Bundeswehr-Oberleutnant gab sich als Flüchtling aus, beschaffte Waffe (m. Nachtrag)

Die Geschichte ist vordergründig merkwürdig, bei genauerer Betrachtung vermutlich aber auch brisant für die Bundeswehr: Ein Oberleutnant der deutschen Streitkräfte, stationiert beim Jägerbataillon 291 der Deutsch-Französischen Brigade in Illkirch bei Straßburg, hat sich erfolgreich als syrischer Flüchtling ausgegeben. Der Mann geriet zusammen mit einem Studenten aus Offenbach in das Visier der Behörden, als er auf dem Wiener Flughafen eine illegal beschaffte Waffe aus einem Versteck holte. Beide wurden festgenommen, der Verdacht der Ermittler ist die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Die Festnahme nahm die Polizei am (gestrigen) Mittwoch in Hammelburg vor, als der 28-jährige dort einen Lehrgang absolvierte. Besorgniserregend ist dabei, dass der Oberleutnant gleich bei mehreren Behörden seine Aktivität ohne Alarmsignale durchziehen konnte: Weder bei der Bundeswehr noch bei der Registrierung als Asylbewerber fiel er auf. Dabei gibt es laut Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund – und die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erkannten offensichtlich nicht, dass sie einen deutschen Staatsbürger vor sich hatten, der nach Medienberichten noch nicht mal Arabisch sprach.

Update: Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag mitteilte, wurde für  beide Festgenommenen Untersuchungshaft angeordnet.

Nachtrag: Einige neue Details bei Spiegel Online: Flüchtling und Soldat – das Doppelleben von Oberleutnant Franco A.

Die Mitteilung der Frankfurter Staatsanwaltschaft vom (heutigen) Donnerstag im Wortlaut:

Festnahme eines Bundeswehrsoldaten und Durchsuchungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat
In einem seit Februar 2017 geführten Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und des Bundeskriminalamtes wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, des Verstoßes gegen das Waffengesetz und des Betruges haben rund 90 Polizeibeamte des Bundeskriminalamtes, der Landespolizeibehörden Hessen und Bayern, der Bundespolizei sowie österreichischer und französischer Sicherheitsbehörden am 26. April 2017 insgesamt 16 Objekte in Deutschland, Österreich und Frankreich durchsucht und im unterfränkischen Hammelburg einen tatverdächtigen deutschen Staatsangehörigen aus Offenbach am Main festgenommen.

Bei dem festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um einen 28 jährigen in Illkirch/Frankreich stationierten Oberleutnant der Bundeswehr. Ihm wird vorgeworfen, Ende Januar 2017 am Flughafen in Wien Schwechat/Österreich auf einer Toilette eine geladene Schusswaffe, Kaliber 7,65 mm, in einem Putzschacht versteckt zu haben. Bei dem Versuch, die Pistole, für die er keine waffenrechtliche Erlaubnis besaß, am 3. Februar 2017 wieder an sich zu nehmen, wurde der Beschuldigte durch die österreichischen Behörden vorübergehend festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt.

Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen ergaben konkrete tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschuldigte am 30. Dezember 2015 gegenüber der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen unter Aliaspersonalien als syrischer Flüchtling ausgegeben und Anfang Januar 2016 in der Erstaufnahmeeinrichtung im bayerischen Zirndorf einen entsprechenden Asylantrag gestellt hat. In der Folge soll er eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim erhalten und seit Mitte Januar 2016 monatliche finanzielle Leistungen unter dieser falschen Identität bezogen haben. 

Diese Erkenntnisse sowie Anhaltspunkte, die für einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Bundeswehrsoldaten sprechen, legen den Verdacht nahe, dass der Beschuldigte mit der zuvor am Wiener Flughafen hinterlegten Waffe eine schwere staatsgefährdende Straftat im Sinne eines Anschlags geplant hat.

Ein ebenfalls beschuldigter 24 jähriger Student aus Offenbach am Main soll in mögliche Anschlagsplanungen des Soldaten einbezogen gewesen sein.

Durchsucht wurden die Wohnungen der beiden Beschuldigten und anderer Personen aus ihrem Umfeld sowie Diensträume der Bundeswehr. Im Zuge der Maßnahmen fanden die Ermittler umfangreiches Beweismaterial, insbesondere zahlreiche Mobiltelefone, Laptops sowie schriftliche Unterlagen. Außerdem konnten bei dem Studenten Gegenstände sichergestellt werden, die unter das Waffengesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz bzw. das Sprengstoffgesetz fallen. Er wurde daher ebenfalls festgenommen.

(Archivbild 2010: Aufstellungsappell des Jägerbataillon 291 –  Bruno Biasutto/defense.gouv.fr)

78 Gedanken zu „Bundeswehr-Oberleutnant gab sich als Flüchtling aus, beschaffte Waffe (m. Nachtrag)

  1. Nüchtern betrachtet, handelt es sich hier um einen „Innentäter“-Fall, wie er auch im zivilen Bereich vorkommen kann. Da ich über lange Jahre mit diesem Thema zivil befasst war, kann ich dazu zunächst darauf hinweisen, dass Innentäter häufig sehr kurzfristig „entstehen“ (z.B. aus einer Lebenskrise heraus, „problematischen Liebesbeziehungen“ usw.) Diese Entwicklungen lassen sich durch formale Überprüfungen nur schwer erkennen, z.B. weil selbst Sicherheitsüberprüfungen nur in mehrjährigen Abständen durchgeführt werden. Hier gibt es natürlich ergänzende Regelungen wie die für Personal in sicherheitsempfindlichen Tätigkeiten in der Luftfahrt; dort werden erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse verwaltet, an denen eine „Nachmeldepflicht“ beim Bekanntwerden von Straftaten „hängt“. Selbst ein solcher Mechanismus hätte im vorliegenden Fall vermutlich nicht gegriffen. Wir haben nun einmal – aus guten Gründen – einen Schutz personenbezogener Daten, der Vorgehensweisen wie den verdachtsunabhängigen Abgleich von Datenbeständen i.d.R. untersagt. So wäre selbst bei den Inhabern von Sicherheitsüberprüfung ein Abgleich der Daten z.B. mit Flüchtlingsregistern vermutlich unzulässig.

    Hier greifen Konzepte des sorgsamen „Hinhörens“ durch Kollegen / Kameraden und Vorgesetzte. Dass diese in einem sensiblen Spannungsfeld zwischen berechtigten Sicherheitsinteressen und Denunziantentum gelebt werden müssen, bedarf keiner weiteren Diskussion.
    Aber selbst hier ist ein Erkennen nicht immer möglich, denn nicht Alle tragen ihre Gesinnung auf der Zunge.

    Fazit: Innentäter – ob in Zivil oder in Uniform – bleiben ein Risiko. Dies kann durch eine entsprechende Sicherheitskultur – gefördert durch mehr Zeit für das Führen von Vorn – reduziert, aber nicht eliminiert werden.

    (Diese zivilen “Weisheiten“ habe ich übrigens vor 10 Jahren in Workshops mit der Atomindustrie gelernt)

  2. Zitat: „und die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erkannten offensichtlich nicht, dass sie einen deutschen Staatsbürger vor sich hatten, der nach Medienberichten noch nicht mal Arabisch sprach“

    Ich habe in meinen Kommentaren nur Bezug auf Ihren Artikel genommen und versucht zu erklären, warum er beim BAMF nicht unbedingt aufgefallen sein muss.

  3. @all

    Da einige immer wieder drauf verweisen, laut Medienberichten sei der Asylantrag des Oberleutnants genehmigt worden, verweise ich gerne noch mal auf die Aussage der Staatsanwaltschaft:

    Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen ergaben konkrete tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschuldigte am 30. Dezember 2015 gegenüber der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen unter Aliaspersona lien als syrischer Flüchtling ausgegeben und Anfang Januar 2016 in der Erstaufnahmeeinrichtung im bayerischen Zirndorf einen entsprechenden Asylantrag gestellt hat. In der Folge soll er eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim erhalten und seit Mitte Januar 2016 monatliche finanzielle Leistungen unter dieser falschen Identität bezogen haben.

    Wer hier mit der Aussage auftreten will, die Staatsanwaltschaft habe falsch informiert, möge das bitte so sagen und dann auch weitere Belege beifügen.

    /edit: Ich habe den Kollegen der Welt mal um Klärung gebeten, denn dieses Blatt ist das derzeit einzige Medium, das von einer Anerkennung des Asylantrags berichtet.

  4. Dieses abwiegeln ala „jeder hat Faule Eier im Stall“; „die Bundeswehr ist Abbild der Gesellschaft“ hakt doch gewaltig.
    Gerade in diesem Verein sollten genau diese Themen oberste Priorität haben, mit ausführlicher Selbstkontrolle!

    Allerdings ist es ja kein Geheimnis das der Laden immer noch ne tendenzielle Rechte Strömung hat, da fällt das unter dem Teppich kehren natürlich umso leichter.

  5. Mehr als mysteriös, dieser Vorgang.

    Weder das Rumhantieren mit einer Kurzwaffe im Ausland, noch das Erschleichen von Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz stellen eine staatsgefährdende Straftat dar, auch wenn es durchaus strafbar sein kann. Wenn beides nicht im dienstlichen Zusammenhang stattgefunden habe sollte, ist es (für sich) erstmal einfach nur unfassbar dumm für einen Offizier.

    Interessanter ist der Satz: Dabei gibt es laut Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund …

    Gibt es dazu nähere Informationen? Ein Oberleutnant ist aufgrund seiner Ausbildung eine gefährliche Waffe, bei der darauf zu achten ist, dass sie im Hirn nicht falsch gepolt ist. Was ist also der eigentlich brisante Hintergrund und warum wird dazu so wenig geschrieben?

  6. @T. Wiegold
    Angesichts der durchschnittlichen Dauer von Asylverfahren sollte eigentlich bereits seit einiger Zeit über den Antrag des Festgenommenen entschieden worden sein. Andere Medien berichten auch recht detailliert über seine Anhörung in diesem Zusammenhang, in der er sich u.a. als französischstämmiger Syrer ausgegeben habe.
    Die Erklärung der Staatsanwaltschaft widerspricht zudem ja auch nicht einem solchen Verlauf, sondern wäre damit vereinbar.
    Darüber hinaus wirft die Erklärung der Staatsanwaltschaft aber dennoch einige Fragen auf, denn die Registrierung und falschem Namen als Flüchtling und die fremdenfeindliche Einstellung werden als die einzigen Anhaltspunkte für die Vorbereitung eines Anschlags genannt. Aus einer auch mit ganz anderen Motiven erklärbaren Straftat und einer fremdenfeindlichen Einstellung ergibt sich alleine so eine Absicht aber noch nicht. Außerdem passt das berichtete Verhalten bislang nicht zu dem, was bei einer Anschlagsvorbereitung zu beobachten gewesen wäre, und geht mehr in Richtung OK. Die andernorts geäußerte Mutmaßung, der Festgenommene habe mit einem Anschlag Flüchtlinge diskreditieren wollen, passt zudem nicht dazu, dass er sich als syrischer Christ ausgegeben habe, womit er wohl kaum glaubwürdig einen islamistischen Anschlag hätte vortäuschen können. Es bleibt also spannend.

  7. Nach dem Update scheint es sich doch Terrorismus zu handeln. Wurde der MAD in die Ermittlungen einbezogen oder ist dies dann reine Sache der Polizei ?

  8. @Brick

    Als aktiver Soldat frage ich mich, wie Sie zu der Erkenntnis im letzten Abschnitt kommen. Können Sie dies auch mit Fakten belegen? Falls nicht bitte ich um mehr Sachlichkeit.
    Horrido

  9. Dass es nicht nur um illegalen Waffenbesitz geht oder um das Erschleichen von Leistungen dürfte sich aus der TKÜ ergeben haben. Diverse Sprachnachrichten ließen wohl auf das Motiv als auch auf die Planungen schließen.

    @ Kartenabreißer | 27. April 2017 – 17:36

    Polizei und Bundeswehr haben einen höheren Anteil von „autoritaristischen“ Persönlichkeiten. Dies wird bei progressiven Linken gern als „rechts“ verstanden, ignorierend, dass man im eigenen Laden mit Altstalinisten ganz ähnliches Personal hat. Es gibt aber diverse Studien, die zum Beispiel die Frage danach, ob eine starke Führerpersönlichkeit nicht besser sei als Demokratie, von den Uniformierten des Landes statistisch signifikant häufiger mit „ja“ beantwortet sehen. Ganz unabhängig davon sind Soldaten aber auch bei „Law and Order“- und Konservativismus-Skalen eher auf der „rechten“ Seite. Das sind immer statistische Mittelwerte, die man nicht persönlich nehmen muss.

  10. @T.Wiegold: Hessenschau.de berichtet, daß der verdächtige Soldat nur subsidiären Schutz bekommen habe. Dies würde bedeuten, daß er kein Asyl bekommen hat und nicht als Flüchtling anerkannt worden ist, aber daß er einen Aufenthalt für ein Jahr bekommen hätte und nicht abgeschoben werden darf nach Syrien, weil im Falle einer Abschiebung er an Leib oder Leben gefährdet wäre.

  11. Von mir mal eine dumme Frage:
    Es heißt ja, dass er ein Verbrechen welcher Art auch immer, aus welchen Beweggründen auch immer, begehen wollte.
    Deswegen hat er sich als Asylbewerber getarnt, in der Annahme, dass bei der Aufklärung eines Verbrechens die Fingerabdrücke eines Asylbewerbers gefunden werden.
    Meinung 1:
    Wie realistisch ist das? Kann ich ein Verbrechen begehen, darauf hoffend dass nur meine Fingerabdrücke zur Auswertung kommen und dabei komplett ignorieren, dass wohl auch ein Foto des zu den Fingerabdrücken passenden Verdächtigungen (ich gehe von Fotos aus) in den Medien erscheinen?
    Meine Meinung, gerne auch angreifbar:
    So blöd zu sein und trotzdem Oberleutnant, Respekt.
    Meinung 2:
    Hier müssen mir jetzt bitte die aktiven helfen:
    Mit 28 Jahren auf dem Einzelkämpfer?
    Zum Spaß, weil es Spaß macht? Als OLt? warum war er nicht schon vorher da, gehörte vor 10 Jahren noch zur normalen Ausbildung, aber ich bin schon lange weit weg.
    Werferfehler

  12. @Werferfehler Meinung 2

    Das Alter erstaunt nicht wirklich. Ich gehe jetzt vom wahrscheinlichsten Fall OL 3 aus. Da liefen vorher 1 1/2 Jahre OAL, OL 1 usw + 4 Jahre Studium+ 1/2 Jahr Verlauf im OL 3. Jemand, der mit 18 direkt eingestellt wurde, ist dann 24.
    Hat man vorher FWDL, ziv. Ausbildung whatever gemacht und erst mit 22 OA geworden ist, dann kommt halt ein Alter wie 28 zu Stande.

    Ist absolut nichts außergewöhnliches mehr.

  13. Egal was für eine irre Geschichte dahintersteckt- das hätte sich ja kein Krimi-Autor ausgedacht- auch keine gute Presse für unsere Innere Führung. Zumal es sich um einen Offizier mit mind. 6(?) Dienstjahren handelt…
    Und: zumindest für die Medien ist der Beruf sehr relevant – wie auch bei der Angreifern d s NDR-Journalisten.

    Da war aus Sicht der Personalgewinnung der Dienstag noch der beste Tag dieser Woche. Da hat der BRH nur festgestellt, dass die Personalgewinnung nicht gut aufgestellt wird und wir während der Dienstzeit Sport machen dürfen…. ich nehme meine Kritik daran komplett zurück! Der Hof ist mir jederzeit willkommen! Und der BEA GenInsp auch- willkommen auf einer Insel der Glückseligen!

  14. @Insider
    Hätte mich auch gewundert:
    Laut Tagesschau hat der MAD Mitwisser im Kameradenkreis des Beschuldigten bestätigt.
    Interessant denn, im Kameradenkreis heißt doch wohl im Leutnantskreis, oder?
    Falls ja, da haben Mitwissende junge Offiziere weggeschaut? (Nennt sich „Leutnante ’17“, bedenklich)

    @Schlingel
    Danke, Sie kennen Zahlen? Muss aber nicht sein: Wichtig aber, falls das über Zuversetzung geregelt wird, die Ausbildung zum „Ermittler“ (sicher falscher Begriff), dauert -, wie lange? Reicht der Zeitraum bis zum 01.07.17 zur entsprechenden Verwendung?

  15. Vom Alter, Stationierung und Ausbildung her kann man einen Offizier (unmittelbar) nach dem Studium vermuten.
    Der Einzelkämpfer erfolgt heutzutage im Rahmen der Ausbildung (nur Kampftruppe!) nach dem Studium. Die Kameraden sind dann bereits deutlich lebensälter als früher. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Besteherquote (deutlich geringer, auch und insbesondere in den Kampftruppen)

    Warum fällt so etwas niemandem auf, bzw warum meldet sich der Kameradenkreis nicht. Warum fällt ein Doppelleben gerade im Studium nicht auf?
    Der Offizier neuer Ausbildungsart ist qua Werdegang Individualist. Bezugsgruppen werden spätestens nach Lehrgangsende zerrissen. Wo früher die Einheit oder das Bataillon in noch jungen Jahren Erziehung Ausbildung, auch mal Halt gegeben hat, so muss sich dies heutzutage der OA selber irgendwo suchen. Insbesondere im Studium ist er sich selbst überlassen. Erzeihung zum militärischen Führer und Vorbild mit gelebter Inneren Führung findet in den 4 Jahren an der Uni, welche den Hauptteil der OffzAusbildung ausmachen, nur in homöopatischen Dosen statt. Dies wird aber meistens mit Verweis auf den Studienerfolg aktiv unterbunden. Die Offiziere (oder solche die es werden sollen) haben sich wie zivile Studenten zu benehmen, das Tragen der Uniform ist von Dozenten teilweise nicht gewünscht, ein korrigiernedes Element im Sinne des Staatsbürgers in Uniform in Form eines Fähnrichsvaters gibt es nicht. Wurde der Offizier früher im Bataillon von seinem Fäh richvater als einer von max 15 erzogen, verschwindet er heute in der Masse von bis zu 150 Offizieren einer Verwaltungseinheit. Wo soll da der Charakter eines Führers, Erziehers und Ausbilders herkommen?

    Dies dann im OL3 nach dem Studium aufzufangen, wo die Masse und die eigentliche Fachbezogene Ausbildung stattfindet ist nicht mehr möglich. Der Offizier ist als Mensch geprägt. Manchmal gut, in vielen Fällen schlecht. Wenn die Prägung durch z.B. eine Studentenverbindung a la Germania stattgefunden hat … herzlichen Glückwunsch.

    Leider wurde die Entscheidung der Offz-Ausbildung anscheinend rein nach technischen Gesichtspunkten entschieden. Die emotionale, den Menschen prägende und Erzieherische Seite hat wohl keiner Bedacht.

  16. @Harry

    viele hier müssen mal in der neuen Zeit ankommen, ein Offizier mit 6 Jahren Dienstzeit ist gerade mal Berufsanfänger, er hat vier Jahre im Studium verbracht wo der Kontakt zum Militär gegen Null tendiert und weder eine (mil)Sozialisation stattfindet noch ein großartiger Kontakt zu den Vorgesetzten, davor ist er ein bisschen Fit gemacht worden in den OA Btl und an der Offz Schule und danach sitzt er im OAL 3, wurde von @Blücher auch schon geschrieben.
    Wie man so etwas verhindern will ist vermutlich genauso Utopisch wie einen islamischen oder whatever -ischen Einzeltäter den es gilt das man nach dienst nun mal ein freier Mensch ist und der Dienstherr hat nur sehr beschränkt Möglichkeiten in die Köpfe der Soldaten hineinzuschauen das ist nun mal überall so in einer pluralistischen Gesellschaft
    .
    Eigentlich hat in diesem Fall der Fahndungsapparat doch recht gut gearbeitet, schnell wurde erkannt was lief und die betroffenen Personen langzeit überwacht.

    Eine prophylaktische Verhinderung ist einfach Utopisch.

  17. Ich spekuliere:
    Falls der Oberleutnant, wie von manchen vermutet, den Verdacht für irgendeine kriminelle Tat auf „Flüchtlinge“ lenken wollte, ist das nicht klug durchdacht.
    Hätte er Fingerabdrücke hinterlassen, wäre man so auf den falschen Namen und auch auf das Foto des falschen Flüchtlings gestoßen .Bei einer öffentlichen Fahndung wäre der Oberleutnant von Kameraden erkannt worden.
    Zudem hat er sich als christlichen Flüchtling ausgegeben, der Verdacht wäre also auf einen Christen gelenkt worden.

  18. Ja, an der Uni lebt man alleine. Danach auch, man ist ja Offizier und hat Freizeit bzw Wochenende.
    Wäre so etwas zu verhindern? Ich denke die Behörden haben soweit gute Arbeit geleistet.
    Wer nach mehr Überwachung ruft: geht es sonst nicht um weniger?
    Falls doch: mMn muss ein solcher Fall, sofern weder vorbestraft noch polizeibekannt, weder in der Ü1 noch Ü2/Ü3 auffallen. Daher sehe ich hier kein Versagen der Bw.

  19. @steinekraxler 20:37
    Mit dieser Argumentationskette müßten in Luftwaffe und Marine nur charakterschwache, unfähige Individualisten vorhanden sein, haben diese TSK doch deutlich vor dem Heer auf Studium nach 15 Monaten in der OA-Laufbahn umgestellt.
    Ich wage allerdings zu behaupten Luftwaffe und Marine haben größtenteils charakterlich gefestigte und kompetente Offiziere in Ihren Reihen – trotz frühem Studium.
    Ihre Behauptung der Großteil der heutigen Offiziere sei als Mensch vorwiegend „schlecht“ geprägt ist nicht nur beleidigend sondern schlichtweg falsch!
    Jon

  20. Zu dem Fall gibt es im WDR ein Interview mit dem Hausherrn.
    Link kann ergoogled werden.

    [Link kann auch hier eingestellt werden; allerdings finde ich bei WDR2 bislang nur ein anderes Audio zum Thema, nicht das zum (kurzen) Gespräch mit mir? T.W.]

  21. Na ja, was immer der Plan des Herrn OLt gewesen sein mag, nach dem Zugriff in Östereich sollte ihm schon klar geworden sein, dass der ursprüngliche Plan nicht mehr durchführbar war – also Spuren vernichten, abwarten und nach der zu erwartenden Festnahme mit einem guten Anwalt letztendlich nur den Sozialleistungsbetrug „reuig“ gestehen – und gleichzeitig wird er zum politischen „Helden“, der die Unzulänglichkeiten des deutschen Asylwesens in Verbindung mit innerer Sicherheit nachgewiesen hat.
    Asylantragsteller müssen ja nicht Terroristen sein, reicht ja schon wenn man sie als Kriminelle „markieren“ kann. Kleiner Banküberfall unter Zurücklassung der fake-identity-documents ?

  22. Spontan finde ich hier einen Beitrag:

    http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/audio-experte-zu-gefasstem-offizier-truppe-zieht-bestimmte-leute-an-100.html

    Durchaus richtige Argumente, Herr Wiegold.

    Worauf stützt sich eigentlich der Vorwurf, dass dieser Franko A. einen Anschlag geplant habe?

    In der Welt steht das hier:
    Die Ermittler gehen in diesem äußerst ungewöhnlichen Fall von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Nach Informationen der „Welt“ soll er mehrfach in einem Chat gegen arabische Asylbewerber und Muslime gehetzt haben.
    Aus Ermittlerkreisen heißt es, der Soldat könnte vorgehabt haben, seine Tarnung als Flüchtling für eine möglicherweise ausländerfeindliche Straftat zu nutzen. Demnach könnte der 28-Jährige geplant haben, ein Attentat zu begehen und durch die gespeicherten Fingerabdrücke gezielt eine falsche Fährte zu legen, um Flüchtlinge zu diskreditieren. ()

    Bei allem Respekt vor den Urhebern dieser These, aber wenn ein Offizier so bescheuert sein sollte, so eine Plan auszuhecken, der nicht funktionieren kann, dann stünde es schlimm um das Offizierskorps.
    An den Fingerabdrücken in der Flüchtlingskartei hängen Fotos, die nach einem Anschlag veröffentlicht würden. Es wäre wohl eher eine Sache von Minuten, als von Stunden, bis andere Soldaten Franko A. erkannt hätten. Und dann holt sich ein waffenkundiger Soldat eine Pistole mit einem Kaliber, das bei der Polizei wegen mangelnder Durchschlagskraft ausgemustert wurde. Jeder Möchtegern-Terrorist nimmt da eher einen LKW als so eine Spielzeugpistole. War wahrscheinlich eine Walther PPK, wie bei 007 James Bond. Ich warte noch auf die Schlagzeile: Offiziers- Terrorist hatte Waffe von 007!

    Entweder das war der dümmste Offizier aller Zeiten, oder die Öffentlichkeit wird gerade mit Schauermärchen beschäftigt, um eine (teilweise) aufgeflogene verdeckte Operation zu vertuschen. Das macht man dann aber auch mehr aus dilettantisch.

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