Lesetipp: Russlands zunehmende Aktivität in der Arktis

Ein Lesetipp: Die Kollegen von Reuters haben sich die Aktivität Russlands in der Arktis genauer angeschaut:

Putin’s Russia in biggest Arctic military push since Soviet fall

Interviews with officials and military analysts and reviews of government documents show Russia’s build-up is the biggest since the 1991 Soviet fall and will, in some areas, give Moscow more military capabilities than the Soviet Union once had.
The expansion has far-reaching financial and geopolitical ramifications. The Arctic is estimated to hold more hydrocarbon reserves than Saudi Arabia and Moscow is putting down a serious military marker.

Bislang gilt im Westen die Einschätzung, dass es zwar einen (militärisch friedlichen, aber politisch ausgetragenen) Streit um die mögliche Nutzung der Bodenschätze in der Arktis gibt, eine Militarisierung der Region aber keine bevorstehende Gefahr ist. Unklar ist, ob diese Einschätzung bestehen bleibt.

(Foto: Soldaten der motorisierten Brigade der russischen Nordmeerflotte bei Übungen mit Rentier- und Hundeschlitten bei Murmansk im Januar 2017 – Russisches Verteidigungsministerium/Lew Fedosejew)

9 Kommentare zu „Lesetipp: Russlands zunehmende Aktivität in der Arktis“

  • Pirat77   |   30. Januar 2017 - 21:46

    Wer einmal in Nord-Norwegen geübt oder an COLD RESPONSE teilgenommen hat, weiß, dass es sich dort fast immernoch anfühlt, wie am Eisernen Vorhang. Unterhält man sich mit Kameraden aus dem norwegischen Joint Force Command, erhält man einen Eindruck, wie dort die Lage gesehen wird: sehr bedrohlich.

  • Golo M. Bartsch   |   31. Januar 2017 - 5:45

    Bitte nicht vergessen: Es gibt für Russland keinen besseren Ort, um gefahrlos und gleichzeitig maximal wirksam den „starken Mann zu markieren“ als die Arktis. Kein westlicher Arktisanrainer zweifelt die arktispolitische Position der flächenmäßig größten polaren Nation der Erde ernsthaft an oder bedroht sie gar. Gleichzeitig identifizieren sich viele Russen mit dem „polaren Erbe“ der UdSSR und den Heldengeschichten der Erschließung des sibirischen Nordens.

    Das Ressourcenargument, das in dem Beitrag mal wieder gebracht wird, wird auch nach jahrelanger Wiederholung noch immer nicht richtiger…Natürlich ist der Hohe Norden strategisch erklärte Rohstoffbasis Russlands, aber bei den derzeitigen Weltmarktpreisen für Energierohstoffe und auch den Kosten für Seefrachtverkehr auf den Standardrouten in Atlantik und Pazifik ist die Geschichte vom großen Rohstoff-Eldorado und Seeverkehrsknoten Arktis schlichtweg nicht haltbar.

    Die Wiederverstärkung der RUS Kräfte ist durchaus beachtlich und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, keine Frage. Aber mal ernsthaft: Wie sollte denn das Operationsziel des „großen Sturmes in der Arktis“ für RUS aussehen? Treibende Eisschollen besetzen (die einem völkerrechtlich vermutlich sowieso zugesprochen werden (der RUS Shelf-Claim-Antrag bei der UN läuft mit Wiederholungen seit 2001…), und damit gleichzeitig die bisldang geräuschlos und noch immer recht gut funktionierende zivile Kooperation im Norden unterbrechen – und damit gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die knapp an der Rentabilität arbeitende arktische Rohstoffgewinnung gänzlich unwirtschaftlich wird? MIttelfristig schadete sich Moskau so wohl vor allem selbst.

    Die Arktis ist der beste Platz für Muskelspielchen, aber der wohl schlechteste Platz, um aus diesen wirklich Ernst machen zu wollen…

  • tt.kreischwurst   |   31. Januar 2017 - 8:49

    Könnten Sie das etwas weiter ausführen, das interessiert mich dann doch schon sehr? Ich kann mir schon vorstellen was da gesagt wird, aber vielleicht können Sie ja noch etwas mehr ins Detail gehen (ohne Attribution etc. versteht sich)?

  • Hammerstein   |   31. Januar 2017 - 9:43

    Der altbekannte Grundsatz gilt auch hier. Potentiale und nicht Absichten bewerten. Bei der plötzlichen Lagerveränderung auf der Krim stand der Westen vor gar nicht langer Zeit vor genau diesem Phänomen, weil zu viele Experten zu wissen (glauben) meinten, was die andere Seite vor hat. Auch wenn Bartsch die aktuelle Lage präzise beschreibt, wieder fehlt der Blick auf die nahe arktische Grossmacht China. Dazu vier Stichpunkte aus der jüngsten Vergangenheit:
    Der britische Verteidigungsausschuss hat Informationen zur Entwicklung in der Arktis angefordert unter Einbeziehung chinesischer Aktivitäten.

    https://www.parliament.uk/business/committees/committees-a-z/commons-select/defence-committee/defencesubcommittee/inquiries/parliament-2015/inquiry1/

    Ein chinesisches Unternehmen wird die IT Kabel zwischen Europa, Grönland, Island, Kanada und den USA verlegen und betreiben.

    http://www.huawei.com/en/news/2016/12/HuaweiMarine-100G-Submarine-Network-Arctic

    Der dänische Ministerpräsident hat offenbar persönlich in die geplante Veräußerung des ehemaligen dänischen HQ in Grönland (Grönnedal) eingegriffen, um den Verkauf an ein chinesisches Unternehmen zu verhinden.

    Die Munich Security Conference wird sich in diesem Jahr mit sicherheitspolitischen Fragen in der Arktis befassen.

  • Edgar Lefgrün   |   31. Januar 2017 - 21:49

    Pirat77 | 30. Januar 2017 – 21:46

    Am Grenzübergang Skorskog nahe Kirkenes ist es nicht so martialisch wie es früher am Übergang Schlutup bei Lübeck. Über Skorskog reisen Flüchlinge aus Syrien usw ein, per Fahrrad aus Nikel kommend ein. Die Grenze ist nicht gesichtert mit Minen, Selbstschussanlagen, etc. Es gibt Grenzpfosten und es gibt aber Türme. Auch Norwegen überwacht die Grense. Zwischen Norwegen und Russland gibt es ein Abkommen über einen kleinen Grenzverkehr, Menschen aus einer 20Km-Zone können ein „Dauervisum“ erhalten. Es gibt auch ein Abkommen über gegenseitige Truppeninspektionen. Die Lage erscheint entspannt, war aber wohl vor Jahren einmal besser. Da fuhren z.B. einige deutsche Nordkappfahrer über Oblast Murmansk, Karelien, St. Petersburg zurück nach Deutschland.

    Die Kameraden vom norwegischen JFC werden sich natürlich fragen, wozu die russischen Marineinfantristen, deren Ausrüstung, Landungboote usw gut sein, gedacht sein könnten? Sie versetzen sich in die Position gegenüber und haben die sehr wahrscheinliche Lösung.
    Warum protestierte Russlands Regierung wohl bei der Norwegens gegen die Modernsierung und Erweiterung von Vardø Radar, bezeichnet das unfreundlichen Akt. Ein Schelm wer böses denkt.

    Und wenn man den Neubau der Strasse Murmansk-Kirkenes angeschaut, diese Rollbahn, welche Gedanken kommen da wohl?

  • Pirat77   |   31. Januar 2017 - 22:25

    Edgar Lefgrün | 31. Januar 2017 – 21:49
    Sie treffen es auf den Punkt. Die offensichtliche Grenzsituation habe ich auch nicht gemeint. Vielmehr ist es die eindeutige Zuordnung wo DIE und WIR sind. Auch die von ihnen angesprochene Modernisierung und in Betrieb Haltung von strategischen Sensoren trägt dazu bei. Ein gelegentliches Einschalten eines S300 Suchradars trägt dort wohl auch zur Motivation des JFC bei, die Dinge argwönisch zu beäugen.

  • Stefan Büttner   |   01. Februar 2017 - 10:49

    Also ich weiß nicht ob man die innerdeutsche Grenze mit der sowjetischen oder russischen vergleichen darf. Hab noch nie davon was vernommen das es dort im Osten derlei Einrichtungen gab. Ich empfinde den Vergleich daher unpassend.
    Gibt’s da nen Link zu dieser neuen Straße?

  • Edgar Lefgrün   |   05. Februar 2017 - 14:29

    @Stefan Büttner

    setzen wir nicht nicht gleich, aber beim Vergleichen erkennen wir, ob es einen Unterschied gibt oder keinen. :)

    Dort im Norden war der Vorhang eben nicht so wie bei uns. Auf meiner 68.Tur traf ich bei Lakselv einen Einheimischen, der erzählte, er komme gerade aus Nikel, er bot mir einen Schluck aus einer Vodka-Flasche an. Ich hätte mit meinem deutschen Ausweis die Grenze wohl nicht passieren können. Ich habs nicht probiert, mir war die Strasse damals zu schlecht nach Kirkenes.

  • Edgar Lefgrün   |   05. Februar 2017 - 15:38

    @Pirat77

    S400 ist auf Kola.

    Ja, ein Aufschalten zur Zielbeleuchtung empfände ich auch als beunruhigend.