Kampf gegen ISIS: Cyber Warfare erstmals offizieller Teil der Kriegführung

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Die USA setzen bei ihrem Kampf gegen die ISIS-Terrormilizen in Syrien und im Irak zunehmend auf elektronische Kriegführung, um die Kommunikation der Islamisten zu stören und zu unterbrechen. Ein Ziel sei es, ihr Vertrauen in die eigenen Netzwerke zu untergraben, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am (heutigen) Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stabschef Joseph Dunford im Pentagon:

The cyber efforts are being used, particularly in Syria, Carter said, to disrupt ISIL’s command and control operations, cause the terrorists to lose confidence in their networks and to interrupt their ability to control the population and the economy.

Cyber is an „important new capability,“ he said. „This is something that’s new in this war, not something you would’ve seen back in the Gulf War. It is an important use of our Cyber Command — and the reason that Cyber Command was established in the first place.“

Associated Press hat ein bisschen mehr dazu:

„As we disrupt the ISIL communications via cyber or other methods, sometimes we do drive them to other means,“ Carter told Pentagon reporters. „Sometimes, those other means are easier for us to listen to. So by taking away some of the ways that they are used to operating, they’re protected and that they regard as an information sanctuary, drives them to other, including older technologies. And so one way or another, it is a very effective tool.“
U.S. officials told The Associated Press last week that the military had ramped up cyber operations against the group. The operations include efforts by U.S. Cyber Command at Fort Meade, Maryland, to prevent the group from using the Internet and social media to communicate and distribute propaganda aimed at attracting and inspiring recruits. It could also force them back to technologies like cell phones to communicate.

Interessant ist dabei ein Ansatz, den Dunford erwähnte:

And frankly, they’re going to experience some friction that’s associated with us and some friction that’s just associated with the normal course of events in dealing in the information age. And frankly, we don’t want them to know the difference.“

Der Gegner soll, so die Absicht, im Unsicheren bleiben, ob er nur technische Probleme hat oder gerade Ziel eines Angriffes ist.

Mit den heutigen Aussagen von Carter und Dunford hat die US-Regierung, darauf weist der Guardian hin, erstmals offen zugegeben, die Möglichkeiten der Computer-Kriegführung als Waffe in einer militärischen Operation einzusetzen:

Analysts who have long tracked the development and incorporation of digital weapons into the US military arsenal considered Carter’s acknowledgment to be a milestone.
“The cyberwar seal has been broken in public”, said Peter W Singer of the New America Foundation.
Thus far, the US has only acknowledged using digital weaponry in vague terms. Secrecy has surrounded their use, as the US cyber arsenal has seen operation as part of covert intelligence activities, rather than as a component of an ongoing war.

(Foto: Defense Secretary Ash Carter, left, along with Marine Corps Gen. Joseph F. Dunford Jr., chairman of the Joint Chiefs of Staff, right, briefs reporters at the Pentagon, Feb. 29, 2016 – DoD photo by Army Sgt. 1st Class Clydell Kinchen)

13 Gedanken zu „Kampf gegen ISIS: Cyber Warfare erstmals offizieller Teil der Kriegführung

  1. @Snake

    Das ist nur der Hinweis „an alle“, dass an der einen oder anderen Stelle evtl. „unbeabsichtigte Nebenwirkungen“ auftreten können – denn IS ist ja „überall“ ;-)

  2. Warum die offizielle Erklärung?

    We fight our countrys battles
    In the air, the cyberspace on land, and sea.

    Richtet sich das vielleicht an bestimmte patriotische Hacker?

  3. Die Militär-Doktrinen der USA sehen die Möglichkeit eines solchen Einsatzes ja tatsächlich schon seit längerem vor und definieren Cyber als elementaren Bestandteil jeglicher „field operations“. Insofern scheint mir die Ankündigung tatsächlich auch eher symbolischen Charakter zu haben. Andererseits wäre auch denkbar, dass damit medial der Boden für weitere Cyber-Operationen bereitet werden soll um dann entsprechende Erfolge dem verstärkten Cyber-Engagement zurechnen zu können. Das wäre als Kommunikationstrategie insofern schlüssig, da Cyber im Augenblick angesichts des digitalen Säbel-Rasselns, der militärischen Cyber-Aufrüstung weltweit und den Rufen nach Abrüstung und Mäßigung seitens der UN-GGE (et. al.) seine Nützlichkeit medial ja erst noch beweisen muss. Insbesondere aus Reihen des US-Militärs wurde Cyber oft als „sauberes“ und günstiges Wirkmittel hervorgehoben… das könnte mit einer solchen Ankündigung und entsprechenden Erfolgen „bewiesen“ werden.

  4. Kollateralschäden nicht augeschlossen.
    Falsche Zuschreibungen nicht ausgeschlossen.
    Aus einem Spiegel-Artikel von 2014:

    Vor zwei Jahren verschwand Syrien plötzlich tagelang aus dem Internet. Verbindungen aus und in das Land waren nicht mehr möglich, Rebellen und Regierung machten sich gegenseitig für den Blackout verantwortlich. Nun hat Edward Snowden enthüllt: Schuld am Netzausfall sollen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA gewesen sein, denen eine Operation misslang.
    […]
    Die Anekdote endete laut Snowden damit, dass einer der extrem angespannten NSA-Techniker nach dem Ausfall einen Witz machte: „Wenn es schiefgeht, können wir es immer noch den Israelis in die Schuhe schieben.“

  5. danke für die links!
    ein sehr realer und sinniger ansatz: usa bringt (nach stuxnet und nitro zeus ; m.e. eher strategische ebene) nun cyberwarfare auf die taktische reale ebene, eben aufs battlefield. natürlich fallen da auch mal späne, wo sie nicht hin sollen, :(, klar…
    ZIEL der operation ist, die digitale IS life-line >mosul – raqqa< zu zerschneiden – das macht sinn. dazu werden cyber (fort meade) und etf (on the ground, kinetics)(expeditionary targeting forces=special forces) kombiniert, so wie dunford es – "as we speak" – beschrieben hat. das ist kein säbelrasseln, das ist der erste, zugegeben test-einsatz, joint, auf taktischer ebene.
    1. macht sinn , mal life-targeting zu machen
    2. ist keineswegs symbolisch oder gar lächerlich – sollte man (auch C, RU)ernst nehmen,
    3. dem sollte man sich als verbündeter,BW, schleunigst anschliessen, wenn man noch was dazu lernen will, wenn man denn will…
    semper fortis

  6. Der Gedanke, dass es sich bei dem Stromausfall um einen Kollateralschaden handelt drängt sich auch mir auf. Im Zweifelsfall kann man ja immernoch behaupten die Israelis waren das…

    Kennt zufällig jemand den Energiemix in Syrien? Gas und Öl sollten da doch dominieren, oder?

  7. @SvenS

    Na ja, da wollte wohl „jemand“ die over-IP-Führungsnetze des IS abschalten und hat dabei das Stromverteilungsnetz gleich mit erwischt. Kann aber auch sein, dass der IS das Kraftwerk Alepo abgeschaltet hat und dann hat es einen Kaskadeneffekt gegeben…..schau’n mer mal

  8. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Aber auch mir hat sich der Gedanke direkt aufgedrängt. Das ist eines der Probleme mit dieser Art von „Cyber Warfare“: Sie befördert Spekulationen und Schuldzuweisungen.

    @SvenS „Energiemix“:

    Ja, Öl und Gas dominieren (Ziel: Gas). Mehr unter „Electricity“ auf https://www.eia.gov/beta/international/analysis.cfm?iso=SYR

    Zur Vernetzung:

    Syria, along with Egypt, Iraq, Jordan, Libya, Lebanon, the Palestinian Territories, and Turkey, is a member of the Eight Country Interconnection Project, but the current state of Syria’s electricity sector leaves the future of the project—within Syria—in doubt. In 2012, Syria reduced its imports of electricity from neighboring Egypt, Jordan, and Turkey, opting to pursue an arrangement with Iran instead.

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