Marine hebt Flugbeschränkung für SeaLynx-Helikopter nach 28 Monaten auf

Fast zweieinhalb Jahre nach der Stillegung der gesamten SeaLynx-Hubschrauberflotte der Deutschen Marine sind die Flugbeschränkungen für die Helikopter dieses Typs wieder aufgehoben. Die Hubschrauber seien ohne Einschränkungen für den operativen Einsatz freigegeben, teilte die Marine am (heutigen) Mittwoch mit.

Die ganze, 22 Maschinen umfassende SeaLynx-Flotte der Marine war im September 2014 gegroundet worden, nachdem im Heckbereich der Hubschrauber Risse entdeckt worden waren – übrigens zum zweiten Mal; 2011 hatte es schon einzelne, ähnliche Festellungen gegeben. Im Januar 2015 durften die Helikopter dann in einem eingeschränkten Flugbetrieb wieder starten: Das bedeutet, dass Vorgaben wie definierte Anzahl an Flugstunden, Starts und Landungen sowie eine Begrenzung der maximal zulässigen Geschwindigkeit nicht abgeändert werden dürfen. Außerdem wurden die Inspektionsintervalle verkürzt und die –intensität erhöht, um einen sicheren Flugbetrieb sicherzustellen.

Aber das ist jetzt Geschichte:

Die Bordhubschrauber der Deutschen Marine vom Typ Mk 88A „Sea Lynx“ sind wieder ohne Einschränkungen für den operativen Einsatz freigegeben. Sie unterlagen nach aufgetretenen Rissen am Heckausleger Gewichts- und Geschwindigkeitseinschränkungen.
Bei Belastungstests haben die Heckausleger grundsätzlich bewiesen, dass sie mehr als ausreichend dimensioniert sind. Dennoch wurden die Ausleger im Rahmen dieser Maßnahmen ertüchtigt. Lediglich ein Hubschrauber steht noch zur Umrüstung an.

heißt es in der Mitteilung der Marine.

Nachtrag: Nach erneutem Durchlesen (und nach den Kommentaren) fällt mir auf, dass die Überschrift SeaLynx-Hubschrauber der Marine nach 28 Monaten wieder einsatzklar von der Mitteilung der Marine nicht gedeckt ist. Tatsächlich ist ja keine Aussage getroffen, wie viele Maschinen einsatzklar sind…

Nachtrag 19. Januar: Der ARD-Kollege Christian Thiels hat die aktuellen Klarstand-Zahlen bei der Marine abgefragt:

Von 22 SeaLynx sind derzeit neun einsatzbereit. Drei stehen bei der Industrie, sechs sind in einer geplanten Instandsetzung und weitere drei warten auf die Instandsetzung. Eine Maschine wird, wie schon von der Marine mitgeteilt, noch mit dem neuen Heckausleger ausgerüstet.

Im Lauf dieses Jahres wird ein Klarstand von zwölf Maschinen angepeilt.

(Archivbild: SeaLynx an Bord der Fregatte Sachsen 2012)

83 Kommentare zu „Marine hebt Flugbeschränkung für SeaLynx-Helikopter nach 28 Monaten auf“

  • Navales   |   20. Januar 2017 - 12:23

    Ja wenn Gedanken zur Sea Skua bzw. Kormoran Nachfolge „Lego-Bastelei“ sind, dann ziehe ich mich besser zurück. (Komisch allerdings, dass die Briten, Franzosen, Italiener aktuell mit genau diesen Lego-Steinen basteln).

  • chris   |   20. Januar 2017 - 12:26

    @Navales
    Ja dann sollten die sich wohl auch zurückziehen und ich bleibe einfach bei Heeres Fragen wo man noch Waffensysteme integrieren kann.

  • Ottone   |   20. Januar 2017 - 12:33

    Genau: Wenn man schon an der ollen P3-C festhält und sie weiterhin sehr teuer pflegt und hegt, dann kann man auch einen ollen FK wie Maverick, oder ganz vielleicht Harpoon, mitnehmen. Das haben zig Orions davor auf dieser Welt vorgemacht.

  • DeltaR95   |   20. Januar 2017 - 13:00

    @ Navales

    Grundsätzlich ist die Welt sehr einfach, wenn manche hier alle Aspekte der Weiterentwicklung (auch in der Bw ein stehender Begriff) mit dem Verweis auf Lego-Bastelei mundtot machen ;-)

    Dennoch steht vor der Integration die Bewertung der operativen Sinnhaftigkeit und die Frage, ob helikoptergestütze Seeziel-Lfk mit kurzen Reichweiten unter 50 km in der heutigen Zeit weitreichender Radaranlagen und AAW Fähigkeiten auf Schiffsebene noch Sinn machen oder nicht…

    Zum Topic… gibt es eigentlich eine Aussage kontinuierlicher Art zur Anzahl der einsatzfähigen Lynx vor und nach dieser Aufhebung des Groundings?

  • Ottone   |   20. Januar 2017 - 13:08

    @DeltaR95: Das Defizit der Marine liegt doch – und bleibt absehbar – im Bereich der bezahlbaren mittleren FKs für kleine und mittlere Ziele, die wenn überhaupt nur über Effektoren zur Selbstverteidigung im Nächst- oder Nahbereich verfügen. Die fliegende Plattform (Helo oder Flächenflugzeug) muss zuvor in aller Regel optisch identifzieren, kann also nicht auf Abstand bleiben.

  • chris   |   20. Januar 2017 - 13:11

    @DeltaR95

    Marte ER soll doch über 100km liegen.
    Sea Venom wird wohl im Bereich 40-60km (weiß jemand genaueres?) liegen. Geht man davon aus, dass andere Nationen ihre Korvetten (und kleineres) so bauen wie wir (und die Marinierten hier sagen ja die K130 ist gut wie sie ist also wäre das ja nahe liegend) würden 50km doch reichen um diese Einheiten zum kuscheln mit größeren Einheiten zu verdonnern, um von diesen geschützt zu werden.
    Land attack Späße dabei mal ignoriert.

  • Ottone   |   20. Januar 2017 - 13:37

    Reichweite Sea Venom: 20 km.

  • chris   |   20. Januar 2017 - 15:25

    @Ottone

    Woher haben Sie die Info?
    Für Sea Skua hört man ja immer bis 25km und Sea Venom soll ja mehr haben. Da ich selber nicht mit sowas arbeite bin ich da kein Experte.

  • Ottone   |   20. Januar 2017 - 15:38

    Eine der Quellen: navyrecognition.com (http://bit.ly/2iJzyNl)

  • chris   |   20. Januar 2017 - 16:02

    @Ottone

    Ja das ist dann schon etwas schwach auf der Brust wobei ich das des öfteren bei unserer Marine denke und angeblich falsch liege.

    Bleibt aber sinngemäß Marte ER.

  • NMWC   |   20. Januar 2017 - 16:07

    @DeltaR95

    Mir unterstellen Sie „alle über einen Kamm zu scheren“, machen es selber aber auch nicht wirklich besser. Mundtot machen. Nicht im Ansatz. Mit deutlicher Sprache auf etwas hinweisen, weil Hinweise, Erklärungen, Erklärbär spielen etc. trotz aller Mühe bei manch einem einfach nicht mehr ankommt? Ja. Diesen Vorwurf dürfen Sie gerne in den Raum stellen. Mein Geduldsfaden ist im F125 lange strapaziert worden und mal wieder gerissen, trotz des auf schweigendes mitlesen fokussierte Teilhaben.
    Da Sie ja im anderen Thread alle Inhalte meines Beitrages nur aus der persönlich nehmenden Lesart betrachtet haben gelingt Ihnen das bestimmt auch hier wieder. Trotzdem mal ein weiterer Versuch. Und Achtung, emotionaler Beitrag und Wutbeitrag sind zwei Paar Schuhe. Wenn man natürlich sich jeden Schuh anziehen möchte, obwohl sie noch nicht mal vor einem gestanden haben, dann ist das halt schwierig mit den anderen Inhalten.

    Weiterentwicklung ist schön. Wenn es tatsächlich das wäre, was hier bei AG nur zu gerne praktiziert wird. Ist es aber nicht. Weiterentwicklung, der stehende Begriff in der Bundeswehr, beeinhaltet nun doch deutlich mehr. Was hier und in anderen Threads nur zu gerne betrieben wird, hat mit Weiterentwicklung nur sehr entfernt etwas zu tun. Das Betrachten von marktverfügbaren Systemen oder Entwicklungen ist nur ein ganz kleiner Teil. Der wichtigere Part ist der der Fähigkeitsanalyse. Da spielt die Musik. Weil es zunächst so einfach klingt, aber dann doch viel komplexer ist. In dem erarbeiten von Funktionalen Fähigkeitsforderungen. Nicht technische Forderungen sondern funktionale Forderungen.
    Dieses Broschürenquartett führt aber nicht zu funktionalen Fähigkeitsforderungen. Viel schlimmer. Es setzt sich sofort eine möglicherweise suboptimale Lösungen beim unbedarften Betrachter fest, ohne das Thema in seiner Gesamtheit, bspw. inklusive integratorischer Herausforderungen im Gesamtsystem Schiff, Fluggerät und was auch immer betrachtet zu haben. Das funktionale Analysieren ist die Herausforderung der Weiterentwickler. Nicht das runterbeten von max. 4seitigen Broschüren. Nur über eine saubere funktionale Ableitung komme ich zu einem Ergebnis im Rahmen meiner Fähigkeitsbetrachtung. Das Antworten auf funktionale Forderungen müssen andere dann technisch erledigen. Diese ganzen möglichen Systeme sind gut für die Überprüfung meiner Annahmen, im Rahmen von F&T durch WTD’en oder an Universitäten bspw, oder in der Betrachtung meiner Grundideen. Passt sowas überhaupt. Der Schwerpunkt der Betrachtung sind sie aber nicht. Vor allem nicht im Marinebereich. Hier unterliegen die Dinge nochmals einer Verkomplizierung, da so viele von diesen Systemen gemeinsam im maritimen Umfeld in allen drei Dimensionen zusammenkommen und dann irgendwann auch zusammen funktionieren müssen.
    Das ist ein Teil der realistischen Betrachtung die ich einfordere wenn es um solche Themen geht. Weil ich genau das so tun muss.
    Und glauben sie mir, der @klabauter und ich wissen sehr genau um was es sich bei Weiterentwicklung dreht. Genau deswegen gehen wir und andere ab und an gegen diese Lego-Bastelmentalität an. Es versperrt die Sicht für die wichtigen Problemfelder.

  • DeltaR95   |   20. Januar 2017 - 17:43

    @ NMWC

    Aus meiner Sicht haben wir keinen Konflikt miteinander. Ich wäre ihnen verbunden, wenn Sie auch meinen Post im F125 Faden nicht so sehen würden ;) Dieser war im Nachhinein auch zu emotional.

    Glauben Sie mir, nicht nur der Klabautermann und Sie wissen wie Beschaffung und Fähigkeitsentwicklung läuft – ich habe genau dasselbe jahrelang gemacht. Nur gehen wir anscheinend von zwei verschiedenen Seiten heran. Ich bin ihrer Meinung, dass der Top-Down-Approach aus der Fähigkeitslage über die Fähigkeitslücken in die funktionalen Forderungen wichtig ist. Nur genauso ist das Wissen um das technisch machbare (= marktverfügbare) wichtig. Ansonsten gehen die funktionalen Anforderungen gerne über das Ziel hinaus.

    Erlauben Sie mir noch einen kritischen Punkt. In den „Fähigkeiten“ und der „Fähigkeitslage“ kann ich sehr schön quantitative und qualitative Defizite verstecken – je nach dem Maßstab den ich anlege und eine Fähigkeitslage die nicht kontinuierlich auf technische Entwicklungen in der realen Welt hin auf Gültigkeit geprüft wird, ist nutzlos.

  • NMWC   |   20. Januar 2017 - 18:02

    @DeltaR95
    Danke für die Antwort.
    So unterschiedlich sind die Seiten gar nicht. Gemessen an Ihrem letzten Satz im 2.Absatz und Ihrem letzten Absatz sogar vollkommen deckungsgleich. Das technisch Machbare ist für mich genau so wichtig. Nur betrachte ich dies mitunter deutlich tiefer und gehe darüber hinaus, als das was bei dem Broschürenquartett hier bei AG immer wieder der Fall ist.
    Ich habe nichts gegen das diskutieren von Systemen oder technischen Analysen (Ihr Austausch mit @klabauter phased array bspw.). Die sind gut und wichtig. Ich habe etwas gegen „Kann man doch das Ding so und fertig und alles ist schön…).
    Schönes Wochenende

  • DeltaR95   |   20. Januar 2017 - 18:24

    @ NMWC

    Absolut d’accord. Die Benennung eines Systems ist das Einfache, die Prüfung der Integration bzw. Integrationswürdigkeit in das Gesamtsystem ist die Kür. Was nicht in die gewünschten Fähigkeiten (funktional gedacht) passt, gehört auch nicht beschafft. Nur befürchte ich, dass die funktional-abstrahierende Ebene doch für AG deutlich zu hoch ist, da das dafür nötige Wissen über das Gesamtsystem und dessen Schnittstellen intern und extern den meisten fehlt…

    Ebenso ein schönes Wochenende.

  • emdeema   |   20. Januar 2017 - 20:30

    Ist vllt ne dumme Frage, aber was spricht dagegen nen RBS-15 an einen Tornado oder Eurofighter zu hängen, die Schweden machen das mit ihrer Gripen doch genauso?

  • Navales   |   21. Januar 2017 - 7:24

    @emdeema
    Meine ähnlich hemdsärmeliger Beitrag wurde ja weiter oben schon seziert. Wenn ich versuchen darf, die Antworten quasi als Nicht-Experte für selbige zusammenzufassen:

    1. Eine für wehrtechnisch interessierte Laien naheliegende Lösung muss noch lange keine optimale sein.
    2. RBS15 als schweren Seeziel-FK kann die Marine wenigstens von Korvetten aus verschießen. Leichtere und preiswertere Seeziel-FK gegen kleine bis mittlere Ziele gibt’s hingegen gar nicht mehr und könnten daher dringlicher sein.
    3. „An den Flügel hängen“ ist eine unzulässige Vereinfachung. Die technische Integration in die genannten Flugzeuge ist kompliziert und (v.a. als nationaler Alleingang) teuer.
    4. Unsere Bündnispartner mögen ja die genannten Fähigkeitslücken als inakzeptabel bewerten und u.a. mit den genannten Beschaffungsprogrammen hochmoderne Lösungen einführen. Für die Deutsche Marine ergibt sich daraus aber keinesfalls, dass man eine Teilhabe an einem dieser Programme anstrebt. Oder off-the-shelf einkauft, nachdem die Projekte zum Erfolg geführt wurden.
    5. Ob der totale, Teilstreitkräfte-übergreifende Fähigkeitsverlust zur ASuW gegen Kriegsschiffe aus der Luft ein „wichtiges Problem“ ist, können wir wehrtechnisch interessierte Laien gar nicht beurteilen. Vielleicht ist das in der hochkomplexen Gesamtsicht gar nicht so schlimm.

  • MFG   |   21. Januar 2017 - 9:13

    Für die dauerhafte Unterbringung eines Hubschraubers auf einer K130 wäre locker das zehn- bis fünfzehnfache Hangarvolumen notwendig (Hubschrauber, Bodendienstgeräte, Ersatzteile). Dabei sind ja Platz für die Unterbringung von ca. 15 zusätzlichen Soldaten sowie für die „Verwaltung“ (Flug- und Instandhaltungsplanung), ein klimatisierter Lagerraum für das Rettungs- und Sicherheitsgerät, zusätzliche Munition und F-44 zu berücksichtigen.
    Dann benötigt man wohl zwingend einen Schiffsarzt (haben die Korvetten einen?), sowie 5-6 Besatzungsmitglieder des Stamms zur Unterstützung beim Flugbetrieb. Dann werden wohl auch Kombüse, Rumpf, Antrieb, andere Anlagen (Klima, Lüftung, Frisch- und Abwasser, Kraftstoff) größer, man braucht mehr schiffstechnisches Personal etc.
    Am Ende haben wir ein anderes Schiff: 105+ m, ca. 2300t, 75 Besatzungsmitglieder.

  • Navales   |   21. Januar 2017 - 10:13

    Ok, verstanden. Danke für die Aufklärung.

  • DeltaR95   |   21. Januar 2017 - 10:21

    @ Navales

    Hier vermischen wir Themen, nämlich den Seekrieg mit Luftkriegsmitteln (Aufgabe der Luftwaffe) und bordgestütztes Verbringen von Seeziel-Lfk mittels Hubschraubern.

    Beim ersteren besteht ganz klar eine Fähigkeitslücke, die durch die Luftwaffe als jetzt Aufgabeninhaber zu schließen ist, z.B. mit Entwicklung von Kormoran 2 bzw. einem anderen marktverfügbaren Lfk. Das muss im Einzelfall abgewogen werden und genauso muss ein Verbringungsmittel vorhanden sein – nur weil eine Gripen das kann, muss es bei anderen Systemen nicht auch so sein.

    Beim Einsatz per Helikopter stellt sich zuerst die Frage nach dem operativen Sinn. Flugkörper mit Einsatzreichweiten über 100 km brauchen eigentlich zwingend Midcourse-Updates um das Ziel auffassen zu können. Speziell bei schnellen Seezielen und unvorhergesehenen Kursänderungen kann das Ziel bei Eintreffen des Lfk außerhalb des Erfassungsbereichs sein.

    Somit bleiben nur Lfk kurzer bis mittlerer Reichweite über. Damit der Helikopter diese findet muss er sein Radar aktivieren (oder seltener mittels EloUM auffassen) und damit wird er gegen potente Seeziele wie z.B. VLS-tragende Korvetten selbst zum perfekten Ziel und höchstwahrscheinlich als Totalverlust abzuschreiben sein. Als Nebeneffekt ist dem Gegner dann auch die Bedrohungsrichtung bekannt, was die die Chancen einer erfolgreichen Verteidigung erhöht. Was bleibt dann noch als Ziel? Ein Piratenmutterschiff oder ein kleines Piratenboot wird man nicht mit einem Seeziel-Lfk (auch wenn das nur ein kleiner 20 kg-Warhead Sea Skua ist) bekämpfen – zumindest nicht Deutschland

    Kurzum stellt sich dann die Frage, ob die knappen Investmittel der Bundeswehr für so eine Anwendung mit doch eher geringem operativen Nutzen verwendet werden sollten.

  • klabautermann   |   21. Januar 2017 - 10:23

    @DeltaR95 und @Navales

    Wenn man das Thema „Seekrieg aus der Luft“ fähigkeitsanalytisch untersucht, dann hat man das klitzekleine Problem der multiplen, perspektivischen Verzerrung je nachdem aus welchem „Winkel“ ich das Problem betrachte; Hier einmal eine nicht vollständige Liste von „Winkeln“:
    Streitkräfteplanung im Bündnis, Streitkräfteplanung national, Marineplanung, Flottenplanung, Rüstungsplanung, …..also die verschiedenen top-down-perspectives
    Fernerhin sind da die konzeptionellen Vorgaben inklusive des strategic-operational level of ambition „Wieviel Wofür“, also Wieviel stecke ich in Defence of the Homeland bis hin zu Expeditionary Navy.
    Weiterhin sind die beiden systemischen Orientierungsdeterminanten Struktur und Plattform zu betrachten.
    Der Wirtschaftlichkeitsaspekt sowohl streitkräfteplanerisch als auch systemplanerisch hat eine ganz entscheidender Bedeutung, denn „das Geld“ ist endlich.
    Die Auflösung dieser Matrix bestehend aus den Koordinaten Streitkräfteplanung, Systemplanerisch und Haushaltsplanung ist alles andere als trivial.
    Und da stellt man in Sachen „Seekrieg aus der Luft“ auf einmal fest, dass der „worst case“ ( High Intensity Seekrieg im Vorgarten) relativ wirtschaftlich abbildbar ist, allerdings nimmt die Wirtschaftlichkeit rapide ab je weiter weg von der eigenen Haustür dieser Seekrieg stattfindet. Und dann stellt sich eben die Gretchenfrage economy of defence oder economy of security., worst-case oder most-likely case.
    Weiterentwicklung ist nun die „Hohe Kunst“ permanent an der Auflösung dieser oben beschriebenen planerischen Matrix zu arbeiten – top-down und bottom-up, also gleichzeitig streitkäfte- und systemplanerisch. Sozusagen Systempflege und -änderung makro-und mikroskopisch zugleich.
    Eine expeditionary capability für effective/efficient air-based ASW und ASuW ist unglaublich aufwendig – letztendlich braucht man dafür Trägersysteme, aber da Deutschland eben kein Falkland, sondern nur Helgoland verteidigen muß, sind „Träger“ dem Steuerzahler kaum vermittelbar.
    Der Begriff „Ausgewogene Flotte“ hat also heutzutage einen anderen Kontext als noch zu Kaiser’s Zeiten, wenn ich einmal so weit zurück gehe.
    In diesem Sinne können wir also perspektivisch gerne weiter diskutieren, freundlich im Ton und klar in der Sache ;-)

    .

  • klabautermann   |   21. Januar 2017 - 10:40

    @MFG

    Bei den heutigen gesetzlichen Auflagen würde eine K-130 mit z.Bsp. einem SeaLynx oder Wildcat in ASW und/der ASuW Konfiguration sogar noch dicker und fetter sein als die von Ihnen geschätzten Maße. Dat wurde alles schon vor vielen Jahren durchdekliniert in den Studiengruppen Marine beim alten MUKdo in WHV.
    Deswegen ja Drohnenlösung. Und btw.: selbst die Schiebel-Drohne kann man mit einem kleinen, feinen FK bekommen, wenn man es denn „wollte“ ;-)

  • chris   |   21. Januar 2017 - 11:34

    @MFG

    Wo sparen den dann andere Einheiten dieser Größe die einen Hanger mit eingeschifftem Hubschrauber haben das Personal ein? Oder wo leisten die K130 sich mehr Personal? Sie liegen ja bei ähnlichen Besatzungszahlen.

  • chris   |   21. Januar 2017 - 11:53

    Und noch eine Frage:

    @DeltaR95
    VLS-tragende Korvetten sind ja wenn man nach China oder Russland schaut eher selten. Da gibt es ja bei den neueren Entwürfen vor allem ein passives und 2 aktive layer gegen Lenkflugkörper und Luftziele im Nahbereich, eine ASuW und eine ASW Fähigkeit. Würde ich als Marine Laie auf die US Stärke bei U Booten zurückführen.

    Wären Hubschrauber mit LFK in der Größenordnung Marte ER, NSN da nicht perfekt um die Handlungsoptionen solcher und kleinerer Einheiten einzuschränken und dicht an größere Einheiten zum Schutz zu binden? Oder ist das was man genau so schon mit einer K130 könnte? Oder ist das etwas was man im ASuW gar nicht unbedingt möchte?

    Geht gar nicht darum, dass man die jetzt unbedingt in die Hubschrauber integrieren sollte sondern eher um zu verstehen wie diese LFK eingesetzt würden. Würde vielleicht auch den Horizont mancher hier etwas erweitern.

  • klabautermann   |   21. Januar 2017 - 12:35

    @chris

    Sie sollten sich einmal über das Thema „Insellösung“ schlau machen. Im Kontext dieses Fadens sollten sie dann darüber nachdenken, wieviel Insellösungen – wie Schiff, Hubschrauber, LFK – man wohl ineinander verschachteln kann ohne das System zum Absturz zu bringen. Und dann sollten Sie akzeptieren, dass perfekte Insellösungen die unangenehme Eigenschaft haben weder kompatibel noch interoperabel zu sein mit anderen Insellösungen.wie eben Schiffe, Hubschrauber und LFK oder Torpedos etc.
    Dann werden Sie erkennen,dass z.Bsp. ein Marte ER zusätzliich zum RBS alles andere als eine „perfekte Lösung“ in Sachen K-130 und ASuW ist – auch nicht wenn ich die Insellösung LFK unter eine Insellösung Heli auf die Insellösung K-130 packe.
    Game Over – Go to Level One and press Enter to start again.

  • chris   |   21. Januar 2017 - 12:47

    @klabautermann

    Das bezog sich jetzt nicht auf die K130 die ja nun egal was sich einzelne Wünschen keine Heli bekommen wird sondern auf die Ergänzung des schwimmenden LFK um einen fliegenden. Also einen der (jetzt ohne Schnellboote) etwas träge aber durchhalte fähig ist und einen der nur sehr beschränkt einsetz bar aber sehr schnell und flexibel ist.
    Oder ist schnell und flexibel im modernen ASuW nicht so wichtig wie es bei unserer Marine den Eindruck macht (kein fliegendes ASuW, relativ langsame K130 die ja eine reine ASuW Einheit ist).

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. Januar 2017 - 13:20

    Hier oder (doch) im Bällebad?
    Royal Navy rüstet kräftig auf: 8 OPV, 8 Fregatten Typ 26 und 5 (mindestens) Typ 31.
    In Parlamentsanhörung wurde aber deutlich, die Kapazitäten in Schottland „UK naval contracts on the Clyde“ wären bei anderem Ausgang des schottischen Referendums nicht aktiviert worden.
    Zusammen mit den 9 x P-8 „maritime patrol aircraft“ untermauert die Navy Theresa M. Mays Verständnis von GBR als maritimer Macht, mit der Notwendigkeit freedom of navigation zum Schutz internationaler Handelswege. (Trump wird es freuen).
    https://ukdefencejournal.org.uk/uk-government-admit-no-warships-if-scotland-had-voted-yes/?utm_source=TW&utm_medium=Twitter&utm_campaign=social

  • Ottone   |   21. Januar 2017 - 15:21

    @DelteR95: Wenn Sie einmal die Einsätze von schweren und mittleren FKs der „westlichen Welt“ in der jüngeren Geschichte nebeneinander legen, dann kann man zu dem Schluss gelangen, das weitreichende Schiff-Schiff FKs beinahe überflüssig sind bzw. die Drohung mit ihnen weit wichtiger ist als der eigentlich Einsatz: Der Aufwand im Schiffbau zur Abwehr ist immens und entwurfsbestimmend.

    Sea Skua, auf der anderen Seite, hat eine nicht kleine Liste von tatsächlichen Einsätzen und Treffern auzuweisen, und ist eine Waffe für die kleinen Kriege. Jegliche Hilfs- und Mineneinheiten, und so gut wie alle Schnellboote (FAC) und Korvetten können einen Helo in 20km+ Entfernung nicht erfolgreich bekämpfen.

    Nebengedanke: Wenn U-Boote demnächst mit SLAM FKs wie IDAS oder A3SM ausgstattet werden, dann kann ein leichter FK wie Sea Venom das Risiko eines Angriffs auf den suchende Helikopter für das U-Boot signifikant erhöhen.

    Wie auch immer, in der Marine ist Forderung nach mittleren FKs für Helikopter (und schwimmende Einheiten) klar und eindeutig formuliert. Weshalb die Rolle der Starrflügler hierbei nur auf die Luftwaffe beschränkt sein solle will mir nicht einleuchten – mit den P-3C gibt es eine Möglichkeit bei der man nicht der Luftwaffe die Schuld geben muss. So gut wie alle anderen Ländern rüsten ihre Orions potenter aus als Deutschland.

  • Navales   |   21. Januar 2017 - 15:28

    @DeltaR95 und weitere Experten

    Nachfrage zum Statement „Beim Einsatz [von Seeziel-LFK“ per Helikopter stellt sich zuerst die Frage nach dem operativen Sinn.“

    – Früher scheint es diesen Sinn ja gegeben zu haben, den die Marine hatte ja bis 2014 Sea Skua für den Lynx im Bestand. Hat sich die Sinnhaftigkeit aus deutscher Sicht so sehr gewandelt?

    – Warum sehen Briten und Franzosen die Sinnhaftigkeit immer noch und beschaffen einen Nachfolger mit sehr ähnlicher Reichweite? Liegt dass daran, dass beide Nationen die expeditionary capability fordern und umsetzen, DE aber nicht?

    Oder ist es letzten Endes doch im wesentlichen nur das fehlende Geld und die Frage, wo anders die Beschaffungnot schlichtweg größer ist?

  • DeltaR95   |   21. Januar 2017 - 17:14

    @ Navales und Ottone

    Ich glaube die Diskussion geht gerade etwas durcheinander ;)

    Die Einsätze von Sea Skua waren allesamt meiner Kenntnis nach gegen nicht besonders „potente“ Ziele und alle gegen Ziele ohne CIWS/PDMS wie RAM oder Kortik. Gegen diese Ziele kann man so einen Flugkörper natürlich einsetzen, der Schaden ist aber minimal und führt vielleicht zu einem Mission Kill (siehe Falkland). Ebenso funktioniert dies nur, wenn der Gegner seinen Minensucher/Minenjägern keine Schutzeinheit (z.B. eine AAW-Fregatte) zur Verfügung stellt. Die deutschen Schnellboote waren mit ihrem RAM aus meiner Sicht sehr gut gegen Sea Skua und ähnliches geschützt.

    In der heutigen Zeit ist ein sinnvoller Einsatz sicherlich noch möglich, aus meiner Sicht aber relativ unwahrscheinlich, wenn man von einem militärisch potenten Gegner ausgeht.

    Wenn wir nun darüber sprechen, ob es ein NSM vom Helikopter aus sein soll fehlen mir persönlich die offensichtlichen Vorteile. Der Helikopter kann die Reichweite des Flugkörpers alleine nicht ausspielen und wenn ein Ziel es wert ist, mit einem NSM bekämpft zu werden (und auch dort wird sinnvollerweise mindestens eine Salve zum Ansatz kommen, denn auch die gegnerische ASMD will überwunden werden) kann ich den Lfk auch von einem Schiff aus starten.

    Die russische Gremyashchiy-Klasse verfügt über potente AA-Lfks mit Reichweiten, die deutlich auch einem Helikopter gefährlich werden können. Wenn der eingesetzte eigene Seeziel-Lfk dann noch ein semi-aktiver Beamrider ist, freut sich der Gegner. Erstens hat der eigene Luftabwehr-Lfk einen schön Beam für sich zum Ziel und wenn der Helikopter aus der Luft fällt ist es auch mit der Bedrohung durch den Seeziel-Lfk gewesen… nur als Beispiel für die Grenzen.

    Wenn sie mich persönlich fragen, sehe ich durchaus die Notwendigkeit wieder einen Seeziel-Lfk für die Lynx zu beschaffen. Dieser sollte dann aber wirklich nur ein leichter sein um mir in Ergänzung zum bordgestützten schweren Seeziel-Lfk auch neue Handlungsoptionen und Skalierbarkeit zu eröffnen. Allerdings muss sich dieser dann sinnvoll in das Gesamtbild Schiff fügen. Bei den begrenzt verfügbaren Geldmitteln muss ich aber sagen, dass es gerade Wichtigeres gibt… aus meiner Sicht zumindest.

    Und ohne @ klabautermann widersprechen zu wollen… aber ein leichter Ersatz-Seeziel-Lfk hat kaum Integrationsaufwand (weder im Helikopter noch an Bord des Schiffes), wenn er die wichtigsten Rahmenparameter des alten Sea Skua einhält – dann ist es halt „nur“ Fähigkeitserhalt und kein Fähigkeitsaufwuchs ;)

  • Memoria   |   22. Januar 2017 - 20:43

    Abseits der Technik scheint es insbesondere bei den Marinehubschraubern Probleme mit der SAZV geben („EINSATZBEREITSCHAFT Gefährdet – Marine muss Hubschrauber-Übungen stoppen“, bild.de).

    Zum gesamten Text habe ich keinen Zugriff, nach meinem Eindruck wurde das Thema SAZV und Marineflieger hier auch noch nicht diskutiert.

    Einsatzbereitschaft ist eben weitaus mehr als die Technik.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Januar 2017 - 21:27

    @Memoria
    Das Thema SAZV ist insgesamt auf dem Prüfstand. Sinngemäß: Notwendige Anpassungen werden erfolgen.
    Ministerin am Montag im BT bei Aussprache zum Wehrbeauftragten-Bericht 2015.

  • Memoria   |   22. Januar 2017 - 21:45

    @KPK:
    Die Evaluierung ist mir auch bekannt.
    Nur leider kommt diese seit Monaten nicht wirklich viran:
    https://www.dbwv.de/dbwv-info-portal/verband-aktuell/beitrag/news/handlungsbedarf-bei-der-sazv-jetzt-nicht-in-den-winterschlaf/

    Vor der Wahl heißt dann nochmal Monate bis bereits vor der Einführung erkannte Probleme gelöst werden.

    Aktiv. Attraktiv. Anders.

  • MFG   |   26. Januar 2017 - 6:34

    @DeltaR95
    Ich glaube, dass sie das Thema Ersatz-FK gewaltig unterschätzen: Dafür muss erst einmal eine Schnittstelle mit passendem „Hubschrauber-FK-Schnittstellen-Computer“ unter Berücksichtigung der deutschen Umrüstmaßnahmen an der Avionik, die ohne AgustaWestland durchgeführt worden sind, entwickelt werden. Dann muss das Ganze erprobt und zugelassen werden, die Magazine auf den Schiffen müssen angepasst werden, Feuerwerker, fliegendes und technisches Personal muss ausgebildet werden, ggf. werden andere Waffenträger benötigt und last but not least muss der neue FK mit allem Zubehör im Versorgungssystem hinterlegt werden. Bis das alles passiert ist, ist der aktuelle Sea Lynx wahrscheinlich Geschichte.