Lesestoff: Chinas Basis in Djibouti

Die Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee war seit einigen Jahren immer wieder mit Kriegsschiffen vor der Küste Ostafrikas präsent, um den Kampf gegen die Piraterie zu führen – teilweise in Abstimmung mit anderen Seestreitkräften zum Beispiel in der EU-Mission Atalanta oder den überwiegend US-geführten Combined Maritime Forces in der Region.

Inzwischen hat China allerdings in Djibouti eine Militärbasis gebaut – die erste Übersee-Basis der Volksbefreiungsarmee, und es geht längst nicht mehr um die Bekämpfung der Piraterie. Die dort stationierten Soldaten führten vor wenigen Tagen ihre erste Live Fire Exercise durch

… und in dem Zusammenhang ein paar Fundstücke: Berichte, die die Bedeutung dieser chinesischen Afrika-Basis und ihren Aufbau analysieren:

Shepard Media: Analysis: Clarity emerges on China’s Djibouti base

The Print (India): China’s mega fortress in Djibouti could be model for its bases in Pakistan

Kurz gefasst: Die Mischung aus Militärlager und Festung am Horn von Afrika sieht nach der Absicht aus, eine Basis für militärische Einsätze zum Schutz chinesischer Interessen in (Ost)Afrika zu schaffen.

Angesichts der Konzentration von Militär in der früheren französischen Kolonie Djibouti – neben Frankreich vor allem die USA, die ihr Camp Lemonier als eben solche Basis nutzen – und der Bedeutung des Indischen Ozeans für die Handelsschiffart auch etwas, was Deutschland im Auge behalten sollte.

(Archivbild 2014: Gespräch von chinesischen und italienischen Soldaten im Anti-Piraterieeinsatz vor der Küste Somalias – EUNAVFOR)

Afrika,Geopolitics · 12:56h ·  ,

11 Kommentare zu „Lesestoff: Chinas Basis in Djibouti“

  • Georg   |   29. September 2017 - 13:39

    Zitat:
    „The CNA report quoted a 2014 article from China’s Naval Research Institute, which listed the following seven potential locations for future Chinese military facilities: Bay of Bengal, Sittwe in Myanmar, Gwadar in Pakistan, Djibouti, Seychelles, Hambantota in Sri Lanka and Dar es Salaam in Tanzania.“

    Damit könnte China den gesamten Seehandel im indischen Ozean kontrollieren. Die Strecke folgt einerseits der klassischen Dau-Handelsroute von Tansania bis zum Oman und dann weiter um den indischen Subkontinent (Gawdar, Sri Lanka und Golf von Bengalen, Myanmar) als auch den zentralen Indischen Ozean von den Seychellen aus.
    Mit einem jeweils stationierten Expeditionskorps in Brigadestärke mit Hubschrauberunterstützung in den dort geplanten Festungen könnten auch sämtliche chinesischen Besitzverhältnisse, wie die landwirtschaftlichen Flächen in Ostafrika, event. Hafenrechte in Afrika oder die chinesischen Ölgeschäfte im Südsudan abgesichert werden. Dies alles ohne die mobile Komponente der Flugzeugträger, die zwar die Lufthoheit erringen können und Bombardierungen durchführen können aber letztendlich ohne Bodentruppen die Machtverhältnisse am Boden nicht dauerhaft verändern können.
    Dabei ist die Festung in Djibouti lt. den oben verlinkten Artikeln wohl autark, inklusive eigener Trinkwassererzeugung und direkten Seezugang. Sollte aus irgendeinem Grund ein Gastgeberland dieses Militärabkommen wieder kündigen wollen ist es nahezu aussichtslos, dass die Chinesen das Land wieder verlassen würden.

    Das Ganze schaut schon sehr stark nach militärischer Absicherung der in Afrika erworbenen Besitztümer aus (Landwirtschaftliche Flächen, Ölquellen, Häfen). Es dient der Strategie das chinesische Volk auch in 100 Jahre noch zu ernähren, wenn die Dominanz der USA u. Umständen nicht mehr gegeben ist.

  • Ottone   |   29. September 2017 - 14:54

    @Georg: Bitte was, China soll im Zweifel einen Teil Djiboutis besetzen wollen? Ok, ich bin ja schon froh dass nicht auch noch kleine gelbe Männchen Erwähnung finden. ;-) Darüberhinaus ist der indische Ozean (!) gross und für wen-auch-immer folglich unkontrollierbar.

  • hanz   |   29. September 2017 - 15:38

    Dazu gabs bei War College vor einigen Wochen auch einen recht interessanten Podcast:
    https://www.acast.com/warcollege/here-swhychinabuiltthatmilitarybaseinafrica

    (Wenn hier unerwünscht, bitte löschen, ich werde dann in Zukunft so etwas auch nicht mehr verlinken).

  • Mitleser   |   29. September 2017 - 17:31

    „Jointness“ bzw. Kooperation zwischen den Teilstreitkräften scheint für das chinesische Militär kein Problem zu sein. Die ZBD-09 Achtrad-APCs sind regulär bei der Volksarmee, aber nicht bei der chinesischen Marine bzw. den ihr zugehörigen Marines im Einsatz. Die Fahrzeuge tragen auch eine typische Tarnung der Volksarmee und nicht das Mehrton-Blau der Marines.

  • Alex   |   29. September 2017 - 17:31

    Das finde ich nicht fair! Mein Kommentar über China, die Umstrukturierung der Streitkräfte, Handels-Gürtel, Dschibouti, Pakistan, amphibitische Kräfte, usw. wird nach dem Urlaub nicht freigeschaltet und nun kommt Wochen später dies….

    [Könnte es damit zu tun haben, dass Sie den Kommentar zusammenhanglos irgendwo abgeladen haben? Ich finde es übrigens recht merkwürdig, mir vorzuwerfen „finde ich nicht fair!“, weil ich versuche, das hier nicht zu einem Ich-packe-mal-einen-Kommentar-dahin-wo-es-mir-gerade-passt-Gemischtwarenladen werden zu lassen.

    Aber bitte, die Passage aus Ihrem betreffenden Kommentar, die ja schon recht eindeutig anfängt:

    Falls China hier interessant sein sollte:
    – Marine-Infanteristen sollen um 80.000 erhöht/25% Personalausbildung innerhalb von 5 Jahren, amphibische mech. Divisionen verdoppeln, von 2 auf 10 Brigaden vergrößert, Armee um 300.000 dagegen reduziert werden, der Fokus allgemein massiv auf die Marine gelegt werden, um Handelsrouten zu sichern (Basis in Dschibouti, Pakistan, One Belt – One Road Initiative), das südchin. Meer zu kontrollieren und sog. Power Projection auf die Anlieger auszuüben.
    – Einführung des Petro-Yuan, durch Gold gedeckt: Falls sich dieser durchsetzen sollte, würde das in einer Inflation des Dollars resultieren. Bitcoin kontrollieren sie bereits.

    T.W.]

  • Georg   |   29. September 2017 - 19:00

    @ hanz

    Danke für die Verlinkung des Beitrages vom War College.

    Wir, die westliche Welt müssen uns langsam darüber klar werden, dass China in Afrika andere Interessen wie wir verfolgen.

    Die Verarmung der Landbevölkerung in Ostafrika z.b. in Äthopien geht weiter, wenn China massiv deren Ländereien aufkauft um Lebensmittel zu produzieren. Das erhöht natürlich den Flüchtlingsdruck in Richtung Europa.

    In dem Beitrag wird auch klar, das China massiv in Gaddaffis Ölgeschäfte in Libyen involviert war und im Süd-Sudan, vor deren Unabhängigkeit, lieferten sich amerikanische und chinesische Investoren ein Wettrennen um die Bohrrechte für die Ölquellen. Dies alles kommt nicht überraschend, sondern wurde bereits vor 10 Jahren von UN-Militärbeobachtern an die jeweiligen Heimatregierungen berichtet.

    Jetzt geht es um die Absicherung der Transportrouten und die Schaffung neuer Transportrouten, z.B. durch den Bau einer Eisenbahnlinie durch Äthopien um das Öl von Juba im Südsudan an verladefähige Häfen am indischen Ozean zu bringen.

    Dabei mischt China über einen privaten Security Dienstleister, früherer CEO von Blackwater, wohl auch im Südwesten von Somalia mit. Auch da soll es große Erdölvorkommen geben und Tiefwasserhäfen.

  • ThoDan   |   29. September 2017 - 20:18

    Hindustan Times heute

    Chinese, Pakistan pilots jointly fly combat jets during air exercise

    nach der gemeinsamen Shaheen VI Übung.

  • MikeMolto   |   01. Oktober 2017 - 8:54

    Zur chiunesischen Strategie:
    Ich komme gerade aus Usbekistan zurueck, dort hat China (natuerlich vertraglich mit der Uzb Regierung abgesichert) ein hochmodernes Autobahn-Teilstueck von 130km Laenge zwischen Samarkand und Buchara in der Wueste fertig gestellt, als Teil der ’neuen Seidenstrasse‘.

  • Georg   |   01. Oktober 2017 - 14:17

    @ MikeMolto

    Und all die neuen Verkehrwege, wie auch die geplante / im Bau befindliche Eisenbahnlinie von AFG durch Tadschikistan nach China, dienen der verkehrstechnischen Anbindung von China um Rohstoffe ins Land zu bringen, oder ?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   05. Oktober 2017 - 16:18

    Passend zum Thema:
    YL 3793 / Bw-Fachinformation
    Mommsen, Klaus – China: Marineinfanterie (soll globale Interessen wahren)
    Aufstellung neuer Brigaden geplant
    MarineForum : das maritime Geschehen im Blick. – 92 (2017), Heft 6
    Inhalt, grob:
    Es wird über die chinesische Marineinfanterie informiert. Ausgehend von den ursprünglich beim Heer in den 1950er Jahren aufgestellten Landungsverbänden zum Einsatz gegen Taiwan wird beschrieben, wie bei der chinesischen Marine eigene Kapazitäten einer Marineinfanterie in den Folgejahrzehnten unter Beibehaltung von Heeres-Seelandungskräften aufgebaut wurden.
    Auf heutige Strukturen der Seelandungskräfte in beiden Teilstreitkräften wird eingegangen, die in beiden TSK ca 100.000 Mann umfassen.

  • 2ct.   |   07. Oktober 2017 - 0:23

    Wer keine Angst vor grösseren Texten hat, sollte sich einmal den 2016 U.S.-China Kommissionsreport an den U.S. Congress vornehmen (insbesondere die Reform der Volksbefreiungsarmee, Seite 255ff). Oder den 2015 Report bzgl. der „One Belt, One Road“ Strategie („Ein Band, Eine Straße“).

    https://uscc.gov/Annual_Reports/2016-annual-report-congress
    [„2016 REPORT TO CONGRESS of the U.S.-CHINA ECONOMIC AND SECURITY REVIEW COMMISSION“; 16. Nov 2016]

    https://uscc.gov/Annual_Reports/2015-annual-report-congress
    [„2015 REPORT TO CONGRESS of the U.S.-CHINA ECONOMIC AND SECURITY REVIEW COMMISSION“; 17. Nov 2015]

    Eine gute Zusammenfassungen bzgl. der sicherheitspolitischen Entwicklung in China (Reform der Volksbefreiungsarmee) bietet auch der jährliche Report vom U.S. Department of Defense an den Congress.

    https://www.defense.gov/Portals/1/Documents/pubs/2017_China_Military_Power_Report.PDF?ver=2017-06-06-141328-770
    [„ANNUAL REPORT TO CONGRESS Military and Security Developments Involving the People’s Republic of China 2017“; 15. Mai 2017]

    Wer eine Idee über die Dimension(en) der „One Belt, One Road“ Strategie bekommen möchte, sollte sich folgende Quellen zu Gemüte führen (oder mal in Duisburg beim Güterbahnhof vorbei schauen).

    http://cic.nyu.edu/sites/default/files/zimmerman_new_silk_road_final_2.pdf
    [„The New Silk Roads: China, the U.S., and the Future of Central Asia“; Thomas Zimmermann – New York University; Okt 2015]

    http://www.rethinkinstitute.org/wp-content/uploads/2013/11/Fedorenko-The-New-Silk-Road.pdf
    [„THE NEW SILK ROAD INITIATIVES IN CENTRAL ASIA“; Vladimir Fedorenko – Rethink Institute; Aug 2013]