler im Algorithmus der Flugsteuerung, bei welchem die Ablauflogik nicht korrekt festgelegt wurde und eine Ablösung mit starkem Impuls bei den vorherrschenden Rahmenbedingungen nicht eingeplant war, der Auslöser.

    Gen Klement wird uns das Ergebnis seiner Untersuchung bestimmt mitteilen.

  • Arty1986   |   07. September 2017 - 9:49

    Dass die Bw keinen „Kampf-“ sondern einen „Ustg-“ Hschr hat, liegt doch nun einmal am „pazifistischen“ Volkswillen! „Wir sind die Guten“, und da passt irgendeine „Kanone“ am Heli, mit der gezielt Personen be-, nein ERschossen werden koennten, ja nun wirklich nicht dazu…
    Erziehung hat eben funktioniert in der „alten Bundesrepublik“.
    Bloed nur, wenn man dann mit derlei „Ausrichtung und Ausruestung“ in „richtige“ Gefechte hineingezogen wird.

    Ich bin immer noch dafuer, und halte das auch nicht fuer abwegeig (ausser vlt in der tatsaechlich durchgefuehrten Art und Weise), eine deutsche/europ Ruestungsindustrie zu erhalten bzw „wiederaufzubauen“, nachdem ja fast alles „dahin“ ist!
    Abhaengigkeiten, sind immer schlecht, in Falle von Vtgdfaehighkeit existenzbedrohend!

    Schlimm genug, das 2 Kam ihr Leben lassen mussten, aber auch so etwas wird immer wieder passieren, ist es doch ein besonderes Merkmal des SdtBerufes!
    Aber ich erwarte von ALLEN Seiten offene Aufklaerung UND Benennung der Ursachen! Auch wenn das hier oder da einmal wehtut, MUSS das im Sinne des Ganzen sein!
    Auch menschliche Fehler warden immer wieder passieren, daran warden auch noch so viele „Assistenzsysteme“ nichts aendern, manchmal bewirken sie evtl sogar das Gegenteil, da „Mensch“ sich zu sicher waehnt, zu nachlaessig oder bisweilen auch einfach voellig ueberfordert ist.
    Generell ist „richtige“ Ausbildung durch nichts zu ersetzen, ausser durch MEHR Ausbildung. V.a. praktisch und nicht nur „Sim“!

  • Zum Heulen   |   07. September 2017 - 9:55

    @ Zimdarsen | 06. September 2017 – 23:35

    Formal ist Ihr Einwand richtig, inhaltlich falsch bzw. geht am Problem vorbei.

    Immer dann, wenn man bei Lieferanten den Wettbewerb ausschaltet, leidet die Qualität und es wird teuer. Das seinerzeitige Konsortium war lediglich die Vorwegnahme des auch später organisatorisch geschaffenen Monopolisten.

    Zu den Gründen für den Absturz können wir alle nichts sagen, da offenbar auch bei diesem Thema gemauert wird. Vielleicht waren das ja diese tückischen Igla-S Turbulenzen, deren Thematisierung man vermeiden will, um politischen Turbulenzen aus dem Weg zu gehen (was diplomatisch durchaus eine nachvollziehbare Entscheidung sein könnte).

  • audio001   |   07. September 2017 - 10:14

    re: Elahan

    Wobei sich mir noch die Frage stellt, wie sich Software und Hardware des AFCS im Tiger mit ASGARD-F-Rüstsatz unterscheiden …

  • Klauspeterkaikowsky   |   07. September 2017 - 11:00

    Die OSZE definiert den Begriff „Kampfhubschrauber“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II.
    Begrifflich-Offiziell stehen bei unserem Rgt nun aber Unterstützungshubschrauber auf dem Hof, auch wenn der ministerielle Flurfunk durchaus bereits das demokratische Un-Wort KHS gehört haben will.
    Da KSE-Vertrag nun aber nicht irgendein Abkommen darstellt, wie wird TIGER gezählt; Transport- NEIN, Kampf- NEIN, welcher Rubrik gehört er zu?

    @Toruk_06  
    Flug- etc Erfahrung: Null
    Das Beschaffungsdilemma, das FOC/ Combat Ready-Dilemma ermisst sich allerdings aus der Distanz realistischer, da emotionale Neutralität als gegeben zu unterstellen ist.
    Ich wiederhole mich, kein weiteres gutes Geld in bewiesene industrielle Unfähigkeit stecken.
    Beschaffen, was bewährt ist. Und da bei Putin nicht angefragt werden darf, AH 64, was sonst. Keine Rolle spielt dabei die Zahl von groundings in ISR, NLD. wo auch immer. Der chopper hat’s drauf, alles.

  • Zimdarsen   |   07. September 2017 - 11:14

    @Zum Heulen

    „Immer dann, wenn man bei Lieferanten den Wettbewerb ausschaltet, leidet die Qualität und es wird teuer.“

    Das kann so sein, muss aber nicht. AH baut gute Hubschrauber und bewährt sich am Markt. Probleme müssen im Einzelfall betrachtet werden und haben in diesem Fall hier im Thread, ggf keine Bedeutung. Das ist in Europa so und in den USA auch.

    „Das seinerzeitige Konsortium war lediglich die Vorwegnahme des auch später organisatorisch geschaffenen Monopolisten.“

    Auch das ist in Europa so und in den USA auch.
    Der Tiger und seine Fähigkeiten samt der beteiligten Firmen war politischer Wille.
    Airbus, Eurocopter, MBB hatten keinen Auftrag der Bundesregierung bekommen., sondern es wurde wie bei NH90 und EF ein Konsortium gegründet. Dies war definitiv nicht die Vorgängerfirma von Airbus und man könnte die Entwicklung im Bereich der Hubschrauberhersteller nicht voraussehen. Es gibt in Europa noch mehr als AH und jede andere Firme hätte heute auch dabei sein können.

    „Zu den Gründen für den Absturz können wir alle nichts sagen, da offenbar auch bei diesem Thema gemauert wird.“

    …und das ist gut so.

    „Vielleicht waren das ja diese tückischen Igla-S Turbulenzen, deren Thematisierung man vermeiden will, um politischen Turbulenzen aus dem Weg zu gehen (was diplomatisch durchaus eine nachvollziehbare Entscheidung sein könnte).“

    Vielleicht …..ggf, uU, evtl ……

  • T.Wiegold   |   07. September 2017 - 11:34

    Eine Bitte: Nur weil der Kollege Jungholt heute in der „Welt“ die Sache mit dem Tiger und den Temperaturen und Mali und dem Inspekteur Heer erneut thematisiert, müssen wir nicht die Debatten der vergangenen Wochen und Monate erneut so führen, als hörten alle davon zum ersten Mal.

  • Toruk_06   |   07. September 2017 - 11:38

    @Klauspeterkaikowsky,

    Danke für den Beitrag. Nun Wissen alle Blog Teilnehmer die Beiträge einzustufen.

  • Toruk_06   |   07. September 2017 - 11:59

    @Klauspeterkaikowsky

    Ach ja und noch was.

    TIGER werden gem. KSE als Kampfhubschrauber gezählt (und auch regelmässig überprüft) und ein kurzer Blick auf die offizielle Namensgebung des Regiments zeigt uns, dass es offiziell seit JAHREN Kampfhubschrauberregiment 36 heißt. (und nicht nur im Flur des Ministeriums).
    Ein bisschen Kenntnis der Fakten und Recherche schadet nicht VOR dem Bloggen.

  • Pio-Fritz   |   07. September 2017 - 12:01

    @Zimdarsen | 07. September 2017 – 11:14

    „“Zu den Gründen für den Absturz können wir alle nichts sagen, da offenbar auch bei diesem Thema gemauert wird.“

    …und das ist gut so.“

    Wissen Sie mehr als wir? Ansonsten verstehe ich die Anmerkung nicht.

    Wenn es ein technischer Fehler war, dann muss er benannt und ausgemerzt werden. Sollte es doch Feindbeschuss (Achtung: Spekulation!) gewesen sein, so gehört das zum Berufsrisiko eines Soldaten.

    So wissen wir gar nichts, außer das die Maschine vom Himmel gefallen ist und zwei Kameraden zu Tode gekommen sind, was in der Öffentlichkeit nicht gut ankommt.

  • Zimdarsen   |   07. September 2017 - 12:23

    @Pio-Fritz

    Ich weiß ja nicht was Sie unter -gemauert- verstehen. Klar ist, dass die ermittelnden Personen nichts vor Abschluss des Verfahrens ausführlich erläutern.
    Spekulationen von amtlicher Seite helfen da nicht weiter.

    Wir können nur vermuten und auch das hilft im Moment wenig.

  • Klauspeterkaikowsky   |   07. September 2017 - 13:03

    @Toruk_06  
    Dank für die Nachhilfe, warum aber so angefressen?
    Emotionale Distanz gestaltet sich anspruchsvoll, sicher, dennoch:
    Wie lange noch soll das Heer auf rundum zuverlässige und uneingeschränkt einsetzbare Tiger warten?
    Ein weiter so bedeutet Verschleuderung von Steuergeldern und Geaase mit den Besatzungen, mental sowie funktional bei Nichterfüllung von Flugstunden, außerhalb Simulator.

  • Zimdarsen   |   07. September 2017 - 13:52

    @Klauspeterkaikowsky

    „Wie lange noch soll das Heer auf rundum zuverlässige und uneingeschränkt einsetzbare Tiger warten?“

    Solang bis es die Heeresführung geregelt bekommt.
    Nach unzähligen Reformen und Neuausrichtung haben sich die Anzahl von Lfz und Pers ständig geändert. Ebenso der Auftrag und die Zuständigkeit (im Besonderen in der Materialverantwortung). Kampfhubschrauber und dessen Fähigkeit waren eben nicht Schwerpunkt vor dem Einsatz in Afg. Selbst während des Einsatzes in Afg wurden noch Piloten entlassen und Techniker früher aus der Bw entlassen. Auch in Donauwörth war Tiger viele Jahre nicht Prio eins, nicht zuletzt aufgrund des Unzuverlässigen Kunden.

    Die Heeresführung muss melden was sie benötigt und mit dem Vorhandenen leisten kann.

    Mehr geht nur im V-Fall ;-)

  • Zum Heulen   |   07. September 2017 - 14:45

    @ Zimdarsen | 07. September 2017 – 11:14

    „„Immer dann, wenn man bei Lieferanten den Wettbewerb ausschaltet, leidet die Qualität und es wird teuer.“
    Das kann so sein, muss aber nicht.“
    Ich bin weit davon weg, alles zu loben, wie es in den USA funktioniert. Auch da wird nur mit Wasser gekocht. Nur scheint man dort gerade beim Thema Luftfahrzeuge vieles besser im Griff zu haben, als in Europa. In Europa scheint zu gelten: „Das kann so sein“ in den USA gilt: „muss aber nicht“.

    „Der Tiger und seine Fähigkeiten samt der beteiligten Firmen war politischer Wille.“
    Genau an dieser Stelle setzt ja meine Kritik ein. Der politische Wille war leider fehlerhaft, so dass das Ergebnis schlecht ist. Zu sehr hat man auf die großen europäischen Gesten gesetzt und sich zu wenig ums lästige Detail gekümmert, so dass verquere Interessenlagen mit schlechten ineffizienten Strukturen entstanden. Gegen die Grundideen europäischer Rüstungsvorhaben hab ich nicht mal was, ich kann nur nicht erkennen, wie man die zutage getretenen Probleme in den Griff bekommen möchte. Die aktuelle europäische Struktur führt zwangsläufig dazu, dass, wie beim CH53 Nachfolger, in Zukunft aus Verzweiflung von der Stange in den USA gekauft wird und das ob der mangelnden europäischen Fähigkeit auch die situativ richtige Entscheidung sein wird.
    Strategisch zufriedenstellend kann das eigentlich nicht sein, denn es ist auch nicht ohne Nebenwirkungen.

    „Vielleicht …..ggf, uU, evtl ……“
    ;-)
    Da fällt mir spontan ein Filmzitat zu ein: „Sie wollen die Wahrheit hören? Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!“

  • klabautermann   |   07. September 2017 - 17:58

    So etwas nannte man früher „Bankrott-Erklärung“.
    AB hat mit diesem Statemant letztendlich das gesamte TIGER-Konzept – Military/Combat fly by wire design – als gescheitert erklärt. Ein „Turbulenzen“-anfälliger Bodenkampfhubschrauebr – Gelächter.
    Rüstungshavarie par excellence……..

  • Zimdarsen   |   07. September 2017 - 18:51

    @Klabauterman

    Man erkennt an ihrem Kommentar, dass Sie sich mit Flugsteuerung und Autopilot ausgkennen ;-)

    @Zum Heulen

    „Die aktuelle europäische Struktur führt zwangsläufig dazu, dass, wie beim CH53 Nachfolger, in Zukunft aus Verzweiflung von der Stange in den USA gekauft wird und das ob der mangelnden europäischen Fähigkeit auch die situativ richtige Entscheidung sein wird.

    So sehe ich das nicht, die Bundesrepublik (BMVg) hätte eine europäische Ausschreibung machen können und EINEM Hubschrauberhersteller in Europa den Auftrag geben können.
    Mit Sicheheit hätten Firmen von sich aus, um je nach Zeitvorgabe Entwicklungszeit einsparen zu können) auf Partner zur Lizenzproduktion zurückgegriffen.

    Aber man gibt ja nicht EINEM Unternehmen den Auftrag.

    Auch wäre wichtig die abzunehmende Anzahl festzuschreiben oder dann eben die Auftragssumme. Wer nur 3Hubschrauber kauft zahlt bei 3Mrd Entwicklungskosten eben mind 1Mrd pro Einheit ;-)

    NH90, Tiger, A400M und EF waren Kinder des kalten Krieges und in deren Pubertät merkten die Eltern, dass sie keine Lust auf Kinder haben……nun sind die Eltern Pflegefälle und die Kinder studieren noch immer :-)

  • Quino   |   07. September 2017 - 18:54

    klabautermann | 07. September 2017 – 17:58

    F104-G fällt mir sicherlich zu unrecht ein.

  • Ehemaliger   |   07. September 2017 - 20:19

    @Zimdarsen

    Genau diese ‚ amerikanischen Hubschrauber von der Stange ‚ ( Bell UH1D und
    CH 53G habe ich in etwa 30 Jahren über 4000 Stunden lang geflogen, zum Schluß naturgemäß etwas weniger intensiv, da griffen allmählich die Reformen und Sparmaßnahmen … . Und sie haben sehr gut funktioniert.
    Wenn ich die Lage heute so betrachte :
    Lt Aussage eines Oberstleutnants der Heersflieger aus einem zuständigem Amt vor ca. 2 Jahren, wie es genau hieß, habe ich vergessen :
    “ Bundesweit pro Tag etwa 6 – 7 NH 90 flugklar “ Flugklar heißt übrigens noch lange nicht “ mission ready“ oder „einsatzbereit“.
    Zur Erinnerung, das ist das, was von unserer ( Heeresflieger-) Transporthubschrauberflotte im wesentlichen übriggeblieben ist.

    Und es liegt ganz bestimmt nicht daran, daß die an die Luftwaffe abgegebenen ehemaligen Heeres – CH 53 alle einsatzbereit wären und nur nicht abgerufen würden … .

  • Helicopeter   |   07. September 2017 - 20:27

    Nur noch mal zur Erinnerung, da viele hier anscheinen „vergessen“ haben was „severe turbulence“ in der Fliegerwelt bedeuten.

    Severe-Turbulence:
    „…
    Large, abrupt changes in altitude and/or attitude. Usually causes large variations in indicated airspeed. Aircraft may be momentarily out of control…“

    Ich kann zwar nicht für alle Drehflüglertypen sprechen, aber:

    Das Verbot des Einflugs in „areas with severe turbulence“ ist in diversen FlightManuals zumindest nicht unüblich.

    Airbus diesbezüglich Versagen vorzuwerfen könnte man durchaus als mangelndes Fachwissen auslegen.

  • Toruk_06   |   07. September 2017 - 21:49

    Seufz.
    Und wieder offenbart sich erstaunliches unwissen

    @helicopeter
    Genau so isses. Auch beim Tiger steht das schon ewig in den Vorschriften.
    Es wäre ausserdem sehr unwahrscheinlich, dass ein Luftfahrzeug severe Turbulenz durchfliegt, und das andere davon gar nix spürt. Die Wettervorhersage zum Unfallzeitpunkt ist nicht mal in der Nähe von severe Turbulence.

    @klabautermann
    Für alle die es noch nicht wussten:
    Der TIGER hat KEINE FLY BY WIRE STEUERUNG !!!!!!!!!!!!!

    Aber offensichtlich macht spekulieren ja spass. Zumindest einigen der Blogger hier.
    Mir nicht.

    Und man kann alles für seine persönliche Genugtuung instrumentalisieren. Auch einen noch nicht zu Ende untersuchten tödlichen Flugunfall. Ist zwar nicht besonders professionell, und auch nicht besonders pietätvoll und auch nicht besonders kameradschaftlich, aber man fühlt sich vielleicht nachher besser.
    Ich nicht.

    Gute Nacht und vielen Dank aus der aktiven Truppe

  • Laie   |   07. September 2017 - 21:56

    @Helicopter

    Wenn denn dann aber der Tiger nicht gerade in 550 m Höhe durch das dickste Gewitter ever geflogen ist Frage ich mich, was das denn für schwere Turbulenzen gewesen sein sollen.

    Ich halte es für unwahrscheinlich, dass in der Wüste in 500 Metern Höhe solche Wettererscheinungen auftreten, dass ein Luftfahrzeug zum Absturz gebracht wird. Eine thermische Wetterentwicklung mag vielleicht für mäßige turbulenten Sorgen, schwere Turbulenzen halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. So etwas kann ich mir bei bergigen Gelände mit entsprechend starken Winden vorstellen jedoch nicht in freiem Gelände einer Wüste. Zu den geographischen Gegebenheiten vor Ort kann uns hier sicherlich jemand etwas sagen, der die Gegend kennen.

  • Helicopeter   |   07. September 2017 - 22:33

    Ich habe keine Erfahrungen mit den Wettererscheinungen in Mali.

    Es ist auch nicht gesagt, dass die Turbulenzen die Absturzursache waren.

    Hier können wir nur Abwarten was die Untersuchungen schlussenendlich ergeben.

  • Georg   |   07. September 2017 - 22:59

    @ Toruk_06

    Da Sie nach eigener Aussage Pilot des Kampfhubschraubers Tigers sind, wäre es schön, wenn Sie mal ihren Eindruck von dem Unfall in Mali schildern würden.

    Welches Wetter herrschte denn am Unfalltag in Mali, bezüglich Turbulenzen usw. ?

    Können thermische Turbulenzen und starke Aufwinde über Wüstengebiete Hubschraubern gefährlich werden ?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die gesamte Hubschrauberkompetenz der Bw über 1 Monat nach dem Absturz noch keine Spur haben, bzw. noch keine Vorstellung über den Unfallhergang entwickelt haben.

    Danke für ihre konstruktive Mitarbeit.