Deutsch-Niederländische Absichtserklärung: Nutzungszeiten fürs JSS, Seebataillon in die Königliche Marine

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Die Verteidigungsministerinnen Deutschlands und der Niederlande, Ursula von der Leyen und Jeanine Hennis-Plasschaert, wollen am 4. Februar eine Absichtserklärung (Letter of Intent, LoI) über die weitergehende Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Länder unterzeichnen. Dabei wird es vor allem um die deutsche Mit-Nutzung des Joint Support Ships (JSS) Karel Doorman der Niederlande gehen, wie ich hier schon mal erläutert hatte; außerdem um die weitere Integration der Seestreitkräfte.

Ein wenig mehr zu der geplanten Absichtserklärung hat die niederländische Ministerin jetzt dem Parlament mitgeteilt:

Ik ben verheugd dat Duitsland en Nederland ook de samenwerking op marinegebied kunnen uitbreiden. De LoI heeft onder andere betrekking op het JSS, waarvan Duitsland gedurende bepaalde periodes medegebruiker zal worden.

Übersetzung (mit Google-Hilfe; Verbesserungen willkommen): Ich freue mich, dass Deutschland und die Niederlande ihre Zusammenarbeit auch im maritimen Bereich ausweiten. Der LoI wird unter anderem das JSS betreffen, bei dem Deutschland zu bestimmten Zeit eine Mitnutzung bekommen wird.

Weiterhin fehlen da natürlich noch ein paar Details. Zum Beispiel die finanziellen.

Darüber hinaus, schrieb Hennis dem Parlament, soll das Seebataillon der Deutschen Marine in die Königliche Marine der Niederlande integriert werden:

De LoI heeft overigens ook betrekking op de integratie van het Duitse Seebataillon in de Koninklijke Marine. Het Seebataillon is een eenheid van enkele honderden militairen met bijzondere capaciteiten zoals duikers, maritieme beveiligers, amfibische verkenners, mijnenexperts en boardingteams. In de rapportage over internationale militaire samenwerking van 30 oktober 2015 (Kamerstuk 33 279, nr. 16) is reeds vermeld dat Duitsland en Nederland ernaar streven om niet alleen Nederlandse eenheden onder Duits bevel te laten vallen maar ook omgekeerd, in het bijzonder bij de marine.

(Der LoI deckt auch übrigens die Integration des deutschen Seebataillons in die Königliche Marine ab. Das Seebataillon ist eine Einheit von mehreren hundert Soldaten mit speziellen Fähigkeiten wie Taucher, maritime Sicherungskräfte, amphibische Aufklärer, Minenexperten und Boarding-Teams. In dem Bericht über die internationale militärische Zusammenarbeit vom 30. Oktober 2015 wurde bereits mitgeteilt, dass Deutschland und die Niederlande sich bemühen, nicht nur niederländische Einheiten unter deutsche Führung zu stellen, sondern auch umgekehrt, vor allem in der Marine.)

(Archivbild: Die Karel Doorman im September 2014 auf dem Weg nach Rotterdam – Kees Torn via Flickr unter CC-BY-SA-Lizenz)

74 Gedanken zu „Deutsch-Niederländische Absichtserklärung: Nutzungszeiten fürs JSS, Seebataillon in die Königliche Marine

  1. @all

    Angesichts der Problematisierung der gesicherten strategischen Seeverlegefähigkeit: Wenn ich mich recht erinnere, gibt’s da doch so was ähnliches wie SALIS zur See, eine Vereinbarung mit einer dänischen Reederei?

  2. @T.W.

    Ja die habe ich auch im Kopf weiß aber leider wenig Details vielleicht kennen sich da ja Kameraden der Marine oder des Logistikzentrums der Bundeswehr besser aus. Dieser Vertrag mit ich glaube dfds seaways wurden ja auch für die Rückverlegung auf Afg benutzt.

    Die geht aber auch eher in die Richtung planmäßiger strategischer Seeverlegung und nicht der spontanen Verlegung und ungünstigen Umständen also gesicherte strategische Seeverlegefähigkeit.
    Die Bewertung des Einsatzwertes bei solchen zivilen Fähigkeitsträgern ist ja immer etwas problematisch und ergänzt sich da auch leider eher schlecht mit einem militärischen JSS. Würde das eher als einspar Potential sehen um den gesicherten Teil zu finanzieren jetzt wo man Zugriff auf mil. Seetransport hat.

    Der Sinn der Antonov entsteht ja auch gerade daraus, dass wir uns diese nicht sehr multifunktionale Fähigkeit so nicht teuer militärisch vorhalten müssen. Doppelstrukturen sind hingegen selten wirtschaftlich.

  3. @T.W. Sorry…mein Fehler, auch nicht beabsichtlicht….sie fragten nach der Quelle und ich habe die Hart Steuerbord-Quelle genannt, bezüglich des Berichtes in deutsch…zudem mit Koninklijke Marine angegeben. Das nächste mal weiß ich bescheid, damit es nicht wieder zu einem Gesuche im Internet kommt !!!

    Bezüglich Seeverlegefähigkeit: Schon seit 2006 kooperieren Deutsch­land und Dänemark bei dem bilateralen Programm „Gesicherter Gewerblicher Strategischer See­trans­port“ (GGSS). Die Schiffe sind „RoRo/LoLo Schiffe“, die Fahrzeuge, Container und Stückgut laden können. Der Schifftyp vermöge bis zu 185 LKW aufzunehmen und verfüge über 342 Container­stell­plätze sowie Lade­geschirr und eine Rampe zum Be- und Entladen. Die Schiffe stehen ab Mitte 2012 für mindestens zehn Jahre bereit­.
    http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/!ut/p/c4/NYvBCsIwEET_aDepPag3YxXEmxetF0nTUJe2SdjGCOLHmxycgXeYx-Adc51ONOhI3ukJb9ga2nZvWMbuEegDi-VEBjSbJyWohFzlKeC1PHsLxjsbC6N1kTIH1tEzBM9xKubFnA1Qj62QjRK1-Ed-N-pw3h-ret2c1AXDPO9–xwOhg!!/

    @Erzgebirgler: Vielen Dank ;)

  4. Ein Thema wird dabei gern übersehen und die Diskussion fokussiert sich nur auf die Karel Doormann.
    Die Integration eines deutschen Seebatallions in die niederländische Marine ist wesentlich mehr als nur eine Pressenotiz.
    Das Seebatallion umfasst neben den Objektschützern auch die Minentaucher, die Bording-Gruppen und Anteile des Feldnachrichten-Dienstes der Marine. Sollen die einzigartigen Fähigkeiten zur NDL Marine wechesln, so steht die Marine bei der MCM ziemlich blank da. Dann müssten bei allen Einsätzen die NDL Marine mit am Tisch sitzen. Gleiches auch bei den maritimen Aufklärern (Feldnachrichtendienst). Da wird schnell für eine Kooperation eine Unique-Fähigkeit geopfert.

  5. @KPK
    Die amphibischen Landungsschiffe verfügen natürlich aber 2-4 LCUs die Karl Doorman aber nur über 2 LCVPs mit 8t Nutzlast.

    @alka auch wenn die Kompanien organisatorisch dort aufgehängt werden heißt das nicht, dass wir sie nicht mehr national einsetzen können. All unsere Divisionen sind ja auch in multinationale Stäbe intigriert und die Kräfte der DF Brigade werden auch eingesetzt.

  6. @all

    apropos: Weiß jemand, welche deutsche Einheit die Leopard für diese Verladeübung gestellt hat? (ist auf den Fotos leider nicht zu erkennen, nur das Kennzeichen Y-509 491).

  7. @T.Wiegold

    Ein Bild bei Flickr zeigt einen Leo mit taktischem Zeichen der Schule in Munster.

  8. So, weil stellenweise etwas sehr robust mit Bildrechten umgegangen wird… Die Bilder des niederländischen Generals Rob Verkeerk von der Verladeübung mit einem deutschen Leopard als eingebettete Twitter-Fotos. Diese Art ist urheberrechtlich sauber; die Umwege „habe mir das Bild heruntergeladen und dazugeschrieben, dass es von ihm ist“, machen wir hier bitte nicht.

  9. Mal eine ganz blöde Frage, unabhängig von der Wahrung des Urheberrechts: Ist es inzwischen eigentlich üblich, dass ein General im Dienst Bilder von militärischen Übungen einschließlich Großgerät schießt und diese mittels seines (wohl privaten) Accounts ins Netz stellt?

  10. @KeLaBe

    Willkommen in der wunderbaren neuen Welt der social media! ;-)

    (Obwohl ich vermute, dass der General alle diese Bilder auf seinem Twitter-Account nicht selbst geschossen hat, sondern sie ihm dienstlich geliefert wurden. Aber bei öffentlichen Äußerungen eines Top Brass ist die Trennung privat/dienstlich ohnehin künstlich… Und die Niederländer sind da sehr aktiv; die Chefs aller Teilstreitkräfte ebenso wie Schiffskommandanten. Dass es ihrer Kampfkraft abträglich wäre, kann man wahrlich nicht behaupten.)

  11. @ T.W.

    Okay, danke. Merkwürdig find ich’s trotzdem. Es mag ja hier vielleicht unbedenklich sein, ist aber kein gutes Vorbild. Denn wenn das jeder macht (und dabei vielleicht auch noch Honorar oder zumindest Publicity anstrebt) …

  12. @KeLaBe

    Natürlich streben die Niederländer damit Publicity für ihre Streitkräfte an, und sie sind, glaube ich, ganz erfolgreich damit. Deswegen verstehe ich nicht ganz, warum es kein gutes Vorbild sein sollte – nur weil die meisten deutschen Generale dazu gar nicht in der Lage wären? ;-)

  13. Sagen wir mal so , UvdL, KS und der Rest der StS vereinnahmen die Publicity auf sich. Kein gutes Vorbild, m.M.n.;-)!

  14. @T.Wiegold | 30. Januar 2016 – 15:57
    „Natürlich streben die Niederländer damit Publicity für ihre Streitkräfte an, und sie sind, glaube ich, ganz erfolgreich damit. Deswegen verstehe ich nicht ganz, warum es kein gutes Vorbild sein sollte – nur weil die meisten deutschen Generale dazu gar nicht in der Lage wären? ;-)“

    Treffer versenkt :(

  15. KPz Leopard auf der Karel Doorman
    Die taktischen Zeichen, soweit bei Facebook erkennbar, lassen für die KPz auf der Karel Doorman keine eindeutige Identifizierung zu.
    Auch mit „Sehhilfe“ ist lediglich das Grundzeichen der Panzertruppe erkennbar, also weder Größenordnung noch Einheit und/oder Verband. Bei den vorhandenen Zeichen ist die Zugehörigkeit zur Panzertruppenschule definitiv auszuschließen, der „Schuldoppelstrich“ oben/unten fehlt.
    Die Webseiten von BMVg, Deutsches Heer und auch „defensie“ erlauben keinerlei anderslautende Rückschlüsse.
    Mediengebrauch durch https://twitter.com/GeneraalVerkerk
    Worüber herrscht hier Unverständnis, dass ein NLD Truppenführer sich moderner Medien bedient? In NLD Streitkräften könnte zu Unverständnis führen und seine Qualifikation hinterfragt werden, falls Rob Verkerk diese Möglichkeit nicht nutzen würde. Im Mediengebrauch sind uns die NLD locker 10 Jahre voraus. Seit 2005 sind in den NLD die Eingangsbereiche der Unterkünfte mit internetfähigen Terminals ausgestattet, die mittels ID-Card individuellen Zugangzu Intra-/Internet ermöglichen, GOOGLE ist auf Dienstrechnern seit gleichem Jahr ebenfalls Normalität.
    Einen Großteil seiner Männer und Frauen erreicht der General ausschließlich via facebook, twitter usw!

  16. Laut Fregattenkapitän Frank Fähnrich, Sprecher für Angelegenheiten der Marine im BMVg soll das Seebataillon bis 2018 in die niederländische Marine „integriert“ werden. Der Stützpunkt des Seebataillons bleibt in Eckernförde, es findet keine Verlegung statt. Unter „Integrieren“ versteht das BMVg, dass das Seebataillon die niederländischen Schiffe (!!!!) mitbenutzen kann, um Trainingseinheiten durchzuführen, Übungen zu absolvieren und Prozeduren zu erarbeiten. Bei der Kooperation geht es auch um die multinationale Entwicklung amphibischer Fähigkeiten.

  17. @ari127mm

    Haben Sie mit Fregattenkapitän Fähnrich gesprochen? Ich vermute nicht. Sie haben das aus
    der „Eckernförder Zeitung“ abgeschrieben – behaupte ich mal. Dann geben Sie doch bitte auch diese als Quelle an.

    @T.W.: Auf Anfrage habe ich vom Red.-Leiter die Erlaubnis für die Verwendung des Links zu dem Artikel erhalten. Ich bringe den jetzt mal…
    http://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/seebataillon-treibt-es-nach-holland-id12621631.html
    …und hoffe das ist dan i.O.
    Wenn nicht: Ist ja auch ohne leicht zu finden.

  18. Morgen treffen UvdL und ihre NLD Kollegin Minister Jeanine Hennis van Defensie auf der „Karel Doorman“ zusammem und unterzeichnen den Vertag über die Zusammenarbeit beider Marinestreitkräfte.
    Bedeutsamer wird morgen allerdings die gemeinsame Sitzung der europäischen VgMin unter NLD Vorsitz sein. EIN Ziel der Gespräche wird die Rüstungszusammenarbeit sein, um zu Einsparungen zu kommen und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Zentraler Gedanke der Niederländer ist, konkrete (Rüstungs)Partnerschaften sind schneller umzusetzen, als das Hinwirken auf eine europäische Armee. Nachdem Cameron sich gestern auf seiner „Siegesfeier“ aus Anlass der den 27 Partnern abgerungenen Zugeständnisse zum Verbleib in der EU eindeutig gegen europäische SK ausgespochen hat, bleibt abzuwarten, wie die IBuK-Stellungnahme morgen ausfallen wird.
    – Hoffentlich ist das Thema dann vom Tisch -!
    http://nos.nl/artikel/2084723-nederlandse-en-duitse-marine-gaan-intensief-samenwerken.html

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