Die neue Großgeräte-Liste: Weg von den Obergrenzen

20150624_Puma_Erprobung

Mit dem Plan des Verteidigungsministeriums, in den nächsten Jahren mehr Geld in die materielle Ausrüstung der Bundeswehr zu stecken, fallen auch die bisher festgeschriebenen Obergrenzen für Großgerät der Truppe. Beginnend im Jahr 2011 wurden im Jahr 2012 feste Obergrenzen für die Hauptwaffensysteme der Bundeswehr festgelegt. Diese erweisen sich für die Erfüllung der aktuellen Aufgaben als nicht mehr zweckmäßig, heißt es in einem am (heutigen) Mittwoch bekannt gewordenen Dokument des Verteidigungsministeriums für den Bundestag. Die neuen  Zahlen sollen allerdings nicht mehr wie bisher als Obergrenzen verstanden werden, sondern als an den derzeitigen Aufgaben orientierte Ausstattung, deren Umfang in der Realisierung bis 2030 auch noch verändert werden kann.

Wesentliche Änderungen der Zahlen waren bereits zuvor schon vom Ministerium bekannt gegeben worden, vor allen die Erhöhung des Bestandes an Kampfpanzern auf 320 und der Kauf zusätzlicher Boxer-Transportpanzer. Bei den übrigen Hauptwaffensystemen gibt es überwiegend keine oder nur geringe Veränderungen, so dass offensichtlich die Absicht im Vordergrund steht, die jetzt genannten Zahlen als aktuelle Planung zu verstehen und nicht als maximale Ausstattung.

Zum Vergleich die beiden Listen – zunächst die als Folge der Neuausrichtung festgelegten Obergrenzen der strukturrelevanten Hauptwaffensysteme, hier in der 2013 veröffentlichten Fassung:

Grossgeraete-Liste1

Grossgeraete-Liste2

Die neue Liste, einschließlich der Anmerkungen:

Kampfpanzer 320
Schützenpanzer Puma/weitere Schützenpanzer (abhängig vom Untersuchungsergebnis Bedarfsergänzung Schützenpanzer; Marder als mögliche Option) 342/196
GTK Boxer/TPz Fuchs (Ableitung des strukturellen Solls noch nicht abgeschlossen) 1.300
Fennek (davon 154 Spähwagen, 70 Joint Fire Support Team, 24 Pioniererkundungsfahrzeuge) 248
Panzerhaubitze 2000 101
Raketenwerfer MARS (keine Außtattung für nicht-aktive Truppenteile) 38
WaBEP (Wirkmittel zur abstandsfähigen Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen)
NH90 (zzgl. 22 für internationalen Hubschrauberverbund) 80
UH Tiger 40
Eurofighter 138
Tornado 85
C-160 Transall
A400M 40
CH53/STH (Schwerer Transporthubschrauber incl. Fähigkeit Combat Search and Rescue, CSAR; Ablösung CH53 ab 2025) 64/59
SLWüA (System der signalerfaßenden luftgestützten, weiträumigen überwachung und Aufklärung; HALE-Drohne) 5
GlobalHawk (Beistellung NATO AGS) 4
SAATEG MALE (System der abbildenden Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebiets, MALE-Drohne, bewaffnungsfähig) 16
TLVS (Taktisches Luftverteidigungßystem) 14
MANTIS (Nahbereichßchutz C-RAM) (unter Berücksichtigung der Initiative Nah/Nächstbereichßchutz Bundeswehr) 2
Seefernaufklärer P-3C Orion 8
Marinehubschrauber (18 Marine-Transporthubschrauber SEA LION und 18 Bordhubschrauber als Nachfolge SEA LYNX) 36
Fregatten F123/F124/F125 4/3/4
Korvette K130 5
Mehrzweckkampfschiff 180 6
U-Boot U212 6
Minenabwehreinheiten 10
Flottendienstboot 3
Joint Support Ship (endgültig gestrichen, Fähigkeit soll multinational realisiert werden)

Ergänzung (hatte ich zunächst hier nicht dazu geschrieben): Zu dieser Strukturauffüllung kommen Bedarfe für neue Fähigkeiten (z.B. Cyber und Hubschrauber für Spezialkräfte).
Auch Bedarfe für Modernisierung (z.B. Mobile Taktische Kommunikation, Fahrzeugflotte) kommen hinzu.

(Ein Leser hat mir die nette HTML-Tabelle gebastelt, vielen Dank!)

Nachtrag: Über die Pläne des Verteidigungsministeriums, bis 2030 insgesamt rund 130 Milliarden Euro für militärische Beschaffungen auszugeben und damit fast doppelt so viel wie bislang veranschlagt, gibt es bereits Gespräche zwischen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Das sagte Schäubles Sprecherin Friederike von Tiesenhausen-Cave vor der Bundespressekonferenz:

Frage: Eine Frage an das Finanzministerium. Frau von der Leyen hat für den Ausbau der Bundeswehr erhebliche Summen gefordert oder als nötig erachtet, 130 Milliarden Euro bis 2030. Inwieweit ist das mit dem Finanzminister abgesprochen? Wie weit hat er schon Signale gegeben, dass so etwas möglich ist?

von Tiesenhausen-Cave: Zu diesem Thema sind die beiden Minister in der Tat im Gespräch. Frau von der Leyen hat den Bundesfinanzminister fortlaufend und vertrauensvoll über ihre Planungen informiert.

Lassen Sie mich das aber erst noch prozedural einordnen. Wir gehen jetzt in das Haushaltsaufstellungsverfahren für den Bundeshaushalt 2017 und die Finanzplanung bis 2020. Im Gespräch ist ja eine langfristige, sehr strategische Ausrichtung bis zum Jahr 2030. Das geht also über diesen Zeitraum deutlich hinaus.

Der Herr Minister hat in der letzten Zeit auch schon mehrfach öffentlich gesagt, dass er in den Bereichen der inneren und äußeren Sicherheit durchaus Bedarf sieht. Das heißt aber nicht, dass in diesem konkreten Fall irgendetwas präjudiziert ist. Die Gespräche werden jetzt sorgfältig geführt, und zwar mit allen Ressorts. Nach Abschluss dieser Gespräche im März wird man dann mit dem Eckwertebeschluss zu Ergebnissen kommen.

Allerdings, das muss man inzwischen wohl immer vorsichtshalber dazu sagen: Diese Aussage belegt ja nicht die darauf gestützte Behauptung von Spiegel Online: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat seine Bereitschaft erklärt, den Etat des Verteidigungsministeriums zu erhöhen.

(Archivbild: Schützenpanzer Puma während der dynamischen Vorführung im Erprobungszentrum Unterlüß (EZU) der Projekt System Management (PSM) GmbH am 24.06.2015 – Bundeswehr/Marco Dorow)

 

 

67 Kommentare zu „Die neue Großgeräte-Liste: Weg von den Obergrenzen“

  • Labacco   |   27. Januar 2016 - 20:40

    Die Pläne kommen spät sind aber vollkommen richtig.

    Ich denke ein Großteil der 130 Mrd. wird allein für die Rückkehr zur Vollausstattung und für Ersatzbeschaffungen (z.B. Munition) sowie Mängelbeseitigung benötigt. Die neue Großgeräteliste beinhaltet ja keine großen zusätzlichen Beschaffungen, von den 100 neu aufzukaufenden Leo’s, den 131 Boxern sowie einigen Fenneks mal abgesehen. Wenn die Vollausstattung wieder Realität ist, kann man auch über zusätzliches Material nachdenken (Leopard MBT, etc.).

    Wenn die SPD mitmacht und so scheint es ja zu sein wird die Politik zumindest in dieser Frage eine wichtige Konstante sein, zumal ja vieles dafür spricht das wir auch in den nächsten Jahren eine große Koalition als Regierung haben werden.

    Ich hoffe nur das diese Pläne auch in den nächsten Jahren so umgesetzt werden können. Bei all den Unwägbarkeiten in unserer Welt, nachlassende Konjunktur ergo niedrigere Steuereinnahmen und vieles mehr. Aber der politische Wille ist da, eine wichtige Voraussetzung.

    Die Bundeswehr scheint wieder mehr Anerkennung und Rückhalt in der Politik und auch in der Bevölkerung zu haben. Das ist gut so !!!

  • Ottone   |   27. Januar 2016 - 21:10

    In der ARD Meldung „Von der Leyens 130-Milliarden-Wunschzettel“ wird mit Bezug auf 2 JSS das mittelkleine Wort „Mutmaßlich“ benutzt.

  • Notnagel   |   27. Januar 2016 - 21:17

    Bei der frei werdenenden Menge an Geld:

    na dann gibts ja endlich (hoffentlich) auch ein mittelschweres Transportflugzeug eines namhaften amerikanischen Herstellers…wäre doch mal was!

  • Travelbob   |   27. Januar 2016 - 21:20

    Mal ne ganz andere Frage: wäre es nicht auch denkbar, dass der Großteil der vorgesehenen 130 Mrd gar nicht in (Groß)geräte und Ausstattung fließen, sondern für die kommenden Einsätze benötigt werden?

  • FK70   |   27. Januar 2016 - 21:33

    @ Labacco: sehe ich ähnlich. Und nebenbei, die 130 Mrd samt Planungsgrundlage haben natürlich viele Variablen, aber es ist erstmal ein Ziel, das endlich die alte Obergrenze in den Papierkorb befördert. VdL hat im Ausschuss explizit geäußert, dass in den 130 Mrd. NICHT steigende Personalkosten sowie Infrastrukturkosten beinhaltet sind. Also, erstmal klare Linie. Nun muss man abwarten, was sich im Eckwertebeschluss widerspiegelt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   27. Januar 2016 - 21:53

    @Travelbob
    Nein! Einsätze werden im Grundsatz ressortübergreifend EP-14/60 in gesamtstaatlicher Verantwortung finanziert.
    Ansonsten müsste der Soldat bald noch Geld mitbringen!
    Also, lassen wir uns hoffen, dass der – fast – revolutionäre(1) Schritt greift!
    (1) Im Vgl zu den „Leistungen“ der Vorgänger seit 1990.

  • Daniel S.   |   27. Januar 2016 - 22:16

    Sollen die 196 Marder, die bleiben nochmals modernisiert werden? Kann mir kaum vorstellen, dass man mit den Kisten nochmals in den Einsatz will. Wobei der Marder ja mit dem APC Rüstsatz von Rheinmetall einen nochmaligen Fähigkeitszuwachs hätte.

  • ari127mm   |   27. Januar 2016 - 22:31

    ich bin beruhigt das die veröffentlichten zahlen hier stimmen…bei der tagesschau leider nicht ;) Im Kommentar…Bis 2300 (???) soll heissen: 130 Mrd. bis 2030! Und wann hatte die Deutsche Marine jemals 200 Fregatten – und jetzt nur noch 60 (!) http://www.ardmediathek.de/tv/Tagesschau/tagesschau-17-00-Uhr/Das-Erste/Video?documentId=32989880&bcastId=4326&mpage=page.moreclips

  • Alarich   |   27. Januar 2016 - 22:45

    Daniel S. | 27. Januar 2016 – 22:16
    Tot geglaubte leben am längsten
    Natürlich wird was kommen
    Fast 200 das sind wohl auch ein Zuwachs an PzGren

  • Andreas   |   27. Januar 2016 - 22:48

    Ich würde die Marder ehr als Platzhalter betrachten. Es geht wohl niemand davon aus dass die Kisten noch 20 Jahre machen. Aber will man die 11 Btl mit 100% Material ausstatten reichen die 350 Puma eben einfach nicht. Also nimmt man was man hat und stellt den Jungs halt erstmal den Marder auf den Hof. Mittelfristig wirds wohl auf ein zweites Puma-Los hinaus laufen. Aber da herscht erstmal keine Eile, weil KMW mit den bisher bestellten noch ein paar Jahre beschäftigt ist.

  • Alarich   |   27. Januar 2016 - 23:15

    Andreas | 27. Januar 2016 – 22:48
    Der weitere Vorteil ist auch das nach 2020 neu entschiedet werden kann
    auf den bedarf dann und nicht heute wie MK 50 oder so , oder doch nur MK 40
    den MK 30 ist nicht mehr zeitgemäß da schon Radpanzer auf MK 30 sind nur nicht bei der BW
    Bw hat nur den Transport Boxer und kein Radpanzer wie v.d.L schreibt

  • Jens Schneider   |   27. Januar 2016 - 23:17

    Die Medien melden leider viel Bullshit, was die Bw und ihre Aufgaben und Ausrüstung angeht.
    So bekommt lt.ZDF die Truppe jetzt 60 NH-90.
    Gemeint war wohl die Ablöse der CH-53 ?!
    Im Blätterwald sollten mehr vom Kaliber des Hr.Wiegold aktiv sein.

    Leider bewirken diese teilweisen skurillen Meldungen auch Desinteresse und Ablehnung zur Thematik Bundeswehr in der Bevölkerung.

    Mit einem soliden Sipo-Konzept aus Berlin, mit einer “ Verkaufsstrategie“ für die Bürger der Republik, wären die Schreiberlinge sicherlich Interessierter und würden bessere und genauere Angaben zur Parlamentsarmee in die Medien bringen.

    Der „Normalbürger“ denkt doch….oh 130 Mrd. und mehr Gerät in teilweise Wahnsinnszahlen.

  • csThor   |   28. Januar 2016 - 7:19

    @Andreas

    Sehe ich auch so. Die Einführung des Puma ist ja (endlich) angelaufen, aber die Frage nach MELLS und Spike steht noch im Raum. Auch wäre es sinnvoll, erst einmal die nötigen Mengen an Munition für die existierenden bzw schon eingeplanten Systeme zu beschaffen, als wieder alles in irgendwelche Großprojekte zu stecken, nur um am Ende wieder keine ausreichenden Bestände an Munition zu haben.

  • csThor   |   28. Januar 2016 - 7:26

    @ Jens Schneider

    Mit einem soliden Sipo-Konzept aus Berlin, mit einer “ Verkaufsstrategie“ für die Bürger der Republik, wären die Schreiberlinge sicherlich Interessierter und würden bessere und genauere Angaben zur Parlamentsarmee in die Medien bringen.

    Ein SiPo-Konzept sollte für die Politik als Leitfaden da sein, das ist doch kein „Handbuch“ für Presseberichterstattung! Und persönliche Expertise ist zu jedem Thema unerläßlich, sofern man fachlich saubere Berichte haben will. Nichts von dem kann Interesse und fachliche Qualifikation bei Journalisten „generieren“, das muß schon vom Journalisten selber in Vorleistung erbracht werden. Wenn Deutschland da einen Mangel hat (und den hat es), dann liegt das nicht an fehlendem aalglatten Hochglanz-PR-Gewäsch, sondern an der Irrelevanz der SiPo in der öffentlichen Wahrnehmung und Debatte.

    Und was die „Verkaufsstrategie“ bzw deren Kommunikation durch öffentliche Stellen angeht, so wirken die PR Aktionen des BMVg auf mich eher peinlich-abstoßend-beschämend … Dann bitte lieber Stillschweigen.

  • Jens Schneider   |   28. Januar 2016 - 11:17

    @csThor

    Sie haben Recht mit Ihrem Kommentar.So wie Sie es ausdrücken habe ich es auch gemeint — war von mir nicht exakt formuliert.

    Thanks.

  • TomCat   |   30. Januar 2016 - 8:15

    Was hier hauptsächlich transportiert wird sind die 130 Mrd, kaum einer realisiert die Zahl 2030. Für 8 Mrd. pro Jahr, hätte es nicht mal auf Seite 5 für eine einspaltige Notiz gereicht. Die Entscheidung das JSS zu streichen wird sich noch rächen, aber zur Not können wir ja Onkel Sam fragen.

  • Vtg-Amtmann   |   30. Januar 2016 - 13:48

    @all: Es wundert, mit welcher Unbefangenheit und/oder Kritiklosigkeit bzw. Unwissen zig der reputierten großen Medien bei den nunmehr von 30 auf 36 erhöhten Marinehubschraubern von + 6 bzw. insgesamt 18 Fregatten BHS/FTH vom Typ SEA LION ausgehen?

    Das ist doch richtig Wasser auf die Mühlen von BMVg, AHD und NHI?

    Man hat also aus der am 28.10.2011 angeblich mangels Haushaltsdeckelung „gekillten“ Marinehubschrauberausschreibung für 30 MultiRole-HC und deren Bewertungsmatrix samt katastrophalen Ergebnis für den MH90-NGEN – insbesondere im Fregatten-Einsatzsenario offenbar „Null“ gelernt.

    Es wird damit die nach Einführung der 18 SEA LION erforderliche 2-Typenlösung auf ein weiteres MH90-NGEN-Derivat hingebogen. Ergo greift für diese „Anschlußbeschaffung“ dann der § 100c GWB und es gibt wieder keine Ausschreibung und damit keinen offenen Wettbewerb!

    Entsprechend kann sich unsere Marine den AW 159 WildCat oder eine andere Vernunftslösung als Jagdhubschrauber abschminken.
    So langsam wird der Fall SEA LION reif für die europäische Kartellbehörde und die Wettberwerbskommision.