Trendwende Personal: 30.000 € für den Hauptmann

20160426_vdl_Personal_Hptm_OpKom

Der Plan von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, das Schrumpfen der Bundeswehr zu beenden und wieder mehr Personal in die Streitkräfte zu bringen, wird nicht ohne längeres Dienen von bereits vorhandenen Soldaten funktionieren – das hatte die Ministerin bei der Vorstellung ihrer Trendwende Personal im Mai schon deutlich gemacht. Dafür sollen gezielt Soldaten angesprochen werden, die ihre Dienstzeit über das vorgesehene Datum hinaus verlängern wollen, entweder als Berufssoldaten über die so genannte besondere Altersgrenze hinaus, oder als Zeitsoldaten mit einer befristeten Verlängerung.

Und dafür nimmt die Bundeswehr auch Geld in die Hand. Nachdem vor gut vier Jahren alles dafür getan wurde, Stellen abzubauen, auch wenn es was kostet, läuft es jetzt genau andersrum: Offizieren (und vielleicht auch anderen Laufbahngruppen?) wird gutes Geld dafür geboten, dass sie verlängern.

Das zeigt exemplarisch ein Brief aus dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, der zahlreichen Hauptleuten in der Truppe zuging und den ich hier dokumentiere:

Gewährung von Personalbindungszuschlägen für Personal in Verwendungen mit personeller Unterdeckung

Sehr geehrter Herr Hauptmann XXXXX,

die aktuelle Personallage der Bundeswehr unterliegt aufgrund vielfältiger Faktoren wie beispielsweise der fortschreitenden Digitalisierung oder geopolitischen Veränderungen der stetigen Anpassung. Speziell in Ihrem Fachbereich ist der Bedarf an ausgebildetem Personal mit tiefgreifenden Kenntnissen besonders hoch. Im Fokus der Personalplanung der Bundeswehr steht deshalb auch die Aufgabe, geeignetes Personal über den gegenwärtigen Verpflichtungszeitraum hinaus zu binden bzw. für eine Verwendung bei der Bundeswehr, ggf. mit bestimmten regionalen Schwerpunkten, zu gewinnen.

Sie gehören einem Verwendungsbereich an, für den die Vergabe eines Personalbindungszuschlages als ein finanzielles Instrument zur Bindung an den Arbeitgeber Bundeswehr möglich ist.

Mit diesem Schreiben möchten wir Ihre generelle Bereitschaft und Ihr Interesse an einer Weiterverpflichtung, ggf. unter Wechsel des Dienstortes, abfragen und Ihnen gleichzeitig den finanziellen Anreiz eines Personalbindungszuschlages erläutern. Das Informationsschreiben ersetzt jedoch nicht den Antrag auf Weiterverpflichtung.

Neben Ihrer grundsätzlichen Bereitschaft, die bisher erklärte und festgesetzte Dienstzeit zu verlängern, bedarf es natürlich ebenfalls der Zustimmung Ihrer Vorgesetzten und der obligatorischen Tauglichkeitsuntersuchung (BA 90/5). Die Entscheidung über Ihre Weiterverpflichtung liegt bei der Personalführung. Sie entscheidet im Einzelfall nach Eignung, Leistung, Befähigung und Bedarf. Bei Vorliegen aller Vorraussetzungen und einem erfolgreichen Antragsverfahren, könnte Ihnen im Falle einer Weiterverpflichtung der Personalbindungszuschlag derzeit als Einmalzahlung gewährt werden. Der Tabelle können Sie entnehmen, in welcher Höhe ein Personalbindungszuschlag für Ihre Besoldungsgruppe bei einer Weiterverpflichtung von vier Jahren in Anwendung gebracht werden könnte:

  • Besoldungsruppe      Einmalzahlung*
    A11                           30.326,02
    A12                           32.516,86
    *die Berechnung basiert auf der Besoldungstabelle Soldaten vom 1. März 2015

(…)

Die Vergabemöglichkeiten des Personalbindungszuschlages sind jedoch begrenzt. Auch wenn derzeit noch ausreichend Mittel für die Vergabe des finanziellen Anreizes bereitstehen, ist es sicherlich nicht falsch, sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit den Möglichkeiten und Optionen auseinanderzusetzen. (…) Die investierte Zeit kann sich durchaus lohnen.

Zum Vergleich: Das Grundgehalt für einen nach A11 besoldeten Hauptmann liegt in der Stufe 1 bei 3.158,96 Euro.

Interessanterweise, so höre ich aus der Truppe, wurde dieses Angebot auch denen gemacht, die erst vor kurzem den Antrag auf Übernahme als Berufssoldat gestellt hatten, da aber abgelehnt wurden.

(Danke für die diversen Leserhinweise!)

(Foto – Hauptmann der Bundeswehr-Medien bei einem Pressetermin mit der Ministerin im Bendler-Block, Symbolbild! Der abgebildete Soldat hat mit diesem Schreiben nichts zu tun)

 

173 Gedanken zu „Trendwende Personal: 30.000 € für den Hauptmann

  1. „So verzweifelt sucht von der Leyen neue Soldaten“ auf Welt …..und der Hausherr mit seinem Blog wird auch wieder zitiert/verlinkt….BZ

  2. @ Georg:

    Ich habe mir mal gerade den Beitrag in der Welt durchgelesen und fand folgenden Satz:

    „Galt zum Beispiel die Bereitschaft für bundesweite Verwendbarkeit gerade noch als Bedingung für eine Einstellung, können nun auch Interessenten berücksichtigt werden, die nur ortsgebunden zur Verfügung stehen.“

    Den „Neuen“ wird also (voraussichtlich, sofern die Aussage stimmt) die Möglichkeit gegeben, ihre Einstellung mit der Bedingung eines Wunschstandortes zu verknüpfen.

    Warum gibt man dann nicht auch den Bestandssoldaten die Möglichkeiten, an einem (Wunsch)Standort ihren Dienst zu verrichten – auch wenn nicht alle Voraussetzungen erfüllt, sie aber trotzdem den Dienstposten bzw. die Aufgabe vollumfänglich wahrnehmen können … auch wenn dafür evtl. ein Lehrgang notwendig wäre und man diesen dann auch noch bekommt?

    … Zumindest wäre das dann auch mal ein wenig positive Attraktivität für die Bestandssoldaten … denn von dem Rest der „Attraktivität“ haben viele Bestandsoldaten bislanf nichts gesehen … und werden es wohl auch nie.

  3. Wenn man unterstellt die BRD wäre auch eine Wertegemeinschaft und die Bw das Spiegelbild der Gesellschaft, dann ist es doch logisch wenn versucht wird auch „Binnenausländer“ (mir gefällt das Wort echt gut !) in die Bw zu holen !

    Doch welchen Benefit haben wir von so einem Konstrukt unter der Betrachtung des alten Begriffs „Gefechtswert“ ???

    Diese jungen Männer die über die Meere kommen wollen bessere Zukunft, aber nicht bei sich zuhause … Wie wären die Gefechtswerte zu betrachten bei Fragen der Landesverteidigung ? Und bitte, ein „Schommer`sches Söldnerheer“ sollte niemals dabei herauskommen, denn die Wurzeln zum Land sind wichtig insbesondere für ein Heer einer Wertegemeinschaft !!!

  4. @ SER

    Das Wort „Binnenausländer“ ist in etwa so logisch wie die Feststellung „halbschwanger“ zu sein!

    Entweder eine Person ist Ausländer oder Inländer, dazwischen gibt es m.M.n nach keinen Status. Wenn für Bürger der EU eine deutsche Staatsbürgerschaft möglich ist, ohne ihre angestammte Staatsbürgerschaft ablegen zu müssen, dann handelt es sich um eingebürgerte Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Es sind eben nicht die „jungen Männer, die über die Meere kommen“, die Flüchtlinge um die geworben werden soll, sondern um EU-Bürger die bereit sind die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen und in der Bundeswehr zu dienen.

    @ Schnellmerker

    Ich hatte mal eine Diskussion mit einem Personalführer für Portepeeunteroffiziere. Ich wollte, dass Stellen bei mir an der Schule nachbesetzt werden sollen. Logischerweise kann man dafür keine Berufsanfänger nehmen, sondern es müssen in den Stellungen, am Radarsystem erfahrene Portepees sein. Ergebnis der Diskussion war, dass man einen SaZ 12 Portepeeunteroffizier faktisch nicht versetzen kann oder will, weil er bei der Einstellung einen bestimmten Standort zugesichert bekommen hat. Der „Freiwildstatus“ in Punkto Versetzung ist anscheinend erst mit der Ernennung zum Berufssoldaten gegeben.

  5. Mit der Debatte um EU-Bürger in der Bw gelingt vdL wieder hervorragend die Ablenkung von den eigentlichen Problemen der Bundeswehr. Und dies in der wesentlichen Verhandlungswoche in Vorbereitung des KabBeschl zum HH 2017 / 50. Finanzplan. Immer wieder interessant, wie der PrInfoStab bzw. dessen Leiter agiert ;-)

  6. @FK70:
    Geht man im BMVg weiterhin davon aus, dass die Kosten der Tariferhöhung vom EPl. 60 übernommen werden?
    Angeblich geht man sogar bei der Erstellung von FBA/ Ressourcenplan davon aus.

    Scheitert man mit dem Ansinnen in den anstehenden Chefgesprächen, dann war es das endgültig mit der Trendwende.

    Zudem kommt auf den EPl. 14 ab 2018 durch die baldige Einigung zwischen Bund und Ländern bei den Integrationskosten erheblicher weiterer Druck zu.

    Die neuen Prämien sind ja ebenfalls nicht unerheblich.

    Ich finde es auch beachtlich wie oft es dem PrInfoStab gelingt die Debatte weg von den harten Fakten zu lenken.

  7. Ich habe es bei der letzten EU Ausländer in die Bw Debatte bereits gepostet – aber hier nochmal:

    Der MAD hat garnicht die Möglichkeiten für diese Personen eine Sicherheitsüberprüfung durchzuführen. Also wenn diese Soldaten nicht alle ins Freizeitbüro oder die OHGs sollen (was man günstiger als Ferienjob anbieten könnte oder 450€ Kräfte zivil) ist das eine reine Luftnummer…

  8. SER | 19. Juni 2016 – 17:33
    Den Begriff „Gefechtswert“ greif ich mal auf – reduziert auf „Risikobereitschaft“, „Opferbereitschaft“ und „Todesmut“ des Soldaten. Ansonsten macht Ihre Verwendung des Begriffes keinerlei Sinn – gibt’s schlichtweg nicht.
    Der „Gefechtswert“ im zuvor genannten Sinne ist meiner Erfahrung nach bei unseren Soldaten in Auslandseinsätzen verständlicher Weise sehr begrenzt. Und zwar völlig unabhängig von einer „Verwurzelung in unserer Gesellschaft“. Den Begriff „Wertegemeinschaft“ verwende ich erst gar nicht. Anders könnte das bei der Verteidigung der Heimat aussehen. Und die Heimat ist dort, wo man lebt und dies auch möchte. Zusammen mit der Familie. Und wenn das für die „Fremdstämmigen“ die BR Deutschland ist, dann werden die auch bereit sein, diesen Staat zu schützen. Und zwar nicht weniger, als die – ja, wie sag ich’s? Jau, wie die deutschen Eingeborenen.
    Hans Schommer

  9. @Hans Schommer
    Das die Risikobereitschaft eines deutschen Soldaten bei der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch sagen wir mal begrenzt ist, ist für mich ansichts der Rahmenbedingungen völlig verständlich. Aber
    möchten sie uns wirklich sagen, das Leute die Ihr Heimatland bereits einmal verlassen haben, jetzt auf einmal für Deutschland als Heimat kämpfen wollen?
    Warum haben sie das denn vorher in Ihrem Heimatland nicht getan?
    Das mag mit viel Wohlwollen evtl. für den ein oder anderen Einzelfall zutreffen, aber damit werden wir bestimmt nicht tausende rekrutieren.

  10. @Insider

    War ihr Heimatland es noch Wert dafür zu kämpfen, gab es da noch die Möglichkeit dies sinnvoll zu tun?

    Wenn ihr Heimatland es ist, das sie unterdrückt verfolgt ist es dann ein Heimatland?

    Pulaski, Steuben, Siegel… de Maziere

    Wieviele Deutsche die nach 48 in die USA flohen schlossen sich der Army of the Free an, wieviele Iren….

  11. Insider | 19. Juni 2016 – 20:52
    “ … möchten sie uns wirklich sagen, das Leute die Ihr Heimatland bereits einmal verlassen haben, jetzt auf einmal für Deutschland als Heimat kämpfen wollen? Warum haben sie das denn vorher in Ihrem Heimatland nicht getan? …“
    Ja, die Frage kann sich der Eine oder auch der Andere in diesem Blog und in unserer Republik natürlich stellen. Wieso haben diese Feiglinge sich eigentlich nicht gegen den IS (plus staatliche Verfolgung in X arabischen Nationen plus Pakistan, AFG etc.) verteidigt? Es gab da sicher auch Knüppel, Messer, Äxte, Jagd- und vielleicht sogar Kriegswaffen. Den „zivilen Ungehorsam“ nicht zu vergessen!
    Ja, die hätten mal dem deutschen Vorbild folgen sollen, wo 1945 jedes Dorf im Osten erfolgreich mit der Stricknadel verteidigt wurde. Oder lief das dann doch irgendwie anders?
    Klingelt da was, werter Insider? Wenn nicht – Pause machen.
    Hans Schommer

  12. Ich habe in meinem Beitrag ganz bewusst auf ein Wort wie Feigling verzichtet.
    Ich unterstelle niemandem das er nicht aus gutem Grund gehandelt hat. Allerdings bezweifele ich, das sich aus den Reihen der Flüchtlinge eine erwähnenswerte Anzahl freiwillig in der Bundeswehr dienende Soldaten gewinnen werden lassen. Warum fliehe ich vor Krieg und Verfolgung um dann im Gastland in die Armee einzutreten?

  13. Insider | 19. Juni 2016 – 21:34
    “ .. Warum fliehe ich vor Krieg und Verfolgung um dann im Gastland in die Armee einzutreten?“
    Die Frage sollten Sie mal den zig-tausenden Deutschen, Franzosen, Polen, Tschechen und, und, und stellen, die genau dies vor 75 Jahren getan haben.
    Hans Schommer

  14. @Georg: Wie kommen Sie darauf, daß das Grundgesetz geändert werden müsste, damit EU-Ausländer in der BW dienen können? Die Verfassung schreibt nicht vor, daß die Soldaten der BW deutsche Staatsbürger sein müssen!

    Nur das Soldatengesetz verlangt grundsätzlich, daß die Zeit- und Berufssoldaten deutsche Staatsbürger sein müssen, aber selbst das Soldatengesetz bestimmt, daß das Verteidigungsministerium in Einzelfällen Ausnahmen von der deutschen Staatsbürgerschaft zulassen kann. Bis jetzt wurde von der Ausnahmevorschrift nur kein Gebrauch gemacht.

    Also könnten schon ohne Gesetzänderung EU-Bürger angeworben werden, wenn das Ministerium wollte und es müsste höchstens das Soldatengesetz geändert werden, aber nicht das Grundgesetz, um im großen Stil EU-Bürger anzuwerben.

  15. Leider reicht mein intellektuelles Niveau nicht, um die Antworten zu verstehen. Ist auch egal, die Zeit wird die Antwort geben. Mein Tip, das wird nichts. Unter günstigsten Umständen wird evtl.die in Deutschland aufgewachsene und integrierte Nachfolgegeneration vielleicht bereit sein.

  16. @Insider
    Definieren sie Heimatland und dann fragen sie ob ein Land in dem sie zu Unrecht verfolgt, unterdrückt, missbraucht und ermordet werden von dessen Gesellschaft/Regierung ein solches ist und Anrecht auf ihre Loyalität, ihre Ehre und ihr Leben hat?

  17. Ich gebe ihnen diesbezüglich Recht. Die meisten Menschen aus diesen Ländern haben aus erlebter Erfahrung ein gehöriges Maß an Misstrauen gegenüber Polizei und Militär. Deswegen glaube ich eben nicht das sich kurzfristig daraus Freiwillige gewinnen lassen. Die Menschen haben 1000 andere Sorgen als das sie sich mit der Bundeswehr und Ihren Problemen auseinandersetzen werden.

  18. @ Closius

    Danke für die Richtigstellung bezüglich GG und SG.
    Mal sehen wie die öffentliche Diskussion bezüglich Söldner usw. ablaufen wird, wenn Ausländer in die Bw aufgenommen werden sollen.

  19. Auch wenn einige hier eine Söldnerarmee zu unterstützen scheinen, für mich stünde fest, dass sich mein Blick auf die Bundeswehr massiv verkehren würde und ich sogar, obwohl ich dem in der Vergangenheit eher ablehnend gegenüber stand, ‚Bundeswehr raus den Schulen‘ unterstützen/nacheifern würde.
    Berufsorientierung funktioniert nämlich auch wunderbar ohne Bundeswehr.

  20. Wenn ich mir diese Summen als „Bestandskunde“ so ansehe, sehe ich hier eine absolute Ungleichbehandlung innerhalb des Personalbestandes der Bw. Es fing mit Zulagen für Ärzte an, ging weiter mit besonderen Zulagen für Luftfahrzeugkommandanten und endet jetzt mit Weiterverpflichtungsprämien und Personalbindungszuschlägen. Der Berufssoldat, der auf einem Dienstposten sitzt, der von all diesen Zuschlägen nicht betroffen ist (weil genug Dienstposten besetzt), hat hier das Nachsehen. Dies wirkt sich erheblich auf die Motivation der Betroffenen aus. Verständlicherweise! Man verliert hier ,die immer grösser werdende Masse an unmotivierten Soldaten, völlig. Mal sehen, was als nächstes kommt…

  21. Als Berufssoldat flexibel in den Ruhestand:
    Neben der Optimierung der Organisation und Neueinstellungen wird dabei auch der Personalbindung große Bedeutung zukommen: Geeignete Soldatinnen und Soldaten können sich freiwillig länger an die Bundeswehr binden.

    http://bit.ly/28MAcCr

Kommentare sind geschlossen.