Feuerpause in Syrien: Westen verlangt Stopp russischer Luftangriffe

20160203_Syria_ICRC

Nachdem sich die USA und Russland am (gestrigen) Montag auf eine Feuerpause in Syrien ab dem kommenden Freitag (bzw. konkreter: Samstag) verständigt hatten, haben am Dienstag die Staats- und Regierungschefs der USA, Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands über ihre Erwartungen an die Waffenruhe präzisiert. Interessant dabei ist die Hervorhebung der Rolle Russlands und Syriens, denen beim Stopp von Luftangriffen auf die moderate syrische Gruppierungen und die Zivilbevölkerung eine besondere Verantwortung zugewiesen wird.

Die Mitteilung des Bundespresseamtes nach der Videokonferenz am Abend im Wortlaut:

Bundeskanzlerin Merkel spricht in Videokonferenz mit Präsident Obama, Präsident Hollande und Premierminister Cameron über Syrien
Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilt mit:
Die Bundeskanzlerin hat sich am heutigen Abend mit dem französischen Präsidenten François Hollande, dem britischen Premierminister David Cameron und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama in einer Videokonferenz zur Lage in Syrien ausgetauscht.
Dabei begrüßten alle Gesprächspartner die zwischen den USA und Russland erzielte Verständigung auf eine Waffenruhe. Sie mahnten eine rasche und umfassende Umsetzung der Vereinbarung durch alle beteiligten Akteure an.

Sie waren sich einig, dass Schritte zur Beruhigung der Lage und zur Bewältigung der humanitären Notlage der Bevölkerung absolut vordringlich seien, insbesondere in der Region Aleppo. Da auch gerade die Luftangriffe der russischen Luftwaffe und der syrischen Armee zu erheblichem Leid der Zivilbevölkerung beigetragen hätten, sei deren Beendigung ein wesentlicher Faktor zur Beruhigung der Lage.
Die Gesprächspartner waren sich einig, die Einhaltung der Bestimmungen der Vereinbarung zur Waffenruhe besonders sorgfältig zu beobachten. Insbesondere dürfe es nicht zu Luftschlägen gegen moderate syrische Gruppierungen und die Zivilbevölkerung kommen. Der syrischen und russischen Regierung komme hier eine besondere Verantwortung zu.
Die vier Staats- und Regierungschefs unterstrichen, dass die Perspektive einer Beruhigung der Gewalt rasch von einem echten und glaubwürdigen politischen Transitionsprozess unterlegt werden müsse, entsprechend der Vorgaben der Resolution 2254 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und unter der Ägide der Vereinten Nationen.
Die vier Staats- und Regierungschefs haben die jüngste Entscheidung der NATO-Verteidigungsminister zur Unterstützung von Maßnahmen zur Unterbindung irregulärer Migration in der Ägäis begrüßt. Alle vier waren sich einig, auf einen raschen Erfolg dieser NATO-Aktivitäten hinzuarbeiten, bei der der griechisch-türkischen Zusammenarbeit eine besondere Bedeutung zukomme.

(Und damit ein neuer Sammelthread zum Thema Syrien.)

(Foto: Moademiyeh, Syria, 03feb2016- An ICRC truck drives through the besieged town after a joint aid operation between the Syrian Arab Red Crescent (SARC) and the ICRC – Pawel Krzysiek/ICRC)

130 Gedanken zu „Feuerpause in Syrien: Westen verlangt Stopp russischer Luftangriffe

  1. Da scheint wieder was auf eine persönliche Auseinandersetzung hinauszulaufen. Wenn die Herren darauf Wert legen, vermittele ich gern die jeweiligen Mailadressen.

  2. @HJZ: Rational aus welchem/wessen Blickwinkel? Ich musste mich bereits zurücklehnen um zu merken, dass sehr viele Menschen von „dieser einen Person“ hinters Licht geführt wurden.

    Das Netz zur Verbringung von Öl und Gas der Region würde, beschränke man sich auf reine Deckungsbeitragsrechnung, völlig anders aussehen. Was aber, wenn andere Werte, besonders informeller Natur, eine sehr viel größere Rolle spielten?
    Allein regionales Sendungsbewusstsein, Kampf um Vormachtstellung? Folgerichtig entsteht eine Mischkalkalkulation die, je weniger rational eine strategische Planung dargestellt wird, zu Fehlentscheidungen führt. Nach unserer „aufgeklärten“ Sichtweise wohlgemerkt.

    Ich schlage vor Sie lehnen sich auch mal zurück und sehen die Welt aus den Augen der dortigen politischen Eliten, in anbetracht tatsächlicher, empfundener und den antizipierten Konflikten.

    P.S: Ich kenne die Rohstoff- und Verbringungskarte der Region, samt öffentlich zugänglichem Material zu Planungen. Was sie einbringen ist, die Karte ist hübsch: http://www.geni.org/globalenergy/library/national_energy_grid/turkey/graphics/botasmap.gif

    Und wenn sie eine Pipeline durch ein Gebiet ziehen, so beziehen die Anrainerstaaten für gewöhnlich Durchleitegebühren. Das wäre für die Kurden sehr interessant, zumal selbst Bodenschätze vorliegen. Simple as that, kein Grund zur Aufregung.

  3. YPG (Sprecher Redur Xelil) und FSA sowie „Südfront-Bündnis“ stimmen Waffenruhe zu. TUR bekämpft YPG weiter, um kurdische Autonomie zu verhindern. Davutoglu fordert sogar, YPG gleichfalls von Feuerpause auszunehmen.
    Die Wahrheit liegt auf dem Platz, wie stets. Wird sich übers Wochenende erweisen, wie Beteiligte weiter agieren. Zu beobachten wird sein, ob/inwiefern sich eine uneingestandene Koalition gegen Daesh ergibt.

  4. @AoR

    Ihre Karte muß ergänzt werden durch die Karte der bekannten/möglichen Erdöl-/Gasvorkommen im Östl. Mittelmeer und insbesondere Ägäis (Stichwort: 2. Persischer Golf). Und dann wird erst ein Schuh draus. Denn das ist das eigentliche Dilemma von Erdogan: Die Türkei ist in Sachen Erdöl und -gas sowohl im Schwarzen als auch im Mittelmeer und natürlich Persischer Golf eigentlich nur Zuschauer solange sie nicht auf Kompromisse eingeht. Das kann man natürlich auch den Griechen oder den Syrern vorwerfen. Tatsache ist aber, dass die türkische Kompromiss-Unfähigkeit quasi traditionell ist und diese hat letztlich gerade in Sachen Öl/Gas zu dieser Isolation geführt. Man kann das Östliche Mittelmeer und die Levante nicht auf dem geopolituischen Stand von 1974 einfrieren (Zypernkrise). Da machen selbst die USA nicht mehr mit.

  5. @Klabautermann: Exakt, ich meine auch mal die geforderten Karten eingestellt zu haben. (Columbia University) Die Karten zeigten zudem die konfessionellen wie ethnischen Räume an.

    The Diplomacy of Violence in Turkey
    By DAVID ROMANO 5 hours ago
    758 Views
    – See more at: http://rudaw.net/mobile/english/opinion/26022016#sthash.L8GsrLLT.dpuf

    Der Artikel zeigt sehr schön, wie in der Region Nullsummenspiele gespielt werden. Zudem halten wir bitte die Augen und Ohren offen. In den USA und im Umfeld einflussreicher Kreise wird eine Israelisch-Russische Partnerschaft zur Eindämmung osmanischen Großmachtsfantasien angedeutet bis offen benannt. Für die Kurden ein Goldsegen, gegeben der ausgeprägten ethnischen sowie politischen Beziehungen in beide Richtungen.

    Wäre dennoch der Horror für Europa insbesondere Deutschland s. Technologietransfer/Geostrategie etc. Leider gibt es für den einschlägigen Stratfor/Geopoliticalfutures Artikel keine öffentliche Freigabe.

  6. Irgendwie habe ich gerade wieder so ein deja-vu, daß wenn eine Seite sich nicht an das Abkommen hält und/oder den Waffenstillstand mutwillig verletzt, und ich denke da an die türkische Seite, das als Grund dienen wird, noch ein paar Sanktionen gegen Rußland zu verhängen. Die amerikanische Rhetorik klingt doch sehr danach. Ist so ein Gefühl.

    BTW, die Huffington Post, die jetzt nicht als besonders prorussisches Blatt bekannt ist, hat gerade ein Editorial, daß es an der Zeit ist, über einen Ausschluß der Türkei aus der NATO nachzudenken, damit nicht ein „rogue member“ die ganze Allianz via Artikel 5 in den Abgrund zieht.
    http://www.huffingtonpost.com/stanley-weiss/its-time-to-kick-erdogans_b_9300670.html?

    An Fakten begründet man das mit der Inhaftierung von mehr Journalisten in der Türkei als in China, der Inhaftierung Tausender wegen freier Meinungsäußerung, der Islamisierung öffentlicher Institutionen, der Verletzung des Waffenembargos gegen Gaza, dem Kauf chinesischer Luftabwehrsysteme statt eines „NATO-Systems“ und der Verweigerung der Nutzung des NATO-Luftwaffenstützpunktes für den Irakkrieg wie für den Krieg gegen ISIS. Dazu der hochgradige Verdacht der direkten Unterstützung für ISIS.

    Interessante Zeiten, in der Tat.

  7. @Mitleser: Ich denke öffentlich hilft eine derartige Debatte gar nichts. Wenn eine Einheit die Formation bedroht, bedeutet die mitnichten, dass man da eine Lücke haben möchte.

    Sie können sich vorstellen welche Meinung ich zu dem Thema habe, wie ultimativ die NATO Südost-Flanke aus einem Frieden in der Türkei hervorgegangen wäre.

    Überall in der AKP wird von der neuen islamischen NATO gesprochen… und, stop, auch hier halte ich mich zurück, da es nur Urängste schürt.

  8. So jetzt wird es AUA:

    Gazprom cutting gas supplies to Turkey:
    https://www.rt.com/business/333732-russia-gazprom-turkey-gas/

    Realclear hat oben benannten Artikel eingebracht:
    Israel’s Strategic Vulnerability
    By George Friedman
    http://www.realclearworld.com/articles/2016/02/26/israels_strategic_vulnerability_111725.html

    Why Russia may be a smart business partner for Israel
    By Josh Cohen February 23, 2016
    http://blogs.reuters.com/great-debate/2016/02/23/why-russia-may-be-a-smart-business-partner-for-israel/

    @KPK:
    MSD Co-president Ehmed: Three federal regions will be formed in Syria
    http://en.hawarnews.com/msd-co-president-ehmed-three-federal-regions-will-be-formed-in-syria/

    … Vorsicht is ne Commi Trotzkistenseite

  9. @AoR
    Die MSD Co-Präsidentin: „Three federal regions will be formed in Syria …“
    Federal = föderativ = bundesstaatlich: = ggf gar Föderalismus, wie Deutschland ihn lebt, die Schweiz?
    Weiter, Bundesstaat vs Staatenbund?
    Welche Macht hat Frau İlham Ehmed, als Kurdin (?), als Frau in der syrischen Chauviszene?
    Wer sind die weiteren Mitglieder des „Bundesstaates“ neben sicher begeisterten Kurden, Sunniten, Schiiten, Armenier, Drusen, Christen?
    In welchen Regionen existieren Teilstaaten?
    Wie lebensfähig sind Teilstaaten?
    Wer, mit welcher Beteiligung der Bundesstaaten, bildet die Zentrale.
    Ehrlich? Ganz ehrlich: einem orientalischen Fiebertraum entsprungen!

  10. @KPK: Ich kenne da noch andere Fieberträume, die aus Frankreich vor 300 Jahren … Ich denke die Menschen zu begeistern ist jetzt die zentrale Aufgabe.

    Und irgendwie muss man mal Syrien 2.0 diskutieren. Frieden durch Föderalismus wäre ein erster Gedanke.

  11. @Klaus-Peter Kaikowsky:

    * Saudi-Arabien&Co werden ein Gebiet haben wollen, wo sie Einfluß ausüben und Schutz anbieten können.
    * Russland&Iran haben Assads Rest-Syrien als Einfluß- und Schutzbereich. Dort sind auch diverse Minderheiten in einem säkularem Staat konzentriert.
    * Die Kurden werden sich ihre Autonomie nicht wieder wegnehmen lassen

    Keine dieser drei Parteien kann man übergehen.

    Und schon haben wir drei Regionen. Die eigenständig werden zu lassen, dürfte wenig Fans und viele Gegner haben (angefangen mit der Türkei, die so ziemlich alles tun wird, um ein eigenständiges Kurdistan zu verhindern). Dann bleibt nur, sie in irgendeiner Art von föderalem System zu organisieren.

    Also „Three federal regions will be formed in Syria …“ als das was übrig bleibt nachdem Minimalinteressen größerer Akteure berücksichtigt wurden.

  12. ergooglet:
    http://politicalviolenceataglance.org/2016/02/25/federal-syria-its-time-to-recognize-reality/

    This would include a coastal strip dominated by Alawis, Christians, and the urban middle class, and a Sunni zone, much of which is already controlled by opposition Sunni groups. […] Only with a safe and defensible canton will Alawis be willing to see Assad fall. And only with a secure canton will Sunnis not feel that the West’s attacks on ISIS weaken their position against Assad. Without security guarantees and political autonomy, Sunnis will feel that attacking ISIS is weakening ‘us’ and strengthening ‘them.’ This will only feed Sunni resentment and extremism.

    Ein Argument für eine sunnitische Region.

  13. @Ein Leser
    Die drei Großen samt jeweiliger Souffleure sehe ich durchaus, nur sind da halt noch mehr Beteiligte.
    Hatte oben übrigens die Jesiden vergessen, die sich aktuell zwar kurdischer Protektion erfreuen, im Sinjar jedoch gern ihre eigene Geige spielen (möchten).
    Und, da jede „federal region“ zunächst machtpolitisch zu betrachten ist, wo fließt das Öl?

  14. Die Einwände seitens @KPK sind real, ich selbst bin einer der entschiedenen Gegner kurdischer Eigenstaatlichkeit. Weniger aus „Feigheit vor dem Feind“ sondern eher pragmatischen „innenpolitischen“ Gründen.

    Nur mit einer verrohten Türkei Erdogans im Norden und im Süden dem sicher scheinenden Genozid durch Al-Kaida und Daesh nur knapp entgangen? Es gibt ein Lied das man allgegenwärtig in der Rojava hört:

    Ein Marsch, der zur Mobilisierung um Kobani entstand:
    https://www.youtube.com/watch?v=TN3OCua6saE

    Aus dieser Zeit stammen auch die Vorwürfe, die YPG würde Jugendliche als Soldaten einsetzen. Man gab jedem eine Waffe in die Hand, der sie tragen konnte. Den Christen gehts ähnlich … Föderalismus gefordert und am Ende Minderheitenrechte und Teilautonomie aller Gruppen erreicht?

    Gott hat die Zukunft gesehen, die Toten den Frieden … I don’t know.

  15. Der erste Tag der Feuerpause in Syrien war entgegen den Erwartungen erstaunlich ruhig.
    Dieser Tag war ein (äusserst) guter Tag.

  16. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei

    In der Tat nur 25 tote Zivilisten und 40 bis 50 tote Kämpfer. Für syrische Verhältnisse ein extrem friedlicher Tag.

    Ach so, 26 tote Zivilisten, wenn man einen zu Tode gefolterten Gefängnisinsassen mitzählt. Aber Assads Folterer werden vom Waffenstillstand nicht erfaßt.

  17. Die Feuerpause in Syrien lässt die Aufmerksamkeit dem Irak neu zuwenden
    USArmy stattete bis zu 4.000 kurdische Kämpfer umfassend aus, bildete sie aus.
    http://rudaw.net/mobile/english/kurdistan/280220162
    Sie sollen zwei Brig formen, die im Raum Kirkuk/NO-Irak verwendet werden sollen.
    Der zuständige U.S-Generalkonsul in Erbil, Matthias Mitman, bestätigte die Meldung.
    https://mobile.twitter.com/KRG_USA/status/702224031932669954/photo/1
    Gemeinsam mit der irakischen Armee, die von Süden her Mossul angeht, kann eine gemeinsame Operation mit den Kurden aus allgemein ostwärtiger Richtung die Erfolgsaussichten steigen lassen.
    Es gilt zu beobachten, ob syrisch-kurdische Kräfte wegen der Feuerpause in Syrien frei werden und im Irak gegen Daesh zum Einsatz kommen, @AoR, …???

  18. Klaus-Peter Kaikowsky | 28. Februar 2016 – 15:40

    Lagemeldung der letzten sieben Tage aus kurdischer Perspektive:

    Den Kurden fehlen Kräfte die im Azaz Korridor (Kanton-Afrin) gebunden sind, zudem gab es schwere Angriffe seitens Daesh auf Tel Abiat (Kanton-Kobani). Südlich von Hassakeh (Kanton-Hasakeh) läuft eine Offensive des SDF.

    Im Südwesten Afrins versucht die AFRIN-YPG nun die Grenzübergänge zur Türkei dicht zu machen, um Verstärkungen der Ahrar-Al-Sham und Al-Nusrah daran zu hindern per Türkei in Azaz aufzuschlagen. Südöstlich von Azaz hat die AFRIN-YPG erst der Hezbollah eine Stadt abverlangt, die es nun ermöglicht die Invasion des Daesh Territoriums einzuleiten (Straßen, elevated positions, etc.)

    Der Kanton Kobani erfährt eine Offensive seitens Daesh an mehreren Frontabschnitten und sowie CovertOps. Hierbei ist anzumerken, dass türkische Artillerie die SDF in Tell Abiat beschoss, während die Kommandos und Selbstmordattentäter der DAESH abwehrten, welche letztere die Stadt zuvor infiltrieren konnten.
    Kein Grund zur Aufregung, denn bei der Verteidigung der Stadt schwebte OIR wie ein Schutzengel über den Menschen, wie damals in Kobani. Die Situation ist mittlerweile entspannt.

    Im Kanton Hassakeh konnten mithilfe US_SpecOps beträchtliche Gebietsgewinne erziehlt werden, eine weitere Arterie der DAESH-Nachschubs gen Mossul wurde erfolgreich abgeschnitten, Sinjar (Sinjar-Kanton) ist nun in relativer Sicherheit.

    Fazit: DAESH sagt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit „Angriff ist die beste Verteidigung“, auch im Hinblick auf deren Landnahme am Azaz-Korridor (Rebellen-Dschihadisten Mix) sowie bei Khanasser (Syrian Arab Army). Zudem erhärtet das Vorgehen DAESHs die Annahme, man wolle sich in Syrien eingraben . Die Kämpfe um Mussul und weitere Irakische Städte und der Grad an Verteidigung wird hier Licht ins Dunkel bringen.

    Nun zur Antwort auf die Frage nach Verstärkung:
    – Aus Afrin – Nein kommt nicht durch!
    – Aus Kobani – Schwierig da in Defensive, Gelegenheit zur direkten Offensive im Anschluss gen Raqqa?
    – Aus Hasakeh – Je nach Gesamtstrategie. Mossul stärken oder Offensive fortsetzen?
    – Aus Sinjar – evtl. Möglich, Bedrohungslage sollte sich entspannt haben.

    Gedanke: Sie haben einen wichtigen Namen genannt: U.S-Generalkonsul in Erbil, Matthias Mitman . Man will ihn nicht beneiden, da er auch Shuttlediplomatie zwischen PYD und KRG bei all den innerkurdischen Animositäten stemmen muss. Ein mögliches Augenmerk wäre die PJAK , der Kurden-Guerilla im Iran.
    Ich vernehme zunehmend laute Gedanken (Twitter, Blogs), man könne aus Ost-Kurdistan ein Versatzheer entsenden. Sollte Herr Generalkonsul Mitman das stemmen können (Innerkurdische Animositäten, der Schreck der Revolutionären Garde im Iran schlechthin), würde ich vorschlagen gehen die Aspirin auf uns. /SCNR

  19. @AoR
    Hört sich sehr unkoordiniert, verworren an.
    Was ist mit GEMEINSAMER Operationsführung, einheitliches OberKdo mit militärischer UND politischer Gesamtverantwortung?
    Die Feuerpause in Syrien formt gleichzeitig das Momentum mit vereinten Kräften koordiniert im Irak zuzuschlagen.
    Oder lebt das übliche Dilemma jeder Guerilla auf, im Angesicht sich abzeichnenden Gesamterfolgs wird der Streit um die Beute eskaliert, bevor der letzte Schuss abgefeuert wurde, um jeweilige Verhandlungspositionen für die Zeit danach abzustecken?
    Wäre ein Drama.

  20. Klaus-Peter Kaikowsky | 28. Februar 2016 – 16:45

    Zustimmung: Das ist exakt das, was Herr Mitman seit mehr als einem Jahr versucht zu realisieren. Barzani geniest wenig vertrauen unter den Kurden im Westen wie auch im Norden. Sicherlich hätte er gern mehr Einfluss in Rojava. Und sicher würde sich Salih Muslim über Peshmerga unter seinem Kommando freuen. Daher spreche ich von Kantonen, da sollte dem ein oder anderen mit Bezug auf die Geschichte der Schweiz das Schmunzeln nicht wegbleiben. Sind halt auch ein Bergvolk.

    Lesen sie sich in das von den westlichen Medien relativ wenig berichtete Thema Sinjar durch. Ich hatte zu der Zeit der Sinjar Offensive einiges in den Kommentaren hinterlassen. Sie sehen, Kurden-Staat, NEVER!

    Ein möglicher Deal: Die SDF darf Al-Bab – Manbij einnehmen, im Gegenzug wird man die KRG noch mehr unterstützen, usw, usw … Daher habe ich PJAK benannt, wäre ne Wildcard?

    P.S: Was würde die Türkei tun, wenn die Süd und Westkurden plötzlich ihr eigenes Zentralkommando hätten, oje?

  21. Strike update FÜR 28feb16 CJTFOIR
    http://www.centcom.mil/en/news/articles/feb.-29-military-airstrikes-continue-against-isil-terrorists-in-syria-and-i
    Syria
    * Near Abu Kamal, one strike struck an ISIL gas and oil separation plant.
    * Near Ar Raqqah, one strike struck an ISIL gas and oil separation plant.
    * Near Ayn Isa, three strikes struck a large ISIL tactical unit and destroyed eight ISIL buildings, an ISIL fuel tanker, an ISIL tactical vehicle, and seven ISIL vehicles.
    * Near Mar’a, three strikes destroyed four ISIL fighting positions.
    * Near Tal Abyad, four strikes struck three separate ISIL tactical units and destroyed two ISIL buildings, an ISIL vehicle, and suppressed an ISIL fighting position.

    Iraq
    * Near Al Baghdadi, one strike destroyed an ISIL vehicle borne improvised explosive device (VBIED).
    * Near Fallujah, one strike destroyed an ISIL front end loader and an ISIL tunnel system.
    * Near Kisik, one strike suppressed an ISIL rocket fire position.
    * Near Mosul, one strike struck an ISIL VBIED factory.
    * Near Ramadi, four strikes struck two separate ISIL tactical units and destroyed an ISIL heavy machine gun, an ISIL fighting position, two ISIL staging areas, and two ISIL petroleum, oil, and lubricant trucks.
    * Near Sinjar, three strikes destroyed six ISIL fighting positions and suppressed an ISIL mortar position and an ISIL sniper position.
    * Near Sultan Abdallah, one strike suppressed an ISIL mortar position.
    Strike assessments are based on initial reports. All aircraft returned to base safely.

    Nach längerer Unterbrechung SINJAR wieder betroffen.
    Kein Nachlassen gegenüber Daesh, denn:
    http://www.centcom.mil/en/news/articles/president-there-will-be-no-letup-against-isil
    The president directed the national security team to continue accelerating the campaign against ISIL on all fronts. The coalition against the terror group is stronger, he said. He praised Defense Secretary Ash Carter’s efforts to get more contributions from coalition partners. “Just about all of our military partners have agreed to increase their contributions, buying into our conception of how we ramp up the pressure on ISIL,” the president said.
    Wurden wir gefragt? Wie war unsere Reaktion?

  22. @Markus d.Ä.
    Dazu gab es kürzlich eine Berichterstattung, Phoenix?, bin mir nicht sicher.
    Kurz:
    – Heer und sonstige Boden gebundene Kräfte werden in Pakistan, Bangladesh, Indonesien, Malaysia etc eingekauft, soweit es Mannsch/Uffz/Fw/subaltern Offz betrifft. Ab Chefebene lässt sich ab und an einer der zigtausend Prinzen herab, Uniform anzulegen
    – Luftwaffe, das „who is who“ vom Stamm der Saud, einschließlich einer Vorzeige-Muslima.
    – Marine, in Kdt-Funktion die Königsfamilie.
    Spät – mekkanische – Dekadenz!

  23. danke. stieß kürzlich auch auf das gerücht, in den EF der saudischen LW säßen menschen mit britischem migrationshintergrund, daher mein argwohn.

    @ dekadenz. ursache mögen auch gewisse „religious constraints“ sein. wenn frau nicht alleine aus dem haus bzw autofahren darf usw ist eine längere abwesenheit des hausherren nur schwer zu vermitteln. die saudische upperclass findet hier natürlich leichter arrangements

  24. @KPK: Wie ich es vermutete, Singal entsendet Truppen für den Kampf um Mossul. Man muss aber noch den Stadtrat fragen, ob man mithelfen darf.

    Und doppelt gute Nachricht auch für die Kurdenregion der Türkei. Die HPG (militärischer Arm der PKK/Terroristen) sind mit 2,500 Guerilla in Singal. Ergo sie wurden nicht zurückbeordert, was das Eskalationsszenario in der Türkei entschärft. Die Tür zu Verhandlungen scheint also noch nicht ganz zu zu sein.

    HPG and YBS say they are prepared for Mosul offensive
    http://rudaw.net/english/kurdistan/290220161

  25. This recent elaboration by Amnesty International gives raise to the strategy of enforced depopularization by the means of targeting civilian medical infrastructure as explicitly challenged by @Georg recently:

    Syrian and Russian forces targeting hospitals as a strategy of war
    https://www.amnesty.org/en/latest/news/2016/03/syrian-and-russian-forces-targeting-hospitals-as-a-strategy-of-war/

    Turkish army attacks Syrian-Kurdish enclave of Afrin
    Society for Threatened Peoples accuses Erdogan of serious violations of international law (Press Release)
    https://www.gfbv.de/en/news/turkish-army-attacks-syrian-kurdish-enclave-afrin-7913/

  26. @ AoR

    Um dies nochmal zu betonen, die Politik der „verbrannten Erde“, der zerstörten zivilen Infrastruktur um eine Gegend unbewohnbar zu machen, ist ein Kriegsverbrechen nach deutscher Auffassung.

  27. Die von mir gestern, 02. März 23:16 mitgeteilte Gefangennahme eines Führungskaders von Daesh war eine Aktion der U.S-Army DELTAFORCE. Der Einsatz wird als Einstieg in die Rûckeroberung von MOSSUL dargestellt. Einzelheiten zum Einsatz bleiben – selbstverständlich – ungenannt.
    http://foreignpolicy.com/2016/03/02/u-s-snags-key-isis-leader-as-fight-for-mosul-gets-underway/
    Der Sprecher des U.S. Central Command, Col Patrick Ryder, teilte am gestrigen Mittwoch mit, dass bereits Absprachen zwischen der (schiitischen) Regierung in BAGDAD und Kurden mit dem Ziel begonnen haben, irakischen Regierungstruppen nahe der von Daesh gehaltenen Stadt MAKHMOUR, etwa 100 Km südostwärts MOSSUL, eine Stationierung zu ermöglichen.
    Der Fall von MOSSUL hätte im IRAK eine vergleichbare Bedeutung wie in Syrien HOMS; es wäre der ultimative Nachweis, dass Daesh auch in Syrien seinen Kulminationspunkt längst überschritten hat.
    In Bezug auf die derzeitige Fluchtlingslage ist die regierungsseitige Wiederinbesitznahme der zweitgrößten irakischen Stadt geeignet, den Migrationsantrieb Vieler aus Angst vor Daesh zu mildern.

  28. Problematisch an der mosul Geschichte ist, dass die irakische Regierung lieber anbar und den dortigen Grenzübergang zu Jordanien nehmen will (ungefährer Wert 1-2 mrd Dollar im Jahr). Die us geführte Allianz möchte lieber mosul nehmen, da man dann ja die iraker wieder alleine lassen kann.

  29. @EloKa
    Was genau meinen Sie mit „irakische Regierung lieber anbar und den dortigen Grenzübergang zu Jordanien nehmen will“?
    MOSSUL hat für das unmittelbare Kriegsgeschehen eine in erster Linie – zunächst – psychologische Bedeutung. Der Fall der zweitgrößten irakischen Stadt wäre natürlich von operativer Bedeutung auf dem irakischen Kriegsschauplatz, als solche allerdings von strategischer Relevanz durch Ausstrahlung in das Kalifat hinein und nach außen. Der Beweis wäre geführt, Daesh kommt auch im Irak aus der Defensive nicht heraus.
    Für den irakischen Staat muss MOSSUL auf einer Ebene mit BASRA am Schatt al-Arab angesiedelt werden: es ist Zentrum der nördlichen Ölförderprovinzen, gemeinsam mit KIRKUK. Dass die irakische Regierung also mehr Wert auf den Besitz von al-Anbar als von MOSSUL legt, leuchtet mir bislang nicht ein.
    Al-Anbar, die westliche Wüstenprovinz mit der Hauptstadt ar-Ramadi (in letzten zwei Monaten genommen) ist Ausläufer der syrischen Wüste. Wesentlich ist der West-Ost-Highway mit dem Grenzübergang zu JORDANIEN, richtig! Aber 1-2 Mrd $, wie kommen die zustande? Schmuggel, Zölle, Zugang in die jordanische, ggf israelische Wirtschaft?
    Wie kommen Sie zu Ihrer Bewertung, wieso sollte die Koalition die Iraker wieder alleine lassen (können) nach der Einnahme von MOSSUL? Nota bene, MOSSUL Hauptstadt der Provinz Ninawa, liegt in kurdischem Interessengebiet und stellt Streitobjekt mit Bagdad dar.
    Beide, KURDEN und (schiitische) irakische Regierung haben überragendes Interessen an der Beherrschung von Stadt und Provinz, dort wird das Geld gemacht!

  30. Nun ja kirkuk ist ja eher indirekt in irakischer Hand. Und die psychologische Wirkung ist ja eher für den Westen.

  31. @Eloka
    In zweimaliger Verwendung des Adverbs „eher“, in der Bedeutung von „wahrscheinlicher“, „vielmehr“ oder auch „im Sinne von“ wird eine klare Auffassung Ihrerseits zur Bedeutung MOSSUL vs. al-ANBAR keineswegs deutlich.
    Worin besteht denn nun die $ 1-2 Mrd Bedeutung von Provinz und Grenzübergang/JORDANIEN im Vergleich zu sprudelnden Ölquellen?
    Psychologische Wirkung für den Westen, welche? Bitte begründen.
    Die Psychologie für
    – das Kalifat, die irakische Zentrale des Daesh im Kampf verloren, Daesh wird sich der Niederlage bewusst, was nach Innen und Außen ausstrahlt
    – die Kurden, konsolidieren ihre Ostprovinz
    – die irakische Regierung untermauert ihren Anspruch auf das Öl des Nordens
    – die irakische Armee, sie rehabilitiert sich um Kampf.

  32. Was mir gerade eher Kopfzerbrechen bereitet, ist Davudoglus taktieren. Erst treibt er die PYD samt ihrer Dorfpolizei YPG in die Hände der PKK, die den Kurden in Nordsyrien das Leben rettet und dann bringt man die PYD zur weißglut durch ungerechtfertigten Artilleriebeschuss. Jetzt soll man sich wieder trennen da sonst die USA Die Unterstützung entsagen?

    Ich glaube das vernünftigste wäre in Rojava eine Föderation zu etablieren, dann verhandeln alle drei kurdischen Parteien (KRG, PYD, PKK) mit Ankara unter deutsch-euripäischer-amerikanischer Schirmherrschaft über eine gemeinsame Zukunft.

    Ansonsten darf die Türkei Raqqa und Mossul einnehmen. Ganz ehrlich, Erdogan nervt (!) aus meiner Sicht eines „neutralen“ Beobachters. Und unterstützt DAESH und erdrosselt eine Demokratie.

    Apopros, warum sollte die PYD die PKK in der Türkei unterstützen? War doch die Begründung zur Herausbildung der PYD nicht gerade die Ansage, die beiden zu trennen um eine syrisch-türkische Annäherung zu ermöglichen? Muss so 2004 gewesen sein!?

    Erbil joins call for establishment of federal system in Syria – See more at: http://rudaw.net/mobile/english/kurdistan/030320161#sthash.igrnxOzd.dpuf

    ‚Do not support PKK in Turkey‘ US tells Syrian Kurdish PYD – See more at: http://rudaw.net/mobile/english/middleeast/syria/030320162#sthash.u1Gvp32H.dpuf

  33. @AoR
    Die TÜRKEI unter der chauvinistischen Führung von Erdogan und Davutoglu hat sich zwischen alle Stühle manövriert. Die Lage aus Sicht Ankaras muss mit der „Reise nach Jerusalem“ gleichgestellt werden: Viele Beteiligte, jeweils aber ein Stuhl zu wenig, irgendwer ist der Gekniffene. Zzt scheint mir, dies sind die Türken!
    – In Verkennung der Realität legt sich Erdogan mit Putin an. Er erwartet, als NATO-Mitglied Beistand aus MONS, ließ aber unberücksichtigt, dass der Westen Putin in Syrien braucht. Das Ergebnis der „Feuereinstellung“ in Syrien ist Beweis genug.
    – Auf die Kurden schlägt er traditionell ein, um seine AKP-Wählerschaft zu saturieren, vergisst jedoch die beständige Freundschaft von USA und DEU zu Kurden.
    – der Alawit Assad ist natürlicher Feind des Sunniten Erdogan, allein schon weil Teheran als Konkurrent um die nah-/mittelöstliche Hegemonie dahinter steht. Jedoch mutierte mittlerweile Assad zur „not negligible quantity“, ohne ihn geht nichts, solange Putin das backup sicherstellt.
    Einziges dauerhaftes Wirkmittel – am Rande der Krise – ist die Migration, in der Erdogan gewisse Hebel bedienen kann. Jedoch wirken Flüchtlinge ausschließlich Europa gegenüber. Die USA sind im Wahlkampf und weit weg.
    Das Taktieren orientiert sich meiner Auffassung nach also tagesaktuell, auf Sicht bis Sonnenuntergang, was nicht heißen soll, dass die AKP kein Ziel hat. Selbstverständlich gibt besteht das, nämlich „to keep U.S. in – and the Kurds out“, was jedoch nur als ZZ (Zwischenziel) auf dem Weg zur Hegemonialmacht der Region besteht.

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