Neue Korvetten: Ringen um den Preis für die neuen Kriegsschiffe

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Die geplante Beschaffung von fünf weiteren Korvetten für die Deutsche Marine ist weiterhin von Problemen begleitet. Nachdem das Verteidigungsministerium den Auftrag für die Kriegsschiffe ohne Ausschreibung vergeben will und eine an dem Auftrag voraussichtlich nicht beteiligte Werft dagegen Widerstand angekündigt hat, gibt es nun offensichtlich Schwierigkeiten mit den vorgesehen Kosten für das Projekt.

Ein erstes Angebot der Werften, die den Zuschlag für die Schiffe erhalten sollen, sei vom Ministerium abgelehnt worden, berichtet Reuters:

Ein von Lürssen geführtes Werften-Konsortium ist beim Bundesverteidigungsministerium nach Angaben aus Rüstungskreisen mit einem ersten Angebot zum Bau von fünf Korvetten für die Marine abgeblitzt.

Das Angebot habe deutlich über dem im Haushalt veranschlagten Preis von 1,5 Milliarden Euro gelegen, hieß es am Dienstag in Rüstungskreisen. Um den Preis unter diese Grenze zu drücken, habe das Konsortium Zulieferer nun dringend aufgefordert, die eigenen Angebote in Kosten und Leistungsumfang zu reduzieren.

Eine Bestätigung oder Stellungnahme dazu von Lürssen oder dem Verteidigungsministerium gibt es bislang nicht.

Dass bei einer Rüstungsbeschaffung über den Preis verhandelt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Die Beschaffung der Korvetten ist allerdings mit einem engen Zeitplan verbunden – bis zur Sommerpause soll ein Vertrag dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorgelegt werden. Dieser Zeitplan ist damit nicht nur durch mögliche vergaberechtliche Schritte gefährdet, sondern auch durch die Preisverhandlungen.

 

24 Gedanken zu „Neue Korvetten: Ringen um den Preis für die neuen Kriegsschiffe

  1. Moment mal, Reduktion „im Leistungsumfang“? Wie habe ich mir das vorzustellen, jetzt nur noch 4 Korvetten? Oder werden die dann langsamer? Oder kriegen die ein MLG27 auf das Vorschiff anstelle der 76/62?

  2. Vielleicht sollte das BMVg mal öffentlichkeitswirksam bei GNYG anfragen. Mal sehen, um wie viele hundert Millionen das Angebot dann plötzlich billiger wird. =)

  3. Popcorn! Bier! Das ist ja nicht zu fassen.
    Politisch-industriell wird eine Zahl in den Haushalt geschrieben und dann stellt man bei der Umsetzung durch die Werft als „Begünstigter“ fest, dass die Kohle nicht reicht? Hätte irgendwer laut aufgeschrien wenn Kahrs sofort 2Mrd reinregiert hätte? Jetzt sieht man, wozu ein bisschen Planung gut hätte sein können.
    Die Frage der Reduktionen stelle ich mir nun auch. Kommt jetzt wie beim Boxer vorher die Kosmetikabteilung und erfindet zahlreiche Beistellungen, die dann aus anderen Töpfen zu erbringen sind? Wieso macht das BMVg nicht einfach die Augen zu, lässt den Vertrag laufen, erteilt die Freigabe und legt das dann alles den Politikern vor, die sich das so sehr gewünscht haben?

  4. da es kein Bällebad gibt setze ich das mal hier rein, passt ja zu Schiffen, Booten und Bestellungen von Ersatz :)

    Laut den Kieler Nachrichten hat die Marine nach Maschinenschaden der Spessart momentan keinen einsatzfähigen Tanker. Die Rhön ist ja seit Monaten in der Werft.

    Kommt davon wenn man nie neues bestellt, sondern nur außer Dienst stellt und auf Kante lebt

  5. @ gk jürgen

    noch nicht mal auf Kante, sondern Geld für Dinge ausgibt die entweder wie man beim Heer hörte nie kamen wie Luftkissenboote oder immer noch „Seereisen“ mit Abhärtungscharakter und Empfangsdienstleistungen für das AA „anbietet“. Ich denke, dass man nur noch Geld für wirklich notwendiges ausgeben sollte. Nach Abschaffung der Schnellboote, die waren nun wirklich alt, braucht es Korvetten, aber die haben einen Gesamtpreis, und den kennt man eigentlich vorher. Also liegt der Verdacht der Mauschellei doch mal wieder recht nahe.

  6. Jedes öffentliche Großprojekt läuft nach dem selben Muster ab (Elbphilharmonie, Stuttgart 21, BER usw).

    Das erste Angebot ist zu hoch um das Projekt politisch zu genehmigen, um das Projekt trotzdem durch zu bekommen, wird der Leistungsumfang im beiderseitigen Einvernehmen abgespeckt und hinterher gibt es eine kräftge Nachforderungen bis das Bauwerk steht, bzw. die Maschine einsatzfähig ist.

    Wie war das nochmal bei der ersten F124 Fregatte ?

    Verweigerung der Seetauglichkeit wenn nicht sofort für ca. 100 Mio Euro ein Retrofit-Paket in der Herstellerwerft durchgeführt wird ?

  7. War nicht der Stückpreis der ursprünglichen 5 Korvetten 200Mio?

    Interessant wäre jetzt die Frage: Wo sollen denn die Kostensteigerungen entstanden sein? Bei den 5 neuen Korvetten, oder bei den obsoleszenzbeseitigenden Maßnahmen?

  8. @gk jürgen

    Es nimmt ein wenig überhand, etwas nach dem Motto „gibt kein Bällebad, dann hier“ zu posten. In dem Fall gibt es wenigstens noch einen leichten maritimen Zusammenhang; ich wäre allerdings dankbar, wenn die Kommentarfunktion nicht so missbraucht würde.

  9. Warum sollten die auch einen Wettbewerbspreis anbieten, wenn es hier weder Wettbewerb noch Markt gibt? Man muss schon wenigstens so tun, als ob man Alternativen hätte, sonst kann es teuer werden … Sinnvollerweise würde die Politik zumindest noch andeuten, dass die Marine auch anders beschaffen kann.

  10. @ gk jürgen

    Die Rhön ist NICHT seit Monaten in der Werft. Im März musste die „Rhön“ die Teilnahme an einem Manöver mit der Marine Südafrikas in der Nordsee unmittelbar nach Beginn wegen einem Maschinenschaden abbrechen und in den Heimathafen Wilhelmshaven zurückkehren.

  11. Wenn das Korvettenprojetkt nicht vor der Wahl den BT passiert, ist das Projekt geplatzt. Denn niemand weiß, wie die neue Regierung aussieht und ob diese auch mehr Korvetten bzw. dieselben Korvetten haben will. Das Lürssen-Konsortium könnte sich hier also schnell verzocken.

  12. @closius 20:53: Sehe ich auch so. Wird dann nur schade gewesen sein um die erfolglose Mehrarbeit für einige Fachleute von der Marine.

  13. In solchen Fällen ist meistens die Preissteigerung strittig.
    Die Marine wird den Preis vom Vertragsschluss 2001 (?) zu Grunde gelegt haben und ihn mit etwa 30% Preiseskalation gesteigert haben. Mir ist ein Preis von circa 230Mio €/ Stück in Erinnerung (kann das jemand bestätigen?), also liegt der erwartete Gesamtpreis bei etwa 1500 Mio. Rechnung: 230Mio € x 1,3 x 5 Schiffe = 1500 Mio €.
    Die Rüstungsindustrie wird dann erklärt haben, dass die Preissteigerung bei 60% liegt. Schwupps ist der Preis höher. Es gibt keinen Index für Preissteigerungen im Rüstungssektor, man muss sich diesen aus verschiedenen Indizes „zusammen basteln“ und genau da gehen die Meinungen auseinander.
    Wirklich belastbar ist ein Index im Rüstungssektor nicht zu beziffern, schon gar nicht wenn man sich in einem Angebotsmonopol befindet und der Preis nicht im Wettbewerb ermittelt werden kann.
    Das „finger-pointing“ zwischen Hauptauftragnehmer und Unterauftragnehmern gehört da natürlich mit zum Programm (Motto: „Ich war’s nicht, er hat angefangen“).

    Ich bin ganz bei closius | 11. April 2017 – 20:53
    Hoffentlich verzockt sich hier keiner, trotz divergierender Interessen. Die Gefahr ist real, dass am Ende alle Verlierer sind: Die Marine bekommt keine Schiffe, Lürssen keine Auftrag, in Hamburg drohen Entlassungen, MdB Kahrs verliert Wählerstimmen und GNYK geht ebenfalls leer aus.

    Also Leute, strengt euch an! Die Korvetten sind gute Schiffe. Fünf zusätzliche, schnell verfügbare Korvetten sind genau das was die Marine nun braucht. Vielleicht auch vier und ein sehr umfangreiches Ersatzteilpaket

  14. @ T.W. – Wäre es gelegentlich möglich bei diesem Artikel ausser dem Tag-Ettikett „AUSRÜSTUNG UND SO “ auch Deutsche Marine, Korvetten, K130 als Suchbegriff im Nachhinein anzulegen, so zur besseren Auffindbarkeit.
    Dieser Eintrag ist nur ein Hinweis und kein Kommentar, und kann gelöscht werden.

    [Ich versuche das bisweilen, aber denke auch nicht immer dran. Andererseits gibt es links ein Suchfeld – und wenn alles nicht hilft: bei Google nach dem Muster ‚Korvetten K130 site:augengeradeaus.net‘ führt ziemlich sicher ans Ziel. T.W.]

  15. Das passiert halt, wenn Soldaten mit der Industrie das Angebot schreiben. Die permanente Missachtung des Grundgesetzes (z.B. Art.33 oder Art. 87a+b) zeigt seine Wirkung in allen Rüstungsprojekten.

  16. Man stelle sich einmal das Geschrei vor, wenn das Lürssen-Angebot ein „Volltreffer“ gewesen wäre ;-) Nicht zuletzt aufgrund der GNYK-Interventionen hat man ja auch noch a bisserl Zeit für Name/Blame-Gaming…..mindestens bis zum 07. Mai (Wahl in SLH).

    @Aspelund

    Top-Kommentar.
    Kleine Ergänzung noch: K-130 war ein Design-to-Cost-Project mit der angehängten politischen Karotte, dass es ja mehr als 5 Korvetten werden sollten. Man hat also die Arge gezwungen einen Stückpreis auf der Grundlage einer größer als 5 Serie zu kalkulieren. Soweit ich mich erinnere standen damals im BW-Plan offiziell 10 Korvetten. Nun hatten damals die Werften mehr „in house“ als heutezutage. Mehr Zulieferer, mehr overhead- und transaktion-cost. Beim 1. Los hatte die Marine auch mehr Beistellungs-Kapa als heute.
    Ich denke, man wird sich einigen, denn ein Scheitern des Projektes wäre mehr als nur „blamabel“ for all interested parties.

  17. An die Admirals & Seemänners vonne Marine…
    Wat wollen wir mit x+ Korvetten, wenn wir jetzt schon die Besatzungen nicht vollzählig bekommen und keine Munition mehr an Bord haben???
    Solange wir unser „Mehrbesatzungserfolgsmodell“ nicht schleunigst wieder beenden,
    zu einer soliden Ausbildung zurückkehren und endlich wieder mit Munitionsgrundbeladung & Ausbildungsmunition bestückt werden, mit der „Mann“ auch wieder schiessen kann,
    ist diese Flaggenstockdebatte nicht mehr zu ertragen, fernab jeglicher Realitäten und wir
    fahren weiter mit einer Pseudomarine zur See.
    Wer es nicht glaubt, lässt es.
    However,
    @T.W. Fragen Sie doch mal bei der nächsten PK,
    z. B wieviel Schiff – Luft FK die gesammte Deutsche Marine hat, um die Air Defence Rolle bei einer evtl.Carrier Ops. mit der US Navy durchzuführen…bei Schiff – Schiff FK wird die Sache noch spannender.
    Bottom line: Raus aus der Cloud – Rein in die Realität, sonst wat dat nüscht mer.

  18. @SEAKING

    Der BdF/StvInspM hat ja gerade das Lied von der „overstretched und-stressed“ Flotte gesungen und das Lied wurde hoffentlich in den „high places“ gehört. Es macht aber keinen Sinn, jetzt alle Flaggenstock-Debatten hinzuwerfen und in konzeptionelle und beschafferische Aktionismen zu verfallen. Nachholbedarf und Zukunftsbedarf muß im Kontext gesehen werden, und m.A.n ist gerade dieses 2.Los K130 der beste Beleg dafür, dass dies gerade geschieht in der „german maritime community“ – hoffnungsloser Optimist, der ich nun mal bin ;-)

  19. @klabautermann
    Sollten wir nicht j e t z t eine kampffähige Flotte haben?
    Ansonsten …100 % Einigkeit…wenn wir es schaffen die Besatzungen zu bekommen,
    wonach es derzeit nicht aussieht.

  20. @SEAKING

    Na ja, das Erfordernis eine konventionell und robust kampffähige Flotte zu haben besteht ja nun eigentlich erst (wieder) seit ca. 3 Jahren, und in dieser Zeit wurde aus „übergeordneten“ politischen Gründen diese Kampffähigkeit in der planerischen Priorisierung hinten an gestell und in der operativen Wirklichkeit weiter ausgeweidet.. Und wenn ich mir so einige „Heeres“-Kommentare hier durchlese, dann kann das ruhig so weiter gehen. Also bitte nicht in ein Jagdhorn blasen, sondern das Schiffssignalhorn ertönen lassen ;-)
    https://www.youtube.com/watch?v=FEvYj0fts4I
    Vielleicht hören die das dann endlich in Berlin

  21. Eigentlich kann die Marine ihre Hände in Unschuld waschen. Denn sie beschafft nichts, sie darf sich allenfalls was wünschen. Die Beschaffung spielt sich zwischen Ministerium, Planungsamt und BAAIN ab. Geht in diesem Prozess, wie so oft, was ins Beinkleid heißt es die Marine hätte, könnte, sollte…
    Die militärische Seite ist in fast allen Belangen zum Bittsteller mutiert. Politisch so gewollt und insofern offensichtlich vom Wähler mitgetragen. Die paar „Milliönchen“ welche die Marine noch zu verantworten hat, dürfen sorgsam für Betriebsstoffe, Hafengebühren, Müllentsorgung und ähnliche Dinge ausgegeben werden. Auch bei der K 130 kann sich die Marine den Mund fusselig reden, der Beschaffungsgang muss sich da nichts von annehmen. Das trifft im Prinzip auch auf die Besatzungen zu, egal nach welchem Konzept sie zusammengestellt werden. Im Personalamt wird das Personal geführt und ähnlich wie in einer Leiharbeitsfirma den Streitkräften zur Verfügung gestellt oder eben auch nicht. Das kann, für alle Bereiche des täglichen Lebens, wie Infrastruktur, It-Ausstattung, Bekleidung etc. so weiter gesponnen werden. Die die kämpfen haben kein Entscheidungsrecht womit und mit welchen Unterstützungsleistungen.

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