Augen-Geradeaus!-Umfrage: Islamistischer Terror bedrohlicher als Russland

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Vor zehn Tagen hatte ich hier gefragt, was denn wohl die wichtigsten Aufgaben für die NATO sind – konkret: worauf sich die Allianz eher einstellen sollte, auf eine Bedrohung durch Russland oder eine Bedrohung durch islamistischen Terror. Es war meine erste Umfrage mit Civey, einem start-up, dass ein System für repräsentative Umfragen im Internet entwickelt.

Nach knapp zehn Tagen liegen jetzt Ergebnisse vor, die man als repräsentativ einschätzen kann – nicht (nur) wegen der Zahl der Befragten, sondern auch wegen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen (nach Alter, Geschlecht, regionaler Verteilung und politischer Präferenz):

20160909_civey-Nato-umfrage

Insgesamt haben mehr Menschen als hier genannt auf diese Frage geantwortet; aber Civey hat eben aufgrund der repräsentativen Verteilung die Antworten von 2006 Personen zu Grunde gelegt.

Die Ergebnisse sind, vielleicht, von einigen so erwartet worden. Interessant finde ich, dass die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus als etwa doppelt so hoch eingeschätzt wird wie eine Bedrohung durch russische Aggression – und dass  die Ansicht, die Gefahren würden übertrieben dargestellt, auch noch deutlich über der Einschätzung einer Gefahr durch Russland angesehen wird.

Ich habe mir von Civey mal die Detailergebnisse geben lassen, da sind noch einige interessante Einzelheiten zu finden:

Die Ansichten, welche der beiden genannten Bedrohungen größer ist, unterscheiden sich deutlich nach Alter – grob gesagt: Je jünger die Befragten, um so gefährlicher wird Russland eingeschätzt. Der Antwortmöglichkeit, die NATO solle sich besser auf eine Aggression durch Russland vorbereiten, stimmten in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren 25,2 Prozent zu. Bei den 30-39jährigen waren es 19,7 Prozent, bei den 40-49jährigen 21 Prozent, in der Altersgruppe 50 bis 64 Jahre 13 Prozent und bei den über 65jährigen nur 4,4 Prozent.

Die Gefahr durch islamistischen Terrorismus wurde dagegen überwiegend mit steigendem Lebensalter als höher eingeschätzt. In der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre neigten 16,8 Prozent dieser Ansicht zu. Bei den 30-39jährigen waren es 24,3 Prozent, bei den 40-49jährigen 33,9 Prozent und bei den 50-64jährigen 39,6 Prozent. Bei den über 65jährigen gaben 33,1 Prozent diese Antwort. Die ältesten Teilnehmer der Befragung neigten zugleich mit 33,9 Prozent am ehesten dazu, beide Gefahren als Übertreibung abzulehnen.

Grundlegende Unterschiede gab es auch zwischen den Geschlechtern. 19,7 Prozent der befragten Männer, aber nur 9,5 Prozent der Frauen bezeichneten eine Bedrohung durch Russland als größere Gefahr, auf die sich die NATO vorbereiten müsse. Den islamistischen Terrorismus als die wesentlichere Bedrohung nannten dagegen 36,4 Prozent der Frauen im Vergleich zu 27,1 Prozent der Männer. Die Antworten auf beide gleichermaßen oder auf keine, das ist Übertreibung unterschieden sich dagegen zwischen Männern und Frauen nur geringfügig.

Die Unterschiede nach Parteipräferenz sind überwiegend nicht so überraschend; deshalb an dieser Stelle keine detaillierte Aufschlüsselung. Nur an einer Stelle: Interessant sind die nach Parteien unterschiedenen Einschätzungen, dass sich die Darstellung der beiden genannten Bedrohungen eine Übertreibung sei. Wenig erstaunlich ist, dass Anhänger der Linkspartei zu 50,6 Prozent diese Antwort gaben. Die Anhänger anderer Parteien setzten sich deutlich davon ab: Dieser Ansicht neigten 22,3 Prozent der Grünen-Wähler, 17,1 Prozent der SPD-Wähler, 16 Prozent der CDU/CSU-Wähler und 13 Prozent der AfD-Wähler zu. Am wenigsten, nämlich nur zu 9,5 Prozent, gaben FDP-Wähler diese Antwort. Dagegen variierte die Einschätzung, es sei eine Übertreibung, kaum nach Regionen – auch in Ostdeutschland entschieden sich 25 Prozent für diese Antwort, kaum mehr als die knapp 24 Prozent aller Befragten.

(Foto: Deutscher Eurofighter beim Baltic Air Policing in Estland – Foto Luftwaffe)

 

 

45 Gedanken zu „Augen-Geradeaus!-Umfrage: Islamistischer Terror bedrohlicher als Russland

  1. Es wäre interessant, auch den „Impact“ der jeweiligen Bedrohung mal abzufragen. Ich denke, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines terroristischen Angriffs ist höher – aber die Folgen eines russischen Angriffs würde ich sehr viel schwerwiegender sehen.

  2. Ist es auch ganz sicher dass nur reale Personen an der Abstimmung teilgenommen haben? (scnr)

    Das erinnert mich an die Bedrohung durch grosse Asteroiden.

    Dass einer einschlägt ist extrem gering.

    Wenn einer einschlägt ist aber gleich alles im Eimer.

    Ergo ist es z.B. heute wahrscheinlicher durch Asteroiden zu sterben als durch einen Autounfall. Ohne die Zahlen parat zu haben, imho war Tod durch Asteroid die zweithöchste Todeswahrscheinlichkeit überhaupt, nur „Tod durch Alter“ war wahrscheinlicher.

    Es wäre interessant was bei der Frage rauskommt „was verursacht mehr Schaden, ein Angriff von Terroristen oder ein Angriff der russischen Armee?“

  3. Islamistischer Terror ist Kindergarten im Gegensatz zum dem was passieren würde, würden die Russen tatsächlich zu einem Krieg antreten. Mit was wollten wir sie aufhalten?
    Die miitärische Demontage nach dem Kalten Krieg wird sich nochmal als unser größter Fehler erweisen. Islamistischer Terror ist eine Gefahr, aber er bedroht nicht unsere Existenz. Wir werden bald sehen was der IS militärisch drauf hat, wenn die Türken in Syrien weiter vordringen. Ich sage nichts, sie werden verschwinden wie sie gekommen sind, vielleicht werden einige es bis Libyen schaffen.

  4. Der Versuch, komplexe Sachverhalte mit unterkomplexen Fragen demoskopisch zu ergründen, kann nur schief gehen. Man erhält: Garbage in, garbage out.

    Aber für mediale Unterhaltung sind solche Umfragen durchaus geeignet. Zudem können recht gute Persönlichkeitsprofile der Teilnehmer erstellt werden, die wiederum gewinnbringend verkauft werden können.

  5. @42

    Es drängt sich ja schon der Eindruck auf, dass Sie hier kommentieren, um möglichst negative Ansichten loszuwerden… Nach dem Motto: genügend Garbage in wird schon was bringen. Es zwingt Sie ja niemand, hier mitzulesen.

  6. So müssen wir uns eingestehen, die TERRORisten haben ihr militärisches Ziel erreicht. Wir haben Angst. Technologisch sind sie uns demnach überlegen.

    Durch die Angst lauft ihnen Demografie zu, siehe Islambashing, Muslime sind nicht mehr willkommen und Verlassen der CSU des Raumes der FDGO.

    Geografie versuchen sie sich gegeben der Instabilität NMO unter den Nagel zu reißen.

    P.S: Merkel beschafft der AFD und der CSU das geschäft, diese den Terroristen welche wiederum an Flüchtlingen verdienen. Ein hybrider Teufelskreis. Hybride Bedrohung, learning by failing? /Cyn

  7. @T.W.

    Das mag jetzt kleinteilig wirken, aber folgendes Statement kann man so meiner Meinung nach nicht aus der Frage und den Ergebnissen ableiten:

    Interessant finde ich, dass die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus als etwa doppelt so hoch eingeschätzt wird wie eine Bedrohung durch russische Aggression

    Nicht die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus wird als doppelt so hoch eingeschätzt wie eine Bedrohung durch russische Aggression, sie wird „nur“ doppelt so häufig als größer eingeschätzt. Gefragt wurde nur nach höher/niedriger, nicht nach den genauen Relation (was aus meiner Sicht auch gar nicht seriös einzuschätzen wäre).

  8. Eine Umfrage stellt ein emotionalen zustand dar! Das zu ignoriern erzeugt AFD.
    Der Mensch neigt dazu nur seien Bauchnabel zu Betrachten!
    Manchmal entsteht dadurch ein Weissbuch. Umfragen sind wichtig um die gefühle der Menschen zu sehen! Auch wenn es einem nicht gefällt!

    Mir gefällt auch nicht was die AFD macht.

  9. Russland ist eine größere Bedrohung, der Islamische oder was auch immer Terrorismus ist eigentlich nur insoweit eine Bedrohung als wir selbst sie dazu machen.

    Mentales Terrain haben wir dem diesem en masse zugeworfen, wäre aber eher eine Polizeiaufgabe als eine des Militärs.
    Militärisch stellen sie für uns keine Bedrohung dar.

    Es ist aber denkbar, das sie die Keime eines Kalifats bilden können, die quasi einen Voelkerwanderungsdschihad initiiert und organisiert.
    Dagegen waeren unsere Probleme mit Russland nicht mehr als der Streit zweier Konkurrenten um die bessere Loge im Theater.

  10. Bislang habe ich ja zu dieser Befragung meine Klappe gehalten. Nun aber:
    Merkt hier eigentlich niemand welchen „Spin“ diese Fragestellung hat ?
    Hier wird doch Rußland mit islamistischem Terror in einen Topf geworfen…..wobei Rußland subkutan Aggressionsabsichten unterstellt wird und Terror bekommt das Alleinstellungsmerkmal „islamistisch“ und damit das subkutane Label muslimisch.
    Den „Bauchgefühlen“ wird also Tür und Tor geöffnet und der gesunde, aufgeklärte Menschenverstand mal wieder ausgeklammert. Diese Fragestellung ist imho eigentlich eine Beleidigung für jeden intelligenten Menschen. Und drittens wird die NATO quasi alternativlos als universelles Heilmittel sowohl gegen Rußland als auch den Terror angeboten.
    Mann oh Mann – aber Hauptsache alle „Abstimmer“ haben sich brav registriert.

  11. @Jungchen: Nicht Kleinlich, erinnere mich gerade an Statistik 2 Grundstudium, sie haben bestanden :) daher +1

    @SCS: +1

  12. @Klabautermann

    Hm. Ich muss gestehen, dass die Fragestellung von mir stammt – und die ursprünglichen Formulierungen aufgrund der technisch vorgegebenen Maximallänge immer knapper ausfielen.

    Insofern trifft es mich schon ein wenig, wenn du mir unterstellst, ich wollte den genannten Spin unterbringen. Meine Absicht war, kondensiert das abzufragen, was ausführlicher formuliert sicherlich eine andere Wortwahl mit sich gebracht hätte.

    Wenn du nun meinst, dass die Fragestellung eigentlich eine Beleidigung für jeden intelligenten Menschen ist, muss ich das zwar hinnehmen, finde es aber weder gerechtfertigt noch einen hinreichend anständigen Umgang.

  13. Trotz der schon hinlänglich diskutierten Unzulänglichkeiten finde ich finde die Möglichkeit, hier bei AG zu bestimmten Themen Umfragen abzuhalten, ganz gut und ggf. auch wegweisend für weitere Diskussionen.

    Von daher: Durchaus weiter so!

  14. An die aktiven Militärexperten hier: wie groß ist eigentlich die Möglichkeit eines russischen Einmarschs nach Deutschland? Man hat zwar genügend Soldaten. Wie ist die mögliche Logistik für solche Ideen? Wie tief kann Putin eine Armee im Feindesland stehen lassen und versorgen? Was außer den Balten könnte er tatsächlich annektieren?
    Ebenso verhält es sich mit islamistischem Terror, was soll denn das werden…

    Ganz andere Bedrohungsmöglichkeit für unseren Staat und Gesellschaft wurde nicht gefragt: Ausbreitung von ultrakonservativen Religionen und Sozialnormen, Aufgabe der praktischen Souveränitäten durch EU, Euro oder Handelsabkommen… Ich will hier keine off topic Diskussionen starten, sondern nur die Bemerkung loswerden, daß die Fragen zu Bedrohung in unserer Zeit vielleicht sehr wenig militärisch sind.

  15. @Klabautermann: Ich würde nicht soweit gehen, einen Spin zu erkennen. Denn Umfragen dieser Art zielen immer auf wahrgenommene Wesenswelten ab.

    – NATO= Unsere Verteidigungsstruktur ausserhalb Staatsgrenzen ~ mindert den Schrecken für uns wie gut (?) für die Leser bei AGG
    – Russland= Kalter Krieg / Tschetschenien / Ukraine / Georgien / Syrien ~ welchen Schrecken empfinden die Leser bei AGG
    – Isl. Terrorismus = 9/11 / Afghanistan / Paris / Brüssel / Syrien ~ welchen Schrecken empfinden die Leser bei AGG

    Daher geht es immer um die Fragen nach Wahrscheinlichkeiten:

    a: Schrecken gegen Deutsche durch Russen; (1-a): Kein Schrecken gegen Deutsche durch Russen. Wobei dann das Verhältniss a/(1-a) eine empfundene Bedrohungsw’keit zum Ausdruck bringt.

    b: Schrecken gegen Deutsche durch isl. Terror; (1-b): Kein Schrecken gegen Deutsche durch isl. Terror. Wobei dann das Verhältniss b/(1-b) eine empfundene Bedrohungsw’keit zum Ausdruck bringt.

    Daher die einzige Aussage: Empundene Bedrohung a/(1-a) >; 16% und 24% = 1. Und 30% die merken, dass die NATO wohl in bieden Fällen entweder a nichts tun kann weil durch ihre Existenz a=0 sowie im Falle b nicht zuständig ist.

    Die Umfrage zeigt lediglich auf, dass isl. Terror höher bewertet wird, da er in unserer näheren Erfahrungswelt tatsächlich Schrecken für uns verursacht hat. Die Russen seit WWII nicht mehr. Dies wird insbesondere durch die Umfrage unter der gereifteren Befölkerung deutlich.

    Daher eine tatsächliche interpretation: 30% sagen mit der Nato ist alles in Ordnung, 31% wünschen indirekt, dass die NATO im bereich isl. Terror mehr tut, obwohl nicht ihr Job und 16% haben Schiss vor dem Russen, danke Leitmedien…

  16. @klabautermann

    Da es meiner Beobachtung nach unter den Lesern dieses Blogs zahlreiche intelligente Menschen gibt, dürfte diesen diesen vor allem der „Spin“ nicht entgangen sein, den Sie hier mit ihrem Beitrag zu verbreiten suchen.
    Zumal der ziemlich gut in das Lied passt, welches sämtliche Stimmen, die „freien“ Medien eingeschlossen, aus dem Reich des großen Friedensfürsten aus dem Osten ausdauernd singen. Was die im Übrigen nur tun, weil dort bekanntermaßen der „gesunde, aufgeklärte Menschenverstand“ in reinster Form regiert.

  17. Übrigens vor ziemlich geanau 2 Jahren hatte Obama mal die Reihenfolge festgelegt mit Ebola, Russland und dann erst der IS-Terror. Ich denke mal, dass sich daran bisher auch nichts geändert hat.

  18. Die Umfragen spiegelt eben nur einen Teil der Ansichten (durch Medien erzeugte, selten durch pers. Erfahrung oder wissenschaftlich fundiert) und Gemütslagen der Befragten.
    Wichtig ist die Realität, die daraus erwachsene Erkenntnis, Priorisierung und Handlung.
    In Westeuropa hat der Terror in den letzen 20Jahren abgenommen und die Gefahren für die Bevölkerung aus anderen Bereichen (Verkehr, Umweltverschmutzung, Keine uvm) zugenommen oder nur unmerklich verändert.

    Was sind die eigentlichen Gefahren in der Zukunft?
    Wer schränkt unsere Freiheit (inkl Sicherheit) ein?
    Was ist zu tun?

  19. @Wolfgang-2
    Die Reihenfolge der Prioritäten für die USA – allgemein – ist (was auch quasi offen zugegeben wird):

    1. Sicherheitsinteressen der USA (und dann nachrangig die der Verbündeten, wobei es oft natürlich Übereinstimmungen gibt)

    2. wirtschaftliche Interessen / Export, Versorgungssicherheit (auch ein Aspekt von Sicherheit), u.a.

    3. Menschenrechte, Demokratie, u.a.

  20. @ Zimdarsen

    Vollkommen richtig. Und Gemütslagen in Deutschland sind sehr volatil.

    Solche Umfragen gaukeln Meinungen und Entscheidungsopportunitäten vor, die real gar nicht gegeben sind. Es fängt damit an, dass man ein Publikum mit Fragestellungen konfrontiert, die es gar nicht beurteilen kann. Nächster Punkt im Meinungswürfeln ist dann die Fragestellung, die Antworten vorformt. Und nicht zuletzt wird durch die Art der Stichprobenauswahl etc. ein Branding verpasst.

    Anschließend rennen politische Entscheider mit der Umfrage los, interpretieren sie in ihrem Sinne und machen Politik am Problem vorbei, denn das Volk will es ja angeblich so. So in etwa ist seinerzeit die Nato in ISAF reingeschliddert und anschließend gescheitert.

    Daher bin ich der Meinung, dass sich solche Umfragen eher mit Belanglosem beschäftigen sollten, da machen sie weniger kaputt. Irgendwelche Boulevard-Sternchen sorgen doch immer für viele Klicks, so nach dem Motto: Sollte Gina Lisa Lohfink abnehmen? Ja / Nein / Nur am Hintern … sorgen doch für ausreichend Unterhaltung und verleiten Politiker nur selten zu falschen Entscheidungen, wenn sie nicht gerade als Justiz- oder Familienminister/in meinen, solche Figuren kommentieren zu müssen.

  21. @Thomas Melber

    Sicheheitsinteressen der USA können heute wirtschaftliche – und morgen menschenrechtliche Fragen sein.

    So ist eine Priorisierung innerhalb der Sicherheitsinteressen-Gefahren und deren Nachhaltigkeit/Auswirkung der Schlüssel.
    Leider wird dabei nur mit Abblendlicht und oft durch die Brille der Wirtschaft fokussiert, selten mit Fernlicht und Weitblick.
    Oft helfen die Fragen: was/wer ist wann, in welchem Umfang und Wahrscheinlichkeit in Gefahr und was/wen will man schützen?

  22. @Zimdarsen
    Menschenrechte nur in so weit als daß Bürgerrechtsbewegungen befreundete Regierungen destabilisieren. In Bahrein war das nicht der Fall, daher keine Ustg für die „Rebellen“ dort.

    Interessant wird die Positionierung in Bezug auf den Jemen, das läuft aus dem Ruder.

  23. Bin erst jetzt darüber gestolpert „Insgesamt haben mehr Menschen als hier genannt auf diese Frage geantwortet; aber Civey hat eben aufgrund der repräsentativen Verteilung die Antworten von 2006 Personen zu Grunde gelegt.“
    Was heißt das konkret? Sind hier – und wenn ja nach welchen Kriterien – Antworten ausgeschlossen / gewichtet worden? Hat hier irgendeine Quotierung/Gewichtung nach Alters-, Geschlechts-, Wohnregion-, Bildungsstatus-, weiß der Henker -gruppen stattgefunden, um an die allgemeine Bevölkerungsstruktur anzupassen?

  24. @Zivi a.D.

    zu Deiner Frage, was das heißt:
    1. Bei den Umfragen kann prinzipiell jeder abstimmen. Deswegen werden unter „Rohdaten“ die einfachen Clicks angezeigt. Da repräsentative Ergebnisse aber nur berechnet werden können, wenn man über die Abstimmenden etwas mehr weiß, gehen in die Berechnung der repräsentativen Ergebnisse nur die Votes der registrierten Abstimmenden ein. (und gleich der Hinweis: Die Daten sind bei uns anonymisiert!)
    2. Deine Annahme ist also richtet: Es findet – wie in der Statistik üblich – eine Gewichtung statt, so dass die Ergebnisse in bestimmten Faktoren wie Soziodemographie oder Wertehaltungen der Bevölkerungsstruktur in Deutschland entspricht. So werden die Ergebnisse repräsentativ.
    3. Weitere Infos findest Du hier: https://civey.com/blog/gewichtung-poststratifizierung/

  25. @42 u.a.

    Unser Geschäftsmodell beinhaltet keinen Handel mit Nutzerdaten, sondern mit Ergebnissen. Ähnlich wie bei anderen Meinungsforschungsinstituten auch. Das mag in diesen Zeiten ungewöhnlich wirken, aber wir wollen tatsächlich kostenlos Umfragen auf dem Niveau etablierter Meinungsforschungsinstitute anbieten.
    Infos dazu sind u.a. in diesem Artikel zu finden: https://civey.com/wp-content/uploads/2016/08/PlanungAnalyse32016.pdf

    Ich freue mich ehrlich gesagt auch über die Diskussion zur Qualität der Umfrage und wir nehmen gerne jegliche Kritik an und auf!

  26. @kathy

    Wie handhaben sie denn ihre „Datenverfügbarkeit themenspezifischer Gewichtungsvariablen“ im „Poststratifizierungalgorithmussfindungsprozess“ im Klabautermannfall (Teilnahmeverweigerung wg.a. Datenschutzgründen, b. verkürzte Fragestellung bei komplexen Sachverhalten, c. Verdacht auf eingebauten „Spin“, d. kein Interesse an der Frage, etc.)
    Wie definieren sie „Internetbevölkerung“ ?
    Wie schützen sie sich gegen Abstimmungsbots (gibt es genauso wie Kommentarbots)…..und da könnte ich noch einige Fragen mehr stellen. Ich bin der Auffassung, dass eine einigermaßen solide „Repräsentanz“ doch eigentlich nur auf der Zeitachse hergestellt werden kann, indem man die selbe Fragestellung in regelmäßigen Zeitabständen ins Netz stellt (natürlich ohne Zwischenergebnisse zu veröffentlichen und um ereignisbedingten bias rauszurechnen)
    Zum Thema Kosten……je länger natürlich eine Kampagne dauert, desto länger müssen sie auf ihren return on invest warten…..aber die Kundschaft will ja schnelle Ergebnisse :-)
    Ehrlicherweise schreiben sie von ihrem „Geschäftsmodell“ und genau das ist es auch und nicht mehr. Die Demoskopie hat mittlerweile genau das gleiche mathematische Problem wie die Metereologie: trotz unglaublicher Messpunktdichte, gigantischer Rechenleistung und ausgebuffter Algorithmen nimmt die „Treffsicherheit“ von Wettervorhersagen und Wählerverhalten deutlich ab – das liegt schlicht und einfach daran, dass die Dynamik und Komplexität der jeweiligen Kontexte signifikant höher ist als vor einigen Jahrzehnten….kann man anhand des gehäuften Auftretens von „schwarzen Schwänen“ erkennen ;-)

  27. Interessante Idee. Tut gut einmal Umfrageergebnisse zu vernehmen die jenseits der Massenmedien in Auftrag gegeben und ausgewertet werden.

    Werden weitere folgen?

  28. Ich plane jedenfalls, noch weitere Umfragen zu starten, und werde mich bemühen, die besser zu formulieren…

  29. Eine Umfrage vor der Umfrage zu den möglichen Formulierungen? ;-)

    Unterschiedliche Ansichten zur Wortwahl sind doch kein Grund zur Entmutigung :-)

    Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass ich (zumindest mit Android) mobil seit einigen Wochen oftmals keine Kommentierung mehr absenden kann. Sobald man mobil das Kommentarfeld mit dem ersten Zeichen füllt, entschwindet meist der „Senden“-Button.

  30. @Zyme

    wg. Technik: Danke für den Hinweis – ich hab‘ das auf Android bislang nicht beobachtet, aber gut zu wissen. Könnten Sie mir bei Gelegenheit per Mail einen Screenshot davon schicken, incl. Nummer der Android-Version und welches Modell?

  31. @Zyme, @T.Wiegold

    Auf Android 6 im Standardbrowser auf dem OnePlus 2, auf meinem Z5 ebenfalls mit Android 6 und Chrome gibt es den Button.

  32. Also ich persönlich habe gar keine Probleme mit dem hier aufgestellten Versuch und den Betrachtungen ! Auch nicht wenn Formulierungen mal nicht zu 1000% sitzen …
    Warum ?
    Weil ich nicht auf die Menthalität des „alles in Frage stellen und monieren“ stehe …
    Ebenso weil nach meiner Ansicht die Grundlagen der empirischen Sozialforschung nebst Statistik eingehalten werden …

    Und überhaupt weil es bei der Politik mehr um Meinung geht anstelle von Fakten ! Ich hoffe das wird hier trotz aller Betrachtungen nicht vergessen …
    Politik ist kein Feld moralischer und faktenbasierter Betätigung, es geht mehr um den Verkauf einer gefühlten politischen Stimmung mit Interessen im Hintergrund über die man nicht gerne öffentlich spricht !!!

    Ich hoffe man kann es so darstellen im Sinne einer hilfreichen Simplifikation …

  33. @Klabautermann,

    ja, die Meinungsforschung steht vor Problemen. Das liegt aber auch daran, dass sie in der Methodik veraltet ist. Eine Erhöhung der Messdichte muss nicht zwingend zu besseren Ergebnissen führen. Sie kann es aber, wenn man mit den Daten richtig umgeht. Verzerrungen entstehen überall. Egal, ob beim Festnetzanruf oder online. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, diese zu entdecken und rauszurechnen. Nicht so einfach ;)

    Das Internet wird immer mehr Teil unseres Alltags, heute nutzen schon fast 9 von 10 Menschen das Internet. Tendenz steigend: https://civey.com/blog/online-umfragen-sind-alle-repraesentiert/

    Die Sicherheit unserer Abstimmung, Sie nannten exemplarisch Bots, ist ein großes Thema. Es gibt technische Wege, Unstimmigkeiten zu entdecken. Bislang konnte noch keine unserer Umfragen gekapert werden.

    Und unser Geschäftsmodell: wir freuen uns, wenn wir schnell Umfrageergebnisse liefern können. Für uns sind Langzeitbeobachtungen aber mindestens genauso wichtig.

    Sonst noch Fragen?

  34. @ kathy | 13. September 2016 – 17:43
    Probleme bingen doch das feature ‚Gewichtung‘.

    Mit Gewichtung, (Ergebnisse sind mit dem Auftraggeber abzustimmen/ sarc off) kann man alles manipulieren bzw im ‚Algorithusfindungsmodus‘ variieren bis es stimmt.

    Fazit: Die Erkennrtnisse sind amusant aber belanglos.

  35. Meta-Topic zur Transparenz – Was mich interessieren würde:
    (Gerne irgend wo anders hin verschieben wenn es hier nicht passt)

    In der Beschreibung der Ergebnisse oben geht der Hausherr auf Unterschiede verschiedenerer Altersgruppen, Geschlechter und Parteipräferenzen (gibt es weitere?) ein.
    Nachdem ja über 2.000 Nutzer von AGA geantwortet haben (wie viele sind eigentlich insgesamt angemeldet / lesen AGA = % Rücklaufquote?) wäre damit zumindest auf die drei oben stehenden Kriterien interessant zu wissen, wie die Zusammensetzung der Foristen von AGA insgesamt aussieht.

    Dies zu veröffentlichen (da die Daten ja anonym sind) ist sicherlich mit allen Regeln des Datenschutzes vereinbar.
    Bin Auf die Antwort gespannt :-)

  36. @kathy

    Sorry for the delay ;-)

    Zunächst einmal vielen Dank für die Antworten, natürlich hätte ich noch (Nach)Fragen, aber das ist ja hier kein Fachblog für Meinungsforschung ….also lass ich das ;-)
    Viel Erfolg weiterhin bei ihrem Geschaftsmodell.

    @T.W.

    Die Fragenformulierung scheint mir wirklich der Schlüssel zu sein, damit die Ergebnisse nicht als „amusant aber belanglos“ abqualifiziert werden (ref @MikeMolto)…und damit vielleicht auch Big Data Skeptiker wie ich sich „überwinden“ mitzumachen.

  37. @POO

    Leider habe ich von Civey bislang keine Zahlen über die Ergebnisse ausschließlich von AG-Lesern – das wird wohl so bislang nicht gesondert ausgeworfen… Aber sie arbeiten dran,.

  38. @ Klabautermann

    Weniger wichtig als die Formulierung ist der Umgang bzw. Kontrolle der Störvariablen in der statistischen Auswertung !
    Dazu verwies ich bereits auf Literatur a la „Grundlagen der empirischen Sozialforschung“ …
    Beispiel: fragt man Leute in der Fußgängerzone nach sexuellen Einstellungen (diese Formulierungen sind oft ganz eindeutig und nicht interpretierbar) bekommtman verschiedene Antworten, denn einige sind offen und ehrlich, andere verhalten und manch ein Befragter lügt aus Peinlichkeit …
    Diese Störvariablen werden nie zu 100% kontrolliert und „rausgerechnet“ werden können, aber die Wissenschaft hat verschiedene Testverfahren für bestimmte Arten der Stichproben !
    Es geht einer seriösen neuen Umfrage eigentlich auch immer ein Test voraus um eben diese Störvariablen zu kontrollieren, nur weiß ich nicht ob die Erheber der Daten das auch immer machen und den Anspruch des wissenschaftlichen Arbeitens haben …

    Somit werden die erhobenen Daten entweder valide oder nicht … Eine Umfrage macht man nicht einfach so, und ja man sollte sowas auch vielleicht studiert haben an der Universität ;-)

  39. @SER
    Zustimmung, aber das ist hier wie ich ja in meinem letzten Kommenta geschrieben habe kein Fachblog für Meinungsforschung-und -wissenschaft, also lass ich meine „Meinungen“ zu dem Thema einfach mal so stehen ;-)…….und ja @T.W., da meine „Bedenken“ grundsätzlicher – wenngleich subjektiver – Natur sind, erhebe ich sie ggflls. auch gegenüber der Friedrich-Ebert-Stifung und you.gov.
    Und um das mal ganz deutlich zu sagen: solche neo-wissenschaftlichen (smart-snap-shot) Umfragen zu aktuellen – wenngleich sehr grundsätzlichen, also langfristig relevanten – sicherheits-und verteidigungspolitischen Fragestellungen sind für mich demoskopischer Populismus…..man tut so, als ob die „Meinung des (Wahl)Volkes“ zählen würde, aber es geht nur darum möglichst breit „Positionen“ zu besetzen im laufenden oder anstehenden Wahlkampf.

  40. Ich denke auch, dass die Leserschaft hier sich über eine höher qualifizierte Fragestellung freut und man tatsächlich wertvolle Umfragen gestalten kann. Ist ja ein Fachblog, und die Technik wurde erfolgreich getestet. Freue mich auf eine Menge p(a) = [(a/(a-1))/X] der AAG Leserschaft. ;)

    P.S: Von Civey habe ich Mail bekommen und wurde zur AFD befragt … grrr

  41. @ klabautermann | 14. September 2016 – 12:10

    „Die Fragenformulierung scheint mir wirklich der Schlüssel zu sein, damit die Ergebnisse nicht als “amusant aber belanglos” abqualifiziert werden (ref @MikeMolto)…und damit vielleicht auch Big Data Skeptiker wie ich sich “überwinden” mitzumachen.“

    Nicht nur die Fragenformulierung, sondern auch die „Gewichtung‘ vor Allem ob man mit derart duennen Daten wie AkaGrad, Schulabschluss, m/f, Bundesland ….Antworten qualifizieren wollte.
    Einer unserer Soehne hat PolSozWiss studiert, inzwischen ist er Banker…Er wollte sich nicht laenger von Professoren und Klientel auf den Arm genommen wissen.

  42. @ T.Wiegold

    Zumindest haben die Trump-Wahlkämpfer verstanden, dass die meisten Umfragen Garbage in, Garbage out sind und versuchen gar nicht erst, Daten zu ermitteln. Sie begeben sich gleich Instrumentangemessen auf Gina-Lisa Lohfink Niveau. Im aktuell vergifteten Diskussionsklima in den USA könnte das sogar funktionieren.

    Sehen Sie sich etwa in der Liga von Partei-Stiftungen, Wahlkämpfern und anderen miesen Propaganda- und Manipulationsveranstaltungen?

    Hatte Ihr Blog eigentlich anders eingeschätzt.

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